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Die außenpolitische Stellung der Türkei im Nahen und Mittleren Osten, besonders nach dem Kalten Krieg bis Ende 1999, Kontinuität oder Wandel?

von Dr. Derya Biyikli

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Db/Fragment 039 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-11-30 23:39:53 Graf Isolan
Adanir 1995, BauernOpfer, Db, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 4-47
Quelle: Adanir 1995
Seite(n): 55, 57-59, Zeilen: 55:2-4; 57:(10-12).13-40 - 58:1-25 - 59:1-12
Der Balkanpakt vom 9. Februar 1934 zwischen Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und der Türkei wurde unterzeichnet.160

Schwieriger gestaltete sich die Normalisierung der Beziehungen zu Frankreich. Nicht nur der türkische Nationalismus stand französischen Interessen entgegen. Es kam zum Streit über die Festlegung des türkisch-syrischen Grenzverlaufs. Die Tagesordnung wurde bis zum Zweiten Weltkrieg von der Frage des völkerrechtlichen Status des Sandschaks Alexandrette (heute die türkische Provinz Hatay) beherrscht. Dieses strategisch wichtige Gebiet auf dem Verbindungsweg von Kleinasien nach Syrien stand, wie Syrien selbst, seit 1918 unter französischer Besatzung. Es wurde aber von Anfang an sowohl von der türkischen als auch von der arabischen Nationalbewegung beansprucht. Während der syrische Widerstand gegen die französische Besatzungsmacht bald zusammenbrach, setzte die türkische Seite im Abkommen von Ankara (20. Oktober 1921) durch, dass Frankreich sich verpflichtete, dem Sandschak einen Sonderstatus innerhalb des Mandatsgebiets Syriens zu gewähren.161 Die ethnisch-konfessionellen Verhältnisse in der Provinz dienten als Begründung für eine solche Regelung. Obwohl statistisch die größte Volksgruppe (39,7 % Türken, 28 % Aleviten, 11 % Armenier, 10 % sunnitische Araber usw.), stellten die Türken keineswegs die absolute Mehrheit; die Zahl der arabischsprechenden Bevölkerung war höher. Anderseits hatten die Aleviten - zwar arabischsprechend - über die Jahrhunderte hinweg ein Eigenbewusstsein entwickelt, das damals noch weit davon entfernt war, sich mit dem arabischen Nationalbewusstsein zu decken.162 So konnten sowohl die Türken als auch die Araber hoffen, die Aleviten für sich zu gewinnen. Ohnehin war die französische Mandatsbehörde an der Zersplitterung der Bevölkerung interessiert. Als Großbritannien 1932 dem Irak Unabhängigkeit gewährte, begann man auch in Syrien nach einer Beendigung des Mandatsregimes zu verlangen. Die Chancen für die Türkei, das umstrittene Gebiet zu gewinnen, erschienen nun zunehmend günstiger. Nach erfolgreichem Abschluss des Balkan-Paktes (1934), einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zu Großbritannien im Zuge der Abessinien-Krise (1935) und schließlich der Remilitarisierung der Meeresengen (1936), hatte die Türkei eine wesentlich stärkere Position gegenüber der Mandatsmacht Frankreich in Syrien, die durch die Entwicklungen in Zentraleuropa (Remilitarisierung des Rheinlandes) geschwächt war. Als die Regierung Leon Blum im September 1936 den Beschluss fasste, Syrien in die Unabhängigkeit zu entlassen, forderte die Türkei das nationale Selbstbestimmungsrecht für Alexandrette (26. September 1936).163 Die Tatsache, dass ein bedeutender Teil der dortigen Aleviten für die Türkei optierte, beeindruckte Paris ebenso wie die türkischen Truppenkonzentrationen an der Grenze. Die Volksfrontregierung unterzeichnete am 29. Mai 1937 mit der Türkei eine Vereinbarung, die dem Sandschak Alexandrette innere Autonomie gewährte. Dies reichte jedoch Ankara noch nicht aus. Man kündigte die Freundschaftsverträge mit Syrien und Frankreich und verlangte eine Novellierung des Wahlsystems im Sandschak Alexandrette. Frankreich gab am 10. März 1938 nach, mit dem Ergebnis, dass die pro-türkischen Gruppen eine Mehrheit der Sitze im Parlament des autonomen Gebietes erringen konnten. Angesichts der sich rapide verschlechternden internationalen Lage (Anschluss Österreichs an das Dritte Reich), willigte im Juli 1938 Paris ein, den inneren Sicherheitsdienst im Sandschak gemeinsam mit den Streitkräften [der Türkei wahrzunehmen.]


160 Vgl. Adanir Fikret: S. 55

161 Vgl. Adanir Fikret: S. 58

162 Vgl. Oran Baskin (Hrsg.): S. 287

163 Vgl. Adanir Fikret: S. 59

[Seite 55]

Der Balkanpakt vom 9. Februar 1934 zwischen Griechenland, Jugoslawien, Rumänien und der Türkei war somit gewissermaßen eine Erweiterung der Kleinen Entente.

