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Forum: Übersicht > Kritische Anmerkungen zum Schutz der Privatsphäre
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Anmerkung

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Nun ist der Text doch länger geworden als ursprünglich vorgesehen; mancher Punkt sollte evtl. auch noch vertieft werden, bzw. ist nicht hundertprozentig elaboriert. Mir ging es darum diesen grundsätzlichen Gedanken in die Diskussion einzubringen.

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Guten Abend zusammen,

an dieser Stelle möchte ich einige Überlegungen umreißen, die ich bereits im Chat angesprochen habe, bei denen es mir jedoch wichtig ist, sie auch noch einmal hier zu skizzieren.

Vorweg: Die Art und Weise wie hier gearbeitet wird, die Bereitschaft sich konstruktiv mit kritischen Stimmen auseinanderzusetzen, mithin die Seriösität der ganzen Unternehmung haben mich tief beeindruckt. Nicht wäre verfehlter, als im Zusammenhang des Projekts von einer Hexenjagd auf einzelne Politiker zu sprechen.

Meine Kritik setzt daher auch nicht an der Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Personen des öffentlichen Lebens ein. Meine Bedenken beginnen dort, wo, - wenn auch bislang nur in halböffentlicher Form - Dissertationen von Personen seziert werden, die sich nicht den "Personen des öffentlichen Lebens" zuordnen lassen. Bislang gibt es (abgesehen von den bereits verfolgten, aus meiner Perspektive grenzwertigen, Fällen Brinkmann und Saß), so weit ich es übersehe nur einen Fall („MW“) auf den dies zutrifft. Es erscheint jedoch plausibel, dass dies nicht die letzte „Entdeckung“ bleiben wird.

Der Fall "MW" findet sich zwar nur im Forum, wird mittlerweile allerdings auch im Wikipedia-Artikel zu Vroniplag verlinkt, ist also potentiell einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. Anonym ist das ganze selbstverständlich auch nicht, der Name des Autors lässt sich mit einem Mausklick erschließen.

Bereits dieser eine Fall gibt mir Anlass, die Behandlung der Dissertationen von „Privatpersonen“ durch VroniPlag kritisch zu beäugen, mithin sogar ganz in Frage zu stellen.

Im Chat wurde mir entgegengehalten, dass der Autor durch die Veröffentlichung seiner Doktorarbeit in einen öffentlichen wissenschaftlichen Diskurs eintritt, sich mithin der öffentlichen Kritik an seinem Werk stellen muss. Dem ist fraglos zuzustimmen: Artenschutz für eine Doktorarbeit kann und darf es nicht geben. Das Problem liegt für mich darin, dass eine Analyse des entsprechenden Werkes nie nur die Schrift als solches betrifft, sondern zugleich den Autor des Textes ins Blickfeld rücken lässt.

Der entsprechende Forumsbeitrag dokumentiert nicht nur eine größere Zahl verdächtiger Stellen in der Doktorarbeit, sondern lässt Unstimmigkeiten in der Bewertung/Unklarheiten in der Interpretation von automatischen Scan-Durchläufen erkennen.

„Ich muss meine Meinung/Einschätzung revidieren: Automatische Scanner laufen (bei Mw) doch nicht ins Leere.“ Frangge 13:15, 1. Jul. 2011 (UTC)

„Hier ist Vorsicht angebracht. Ein Großteil der Fundstellen sind direkte Zitate aus Reden, Situngsprotokollen etc., soweit wie ich das bisher überblicke.“ Dr. I. Jones 17:57, 5. Jul. 2011 (UTC)

Die Folge derartiger Unstimmigkeiten – die ob des Umfangs und der Komplexität einer Doktorarbeit eher Regel denn Ausnahme sein werden –, ist, dass sich ein solches Prüfverfahren unter Umständen mehrere Wochen hinziehen kann.

Meine Befürchtung ist nun, dass dem öffentlich Durchleuchteten bereits durch diese erste Feststellung von Verdachtsmomenten ein irreparabler Schaden entstehen kann. Auch wenn dies eine rein hypothetische Befürchtung sein mag: allein die Tatsache das hier vorgebrachte (wenn auch wohlbegründete) Anschuldigungen, zu negativen Kollateralschäden führen können, sobald diese dem persönlichen oder beruflichen Umfeld des Betroffenen bekannt werden, lässt mich an der Angemessenheit jener Prüfverfahren zweifeln.

Diese Gefahr besteht völlig unabhängig von der Frage, aus welchen Motiven die Kontrolleure bei VroniPlag die Arbeit der Überprüfung unterziehen. Deren Arbeit mag von hehren Motiven getragen und auch berechtigt sein – entscheidend für das hier angesprochene Problem ist die Tatsache, dass Folgeschäden entstehen können, die in keinem Verhältnis zu der untersuchten Doktorarbeit stehen müssen

Natürlich ließe sich hier einwenden, dass die öffentliche Infragestellung von Promotionsleistungen in Internetforen letztlich nicht verhindert werden kann, im Internet letztlich alles, was eine objektiv nachvollziehbare und wohlbegründete Auseinandersetzung mit einem wissenschaftlichen Werk darstellt, ohne Konsequenz behauptet werden kann. Und dass sich – so die weitere Argumentation ­- das Problem für den Betroffenen, falls sich der Verdacht als unberechtigt herausstellen sollte, gleichsam in Luft auflösen würde.


Letzteres mag, so meine ich, in vielen Fällen zutreffen, ist aber keineswegs zwingende Konsequenz. Aus meiner Perspektive kann Vroniplag/Guttenplag (mittlerweile sogar Grimme-Preis-Träger) auch den ersten Punkt nicht mehr für sich in Anspruch nehmen. Vroniplag (bzw. das dort eingerichtete Forum) ist eben keine Privatveranstaltung mehr, bei der in aller Ruhe entsprechenden Vorwürfen nachgegangen werden kann und die betroffenen Personen durch die Anonymität des Verfahrens weitgehend geschützt sind. VroniPlag Wiki ist ein Organ von hoher medialer Durchschlagskraft und gewaltiger öffentlicher Resonanz.

