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Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 27, Zeilen: 1-4, 7-28
Quelle: Buchner 1965
Seite(n): 14, 21, 25, 26, 27, Zeilen: 14:17-21; 21:19-31; 25:14 ff.; 26:22-27; 27:14-17
[Der eigentliche Sinn des Preisens besteht für Sokrates darin, „das Wahre“, also den wahren Sachverhalt, über jedes zu Preisende darzulegen und diesen wieder zugrunde zu legen und aus] eben diesem selbst her dann das Schönste, d.h. Vorscheinendste im Sinne des Vorzüglichsten als das Schicklichste festzusetzen“56.

So übernimmt Sokrates die Forderung Agathons, zuerst das Wesen des Eros darzulegen und dann von dessen Werken zu sprechen.

[...]

Die Entfaltung von Wesen und Werken des Eros vollzieht sich in jeweils zwei Schritten: Die Frage nach dem Wesen des Eros erörtert diesen zuerst als das Metaxy, als das Vermittelnde zwischen dem Sterblichen und Unsterblichen und anschließend als das strebende Verlangen des Menschen nach seinem eigenen Sein, d.h. die Bedeutung für die Menschen.

Die folgende Entfaltung des Eros-Werkes ist demgemäß zweifach gegliedert: Sie fragt zuerst danach, was der Eros als Seinserstrebnis des Menschen unternimmt und ins Werk setzt, um das Sein des Menschen zu erwirken und kommt dann auf das Eroswesen qua Metaxy zurück. Das Geschehen des Eros wird als das maßgebende Werk entworfen, als Aufstieg, als Transzendenz des Seins des Seienden.

Sokrates bezeichnet die Darlegung des Wie-Beschaffen-Seins des Eros als „Anfang“ der Darlegung57 als das, von wo aus eine Sache auf den Weg ihrer Erörterung gebracht wird und was den ganzen weiteren Weg der Erörterung bestimmt.

Es ist es gut, genauer zu bestimmen, was mit der Fragestellung nach dem Wie-Beschaffen-Sein gemeint ist:

Einen ersten Hinweis gibt die Rede des Agathon, denn sie preist den Eros als einen der „schönsten“, der „edelsten und tüchtigsten“ und deshalb den „glückseligsten“ der Götter.58 Agathon genügt seiner eigenen Forderung, die Beschaffenheit des Eros zu schildern, nicht und so fragt Sokrates ihn: „Ist der Eros ein solcher, dass es zu seiner Eigenart, zu seinem Wesensvermögen gehört, Eros von etwas zu sein, oder ist er ein solcher von nicht?“59

Mit dieser Frage will Sokrates nicht primär darauf hinaus, ob der Eros überhaupt ein „von etwas“ bzw. ein „von etwas“ Bestimmtes ist oder nicht.

Vielmehr geht es ihm um die Art und Weise, wie das „etwas“ zum Eros gehört.


56 Vgl. Platon. Symposion. 198 d ff. und 199 a.

57 Vgl. ebenda. 199 c.

58 Vgl. ebenda. 195 a.

59 Vgl. ebenda.

[Seite 14]

Der eigentliche Sinn des Preisens besteht für Sokrates darin, „das Wahre (den wahren Sachverhalt) über jedes zu Preisende darzulegen und dieses (so Dargelegte) erst einmal zugrundezulegen, aus eben diesem selbst her dann aber das Schönste (d. h. das Vorscheinendste im Sinne des Vorzüglichsten) als das Schicklichste festzusetzen“ (198 d 8 f., vgl. 199 a 7, b 3).

[Seite 21]

Sokrates hatte die Forderung Agathons übernommen, zuerst das Wesen des Eros darzulegen und dann von dessen Werken zu sprechen. Diese Entfaltung von Wesen und Werken des Eros im Diotima-Gespräch vollzieht sich, wie die Interpretation zeigen wird, in jeweils zwei Schritten: Die Frage nach dem Wesen des Eros (2. Teil) erörtert diesen zuerst als das Metaxy, als das vermittelnde Zwischen von Sterblichem und Unsterblichem (A) und anschließend als das strebende Verlangen des Menschen nach seinem eigenen Sein (B). Die dann folgende Entfaltung des Eros-Werkes (3. Teil) ist demgemäß zweifach gegliedert: sie fragt zuerst danach, was der Eros als Seins- erstrebnis des Menschen unternimmt und ins Werk setzt, um das Sein des Menschen zu erwirken (A) und kommt dann auf das Eroswesen qua Metaxy zurück und entwirft dessen Geschehen, das maßgebende Werk des Eros, als Aufstieg, als Transzendenz des Seins des Seienden (B).

[Seite 25]

Sokrates übernimmt diese Forderung und bezeichnet die Darlegung des Wiebeschaffenseins des Eros (όποιος τις) als „Anfang“ der Darlegung (199 c 5 f.), als das, von woaus eine Sache auf den Weg ihrer Erörterung gebracht wird und was den ganzen weiteren Weg der Erörterung bestimmt. So mag es gut sein, sich genauer darüber klar zu werden, was die Frage nach dem Wiebeschaffensein meint. Einen ersten Hinweis gibt die Agathon-Rede selbst, wenn sie den Eros als einen der „schönsten“, der „edelsten und tüchtigsten“ und deshalb der „glückseligsten“ der Götter preist (195 a 6 f.).

[Seite 26]

Agathon hatte anscheinend seiner eigenen Forderung, das Wiebeschaffen des Eros zur Sprache zu bringen, nicht hinreichend genügt. Denn Sokrates stellt ihm gerade bezüglich dessen eine Frage, die in erläuternder Übersetzung lautet: „Ist der Eros ein solcher, daß es zu seiner Eigenart, zu seinem Wesensvermögen gehört, Eros von etwas (τινός) zu sein, oder ist er ein solcher von nichts (ούδενός)?“11).


11) Zur Wendung τοσοΰτος οίος ist u. a. zu vergl. Protagoras 330 c 6 f., 5 d f. Zu οίος c. inf. bemerkt LSJ II, S. 1209: implies fitness or ability for a thing.

[Seite 27]

Sokrates will mit diesen Fragen nicht primär darauf hinaus, ob der Eros überhaupt ein „von etwas“ bzw. ein so oder so bestimmtes „von etwas“ habe oder nicht. Vielmehr geht es um die Art und Weise, wie das τινός zum Eros gehört.

Anmerkungen

Ohne Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann