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Dieses Meeresfrüchtchen knallt alles um

Der Knallkrebs ist das lauteste Tier der Welt. Er betäubt seine Beute und fordert seine Konkurrenten zum Pistolenduell. Eigentlich ist er aber recht sozial.

von Martin Klicken *

Wer bei seiner Meeresfrüchtepizza beim Stichwort Garnele nur an Shrimps und leckeren Salat denkt, tut diesen Krebstieren unrecht. Zumindest einige von ihnen haben ohrenbetäubende Fähigkeiten, die sie aus dem Handgelenk mit ihren Scheren umsetzen.

Die Mitglieder der Familie der Alpheidae werden nicht umsonst auch Knall- oder Pistolenkrebse genannt. Mit ihren Scheren erzeugen sie einen Knall – bis zu 205 Dezibel laut. Zum Vergleich: Der Start eines Düsenjets liegt im Bereich von 120 Dezibel. Damit sind diese Garnelen die lautesten Tiere der Welt. Nur gut, dass man im Wasser den Wumms nicht so sehr hört. Das Sonar eines U-Bootes aber können Knallkrebse sicherlich stören. Denn so wurden sie entdeckt.

Um es ab und zu mal richtig krachen zu lassen, haben die Riffbewohner eine besondere Technik entwickelt, heute Sonolumineszenz genannt. Die Wissenschaftler um den deutschen Physiker Detlev Lohse, die das Phänomen im Jahr 2001 erstmals beschrieben, sprachen ursprünglich von Shrimpolumineszenz.

Da dämmert es schon: Bei dem Krach ist auch Licht im Spiel. Die Garnelen stoßen mit ihrer Knallschere einen Wasserstrahl so schnell aus, dass sich eine Kavitationsblase bildet. Diese implodiert und erzeugt dabei nicht nur einen lauten Knall sondern auch einen Lichtblitz und örtliche Temperaturen von mehr als 4.725 Grad Celsius.

Mit so viel Kraft lässt sich der Krebs auch nicht in jedem Glasgefäß einsperren, er sprengt es gegebenenfalls schlicht auf. In der Wildbahn donnert er Beutetiere nieder, gibt Warnschüsse ab, kommuniziert mit Artgenossen und kämpft mit Rivalen. Dann gilt: Wer den größten Knall hat, gewinnt. Weil die Knallkrebse im Grunde äußerst faire Zeitgenossen sind, halten sie dabei einen Sicherheitsabstand ein, um sich nicht unnötig zu verletzen.

Überhaupt sind Knallkrebse recht gesellig, werden sogar "Symbiosekrebse" genannt. Einige Vertreter leben in Gemeinschaft mit Partner- oder Wächtergrundeln, andere mit Seeanemonen, wieder andere mit Haarsternen. Und 1996 entdeckte der amerikanische Meeresbiologe J.E. Duffy vom Virginia Institute of Marine Science sogar staatenbildende Vertreter: Synalpheus regalis besiedelt das Innere von Schwämmen, und zwar in großen Kolonien, ähnlich wie Wespen, Termiten, Ameisen oder Nacktmullen. Weit mehr als 150 Tiere pro Schwamm hatte Duffy ausgemacht – mit Königin, Arbeiterkrebsen, Soldaten und so weiter. Es ist das erste und bisher einzige Beispiel für staatenbildende Tiere im Ozean.

Ach ja: Knallkrebse schießen einhändig, mit der anderen Hand wird normal gegriffen. Verlieren sie die Schusshand, wird umdisponiert: Die andere Zange wird zur Pistole umgebaut, während anstelle des verlorengegangenes Schießeisens ein normaler Greifer nachkommt.

* Dieser Text wurde von mir eigenständig verfasst. Es wurden alle Quellen angeben, außer vielleicht http://de.wikipedia.org/wiki/Knallkrebse und, ja - ok, http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/tier-knallkrebs auch, aber ich habe alles nachrecherchiert. Martin Klicken 13:03, 15. Mai 2012 (UTC)

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