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Die außenpolitische Stellung der Türkei im Nahen und Mittleren Osten, besonders nach dem Kalten Krieg bis Ende 1999, Kontinuität oder Wandel?

von Dr. Derya Biyikli

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Db/Fragment 153 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-12-05 13:59:27 Schumann
BauernOpfer, Db, Fragment, Gesichtet, Gürbey 1998, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 153, Zeilen: 1-38
Quelle: Gürbey 1998
Seite(n): 39, 40, 41, Zeilen: 39: re. Sp. 30-38 - 40: li. Sp. 1 - re. Sp. 26; 41: 9-30
[Die innere] Zerrissenheit erschwert allerdings die Zusammenarbeit der kurdischen Akteure untereinander, die jedoch für eine effektive Durchsetzung kurdischer Interessen von essentieller Bedeutung ist. Demzufolge ist es ein wesentliches Element nationalstaatlicher Politiken, bestehende innerkurdische Gegensätze und Spannungen zu instrumentalisieren, und zwar in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und in der Einflussnahme auf die Entwicklungen. Alle beteiligten Staaten machen davon Gebrauch. Syrien instrumentalisiert die PKK in der Auseinandersetzung um die Wasserfrage mit der Türkei, was ein ihr Dorn im Auge ist. Iran und Irak versuchen durch Einflussnahme auf irakisch-kurdische Akteure und die PKK die Entwicklungen zu eigenen Gunsten zu beeinflussen und den Rivalen Türkei zurückzudrängen. So lösten die grenzüberschreitenden Operationen der Türkei, die mit Wohlwollen der USA erfolgten, heftige Kritik der regionalen Staaten aus, da sie eine langfristig angelegte türkische Präsenz in Nordirak befürchten. Auch wird vor allem die durch die USA unterstützte intensive militärisch-politische Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Israel871 als eine Bedrohung angesehen. Für die Türkei liegt die Bedeutung dieser Kooperation mit Israel vorrangig darin, dass sie der Türkei neue Chancen für die Ausübung neuer regionaler Macht verschafft und militärtechnische Möglichkeiten bei der Bekämpfung der PKK eröffnet, um die Unterstützung der PKK durch die Staaten der Region zu unterbinden und ihre Bekämpfung an allen Fronten besser führen zu können. Dies ist um so wichtiger geworden, da die PKK mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut hat, das von Westeuropa über den Nahen Osten bis hin nach Russland reicht. Ein weiterer Punkt, in dem Russland in den Kurdenkonflikt involviert wird [sic] sind die Konkurrenz und die Interessensdivergenzen, die zwischen Russland und der Türkei hinsichtlich der Einflussnahme auf die zentralasiatischen Republiken sowie der Schaffung von Transportwegen für die gewaltigen Erdölreserven in Zentralasien bestehen.872

Die Türkei stellt die militärischen Operationen, die im Zusammenspiel mit den irakischkurdischen Parteien (vor allem mit der Demokratischen Partei Kurdistan – KPD) geführt werden, als ein Teil ihrer Sicherheitspolitik gegen den „Terrorismus“ dar, um die Unterstützung für die PKK und deren Flucht in das irakisch-kurdische Gebiet zu unterbinden. Turgut Özal strebte für die Türkei die Vormachtrolle in Nordirak an, um die PKK zu isolieren, die Kontrolle der Entwicklungen zu erlangen und die Entstehung eines Nationalstaates zu verhindern. Entlang der Grenzen einen militärischen Sicherheitsgürtel zu errichten war ein Teil dieser umfassenden militärisch-politischen Strategie. Eine Folge dieser regionalen und innerkurdischen Konstellation ist, dass die kurdischen Akteure aus pragmatisch-politischen Gründen primär nicht das Ziel verfolgen, einen Nationalen Staat zu gründen, sondern politische Lösungen im Rahmen bestehender Staatsgrenzen anstreben.873


871 über die ausführliche Analyse der Zusammenarbeit der Türkei mit Israel siehe unten

872 Vgl. Gürbey Gülistan: Wandel der Kurden.., in: Internationale Politik 1/98, S. 40

873 Vgl ebenda, S. 41

[Seite 39]

Die innere Zerrissenheit erschwert allerdings die Zusammenarbeit der kurdischen Akteure untereinander, die jedoch für eine effektive Durchsetzung kurdischer Interessen von essentieller Bedeutung ist. Demzufolge ist es ein wesentliches Element nationalstaatlicher Politiken, bestehende innerkurdi-

[Seite 40]

sehe Gegensätze und Spannungen zu instrumentalisieren, und zwar in der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und in der Einflußnahme auf die Entwicklungen.

