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Jkr/Fragment 129 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 129, Zeilen: 1-25, 101-117
Quelle: Naumann 2001
Seite(n): 856, 857, 859, 860, Zeilen: 856: 35-40; 857: 1-6, 9-22; 859: 25-36: 860: 1-12, 21-27
[Er selbst] ging wohl davon aus, ganz ernst würde es schon nicht werden und er könne es wagen, auf Uneinigkeit in der NATO und damit auf das Ende der Luftoperationen setzen. Hätten hingegen die Ziele von Washington am Anfang des Planungsprozesses gestanden, dann hätten auch die Ziele der entsprechenden Operationen so gewählt werden können, dass sie einen skrupellosen Machthaber wie Milošević schon am ersten Tag hätten spüren lassen, dass am Ende seine Machtbasis zerstört sein könnte. Zweifel sind auch angebracht, ob die beim NATO-Gipfel in Washington 1999 beschlossenen, geänderten Ziele im Sommer 1998 schon zum Konsens hätten führen können. Hinzu kommt auch ein Mangel, der nicht unerwähnt bleiben soll: Selbst noch so eindeutig formulierte Ziele hätten keine Handhabe gegen die andere Konfliktpartei, die Kosovo-Albaner, geboten. Ein Vorteil klarer politischer Ziele ist die Möglichkeit, dem Gegner systematisch alle Optionen eines Ausweges zu verbauen und ihm letztlich als Ergebnis seiner eigenen Kosten-Nutzen-Analyse nahezulegen, dass die einzige Lösung die Annahme der gestellten Bedingungen ist. Die Handlungsoptionen des Gegners zu verbauen und ihn zum Einlenken zu zwingen, ist das Ziel aller Krisenbewältigung. Als Milošević nach Washington erkannte, dass er den Zusammenhalt der NATO nicht sprengen, ihre Entschlossenheit, notfalls bis zum bitteren Ende einer Landoperation zu gehen, nicht beeinträchtigen und er auf keine Unterstützung in den Vereinten Nationen rechnen konnte, blieb ihm nur der Ausweg, die Bedingungen der NATO anzunehmen. Es hätte also nicht zwangsläufig zu der Luftoperation kommen müssen268, wenn es gelungen wäre, Milošević durch diplomatische und politische Bemühungen und alle denkbaren Formen von Druck bis hin zur militärischen Drohung, zum Einlenken zu bringen.

268 Krisenreaktion bedeutet stets, zu einem Zustand zurückzukehren, in dem ein Eingreifen und die Anwendung militärischer Gewalt überflüssig sind. Der Ablauf der Krisenreaktion kann grundsätzlich als ein Prozess gesehen werden, der in vier Phasen abläuft: Phase 1: Sie beginnt nach dem Scheitern der Krisenprävention und besteht aus politischen und diplomatischen Bemühungen, den Gegenspieler durch alle denkbaren Formen von Druck zum Einlenken zu bewegen. Phase 2: Weitere Maßnahmen werden eingeleitet, sobald offensichtlich ist, dass durch Druck allein das Ziel nicht zu erreichen ist. Sie beginnen oftmals mit deutlichen Androhungen militärischen Eingreifens und an ihrem Ende steht ein militärisches Eingreifen, das jedoch unter der Schwelle des Krieges gehalten wird. Phase 3: Sie hat das Ziel, das Einlenken des Gegenspielers durch weitgehende Zerschlagung seines Machtpotenzials zu erzwingen. Selbst diese Phase darf nicht mit Krieg gleichgesetzt werden, denn ihr Ziel ist nicht die dauernde Inbesitznahmen eines gegnerischen Staates oder seine Besetzung, nicht einmal die völlige Zerschlagung seines militärischen Potenzials ist vorgesehen. Phase 4: Diese Phase ist die schwierigste und die häufig am längsten dauernde. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung selbsttragender Stabilität durch Wiederaufbau, Wiederbelebung der Wirtschaft und Wiederherstellung staatlicher Ordnung. An ihrem Ende steht der Abzug aller fremden Kräfte. Vgl. ebenda, S. 859-860

[Seite 856, Zeilen 35-40]

Die zunächst vorgegebenen Ziele führten zu Planungen, die dem Muster von Bosnien 1995 ähnelten, vielfach in den NATO-Staaten die Hoffnung weckten, nach ein paar Luftschlägen würde Milosevic einlenken und bei Milosevic selbst vermutlich die Hoffnung keimen ließen, ganz ernst würde es wohl nicht werden und er könne es wagen, auf Uneinigkeit in der NATO und damit das Ende der Luftoperationen zu setzen. Hätten hingegen die Ziele von Wa-

[Seite 857, Zeilen 1-6]

shington am Anfang des Planungsprozesses gestanden, dann hätten auch die Ziele anfänglicher Operationen so gewählt werden können, dass sie einen skrupellosen Machthaber wie Milosevic schon am ersten Tag hätten spüren lassen, dass am Ende seine Machtbasis zerstört sein könnte. Zweifel sind auch noch heute angebracht, ob die beim NATO Gipfel in Washington 1999 beschlossenen Ziele im Sommer 1998 hätten zum Konsens führen können.

