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Analyse:Cc/Fragment 270 03

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Bummelchen
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 270, Zeilen: 3-34
Quelle: Wielenga 2000
Seite(n): 306, 307, 313, 314, Zeilen: 306: 18 ff.; 307: 3 ff., 23 ff.; 313: 2 ff., letzte 2 Zeilen; 314: 1, 14 f.
Auf deutscher Seite standen für die Mehrheit der Bevölkerung die eigenen Erinnerungen an den Krieg im Vordergrund. Bombardierungen, Fronterfahrungen, Niederlage, Besatzungen sowie Flucht und Vertreibung. Nur eine kleine Minderheit sprach über Schuld und Verantwortung; das Interesse für die Folgen des Zweiten Weltkriegs in den anderen Ländern war gering. Auch auf deutscher Seite herrschten Pauschalurteile vor: Man sah in den Niederländern Bauern – „langsam in ihren Reaktionen und verhalten in ihren Emotionen. Sie vergessen ebenso langsam wie sie denken“, wie Karl Du Mont, der damalige Generalkonsul der Niederlande, später einmal schrieb.789 Somit blickten hier zwei Völker aus wenig differenzierten Perspektiven aufeinander, von denen das eine (das niederländische) nicht vergessen konnte, was das andere ihm angetan hatte und die Anerkennung des erlittenen Unrechts erwartete. Das andere (also das deutsche) Volk sah darin antideutsche Starrheit und war nur geringfügig in der Lage, das niederländische Kriegstrauma790 zu verstehen. Dennoch muss beachtet werden, dass es auch abweichende Deutschlandbilder gab und dass diese vielfach von jenen Menschen vertreten wurden, die selbst Opfer des Nationalsozialismus gewesen waren und in Gefängnissen und Konzentrationslagern Deutsche getroffen hatten, die bereits jahrelang einsaßen. Deshalb konnte für diese Menschen nach 1945 von Kollektivschuld keine Rede sein und sie nahmen relativ schnell Kontakt zu den deutschen Gegnern des Nationalsozialismus auf. Neben diesen Kontakten entstanden auch Verbindungen über ehemalige deutsche Flüchtlinge, die in den 30er Jahren in die Niederlande gekommen waren, sowie über die katholische und protestantische Kirche und zum Teil über Parteien, die ihre Verbindungen aus der Vorkriegszeit wieder aufleben ließen. Man kann also behaupten, dass die ersten Nachkriegskontakte entlang „versäulter Linien“ zustande [kamen.]

789 Vgl. Wielenga: Vom Feind zum Partner, a. a. O., S. 306. Vgl. Mensing: Adenauer die Benelux-Staaten, a. a. O., S. 57.

790 Vgl. hierzu: Withuis, Jolande: Das Kriegstrauma in den Niederlanden, in: Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien, Bd. 15, 2004, S. 153-161.

[Seite 306]

„Ob sie Journalisten, Beamte oder Kaufleute sind", berichtete er [Botschaftsrat Werner von Holleben] 1953 nach Bonn, „im Grunde bleiben die Niederländer Bauern, langsam in ihren Reaktionen und verhalten in ihren Emotionen. Sie vergessen ebenso langsam wie sie denken."24 Ein derart stereotypes Bild war zwar nicht repräsentativ für die deutsche Meinungsbildung über die Niederlande, aber es macht deutlich, daß auch auf deutscher Seite Klischees die Wahrnehmung trüben konnten.

[Seite 307]

Für eine Mehrheit der Deutschen stand die eigene Erinnerung an den Krieg im Vordergrund: Bombardierungen, Fronterfahrung, Niederlage, Besatzung und für Millionen auch Flucht oder Vertreibung. Nur eine kleine Minderheit sprach über Schuld und Verantwortung, und das Interesse für die Folgen des Zweiten Weltkriegs in anderen Ländern war gering. [...] Man kann das politisch-psychologische Klima der gegenseitigen Wahrnehmung von Deutschen und Niederländern in den fünfziger Jahren vereinfacht so zusammenfassen: Hier blickten zwei Völker aufeinander, von denen das eine Volk nicht vergessen konnte, was das andere ihm angetan hatte und die Anerkennung erlittenen Unrechts erwartete. Das andere Volk sah darin eine antideutsche Starrheit und war nur unvollkommen in der Lage, das niederländische Kriegstrauma zu verstehen.

[Seite 313]

So ist es bemerkenswert, daß gerade Menschen, die selbst Opfer der Nationalsozialisten waren, für ein differenziertes Deutschlandbild eintraten. So groß bei vielen von ihnen unmittelbar nach 1945 auch der Haß gewesen sein mag, so wurde sich der eine schneller, der andere langsamer bewußt, daß in dem Augenblick, als sie in die deutschen Konzentrationslager geführt wurden, viele Deutsche dort bereits jahrelang eingesessen hatten, und daß deshalb von Kollektivschuld keine Rede sein konnte.33 Gerade sie wurden nach 1945 rasch aktiv und nahmen Kontakt mit deutschen Gegnern des Nationalsozialismus auf.

Kennzeichnend für diese Aktivitäten war - und hier wird ein ideologischer Faktor sichtbar -, daß es dabei um Kontakte zwischen Parteifreunden und Glaubensgenossen beiderseits der Grenze ging. Ein gutes Beispiel dafür bietet das Verhältnis zwischen der SPD und der PvdA in den ersten Nachkriegsjahren. Der gemeinsame ideologische Hintergrund, persönliche Freundschaften aus der Vorkriegszeit und das Bewußtsein, daß die SPD selbst zu den ersten Opfern der NS-Diktatur gehört hatte, führten schon kurz nach dem Krieg zur Wiederaufnahme von Kontakten.34 In protestantischen Kreisen begegneten sich deutsche und niederländische Calvinisten in der Studiengemeinschaft 'Johannes Calvijn'. [...]

Eine bemerkenswerte Rolle bei solchen Kontakten spielten ehemalige deutsche Flüchtlinge, die in den dreißiger Jahren in die

[Seite 314]

Niederlande gekommen waren. [...]

Man kann also behaupten, daß die ersten Nachkriegskontakte entlang ,versäulter' Linien zustandekamen.


24. Vgl. H.-P. SCHWARZ, Die Ära Adenauer 1949-1957, in: K.D. BRACHER u.a. (Hrsg.), Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 2, Stuttgart 1981, S. 299ff.

33. ARA, Protokolle MR, 19.6.1964.

34. Den Haag antwoordt niet. Herinneringen van Jhr. Mr. H.F.L.K van Vredenburch, Leiden 1985, S. 515.

Anmerkungen

In Fn. 789 wird die Quelle nur für ein kurzes wörtliches Zitat genannt (das der falschen Person zugeschrieben wird: Nicht der deutsche Generalkonsul Karl du Mont äußerte sich lt. Wielenga so, sondern der Botschaftsrat Werner von Holleben).

Der Textvergleich offenbart jedoch, dass der Inhalt der gesamten Seite aus mehreren Seiten dieser Quelle unausgewiesen übernommen wird. In der unteren Hälfte des Fragments fällt die Übernahme stärker gerafft aus.

Sichter
(Bummelchen) Schumann

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