Diese öffentliche Anerkennung ist ein hohes Gut aus der sich zugleich eine gewaltige Verantwortung ergibt. Eine kritische Reflexion von Chancen und Risiken des Projekts, auch auf die nächsten Monate und Jahre gesehen, ist dringend angezeigt. Die bisherige fantastische Arbeit der Beteiligten, ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion geben Hoffnung, dass dies gelingen kann.

Serifen 22:28, 5. Jul. 2011 (UTC)Serifen


Bezugnehmend zu "Vorweg: Die Art und Weise wie hier gearbeitet wird, die Bereitschaft sich konstruktiv mit kritischen Stimmen auseinanderzusetzen, mithin die Seriösität der ganzen Unternehmung haben mich tief beeindruckt. Nicht wäre verfehlter, als im Zusammenhang des Projekts von einer Hexenjagd auf einzelne Politiker zu sprechen." Allerdings, nur sehen das die Medien anders, die VP gerne "Denunziantentum" und daraus folgend "gezielte Denunziation" unterstellt sehen wollen. Überhaupt nicht! Anders wird ein Schuh daraus: Hart arbeitende, sich offensichtlich ihren Doktortirtel verdienen habende Menschen wie Frau Eisenblätter - von der Frau Saß so dreist seitenweise abschrieb - sollten Online-Einrichtungen wie VP eigentlich mit Jubel und Trara begrüßen!! Werden doch Dritte (zu Recht!) dafür bestraft, dass Eisenblätters Eigenarbeit einfach plagiiert wird.---Denken Sie doch mal an Ihr eigenes Ego: *SIE* wären die promovierte Person, die 1992 eine Dissertation abgeliefert hat, an der sie mit vollem Einsatz gearbeitet haben, und die nun in dreistester Weise kopiert wird? Würden Sie alle nicht auch ein nicht unerhebliches Maß an Genugtuung empfinden, wenn der Plagiator / die Plagiatorin dafür - salopp gesagt - eines auf den Doktorhut kriegt? Na?


-Andy

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Entschuldigung zuvor. Ich war nicht im chat. Es könnte aber sein, dass kluge Gedanken verschwendet werden an unkluge Bücher.

Eine Diss erscheint als Buch. Bibliotheken oder Privatleute kaufen es oder nicht. Jeder kann es lesen. In Fachzeitschriften erscheint eine kurze, eine ausführliche oder gar keine Rezension. Auch Menschen, die nicht Autoren von Fachzeitschriften in gerade diesem Bereich sind, haben eine Meinung und können die äußern. Jeder Leser kann bei beispielsweise amazon veröffentlichen, was er von dem Buch hält. "Die Seiten 19-21 erinnern mich sehr an ein anderes Buch, und zwar an ...."

Das ist keine Verletzung von irgendeiner Privatsphäre. Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch.

92.201.115.129 04:19, 6. Jul. 2011 (UTC)


Serifen: Vielen Dank für Deinen Beitrag! Wir hatten ja im Chat schon ausführlicher diskutiert und ich kann Dir auch hier versichern: Ich halte die von Dir angesprochene Frage der Angemessenheit der öffentlichen Auseinandersetzung mit einer Dissertationsschrift auf dieser Plattform ebenfalls für hochgradig relevant und wichtig. Dazu haben sich hier auch Prinzipien etabliert, die z.B. dazu führen, daß regelmäßig launisch dahingeworfene Verdachtsäußerungen mit Namensnennung (etwa der Form: "Ihr solltet auch mal XY untersuchen! Der hat sicher auch Dreck am Stecken!") gelöscht werden. Ein weiteres Prinzip ist, daß auch nach Dokumentation erster Textfundstellen, die als unzureichend gekennzeichnete Übernahmen aus fremden Werken erscheinen, eine Namensnennung hier ausgeschlossen ist. Als Konsens hat sich dabei etabliert, daß erst nach Bestätigung durch mindestens zwei Administratoren dieser Plattform ein "Verdachtsfall" auf VroniPlag weiter analysiert werden kann. Ich denke, dieses Vorgehen garantiert den weitestgehenden Schutz vor Diffamierungen, die der Plattform in der Öffentlichkeit hier und da - völlig zu unrecht - vorgeworfen werden. Grundsätzlich anmerken möchte ich, daß ich die allgemeinen Persönlichkeitsrechte der jeweiligen Verfasser durch dieses Vorgehen nicht tangiert sehe. Eine Dissertationsschrift ist nun mal keine Privatsache, die einen besonderen Schutz hinsichtlich der öffentlichen Berichterstattung rsp. Auseinandersetzung genießt. Mit der Publikation einer Dissertationsschrift entscheidet sich der Publizierende bewußt, den Raum der Privatsphäre zu verlassen und den Raum der Öffentlichkeitssphäre zu betreten. Nur in diesem Raum - dem Raum der wissenschaftlichen Öffentlichkeit - kann Wissenschaft betrieben werden. KayH 08:05, 6. Jul. 2011 (UTC)


"1. Zu einem Plagiat gehören immer drei Beteiligte: ein Plagiierter, ein Plagiator und die Öffentlichkeit. 2. Plagiate entstehen dadurch, dass man sich von ihnen erzählt. 3. Plagiate verhandeln grundsätzlich ein "inneres" Verhältnis von Text und Autor. [...] Ein Plagiat, das niemand bemerkt, ist keines. [...]" Philipp Theisohn. Plagiat. Stuttgart, Kröner 2009, S. 3 Frangge 08:09, 6. Jul. 2011 (UTC)


Wir gehen mit den entdeckten Plagiateuren in angemessener Form um. Herr Spreng hat nicht Recht, wenn er meint Frau Saß ist keine Person von öffentlichem Interesse. Wer ein Buch publiziert und den Dr. Titel öffentlich als Namensbestandteil trägt bzw. im Geschäftsleben einsetzt, der muss sich gefallen lassen, dass seine Arbeit öffentlich diskutiert wird. Werden demnächst Rezensionen schlechter Arbeiten verboten, weil die Autoren keine Personen des öffentlichen Interesses sind? Somit revidiere ich meine Meinung aus Satz 1. Wir gehen mit unseren sorgfältig geprüften Dokumentationen und somit entdeckten Plagiateuern viel zu zimperlich um.

