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VroniPlag Wiki

Cmg/Fragment 136 01

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Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 136, Zeilen: 01-23
Quelle: Gronemeyer 2008
Seite(n): 0, Zeilen: 0
Insoweit scheint die Frage, worum sich Menschen am Ende ihres Lebenswegs sorgen,

nämlich ein schmerzfreier und würdiger Abschied, bereits ausreichend beantwortet. Neben den allgemeinen Aussagen, können keine sicheren Feststellungen getroffen werden, was Menschen bewegt, wenn sie etwa in die komatöse Phase eingetreten sind. Oft wird dies mit dem Begriff der „Spiritualität“ erklärt. Man denkt an Harmoniebedürfnisse, an Äußerung von Qualen oder die große Sorge um unversorgte Kinder oder Ehepartner oder die Versöhnung mit Verwandten. Die alten christlichen Traditionen, nach denen etwa die letzte Beichte abgenommen wurde, werden nicht mehr gewahrt und sind weitgehend verschwunden. Die professionelle Sterbebegleitung kann dieser Schuld-Erlösung, nicht gerecht werden. Eher scheint zu befürchten, dass Menschen alleine sind, mit dem was sie (psychisch) quält. Während sich der Sterbehelfer nach allgemeiner Auffassung durch Wärme und Verständnis auszeichnet, durch Zu- und Anhören von Sorgen und schönen Erinnerungen, erscheint das Handeln der professionell organisierten Sterbehelfer eher als sachlich nüchtern. Soll es also das vorrangige Ziel sein, ein funktionierendes Modell der Sterbebegleitung zu entwickeln? Sterben und Tod kann man nicht planen, organisieren oder kontrollieren; dennoch sollte eine gewisse Vorbereitung stattfinden. Eher sollte man andenken, auf die Einstellung der Gesellschaft einzuwirken, gilt doch bislang etwa die Frage was nach dem Tod geschieht, als Privatsache, die meist pauschal mit dem religiösen Glauben beantwortet werden soll. Doch ist wohl gerade diese Frage allgegenwärtig bei den Sterbenden. Ziel sollte somit sein, dies als Aufgabe der würdigen Sterbebegleitung aus dem Abseits zu holen.440


440 Gronemeyer, http://www.welt.de/welt_print/article2813816/Fragen-aushalten.html (05.12.2008).

Ist es noch möglich, über den eigenen Tod hinauszudenken? Was bewegt Menschen am Lebensende? Bewegt sie wirklich vor allem die Frage nach der Schmerzfreiheit? Nach der Lebensverlängerung? Nach dem "würdigen Sterben"? Was sie bewegt und ob sie etwas bewegt, wenn sie schon in die komatöse Phase eingetreten sind, das wissen wir nicht. Aber solange das Bewusstsein klar ist, scheint sich vielen Menschen doch die Frage zu stellen: Was hätte anders sein sollen? Es besteht heute die Gefahr, dass diese "letzten" Fragen mit dem Begriff "Spiritualität" verdeckt werden. Jene Spiritualität, die als eine Gabe der Sterbebegleitung daherkommt, sie erscheint manchmal wie eine geistige Parallele zu den Opiaten, mit denen die Menschen körperlich beruhigt werden. Man denkt an Aromadüfte, angezündete Kerzen und dergleichen. Nichts dagegen. Aber vielleicht stehen da die Harmonie- und Versorgungsbedürfnisse der Begleitenden im Vordergrund? Können auch die Qualen zur Sprache kommen? Die qualvolle Sorge um das unversorgte Kind zum Beispiel oder die Versöhnung mit dem Sohn, die nicht gelungen ist?

Die alten kirchlichen Riten, in denen die letzte Beichte abgenommen werden konnte, in denen man sich von irdischer Schuld konnte freisprechen lassen, sind weitgehend verschwunden. Die hybriden Räume, die neuerdings durch professionelle Sterbebegleitung geschaffen wurden, können das kaum ersetzen. Man muss sogar die Befürchtung hegen, dass die Menschen inmitten dieser neuen palliativen Ersatzräume im Namen der Spiritualität allein gelassen sind mit dem, was sie quält.

Es sollte uns heute nicht zuerst darauf ankommen, ein funktionierendes Modell der Sterbebegleitung zu entwickeln. Sterben und Tod sind zu gewichtig als dass man sie organisieren, planen oder kontrollieren könnte. Nichts Schlimmeres als ein Sterbebegleiter, der mit Sicherheit meint, das Richtige zu tun. Sterben ist der Ort der Frage, nicht der Ort der Antwort. Sterben und Sterbebegleitung sind heute von dem stillschweigenden Einverständnis geprägt, dass die Frage nach dem, was über den Tod hinausweist, eine Privatsache ist, fast schon etwas Peinliches, Abteilung Religion. Dabei ist diese Frage doch wohl jedem Menschen am Ende des Lebens ganz gegenwärtig. Es gilt, diese Frage als eine Frage der Sterbebegleitung zurückzuholen aus dem Abseits. Natürlich nicht als eine metaphysische Zwangsgabe durch die Sterbebegleitung. Aber vielleicht als eine Frage, die sich zutraut, über den Tod hinauszudenken und so einen Blick auf das Leben zu gewinnen.

Anmerkungen

Quelle ist in F. 440 genannt, der Umfang der Übernahme bleibt aber unklar. Deutliche Ansätze zu eigenständiger Formulierung sind erkennbar. Ob der Gedanke eigenständig ist, ist nicht so sicher.

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