[Seite 857, Zeilen 9-22]

Hinzukommt allerdings ein Mangel, der nicht unerwähnt bleiben darf: Selbst so formulierte Ziele hätten keine Handhabe gegen die andere Konfliktpartei, die Kosovaren, geboten.

Ein weiterer Vorteil klarer politischer Ziele ist, dass sie es erlauben, dem Gegner systematisch alle Optionen eines Auswegs zu verbauen und ihm letztlich als Ergebnis seiner eigenen Kosten/Nutzen-Analyse nahe legen, dass die einzige Lösung die Annahme der gestellten Bedingungen ist. Die Handlungsoptionen des Gegners zu verbauen und ihn zum Einlenken zu zwingen, ist letztlich Ziel aller Krisenbewältigung. Als Milosevic nach Washington erkannte, dass er den Zusammenhalt der NATO nicht sprengen, ihre Entschlossenheit, notfalls bis zum bitteren Ende einer Landoperation zu gehen, nicht beeinträchtigen und er auf keine Unterstützung in den Vereinten Nationen rechnen konnte, blieb ihm nur noch der Ausweg, die Bedingungen der NATO anzunehmen.

[Seite 859, Zeilen 25-36]

Krisenreaktion bedeutet daher stets, zu einem Zustand zurückzukehren, in dem Eingreifen und Anwendung militärischer Gewalt überflüssig sind. Der Ablauf der Krisenreaktion kann grundsätzlich als ein Prozess gesehen werden, der in vier Phasen abläuft:

Phase 1: im Englischen 'Diplomacy backed by Threats' genannt, beginnt nach dem Scheitern der Krisenprävention und besteht im Allgemeinen aus politischen und diplomatischen Bemühungen, den Gegenspieler durch alle denkbaren Formen von Druck bis hin zur Drohung zum Einlenken zu bringen.

Phase 2: beginnt, sobald offensichtlich ist, dass durch Druck allein das Ziel nicht zu erreichen ist. Im englischen Sprachgebrauch wird sie 'Diplomacy backed by Force' genannt. Sie beginnt oftmals mit

[Seite 860, Zeile 1-12]

deutlich unterstrichenen Androhungen militärischen Eingreifens und an ihrem Ende steh t, sofern alle Bemühungen um eine friedliche Lösung scheitern, militärisches Eingreifen, das unterhalb der Schwelle eines Krieges gehalten wird, aber das Ziel hat, den Gegenspieler zum Einlenken zu zwingen.

Phase 3: 'Force backed by Diplomacy', hat das Ziel, das Einlenken des Gegenspielers durch weitgehende Zerschlagung seines Machtpotenzials zu erzwingen. Selbst diese Phase darf nicht mit Krieg gleichgesetzt werden, denn ihr Ziel ist nicht die dauernde Inbesitznahme eines gegnerischen Staates oder seine Besetzung, noch nicht einmal die völlige Zerschlagung seines militärischen Potenzials ist vorgesehen.

[Seite 860, Zeilen 21-27]

Phase 4: Dieser schwersten Phase der Krisenreaktion (Phase 3) folgt die schwierigste und die häufig am längsten dauernde, im Englischen könnte man sie ’Diplomacy backed by Reconstruction' nennen. Ihr Ziel ist die Wiederherstellung selbsttragender Stabilität durch Wiederaufbau, Wiederbelebung der Wirtschaft und Wiederherstellung staatlicher Ordnung. An ihrem Ende steht der Abzug aller fremden Kräfte von dem Gebiet, in dem die Intervention stattfand.

Anmerkungen

Ein Quellenverweis ist zwar vorhanden, dieser bezieht sich aber nur auf die Fußnote. Zudem ist er mit "Vgl." eingeleitet, was eine wörtliche Übernahme eigentlich ausschließt. Dem Leser ist keineswegs klar, dass die gesamte Seite von Naumann (2001) stammt.

Sichter
(Hindemith), Guckar

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