Regionale Konstellationen

Davon machen alle beteiligten Staaten Gebrauch: Syrien instrumentalisiert nach wie vor die PKK in der Auseinandersetzung um die Wasserfrage mit der Türkei, was ein Dorn im Auge der Türkei ist; Iran und Irak versuchen, durch Einflußnahme auf die irakisch-kurdischen Akteure und die PKK die Entwicklungen zu eigenen Gunsten zu beeinflussen und den Rivalen Türkei zurückzudrängen. So lösten die grenzüberschreitenden militärischen Operationen der Türkei, die mit Wohlwollen der USA erfolgten, heftige Kritik der regionalen Staaten aus, da sie eine langfristig angelegte türkische Präsenz in Nordirak befürchten. Dabei wird vor allem die von den USA unterstützte intensive militärisch-politische Zusammenarbeit zwischen der Türkei und Israel als eine Bedrohung par excellence angesehen. Für die Türkei liegt die Bedeutung dieser Kooperation mit Israel4 vor allem darin, daß sie der Türkei neue Chancen für die Ausübung regionaler Macht verschafft und militärtechnische Möglichkeiten bei der Bekämpfung der PKK eröffnet, um die Unterstützung der PKK durch die Staaten der Region unterbinden und die Bekämpfung der PKK an allen Fronten besser führen zu können. Dies ist um so wichtiger geworden, da die PKK mittlerweile ein Netzwerk aufgebaut hat, das von Westeuropa über den Nahen Osten bis hin nach Rußland reicht. Angesichts der Konkurrenz und der Interessendivergenzen, die zwischen Rußland und der Türkei hinsichtlich der Einflußnahme auf die zentralasiatischen Republiken sowie der Schaffung von Transportwegen für die gewaltigen Erdölreserven in Zentralasien bestehen, ist auch eine zunehmende Involvierung Rußlands in den Kurdenkonflikt - insbesondere durch die Instrumentalisierung der kurdischen Akteure - zu erwarten.

Die Türkei stellt die militärischen Operationen, die sie im Zusammenspiel mit den irakisch-kurdischen Parteien (vor allem mit der Demokratischen Partei Kurdistans - KDP) führt, als Teil ihrer Sicherheitspolitik gegen den „Terrorismus“ dar, um die Unterstützung für die kommunistische PKK und deren Flucht in das irakisch-kurdische Gebiet zu unterbinden.

[Seite 41]

Spätestens seit Turgut Özal strebt die Türkei die Vormachtrolle in Nordirak an, um die PKK zu isolieren, die faktische Kontrolle über die kurdischen Akteure und Entwicklungen zu erlangen und die Entstehung eines kurdischen Nationalstaats zu verhindern. Entlang der Grenzen einen militärischen Sicherheitsgürtel zu errichten, ist Teil dieser umfassenden militärisch-politischen Strategie.

Eine Folge dieser regionalen und innerkurdischen Konstellationen ist, daß die kurdischen Akteure aus pragmatisch-politischen Gründen primär nicht mehr das Ziel verfolgen, einen kurdischen Nationalstaat zu gründen - auch wenn in ideeller Hinsicht dieser Wunsch noch bestehen mag -, sondern politische Lösungen im Rahmen bestehender Staatsgrenzen anstreben.


4 Vgl. Gürbey, Zur Rolle der Türkei im Nahost-Friedensprozeß, in: Sabine Hofmann/Ferhad Ibrahim (Hrsg.), Versöhnung im Verzug. Probleme des Friedensprozesses im Nahen Osten, Bonn 1996, S. 219-237.

Anmerkungen

Art und Umfang der Übernahme bleiben ungekennzeichnet.

Sichter
(Schumann) Klgn


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