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Zur Frage der quotenbestimmten Aufhebung der Anonymisierung von Verdachtsfällen im VP

Mit dem kalendarischen scheint mir im VroniPlag auch eine Art zweiten biographischen Frühlings ausgebrochen zu sein.

Beispiele:

  • Diskussion einer ‚Generalamnestie’ mit der Aufhebung einiger verbliebener Benutzersperren in zeitlicher Nachfolge
  • Diskussion kategorialer Differentialdiagnose bezüglich der Einhaltung bzw. Nicht-Einhaltung der Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis (… „wissenschaftlicher Redlichkeit“) ([1]; [2]; [3]; [4] - „Testfälle zur Plagiatsdefinition“; [5])
  • Diskussion über VP- Zukunft, Sinn, Verbesserungen …; hier u.a. Verbesserungsvorschläge zur Barcode-Legende
  • Und so ganz nebenbei noch: Umstieg auf SMW :)

Man könnte nun also sagen, VP habe nun genug zu tun mit der Arbeit an den ‚Fällen’ und den bereits eröffneten ‚Baustellen’.
Da ist sicher was dran. Andererseits kann m.E. nicht bis zum wie auch immer zu definierenden Abschluss dieser Baustellen gewartet werden, denn wann sollte das sein?

Deshalb möchte ich auf zwei weitere Fragestellungen hinweisen. Es bleibt ja allen freigestellt, sich diesen Fragen zuzuwenden oder eben auch nicht.

Von den beiden Problemkreisen nenne ich zuerst:

Zur Frage der Maßstabsverschiebung in der Diskussion um wissenschaftliche Redlichkeit“ Diese Frage lässt sich noch im erweiterten Kontext sehen mit einem Teil der o.a. Fragen. Sie sei hier zunächst einmal zurückgestellt.


Den zweiten Problemkreis habe ich mal so formuliert: „Zur Frage der quotenbestimmten Aufhebung der Anonymisierung von Verdachtsfällen im VP

Diese Frage darf ebenfalls als Teil einer Schnittmenge mit den oben erwähnten Fragestellungen gesehen werden, insbesondere mit der Zukunfts-, Sinn- und Verbesserungsthematik (im Folgenden “ZSV“).

Den Vorstoß in Richtung dieser Fragestellung möchte ich nicht missverstanden sehen als trollige Behinderung der Sacharbeit im VP, auch wenn seit Bestehen von VP die Dokumentationsarbeit immer wieder auch in destruktiver Form, z.T. vielleicht auch mit Absicht mit kritischen Argumenten wie „An-den-Pranger-Stellen“ begleitet wurde. Zuletzt noch kam die Thematik erneut auf im Forum:Prangerwirkung.

Ich denke, dass gerade jetzt die Zeit günstig ist, eine solche die Arbeitsweise im VP nicht nur tangentiell berührende Frage sachlich, ruhig und nicht mit letzter Tinte J zu stellen.

Einmal von der deutlich sachlicheren Atmosphäre her ermuntert, zum anderen nach den jüngsten ‚Erfolgen’ entspannter, schließlich im Gefolge der bereits aufgeworfenen und erwähnten ZSV angemessen.

Was meint „Frage der quotenbestimmte Aufhebung der Anonymisierung“?

Vorweg: Die Frage meint nicht, irgendeine Quoten-Diskussion erneut anzustoßen, ob 5%, 10%, 15%, 20% oder wie viel auch immer als Kriterium genommen werden sollte, die Anonymisierung eines Verdachtsfalles durch Edit auf der Home unter Klarnamensnennung zu beenden. Die Frage meint sicher auch nicht die Alternative, die Anonymisierung gleich vom ersten Verdacht an gar nicht erst einzuführen.

Die Frage meint, ob es nicht sinnvoll sein könnte, von der bisherigen Praxis abzulassen und einen nach internem Konsens gut dokumentierten Fall eines (erheblichen?) Verstoßes gegen die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis anonymisiert auf der Home stehen zu lassen bei gleichzeitiger nicht-öffentlicher Information an die betreffende Universität.