Off Topic: Die prominenten Fälle dieser Plagiateure meinen sogar sie könnten im politischen Amt bleiben, bis die letzte Instanz nach Jahren darüber entschieden hat. Deshalb finde ich, dass diese Skandale langsam außerhalb von VroniPlag zum Thema gemacht werden sollten. VroniPlag soll anständig bleiben, aber irgendwann kann man als mündiger Bürger die Füße einfach nicht mehr stillhalten. Goalgetter 08:43, 6. Jul. 2011 (UTC)


Vielen Dank für die Antworten, hier und an anderer Stelle. Ich möchte auf einzelne Punkte eingehen:

Zunächst möchte ich auf diejenigen eingehen, denen das von mir kritisierte Vorgehen als unproblematisch erscheint, die also - so scheint mir - gerne über das von KayH skizzierte, restriktive Verfahren hinausgehen würden.

"Denken Sie doch mal an Ihr eigenes Ego: *SIE* wären die promovierte Person, die 1992 eine Dissertation abgeliefert hat, an der sie mit vollem Einsatz gearbeitet haben, und die nun in dreistester Weise kopiert wird? Würden Sie alle nicht auch ein nicht unerhebliches Maß an Genugtuung empfinden, wenn der Plagiator / die Plagiatorin dafür - salopp gesagt - eines auf den Doktorhut kriegt? Na?"

Sie mögen Recht haben mit dieser Vermutung - allerdings möchte ich doch dafür eintreten, dass die Handlung des "Plagiators" uns nicht von der Pflicht entbindet, verantwortlich mit einem solchen Fall umzugehen. Mir persönlich würde in Fall schwerer Verfehlungen schon genügen, wenn derjenigen seinen Titel entzogen bekäme. Ein mehrwöchiges öffentliche Durchleuchten bereitet mir Probleme

"Werden demnächst Rezensionen schlechter Arbeiten verboten, weil die Autoren keine Personen des öffentlichen Interesses sind? Somit revidiere ich meine Meinung aus Satz 1. Wir gehen mit unseren sorgfältig geprüften Dokumentationen und somit entdeckten Plagiateuern viel zu zimperlich um. "

Ich vertrete den Standpunkt, dass ein Unterschied besteht zwischen einem Plagiatsvorwurf und einer negativen Rezension, stellt letztere doch letztlich nur eine wissenschaftliche Bewertung des Werkes dar. Diese spielt außerhalb der Wissenschaft eine untergeordnete Rolle - was dort zählt ist vorrangig der durch die Doktorarbeit erbrachte Leistungsnachweis und das mit dem Titel verbundene Renomee.

Ein Plagiatsvorwurf dagegen, stellt die persönliche Intigrität des Betroffenen infrage, exponiert ihn als mutmaßlichen akademischen Hochstapler. Die Konsequenzen betreffen in einem solchen Fall nicht nur das akademische Wirken, die Qualität der eingereichten Schrift, sondern reichen weiter und können dem Betroffenen lebenslang schädigen.

Mit diesen Konsequenzen muss der - von der entsprechenden Universität - des Plagiats überführte leben, keine Frage. Problematisch wird der Fall allerdings dann, wenn ein solches Urteil noch nicht ergangen ist, dem Beschuldigten gleichwohl bereits aus der Formulierung des Verdachts ein Schaden entsteht.

Der Autor des Blog "Erbloggtes" (ich hoffe ihm ist recht, dass ich ihn hier zitiere) hat die von mir abstrakt umrissenen Konsequenzen beispielhaft illustriert

(Siehe: http://erbloggtes.wordpress.com/2011/07/06/plagiator-nummer-9-bernd-althusmann-cdu-prasident-der-kultusministerkonferenz/#comment-458 )

"Nehmen wir an, der schlimmstmögliche Fall tritt ein: Der Arbeitgeber entlässt einen Plagiatsverdächtigen, der noch in der Probezeit ist, weil er vermeiden will, dass sein Unternehmen in Zusammenhang mit einem Plagiatsverdacht in den Medien erwähnt wird."

mir aber zugleich widersprochen:

"Ich weise jede Verantwortung dafür von mir. Der Arbeitgeber ist selbst vollumfänglich für dieses Handeln verantwortlich. Moralische Vorwürfe kann man höchstens ihm machen."

"Und nochmal: Für Kurzschlussreaktionen in der Verdachtsphase ist allein der Kurzschlussreagierende verantwortlich, nicht der Überbringer der Nachricht."

Das ist eine durchaus nachvollziehbare Position, die ich aber nicht teilen möchte. Kann man sich wirklich auf die Position zurückziehen, man selbst habe doch nur die wissenschaftliche Qualität eines Werkes beurteilt? Muss nicht bereits der Urheber jener Verdächtigungen die Konsequenzen seines Handelns im Blick haben?

Unsere Demokratie lebt davon, dass auch "Staatsgeheimnisse" der Öffentlichkeit transparent gemacht werden können, investigativer Journalismus nicht unter Rückgriff auf ein "nationales Interesse" bestraft werden kann. Aber gilt dies auch bei Privatpersonen? Rechtfertigen die verteidigten Prinzipien Offenheit und Transparenz die Konsequenzen, die dem Einzelnen entstehen können?

Mit diesen Fragen wende ich mich gegen jene - und diese Tendenz erkenne ich in Teilen, wer anderer Meinung ist, kann mir widersprechen -, die in den von KayH beschriebenen Sicherungsmaßnahmen lästige Hindernisse einer wirklich offenen und transparenten Auseinandersetzung mit Plagiaten sehen.

Serifen 22:30, 11. Jul. 2011 (UTC)


Auch wenn ich grundsätzlich davon überzeugt bin, dass hier bislang relativ verantwortlich gearbeitet wird und ich auch das von KayH skizzierte Vorgehen vernünftig finde, möchte ich doch an einer Stelle einen wichtigen Punkt anmerken.

