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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 47, Zeilen: 20-23, 25-34
Quelle: Trenz 2005
Seite(n): 62, 63, Zeilen: 62: 22 ff.; 63: 1 ff.
Die Teilhabe der Zivilgesellschaft an europäischer Politik als legitimes Gegenüber von Herrschaft setzt allerdings voraus, dass es europäische Opportunitätsstrukturen für die Mobilisierung kollektiven Handelns gibt (Marks / McAdam 1999).

[In Bezug auf die Entwicklung der Partizipation auf europäischer Ebene werden in der Literatur drei Phänomene beschrieben.] Zum einen wird statt spontaner Selbstorganisation der Zivilgesellschaft, die Fremdorganisation durch politische Institutionen beobachtet, die Partner und Verbündete für die Teilnahme am Regierungsprozess suchen, diese aber aufgrund der mangelnden Aufmerksamkeit der Zielgruppe nur unzureichend finden (Marks / McAdam 1999). Zum zweiten zeigt sich die Entwicklung eines breiten Lobbyismus verbunden mit einer erhöhten Kooperationsbereitschaft der beteiligten Akteure, mit dem Ziel, Zugang zu Informationen zu erhalten und eigene Interessen durchzusetzen (Gerhards 1993; Trenz 2001). Zum dritten offenbart sich die Herausbildung eines supranational geschlossenen Handlungsfeldes einer eindimensionalen Zivilgesellschaft, die sich nicht mit den nationalen, regionalen und lokalen Ebenen vernetzt und rückbindet (Eder / Trenz 2003).


Eder, Klaus / Trenz, Hans-Jörg, 2003: The Making of a European Public Space: An Inquiry into Relating Supranational Politics and Transnational Spaces of Communication. [sic] The Case of Justice and Home Affairs. In: Kohler-Koch, Beate (Hrsg.): Linking EU and National Governance. Oxford: Oxford University Press, S. 111 - 134.

Gerhards, Jürgen, 1993: Westeuropäische Integration und die Schwierigkeiten der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit. In: Zeitschrift für Soziologie, Jg. 22, S. 96 - 110.

Marks, Gary / McAdam, Doug, 1999: On the Relationship of Political Opportunities to the Form of Collective Action. The Case of the European Union. In: Della Porta, Donatella / Kriesi, Hanspeter / Rucht, Dieter (Hrsg.): Social Movements in a Globalizing World. London: [sic] Macmillan Press, S. 97 - 111.

Trenz, Hans-Jörg, 2001: Protestmobilisierung in Netzwerken. Revitalisierung oder Selbstblockade zivilgesellschaftlicher Protestformen in der EU? In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 14, 87 - 98.

[Seite 62]

[...] Sobald sie erfolgt, wird die Zivilgesellschaft zum legitimen Gegenüber von Herrschaft, die ihre Anerkennung und Teilhabe einfordert.

Die Merkmale organisierter Zivilgesellschaft in der EU sind an die Spezifika einer emergenten europäischen Opportunitätsstruktur für die Mobilisierung kollektiven Handelns gebunden (Marks/McAdam 1999). [In Anpassung an die Struktureigenschaften des Regierens im europäischen Mehrebenensystem vollzieht sich der Wandel zivilgesellschaftlicher Organisations- und Aktionsformen in folgende Richtung:]

1)   Statt spontaner Selbstorganisation beobachten wir in der EU häufig die Fremdorganisation von Zivilgesellschaft durch politische Institutionen auf der Suche nach potentiellen Partnern und Verbündeten. [...]

[Seite 63]

