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Asc/Fragment 059 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 59, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Kottow 2004
Seite(n): 51-52, Zeilen: 51: 24 - 52: 18
[Sontags] Fazit könnte vereinfacht heißen: Tuberkulose ist die Krankheit der Übersensiblen, der von Leidenschaft getriebenen Menschen, während Krebs die der Unzulänglichkeit darstellt. Über dieses Muster findet durch Tuberkulose eine Sublimierung des Erkrankten statt15, im Gegensatz zu dem an Krebs leidenden Menschen, der für seine Krankheit verantwortlich gemacht wird.

Wie schon angedeutet, wird es schwierig, eine Grenze – auch wenn diese nur instrumental gezogen werden könnte – zwischen der literarischen Krankheit und den sozialen Phantasien zu definieren, die bei Sontag auch nicht an bestimmten Diskursen oder sozialen Praktiken festgemacht werden. So erscheint als so genannte literarische Phantasie auch die Projektion, die Sontag als allgemein präsent in ein Gesellschaftsbild einbettet.16 Literatur und allgemeine Wahrnehmung fallen zusammen und bilden ein Gefüge, welches sich gegen die erfahrene und medizinische Krankheit abhebt. Auf der einen Seite steht die Metapher der Krankheit in den außermedizinischen, kulturellen Diskursen, auf der anderen Seite innerhalb der medizinischen Diskurse und als konkrete Erfahrung beim Leidenden. Sontag veranschaulicht und betont in ihrem Text die Divergenzen zwischen beiden Bereichen. Die Metaphorisierung von Krankheit, wie schon der Titel ihres Essays andeutet, wird von den literarischen Repräsentationen und Assoziationen hervorgebracht. Als Verschleierungsmechanismus und als Aufstellung einer erfundenen Realität, die sich nicht mit der empirischen Erfahrung deckt, fungiert Literatur bzw. Kunst als Parallele, die jedoch die neben ihr funktionierende Wahrheit verdeckt.17 Literarische Krankheit ist Erfindung und dient bestimmten Intentionen.

Sontag situiert in der Mitte des 18. Jahrhunderts gesellschaftliche Wandlungs[prozesse insbesondere bezüglich sozialer und geographischer Mobilität.]


15 Susan Sontag weist auf zwei prominente Beispiele in der kanonischen Literatur hin: Die Brüder Goncourt nannten in ihrem Roman „Madame Gervaisais“(1869) Tuberkulose die Krankheit der vornehmen und edlen Teile des Menschen und stellten sie den ‚Krankheiten der rohen, niedrigen Körperorgane, die den Geist des Patienten vernebeln und beschmutzen...‘ gegenüber. In Thomas Manns früher Erzählung „Tristan“ hat die junge Ehefrau Luftröhrentuberkulose: ‚...und Gott sei Dank, dass es nicht die Lunge war! Wenn es aber dennoch die Lunge gewesen wäre – diese neue Patientin hätte keinen holderen und veredelteren, keinen entrückteren und unstofflicheren Anblick gewähren können, als jetzt, da sie an der Seite ihres stämmigen Gatten, weich und ermüdet in den weiß lackierten, geradlinigen Armsessel zurückgelehnt, dem Gespräche folgte. “Sontag 1991, 18

16 Kottow 2004, 52.

17 Ebd.

Vereinfacht ist das Fazit Sontags: Tuberkulose ist die Krankheit des Überschusses an Leidenschaft, während Krebs die der Unzulänglichkeit derselben darstellt. Über dieses Muster findet durch Tuberkulose eine Sublimierung des Erkrankten statt82, im Gegensatz zu dem an Krebs leidenden Menschen, der eigenverantwortlich für seine Krankheit gemacht wird.

[Seite 52]

Schwierig wird es, wie schon angedeutet, eine Trennungslinie - auch wenn diese nur instrumental gezogen werden könnte - zwischen der literarischen Krankheit und den sozialen Phantasien zu ziehen, die bei Sontag auch nicht an bestimmten Diskursen oder sozialen Praktiken festgemacht werden. So erscheint als sogenannte literarische Phantasie auch die Projektion, die Sontag als allgemein präsent in einem Gesellschaftsbild situiert. Literatur und allgemeine Wahrnehmung fallen zusammen und bilden ein Gefüge, welches sich gegen die erfahrene und medizinische Krankheit abhebt. Auf der einen Seite steht die Metapher der Krankheit in Literatur, Ästhetik und allgemeinen Vorstellungen, auf der anderen Seite die empirische Krankheit als konkrete Erfahrung beim Leidenden und als Wissen und Praxis in der Medizin. Sontag veranschaulicht und akzentuiert in ihrem Text die Divergenzen zwischen beiden aufgestellten Bereichen. Die Metaphorisierung von Krankheit, wie schon der Titel ihres Essays andeutet, wird von den literarischen Repräsentationen und Assoziationen hervorgebracht. Als Verschleierungsmechanismus und als Aufstellung einer erfundenen Realität, die sich nicht mit der empirischen Erfahrung deckt, fungiert Literatur und Kunst als Parallele, die jedoch die neben ihr funktionierende Wahrheit verdeckt. Literarische Krankheit ist Erfindung und dient bestimmten Intentionen.

Sontag situiert in der Mitte des 18. Jahrhunderts eine gesellschaftliche Transformation insbesondere bezüglich sozialer und geographischer Mobilität.


82 Susan Sontag verweist hierbei auf zwei prominente Beispiele in der kanonischen Literatur. „Die Brüder Goncourt nannten ihren Roman Madame Gervaisais (1869) Tb ‚diese Krankheit der vornehmen und edlen Teile des Menschen‘ und stellten sie den ‚Krankheiten der rohen, niedrigen Körperorgane, die den Geist des Patienten vernebeln und beschmutzen...‘ gegenüber. In Thomas Manns früher Erzählung ‚Tristan‘ hat die junge Ehefrau Luftröhrentuberkulose: ‚...und Gott sei Dank, daß es nicht die Lunge war! Wenn es aber dennoch die Lunge gewesen wäre – diese neue Patientin hätte keinen holderen und veredelteren, keinen entrückteren und unstofflicheren Anblick gewähren können, als jetzt, da sie an der Seite ihres stämmigen Gatten, weich und ermüdet in den weiß lackierten, geradlinigen Armsessel zurückgelehnt, dem Gespräche folgte. Siehe Susan Sontag, Krankheit als Metapher, idem., Fußnote auf Seite 22.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf Art und Umfang der Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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