"Eine Dissertationsschrift ist nun mal keine Privatsache, die einen besonderen Schutz hinsichtlich der öffentlichen Berichterstattung rsp. Auseinandersetzung genießt. Mit der Publikation einer Dissertationsschrift entscheidet sich der Publizierende bewußt, den Raum der Privatsphäre zu verlassen und den Raum der Öffentlichkeitssphäre zu betreten" (KayH)

Einverstanden. Das Problem liegt für mich jedoch darin, dass im Fall von VroniPlag, nur der Beschuldigte selbst jene öffentliche Sphäre betritt, der Kontrolleur jedoch anonym bleibt. Ich möchte hier keine grundsätzliche Diskussion über das Anonymitätskonzept anzetteln, aber doch darauf hinweisen, dass ein Rezensent i.d.R. in etablierten Rezensionsorganen mit seinem Namen auftritt. Auch Andreas Fischer-Lescano äußerte seinen Plagiatsvorwurf offen - ging also ein gewisses Risiko ein, dass diese Vorwürfe auf ihn selbst zurückfallen würden.

Ein Autor bei VroniPlag jedoch geht gar kein Risiko ein - er kann dem Untersuchten öffentlich Betrug vorwerfen, ihn damit nachhaltig schädigen. Er selbst riskiert in diesem Moment allerdings gar nichts, und beharrt auf seiner Anonymität, die zum ordnungsgemäßen Betrieb von VroniPlag eben notwendig sei.

Es ist diese fehlende Reziprozität der Auseinandersetzung, die mich in dieser Frage zu einem Skeptiker werden lässt.

Serifen 22:53, 11. Jul. 2011 (UTC)

Ich verstehe nicht, warum der Täter wieder zum Opfer gemacht wird. Für die in den öffentlichen Raum gestellte Dissertation ist der Autor oder die Autorin selbst verantwortlich. Jeder kann sich die Plagiate hier anschauen, sich eine Meinung bilden und diskutieren. Wenn überhaupt, dann schädigt sich doch der Autor oder die Autorin selbst durch das offensichtliche Schummeln. Es bleibt mir auch ein Rätsel, warum der Entdecker eines Plagiats namentlich in Erscheinung treten soll. Warum ist das für den Sachverhalt wichtig?

(ein interessierter Mitleser)

Plagiat ist weder juristisch noch logisch eindeutig definiert. Es handelt sich also um eine subjektive Einschätzung des Betrachters bzw. einer Vielzahl von Betrachtern. Es gibt also keine Plagiats-Entdecker, sondern lediglich Plagiats-Beschuldiger, wobei die Untergrenze für Plagiats-Beschuldigungen immer tiefer nach unten verschoben wurde - mittlerweile gelten selbst einzeilige Textübernahmen (die in der Wissenschaft noch nicht einmal als Text gelten, weil ein Text definitionsgemäß mindestens zwei Sätze umfassen muss) als Plagiat. Der Plagiats-Vorwurf wird dann zum Anlass genommen, die Aberkennung des Doktortitels und - als Übergriff der Wissenschaftssphäre in die Politiksphäre - den Rücktritt von einem politischen Amt zu fordern. Wenn ein Politiker wie Guttenberg sich dem öffentlichen Druck nicht mehr gewachsen fühlt, dann wertet das akademische Wolfsrudel dies als Erfolg und sucht sich das nächste Opfer, das dem öffentlichen Druck psychisch nicht mehr gewachsen ist. Wenn man das oft genug wiederholt, dann wird es früher oder später den ersten Selbstmord wegen Plagiatsbeschuldigung geben. Ist es das wert? Seid Ihr dann stolz darauf, einen Menschen in den Tod getrieben zu haben, seine Frau zur Witwe und seine Kinder zu Waisen gemacht zu haben?

--87.152.218.23 09:06, 12. Jul. 2011 (UTC)

Im obigen Text könnte man auch Plagiat kenne Diebstahl austauschen, der Inhalt wäre identisch.

Alle Fälle werden und wurden von den Universitäten geprüft und nur diese können einen Dr.-Titel vergeben und aberkennen. Auch diese waren nach meistens langwierigen und sorgfältgen Prüfungen zu der Überzeugung gekommen, das Plagiate vorliegen. Allenfalls die Frage ob dies vorsätzlich geschah, wurde gerne übergangen, bzw. keine genaue Aussage getroffen.

Na, ja, wenn Diebe Diebe Diebe schimpfen!

Gruß 80.141.185.77 09:21, 12. Jul. 2011 (UTC)

@87.152.218.23: Gerade die Universitäten haben doch die Wikis in den höchsten Tönen gelobt. Objektiv gesehen ist also die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Plagiats-Beschuldigungen auch wirklich einer Plagiats-Entdeckung entsprechen. Und bei einem Wiki ist es ja üblich, dass mehrere Personen eine Plagiats-Beschuldigung überprüfen. Auch Sie können sich doch daran beteiligen und die Beschuldigung entkräften. Warum haben Sie das unterlassen? Insofern kann man ihre Kritik nicht gelten lassen. Wer sich öffentlich mit einer Dissertation exponiert, der muss auch die öffentliche Diskussion und Kritik ertragen können. Ich verstehe nicht, warum die Kassiererin eines Supermarkts (und vielleicht auch andere Zeugen), die einen Ladendiebstahl angezeigt hat, eine Opferrolle einnehmen soll. Und ich verstehe nicht, warum die Kassiererin für die Folgen, die sich für den Ladendieb ergeben, verantwortlich gemacht werden soll. (ein interessierter Mitleser)


@ein interessierter Mitleser

Ich habe beim zufälligen Durchlesen bereits (anonym) einige Fragmente entdeckt und korrigiert, die falsch eingeordnet waren: Sätze, bei denen einzelne Füllworte ausgetauscht wurden, gelten offiziell nicht mehr als Plagiat / Zitat (mit / ohne Gänsefüßchen), sondern als Paraphrase / Verschleierung (mit / ohne Fußnote). Rein formal gilt ein solches Textfragment dann nicht mehr als Plagiat und darf im Prüfungsverfahren dann auch nicht als Begründung für harte Sanktionen (Titelentzug) herangezogen werden.

