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Neurobiologische Wirkmechanismen antidepressiver Therapieverfahren

von Prof. Dr. Dr. Martin Ekkehard Keck

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[1.] Mek/Fragment 170 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-09-16 08:32:40 Hindemith
Erhardt 2003, Fragment, Gesichtet, Mek, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
MekHunter
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 170, Zeilen: 01 ff. (komplett)
Quelle: Erhardt 2003
Seite(n): 069-070, Zeilen: 069:22-32; 070:01-31
Abstinenzphase

Der beschriebene Sensitivierungseffekt wird durch weitreichende neuronale Prozesse vermittelt. Die wiederholte Stimulation der Dopaminfreisetzung durch Morphin bewirkt zunächst eine Anhebung der basalen Dopaminkonzentration im mesolimbischen System (Di Chiara & Imperato, 1986; Maisonneuve et al., 2001). Im Zuge der Anpassung des Organismus kommt es in der Folge zur erniedrigten basalen Dopaminfreisetzung in der Abstinenzphase (Acquas & Di Chiara, 1992; Spanagel & Shippenberg, 1993; Diana et al., 1995). Unter der Voraussetzung, dass Morphin weiterhin regelmäßig zugeführt wird, ist in diesem Zustand die dopaminerge Homöostase ausgeglichen (Koob & Le Moal, 2001). Wird jedoch die Droge nicht mehr verabreicht, kommt es zum längerfristigen Dopaminmangel im mesolimbischen System, der unter anderem für die psychischen Symptome des Entzugs verantwortlich gemacht wird. Die akute Abstinenzphase ist mit dem Auftreten eines negativen Affektes, wie Dysphorie, Ängstlichkeit, Anhedonie, Irritabilität und Depression vergesellschaftet (Heinz, 1999). Die genannten Symptome und ihre Ausprägung sind wahrscheinlich für die Motivation zur erneuten Drogeneinnahme entscheidend. Mit Hilfe intrakranieller Selbststimulation (ICSS) des medialen Vorderhirnbündels, welche in einer erhöhten Dopaminfreisetzung resultiert, konnte außerdem im Tiermodell gezeigt werden, dass die „belohnende" Schwelle der meisten suchterzeugenden Drogen während der Abstinenzphase erhöht ist. Mikrodialyse-Studien zeigen zudem, dass die Dopamin-Freisetzung im Nucleus accumbens während des Entzugs nach Opioid-Einnahme reduziert ist (Koob & Le Moal, 2001). Gleichzeitig konnte in elektrophysiologischen Messungen eine signifikante Reduktion der dopaminergen neuronalen Aktivität im Nucleus accumbens nachgewiesen werden (Diana et al., 1999). Es ist daher davon auszugehen, dass die chronische Verabreichung von Drogen die basale Dopaminfreisetzung durch neuroplastische Vorgänge unterdrückt, um die ständige Stimulation durch die Droge auszugleichen (Koob & Le Moal, 2001).

Diese Dysfunktion der Dopaminneurone ist prinzipiell reversibel und zeitlich länger vorhanden als die Entzugssymptome selbst: Während der Morphinabstinenz nach Sensitivierung ist die Dopaminfreisetzung bei Ratten nach 48 Stunden am niedrigsten; die vollständige Normalisierung tritt etwa nach einer Woche ein (Acquas & Di Chiara, 1992). Es ist derzeit davon auszugehen, dass während der exzessiven [Drogenverabreichung eine Herunterregulierung von postsynaptischen D2-Rezeptoren stattfindet.]


Di Chiara, G. & Imperato, A. (1986) Preferential Stimulation of dopamine release in the nucleus accumbens by opiates, alcohol, and barbiturates: studies with transcerebral dialysis in freely moving rats. Annals of the New York Academy of Sciences, 473, 367-381.

Maisonneuve, I.M., Warner, L.M. & Glick, S.O. (2001) Biphasic dose-related effects of morphine on dopamine release. Drug & Alcohol Dependence, 65, 55-63.

Acquas, E. & Di Chiara, G. (1992) Depression of mesolimbic dopamine transmission and sensitization to morphine during opiate abstinence. Journal of Neurochemistry, 58, 1620-1625.

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Koob, G.F. & Le Moal, M. (2001) Drug addiction, dysregulation of reward, and allostasis. Neuropsychopharmacology, 24, 97-129.

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Diana, M., Muntoni, A.L., Pistis, M., Melis, M. & Gessa, G.L. (1999) Lasting reduction in mesolimbic dopamine neuronal activity after morphine withdrawal. European Journal of Neuroscience, 11 , 1037-1041.