Ob dieses Vorgehen geboten ist, hängt mMn entscheidend vom mehrheitsgetragenen Selbstverständnis des VP-Wikis ab. In operationaler Definition sehe ich da 4 Fälle:

  • Fall 1: Anonymisierte Dokumentation, ob wissenschaftliches Fehlverhalten im Fall Xy im Textvergleich belegt werden kann oder nicht (Grenzfälle möglich);
  • Fall 2: Dokumentation i.S. von Fall 1 u n d im zweiten Schritt kriteriumgeleitete namentliche Offenlegung auf der Home (und nur da)
  • Fall 3: wie Fall 2 u n d adressierte Information an die betroffene Universität
  • Fall 4: wie Fall 1 u n d im zweiten Schritt kriteriumgeleitete Entscheidung zur Information an die betroffene Universität

Fall 1 entspricht einem – von VP auch für sich in Anspruch genommenen – enzyklopädischen Selbstverständnis, auch vergleichbar mit anonymisierten Fallstudien in anderen Wissenschaftsfeldern.
Fall 2 geht darüber hinaus und beabsichtigt zusätzlich eine personen- und institutionsbezogene Einflussnahme, durch die argumentative Kraft der Dokumentation selbst, aber auch mit Aufhebung der Anonymität zur Verstärkung der Einflussnahme, ohne weitere zusätzliche Initiativen. Einflussnahme in welche Richtung? Meist wird hier veranschlagt: Unterstützung und Stärkung der ‚Selbstreinigungsmechanismen’ des Wissenschaftssystems, z.Z. auch durch ‚Abschreckung’
Fall 3: wie Fall 2, aber mit zusätzlicher Initiative zur weiteren Verstärkung der Einflussnahme – in welche Richtung? (Anmerkung: Im Fall 4 ist natürlich die namentliche Information der Universität die einzig mögliche Verfahrensmöglichkeit und steht nicht unter dem Verdacht zusätzlich beabsichtigter verstärkter Einflussnahme.) Für die Fälle 2 und 3 gilt: Eine gewisse ‚Prangerwirkung’ wird stellvertretend für die promovierte Person durch namentliche Bekanntgabe auf der Home in Kauf genommen mit der Begründung, dass jeder, der promoviert, unter Veröffentlichungszwang gestellt ist auch wegen der Überprüfbarkeit und damit ja auch seine Identität von Anfang an definitionsgemäß offenbar wird.
Fall 4 stellt die hiermit zur Diskussion gestellte Variante dar.

Es ist völlig offenkundig, dass hier keine öffentliche ‚Prangerwirkung’ sich entfalten kann. Die nicht-öffentliche Information an die Universität kann ebensowenig als ‚Anprangern’ verstanden werden, denn für diese Aktion gilt ja gerade das eben erwähnte Argument, dass die promovierte Person sich mit der Promotion freiwillig einer offenen wissenschaftlichen Auseinandersetzung aussetzt und sie billigend in Kauf nimmt.

Keinesfalls aber bedeutet dies automatisch, dass mit der Veröffentlichungspflicht im wissenschaftlichen Umfeld auch eine öffentliche namentliche Bekanntgabe eines begründbaren Verdachts auf wissenschaftliches Fehlverhalten, evtl. gar i.S. von Täuschung, auf einer Internet-Plattform oder in der Presse in Kauf zu nehmen war.

Entsprechendes hatte bereits Prof. Frenz in seinem Aufsatz so formuliert:

»Aus Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ergibt sich noch keine allgemeine Medienöffentlichkeit, die der Betroffene hinzunehmen hat.« (zit. n. Zitat auf der Seite Forum:Prangerwirkung)
Nun geht es mir gar nicht, da selbst fachfremd, um die juristische Einordnung, sondern darum, zu fragen, ob ein anderes Vorgehen als wie in Fall 4 überhaupt erforderlich ist.

