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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
No
Untersuchte Arbeit:
Seite: 38, Zeilen: 16-28
Quelle: Thiery 2005
Seite(n): 1175, 1176, Zeilen: 1175: li. Sp. 6 ff., 30 ff. u. re. Sp. 1; 1176: re. Sp. 12 ff.
[...] Zivilgesellschaft bezeichnet damit eine Sphäre kollektiven Handelns und öffentlicher Diskurse, die zwischen Privatbereich und Staat wirksam ist. Voraussetzung für eine funktionierende Zivilgesellschaft sind rechtsstaatlich gesicherte Handlungsbedingungen, insbesondere politische Freiheits- und individuelle Bürgerrechte. Hauptmerkmal von Zivilgesellschaft ist dabei, dass ihre politische Wirkung nicht durch politisches Machtstreben, sondern durch politische Einflussnahme erzielt wird. Darüber hinaus teilen zivilgesellschaftliche Akteure einen normativen Basiskonsens, der von Gewaltfreiheit und Toleranz geprägt ist (Gellner 1991; Cohen / Arato 1992; Alexander 1997; von Beyme 2000; Klein 2001; Kocka 2000, 2004; Thiery 2005).

Die neuere Forschung beschäftigt sich vielfach mit der Demokratie fördernden Kraft der Zivilgesellschaft und hinterfragt diese, wenn die Zivilgesellschaft zu schwach ist, um ihre Anliegen und Funktionen gegenüber dem Staat und der politischen und ökonomischen Gesellschaft zu behaupten (Merkel 2000).


Alexander, Jeffrey C., 1997: The Paradoxes of Civil Society. In: International Sociology, 12 (2): 115 - 133.

Beyme, Klaus von, 2000: Zivilgesellschaft – Karriere und Leistung eines Modebegriffs. In: Hildermeier, Manfred / Kocka, Jürgen / Conrad, Christoph (Hrsg.): Europäische Zivilgesellschaft in Ost und West. Begriff, Geschichte, Chancen. Frankfurt / Main, New York: Campus Verlag.

Cohen, Jean L. / Arato, Andrew, 1992: Civil Society and Political Theory. Cambridge, MA: MIT Press.

Gellner, Ernest, 1991: Civil Society in Historical Context. In: International Social Science Journal, 43 (3): 415 [sic] - 510.

Klein, Ansgar, 2001: Der Diskurs der Zivilgesellschaft. Politische Hintergründe und demokratietheoretische Folgerungen. Opladen: Leske & Budrich.

Kocka, Jürgen, 2000: Zivilgesellschaft als historisches Problem und Versprechen. In: Hildermeier, Manfred / Kocka, Jürgen / Conrad, Christoph (Hrsg.): Europäische Zivilgesellschaft in Ost und West. Begriff, Geschichte, Chancen. Frankfurt / Main, New York: Campus Verlag.

Kocka, Jürgen, 2004: Civil Society from a historical perspective. European Review, 12 (1): 65 - 79.

Merkel, Wolfgang (Hrsg.), 2000: Systemwechsel 5: Zivilgesellschaft und Transformation. Opladen: Leske & Budrich.

Thiery, Peter, 2005: Zivilgesellschaft. In: Nohlen, Dieter / Schultze, Rainer-Olaf (Hrsg.): Lexikon der Politikwissenschaft. Band 2 N – Z. Theorien. Methoden. Begriffe. München: Verlag C.H. Beck, S. 1175 - 1177.

[Seite 1175]

Zivilgesellschaft bezeichnet eine Sphäre kollektiven Handelns und öff. Diskurse, die zwischen Privatbereich und Staat wirksam ist. [...]

In einer schärferen Konturierung des Konzeptes gilt als charakteristisches Signum einer funktionierenden Z. die doppelte Selbstbegrenzung ihrer Akteure: Erstens erzielen sie ihre polit. Wirkung nicht durch das Streben nach polit. Macht, sondern – i. d. R. vermittelt über die Öff. – durch polit. Einflußnahme auf staatl. Institutionen oder polit. Parteien. Zweitens gilt als spezifisch ziviles Signum der Z., daß die Akteure einen normativen Basiskonsens teilen, dessen Kern Gewaltfreiheit und Toleranz sind. Eine funktionsfähige Z. bedarf ihrerseits rechtsstaatl. gesicherter Handlungsbedingungen, insb. polit. Freiheits- und individueller Bürgerrechte.

[Seite 1176]

3. Insbes. die Transitionsforschung hat Illusionen über die reformerische und demokratiefördernde Kraft der Z. in den neuen Demokratien in Osteuropa, Afrika, Asien und Lateinamerika korrigiert (vgl. Merkel 2000; Diamond 1999: 218–260; Hall 1995). In vielen Ländern erweist sie sich oft als zu schwach oder gar prekär, um ihre Anliegen und Funktionen gegenüber den machtvollen Strukturen von Staat, polit. und ökon. Gesellschaft zu behaupten.


Diamond, L. 1999: Developing Democracy: Toward Consolidation, Baltimore/L.

Hall, J. A. (Hrsg.) 1995: Civil Society. Theory, History, Comparison, Camb.

Merkel, W. (Hrsg.) 2000: Systemwechsel 5: Zivilgesellschaft und Transformation, Opl.

Anmerkungen

Thiery (2005) wird zwar am Ende des Absatzes zusammen mit sieben anderen Quellen – von denen nur Merkel (2000) übernommen wird – referenziert, aber die vorliegenden Ausführungen stammen dem Anschein nach ausschließlich und wortnah von diesem.

Bei Alexander (1997) ist weder von Toleranz noch von Gewaltfreiheit die Rede.

5 der 8 Referenzen im oberen Absatz – d. h. alle bis auf Kocka (2000) und Thiery (2005); von Beyme (2000) wird nicht mitgezählt, da dieser Titel von der Verf.in nachweislich rezipiert wurde – sind auch im Literaturverzeichnis der Quelle Liebert / Trenz (2008) vorhanden, siehe Fragment 038 21 (keine Wertung).

Der Aufsatz von Gellner (1991) findet sich nicht, wie bei Liebert / Trenz angegeben und von der Verf.in übernommen, auf S. 415-510, sondern auf S. 495-510.

Alexander, Gellner, Klein (2001) und Merkel werden in der untersuchten Arbeit – abgesehen vom Literaturverzeichnis – nur an dieser Stelle erwähnt, Cohen / Arato (1992) – wieder abgesehen vom Literaturverzeichnis – nur noch einmal auf S. 39 in einem ebenfalls als Plagiat eingestuften Kontext, siehe Fragment 039 28.

Sichter
(Stratumlucidum)