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Analyse:Fwp/Fragment 220 01

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 220, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 324, Zeilen: S. 324; S. 325; S. 326
[Der Wiener Kongreß hatte den äußeren politischen Rahmen geschaffen, von dem auch die deutsch-skandinavischen Beziehungen nicht aus-]genommen waren. Zur Bekräftigung dieses europäischen Systems und als Sicherung gegen die gefürchteten Ideen der französischen Revolution war der Fürstenbund der »Heiligen Allianz« geschlossen worden, dem die deutschen ebenso wie die skandinavischen Staaten beitraten. Ein lebendiges politisches Verhältnis konnte aus diesen reaktionären Bestrebungen sicher nicht erwachsen. Statt eines größeren europäischen Zusammenschlusses waren die Einzelstaaten auf sich selbst angewiesen und entwickelten im Zeichen des steigenden Nationalismus ein Selbstbewußtsein, das die Verantwortung für größere Gemeinschaften nicht zu kennen schien. Gleichwohl war es innerhalb der Vielfalt der politischen Ideen noch keineswegs ausgemacht, welche die Oberhand gewinnen sollte. In Deutschland vollends überschnitten sich mannigfache Staatsanschauungen, die neben und bisweilen auch gegeneinander standen, oft jedoch auch unlöslich ineinander verstrickt waren.

In allen Fällen spielte der Nationalstaatsgedanke eine bedeutende Rolle. Drei Hauptströmungen lassen sich unterscheiden: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland, ausgetragen zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich mit dem Ziel eines deutschen Nationalstaates unter Führung einer dieser beiden Mächte. Für die Gestaltung der Beziehungen zu Skandinavien konnte der Ausgang dieses deutschen Dualismus nicht ohne Bedeutung bleiben 19. Von weitreichender ideologischer Wirksamkeit erwies sich hingegen der Ruf nach deutscher Einheit, die im wesentlichen föderalistisch-demokratisch gestaltet, den mitteleuropäischen Raum umfassen sollte.

Diese Einigungsbewegung wurde besonders gefördert und geprägt durch die Aufnahme konstitutionellen Gedankengutes aus der französischen Revolution. Auch in ihr herrschte die Nationalstaatsidee vor, während die dritte Richtung, auf der Einigungsbewegung aufbauend, die mitteleuropäische nationalstaatliche Grundlage verließ zugunsten einer größeren Gemeinsamkeit »großgermanischer« oder »pangermanischer« Prägung. Die letztere Strömung, die auf die Gestaltung der deutsch-skandinavischen Beziehungen den stärksten Einfluß hätte ausüben müssen, zumal sie auch in Skandinavien vertreten wurde, ist in der praktischen Politik indessen von geringer Bedeutung geblieben. Der Nationalstaatsgedanke im neunzehnten Jahrhundert war für die Beziehungen beider Staatsgruppen entscheidend. Damit gewinnt die Frage nach der inneren Struktur der deutschen Einigungsbewegung auch für Skandinavien ein besonderes Interesse.

Die Idee der deutschen Einigungsbewegung sah in der politischen Realität des mittelalterlichen deutschen Kaisertums ihre Ausgangsbasis. Nachdem die frühe deutsche Romantik die Aufklärung überwunden hatte, kam es mit der Wiederentdeckung des Mittelalters zur Renaissance der deutschen Reichsidee. Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus [der Idee in die Wirklichkeit zu transponieren, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.]


[S. 251]

19 Vgl.: Heinr. v. Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jh., Freiburg 1947

Der Wiener Kongreß hatte den äußeren politischen Rahmen geschaffen, in dem sich auch die deutsch-skandinavischen Beziehungen abspielen mußten. Zur Bekräftigung dieses europäischen Systems und als Sicherung gegen die gefürchteten Ideen der französischen Revolution war der Fürstenbund der „Heiligen

[S. 325]

Allianz“ geschlossen worden, dem die deutschen ebenso wie die skandinavischen Staaten beitraten. Ein lebendiges politisches Verhältnis konnte aus diesen reaktionären Bestrebungen nicht erwachsen. Der größere europäische Zusammenschluß blieb aus, statt dessen wurden die Einzelstaaten auf sich selbst angewiesen und wuchsen im Zeichen des steigenden Nationalismus in ein Selbstbewußtsein, das mehr und mehr egozentrisch bestimmt wurde und die Verantwortung für größere Gemeinsamkeiten nicht zu kennen schien. Gleichwohl war es innerhalb der Vielfalt der auf den Plan getretenen politischen Ideen noch keineswegs klar, welche zum Siege bestimmt sein mochte. In Deutschland vollends überschnitten sich mannigfache Staatsanschauungen, die neben-, bisweilen auch gegeneinander standen, oft aber sich unlöslich ineinander verstrickt hatten. In allen Fällen spielte der Nationalstaatsgedanke eine bedeutende Rolle. Drei Hauptströmungen lassen sich unterscheiden: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland, ausgetragen zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich mit dem Ziel eines deutschen Nationalstaates unter Führung einer dieser beiden Mächte. Für die Gestaltung der Beziehungen zu Skandinavien konnte der Ausgang dieses deutschen Dualismus nicht von nebensächlicher Bedeutung bleiben. Von weitreichender ideologischer Wirksamkeit hingegen erwies sich der Ruf nach deutscher Einheit, die, im wesentlichen föderalistisch-demokratisch gestaltet, den mitteleuropäischen Raum umfassen sollte. Diese Einigungsbewegung erhielt ihre besondere Stoßkraft und zeitgemäße Prägung durch die Aufnahme von konstitutionellem Gedankengut aus den französischen Revolutionen von 1789 und 1830. Auch in ihr herrschte die Nationalstaatsidee vor, während die dritte Richtung, auf der Einigungsbewegung aufbauend, die mitteleuropäische nationalstaatliche Grundlage verließ zugunsten einer größeren Gemeinsamkeit „großgermanischer“ oder „pangermanischer“ Prägung. Diese letztere Strömung, die auf die Gestaltung der deutsch-skandinavischen Beziehungen den stärksten Einfluß hätte ausüben müssen, zumal sie auch in Skandinavien vertreten wurde, ist in der praktischen Politik jedoch von geringster Bedeutung geblieben. Der Nationalstaatsgedanke hat sich im neunzehnten Jahrhundert für die Beziehungen beider Staatengruppen als entscheidend erwiesen. Damit gewinnt die Frage nach der inneren Struktur der deutschen Einigungsbewegung für Skandinavien ein besonderes Interesse, wobei

[S. 326]

es hier außer Betracht bleiben muß, aus welchen Staatsanschauungen liberaler oder konservativer Prägung die deutsche Reichsgründung schließlich zu verwirklichen versucht wurde.

Die Grundlagen der deutschen Einigungsbewegung waren nicht nur rein geistiger Art. Sie knüpften an die politische Realität des mittelalterlichen deutschen Kaisertums an. Nachdem die frühe deutsche Romantik durch die überheblich gewordene Aufklärung hindurchgestoßen war und das Mittelalter wiederentdeckt hatte, lag vor ihren Augen das Bild der alten deutschen Reichsherrlichkeit. Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus der Idee in die Wirklichkeit zu überführen, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

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