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Finanzmarktsimulation mit Multiagentensystemen. Entwicklung eines methodischen Frameworks

von Michael Heun

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Mh/Fragment 142 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2012-04-08 09:26:11 Kybot
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mh, SMWFragment, Schmidt 2003, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Bummelchen, WiseWoman, Frangge, Hindemith
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 142, Zeilen: 1-27
Quelle: Schmidt 2003
Seite(n): 86,87,88, Zeilen:
[• Die Informationsverarbeitungskapazität ist beschränkt. Analog zur Informationsaufnahme existieren auch im Rahmen der Informationsver-arbeitung kapazitative Beschränkungen. Ein Mensch kann etwa sieben plus-minus]

zwei Bedeutungseinheiten, so genannte 'chunks', gleichzeitig verarbeiten.[FN 272] Nach dem 'capacity model' von Kahneman (1973) steht dem Menschen lediglich eine begrenzte Menge kognitiver Ressourcen zur Verfügung. Dabei können mehrere einfache Probleme auf einmal gelöst werden, da diese nicht alle Ressourcen belegen. Bei komplexen Entscheidungen hingegen werden sofort alle Ressourcen besetzt.[FN 273]

• Diese Beschränkungen führen zur Verwendung von Vereinfachungsstrategien. Aufgrund der kognitiven Beschränkungen des Informationsverarbeitungsprozesses werden zur Vereinfachung Verarbeitungsmechanismen in Form verschiedener Heuristiken gewählt. [FN 274] Diese Heuristiken können zu systematischen Verzerrungen individuellen Verhaltens führen.[FN 275]

• Der Verarbeitungsprozess erfolgt problemadäquat. Das Niveau der Informationsverarbeitung hängt direkt mit der Art der Entscheidung zusammen. Bei Routineentscheidungen ist das Informationsverarbeitungsniveau geringer als bei konstruktiven und reflektierten Entscheidungen.[FN 276] Für Entscheidungen am Finanzmarkt ist demnach ein tendenziell höheres Verarbeitungsniveau zu unterstellen.[FN 277] Auch die Variablen der Umweltkomplexität und die Art der bevorzugten Analyse beeinflussen das Informationsverarbeitungsniveau. Während Anhänger der Fundamentalanalyse mit maximaler Umweltkomplexität operieren, hängt die Komplexität der Entscheidung bei Verwendung der technischen Analyse von der vorherrschenden Marktsituation ab. Es kann gezeigt werden, dass das Informationsverarbeitungsniveau bei Vorliegen von niedriger bzw. hoher Umweltkomplexität bei Entscheidern mit einer hohen bzw. niedrigen kognitiven Struktur ähnlich ist.[FN 278]

• Die Informationsspeicherung verändert die Informationsverarbeitung im Laufe der Zeit durch Erfahrungsbildung. Sowohl der Informationsspeicherung als auch der Erfahrungsbildung kommt in die-[sem Zusammenhang eine besondere Rolle zu.]

[FN 272] Vgl. den berühmten Artikel von Miller (1956) sowie Payne (2002), S. 355f. und die Ausführungen in Abschnitt 3.2.2.4.

[FN 273] Vgl. Kahneman (1973), S. 7ff. und S. 178ff.

[FN 274] Ein alternativer Forschungsansatz verwendet anstelle von Heuristiken Entscheidungsnetzmodelle, bei denen der Entscheidungsablauf mittels Knoten und Kanten modelliert wird; vgl. dazu Grunert (1982), S. 44ff.; Bettman (1979), S. 229ff. sowie Haines (1974), S. 92ff.

[FN 275] Vgl. dazu die Ausführungen in Abschnitt 2.3.1.2 sowie die Systematisierung dieser Anomalien in Abbildung 3.11 dieser Arbeit.

[FN 276] Vgl. Hofacker (1985), S. 51. 277 In Abhängigkeit vom Vorwissen des Anlegers. 278 Vgl. Schroeder-Wildberg (1998), S. 102 sowie Borcherding (1983), S. 67f.

[S. 86]

ad b) Die Verarbeitungskapazität ist (wie bei der Informationsaufnahme) beschränkt.

Als gesichert kann gelten, daß ein Entscheidungsträger maximal sieben Infor-mationseinheiten („chunks") gleichzeitig verarbeiten kann.[FN 2] Die bereits bei der Informationsaufnahme angeschnittene Problematik des „Information overload" gilt gleichermaßen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die von KAHNEMAN 1973 aufgestellte Theorie des „capacity models".[FN 3] Nach dieser steht einem Individuum nur eine begrenzte Menge an kognitiven Ressourcen zur Verfügung, so daß mehrere einfache Probleme gleichzeitig bearbeitet werden können, da nicht alle Ressourcen belegt sind. Bei komplexen Entscheidungen dagegen sind sofort alle Ressourcen besetzt, so daß kein weiteres gleichzeitig abgearbeitet werden kann.[FN 4]

[FN 3] Vgl. KAHNEMAN (1973), S. 7ff. und S. 178ff.