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4.5.2 Abstinenzphase

Der Sensitivierungseffekt wird von weiteren neuronalen Prozessen begleitet. Die ständige Stimulation der Dopaminfreisetzung durch Morphin bewirkt zunächst eine Anhebung der basalen Dopaminkonzentration im mesolimbischen System (DiChiara und Imperato 1986; Wise 1989; Maisonneuve et al. 2001). Im Zuge der Anpassung des Organismus an die neuen Verhältnisse kommt es zur erniedrigten basalen Dopaminfreisetzung in der Abstinenzphase (Acquas und DiChiara 1992; Spanagel et al. 1993; Diana et al. 1995). Unter der Voraussetzung, dass das Morphin weiterhin regelmässig zugeführt wird, ist in diesem Zustand die dopaminerge Homöostase ausgeglichen (Koob 2001). Wird jedoch die Droge nicht mehr verabreicht, kommt es zum längerfristigen Dopaminmangel im mesolimbischen System, der für die

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psychischen Symptome des Entzugs verantwortlich gemacht wird. Die akute Abstinenzphase ist mit dem Auftreten eines negativen affektiven Zustands sowie negativer Emotionen, wie Dysphorie, Ängstlichkeit, Anhedonie, Irritabilität und Depression, vergesellschaftet (Heinz 1999; Anraku et al. 2001). Die genannten Symptome und ihre Ausprägung sind wahrscheinlich für die Motivation zur erneuten Drogeneinnahme entscheidend. Mit Hilfe intrakranieller Selbststimulation (ICSS) des medialen Vorderhirnbündels konnte ausserdem im Tiermodell gezeigt werden, dass die „belohnende“ Schwelle der meisten suchterzeugenden Drogen während der Abstinenzphase erhöht ist (Naranjo et al. 2001). Darüberhinaus zeigen Mikrodialyse-Studien, daß die Dopamin-Freisetzung im Nucleus accumbens während des Entzugs nach Opioid-Einnahme reduziert ist (Acquas et al. 1991; Rossetti et al. 1992; Diana et al. 1995). Gleichzeitig konnte in elektrophysiologischen Messungen eine signifikante Reduktion der dopaminergen neuronalen Aktivität im Nucleus accumbens nachgewiesen werden (Diana et al. 1999). Man geht daher davon aus, daß die chronische Verabreichung von Drogen die basale Dopaminfreisetzung durch neuroplastische Vorgänge unterdrückt, um die ständige Stimulation durch die Droge auszugleichen (Koob 2001).

Diese Dysfunktion der Dopaminneurone ist prinzipiell reversibel und zeitlich länger vorhanden als die Entzugssymptome selbst: Während der Morphinabstinenz nach Sensitivierung ist die Dopaminfreisetzung bei Ratten nach 48 h am niedrigsten; die vollständige Normalisierung tritt etwa nach einer Woche ein (Acquas und DiChiara 1992). [...] Es ist daher anzunehmen, dass während der exzessiven Drogenverabreichung eine Herunterregulierung von postsynaptischen Dopamin-2-Rezeptoren stattfindet.


Di Chiara, G. und A. Imperato (1986). "Preferential Stimulation of dopamine release in the nucleus accumbens by opiates, alcohol, and barbiturates: studies with transcerebral dialysis in freely moving rats." Annals of the New York Academy of Sciences 473: 367-81 .

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Acquas, E. und G. Di Chiara (1992). "Depression of mesolimbic dopamine transmission and sensitization to morphine during opiate abstinence." Journal of Neurochemistry 58(5): 1620-5.

Spanagel, R. , O. F. Almeida und Shippenberg T. S. (1993). "Long lasting changes in morphine-induced mesolimbic dopamine release after ehrenie morphine exposure." Synapse 14(3): 243-5.

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Anraku, T., Y. lkegaya, Matsuki N. und Nishiyama N. (2001). "Withdrawal from chronic morphine administration causes prolonged enhancement of immobility in rat forced swimming lest." Psychopharmacoloqy 157(2): 217-220.

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Acquas, E., E. Carboni und G. Di Chiara (1991). "Profound depression of mesolimbic dopamine release after morphine withdrawal in dependent rats." European Journal of Pharmacology 193(1): 133-4.

Rossetti, Z. L., Y. Hmaidan, und Gessa G. L. (1992). "Marked inhibition of mesolimbic dopamine release: a common feature of ethanol, morphine, cocaine and amphetamine abstinence in rats." European Journal of Pharmacology 221(2-3): 227-34.

Diana, M., A. L. Muntoni, Pistis M., Melis M. und Gessa G. L. (1999). "Lasting reduction in mesolimbic dopamine neuronal activity after morphine withdrawal." European Journal of Neuroscience 11(3): 1037-41 .

Anmerkungen

Aus dem Diskussionsteil - ohne Quellennennung.

Sichter
Hindemith


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