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[1.] Dcl/Fragment 028 06 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2019-02-01 07:59:45 Stratumlucidum
Dcl, Fragment, Gesichtet, SMWFragment, Scharpf 1997, Schutzlevel sysop, Verdacht auf willkürliche Referenzierung, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 28, Zeilen: 6-15, 20-27
Quelle: Scharpf 1997
Seite(n): online, Zeilen: –
Dieser Ansatz beinhaltet, dass politische Entscheidungen dann legitim sind, wenn und weil sie auf die Zustimmung des Volkes im demokratischen Prozess zurückgeführt werden können (Cheneval 2003).

Das kollektivistische Verständnis der Input-orientierten Legitimation geht davon aus, dass Willensträger und Handlungseinheit der Politik nicht die individuellen Mitglieder des Gemeinwesens sind, sondern eine definierte kollektive Identität - das Volk, dem ein einheitlicher Wille, einheitliche Interessen und Präferenzen zugeschrieben werden. Eine solche „Wir-Identität“ wird als Voraussetzung für die Anerkennung der demokratischen Legitimation politischer Entscheidungen gesehen. [...] [Die politischen Kommunikationsprozesse beziehen sich vor allem auf nationalstaatliche Zusammenhänge. Ein gemeinsamer europäischer Volkswille, der in europäische Politik übertragen werden könnte, fehlt weitgehend und impliziert das Demokratiedilemma der Europäischen Union (Greven 1998).]

Eine individualistische Variante der Input-orientierten demokratischen Legitimation unterstellt hingegen objektiv homogene Interessen der Bürger, die in der Realität mit den uneinheitlichen individuellen Interessenlagen kaum ausgeprägt sind. Die Begründung Input-orientierter Legitimität setzt die Existenz einer Gemeinschaft voraus, deren Mitglieder bereit sind, nicht nur egoistische Interessen zu vertreten, sondern sich auch wechselseitig solidarische Orientierungen zu unterstellen. Die Herausbildung einer solchen Gemeinschaft kann durch historische Erfahrung, religiöse, kulturelle oder ideologische Überzeugungsarbeit und auch durch politische Beteiligungsprozesse beeinflusst und befördert werden.


Cheneval, Francis, 2003: Die Europäische Union und das Problem der demokratischen Repräsentation. Basel: Europainstitut der Universität Basel, Basler Schriften zur europäischen Integration, Nr. 67 / 2003.

[Greven, Michael Th., 1998: Mitgliedschaft, Grenzen und politischer Raum: Problemdimensionen der Demokratisierung der Europäischen Union. In: Kohler-Koch, Beate (Hrsg.): Regieren in entgrenzten Räumen. In: [sic] Politische Vierteljahreszeitschrift, [sic] Sonderheft 29. Opladen: [sic] Westdeutscher Verlag, S. 249 - 270.]

Ich beginne mit der input-orientierten Logik. Ihr zufolge gelten politische Entscheidungen als legitim, wenn und weil sie auf die Zustimmung des "Demos" zurückgeführt werden können. [...]

Organizistische oder kollektivistische Varianten der Demokratietheorie gehen davon aus, daß Willensträger und Handlungseinheit der Politik nicht die individuellen Mitglieder des Gemeinwesens seien, sondern die wie immer definierte kollektive Identität - die Klasse, die Bewegung, die Partei oder eben "das Volk", dem ein einheitlicher Wille oder jedenfalls ein einheitliches Interesse zugeschrieben wird. [...]

Eine zweite, jedenfalls im Prinzip individualistische Variante der input-orientierten Demokratietheorie unterstellt objektiv homogene Interessen der Bürger.[7] [...] In der Normalsituation der Politik freilich, in der die individuellen Lagen und Interessen uneinheitlich sind, und in der die realen Präferenzen legitimerweise differieren, wird auch diese Variante der input-orientierten Legitimation der Mehrheitsherrschaft zur totalitären Ideologie (Talmon 1955; Offe/ Preuß 1991).

Schließt man aber sowohl die kollektivistische Begründung als auch die generelle Unterstellung homogener Interessen aus, dann - so kann man analytisch zeigen (Scharpf 1997b) - läßt sich eine ausschließlich input-orientierte Begründung der Mehrheitsherrschaft nur noch konstruieren, wenn man auf seiten der Individuen in der Ausübung ihrer Bürgerrolle (und auf seiten der Amtsträger) nicht lediglich egoistische Interessen, sondern zumindest partiell[10] auch gemeinwohl-orientierte oder - was das gleiche besagt - solidarische Präferenzen unterstellt. [...] Freilich setzt diese, auch unter den Kriterien der normativen Individualismus und einigermaßen realitätsnahen Bedingungen tragfähige Begründung input-orientierter Legitimität die vorgängige Existenz einer Gemeinschaft voraus, deren Mitglieder bereit sind, sich wechselseitig solidarische Orientierungen zu unterstellen. [...]

[Da es sich hier in der Tat um Phänomene auf der Ebene normativ-kognitiver Überzeugungen handelt, braucht man die Existenz solidarischer Gemeinschaften auch keineswegs als vorgegebene und unveränderbare - etwa ethnisch begründete - Faktizität zu behandeln (Smith 1992).] Ihre Ausbildung kann durch historische Erfahrung, religiöse, kulturelle oder ideologische Überzeugungsarbeit und insofern auch durch Politik beeinflußt und verändert werden (Neuman 1996). [...] Wo eine solche "Wir-Identität" (Elias 1987) existiert, mag es in der Tat für die Legitimation politischer Entscheidungen auf der lokalen, regionalen und nationalen Ebene völlig ausreichen, daß sie in einem Referendum die Unterstützung der Mehrheit gefunden haben, [...]

[...] [Hier fehlt es (noch) an der solidarischen Identität der Europäer (Risse 1997) und noch mehr an politischen Kommunikationsprozessen und vermittelnden Strukturen, durch die ein "Volkswille" in effektive Politik übersetzt werden könnte.]


Elias, Norbert (1987) Die Gesellschaft der Individuen. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Neuman, Iver B. (1996) Self and Others in International Relations. In: European Journal of International Relations 2, 139-174.

Offe, Claus/ Ulrich K. Preuss [sic] (1991) Democratic Institutions and Moral Resources. In: David Held, Hrsg., Political Theory Today. Stanford: Stanford University Press, 143-171.

[Risse, Thomas (1997) Who Are We? A Europeanization of National Identities? Ms. Florenz: European University Institute.]

Scharpf, Fritz W. (1997b) Games Real Actors Play. Actor-Centered Institutionalism in Policy Research. Boulder: Westview.

[Smith, Anthony (1992) National Identity and the Idea of European Unity. In: International Affairs 68, 55-76.]

Talmon, Jacob L. (1955) The Origins of Totalitarian Democracy. London: Secker & Warburg.


7 [...]

10 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die tatsächliche Quelle, die lediglich zwei Absätze zuvor auf der Vorseite genannt wird.

Bei Cheneval (2003) findet sich die referenzierte Aussage dem Wortlaut nach nicht.

Die beiden in eckige Klammern gesetzten Sätze der untersuchten Dissertation werden nicht als Plagiat gewertet, da sie inhaltlich nur zum Teil mit dem letzten, in eckige Klammern gesetzten Satz der Quelle übereinstimmen. Bei Greven (1998) kommen die Begriffe "Volkswille" und "Demokratiedilemma" nicht vor.

Bzgl. der bibliografischen Angaben zu letzterem Titel ist noch anzumerken, dass

  • der Aufsatz in einem Sonderheft der Politischen Vierteljahresschrift erschienen ist und
  • dieses im Westdeutschen Verlag in Opladen und Wiesbaden verlegt wurde. [1]
Sichter
(Stratumlucidum) Schumann


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