Vroniplag präsentiert linguistische Plagiate (Textähnlichkeiten), um die Herkunft der in der Dissertation präsentierten Gedanken zu ermitteln. Grenzfälle werden dabei bewusst als Plagiat bewertet, wenn es um die Nachvollziehbarkeit der Textentstehung geht. Im Zweifel gegen den Angeklagten. Wenn es aber um eine prüfungsrechtliche Entscheidung (Aberkennung des Doktortitels) geht, dann müssen die Grenzfälle einzeln - jeder einzelne für sich - im Zweifelsfall zugunsten des Angeklagten gewertet werden. Falls einer der Beteiligten mit Hilfe eines fähigen Anwalts (Frau Saß ist ja selbst Anwältin) tatsächlich gegen seine Universität klagen sollte, dann stehen die Chancen gut, dass mindestens 50% der Zweifelsfälle nicht zur Begründung des Titelentzugs herangezogen werden dürfen.

Beim Führerscheinentzug wird jeder Formfehler (abgelaufenes Eichsiegel des Messgerätes, unsichtbares Verkehrsschild) in der Regel zugunsten des Angeklagten gewertet, der somit gute Chance hat, selbst bei einem objektiven Fehlverhalten ohne Führerscheinentzug davonzukommen.

Es geht bei diesen Affären nicht allein um die mangelnde Prüfung durch die Universitäten und den Titelentzug an sich, sondern auch um die Art der Kommunikation, die dem Durchschnittsbürger in allen Boulevardblättern und Nachrichtensendungen vermittelt wird. Da wird Urheberrecht und Prüfungsrecht verwechselt, da wird geistiges Eigentum auf Allgemeinwissen beansprucht, da wird Abscheiben mit Diebstahl gleichgesetzt.

1. geistiges Eigentum

Die untersuchten Dissertationen enthalten zum großen Teil Allgemeinwissen und Fakten, die wegen ihres Bekanntheitsgrades nicht als geistiges Eigentum beansprucht werden können. "1914 wurde Belgien von deutschen Truppen besetzt" ist eine seit 1914 bekannte Tatsache, die man nicht als geistiges Eigentum einem Autor zuweisen kann. "Es gibt 965 Millionen Autos auf der Welt" ist ein Fakt, der ebenfalls nicht als geistiges Eigentum geschützt ist. Eine Quelle dafür zu nennen ist zwar wissenschaftlich wünschenswert, sie nicht zu nennen ist aber zumindest kein Urheberrechtsverstoß.

2. Urheberrecht

Urheberrechtlich geschützt sind ganze Werke, also Bücher, Aufsätze usw.. Sätze und Halbsätze fallen nicht unter das Urheberrecht. Die Namensnennung der Originalautoren wird in der Wissenschaft (und somit auch im Prüfungsrecht) deshalb gefordert, damit die Zitierstatistik aufgebläht wird. Das Ergebnis (Zitatfarmen, Zitierkartelle usw.) ist allgemein bekannt. Ob aber die minimale Beeinflussung des automatisch errechneten Rankings anderer Autoren einen in Deutschland einklagbaren Vermögensschaden begründet, wage ich zu bezweifeln.

3. Diebstahl

Da einzelne Sätze in der Regel nicht urheberrechtlich geschützt sind und die meisten Sätze ohnehin nur banale Schlussfolgerungen enthalten, kann man die maßvolle Textübernahme kaum mit einem Diebstahl gleichsetzen. Beim Diebstahl fehlt dem Bestohlenen etwas. Bei der maßvollen Textübernahme (die richtige Zitattionsmethode - Chatzi oder Harvard - sei dahingestellt) hat man im Idealfall zwei gute Texte, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Aspekte gegenseitig ergänzen. Im Idealfall sollten beide Autoren sich fortan als Freunde im Kampf für eine gemeinsame Sache und nicht als Gegner im Kampf um vergänglichen Ruhm betrachten. Oder es ergibt einen schlechten Text oder auch zwei schlechte Texte, die man dann lieber ungelesen im Archiv verschwinden lässt, anstatt die öffentliche Aufmerksamkeit durch Plagiatsvorwürfe auf das schlechtere Machwerk zu lenken. Für schlechte Texte gibt es schlechte Noten, aber keine öffentliche Brandmarkung als Straftäter!

4. Qualitatives Niveau

Es wird oft behauptet, die untersuchten Doktorarbeiten hätten ein geringes Niveau, Das stimmt durchaus, wird aber von der Wissenschaft und vor allem von den Medien viel zu wenig kommuniziert. Wenn Frau Koch-Mehrin aus Geschichtsbüchern abschreibt, dann ist das kein "Urheberrechtsverstoß" (weil längst bekanntes Allgemeinwissen und somit nicht einmal ansatzweise als "geistiges Eigentum" geschützt) und nur mit viel Böswilligkeit als "Anmaßung der Autorschaft" einzustufen (gerade ein Geschichtsprofessor sollte soviel Hintergrundwissen haben, um zu wissen, dass diese Erkenntnisse nicht von ihr stammen.) Insofern kann man den untersuchten Doktoranden zu Recht den Vorwurf machen, zu wenig zum wissenschaftlichen Fortschritt beigetragen zu haben. Dafür braucht man aber nicht zur fragwürdigen Keule ("Betrüger", "Dieb", "Täter") greifen. Die braucht man nur als Rechtfertigung für den hastigen Titelentzug, der von den Versäumnissen der Universitäten ablenken soll. Merke: Es ist immer einfacher, den Sack zu schlagen als den Esel.