[Seite 57]

Nicht zuletzt aufgrund seiner Rolle als Mandatsmacht in Syrien war Frankreich an einem guten Verhältnis mit dem Nachbarland Türkei interessiert.

Die Entwicklung der Beziehungen verlief jedoch keineswegs wie erhofft. Nicht nur stand der türkische Nationalismus im wirtschaftlichen wie im kulturellen Bereich französischen Interessen entgegen. Schon in den 20er Jahren kam es auch zum Streit über die Festlegung des türkisch-syrischen Grenzverlaufs. Die Tagesordnung wurde dabei bis zum Zweiten Weltkrieg von der Frage des völkerrechtlichen Status des Sandschaks Alexandrette (heute die türkische Provinz Hatay) beherrscht.

Dieses strategisch wichtige Gebiet auf dem Verbindungsweg von Kleinasien nach Syrien stand, wie Syrien selbst, seit 1918 unter französischer Besetzung, wurde aber von Anfang an sowohl von der türkischen als auch von der arabischen Nationalbewegung beansprucht. Während der syrische Widerstand gegen die französische Besatzungsmacht bald zusammenbrach, setzte es die türkische Seite im Abkommen von Ankara (20. Oktober 1921) durch, daß Frankreich sich verpflichtete (ohne jedoch dieser Verpflichtung nachzukommen), dem Sandschak einen Sonderstatus innerhalb des Mandatsgebiets Syrien zu gewähren. Die ethnisch-konfessionellen Verhältnisse in der Provinz (siehe Tabelle 4) dienten als Begründung für eine solche Regelung. Obwohl statistisch die größte Volksgruppe, stellten die Türken allerdings keineswegs die absolute Mehrheit dar; die Zahl der arabischsprechenden Bevölkerung war höher. Andererseits hatten die Alawiten — zwar arabischsprechend — über die Jahrhunderte hinweg ein Eigenbewußtsein entwickelt, das damals noch weit davon entfernt war, sich mit dem arabischen Nationalbewußtsein zu decken. So konnten sowohl die Araber als auch die Türken hoffen, die Alawiten für sich zu gewinnen. Die französische Man-

[Seite 58]

datsbehörde war ohnehin an der Zersplitterung der Bevölkerung Syriens in kleinere Gruppen interessiert.

Der Konflikt verschärfte sich wieder in den 30er Jahren: Als Großbritannien 1932 dem Irak Unabhängigkeit gewährte, begann man auch in Syrien nach einer Beendigung des Mandatsregimes zu verlangen. Dadurch gewann die Frage des völkerrechtlichen Status von Alexandrette erneut Brisanz, und Ankara sah die Zeit gekommen, seine Südpolitik zu reaktivieren. Die Voraussetzungen dafür erschienen zunehmend günstiger: Nach dem erfolgreichen Abschluß des Balkanpaktes (1934), einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zu Großbritannien im Zuge der Abessinien-Krise (1935) und schließlich der Remilitarisierung der Meerengen (1936) hatte man eine wesentlich stärkere Position gegenüber einer Mandatsmacht Frankreich in Syrien, die durch die Entwicklungen in Zentraleuropa (Remilitarisierung des Rheinlandes) geschwächt war. Als die Regierung Leon Blum im September 1936 den Beschluß faßte, Syrien in die Unabhängigkeit zu entlassen, forderte die Türkei das nationale Selbstbestimmungsrecht für Alexandrette (26. September 1936). Die Tatsache, daß ein bedeutender Teil der dortigen alawitischen Bevölkerung inzwischen für die Türkei optierte, beeindruckte dabei Paris ebenso wie die türkischen Truppenkonzentrationen an der Grenze. Die Volksfrontregierung Unterzeichnete am 29. Mai 1937 mit der Türkei eine Vereinbarung, die dem Sandschak Alexandrette innere Autonomie gewährte.

[Seite 59]

Dies reichte jedoch Ankara noch nicht aus. Dort kündigte man die Freundschaftsverträge mit Syrien und Frankreich und verlangte eine Novellierung des Wahlsystems im Sandschak Alexandrette. Frankreich gab am 10. März 1938 nach, mit dem Ergebnis, daß die protürkischen Gruppen eine Mehrheit der Sitze im Parlament des autonomen Gebietes erringen konnten. Angesichts der sich rapide verschlechternden internationalen Lage (Anschluß Österreichs an das Dritte Reich und das Münchener Abkommen 1938) sollte sich Frankreich aber zu noch größeren Konzessionen gegenüber der Türkei genötigt sehen: Im Juli 1938 willigte Paris ein, den inneren Sicherheitsdienst im Sandschak gemeinsam mit den Streitkräften der Türkei wahrzunehmen.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Graf Isolan, Zeitstempel: 20131130234100

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