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Gc/Fragment 150 24

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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Fiesh, Marcusb, KayH, Nerd wp
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 150, Zeilen: 1-35
Quelle: Siedschlag 1997
Seite(n): 185ff, Zeilen:
2. Erfolgreicher Multilateralismus führt zu diffuser Reziprozität bei den beteiligten

Akteuren, also zu generalisierten Verhaltenserwartungen, die den künftigen Kon- takt untereinander strukturieren, regeln und stabilisieren.365

Das ist eine genaue Gegenauffassung zum strukturellen Realismus, für den es ja stets nur koaktive Balancestrukturen im Rahmen epochaler positionaler Strukturbilder ge- ben kann.366 Allerdings wendet sich der Multilateralismus nicht nur gegen das realisti- sche, sondern in gewisser Weise auch gegen seine intellektuelle Heimat, das neolibe- rale Paradigma. Der Neoliberalismus behaupte zwar seit langem, daß Normen und In- stitutionen in den internationalen Beziehungen irgendwie relevant seien, habe aber deren typischer multilateraler Erscheinungsform keine hinreichende Aufmerksamkeit geschenkt. Internationale Kooperation lasse sich aber nur verstehen, wenn sie in ihrer gegenwärtig typischen qualitativen Ausprägung, eben dem Multilateralismus, erfaßt werde. Es reiche nicht, ihre quantitativen Kodeterminanten einfach hochzurechnen.367

Methodisch geht es beim Multilateralismus um die Ausarbeitung eines Grundkonzepts durch eine prototypische Herausstellung multilateraler Koopeationsformen und -typen der Weltpolitik. Kegley und Raymond entwickelten hierzu das Modell eines dreidi- mensionalen Phasenraums. Der internationale Verhaltensraum des Multilateralismus wird demnach von drei Faktoren aufgespannt: 1. Dem Begrenzungsgrad staatlichen Handelns durch internationale Normen (per- missiv versus restriktiv) 2. der Prägnanz internationaler Allianzkonfigurationen (polarisiert versus flexibel) und 3. der Verteilung der nationalen capabilities368 (konzentriert versus dispergiert).369

Der Multilateralismus betrachtet sich auch als politisches Modell der internationalen Beziehungsregelung in der post-bipolaren Welt im Sinn einer neuen Konzertpolitik der Großmächte.[FN 370] Die Denkrichtung wendet sich teilweise polemisch gegen die im 20. Jahrhundert insgesamt vorherrschenden internationalen Organisationen multipler Zielsetzung und universeller Mitgliedschaft, wie den Völkerbund oder die UNO. Organisatorisch verfestigter Multilateralismus büße gerade die Koordinationseffektivität eines Multilateralismus als institutioneller Form im Sinn diffuser Reziprozität ein. Betroffen davon sei

• die Einbuße flexibler Verhandlungslösungen wegen der organisatorischen Verfestigung,

• die Ablösung multilateraler Verhandlungsprozesse durch internationale Abstimmungen (deren Ergebnisse sich meist ohnehin nicht durchsetzen ließen) sowie [...]

FN 365: Vgl. Ruggie (1993), S. 8 - 11.

FN 366: Siedschlag (1997), S. 186.

FN 367: Vgl. Ruggie (1993), S. 5 - 7.

FN 369: Vgl. Kegley / Raymond (1994), S. 56 f.

FN 370: Hierzu Brenner (1995), dessen Ordnung nach Ländern den staatenweltlichen Bezug des Multilateralismus deutlich macht.

[...] zweitens führt erfolgreicher Multilateralismus zu diffuser Reziprozität bei den beteiligten Akteuren, also zu generalisierten Verhaltenserwartungen, die den künftigen Kon-

takt untereinander strukturieren, regeln und stabilisieren.[177] Das ist eine genaue Gegenauffassung zum strukturellen Realismus, für den es ja stets nur koaktive Balancestrukturen im Rahmen epochaler positionaler Strukturbilder geben kann.

[... Seite 187 unten ...]

Der Multilateralismus wendet sich nicht nur gegen das realistische, sondern auch gegen seine intellektuelle Heimat, das neoliberale/institutionalistische Paradigma. Der Neoliberalismus behaupte zwar seit langem, daß Normen und Institutionen in der internationalen Politik irgendwie relevant seien, habe aber deren typischer multilateraler Erscheinungsform keine hinreichende Aufmerksamkeit geschenkt.[187 Ruggie (1993): 5f] Internationale Kooperation lasse sich aber nur verstehen, wenn sie in ihrer gegenwärtig typischen qualitativen Ausprägung, eben dem Multilateralismus, erfaßt werde.[188 Ruggie (1993): 7] Es reiche nicht, ihre quantitativen Kodeterminanten einfach aufzurechnen.[189 Ruggie (1993): 5.]

2.4.4 Methodische Grundlagen

Methodisch geht es [... um] die Elaboration eines Grundkonzepts des Multilateralismus durch eine prototypische Herausstellung multilateraler Koopeationsformen und -typen in der Weltpolitik. [...] Hier kann das von Kegley und Raymond entwickelte Modell eines dreidimensionalen Phasenraums[192 Kegely/Raymond (1994): 56f.] weiterhelfen. Der internationale Verhaltensraum des Multilateralismus wird demnach von drei Faktoren aufgespannt: Dem Begrenzungsgrad staatlichen Handelns durch internationale Normen (permissiv versus restriktiv), der Prägnanz internationaler Allianzkonfigurationen (polarisiert versus flexibel) und der Verteilung der nationalen capabilities (konzentriert versus dispergiert).

[... Seite 189 oben ...]

Implizit betrachtet sich der Multilateralismus auch als politisches Modell der internationalen Beziehungsregelung in der post-bipolaren Welt im Sinn einer neuen Konzertpolitik der Großmächte.[FN 195] Er wendet sich polemisch gegen die im 20. Jahrhundert insgesamt vorherrschenden internationalen Organisationen multipler Zielsetzung und universeller Mitgliedschaft, wie den Völkerbund oder die UNO.[FN 196] Organisatorisch verfestigter Multilateralismus büße gerade die Koordinationseffektivität eines Multilateralismus als institutioneller Form im Sinn diffuser Reziprozität ein. Mit folgenden Einbußen des geregelten Umgangs von Staaten miteinander sei dabei zu rechnen: einem Verschwimmen der gemeinsamen Verhakensprinzipien wegen des Universalitätsprinzips, der Einbuße flexibler Verhandlungslösungcn wegen der organisatorischen Verfestigung, überhaupt dem Ablösen multilateraler Verhandlungsprozesse durch internationale Abstimmungen (deren Ergebnisse sich meist ohnehin nicht durchsetzen ließen) sowie [...]

FN 195: S. z.B. Kcglcy/Raymond (1994): insbes. 212-235. Vgl. auch die Beiträge in Brenner (Hg. 1995), die nach Ländern geordnet sind und damit schon den staatenweltlichen Fokus des Multilateralismus deutlich machen.

FN 196: S. Ruggie (1993): 23.

Anmerkungen

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