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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 97, Zeilen: 1-39, 109-112
Quelle: Bucher-Dinç 1996
Seite(n): 69-74, Zeilen: 69: 27-28; 70: 29-33; 71: 1-3, 16-18; 72: 24-27; 73: 1-2, 15-32; 74: 1-7, 17-21, 103-104, 108-110
Nach dem Militärputsch in der Türkei von 1980 waren die sowjetisch-türkischen Beziehungen von widersprüchlichen Tendenzen geprägt. Angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan war die lange gemeinsame Grenze mit der UdSSR wieder verstärkt in das Bewusstsein des türkischen Militärs gerückt: Die türkische Furcht vor der berüchtigten Moskauer Expansionspolitik nahm wieder neues Gewicht an.518 Hinzu kam die in der türkischen Öffentlichkeit, aber auch unter dem Militär verbreitete Auffassung, der dem Putsch vorausgegangene innenpolitische Terror sei in nicht unerheblichem Maße von Moskau gesteuert worden.519 Eine Verbesserung der Beziehungen konnte erst bei dem Besuch Türkmens (Außenminister) in Moskau 1982 erreicht werden, bei dem beide Seiten Hoffnungen auf eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit äußerten.

Hauptprobleme des bilateralen Dialogs waren die Zypernfrage und die Lage der türkischen Minderheiten in Bulgarien520. Auf eine Anfrage aus Ankara hatte die Sowjetregierung 1986 erklärt, sie wolle und könne sich nicht in die inneren Angelegenheiten Bulgariens einmischen. Die sowjetische Seite betrachtete das Problem als eine allein zwischen der Türkei und Bulgarien zu lösende Streitfrage. Darauf hin warf die Regierung in Ankara Moskau vor, es dulde und billige insgeheim das bulgarische Vorgehen gegen die türkische Minderheit. 521

Eine weitere Belastung der Beziehungen resultiert aus der sowjetischen Haltung zur Zypernfrage. Moskau plädierte für den Abzug der türkischen Soldaten und die Rückkehr der vertriebenen Griechen in den Nordteil der Insel. Die diplomatische Anerkennung der Türkischen Republik Nordzyperns wurde von der Sowjetunion verweigert. Deshalb blieb die türkische Haltung gegenüber Moskau auf wirtschaftlichem Gebiet bis in die Mitte der achtziger Jahre hinein abwartend und distanziert.522

Die offiziellen türkischen Stellungnahmen zur Außenpolitik des Landes aus dem Jahre 1988 enthielten in bezug auf die UdSSR noch eine deutliche Zurückhaltung.

Zu diesem Zeitpunkt schrieb Kenan Evren, die Grundlagen der türkischen Außenpolitik seien das Streben nach guten nachbarschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion, Respekt vor Souveränität und territorialer Integrität sowie Nichteinmischung und Rechtsgleichheit.523

In den Jahren zwischen 1984 und 1990 wurden zahlreiche bilaterale Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Darunter eine auf 25 Jahre angelegte Vereinbarung über sowjetische Erdgaslieferung in die Türkei und ein ebenso langfristiges Programm über gegenseitige wirtschaftliche, technologische und finanzielle Zusammenarbeit. 524

Die von Michail Gorbatschow verfolgte Linie zur Umstrukturierung des sowjetischen Staates und der sowjetischen Gesellschaft wurde von der türkischen Regierung zunächst positiv beurteilt, dabei aber vor zu großen Hoffnungen gewarnt.525 In dieser Zeit wurden [die Kontakte stark ökonomisch dominiert.]


