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Cmg/Fragment 036 01

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Typus
KeineWertung
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 01
Quelle: Venetz 2008
Seite(n): 17-20, Zeilen: 0
Fernziel war nach den Gründungsstatuten die „Legalisierung der aktiven Euthanasie“ - ein Ziel, dem sich viele Suizidhilfeorganisationen auf der ganzen Welt verschrieben haben. Doch schon zwei Jahre später wurde dieses Ziel aufgrund heftiger Kritik gestrichen und stattdessen mit der „Beihilfe zum Freitod“ neu formuliert. Eine sog. Suizidanleitung, die Exit ihren Mitgliedern offeriert, nennt den Sterbewilligen Wege, sich das Leben zu nehmen. Die erste Anleitung, ein sog. Manual, wurde schon 1982 unter dem Titel „Freitod – würdiges und humanes Sterben in eigener Verantwortung“ veröffentlicht. Neben der medikamentösen Methode wurde unter anderem auch über andere Wege wie etwa das Einatmen von Autoabgasen, Verbluten in der Badewanne, Kältetod im Freien etc. informiert.112 Das Manual enthielt – im Gegensatz zu heute – eine genaue Bezeichnung tödlich wirkender Medikamente, Möglichkeiten zu deren Beschaffung, Hinweise, die staatlichen Barrikaden zur Missbrauchsverhinderung (Rezeptpflicht) zu umgehen, sowie die Angabe der Dosis. Daneben wurde explizit darüber aufgeklärt, wie sich ein Suizident bei seinem Vorhaben bestenfalls von der Außenwelt abschirmen könne, um eine Vereitelung des Suizids durch Dritte zu vermeiden. Weiter wurde freiwillige und fachkundige Suizidbegleitung angeboten. Voraussetzung war allerdings hier schon, dass das sterbewillige Mitglied das tödliche Medikament selbst besorgt und einnimmt.113 Die Anleitung konnten zunächst nur volljährige Personen nach einer mindestens dreimonatigen Mitgliedschaft beziehen. Ab 1993 und einer in diesem Jahr erfolgten Statutenänderung wies Exit im Manual nicht mehr länger darauf hin, welche Medikamente auf welche Art und Weise zu beschaffen seien, sondern legte den Schwerpunkt allein auf die einzig mögliche Abgabe des Barbiturats Natrium-Pentobarbital (NaP) durch die Organisation. NaP war bis dahin allein aus dem Einsatz in der Tiermedizin bzw. noch früher in geringer Dosis als Angst und Beruhigungsmittel, in stärkerer Konzentration als Narkotikum oder Schlafmittel bekannt.114

Bei Einnahme einer erhöhten Dosis wirkt das Medikament innerhalb weniger Minuten tödlich. Die Gesellschaft muss nun dafür Sorge tragen, dass dem Sterbewilligen ein Sterbehelfer zur Seite gestellt wird. Dann erst ist sichergestellt, dass die in der Schweiz aufgestellten Grundsätze zum assistierten Suizid eingehalten werden.115


112 Sigg, Warum Menschen freiwillig aus dem Leben gehen, S. 79; Frei/Hoffmann-Richter/Finzen, Zur Situation des assistierten Selbstmordes in der Schweiz, S. 100; Venetz, S. 19.

113 Kehl, Sterbehilfe, S. 289; Fricker, Aus freiem Willen, S. 22; Sigg, S. 80; Venetz, S. 19.

114 Minelli, AJP 2004, S. 496 und die dazugehörige Fn. 21; Venetz, S. 20.

115 Fricker, S. 32 f.; Venetz, S. 20.

Die Gründungsstatuten von Exit (deutsche Schweiz) nannten als Fernziel - wie viele Sterbehilfeorganisationen auf der ganzen Welt auch - die „Legalisierung der aktiven Euthanasie“. Bereits zwei Jahre später, im Jahre 1984, wurde dieses Ziel aufgrund heftiger Diskussionen aus den Statuten gestrichen bzw. neu formuliert: Im Zweckartikel trat an die Stelle der aktiven Euthanasie die „Beihilfe zum Freitod“.70 [...] [S.19]

b) Suizidanleitung

Die erste Suizidanleitung von Exit (deutsche Schweiz) stammt aus dem Jahre 1982 und trug den Titel „Freitod - würdiges und humanes Sterben in eigener Verantwortung“. Diese Broschüre, in Exit-Kreisen als „Manual“ bezeichnet, umfasste 16 Seiten und basierte weitgehend auf deutschen und englischen Vorlagen. Neben der medikamentösen Methode wurden in der ersten Anleitung auch andere Wege beschrieben, sich das Leben zu nehmen (Einatmen von Autoabgasen, Verbluten in der Badewanne, Kältetod im Freien, Ersticken durch einen Plastiksack).74 Während der folgenden Jahre erfolgte die Suizidhilfe vor allem durch die Abgabe des regelmässig überarbeiteten Manuals, das jede volljährige Person nach einer mindestens dreimonatigen Mitgliedschaft beziehen konnte. Bei den Anleitungen zum Suizid beschränkte sich das Manual jedoch - im Gegensatz zu heute - auf die genaue Bezeichnung der tödlichen Arzneimittel und auf die Auflistung der Möglichkeiten zu ihrer Beschaffung. Es enthielt auch Ratschläge, wie die Barrikaden, die die staatlichen Behörden gegen Missbrauche eingerichtet hatten (z.B. Ausstellung des Rezeptes nur nach Begutachtung durch einen Arzt und nur bei entsprechender Indikation) umgangen werden konnten. Die Broschüre gab zudem die tödliche Dosierung der entsprechenden Medikamente bekannt und enthielt alle anderen für die Durchführung des Suizids nötigen Anleitungen und Instruktionen sowie Ratschläge, wie sich der Suizident bei seinem Vorhaben am besten von der Aussenwelt abschirme, damit die Selbsttötung nicht durch ungebetene Einmischung Dritter vereitelt würde. Schliesslich bot Exit den Sterbewilligen eine (freiwillige) fachkundige Suizidbegleitung an.75 Die Mitglieder mussten die todbringende Mixtur aber in eigener Verantwortung besorgen und einnehmen.76

c) Sterbebegleitung und assistierter Suizid

Zu Beginn des Jahres 1993, nach der Statutenänderung anlässlich der erwähnten ausserordentlichen Generalversammlung, trat bei Exit in Bezug auf die Sterbehilfe eine grundlegende Änderung ein. Das bis zu diesem Zeitpunkt an suizidwillige Schwerstkranke abgegebene Manual enthielt keine Anleitung mehr, welche Medikamente wie zu beschaffen seien, sondern verwies nur noch auf einen gangbaren Weg: auf die durch Exit erfolgte Abgabe des Barbiturates Natrium-Pentobarbital (NaP), das damals bis auf die Euthanasie in der [S. 20] Tiermedizin in der klinischen Praxis nicht mehr eingesetzt wurde.77 Das Medikament wirkt bei der Einnahme in einer überhöhten Dosis innerhalb weniger Minuten tödlich. Diese Neuerung hatte zur Folge, dass die Suizidhilfeorganisation für die durch sie ermöglichten Suizide mitverantwortlich zeichnete und deshalb dem Sterbewilligen in jedem Fall einen Suizidbegleiter zur Seite stellte. Durch diese Massnahme sollte zugleich gewährleistet sein, dass die unabdingbaren Voraussetzungen für einen assistierten Suizid erfüllt waren.78


71 Sigg, 131.

72 Kehl, Leben, 285; Wortlaut der Zweckbestimmung, die an der Generalversammlung vom 06.02.1993 angenommen wurde (Art. 2 Abs. 1):[...]

73 Kehl, Leben, 286.

74 Sigg, 79; vgl. auch Frei/Hoffmann-Richter/Finzen, 100.

75 Kehl, Leben, 289.

76 Fricker, 22; Sigg, 80.

77 Früher war der Stoff in geringer Dosis als Beruhigungsmittel gegen Angst- und Erregungszustände, in etwas höherer Dosis als Schlafmittel bzw. sogar als Narkotikum eingesetzt worden, vgl. Minelli, EMRK, 496 und die dazugehörige Fn. 21.

78 Fricker, 32 f.; zu den einzelnen Voraussetzungen siehe hinten S. 25 f.

Anmerkungen

Fortsetzung von S. 35: Aufbau und Formulierungen sind sehr ähnlich, die Fußnoten ebenfalls.

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