[...] Von oben geschaffene Gelegenheitsstrukturen für Partnerschaft und Teilnahme am Regierungsprozess warten vielfach noch darauf, von unten besetzt zu werden (Marks/McAdam 1999: 103). Es kommt zu einem Ungleichgewicht zwischen erhöhtem Angebot zur Partizipation und knapper Nachfrage bei hohem Risiko eines Werteverlusts zivilgesellschaftlicher Organisationsformen infolge der andauernden Nichtaufmerksamkeit des Publikums.
2)   Statt lautem Protest beobachten wir in der EU eher einen stillen Lobbyismus und eine erhöhte Kooperationsbereitschaft der beteiligten Akteure (Gerhards 1993). [...] Außerinstitutionelle Akteure sind gleichfalls auf die Zusammenarbeit mit den Institutionen angewiesen, um überhaupt Zugang zu Informationen zu erhalten und vermeiden es, die Verantwortlichen durch nicht-kooperatives Verhalten vor den Kopf zu stoßen (Trenz 2001a: 90).
3)   Statt Transnationalität der zivilgesellschaftlichen Organisationsformen und Mehrebenenmobilisierung („think globally-act locally“) fördert die EU eher die Herausbildung eines supranational geschlossenen Handlungsfeldes, das zwar in sich zunehmend plural angelegt ist, dabei aber mit spezifischen Vermittlungsproblemen und Defiziten im vertikalen Networking zwischen den Ebenen zu kämpfen hat. [...] Die bestehenden Organisations- und Handlungsvernetzungen zwischen den Initiativen vor Ort suchen dabei nur in Ausnahmefällen den Kontakt zur europäischen Ebene (Trenz 2001b; Eder/Trenz 2003).

Die Eindimensionalität der Organisation europäischer Zivilgesellschaft als ein Handlungsgefüge mit vornehmlich supranationalem Wirkungsbereich und fehlender nationaler und subnationaler Rückbindung vermag aus der Perspektive aller Beteiligten noch keine befriedigende Lösung des vielbeklagten europäischen Demokratiedefizits herbeizuführen.


Eder, Klaus/Trenz, Hans-Jörg 2003: The Making of a European Public Space: An Inquiry into Relating Supranational Politics and Transnational Spaces of Communication. [sic] The Case of Justice and Home Affairs, in: Kohler-Koch, Beate (Hrsg.), Linking EU and National Governance, Oxford: Oxford University Press, 111-134.

Gerhards, Jürgen 1993: Westeuropäische Integration und die Schwierigkeiten der Entstehung einer europäischen Öffentlichkeit, in: Zeitschrift für Soziologie, 22, 96-110.

Marks, Gary/McAdam, Doug 1999: On the Relationship of Political Opportunities to the Form of Collective Action. The Case of the European Union, in: Della Porta, Donatella/Kriesi, Hanspeter/Rucht, Dieter (Hrsg.), Social Movements in a Globalizing World, London: [sic] Macmillan Press, 97-111.

Trenz, Hans-Jörg 2001a: Protestmobilisierung in Netzwerken. Revitalisierung oder Selbstblockade zivilgesellschaftlicher Protestformen in der EU?, in: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, 14, 87-98.

Trenz, Hans-Jörg 2001b: Global Denken - Lokal Handeln. Zur Mobilisierungslogik von Migranteninteressen in Europa, in: Klein, Ansgar/Koopmans, Ruud/Geiling, Heiko (Hrsg.), Politische Partizipation und Protestmobilisierung im Zeitalter der Globalisierung. Opladen: Leske + Budrich, 179-205.

Anmerkungen

Die eigentliche Quelle, aus der die Verf.in umformulierend und komprimierend übernimmt, wird nicht genannt. Signifikant ist insbsd. die identische Formulierung "die Herausbildung eines supranational geschlossenen Handlungsfeldes".

Mit Trenz (2001) gibt es ebenfalls inhaltliche Parallelen, jedoch in geringerem Maße; bei diesen ist zudem das Maß an wörtlicher Übereinstimmung i. d. R. auch geringer.

Bzgl. der bibliografischen Angaben ist anzumerken, dass

  • der vollständige Titel des Aufsatzes von Eder / Trenz (2003) The Making of a European Public Space: The Case of Justice and Home Affairs lautet. [1] Wie Trenz (2005) – und mit ihm die Verf.in – auf dessen vorgeblichen Bestandteil "An Inquiry into Relating Supranational Politics and Transnational Spaces of Communication." kommt, ist schwer verständlich;
  • der von Della Porta et al. (1999) herausgegebene Sammelband bei Macmillan in Basingstoke und nicht in London erschienen ist. [2]

Vier der fünf Referenzen werden ebenfalls übernommen. In der betrachteten Arbeit werden von diesen Eder / Trenz (2003), Marks / McAdam (1999) und Trenz (2001) – abgesehen vom Literaturverzeichnis – ausschließlich an dieser Stelle erwähnt.

Der in eckige Klammern gesetzte zweite Satz im linken Teil der Synopse wird nicht als Plagiat gewertet.

Sichter
(Stratumlucidum) Schumann