Fandom

VroniPlag Wiki

Analyse:Fwp/Fragment 221 01

31.377Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.


Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 221, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 326, Zeilen: S. 326; S. 327
[Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus] der Idee in die Wirklichkeit zu transponieren, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

Doch die Kraft der mittelalterlichen Reichsidee war geschwunden und hatte einem selbstgenügsamen Sichbescheiden Platz gemacht, das nicht als nationale Tragik, sondern eher als gottgewollt und naturgegeben angesehen wurde. Aus der Weltgeltung des Kaisertums war Deutschland in die abseitige Stellung der Selbstbeschränkung, des Abwartens und allenfalls der kritischen Distanz zurückgedrängt. Der ferne Abglanz der Kaiserherrlichkeit lebte noch im Volksbewußtsein weiter. Die Erinnerung an die alte Größe blieb und mit ihr die Sehnsucht nach einem neuen Reich der Deutschen. Sie lebte weiter in den verborgenen Strömungen des Volkstums, die nunmehr die Bewegung der deutschen Romantik neu erschloß. »Es ist wenig Freude dabei, das Vaterland, das einst das heilige Reich hieß, politisch zu betrachten«, schrieb Ernst Moritz Arndt 1803, »ein Volk, das hundert Herren hat, kann nie glücklich sein, weil ihm das Bewußtsein der Stärke, der Liebe zu einer großen Gesamtheit, die Aufopferung für die Gesamtheit fehlt.«

Wenn das Reich vor 1806 nur noch ein Schattendasein geführt hatte, so hat seine Auflösung doch die Zeitgenossen tief beeindruckt. Mit der Erkenntnis des eigenen nationalen Niederganges und des Unheils des Territorialismus keimte aus den Zusammenbrüchen der napoleonischen Kriege die Hoffnung auf Wiederherstellung der Einheit, die nicht nur eine kulturelle nationale Gesinnung bedeuten sollte, sondern »innerhalb seiner eigentlichen Naturgrenzen das Reich der Deutschen als politisches Machtgebilde« wieder aufzurichten gedachte 20.

»Vom Kaiser und vom Reich« sprach nicht nur der Dichter der Befreiungskriege Max von Schenckendorff [sic], die Erziehung zur Nation forderte nicht nur Fichte. Die Befreiung von 1813 war eine Volksbewegung, die zur Reichsbildung geradezu drängte. Gegen die Enttäuschung der Epoche Metternichs, gegen die Unterdrückung in den alten Formen des Absolutismus und gegen die Sanktionierung eines zersplitterten Reichskörpers lehnten sich starke Kräfte auf. Zum Träger der Einigungsbewegung aber wurde das Bürgertum aller deutschen Stämme, vornehmlich deren Bildungsschicht. Auf dem Wartburgfest 1817 trat am Jahrestag der Schlacht bei Leipzig die Rolle der studentischen Jugend deutlich zutage. Kam die Gründung des deutschen Zollvereins den notwendigsten wirtschaftlichen Erfordernissen entgegen, so gab doch erst die europäische Bewegung von 1848 den Anstoß zur deutschen Revolution. Sie war im Grunde nichts anderes als ein Ausbruch der seit 1813 zurückgestauten Kräfte und wurde nunmehr im außenpolitischen Bereich zum Kampf der deutschen Patrioten für das nationale Selbstbestimmungsrecht.

Diese Bewegung erfuhr indessen noch einen anderen Antrieb, der nahezu in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt [hat: den Volkstumsgedanken.]


[S. 251]

20 Vgl.: E. M. Arndt, Germanien und Europa (1803), neu hrsg. Berlin 1941

Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus der Idee in die Wirklichkeit zu überführen, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

Doch die Geltung des Reiches war zerbrochen und mit ihr auch das Geltungsbedürfnis der Deutschen; ein selbstgenügsames Sichbescheiden faßte den Zustand der Ohnmacht nicht als nationale Tragik auf, sondern als gottgewollt und naturgegeben. Aus der Weltgeltung des Kaisertums war Deutschland in die abseitige Stellung der Selbstbeschränkung, des Abwartens und der Kritik zurückgedrängt. Der ferne Abglanz der Kaiserherrlichkeit lebte noch im Volksbewußtsein weiter. Die Erinnerung an die alte Größe blieb und mit ihr die Sehnsucht nach einem neuen Reich der Deutschen. Sie lebte weiter in den verborgenen Strömungen des Volkstums, die nunmehr die Bewegung der deutschen Romantik neu erschloß. „Es ist wenig Freude dabei, das Vaterland, das einst das heilige Reich hieß, politisch zu betrachten“, schrieb Ernst Moritz Arndt 1803; „ein Volk, das hundert Herren hat, kann nie glücklich sein, weil ihm das Bewußtsein der Stärke, die Liebe zu einer großen Gesamtheit, der Aufopferung für die Gesamtheit fehlen.“ Wenn das Reich vor 1806 auch nur ein Schattendasein führte: seine Auflösung hat doch die Zeitgenossen tief beeindruckt. Mit der Erkenntnis der eigenen nationalen Schande und des Unheils des Territorialismus keimte aus den Zusammenbrüchen der napoleonischen Kriege die Hoffnung auf Wiederherstellung der Einheit, die nicht nur eine kulturelle nationale Gesinnung bedeuten sollte, sondern „innerhalb seiner: eigentlichen Naturgrenzen,“158) „das Reich der Deutschen als politisches Machtgebilde“ wieder aufzurichten gedachte. „Vom

[S. 327]

Kaiser und vom Reich“ predigte nicht nur der Dichter der Befreiungskriege Max von Schenkendorf; die Erziehung zur Nation forderte nicht nur Fichte. Die Befreiung von 1813 war eine Volksbewegung, die zur Reichsbildung geradezu drängte. Gegen die Enttäuschung der Metternichepoche, gegen die Unterdrückung in den alten Formen des Absolutismus und gegen die Sanktionierung eines zersplitterten Reichskörpers lehnten sich starke Kräfte auf. Zum Träger der Einigungsbewegung aber wurde das Bürgertum aller deutschen Stämme, vornehmlich deren Bildungsschicht. Auf dem Wartburgfest 1817 trat am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig die führende Rolle der studentischen Jugend deutlich zutage. Kam die Gründung des deutschen Zollvereins 1833 wenigstens den notwendigsten wirtschaftlichen Forderungen entgegen, so gab doch erst die europäische Bewegung von 1848 den Anstoß auch zur deutschen Revolution. Sie war im Grunde nichts anderes als ein Ausbruch der seit 1813 zurückgestauten Kräfte und wurde nunmehr im außenpolitischen Bereich zum Kampf der deutschen Patrioten für das nationale Selbstbestimmungsrecht. Diese Bewegung aber hatte noch einen anderen Antrieb, der in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt hat: den Volkstumsgedanken.


158) Als solche werden genannt: Alpen — Kanalküste — Eider — Ostsee — die neu-ostpreußische Grenze nach der dritten Teilung Polens.

Anmerkungen
Sichter

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki