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Am 2. April 2011, Samstagabend um 22:12 Uhr wurde im VroniPlag Wiki eine Seite neu angelegt. Diese enthielt zunächst nur eine Fundstelle in der Dissertation von Dr. Matthias Pröfrock: "Energieversorgungssicherheit im Recht der Europäischen Union/ Europäischen Gemeinschaften".

In den frühen Morgenstunden des 3. April 2011, Sonntag, war den beteiligten Prüfern noch nicht klar, wie die zusätzlich auftretenden Funde einzuschätzen sind. Gegen 1.00 Uhr früh wurden die ersten Fundstellen systematisch in Form von Fragmenten dokumentiert.

In der Version von 2.03 Uhr morgens ist zunächst der Hinweis eingefügt worden, dass bis zur Erhärtung des Plagiatsverdachts kein Autorenname genannt, und auch nicht von einem weiteren "Verdachtsfall" gesprochen wird.

Tagsüber am Sonntag wurde das in der vergangenen Nacht gefundene Schriftstück und die vorläufige Dokumentationsseite in der Gemeinde der Wiki-Mitwirkenden bekannter.

Der neue Verdachtsfall erhärtet sich

Am Abend des selben Tages um 17.55 Uhr lagen bereits Fundstellen für 13 verschiedene Seiten der Dissertation vor. Alle Seiten der Dissertation wurden nun gezählt, und ein Prozentwert berechnet: 5,86 % der berücksichtigten Seiten (ohne Inhaltsverzeichnis, Literatur und den Lebenslauf) enhielten Plagiatsfunde. Der erste grafische Barcode wurde erzeugt und eingefügt.

Veröffentlichung über Twitter

Um 20.08 Uhr waren es schon 26 Seiten und rund12 %. Mit der Überschreitung von 25 Seiten mit Plagiatsfunden, wurde der Name der Dissertation und des Verfassers genannt. Es wurde getwittert und damit die Öffentlichkeit informiert.

Um 22.30 Uhr waren 34 Seiten bekannt, die Plagiate enthielten, 15 %.

Montag früh um 4.04 Uhr waren 57 Seiten mit Plagiaten gefunden, 25 %. Seit der Entdeckung der ersten Fundstellen waren weniger als 30 Stunden vergangen.

Nachricht an die Universität Tübingen

Montag früh um 9.48 Uhr wurde eine Email an die Hochschulkommunikation der Universität Tübingen abgefasst, um sie über den inzwischen erhärteten Plagiatsfall zu unterrichten. Darin wurde der Fall deutlich geschildert und eine offensive und transparente Behandlung seitens der Universität angemahnt.

Tagsüber wurden in allen Zeitungen und Online-Medien andere innenpolitische Themen behandelt. Nur zwei Blogs und eine Online-Ausgabe einer Zeitung berichteten bis zum Nachmittag vom "dritten Fall".

Stellungnahme Dr. Pröfrocks später am Tag

Auf der Webseite Dr. Matthias Pröfrocks erschien am späten Nachmittag bis frühen Abend eine erste Stellungnahme.

Diese Stellungnahme war aus verschiedenen Gründen bemerkenswert, spricht sie doch z.B. von "vereinzelt nicht korrekt zitierte Textpassagen" zu einem Zeitpunkt, an dem schon 1/4 der Seiten mit Plagiatsfunden dokumentiert waren. Diese waren breit über die ganze Dissertation gestreut. Interessant war weiterhin die Aussage in der Stellungnahme, es seien insbesondere bei Stellen "die aus dem Internet zitiert worden sind, Fehler aufgetreten". Der größte Teil der bis dahin untersuchten Funde betraf Quellen des Wissenschaftlichen Dienstes, Grünbücher und Gesetzestexte.

Weiter hieß es in dieser ersten Stellungnahme: "Dies nehme ich zum Anlass, meine Doktorarbeit durch die zuständigen Stellen der Universität Tübingen prüfen zu lassen." Hierzu ist festzustellen, dass die Universität seit den frühen Morgenstunden sowohl schriftlich als auch fernmündlich informiert war und sowohl dieser Sachverhalt, als auch die gegenwärtigen Plagiatskennzahlen durchgängig und wiederholt auf Twitter veröffentlicht worden waren. Eine Doktorarbeit wird nach der Verleihung des Doktorgrades nur erneut überprüft, wenn Verdachtsmomente hinsichtlich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens bestehen. In der Regel, wie auch hier, ist es nicht der Promovend, der eine solche Prüfung "veranlasst". Es bedurfte weder einer Veranlassung durch den Verfasser, noch hätte die in Gang gebrachte Prüfung durch ihn jetzt noch verhindert werden können.
Es erscheint weiterhin nicht wahrscheinlich, dass die Beteiligten erst am späten Nachmittag durch Dr. Pröfrock von diesem Vorgang Kenntnis erhalten haben.

"in keinem Fall bewusst oder vorsätzlich"

In der Stellungnahme heißt es weiter: "Ich habe meine Dissertation nach bestem Wissen und Gewissen verfasst. Fehler bei der Zitierung wurden in keinem Fall bewusst oder vorsätzlich herbeigeführt." Hier bewegt sich der der bewussten Täuschung bezichtigte in eine ähnliche Falle wie schon der Beschuldigte im ersten großen Plagiatsfall des Jahres: Die Dissertation weist erhebliche Mängel auf. Es wurde durchgängig auf vielen Seiten abgeschrieben. Es wurden unter anderem Verschleierungstechniken, Umformulierungen, triviale Ergänzungen und Collagetechniken eingesetzt, um plagiierte Abschnitte schwieriger auffindbar zu machen. Aus Quellen des Wissenschaftlichen Dienstes wurde teilweise seitenweise abgeschrieben, so dass auf manchen Seiten der Dissertation nur noch ein einziger Satz vom Autor selbst stammt.

Jemand, der eine so schwerwiegende und umfangreiche Täuschung auf über 50 Seiten und mehr als einem Viertel seiner Arbeit aufbaut, ohne sich dieser Täuschung bewusst zu sein - ist nicht zurechnungsfähig.

Auf keinen Fall eignet er sich zur Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten oder zur Bekleidung eines politischen Amtes mit Verantwortung. Ist er sich hingegen der Bedeutung seines Handelns bewusst, so ist aus charakterlichen Mängeln auf ein ähnliches Ergebnis bezüglich der Eignung zu erkennen.
Da die Dissertation auch völlig korrekt zitierte Stellen enthält, scheint es wahrscheinlich, dass beim Verfasser der Arbeit der letztere Fall zutrifft.


Danke für die umfassende Chronologie. Noch ein Zusatz: ich habe am 04.04.2011 um 10:35 Uhr per E-Mail Frau Remmert (Dekanin der entsprechenden Fakultät) über den Fall und die Diskussion hier umfassend informiert. 79.250.249.158 06:34, 5. Apr. 2011 (UTC)

Auch ich möchte bestätigen, dass ich am Vormittag mit der Universität telefoniert habe. Der Name Dr. Pröfrock war zu diesem Zeitpunkt an oberer Stelle weder als Absolvent noch als Plagiatsverdacht bekannt. 188.194.113.198 07:35, 5. Apr. 2011 (UTC)


Stellungnahme Matthias Pröfrock vom 06.Juli 2011

Erklärung von Matthias Pröfrock MdL Veröffentlicht am 06.07.2011

Matthias Pröfrock:

„Ich stehe für mein wissenschaftliches Fehlverhalten ein“

Zur Entscheidung der Eberhard Karls Universität Tübingen erklärte der Landtagsabgeordnete Matthias Pröfrock am 6. Juli 2011:

„Ich akzeptiere die Entscheidung der Eberhard Karls Universität Tübingen. Für mein wissenschaftliches Fehlverhalten stehe ich ein und trage die Verantwortung für die Fehler, die ich gemacht habe, indem ich nicht alle fremden Textstellen in meiner Dissertation korrekt gekennzeichnet habe.

Besonders wichtig ist mir zu betonen, dass ich diese Fehler nicht in der Absicht gemacht habe zu täuschen. Die Erklärung, fremde Textstellen als solche gekennzeichnet zu haben, habe ich damals bei Einreichung der Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen abgegeben. Auch die Universität Tübingen hat in ihrer Entscheidung eine Täuschungsabsicht nicht festgestellt.

Dass meine Doktorarbeit nach Auffassung der Universität wissenschaftliche Standards nicht erfüllt, ist ein harter Schlag für mich und niemand ärgert sich darüber mehr als ich selbst. Ich entschuldige mich bei der Universität, meinem Doktorvater, den betroffenen Autoren und bei allen, die ich enttäuscht habe; dafür bitte ich um Verzeihung.

Den Wählerinnen und Wählern, die mir bei der Landtagswahl das Direktmandat anvertraut haben, verspreche ich, alles daran zu setzen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Ich werde weiter engagiert und konstruktiv für das Wohl meines Wahlkreises und seiner Bürgerinnen und Bürger arbeiten.“

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