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Analyse:Fwp/Fragment 200 01

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 200, Zeilen: 1-
Quelle: Fink 1968
Seite(n): 16, Zeilen: S. 16; S. 40; S. 41
Diese sehr gewagte Politik ließ die dänischen Politiker hoffen, daß die ganze Frage, wie immer sich die Dinge entwickeln würden, früher oder später Gegenstand einer internationalen Konferenz sein werde, auf der Dänemark den deutschen Staaten nicht allein gegenüberstünde. Was man freilich weder vorausgesehen hat noch voraussehen konnte, waren die geschickten politischen Schachzüge Bismarcks und die Tatsache, daß die Beziehungen zwischen Frankreich und England in diesem Augenblick besonders gespannt waren. England wäre bereit gewesen, Dänemark zu helfen, wenn Frankreich sich angeschlossen hätte, und ein gemeinsames Auftreten beider Mächte hätte zu diesem Zeitpunkt auf Bismarck seinen Eindruck sicher nicht verfehlt. Die beiden Staaten konnten sich aber nicht einigen, und vor allem Frankreichs Staatsmännern mangelte die Erkenntnis, daß das Spiel, welches Bismarck jetzt begann, auch ernste Folgen für Frankreichs Stellung in Europa nach sich ziehen könne.

Als die dänische Krise sich zuspitzte, war Bismarck unter den europäischen Politikern unbekannt. Man sah höchstens in ihm einen reaktionären preußischen Junker, der in einer für den preußischen König kritischen Lage die Zügel ergriffen hatte und Preußen in einen offenen Konflikt mit dem Landesparlament und der öffentlichen Meinung brachte. Die in Preußen bestehende innere Spannung und den zwischen den Mächten wachsenden Konflikt um die Reform der Bundesinstitutionen wertete man in Dänemark als ein Zeichen der Schwäche. Niemand ahnte die bedeutenden staatsmännischen Fähigkeiten Bismarcks, weder in Dänemark noch in anderen Ländern.

Als sich der Konflikt in Preußen im Laufe des Jahres 1862 verschärfte, hätte der König kaum einen anderen Politiker finden können, der besser als Otto von Bismarck der Situation gewachsen gewesen wäre. Bismarck war selbst der Ansicht, daß eine zweijährige Wehrdienstzeit eigentlich genug sei, doch beugte er sich dem Willen des Königs und anerkannte auch dessen Befugnis, unmittelbar über das Heer zu verfügen.

Dadurch gewann er die Möglichkeit, als preußischer Ministerpräsident die deutsche Politik nach seinen Vorstellungen zu führen. Ähnlich wie der dänische Gesamtstaat sich selbst überlebt hatte, gehörte auch der Deutsche Bund einer vergangenen Epoche an. Die Aufteilung Deutschlands in 39 einzelne Staatsgebilde wurde von vielen Deutschen als unerträglich empfunden.

Bismarcks Politik erstrebte in einer ersten Runde die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich und Preußens Oberherrschaft im nördlichen Teil Deutschlands. Österreich wollte sich hingegen nicht mit einer auf Süddeutschland eingeschränkten Führungsrolle begnügen, sondern wünschte vielmehr eine Reform des Deutschen Bundes, um seine leitende Stellung im Bunde zu bewahren und weiter auszubauen.

Dieser Konflikt nun war in vollem Gange, als der Dänenkönig Friedrich VII. starb; die direkte Auseinandersetzung wurde indessen aufge-[schoben, da die Novemberverfassung den deutschen Mächten die Möglichkeit gab, in der dänischen Frage aktiv zu werden.]

Nun, hinterher kann man leicht erkennen, daß dies eine sehr kühne Politik war; aber die dänischen Politiker konnten damit rechnen, daß die ganze Frage, wie immer die Dinge sich entwickeln würden, doch früher oder später mit einer internationalen Konferenz enden würden, auf der Dänemark den deutschen Staaten nicht allein gegenüberstehen würde. Was man weder vorausgesehen hat noch voraussehen konnte, war erstens das blendende politische Spiel Bismarcks und zweitens die Tatsache, daß Frankreich und England sich gerade in diesem Augenblick besonders gereizt gegenüberstanden. England wäre bereit gewesen, Dänemark zu helfen, wenn Frankreich mitgemacht hätte, und ein gemeinsames Auftreten beider Mächte würde zu dieser Zeit selbst auf Bismarck einen starken Eindruck gemacht haben, aber die beiden Staaten konnten sich nicht einigen. Für Frankreich schicksalhaft wurde dabei die mangelnde Erkenntnis seiner leitenden Staatsmänner, daß das Spiel, welches Bismarck jetzt begann, auch ernste Folgen für Frankreichs Stellung in Europa nach sich ziehen könne. [...]

[S. 40]

Als die dänische Krise sich zuspitzte, war Bismarck noch jung und unter den europäischen Politikern unbekannt. Man sah gemeinhin in ihm einen Reaktionär, einen preußischen Junker, der in einer für den preußischen König kritischen Lage die Zügel ergriffen hatte und jetzt Preußen im offenen Konflikt mit dem Parlament des Landes und mit der öffentlichen Meinung leitete. Die in Preußen bestehende innere Spannung und den zwischen den deutschen Mächten wachsenden Konflikt wegen der Reform der Bundesinstitutionen sah man in Dänemark als ein Zeichen der Schwäche an. Niemand ahnte, welche bedeutenden staatsmännischen Fähigkeiten Bismarck besaß; das tat man weder in Dänemark noch in anderen Ländern. [...]

[S. 41]

Der Konflikt verschärfte sich im Laufe des Jahres 1862. Der König konnte keinen anderen Politiker von Bedeutung als Otto von Bismarck finden, der den Druck der Lage zu ertragen vermochte. Bismarck war selbst der Ansicht, daß eine zweijährige Dienstzeit eigentlich genug sei, aber hinsichtlich der Dienstzeit beugte er sich dem Willen des Königs und anerkannte auch dessen Befugnis, unmittelbar über das Heer zu verfügen. Dadurch gewann er die Möglichkeit, als preußischer Ministerpräsident die von ihm gewünschte deutsche Politik durchzuführen. Das brennende Problem für das deutsche Volk war, den politischen Rahmen neu zu organisieren. So wie der dänische Gesamtstaat sich selbst überlebt hatte, gehörte auch der Deutsche Bund einer entschwundenen Zeitepoche an. Die Aufteilung Deutschlands in 39 einzelne Staatsgebilde wurde von vielen Deutschen als unerträglich empfunden.

Bismarck wünschte in der ersten Runde die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich zu erreichen und darüber hinaus, daß Preußen faktisch die Oberherrschaft im nördlichen Teil Deutschlands erhalte. Österreich wollte sich nicht mit der führenden Stellung in Süddeutschland begnügen. Es wollte eine Reform des Deutschen Bundes als solchen, wünschte dabei aber, seine leitende Stellung im Bunde zu wahren und weiter aus-zubauen. Dieser Konflikt war im vollen Gang, als Friedrich VII. starb; er wurde indessen aufgeschoben, als die Novemberverfassung den deutschen Mächten die Möglichkeit gab, Dänemark gegenüber einzugreifen.

Anmerkungen
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