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Gjb/Fragment 199 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 199, Zeilen: 1-10, 23-27
Quelle: Negt 2002
Seite(n): 1 (Internetversion), Zeilen: -
[Trotzdem, mit dem Zeitablauf sickert allmählich das Gewaltmonopol in] den gesellschaftlichen Boden, und die Gewaltmittel werden im Marktgeschehen zu normalen Waren. So lädt sich Gewalt in privatisierter Kriegsgestalt mit archaischen Energien auf: allerdings auf hohem technologischen Niveau.

Dieser Wendung betrifft nicht nur den islamischen Fundamentalismus, sondern zunehmend auch religiös angereicherte Feindschaftserklärungen des Westens. Laut Negt, wo die kolonialen Reißbrettstaaten zerfallen, stellen sich bindende Näheverhältnisse ohnehin nur noch durch Rückkehr zu den archaischen Stammesverbänden her.489

“Es ist gewiss ein trauriger Tatbestand: In der Zeit von 1945 bis Mitte der neunziger Jahre gab es weltweit 184 Kriege. Für 135 dieser Kriege existieren Opferzahlen; Nach Regionen aufgeschlüsselt sind in Lateinamerika 396 000 Tote zu beklagen, in Europa 238 000, im Vorderen und Mittleren Orient 1,8 Millionen, in Asien 4,6 Millionen; der Kontinent mit den meisten Kriegstoten, nämlich 5,5 Millionen, ist das Afrika südlich der Sahara. Bemerkenswert an dieser Statistik ist nun, dass mehr als zwei Drittel dieser Kriege innere Kriege sind, also Bürgerkriege, Revolutionen, Konterrevolutionen, Stammesfehden, usw. Das Kriegsgeschehen wird also seit 1945 vom Typus des inneren Krieges beherrscht.”490

Aus solche Realität, wo Gesellschaftsordnungen auseinander brechen, bevor sie richtig entwickeln konnten, liegt Gewalt als Ausweg gleichsam in der Luft; es entsteht eine Gewaltatmosphäre, in der nach friedlichen Kompromisslösungen bei Konflikten gar nicht erst gesucht wird.491


489 NEGT 2002, S. 3.

490 Ebd.

491 Mehr dazu bei NEGT a.a.O.. „Hier finden wir ein allgemeines Problem der Beziehung zwischen Gewalt und Gesellschaft, keineswegs beschränkt auf rückständige und unterentwickelte Regionen. Wer ausschließlich auf die Gewaltverhältnisse jenseits des [westeuropäischamerikanischen Kosmos blickt, der wird die hiesigen Verhältnisse als im Grunde gewaltfrei betrachten und das Gewaltproblem ganz von Zentrum in die gesellschaftliche Peripherie drängen. Das würde jedoch die westeuropäische Geschichte nicht nur verfälschen, sondern auch die gesellschaftlichen Gesteinsverschiebungen außer Betracht lassen, die nach Art eines Quantensprungs plötzlich zum Umkippen einer Sozialordnung führen können.” In NEGT a.a.O., S. 4.]

Aber die Staaten in der Gestalt des 19. und frühen 20. Jahrhunderts beginnen abzusterben; so sickert allmählich das Gewaltmonopol in den gesellschaftlichen Boden, und die Gewaltmittel werden im Marktgeschehen zu normalen Waren. So lädt sich Gewalt in privatisierter Kriegsgestalt mit archaischen Energien auf: allerdings auf hohem technologischen Niveau. Das betrifft nicht nur den islamischen Fundamentalismus, sondern zunehmend auch religiös angereicherte Feindschaftserklärungen des Westens. Wo die kolonialen Reißbrett-Staaten zerfallen, stellen sich bindende Näheverhältnisse ohnehin nur noch durch Rückkehr zu den archaischen Stammesverbänden her.

Es ist gewiss ein trauriger Tatbestand: In der Zeit von 1945 bis Mitte der neunziger Jahre gab es weltweit 184 Kriege. Für 135 dieser Kriege existieren Opferzahlen; nach Regionen aufgeschlüsselt sind in Lateinamerika 396 000 Tote zu beklagen, in Europa 238 000, im Vorderen und Mittleren Orient 1,8 Millionen, in Asien 4,6 Millionen; der Kontinent mit den meisten Kriegstoten, nämlich 5,5 Millionen, ist das Afrika südlich der Sahara. Bemerkenswert an dieser Statistik ist nun, dass mehr als zwei Drittel dieser Kriege innere Kriege sind, also Bürgerkriege, Revolutionen, Konterrevolutionen, Stammesfehden usw. Das Kriegsgeschehen wird also seit 1945 vom Typus des inneren Krieges beherrscht.

[...] Wo Gesellschaftsordnungen auseinander brechen, bevor sie sich richtig entwickeln konnten, liegt Gewalt als Ausweg gleichsam in der Luft; es entsteht eine Gewaltatmosphäre, in der nach friedlichen Kompromisslösungen bei Konflikten gar nicht erst gesucht wird.

Ich sehe darin ein allgemeines Problem der Beziehung zwischen Gewalt und Gesellschaft, keineswegs beschränkt auf rückständige und unterentwickelte Regionen. Wer ausschließlich auf die Gewaltverhältnisse jenseits des westeuropäisch-amerikanischen Kosmos blickt, der wird die hiesigen Verhältnisse als im Grunde gewaltfrei betrachten und das Gewaltproblem ganz vom Zentrum in die gesellschaftliche Peripherie drängen. Das würde jedoch die westeuropäische Geschichte nicht nur verfälschen, sondern auch die gesellschaftlichen Gesteinsverschiebungen außer Betracht lassen, die nach Art eines Quantensprungs plötzlich zum Umkippen einer Sozialordnung führen können.

Anmerkungen

Hier werden zusammenhängende Abschnitte fast wortgetreu übernommen. Einiges davon ist deutlich als Zitat gekennzeichnet, anderes jedoch überhaupt nicht. Klassisches Bauernopfer.

Zudem ist das Zitat in Fußnote 491 nicht korrekt wiedergegeben.

Sichter
(Graf Isolan), SleepyHollow02

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