Fandom

VroniPlag Wiki

Analyse:Fwp/Fragment 230 01

31.373Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.


Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 230, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 366, Zeilen: S. 366; S. 367; S. 370
[Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen] Linie kommen. Deutschland aber hatte die Einigung vollzogen. Dem machtvollen deutschen Kaiserreich gegenüber sanken die nordischen Staaten zur Bedeutungslosigkeit herab und verzichteten auf jeden Versuch, die europäische Politik mitbestimmen zu dürfen. Die Machtmittel der skandinavischen Einzelstaaten waren unzureichend, ihre Bevölkerung gering und ihre wirtschaftlichen Mittel dem steilen Aufstieg der Industrieländer Mittel- und Westeuropas nicht mehr gewachsen.

Dies sind einige Gründe dafür, daß die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles im Jahre 1871 in den Regierungskreisen Dänemarks und Schwedens auf heftige Ablehnung gestoßen ist. Zwar hatte das dänische Königshaus mehrfach einen Ausgleich angestrebt. So hielten im Jahre 1867 einflußreiche dänische Kreise einen Eintritt Dänemarks in den Norddeutschen Bund für möglich und wurden nur durch das Dazwischentreten Frankreichs an offiziellen Verhandlungen gehindert. Im Februar 1871 wurde dänischerseits der Vorschlag gemacht, Flensburg bei Preußen zu belassen, Alsen dagegen an Dänemark zurückzugeben und Düppel und Sonderburg zu deutschen Enklavefestungen im dänischen Gebiet zu machen. Daneben jedoch bestanden die preußenfeindlichen Bestrebungen fort.

Bei Kriegsausbruch im Jahre 1870 hatten sich große Teile der Bevölkerung Dänemarks und Schwedens auf die französische Seite geschlagen. Ein Aufflackern von Feindseligkeiten wurde in Dänemark schon durch russischen Druck von vornherein verhindert. — Im Jahre der Reichsgründung hatte Georg Brandes (1842—1927), eine in der äußeren Gestalt wie in seiner sprühenden Geistigkeit glänzende Erscheinung, in Kopenhagen mit Vorlesungen über die »Hauptströmungen in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts« begonnen, die ebenso epochemachend wirkten wie Steffens Vorlesungen von 1813, allerdings mit gegenteiliger Wirkung zu Steffens Absicht: Abwendung von der überlebten Romantik, Absage an Grundvigs Volkstumsgedanken und eine Herausführung Dänemarks aus nationalstaatlicher Enge in die weiten Zusammenhänge aufgeklärten Denkens. Die Anknüpfung an Voltaire, die kosmopolitische Dichtung, der Fortschrittsgedanke — sie begannen von hier ab Dänemark in den kulturellen Zusammenhang Westeuropas einzufügen. Die geistige Brücke zwischen Kopenhagen und Paris war geschlagen.

Überhaupt läßt sich nicht verkennen, daß vor allem in Literatenkreisen die geistige Gemeinschaft zwischen den skandinavischen Völkern gepflegt wurde. Bemerkenswerterweise trugen sie ein doppeltes Kennzeichen: sie richteten sich gegen Deutschland, blieben aber politisch ohne jede Wirkung. Es war die alte Richtung Grundvigs, deren Anhänger weiterhin gegen Deutschland literarisch zu Felde zogen. Gegen sie wandte sich mit aller Schärfe der norwegische Dichter Bjørnstjerne Bjørnson, der auch in Dänemark und Deutschland größte Wirksamkeit entfaltet hatte:

Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen Linie kommen. Deutschland aber hatte die Einigung vollzogen. Dem machtvollen deutschen Kaiserreich gegenüber sanken die nordischen Staaten zur Bedeutungslosigkeit herab und verzichteten auf jeden Versuch, die europäische Politik mitbestimmen zu dürfen. Die Machtmittel der skandinavischen Einzelstaaten waren unzureichend, ihre Bevölkerung gering und ihre wirtschaftlichen Mittel den jetzt in steilem Aufstieg befindlichen industriearbeitenden Ländern Mittel- und Westeuropas nicht mehr gewachsen. [...]

Dieses sind einige Gründe dafür gewesen, daß die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles im Jahre 1871 in den Regierungskreisen Dänemarks und Schwedens auf heftige Ablehnung gestoßen ist. Zwar hatte das dänische Königshaus mehrfach einen Ausgleich angestrebt; so hielten im Jahre 1867 einflußreiche dänische Kreise einen Eintritt Dänemarks in den Norddeutschen Bund für möglich und wurden nur durch

[S. 367]

das Dazwischentreten Frankreichs an offiziellen Verhandlungen verhindert. Im Februar 1871 wurde dänischerseits der Vorschlag gemacht, Flensburg bei Preußen zu belassen, Alsen dagegen an Dänemark zurückzugeben und Düppel und Sonderburg zu deutschen Enklavefestungen im dänischen Gebiet zu machen. Daneben aber bestanden die preußenfeindlichen Bestrebungen fort. Der Kriegsausbruch im Jahre 1870 hatte in Nachwirkung skandinavistischer Strömungen große Teile der Bevölkerung in Dänemark und Schweden im französischen Lager gesehen. [...] Ein Aufflackern von feindlichen Ausbrüchen wurde in Dänemark schon durch russischen Druck von vornherein verhindert. [...]

Im Jahre der Reichsgründung hatte Georg Brandes (1842—1927), eine in der äußeren Gestalt wie in seiner sprühenden Geistigkeit gleich glänzende Erscheinung, in Kopenhagen mit seinen Vorlesungen über die „Hauptströmungen in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts“ begonnen, die genau so epochemachend wirkten wie Steffens Vorlesungen von 1803. In ihrer Wirkung bedeuteten sie das Gegenteil von Steffens Absicht: eine Abwendung von der überlebten Romantik, eine Absage an Grundtvigs Volkstumsgedanken, eine Herausführung Dänemarks aus nationalstaatlicher Enge in die weiten Zusammenhänge aufgeklärten Denkens. Die Anknüpfung an Voltaire, die kosmopolitische Dichtung, der Fortschrittsgedanke — sie begannen von hier ab Dänemark in den kulturellen Zusammenhang Westeuropas einzufügen. Die geistige Brücke zwischen Kopenhagen und Paris war geschlagen. [...]

[S. 370]

Es ist nicht zu verkennen, daß in gewissen Literatenkreisen die geistige Gemeinschaft zwischen den skandinavischen Völkern weiter gepflegt wurde. Bemerkenswerterweise trugen sie jedoch ein doppeltes Kennzeichen: Sie richteten sich gegen Deutschland, und sie blieben politisch ohne jede Wirkung. Es war die alte Richtung Grundtvigs, die weiterhin gegen Deutschland literarisch im Felde stand. Gegen sie wandte sich mit aller Schärfe der norwegische Dichter Bjørnstierne Bjørnson, der auch in Dänemark und Deutschland größere Wirksamkeit entfaltet hatte:

Anmerkungen
Sichter

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki