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VroniPlag Wiki

Analyse:Un/Fragment 039 21

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 21-
Quelle: Tschirch 1957
Seite(n): 278, Zeilen: -
Die Sprache vermittelt dem Menschen Lebenserfahrungen und Erkenntnisse der Generationen vor ihm, Ergebnisse der Denkarbeit, der geistigen Durchdringung und Bewältigung der Welt. Durch das, was den Menschen die Sprache lehrt, wird sein Blick in eine Weite und Tiefe gelenkt, auf Tatbestände und Vorgänge aufmerksam gemacht, die kennenzulernen die bloße Erfahrung eines einzelnen Menschenlebens niemals ausgereicht hätte noch ausreichen würde. Durch die Sprache werden uns somit auch die Beziehung zum Religiösen, religiöse Erfahrungen und religiöse Sehweisen in einer bestimmten Form gegeben. Der Mensch wächst dank dem übernommenen religiösen Sprachschatz auch in eine bestimmte „religiöse Form“ hinein. Damit wird die Muttersprache für jeden Menschen zu einer schicksalhaften Macht, der er sich nicht entziehen kann.41 Die Sprache zwingt den Menschen mit zwar völlig unmerklicher, aber unentziehbarer Gewalt die ihr eigentümliche Spiegelung der Schicksale, Welterfahrung und Weltauffassung auf.42

41 F. TSCHIRCH, Religion und Sprache, in: Solange es „Heute“ heißt. Festgabe für Rudolf Hermann, Berlin 1957, S. 278.

42 F. TSCHIRCH, a.a.O., S. 278.

Die Sprache, die er von seinen Eltern überkommt, hebt ihn in einem Nu auf die Stufe der Welterkenntnis, die sie jeweils erreicht hat und in sich ausspricht; spielend vermittelt sie ihm die Lebenserfahrungen und Erkenntnisse all der Generationen vor ihm, die in ihr gestapelt sind, reicht ihm, als wäre es nichts, die Ergebnisse der Denkarbeit und der geistigen Durchdringung und Bewältigung der Welt durch eben diese Generationen vor ihm dar, die sich selbst der geistig bedeutendste Mensch während eines erfüllten Lebens bei angestrengtester Bemühung niemals auch nur annähernd hätte erarbeiten können. Durch das, was ihm die Sprache bietet, wird sein Blick in eine Weite und eine Tiefe gelenkt, auf Tatbestände und Vorgänge aufmerksam gemacht, die kennenzulernen die bloße Erfahrung eines einzelnen Menschenlebens niemals ausgereicht hätte und ausreichen würde.

Diesen in der Sprache angesammelten - hier ist der Superlativ wirklich am Platz - ungeheuren, aufs äußerste konzentrierten Schatz an Erfahrungen und Erkenntnissen übernimmt jeder Mensch in den frühen Jahren der Kindheit, da er seine Muttersprache lernt. Gerade in diesem Alter hat er dem von sich aus schlechterdings nichts entgegenzusetzen; vielmehr wächst er damit in ein geschichtlich bedingtes, fertig ausgeformtes Gefäß hinein und bemüht sich gerade darum - Eltern und Erzieher lassen ihm keine Wahl -, genau so zu sprechen, wie sie sprechen. Was er von sich aus anders sagt, ist "falsch“ und wird von ihm schon deswegen gemieden, weil er darin von den anderen nicht verstanden wird. Damit erweist sich die Muttersprache für jeden Menschen als eine schicksalhafte Macht, der er sich weder entziehen will (weil er nichts davon weiß) noch entziehen kann (weil er sonst unverstanden bliebe - die Wortkunststücke des Expressionismus haben es bewiesen); sie zwingt ihm mit zwar völlig unmerklicher, aber unentziehbarer Gewalt die ihr eigentümliche Spiegelung der Schicksale, Welterfahrung und Weltauffassung seines Volkes bis in weiteste Urzeiten zurück auf und läßt ihm keinen Raum zum "eigenen Wort“ 86

Anmerkungen

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Sichter

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