Anders gefragt: Welches Ziel oder welche der Ziele, das bzw. die VP bisher für sich deklarierte, soll eigentlich durch ein dem Paradigma 4 verpflichtetes Vorgehen aus tatsächlichem Grunde beschädigt bzw. verhindert werden können? Und wenn sich da nichts Wesentliches finden lassen würde, stünde es dann VP nicht gut zu Gesicht, auf durch die bisherige Praxis unvermeidliche – und zuweilen als in Kauf zu nehmen eingeräumte (s.u.) – Prangerwirkung zu verzichten, wenn dann doch die wesentlichen Ziele der Arbeit auch ohne Aufhebung der Anonymisierung erreichbar sind? Wenn sich aber zeigen ließe, das VP sein(e) Ziel(e) auch ohne Aufhebung der Anonymisierung erreichen kann, dann bedeutet ein Beharren auf der gegenwärtigen Praxis eine unnötige Selbstdiskreditierung von VP, weil unnötigerweise – unter diesem Umstand sogar allein verantwortlich! – eine Prangerwirkung in Kauf genommen wird. Hinzu tritt noch, dass es unter dieser Bedingung auch schwer fallen dürfte, dem Eindruck entgegen zu treten, dass die namentliche Präsentation der promovierten Person auf der Home eine Art Misstrauensvotum gegenüber der informierten Universität darstellt, dass nämlich ohne diese öffentliche Bekanntmachung die betreffenden Instanzen versucht sein könnten, aus Selbstschutz den gemeldeten begründeten Fall nicht zu verfolgen. M.a.W.: Die Aufhebung der Anonymisierung gerät damit in den Verdacht einer zusätzlich verstärkten Einflussnahme. Dass dies tatsächlich bei medialen Beobachtern so ankommt, zeigt ganz akut (19.04.2012) ein Zitat aus einem Kommentar in ZEIT ONLINE von Horstkotte mit dem Titel Uni betreibt Selbstschutz mit Titelentzug für Mathiopoulos:

»Ihr akademischer Lehrer Bracher zählt zu den Begründern der demokratischen Politikwissenschaft in der frühen Bonner Republik und war an der Uni eine unangreifbare Respektsperson. Deshalb traute sich damals kein Kollege, den Daumen über seine Meisterschülerin zu senken. Die Saubermänner von heute trauen sich das jetzt aus reiner Angst vor VroniPlag und der davon gesteuerten öffentlichen Meinung
Die Erklärungen in den VroniPlag Wiki: FAQ sehen so aus:
Frage: Ist VroniPlag ein „Pranger“ für Promotions- und Habilitationsbetrüger?

  • VP (u.a.): »Eine mögliche Beschädigung von Personen wird in Kauf genommen, ist aber kein Anliegen von VroniPlag.«

Frage: Sind anonyme/pseudonyme Meinungsäußerungen nicht verwerflich?

  • VP (u.a.): »Eine Klarnamensnennung des Autors einer untersuchten Arbeit und die Verlinkung der Dokumentation auf der Hauptseite erfolgt nur mit breitem Konsens

Beide Aussagen entbehren nicht einer unfreiwilligen Ironie, denn zumindest die vom ‚Outing’ betroffene Person mag es kaum für einen Trost nehmen, wenn VP ihre Beschädigung nicht zum Anliegen machte und das öffentliche Bekanntmachen ihres Namens im mehrheitlichen Konsens erfolgt ist.
Auf das Argument, dass etwas versiertere Leute trotz Anonymisierung den Klarnamen der untersuchten Person finden könnten, brauche ich hier nicht einzugehen, denn dazu hatte VP bereits längst eine entkräftende Antwort gefunden.

Fazit: Wenn sich keine nachvollziehbare Fundierung einer Notwendigkeit finden lässt, auf ein methodisches Vorgehen nach ‚Fall 4’ zu verzichten, dann ist eben auch nicht darauf zu verzichten, weil mit dieser Art des Vorgehens eine Beschädigung der betroffenen Person mit geringerer Wahrscheinlichkeit und mit geringerem Ausmaß zu erwarten ist und doch umgekehrt auch die Arbeit der Plattform in ihrer Zielsetzung durch Beibehaltung der Anonymisierung nicht beschädigt wird.

Die betroffenen Universitäten mögen dann durch ihre Gremien selbst entscheiden, in welcher Form sie ihr Urteil in der Sache veröffentlichen. Kreuzritter 23:08, 19. Apr. 2012 (UTC)


Replik auf bisher 7 Kommentierungen

Zunächst mal Dank für die differenzierten Antworten. Einen Chor stürmischer Zustimmung hatte ich auch nicht erwartet, berührt doch der deduzierte Vorschlag in der Tat eine Kerneigenschaft des VP-Projekts. Und hier kommt gleich die Frage von Marcusb ins Spiel, welches Problem denn da gelöst werden soll. Gute Frage und hoffentlich nicht nur rhetorischer Kniff. Fiesh jedenfalls hat in seinem Kommentar sofort das beschriebene Problem erkannt und die Problemlösung, wenn er auch die Kehrseite der Medaille aus seiner Sicht anspricht. Also, der Reihe nach, um es noch mal aufzudröseln:

  1. Zuerst ging es mir darum, mit dem Blog-Beitrag ein nochmaliges und nicht folgenlos rein rhetorisches Nachdenken anzuregen. Diesmal im ‚entspannten Feld’, wie das die Sozialpsychologie nennt, nicht mehr in emotionalisierter Abwehr gegen oft sogar feindselige Scheinargumentationen.
  2. Stein des Anstoßes war für mich u.a., als ich neulich mal – ich gestehe, zum ersten Mal – die FAQ durchlas und dabei auf den bereits zitierten Satz traf: »Eine mögliche Beschädigung von Personen wird in Kauf genommen, ist aber kein Anliegen von VroniPlag.« Junge, Junge, oder wie es heute heißt: Wow! Ich muss sagen, das fand ich recht heftig, allerdings auch ehrlich. Nota bene: Das Inkaufnehmen von Beschädigungen von Personen ist im allgemeinen Rechtsverständnis justitiabel.
  3. Hier liegt also das Problem, das gelöst werden sollte, wenn es überhaupt geht, ohne unverzichtbare Eigenschaften des Projekt-Wiki aufzugeben. Dass nicht nur ich darin ein Problem sehe, dürfte eine Fülle ernstzunehmender Community-Reaktionen seit Anbeginn der netzgestützten Plagiatedokumentation zeigen. Ja selbst im Bereich der universitären Aufarbeitung des Plagiarismus gab und gibt es ein diesbezügliches Problembewusstsein. Dafür stellvertretend verweise ich auf einen Bericht u.a. über Dorothee Dzwonneks, Generalsekretärin der DFG, Anmoderation zum 2. DFG-Symposium mit dem Thema „Gute wissenschaftliche Praxis“ vom 29.11.2011 ([6]): »Sie berichtete aus ihrer Erfahrung als Vorsitzende des DFG-Ausschusses zur Untersuchung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens von den beiden Problemfeldern „Namensnennung von Betroffenen“ [fett d. Kr.] und „Dauer der Verfahren“. Namen von Personen, die nachweislich wissenschaftliches Fehlverhalten begangen haben, würden dann in die Öffentlichkeit kommuniziert, wenn hieran unter Abwägung der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen insbesondere im Hinblick auf die Schwere des Fehlverhaltens ein öffentliches Interesse bestehe.« Daraus wird ersichtlich, dass selbst nach universitärer (!) Feststellung wissenschaftlichen Fehlverhaltens immer noch Persönlichkeitsschutz gilt und erst durch besonderes öffentliches Interesse infolge der Schwere des Fehlverhaltens eine Öffentlichkeit hergestellt wird.
  4. Das weist übrigens so ganz nebenbei darauf hin, dass viele hier in den Kommentaren vorgebrachten Bedenken von Seiten der DFG wohl nicht mit getragen werden, Insbesondere jene Bedenken, die auf eben die Notwendigkeit eines fortgesetzten wissenschaftlichen Verfolgens publizierter Plagiate hinweisen (vgl. z.B. hier Plagin Hood, KayH u.a.), entfallen damit, denn all das liegt ja dann in Händen der Universitäten, die von VP informiert werden.. Und es macht deutlich, dass wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer bereits festgestellten wissenschaftlichen Unredlichkeit nicht zwingend ein Hineintragen des Namens der betroffenen Person in die allgemeine – nicht die wissenschaftliche!!, das ist hier der wesentliche Unterschied – Öffentlichkeit bedeutet, voraussetzt oder zur Folge hat.
  5. Daraus folgt: Wenn VP nicht darauf verzichten will, Autor(in) und betroffene Universität im Internet öffentlich „auszuhängen“, dann geht es nicht um Dokumentation als solche, sondern darum, sich mit der Dokumentation in den Diskurs innerhalb der wissenschaftlichen Welt zu bringen, was ja ohne solche Allgemein-Veröffentlichung ansonsten in die Verantwortung der Universitäten abgegeben wäre. VP wäre dann raus aus der Sache, würde gegebenenfalls damit als eigenständige Kraft nicht einmal mehr erwähnt. Oder es geht (auch) darum, sich und den ‚Fall’ in die allgemeine Öffentlichkeit zu bringen, z.B. um „Aufmerksamkeit“ zu erreichen.
  6. KayH’s Assoziation zum Privat-Wiki liegt nahe, entspricht aber nicht den historischen Wachstumsbedingungen des Projekt-Wikis, worauf er hinweist. Die netzgestützte Austragungsform solcher Dokumentationen hat natürlich ihre eigenen strukturellen Chancen und Begrenzungen. Und natürlich darf man fragen und auch bezweifeln, ob solche Projekt-Wikis überhaupt jemals so aufrüttelnden Erfolg gehabt hätten, wenn man sozusagen im Verborgenen gearbeitet hätte. Da bin auch ich sehr skeptisch.
  7. Was die von KayH als der – nach dem Nachdenken ggf. vorzuschlagenden – Lösung im Wege stehende Zitierpflicht angeht, so verweise ich auf Punkt 4, was den wissenschaftlich gemeinten Teil des Arguments angeht. Was den Aspekt der Rezeption der Doku beim Publikum angeht: a) Das Publikum findet bereits vor der Veröffentlichung auf der Home alle Information im Wiki vor, nur dass der Klarname verkürzt wird und die Dissertation nicht explizit bezeichnet wird. Wie Marcusb sagte: belastbare Dokumentation von Textstellen! Alles da, nur ohne direkte Identifizierbarkeit von Autor(in), Diss-Titel, Uni, Verlag, Jahr. b) Nein, das ist eben gar nicht der Punkt, sondern es geht anscheinend um das, was Plagin Hood als „gewollte Aufmerksamkeit“ bezeichnete. (s. auch Punkt 6)
  8. Wie es Fiesh sagt: Es gibt Vor- und Nachteile. Wenn das anders wäre, warum hätte ich ein Nachdenken anregen wollen?
    Die am Ende – nach Sammlung und Diskussion der Vor- und Nachteile – entscheidende Fragestellung ist doch, wie sich Vor- und Nachteile gegen einander verhalten.
    Das führt wieder zur vorab zu klärenden Frage des Selbstverständnisses im Wiki zurück: Welches Ziel/welche Ziele strebt VP im Konsens (zumindest zu sehen als kleinster gemeinsamer Nenner aller subjektiven Ziele der Beitragenden) an, wenn es, wie Marcusb sachlich referiert, darum geht: »Wir dokumentieren belastbare Textstellen in Dissertationen.«
    Wie Marcusb festhält, gehe es nicht um Information oder gar Zuarbeit für Universitäten. In historischer Nostalgie schwelgend könnte man daran erinnern, dass viele der jetzt bei VP Mitarbeitenden zu Zeiten von GP folgenden Hinweis mitgetragen haben: »Durch Aufdecken der existierenden Plagiate in der vorliegenden Dissertation versuchten wir, der Bayreuther Prüfungskommission die Arbeit zu erleichtern.« Vor dem Bayreuther Urteil stand da „versuchen“. Also ganz so abseitig ist sowas nicht. Marcusb hat ja Recht: Solange man nämlich die anfängliche Anonymisierung bei bestätigtem Verdacht aufhebt, so lange braucht man keine direkte Info-Line zu Unis, weil die ja die Info aus der Home und nachfolgend auch Presseberichten entnehmen können. (s. auch „gewollte Aufmerksamkeit“)
    Hierhin gehört auch Marcusb mit der Aussage: »Nach meinem Verständnis ist die Rolle von VroniPlag auch nicht, den Universitäten die Arbeit zu erleichtern oder ihnen sogar zuzuarbeiten. Das wäre meiner Einschätzung nach auch keine Basis für ein Gemeinschaftsprojekt, wie soll man dafür freiwillige Helfer gewinnen?« Bei GP hatte es durchaus geklappt. Allerdings tatsächlich, weil jeder bald wusste, um wessen Dissertation es da ging. Im Übrigen geht es auch mir nicht um „Zuarbeiten“, sondern es ist eine Konsequenz, dass eine anonymisiert bleibender Plagiatsbefund ohne eine Zusammenarbeit mit der Uni-Ebene wirkungslos bleiben würde, eben auch folgenlos i.S. der von Plagin Hood zu Recht angesprochenen anderen Zielsetzungen. Dem vorgebrachten Einwand, ohne die (gewollte) Herstellung von Öffentlichkeit sei VP nicht sinnvoll, ist in Punkt 7 bereits entgegnet worden. Öffentlichkeit von was? Ohne den Namen des/der Promovierten ist VP nicht sinnvoll? Nochmals: s. u.a. Punkt 7.


GuttenPlag hatte und hat noch auf der Home unter dem Stichwort „Hinweis“ eine klare Selbstdefinition angeboten: »Unser Ziel ist, die wissenschaftliche Integrität eines Doktortitels in Deutschland zu sichern, damit auch weiterhin eine korrekte wissenschaftliche Arbeitsweise von Trägern eines solchen Titels erwartet werden kann
VP kennt auf der Home nur eine kurze deskriptive Ansage: »Kritische Auseinandersetzungen mit Hochschulschriften auf Basis belastbarer Plagiatsfundstellen«. Über Ziele steht da nichts. Aufklärung darüber, warum nicht, findet sich etwas tiefer im Wiki unter FAQ (Allgemeine Fragen - Thema Motivation: Was wird mit der Plagiatsdokumentation bezweckt?). Die dortigen Angaben zeigen auf unterschiedliche Ziele (Motivationen) hin, welche sich Beitragende in jeweiliger Präferenz zu eigen machen können. Das ist legitim und wird in der Tat dem Wiki-Charakter besser gerecht. Man darf vermuten, dass hier auch Erfahrungen einiger Mitarbeiter aus der GP-Zeit Pate standen.
Demgemäß ist also auch im VP Plagiatedokumentation kein l’art pour l’art.
Die Essenz der in Rede stehenden FAQ-Passage sieht für mich so aus:


Öffentliche Dokumentation belastbarer Plagiatsfundstellen im synoptischen Textvergleich → Aufmerksamkeit → a) Problembewusstsein → Verstärkung guter wissenschaftlicher Praxis, b) Aufklärung interessierter Kreise → ggf. Animation zur Mitarbeit, c) Rezension im Dienste der Wissenschaft.
Nun ist also zu fragen, ob zumindest eines dieser Ziele die Aufhebung der Anonymisierung erzwingt und, wenn ja, wie die Güterabwägung zwischen Zielverfolgung und ‚Kollateralschaden’ zu entscheiden ist. Will sagen: Man kann ein durchaus ehrenwertes Ziel verfolgen, muss aber im Auge behalten, ob dabei nicht an anderer Stelle ein nicht zu rechtfertigender Schaden in Kauf genommen wird. Ich erinnere an die DFG-Aussage im Kontext der FAQ-Erklärung zur Inkaufnahme möglicher Beschädigung einer Person!


Eine Kurzfassung angedachter Schäden, welche hier noch zu berücksichtigen sind:
1. Schwierigkeit, freiwillige Helfer zu gewinnen (Marcusb),
2. Schwierigkeit, dass die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Dinge unter den Teppich gekehrt werden (KayH),
3. Verzicht auf wissenschaftliche Rezensionsleistung (Plagin Hood),
4. Schwierigkeit verstärkter Provokation von “Anonymitätsvorwürfen“ und Verschwörungstheorien (Fiesh).

Und man muss sich fragen, wie z.B. Fiesh es tat, ob mit dem Beschreiten des alternativen Weges (hier: ‚Fall 4’) nicht mindestens gleichwertiger, wenn nicht höherer ‚Kollateralschaden’ in Kauf zu nehmen ist.

So, da stehe ich nun, ich armer Tor …. – nein, ich bin klüger als zuvor, da ich die bisherige Diskussion bereichernd fand. Aber schwierig ist es allemal.
Ich habe gelernt, dass VP zwar nicht auf einem für alle verbindlichen Zielkatalog beruht, dass aber die Arbeit im VP auf einer de facto automatisch gewachsenen oder verabredeten Entscheidung über die Güterabwägung zwischen Projekt-eigentümlichen Chancen und in Kauf zu nehmenden Risiken gründet. Und diese Entscheidung impliziert die Aufhebung der Anonymisierung mit Inkaufnahme möglicher Beschädigung betroffener Personen. An dieser Stelle angekommen, ab hier versagt deduktive Entscheidungsfindung. Ein jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er diese Implikation mitträgt und dafür lieber die genannten Schwierigkeiten vermeidet. Ich bin – mit wahrscheinlich (fast) allen hier – der Meinung, dass eine Anonymisierung der Plagiatedokumentation von Beginn an weder bei GP noch bei VP irgendetwas bewegt hätte.

Ich bin aber andererseits der Auffassung, dass zum jetzigen Zeitpunkt (1 Jahr VP) über die Güterabwägung neu nachgedacht werden sollte. Gerade der durch robuste Mittel erzielte Erfolg erlaubt es, jetzt etwas weniger ‚robust’ vorzugehen.

Bezüglich der o.a. Schwierigkeiten will ich meine Präferenzen nicht verschweigen. Ich habe es aber auch leicht, weil ich nicht im engeren Sinne am Projekt mitarbeite. Aber es ging ja ums Nachdenken.

Schwierigkeit 1: Dem Gewicht zu geben ist zwar Wiki-konform, ist aber selbstzentriert.

Schwierigkeit 2: Nicht von der Hand zu weisen, aber geringerwertiger Schaden im Vergleich zu Beschädigung von Personen.

Schwierigkeit 3: Nachvollziehbar, aber sehr selbstzentriert; kann übrigens auch nachgeliefert werden, wenn der Fall erst einmal in Kongruenz mit der VP-Einschätzung universitär entschieden wurde. (s. DFG-Empfehlung)

Schwierigkeit 4: Aushaltbar, sehr selbstzentriert.

Für mich stehen demnach alle 4 vorgebrachten Nachteile unter dem Regime selbstbezogener Motivation, und das um den Preis, zu dem sich VP in den FAQ frei bekennt. Ich zitiere noch einmal, weil’s damit seinen Anfang nahm, und treffe vielleicht bei dem einen oder anderen im Wiki auf eine gesteigerte Sensibilität:
»Ein „Personenpranger“ ist von den meisten Wiki-Beitragenden nicht gewollt. Eine mögliche Beschädigung von Personen wird in Kauf genommen, ist aber kein Anliegen von VroniPlag


Nachtrag: Als ich das gerade editieren wollte, kamen noch 2 Edits dazu.

Dazu in aller Kürze: Bei Hindemiths Idee warte ich Reaktionen anderer Mitarbeiter ab; im Übrigen schließt er sich unspezifisch generalisiert den Anderen an. Bezüglich des IP-Edits: Ist hier bereits von Plagin Hood und KayH mit anderer Wortwahl angesprochen worden. Dennoch: Dank für den Hinweis. Kreuzritter 22:31, 20. Apr. 2012 (UTC)


Blog-Ergänzung unter Bezug auf die Kommentare 9 – 12

So wie KayH und Plagin Hood (z.B. im Post beginnend mit „Kr“) zum Faktischen im VP äußern, kann ich nur sagen: Sehe ich auch so. Und natürlich trifft jeder die Güterabwägung für sich selbst. Ich lese aus den Anmerkungen, dass die Diskussion sich auf ein Ende zu bewegt. Möchte weder stänkern, noch langweilen, möchte aber noch ein paar Worte anfügen.

Zur „erzieherischen“ Wirkung der Aufhebung der Anonymisierung:

Die von IP 213.102.92.95 Einschätzung Riebles stellt auf das Zweckmäßige ab, und zwar im Sinne der Abschreckung durch Drohung. Eben. Stell dir vor, VP findet ‚Plagiate’ in den Dissertationen von ungenannten Autoren/Autorinnen und keiner schaut hin!

Es ist auch erkennbar, dass trotz der Erfolge von GP- und VP-Wiki unter der Bedingung nicht-anonymisierter Befunddarstellung bei Plagiatsfunden die Selbstreinigungskräfte im Wissenschaftsbetrieb noch sehr zu wünschen übrig lassen. Und da soll man jetzt das „Drohpotential“ im Riebleschen Sinne auch noch abschwächen?

Dennoch gilt für die Güterabwägung, dass der Zweck nicht die Mittel heiligt.

Hier schafft übrigens der Vorschlag von Hindemith eine Teillösung. Gibt es dazu eine fortführende Meinungsbildung im Wiki?

Zur Anonymisierung als Potenzierung der Anklagewirkung:

Vielleicht habe ich da ja was nicht verstanden, aber mir erschließt sich die Logik nicht.

Das mal zu Diskussionszwecken entwickelte Prozedere-Beispiel ‚Fall 4’ besteht aus zwei Elementen:

  1. Untersuchung wissenschaftlicher Veröffentlichungen in anonymisierter Form, auch nach Feststellung einer für die Wertung „wissenschaftlicher Unredlichkeit“ hinreichenden Quantität und Qualität der Funde und
  2. Weitergabe der Dokumentation unter Aufhebung der Anonymität an die universitären Entscheidungsgremien.

Die allgemeine Öffentlichkeit hat wie bisher alle Möglichkeiten, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob es sich im je konkreten Fall um „schwerste Beschuldigungen“ handelt oder ob’s darunter liegt. (vgl. in den FAQ: [ …] “hat der/die Leser(in) durch die Textgegenüberstellungen und Quellenangaben die Möglichkeit, sich weitgehend unbeeinflusst eine eigene Meinung zu bilden“)

Warum sollte sich das mit dem Erreichen einer bestimmten Quote an “belastbaren Fundstellen“ – derzeit lt. FAQ 10% der Seiten – plötzlich ändern?

Eine verdachtsweise Attribuierung als ‚besonders schwerer Fall’ nur wegen der anonymisierten Darstellung kann von verständiger Seite da nicht aufkommen, außer vielleicht bei den »"politische Kampagne"-Deppen« (Fiesh).

Und dass die Daten anderswo oder missbräuchlich (KayH) publiziert werden könnten, diese Gefahr besteht ja jetzt auch schon vor der Einstellung des Falles auf der Home. Im Gegenteil: Die Aufrechterhaltung der Anonymisierung macht den ‚Fall’ für solcherart ‚Verwendung’ ziemlich uninteressant.

So weit zur Anonymität der Untersuchten.

Und wie um es erst gar nicht zu solchen Missverständnissen kommen zu lassen bzw. sie ggf. korrigieren zu können, findet sich in den bereits zitierten FAQ unter der Frage “Sind anonyme/pseudonyme Meinungsäußerungen nicht verwerflich?“ folgende Aufklärung, die wohl auch an dieser Stelle greift:

»Anonyme Begutachtungen sind außerdem in der Wissenschaft verbreitet. Im sogenannten "peer review" vor der Annahme von Publikationen und für Entscheidungen über die Förderung von Forschungsvorhaben gelten sie vielen als unverzichtbar

Soweit zur Anonymität der Untersucher.

Zur „wissenschaftlichen Auseinandersetzung“:

»Jemand, der mit der Publikation einer Diss namentlich in die wissenschaftliche Öffentlichkeit tritt, der gehört auch namentlich öffentlich kritisiert.« (KayH)

Im Sinne meiner diesbezüglichen Ausführungen erlaube ich mir eine minimale und doch bedeutsame Differenzierung:

Jemand, der mit der Publikation einer Diss namentlich in die wissenschaftliche Öffentlichkeit tritt, der gehört auch namentlich in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit kritisiert – mitnichten wie selbstverständlich in der allgemeinen Öffentlichkeit.


Hier bietet sich möglicherweise für die nahe oder fernere Zukunft eine zeitbezogene Lösung an:

Seit 2011 sind mit der 100%igen Bekanntheit – in akademischen Kreisen – von netzgestützter kollaborativer Plagiatedoku durch das Wirken von GP und VP in Zukunft jeder Person, welche eine wissenschaftliche Arbeit verfasst, die möglichen Folgen bekannt. Das aber heißt, dass dann jeder Person, die gegen die Grundregeln guter wissenschaftlicher Praxis verstößt, unterstellt werden darf, dass sie ein ‚Outing’ in aller Öffentlichkeit (und nicht nur wissenschaftlicher) zu gewärtigen hat und somit billigend in Kauf nimmt. Damit kommt es für Dissertationen und Habilitationsschriften mit Veröffentlichung ab spätestens 2012 zu einer Umkehr der billigenden Inkaufnahme. Sie liegt ab dann nicht mehr z.B. bei VP, sondern bei den unredlich arbeitenden Wissenschaftlern. Eine solche Lösung, wenn gewollt, könnte VP in einer Home-Notiz oder den FAQ öffentlich bekannt machen.

Sollte VP also von Bestand sein, so werden nach und nach immer mehr Arbeiten der Jahre ab 2011 / 2012 zu untersuchen sein.

Daraus können jetzt die ‚Pragmatiker’ im VP-Wiki ableiten, dass zuvor sozusagen ‚Jugendsünden’ nötig waren (und noch sind?), um überhaupt mit “gewollter Aufmerksamkeit“ Wirkung zu erzielen. Später hat sich dann das Problem von selbst erledigt. Kreuzritter 00:02, 24. Apr. 2012 (UTC)

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