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Analyse:Fwp/Fragment 201 01

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 201, Zeilen: 1-
Quelle: Fink 1968
Seite(n): 42, Zeilen: S. 41; S. 42: 1-; S. 43: 1-9
[Dieser Konflikt nun war in vollem Gange, als der Dänenkönig Friedrich VII. starb; die direkte Auseinandersetzung wurde indessen aufge-]schoben, da die Novemberverfassung den deutschen Mächten die Möglichkeit gab, in der dänischen Frage aktiv zu werden.

Die beiden deutschen Rivalen fanden sich plötzlich in einer Front gegen Dänemark, gegen die Volksmeinung in Deutschland, gegen die Augustenburger und gegen die deutschen Kleinstaaten, welche die Augustenburger unterstützten. Während die Fronten in Deutschland bis dahin durch den Gegensatz zwischen Preußen und Österreich bestimmt waren, wurden sie nun neu abgesteckt durch den Gegensatz zwischen den beiden deutschen Großmächten auf der einen Seite und den von der öffentlichen Meinung favorisierten Kleinstaaten auf der anderen.

Bismarcks Plan und Taktik mußte nun einmal die europäischen Mächte in dieser Frage beruhigen, zum anderen Österreich dazu verlocken, mit Preußen gemeinsame Sache zu machen. Hätten die Regierungen in Wien und Berlin sich der Meinung des deutschen Volkes gebeugt, das einen Augustenburger an der Spitze der beiden Herzogtümer sehen wollte, so hätten sie Frankreich, England und Rußland dazu gezwungen, für Dänemark Partei zu ergreifen.

Preußens und Österreichs Politik ging nachweislich darauf aus, an den Abmachungen des Jahres 1852 festzuhalten und die Einheit der dänischen Monarchie zu bewahren. Der ausschlaggebende Unterschied zwischen den Auffassungen Preußens und Österreichs war allerdings der, daß Österreich tatsächlich den Gesamtstaat erhalten wollte, während dieses Ziel für Bismarck mehr ein Vorwand war, Österreich zu gemeinsamen Schritten zu ermuntern, die ursprünglich nicht in dessen Absichten gelegen hatten.

Bismarck kannte die verwickelte schleswig-holsteinische Frage sehr genau und schätzte auch die Interessen der europäischen Mächte in diesem Punkte richtig ein. Als Gesandter im Bundestag hatte er sich in der dänischen Frage sehr zurückgehalten, einfach deshalb, weil die europäische Machtkonstellation für die preußische Expansionspolitik, wie er sie wünschte, nicht günstig war. Diese Zurückhaltung hatte in Dänemark zu der Ansicht geführt, Bismarck sei ein gemäßigter Mann; dies war er freilich nur bis zu dem Augenblick, wo er die Chance gekommen sah, die Herzogtümer für Preußen zu erobern. Es gibt keinen Zweifel, daß eben dies sein Ziel war, doch hätte er sich eventuell auch mit einem geringeren Erfolg zufrieden gegeben, mit einer Personalunion zwischen Dänemark und einem vereinigten Schleswig-Holstein oder mit einer Ordnung, die den Augustenburger Herzog einbezog. Man kann jedoch sicher sein, daß in einem solchen Fall von ihm die schwierigsten und in höchstem Maße verwickelten Bedingungen in die Vereinbarungen eingebaut worden wären, die es gestattet hätten, das Problem zu jeder gewünschten Zeit von neuem akut werden zu lassen.

Sein Vorgehen muß in erster Linie als Versuch gewertet werden, die beiden Herzogtümer Preußen einzuverleiben. Diese machtpolitische Än-[derung der staatsrechtlichen Stellung beider Herzogtümer konnte dazu dienen, das Deutschland-Problem im Sinne Bismarcks oder Preußens zu lösen, andererseits muß in diesem Zusammenhang vermerkt werden, daß Bismarck zu jener Zeit wahrscheinlich noch bereit gewesen wäre, sich auf einen Kompromiß mit Österreich einzulassen.]