--87.152.218.23 13:19, 12. Jul. 2011 (UTC)

Ich glaube, Sie sind im falschen Film. Sind Sie sicher, dass Sie im richtigen Wiki kommentiert haben? Ich wüsste ehrlich gesagt gar nicht, wo ich bei Ihnen anfangen sollte. Sie werfen mit unbelegten Behauptungen, Deutungen und un- oder selbstdefinierten Begriffen nur so um sich und wechseln die Definitionen anscheinend auch so, wie es gerade passt. Und Sie schreiben auch wirklich falsche Dinge. Das greife ich jetzt aber nicht einzeln heraus. Doch eins: Mal zu Ihrem Punkt 2, was den urheberrechtlichen Schutz betrifft, der Ihrer Aussage gemäß nur für "ganze Werke" gelten kann. Unsinn. Darunter fallen nach aktueller Rechtsprechung sogar Zitate, die so kurz wie eine halbe SMS sind: http://www.focus.de/fotos/die-zitate-von-klaus-kinski-bleiben-urheberrechtlich-geschuetzt-foto_mid_512961.html Martin Klicken 13:35, 12. Jul. 2011 (UTC)
"Es besteht zu etwa einem Drittel aus teilweise abgewandelten Zitaten des 1991 gestorbenen Schauspielers" - Die Urheberrechtsverletzung liegt darin begründet, dass diese Aussagen ausschließlich eine einzige Person betreffen. Daraus die Schlussfolgerung abzuleiten, dass kurze, aus dem Zusammenhang gerissene Zitate für sich einzeln geschützt sind, ist einfach falsch.
@Martin Klicken
Ja, ich habe mich mit vollem Bewusstsein für die Rolle des Advocatus Diaboli entschieden, weil jede These einem Mindestmaß an Kritik ausgesetzt sein muss. Es mag sogar sein, dass einzelne Kritikpunkte widerlegt werden können. Diese Argumente abzuarbeiten ist mühsam - vielleicht sogar ein ganzes Dissertationsthema. Es ist allemal besser, die argumentativen Klingen zu wetzen als durch Schweigen einen scheinbaren Konsens zu unterstützen. --87.152.218.23 14:11, 12. Jul. 2011 (UTC)
Der Advocatus kommt aber recht unbewaffnet daher - denn in einem Wiki zählen als Argumente vor allem Links. Sie stellen hier jedoch recht allgemein gehaltene Aussagen in den Raum, die sich nicht auf konkrete Textstellen beziehen lassen. Verweisen Sie doch einfach mal auf die eine oder andere, die aus Ihrer Sicht 'im Zweifel gegen den Verfasser' ausgelegt wurde. Hier finden Sie z.B. alle, die im Verlauf der Sichtung eines aktuell hier behandelten "Falles" ausgeschieden wurden: Bds/Fragmente/KeinPlagiat. KayH 16:30, 12. Jul. 2011 (UTC)

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@87.152.218.23: Wenn ich Sie richtig verstehe, kritisieren Sie die Arbeit dieser Plattform als zu reißerisch und unfair, da viele der hier als Plagiat ausgewiesenen Fragmente willkürlich "gegen den Angeklagten" verwendet werden, statt Milde walten zu lassen, wenn der Sachverhalt auch eine andere Interpretation zulässt. Schön und gut, dagegen kann man im Einzelfall wohl nichts einwenden. Wie erklären Sie sich aber, dass beispielsweise der Prüfungsausschuss der Uni Heidelberg, der den Entzug des Doktorgrades von (nunmehr) Frau Koch-Mehrin veranlasst hat, sogar noch mehr als Plagiat gewertete Stellen auf noch mehr Seiten ihrer Dissertation gefunden hat als die hiesige Plattform VroniPlag? Sind Sie sicher, dass VroniPlag der richtige Adressat für Ihre Kritik ist, oder sollten Sie nicht vielmehr die zuständigen Prüfungsgremien an den verschiedenen Universitäten darüber in Kenntniss setzen, dass dort eine falsche Definition von "Plagiat" herangezogen wird?

Nachtrag: Im Übrigen freue ich mich darüber, dass Sie nun überhaupt versuchen, sich hier etwas sachlicher einzubringen und nicht weiter eine potentielle Suizidgefahr von überführten akademischen Betrügern als Argument dafür anführen, dass man diese Form der Aufdeckung von akademischem Betrug einstellen solle.

87.122.34.47 13:41, 12. Jul. 2011 (UTC)

@87.122.34.47

Gute Frage! In Gedanken habe ich schon damit gespielt, dem Prüfungsausschuss meine Meinung mitzuteilen. Allerdings zeigt mir die Lebenserfahrung, dass man im Zustand persönlicher Erregung lieber keine offiziellen Aktionen jedweder Art starten sollte, weil dann persönliche Emotionen und sachliche Argumente zu sehr gegeneinander ankämpfen. Da ist es einfacher, hier einen Testballon zu starten, um zu sehen, welche Argumente ankommen und welche überzeugenden Gegenargumente vorgebracht werden.

--87.152.218.23 14:11, 12. Jul. 2011 (UTC)



