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Gjb/Fragment 180 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 180, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Imbusch Bonacker 2006
Seite(n): 100 f., Zeilen: 100:1ff, 101:1
[Deutungskämpfe und semantische Verschiebungen des Bedeutungsgehalts von Gewalt haben dabei eine einigermaßen genaue diachrone oder synchrone Erfassung von Gewalttatbeständen und damit] die Erstellung verlässlicher historischer Langschnitte erschwert. Die Kontroversen verlaufen auf zwei Ebenen:

a) Zum einen geht es um die Frage der empirischen Nachweisbarkeit von Veränderungen im (langfristigen) Gewaltniveau von Gesellschaften.

Während die einen hier (mit lückenhaftem Material) versuchen, entsprechende Trends und Entwicklungen nach zu zeichnen, und zu dem Ergebnis kommen, dass nach einem Jahrhunderte langen Zivilisierungsprozess im elias’schen Sinne erst seit den 60er Jahre [sic] des 20. Jahrhunderts wieder eine hinsichtlich ihrer Ursachen und Gründe noch unklare [sic] Umkehr in der Gewaltentwicklung feststellbar ist, weisen andere neben den vielfältigen, die Einschätzung beeinflussenden intermittierenden Variablen und unklare Quantifizierungs- und Qualifizierungskriterien auf die widersprüchliche und wechselnde Bewertung dessen, was Gewalt überhaupt ist oder sein soll, hin und verneinen die Möglichkeit einer einigermaßen objektiven Messung von Gewalt und Zeitverlauf.433

b) Zum anderen geht es in theoretisch-interpretativer Perspektive um die Einschätzung des historischen Gewaltverlaufs und die Frage nach den Zusammenhängen von Moderne und Gewalt. Hier stehen sich die Anhänger eines „Traums von der gewaltfreien Moderne“ 434 und die (beizeiten anthropologisch inspirierten) Pessimisten in Bezug [auf effektive Einhegungsmöglichkeiten von Gewalt gegenüber.435]


433 IMBUSCH/BONACKER 2006, S.100. „Es ist nicht möglich, mit Anspruch auf Objektivität zu sagen, ob die moderne Geschichte eine Geschichte zunehmender oder abnehmender Gewalt ist – und zwar deshalb, weil es unmöglich ist, das Gesamtvolumen von Gewalt „objektiv“ zu messen… Alle Schätzungen über historische Tendenzen der Gewalt hatten deshalb bislang keine Chance auf dauerhafte Anerkennung; sie sind von der Natur der Sache her nicht weniger umstritten und umkämpft als die Legitimität von Zwangsmaßnahmen bzw. die Klassifizierung von Zwangsmaßnahmen als Gewalt (in Abhängigkeit von der Legitimitätsfrage“. In: BAUMAN 2000, S. 32 ff.

434 JOAS 1994.

Deutungskämpfe und semantische Verschiebungen des Bedeutungsgehalts von Gewalt haben dabei eine einigermaßen genaue diachrone oder synchrone Erfassung von Gewalttatbeständen und damit die Erstellung verlässlicher historischer Längsschnitte erschwert. Die Kontroversen verlaufen auf zwei Ebenen: Zum einen geht es um die Frage der empirischen Nachweisbarkeit von Veränderungen im (langfristigen) Gewaltniveau von Gesellschaften. Während die einen hier (mit lückenhaftem Datenmaterial) versuchen, entsprechende Trends und Entwicklungen nach zu zeichnen und zu dem Ergebnis kommen, dass nach einem Jahrhunderte langen Zivilisierungsprozess im Eliasschen Sinne erst seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wieder eine hinsichtlich ihrer Ursachen und Gründe noch unklare Umkehr in der Gewaltentwicklung feststellbar ist, weisen andere neben den vielfältigen, die Einschätzung beeinflussenden intermittierenden Variablen und unklaren Quantifizierungs- und Qualifizierungskriterien auf die widersprüchliche und wechselnde Bewertung dessen, was Gewalt überhaupt ist oder sein soll, hin und verneinen die Möglichkeit einer einigermaßen objektiven Messung von Gewalt im Zeitverlauf. Zygmunt Bauman hat z.B. geschrieben: „ Es ist nicht möglich, mit Anspruch auf Objektivität zu sagen, ob die moderne Geschichte eine Geschichte zunehmender oder abnehmender Gewalt ist - und zwar deshalb, weil es unmöglich ist, das Gesamtvolumen von Gewalt ‘objektiv’ zu messen ... Alle Schätzungen über historische Tendenzen der Gewalt hatten deshalb bislang keine Chance auf dauerhafte Anerkennung; sie sind von der Natur der Sache her nicht weniger umstritten und umkämpft als die Legitimität von Zwangsmaßnahmen bzw. die Klassifizierung von Zwangsmaßnahmen als Gewalt (in Abhängigkeit von der Legitimitätsfrage).“73 Zum anderen geht es in theoretischinterpretativer Perspektive um die Einschätzung des historischen Gewaltverlaufs und die Frage nach den Zusammenhängen von Moderne und Gewalt. Hier stehen sich die Anhänger eines „Traums von der gewaltfreien Moderne“ 74 und die (beizeiten anthropologisch inspirierten) Pessimisten in Bezug auf effektive Einhegungsmöglichkeiten von Gewalt gegenüber.75

73 Bauman, Zygmunt: Alte und neue Gewalt, in: Journal ftlr Konflikt- und Gewaltforschung, 2000, Num. 1 ,S . 32f.

74 Joas, Hans: Der Traum von der gewaltfreien Moderne, in: Sinn und Form, 1994, Num. 2, S. 309-318.

75 Sofsky, Wolfgang: Traktat über die Gewalt, Frankfurt/M. 1996; ders.: Zeiten des Schreckens. Amok - Terror - Krieg, Frankfurt/M. 2002; Duerr, Hans Peter: Der Mythos vom Zivilisationsprozess, 5 Bde.. Frankfurt/M. 1988ff.

Anmerkungen

Quelle ist in Fn. 433 genannt. Das Zitat in dieser Fußnote stammt lautImbusch/Bonacker von Baumann; Gjb schreibt es Imbusch/Bonacker zu.

Sichter
(SleepyHollow02), PlagProf:-)

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