518 Vgl. Bucher-Dinc [sic] Gabriele: Die Türkei und die Sowjetunion 1945-1990, S. 70

519 Vgl. ebenda, S. 71

520 Im Frühjahr 1989 begannen Tausende von bulgarischen Türken, in die Türkei zu fliehen, nachdem sie in ihrer Heimat zu Namensänderungen gezwungen und teilweise enteignet worden waren. Vgl. Franz Erhard: The Exodus of Turks from Bulgaria1989 [sic]. In: Asian and African Studies (Haifa) 25/1 (1989), S. 81-97

521 Vgl. Bucher-Dinc [sic] Gabriele: Die Türkei, S. 73

522 Vgl. ebenda, S. 73

523 Vgl. Kenan Evren: Grundzüge der türkischen Außenpolitik, in: Europa-Archiv 43 (1988), S. 599-605, S. 604

524 Vgl. Ergün Ismet: Entwicklungschancen der Beziehungen der Türkei zu den ost- und südeuropäischen Staaten unter den neuen Bedingungen, in: Südosteuropa-Mitteilungen 31. 8. 1991) [sic] , S. 56-61, S. 59

525 Vgl. Bucher-Dinc [sic] Gabriele: Die Türkei , S. 72

[Seite 69]

Nach dem Putsch von 1980 waren die sowjetisch-türkischen Beziehungen von widersprüchlichen Tendenzen geprägt.

[Seite 70]

Angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan war die lange gemeinsame Grenze mit der UdSSR wieder verstärkt in das Bewußtsein der türkischen Militärregierung gerückt: Dieser Erinnerungsprozeß verlieh der türkischen Furcht vor der berüchtigten Moskauer Expansionspolitik wieder neues Gewicht.25


25 Financial Times, 18.5.1981, in: HWWA, Dok. Nr. 28472.

[Seite 71]

Hinzu kam die in der türkischen Öffentlichkeit, aber auch unter den Militärs verbreitete Auffassung, der dem Putsch vorausgegangene innenpolitische Terror sei in nicht unerheblichem Maße von Moskau gesteuert worden.26

[...]

[Das weitere Jahr 1982 war von einer zunehmenden Verstimmung zwischen Ankara und Moskau gekennzeichnet, die sich in der Absage der bereits fest geplanten Reise des türkischen Außenministers Türkmen in die Sowjetunion niederschlug. ...]

Eine Verbesserung der Beziehungen konnte erst bei dem Besuch Türkmens in Moskau im Dezember 1982 erreicht werden, bei dem beide Seiten Hoffnungen auf eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit äußerten.29


26 „In fact one of the top generals in the regime has gone so far as to suggest that terror in Turkey was manufactured by the Soviet Union as part of a general plan to bring the Middle East and the Gulf under their control.“ Financial Times, 18.5.1981, in: HWWA, Dok. Nr. 28472.

[...]

29 Angestrebt wurde eine Erhöhung der türkischen Exporte in die UdSSR von 190 Millionen US-Dollar (1981) auf 300 Millionen US-Dollar. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.12.1982, in: HWWA, Dok. Nr. 281.

[Seite 73]

Die Hauptprobleme des bilateralen Dialogs waren die Zypernfrage und die Lage der türkischen Minderheit in Bulgarien. Auf eine entsprechende Anfrage aus Ankara hatte die Sowjetregierung 1986 erklärt, sie wolle und könne sich nicht in die inneren Angelegenheiten Bulgariens einmischen. Die sowjetische Seite betrachtete das Problem als eine allein zwischen der Türkei und Bulgarien zu lösende Streitfrage, worauf die Regierung in Ankara Moskau vorwarf, es dulde und billige insgeheim das bulgarische Vorgehen gegen die türkische Minderheit.

Eine weitere Belastung der Beziehungen resultierte aus der sowjetischen Haltung in der Zypernfrage. Moskau plädierte für den Abzug der türkischen Soldaten und die Rückkehr der vertriebenen Griechen in den Nordteil der Insel. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung auf der Mittelmeerinsel wurde insbesondere die diplomatische Anerkennung der Türkischen Republik Nordzypern von der Sowjetunion verweigert.37 Deshalb blieb die türkische Haltung gegenüber Moskau trotz einiger positiver Entwicklungen vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet (z.B. die Unterzeichnung eines Erdgasabkommens vom 19.7.1985) bis in die Mitte der achtziger Jahre hinein abwartend und distanziert.38


