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Analyse:Aw/Fragment 020 01

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Hood
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 20, Zeilen: 1-25
Quelle: Jokschies 2005
Seite(n): 55, 58-59, Zeilen: 55: 23-30; 58: 25-33 ; 59: 1ff.
[Das psychische Selbst entwickelt sich durch die Wahrnehmung der eigenen Person im Geist eines anderen Menschen. Dies ist auch in psychoanalytischen Theorien, wie von Bion, Winnicott oder Kohut, so Fonagy (Fonagy, 2006), erst dann möglich, wenn die Mutter fähig] ist, das Kind als ein potentiell eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen, Vorstellungen und Gefühlen anzuerkennen, die mentale Verfassung des Kindes zu verstehen und einen Container zu bieten. Innerhalb des Konstrukts der reflexiven Kompetenz verschiebt sich der traditionelle psychoanalytische Schwerpunkt, so Fonagy (Fonagy, Target & Steele, 1998). Denn psychoanalytische Theorien gingen davon aus, dass das Kind das Bild der Mutter internalisiert, die zum Halten der emotionalen Zustände ihres Kindes fähig ist. Dadurch erwirbt das Kind eine Selbststruktur, die es ihm ermöglicht, Konflikte und Verstörungen in sich zu halten. Fonagy expliziert diesen Zusammenhang detaillierter:

Das Kind nimmt im Verhalten der Mutter nicht nur deren Reflexivität wahr, auf die es schließt, um ihr Verhalten begründen zu können, sondern es nimmt zuvor in der Haltung der Mutter ein Bild seiner selbst als mentalisierendes, wünschendes und glaubendes Selbst war [sic!]. Das Kind sieht, dass die Mutter es als intentionales Wesen repräsentiert. Es ist diese Repräsentanz, die internalisiert wird und das Selbst bildet. ‘Ich denke, also bin ich’ reicht also als psychodynamisches Modell für die Geburt des Selbst nicht aus; ‘Sie denkt mich als denkend und also existiere ich als denkendes Wesen’ kommt der Wahrheit möglicherweise näher. S.366 (Fonagy, 1998)

Das Kind kann sich als intentionales psychisches Wesen im Anderen wieder finden, wenn die reflexive Mutter die intentionale Haltung des Kindes wahrnimmt. Besitzt die Mutter diese Fähigkeit nicht, wird sich das Kind gegenüber der Mutter unsicher verhalten. Wenn die Beziehung zur Mutter feindselig oder missbräuchlich ist, wird sich das Kind von der Mutter abwenden, da die feindlichen Absichten das kindliche Selbst überwältigen. Dies kann sich bis zum Vermeiden mentalen Befindens steigern und das Kind kann sich nicht mit einem verständnisvollen Objekt identifizieren und bedeutungsvolle intime Beziehungen mit ihm aufbauen (Fonagy, Moran & Target, 1998).

[Seite 55]

Psychoanalytische Überlegungen zur Bedeutung metakognitiver Fähigkeiten der Mutter in Bindungsbeziehungen sind ähnlich gelagert: Sie betonen die Fähigkeit der Mutter, das Kind als ein potentiell eigenständiges Wesen mit eigenen Wünschen, Vorstellungen und Gefühlen anzuerkennen, die mentale Verfassung des Kindes zu verstehen und einen Container zu bieten (Bion, 1962; Fairbairn, 1952; Kohut, 1977; Winnicott, 1965). Demnach entwickelt sich das psychische Selbst, der Mensch mit Absichten, Zielen, Gedanken und Wünschen durch die Wahrnehmung der eigenen Person im Geist eines anderen Menschen.

[...]

[S. 58]

Fonagy (1998) betont, dass sich innerhalb des Konstrukts der Reflexiven Kompetenz auch der traditionelle psychoanalytische Schwerpunkt verschiebt. Psychoanalytische Theorien gingen davon aus, dass das Kind das Bild der Mutter internalisiert, die zum Halten emotionaler Zustände des Kindes fähig ist. Dadurch erwirbt das Kind eine Selbststruktur, die es dem Kind ermöglicht, Konflikte und Verstörungen in sich zu halten. Die Sicht des Autors unterscheidet sich von diesem Schwerpunkt:

„Das Kind nimmt im Verhalten der Mutter nicht nur deren Reflexivität wahr, auf die es schließt, um ihr Verhalten begründen zu können, sondern es nimmt zuvor in der

[Seite 59]

Haltung der Mutter ein Bild seiner selbst als mentalisierendes, wünschendes und glaubendes Selbst wahr. Das Kind sieht, dass die Mutter es als intentionales Wesen repräsentiert. Es ist diese Repräsentanz, die internalisiert wird und das Selbst bildet. ‚Ich denke, also bin ich’ reicht also als psychodynamisches Modell für die Geburt des Selbst nicht aus; ‚Sie denkt mich als denkend, und also existiere ich als denkendes Wesen’ kommt der Wahrheit möglicherweise näher.“ (Fonagy, 1998a: 366)

Durch ihre reflexive Kompetenz kann die Mutter die intentionale Haltung des Kindes abbilden und das Kind kann sich als intentionales psychisches Wesen im anderen wieder finden. Besitzt die Mutter diese Fähigkeit nicht und hat das Kind auch keinen anderen zwischenmenschlichen Bereich, in dem es als mentales Wesen begriffen wird, dann wird sich das Kind gegenüber der Mutter unsicher verhalten. Wenn die Beziehung zur Mutter feindselig, missbräuchlich oder gar völlig leer ist, wird sich das Kind aller Voraussicht nach abwenden, weil die feindlichen Absichten das kindliche Selbst überwältigen. Wenn dies zu einer Vermeidung mentalen Befindens führt, wird wiederum die Chance verringert, sich mit einem verständnisvollen Objekt zu identifizieren und bedeutungsvolle intime Beziehungen mit ihm aufzubauen (Fonagy, a.a.O.)37.

Anmerkungen

Fortgesetzt von Aw/Fragment 019 24.

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