Dieser Konflikt war im vollen Gang, als Friedrich VII. starb; er wurde indessen aufgeschoben, als die Novemberverfassung den deutschen Mächten die Möglichkeit gab, Dänemark gegenüber einzugreifen. Die beiden deutschen Rivalen standen plötzlich zusammen in einer Front

[S. 42]

gegenüber Dänemark, gegen die Volksmeinung in Deutschland, gegen die Augustenburger und gegen die deutschen Kleinstaaten, welche die Augustenburger unterstützten. Während die Fronten in Deutschland bis dahin durch den Gegensatz zwischen Preußen und Österreich bestimmt waren, wurden sie nun neu abgesteckt durch den Gegensatz zwischen den beiden deutschen Großmächten auf der einen Seite - und den durch die öffentliche Meinung gestützten Kleinstaaten auf der anderen Seite. Bismarck hatte in klug ausgetüftelter Weise eine Linie festgelegt, bei der die anderen europäischen Mächte sich beruhigten, und die Österreich dazu verlockte, mit Preußen gemeinsame Sache zu machen. Hätten die Regierungen in Berlin und in Wien sich der Meinung des deutschen Volkes gebeugt, die einen Augustenburger an der Spitze der beiden Herzogtümer sehen wollte, so hätten sie Frankreich, England und Rußland geradezu aufgefordert, ihr Pfund in die Waagschale Dänemarks zu legen. Preußens und Österreichs Politik, so wie sie von den beiden Staaten formuliert wurde, ging wie erwiesen darauf aus, an den Abmachungen des Jahres 1852 festzuhalten und die Einheit der dänischen Monarchie zu wahren. Der ausschlaggebende Unterschied zwischen den Auffassungen Preußens und Österreichs war nur, daß die Österreicher aufrichtig den Wunsch hatten, den Gesamtstaat zu erhalten, während dies für Bismarck nur ein Vorwand war. Er hatte keineswegs die Absicht, die im Jahre 1852 beschlossene Ordnung zu bewahren. Seine große Staatskunst im Jahre 1864 bestand darin, Österreich zu gemeinsamen Schritten zu verlocken, die mitzumachen ursprünglich schlechterdings nicht in dessen Absicht gelegen hatte.

Bismarck kannte die verwickelte schleswig-holsteinische Frage in- und auswendig und schätzte auch die Interessen der europäischen Mächte an ihr richtig ein. Er war in den 1850er Jahren Preußens Gesandter im Bundestage gewesen. Er hatte sich gegenüber der dänischen Frage sehr zurückgehalten, einfach deshalb, weil die europäische Machtkonstellation für eine preußische Expansionspolitik, wie er sie wünschte, nicht günstig war. Diese Zurückhaltung hatte in Dänemark zur Ansicht geführt, Bismarck sei ein gemäßigter Mann. Das aber war er nur bis zu dem Augenblick, wo die Chance, die Herzogtümer für Preußen zu erobern, gekommen war. Es gibt keinen Zweifel, daß dies sein Ziel war, doch hätte er sich auch mit einem geringeren Erfolg zufrieden gegeben, zum Beispiel mit einer Personalunion zwischen Dänemark und einem vereinigten Schleswig-Holstein oder mit einer Ordnung, die den Augustenburger Herzog einbezog. Man kann aber sicher sein, daß in diesem Falle von ihm die schwierigsten und im höchsten Maße verwickelten Bedingungen in die Vereinbarungen eingebaut worden wären, die es ge-

[S. 43]

stattet hätten, das Problem zu jeder gewünschten Zeit von neuem akut zu machen. Sein Vorgehen muß zu allererst im Lichte des Wunsches gesehen werden, die beiden Herzogtümer Preußen einzuverleiben. Er führte, wenn man die Dinge so betrachtet, die reinste Machtpolitik. Änderungen in der staatsrechtlichen Stellung der Herzogtümer konnten für weitere Schritte benutzt werden, um das Deutschland-Problem im Sinne Bismarcks oder Preußens zu lösen. Indessen kann man hier nicht verschweigen, daß Bismarck zu jener Zeit noch bereit gewesen wäre, sich auf einen Kompromiß mit Österreich einzulassen.

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