[FN 4] Ein typisches Beispiel wäre eine Autofahrt bei gleichzeitiger Unterhaltung. Solange die Fahrleistung keine größeren kognitiven Ressourcen verbraucht (z.B. bei einer Fahrt auf einer wenig befahrenen Landstraße) ist auch eine komplexe Unterhaltung gleichzeitig möglich; dies gilt aber nicht unbedingt, wenn statt der Landstraße eine Fahrt durch eine unbekannte Stadt zur rush-hour erfolgt.

[S. 87]

ad c) Als Folge dieser Beschränkung kommt es zu Vereinfachungsstrategien bei der Problemlösung.

Zur Vereinfachung der Informationsverarbeitung werden Verarbeitungsme-chanismen gewählt, die diesen Kapazitätsbeschränkungen Rechnung tragen. Diese werden typischerweise „rules of thumb" oder Heuristiken genannt. Heuristiken können zu einer systematischen Verzerrung der Ergebnisse führen („biases").[FN 1]

Ein anderer Forschungsansatz geht von einem Informationsverarbeitungsprozeß aus, der statt mit Heuristiken mit Hilfe von Entscheidungsnetzmodellen beschrieben wird, d.h. der Entscheidungsablauf wird mittels Knoten und Kanten modelliert.[FN 2] Diese Vorgehensweise ermöglicht es, einen Entscheidungsablauf transparent zu machen, um in weiteren Entscheidungen in ähnlicher Weise vorzugehen. Diese Netzmodelle haben auch Eingang in die Entscheidungstheorie gefunden.[FN 3]


ad d) Der Verarbeitungsprozeß erfolgt problemadäquat.

Das Informationsverarbeitungsniveau ist direkt mit dem Entscheidungstypus korreliert: Bei Routine- und stereotypen Entscheidungen wird die Informationsverarbeitung auf einem niedrigeren kognitiven Niveau verlaufen als bei reflektierten und konstruktiven Entscheidungen.[FN 4] Demzufolge ist das Informationsverarbeitungsniveau bei Entscheidungen am Aktienmarkt tendenziell hoch, wobei dies je nach Vorwissen des Entscheiders variieren kann. Eine weitere mögliche Variable, die das Informationsverarbeitungsniveau beeinflussen kann, ist die Umweltkomplexität und die Art der gewählten Aktienanalyse: Fundamentalanalytiker operieren mit maximaler Umweltkomplexität, wenn sie bei ihrer Entscheidung alle relevanten Informationen berücksichtigen, während bei der technischen Analyse die Komplexität der Entscheidung von der jeweiligen Marktsituation abhängt. Da gezeigt werden konnte, daß das Informationsverarbeitungsniveau mit zunehmender Umweltkomplexität zunächst ansteigt, nach Erreichen eines Maximums aber wieder abnimmt, ist es möglich, daß bei niedriger und bei hoher Umweltkomplexität die Informationsverarbeitung bei Entscheidern mit einer hohen oder mit einer niedrigen kognitiven Struktur ein ähnliches Niveau erreicht.[FN 5]

[FN 1] Für einen Überblick über diese biases s. Kapitel I11.2.

[FN 2] Ausführlich werden Netzwerkmodelle beschrieben in GRUNERT (1982), S. 44ff.; BETTMAN (1979), S. 229ff.; HAINES (1974), S. 92ff.

[FN 3] Vgl. die SDS-Theorie, Kap. I11.3.2.4.

[FN 4] Vgl. HOFACKER (1985), S. 51.

[FN 5] Vgl. SCHROEDER-WILDBERG (1998), S. 102; BORCHERDING (1983), S. 67f.

[S. 88]

ad e) Die Informationsspeicherung trägt zu einer veränderten Informa-tionsverarbeitung im Zeitablauf bei (Erfahrungsbildung).

Dieser Aspekt wird in einem eigenen Kapitel behandelt (II 3.3.4), da ihm im gewählten Kontext eine besondere Rolle zukommt.

Anmerkungen

Fortsetzung von S. 141. Der Text wird modifiziert übernommen, folgt aber der grundsätzlichen Struktur. Es findet sich ein Verweis auf die Quelle auf der Vorseite in FN 270: "Vgl. Schmidt (2003), S. 77ff. sowie Hofacker (1985), S. 34ff. und die dort zitierte Literatur." Dieser Verweis bezieht sich wohl auf die Liste, die auch in diesem Fragment dokumentiert ist, aber der Verweis ist mit "vgl." eingeleitet und erwähnt auch noch einen anderen Autor.

Sichter
WiseWoman


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