"Falls einer der Beteiligten mit Hilfe eines fähigen Anwalts (Frau Saß ist ja selbst Anwältin) tatsächlich gegen seine Universität klagen sollte, dann stehen die Chancen gut, dass mindestens 50% der Zweifelsfälle nicht zur Begründung des Titelentzugs herangezogen werden dürfen." (87.152.218.23)
Was ja nichts daran ändert, dass die anderen 50% ohne Kennzeichnung übernommen wurden. Ein Plagiat bleibt dann ein Plagiat.
"Es geht bei diesen Affären nicht allein um die mangelnde Prüfung durch die Universitäten und den Titelentzug an sich, sondern auch um die Art der Kommunikation, die dem Durchschnittsbürger in allen Boulevardblättern und Nachrichtensendungen vermittelt wird. " (87.152.218.23)
Für die Darstellung in den Boulevardblättern und Nachrichtensendungen sind nicht die Helfer bei Vroniplag verantwortlich, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe. Die Kommunikation bei Vroniplag ist für mich ganz einfach nachzuvollziehen. Wenn Inhalte 1:1 übernommen werden, ohne dass diese Textstellen als Zitat gekennzeichnet sind, dann sprechen wir hier von einem Voll-Plagiat.
"Da wird Urheberrecht und Prüfungsrecht verwechselt, da wird geistiges Eigentum auf Allgemeinwissen beansprucht, da wird Abscheiben mit Diebstahl gleichgesetzt." (87.152.218.23)
Sie unterstellen hier eine Verwechslung. Sie picken sich ein Beispielsatz (Allgemeinwissen) heraus und versuchen mit diesem Satz andere Plagiate zu rechtfertigen. Plagiate, die zweifelsfrei eine nachvollziehbare Kreativleistung eines anderen Menschen ist. Wenn das dann auch noch seitenweise geschieht: Das soll dann kein Abschreiben sein? Für mich ist das dann Diebstahl geistigen Eigentums.
zu 1. geistiges Eigentum:
Ein Großteil der Plagiate sind aber eben nicht Teil von Allgemeinwissen und allgemeinen Fakten. Außerdem sind in diesem Fall komplette Abschnitte zu berücksichtigen. Für mich als Laie stellt sich die Frage: Sind die Sätze davor und danach auch plagiiert? Sollte das zutreffen und die Textstelle ist nicht als Zitat gekennzeichnet, dann ist der geistige Diebstahl offensichtlich. Eine korrekte Dissertation entsteht nicht durch das reine Abschreiben von Allgemeinwissen ohne Kennzeichnung aus Geschichtsbüchern.
zu 2. Urheberrecht:
Es gelten auch weiterhin wissenschaftliche Standards, und eben nicht die spezielle Chatzimarkakis-Oxford-Zitierweise ohne Gänsefüßchen. Wenn Inhalte aus einer anderen Arbeit 1:1 übernommen werden, dann müssen diese Stellen sichtbar sein und für jeden nachvollziehbar mit Gänsefüßchen gekennzeichnet sein. Der Leser muss unterscheiden können, ob die kreative Leistung vom Verfasser der Dissertation oder von einem Fremdautor stammt.
zu 3. Diebstahl:
Sie versuchen immer einzelne Sätze isoliert zu betrachten und reduzieren diese Betrachtung auf Sätze, die sich auf reines Allgemeinwissen beziehen. So "funktioniert" aber eine Dissertation nicht. Beim Diebstahl geistigen Eigentums ist es unerheblich, ob dem Bestohlenen etwas fehlt oder nicht. Geistiges Eigentum ist nunmal teilbar. Beim Supermarktbeispiel steht die Handlung einer Täuschung im Fokus. Im Falle eines Plagiats: Der Dieb schmückt sich mit fremden Federn, wenn nicht ordentlich zitiert wurde. Er versucht sich über diesen Weg im Extremfall einen persönlichen Vorteil zu erschleichen.
4. Qualitatives Niveau
"Es wird oft behauptet, die untersuchten Doktorarbeiten hätten ein geringes Niveau". (87.152.218.23) Hier sollten wir konkret werden: Die Autoren selbst behaupten das (Chatzimarkakis, Koch-Mehrin). Auch Frau Koch-Mehrin musste für ihre Dissertation eine Kreativleistung abliefern. Wenn dann aus Geschichtsbüchern mehrere Abschnitte abgeschrieben werden, dann müssen diese Stellen als Zitat gekennzeichnet werden. Es ist ganz einfach. Warum ist das so schwer zu verstehen?
(ein interessierter Mitleser)
--------------

Ich bitte um Verständnis, wenn ich mich aus Redundanzvermeidungsgründen auf die Kommentierung der aussagefähigsten Aussagen beschränke:
1. "Plagiate, die zweifelsfrei eine nachvollziehbare Kreativleistung eines anderen Menschen" sind
Die Frage, was eine Kreativleistung ist, bleibt umstritten. 60-70% der hier (bei Vroniplag) gelisteten Textstellen sind m.E keine Kreativleistung. Z.B. ist die folgende zufällig ausgewählte Textstelle m.E. keine Kreativleistung, sondern eine Reproduktivleistung:
"Dort verkündete die italienische Regierung ihre Ansicht, daß die Aufhebung der kleineren Geldscheine eine Frage der inneren Verwaltung sei. Jede Bindung in diesen Angelegenheiten durch zwischenstaatlichen Vertrag stelle eine Beeinträchtigung der Rechte des italienischen Parlaments dar, welches allein darüber zu bestimmen habe, wann der Zwangskurs abgeschafft werden könne."
http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Skm/Koch-Mehrin-2001/126
Wenn überhaupt jemand eine Kreativleistung erbracht hat, dann war es die italienische Regierung und nicht der Wissenschaftler, der nur nacherzählt.
2. "Der Leser muss unterscheiden können, ob die kreative Leistung vom Verfasser der Dissertation oder von einem Fremdautor stammt."
Schön formuliert, aber leider nicht in den Promotionsordnungen enthalten. Früher (bis in die 1990er Jahre) hat man das durch Allgemeinbildung unterschieden. Deshalb enthalten die meisten Promotionsordnungen äußerst schwammige Formulierungen ("selbständige wissenschaftliche Leistung", "dem Schrifttum entnommene Stellen"), die keine Aussage darüber treffen, was eine Stelle überhaupt ist. Derart unbestimmte Formulierungen halten keiner juristischen Überprüfung stand, zumal wenn sie durch keinerlei Gesetz legitimiert werden. Da es also einen Widerspruch zwischen dem bislang ungeschriebenen Leitbild und der geschriebenen Promotionsordnung gibt, können Altdoktoranden also mit gutem Grund auf die unbestimmte Rechtslage verweisen.
Es geht nicht an, dass einzelne Wissenschaftler hier ein privates Justizsystem einführen, das abseits jeglicher Rechtsnormen (keine Strafe ohne Gesetz, Recht auf Anhörung, Verteidigung und Berufung, öffentlicher Prozess, im Zweifel für den Angeklagten) agiert und ohne gesetzliche Grundlage die Strafgewalt über alle wissenschaftlich tätigen Autoren beansprucht. (Nachträgliche Anmerkung: das richtet sich nicht speziell gegen dieses Wiki, sondern gegen die gesamte Blogger-Landschaft: deplagio, guttengate, OpenPetition und die dort enthaltenen Kommentare usw., gegen die Prüfungsausschüsse einzelner Universitäten, die keine Gutachten veröffentlichen, gegen die Massenmedien usw.)
--87.152.218.23 16:57, 12. Jul. 2011 (UTC)
Es geht hier nicht um Justiz, sondern um Wissenschaft. Sie versteigen sich ja. Das System ist nicht neu, sondern sehr alt und sehr gut etabliert. Es funktioniert so, dass man sagen darf, was man beobachtet. Das hat, wie z.B. Hr. Chatzimarkakis selbst sagt, rein gar nichts mit Straftaten, nicht einmal mit Ordnungswidrigkeiten zu tun. Gleichzeitig möchte er aber, dass Grundsätze auf ihn angewendet werden, die für den Strafprozeß gelten. Das ist Unsinn. Vielleicht sollten sich die Verwirrspieler mal entscheiden. Aber nein, sie wollen ja verwirren. Bestimmte Aussagen dürfen einfach auch ohne richterlichen Beschluss getätigt werden. Ihnen kann ja auch etwas entgegnet werden. Martin Klicken 17:10, 12. Jul. 2011 (UTC)
Da kann ich mich nur anschließen, Klicken. Man kann hier einzelne Textstellen sicher so oder so einschätzen - aber es gibt schlichtweg einen Konsens darüber, daß wir uns hier nicht in Diskussionen über Kreativleistungen (also qualitative Einschätzungen von Textfunden) verlieren oder Fragen der juristischen Bewertung von Täuschungshandlungen in der Wissenschaft. Das können Sie alles gerne machen, liebe IP 87.152.218.23, es spielt aber für die hier behandelte Frage redlicher Bezugnahme auf Forschungsdiskurse in den Wissenschaften keine Rolle. Ich verweise abschließend gerne auf VGH Baden-Württemberg Beschluss vom 13.10.2008, 9 S 494/08. Vielleicht ist das ja ein geeigneter Ort, um über die juristische Bewertung konkreter Fälle zu diskutieren. KayH 18:58, 12. Jul. 2011 (UTC)

@87.152.218.23

Ich glaube, Sie verstehen überhaupt nicht, worum es in diesem Wiki geht. Hier werden Textstellen gegenüber gestellt und festgelegte Kriterien angewandt, welche auch von externen Plagiatsexperten für gut befunden werden. Dies hat nichts mit einer "fragwürdigen Keule ('Betrüger', 'Dieb', 'Täter')" zu tun, es existieren beispielsweise keine Kategorien "Verschleierungsklau" oder "Komplettdiebstahl", sondern "Verschleierungsplagiat" und "Komplettplagiat". Sicher gibt es Grenzfälle, und es können Fehler und gelegentlich auch unangemessene Anmerkungen auftreten. Daraus können Sie jedoch keine allgemeinen Schlussfolgerungen ziehen, weder über die Motivation, noch über die Qualität insgesamt. Wenn Sie sich die ausgeschiedenen bzw. als "kein Plagiat" eingeordneten Textstellen anschauen (vielleicht haben Sie die noch gar nicht gesehen?), werden Sie feststellen, dass es auch nicht wahr ist, dass hier "im Zweifel gegen den Angeklagten" entschieden wird. Sie können auch einmal den Artikel der Zeit über die Dissertation von Bernd Althusmann lesen. Dort werden deutlich schärfere Kriterien als bei Vroniplag angewandt. Im Zweifel werden hier also häufig Textfragmente für den Angeklagten bewertet oder gar nicht erst erstellt. Außerdem werden die Befunde in Vroniplag durch die Universitätsgutachten bestätigt. Und weshalb meinen Sie, dass hier das Urheberrecht eine zentrale Rolle spielt? Das interessiert mich genauso wenig wie die meisten anderen Vroniplag-Nutzer und deswegen brauche ich mir auch keine Gedanken zu machen, ob die Länge deiner Textübernahme auch bzgl. einer Urheberrechtsverletzung im juristischen Sinne relevant ist. Eine Dissertation soll als Nachweis zur Fähigkeit des wissenschaftlichen Arbeitens dienen und wissenschaftlichen Neuheitswert schaffen. Eine Grundvoraussetzung dafür ist, dass Text, Grafiken, Ideen und Ergebnisse aus anderen Quellen nicht als eigene Leistung des Autors ausgegeben werden. Wenn massenhaft übernommene Inhalte überdies banal sind, macht es das nicht besser und zeugt teilweise um so mehr von der mangelnden wissenschaftlichen Fähigkeit des Autors. Eventuelle Urheberrechtsverletzungen stehen bei den Plagiatsbewertungen in Vroniplag gar nicht zur Debatte. - Hood 16:03, 12. Jul. 2011 (UTC)

@Hood

Danke für die Anmerkungen, die ich inhaltlich voll unterstütze. Leider ist es so, dass zahlreiche Kommentator(inn)en im Internet versuchen, diese komplexen Zusammenhänge so stark zu vereinfachen ("Textübernahme ist wie Ladendiebstahl"), dass der eigentliche Hintergrund, nämlich die wissenschaftliche Qualitätssicherung, verloren geht. Da wird der Rücktritt dieser Politiker dann zur Lösung aller Probleme verklärt ("Wenn Frau Koch-Mehrin abtritt, herrscht im Europaparlament wieder Ehrlichkeit und Anstand", was ja logisch zwingend voraussetzt, dass die übrigen 734 Politiker ausschließlich grundehrliche und anständige Menschen sind.). Statt strukturelle Reformen wie direkte Demokratie zu fordern, setzen diese Kommentatoren lieber auf persönliche Rachsucht und das kann meiner persönliche Auffassung nach nicht richtig sein. --87.152.218.23 16:57, 12. Jul. 2011 (UTC)
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Da bringen Sie wieder einiges durcheinander. Nirgendwo steht "Textübernahme ist wie Ladendiebstahl". Es ist nur als Sinnbild zu verstehen. Warum soll eine Kassiererin als Zeugin eines Diebstahls in die Öffentlichkeit gezerrt werden. Es ist völlig unerheblich, wer den Diebstahl beobachtet hat.
(e.i.M.)
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