37 Neue Zürcher Zeitung, 30.7.1986, in: HWWA, Dok. Nr. 173.

38 Sowjetische Analysen von 1986 gaben sich demgegenüber wesentlich zuversichtlicher. Aus sowjetischer Sicht stellte bereits der Besuch Tichonovs in Ankara im Jahre 1984 einen entscheidenden Schritt zur Verbesserung der bilateralen Zusammenarbeit dar. Auch die 1986 stattfindenden Gespräche Özals mit dem Vorsitzenden des Ministerrates, Ryskov, wurden von sowjetischer Seite als offen und konstruktiv eingestuft. V. Aleksandrov, SSSR i Turcija, Razvitie sotrudnicestva (UdSSR und Türkei: Die Entwicklung ihrer Zusammenarbeit), in: Mezdunarodnaja Zizn' 1986(11) [sic], S.37-42 [sic], hier S. 40.

[Seite 74]

Auch die offiziellen türkischen Stellungnahmen zur Außenpolitik des Landes aus dem Jahre 1988 enthielten bezüglich der UdSSR noch eine deutliche Zurückhaltung.

So schrieb Kenan Evren zu diesem Zeitpunkt, die Grundlagen der türkischen Außenpolitik seien das Streben nach guten nachbarschaftlichen Beziehungen zur Sowjetunion, Respekt vor Souveränität und territorialer Integrität sowie Nichteinmischung und Rechtsgleichheit.39

[...]

In den Jahren zwischen 1984 und 1990 wurden zahlreiche bilaterale Wirtschaftsabkommen unterzeichnet, darunter eine auf 25 Jahre (sic!) [im Original so] angelegte Vereinbarung über sowjetische Erdgaslieferungen in die Türkei (1987) und ein ebenso langfristiges Programm über gegenseitige wirtschaftliche, technologische und finanzielle Zusammenarbeit.41


39 K. Evren: Grundzüge der türkischen Außenpolitik, in: Europa-Archiv 43(1988) [sic], S. 599-605, hier S. 604.

[...]

41 I. Ergün: Entwicklungschancen der Beziehungen der Türkei zu den ost- und südosteuropäischen Staaten unter den neuen Bedingungen, in: Südosteuropa-Mitteilungen 31 (1991)1 [sic], S. 56-61, hier S. 59.

[Seite 72]

Die von Michail Gorbacev verfolgte Linie zur Umstrukturierung des sowjetischen Staates und der sowjetischen Gesellschaft wurde von der türkischen Regierung zunächst grundsätzlich positiv beurteilt; es wurde aber auch vor zu großen Hoffnungen gewarnt.

[Seite 73]

Tatsächlich wurden die türkisch-sowjetischen Kontakte in der Anfangszeit des Umstrukturierungsprozesses stark ökonomisch dominiert.

Anmerkungen

Auch wenn die Verf. mehrmals mit "Vgl." auf die Quelle verweist, macht sie nicht kenntlich, dass sie die gesamte Seite inkl. zweier Fußnoten aus dieser übernimmt; für die Übernahmen von S. 69 und 74 fehlt zudem jede Quellenangabe. Ein eigenständiger Gedanke lässt sich nicht ausmachen.

Das Erdgaslieferungsabkommen mit einer 25-jährigen Laufzeit wird bei Ergün auf S. 60 (und nicht 59) erwähnt; zudem ist dessen Beitrag in Heft 1 des 31. Jahrgangs 1991 der Südosteuropa Mitteilungen erschienen – bei einer in regelmäßigen Intervallen erscheinenden Vierteljahresschrift also mit Sicherheit nicht Ende August des Jahres, wie die Verf. angibt. Insofern mag bezweifelt werden, dass sie die übernommenen Angaben überprüft hat. (Der Aufsatz Ergüns wird von der Verf. auch in Fn. 512 auf S. 96 in einer in einem Sammelband Gumpels erschienenen Version erwähnt.)

Sichter
(Stratumlucidum) Schumann

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