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Analyse:Cc/Fragment 269 09

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Bummelchen
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 269, Zeilen: 7-14 (14-22) 22-31
Quelle: Wielenga 2000
Seite(n): 302, 303, 304, 305, Zeilen: 302: 4-6; 303: 17-33; 304: 11-17; 305: 7-17
Vielfach wird die deutsch-niederländische Grenze auch als historisch gewachsene politisch-kulturelle Trennlinie gesehen. In den späten vierziger Jahren ließen die Aussagen über die Deutschen und Deutschland wenig Raum für Nuancen. Es wurden Pauschalurteile gefällt, die sich aus dem Erlebten der Betroffenen ergaben, wie folgende Berichterstattung eines niederländischen Diplomaten zeigt: „Der Deutsche ist folgsam; Gehorchen hat er seit Jahrhunderten im Blut. […] Verstand existiert in dem Land in großem Ausmaß, gesunder Menschenverstand ist dagegen noch immer in short supply. Außerdem ist der durchschnittliche Deutsche weder ausgeglichen noch mäßig. Das Ergebnis ist ein labiler Mensch, gefügig und ehrerbietig, wenn die Machtverhältnisse dazu einen Anlaß geben, aber anderseits leicht zum Hochmut geneigt und mit der unangenehmen Veranlagung, sich selbst aufzuspielen.“787 Der Schatten der Besatzungszeit und der deutsche Charakter, den die Niederlande zwischen 1940 und 1945 kennen gelernt hatten, war ständig präsent. Zudem wurde die niederländische Erwartungshaltung „Wer gesündigt hat, muss öffentlich bereuen.788 Erst dann ist Vergebung möglich“, aufgrund des geringen deutschen Schuldbewusstseins enttäuscht. Eine solche Erwartungshaltung war in den Niederlanden, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts keine fremden Truppen mehr auf ihrem Territorium erlebt hatten, stärker ausgeprägt als etwa in Belgien. Zudem schenkte die niederländische Presse Deutschland [wenig Aufmerksamkeit, abgesehen von Ereignissen, die dazu geeignet waren, alte Wunden aufzureißen und die gerne als Sensation im Verbund mit Hassausbrüchen gebracht wurden.]

787 Botschafter van Vredenbusch [sic] zitiert nach: Wielenga: Vom Feind zum Partner,a. a. O., S. 303.

788 Niederländischer Historiker von der Dunk zitiert nach: Wielenga: Vom Feind vom Partner, a. a. O., S. 309.

[Seite 302]

Für Deutschland gelte dies nicht, und so betrachtete Huizinga die deutsch-niederländische Grenze auch als eine historisch gewachsene politisch-kulturelle Trennlinie.

[Seite 303]

Die diplomatische Berichterstattung von Botschafter van Vredenburch (1959-1962) war ebenso durchsetzt mit solchen Klischees: „Der Deutsche ist folgsam; Gehorchen hat er seit Jahrhunderten im Blut. ... Verstand existiert in dem Land in großem Ausmaß, gesunder Menschenverstand ist dagegen noch immer in short supply. Außerdem ist der durchschnittliche Deutsche weder ausgeglichen noch mäßig. Das Ergebnis ist ein labiler Mensch, gefügig und ehrerbietig, wenn die Machtverhältnisse dazu einen Anlaß geben, aber andererseits leicht zum Hochmut geneigt und mit der unangenehmen Veranlagung behaftet, sich selbst aufzuspielen."16

In den Aussagen der späten vierziger und frühen fünfziger Jahre über die Deutschen und Deutschland war wenig Raum für Nuancen. Auch wenn man nicht ausdrücklich auf die Besatzungszeit verwies, war der Schatten des Krieges stets spürbar. Viele den Deutschen zugeschriebene kollektive Eigenschaften paßten genau zu dem deutschen Charakter, den die Niederlande zwischen 1940 und 1945 kennengelernt hatten. [...] „Wer gesündigt hat, muß öffentlich bereuen. Erst dann ist Vergebung möglich", so hat von der Dunk die niederländische Erwartungshaltung beschrieben.17

[Seite 304]

Eine solche Erwartungshaltung war in den Niederlanden stärker ausgeprägt als z.B. in Belgien, Dänemark und Frankreich, was die vergleichsweise mühsame politisch-psychologische Normalisierung zwischen Deutschland und den Niederlanden mit erklären kann.19 Im Gegensatz zu diesen Ländern hatten die Niederlande seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts keine fremden Truppen mehr auf ihrem Territorium erlebt.

[Seite 305]

Das gelte auch für die niederländische Presse, die zu den „schwierigsten Organen der öffentlichen Meinungsbildung im Ausland" gerechnet wurde. Im Gegensatz z.B. zu der belgischen oder der Schweizer Presse schenke die niederländische Presse Deutschland bewußt wenig Aufmerksamkeit, abgesehen von Ereignissen, „die geeignet sind, alte Wunden aufzureißen und die dann gern als Sensationen, verbunden mit Haßausbrüchen, gebracht werden".20


16. BuZa, Code 9, W. Dld., Buitenlandse politiek, Dl. IV, Inv.nr. 4249, van Vredenburch an BuZa, 18.1.1960; vgl. auch seine Memoiren, Nachbarn, S. 515. Vgl. zur niederländischen Bildformung in diesen Jahren auch P. GROENEWOLD, Land in Sicht. Landeskunde als Dialog der Identitäten, Teil 2: Gebrochene Spiegel - Gebroken Spiegels. Rekonstruktion des deutsch-niederländischen Begegnungsdiskurses, Phil. Diss. Groningen, 1997, S. 183ff.

19. Vgl. zu Belgien bzw. Dänemark G. VERBEECK, Gelaten nabuurschap. Belgieen Duitslandsinds 1945, sowie S.B. FRANDSEN, Dilemma's in het Noorden: Deense visies op de grote buur, beide in: WiELENGA (Hrsg.), De Duitse buur, S. lOOff.

20. PA, NA Abt. III, 210-02/53, Deutsche diplomatische und konsularische Vertretungen in den Niederlanden, Bd.l, Instruktion, 12.3.1953.

Anmerkungen

Die Quelle wird für zwei wörtliche Zitate angegeben, doch stammt daraus auch der Inhalt davor, dazwischen und danach, was dem Leser jedoch verborgen bleibt.

Die als nach Wielenga zitiert angegebene wörtliche Übernahme (die nicht in die Zeilenzählung eingeht) vor Fn. 787 weist zwei Übertragungsfehler auf, der Name des Botschafters wird in der Fn. falsch wiedergegeben.

Das kurze von der Dunk-Zitat findet sich ebenfalls auf Seite 303 und nicht wie angegeben auf Seite 309.

Sichter
(Bummelchen) Schumann

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