FANDOM


Die antike Konzeption des Liebesbegriffes in der deutschen und russischen Literatur und Musik im 19. Jahrhundert anhand der Werke von E.T.A. Hoffmann, A. Puschkin, R. Schumann und P. Tschaikowski

von Dr. Julia Lukjanov

vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Jl/Fragment 058 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2018-04-11 15:55:07 Schumann
Clemens 2001, Fragment, Gesichtet, Jl, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann, Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 58, Zeilen: 1-4, 7-12, 14-29
Quelle: Clemens 2001
Seite(n): 12, 13, 14-15, Zeilen: 12:23ff.; 13:2ff.,33 ff.; 14:32ff. - 15:1-3
Freud interpretiert Eros als sexuelles Begehren vor allem als eine wilde, der Bändigung und Kontrolle bedürfende Kraft, getragen von tragisch unerfüllbaren, innigsten unbewussten Wunsch des Menschen, die Widergewinnung [sic] des Paradieses durch die Rückkehr in den Mutterleib zu erfahren.
[...]

C.G. Jung sieht Eros als eine Liebe zum Leben im Sinne einer dynamischen, aus dem Unbewussten kommenden und zur bewussten Verwirklichung drängender [sic] kosmischer [sic] Kraft.127

In allen diesen Theorien und Sichtweisen erscheint Eros als eine Lust, sich mit jenen menschlichen Operationen wie aktivem Erfahren, Denken, Urteilen und Entscheiden zu befassen, welche ein vollentwickeltes, bewusstes Leben ausmachen. [...]

Eros, das irdische Begehren, ist die Kraft, die im Menschen den Willen bedingt, aus der Vielzahl von Möglichkeiten subjektiver Existenz die sich selbst gemäße Lebensform – unter der Bedingung des Eingebundenseins in zwischenmenschliche Beziehungen – zu wählen.

Da die Verwirklichung ein nie abgeschlossener Prozess und immer im Werden ist, bleibt das Selbst als Person eine von Eros als Mittler getriebene Intention.

Die Liebe erweist sich als eine Herausforderung, gerichtet auf die Wahrnehmung durch den geliebten Menschen wie auf die Selbstsicht des Liebenden.

Ausgehend von der Theorie der Diotima, der Erosphilosophie, kann Eros personifiziert werden und nicht nur als Mittler zwischen Gott und Mensch, Mensch und Mensch, eine Brücke über die ontologische Differenz zwischen der sichtbaren Welt und der Welt der Ideen gesehen werden.

Eros vereint in sich und verkörpert auch die Gegenpole vom Menschlichem und Göttlichem, horizontaler menschlicher und vertikaler göttlicher Liebe, Sterblichkeit und Unsterblichkeit. Eros ist das Wesen des Dazwischen, das die Kraft hat, in sich und durch sich alles zum Einen zu führen. Eros ist die Dynamik, ist ein Beweger und gerade als solcher ist auch für ihn selbst die stete Unruhe konstitutiv. Indem er beiden Bereichen angehört, dem göttlichen und dem [Irdischen [sic], kann auch er nie zu mehr als nur augenblicklicher Erfüllung seines Wesens kommen.]


127 Vgl. Jung, C. G. Der Mensch und seine Symbole. S. 196.

Freuds Interpretation des Eros vor allem als sexuelles Begehren, als eine wilde, der Bändigung und Kontrolle bedürfende Kraft, getragen vom tragisch unerfüllbaren innigsten unbewußten Wunsch des Menschen, die Wiedergewinnung des Paradieses durch eine Rückkehr in den Mutterleib zu erreichen; Jungs Sicht des Eros als einer Liebe zum Leben im Sinne einer dynamischen, aus dem Unbewußten kommenden und zur bewußten Verwirklichung drängenden kosmischen Kraft; [...]

[Seite 13]

Dabei erscheint der Eros als eine Lust, sich mit jenen menschlichen Operationen wie aktivem Erfahren, Denken, Urteilen und Entscheiden zu befassen, welche ein vollentwickeltes, bewußtes Leben ausmachen. Eros, das irdische Begehren, ist die Kraft, die im Menschen den Willen bedingt, aus der Vielzahl von Möglichkeiten subjektiver Existenz die sich selbst gemäße Lebensform - unter der Bedingung des Eingebundenseins in zwischenmenschliche Beziehungen - zu wählen. Insofern als deren Verwirklichung ein nie abgeschlossener Prozeß ist, bleibt, in Abwandlung eines Wortes von Paul Ricoeur, das Selbst als Person eine von Eros getriebene Intention.

[...] Die Liebe erweist sich so als eine Herausforderung, gerichtet auf die Wahrnehmung durch den geliebten Menschen wie auf die Selbstsicht des Liebenden.

[Seite 14]

Ausgehend von »Athens« Erosphilosophie platonischer Prägung zeichnet Fabris den personifizierten Eros nicht nur als einen Mittler zwischen Mensch und Gott, Mensch und Mensch, eine Brücke über die »ontologische Differenz« zwischen der sichtbaren Welt und der Welt der Ideen. Eros vereint auch in sich verkörpert diese Gegenpole von Menschlichkeit und Göttlichem, horizontaler menschlicher und vertikaler göttlicher Liebe, Sterblichkeit und Unsterblichkeit. Eros ist das Wesen des Dazwi-

[Seite 15]

schen, das die Kraft hat, in sich und durch sich alles zum Einen zu führen. Eros ist Dynamik, ist ein Beweger. Doch gerade als solcher ist auch für ihn selbst die stete Unruhe konstitutiv. Indem er beiden Bereichen angehört, dem göttlichen und dem irdischen, kann auch er nie zu mehr als nur augenblicklicher Erfüllung seines Wesens kommen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Sichter
(Schumann), Graf Isolan


vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20180307143042