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Mhe/Fragment 031 07

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 31, Zeilen: 7-10,(11-15), 16-27,(27-29), 30-36
Quelle: Merkel 1994
Seite(n): 373, 375-376, Zeilen: 373: 8-20, (20-23), 24-31; 375: 35-40, (41-42) - 376: (1-4)
In den Sphären der Konsumtion und Lebensweise hatte sich die DDR lange an den Mustern der westlichen Welt orientiert. Delikat- und Exquisitläden, die Produktion von Farbfernsehern, die Einrichtung von Intershops zählten zu den Versuchen, die die immer spürbarere Stagnation und individuelle Perspektivlosigkeit kompensieren sollten.

„Seit den siebziger Jahre stagnierte die Entwicklung im Reproduktionsbereich. Es wurde immer noch nach profanen Dingen des alltäglichen Bedarfs angestanden, nach Kleinigkeiten herumgerannt; jede Reparatur wurde zu einer kleinen Katastrophe. Die Mängel in der Versorgung, im Gesundheitswesen, der Altenpflege, im Dienstleistungsbereich wurde notgedrungen durch die Mehrarbeit von Frauen und Männern kompensiert.“ (Merkel 1994, S.376)

Nachdem ab 1968 die Pille für die Frauen in der DDR zugänglich war und 1972 durch einen Volkskammerbeschluß das Recht auf straffreie Abtreibung garantierte wurde, spitzte sich auch die Diskussion über die Geburtenunfreudigkeit der berufstätigen Frauen zu. Daraufhin setzte in den siebziger Jahren eine Welle von sozialpolitischen Maßnahmen ein: Erhöhung des Kindergelds, Wohnungsbauprogramm, massive Erhöhung der Kinderkrippen - und Kindergartenplätze, zinslose Kredite für Ehepaare, die sich mit jeder Geburt eines Kindes verringerten, Geburtenbeihilfe in Höhe von 1000.- Mark für das erste Kind und Steigerung bei den folgenden, Babyjahr und bezahlte Freistellung bei Krankheit der Kinder usw.. Die Maßnahmen hatten dann auch den gewollten Effekt, im Babyboom der siebziger Jahre. Damit einher ging eine offensive Propagierung der sozialistischen Kleinfamilie, in der die Mutter ihren traditionellen Platz zugewiesen bekam. „Die Bilder von spielenden Vätern, zärtlichen Eltern, umsorgten Krippenkindern und lebensrettenden Ärzten inmitten einer Betonmodernität verheißen Wohlstand und Stabilität, den Sieg des sozialistischen Way of Life“ (Merkel 1994, S.373)

Jedoch entsprach dieses harmonische Bild der vollständigen Mutter-Vater-Kind-Familie bereits in den siebziger Jahren nicht mehr ganz der Realität. Seit Beginn der siebziger Jahre wurde in Berlin jedes dritte Kind von einer unverheirateten Frau geboren. Die sozialpolitischen Maßnahmen begünstigten ungewollt das Zusammenleben ohne Eheurkunde, da sie die alleinerziehenden Mütter bei der Krankheit der Kinder finanziell begünstigten und auch bei der Vergabe von Wohnungen diese als Problemfälle bevorzugt wurden.

[Seite 373]

Nachdem 1968 die Pille endlich auch für die DDR-Frauen zugänglich wurde und 1972 das Recht auf freie Abtreibung durch die Volkskammer garantiert wurde, spitzten sich natürlich auch die Diskussionen über die Geburtenunfreudigkeit berufstätiger Frauen zu. Die in den siebziger Jahren dann einsetzende Welle von sozialpolitischen Maßnahmen - Erhöhung des Kindergeldes, Wohnungsbauprogramm und massive Erhöhung von Kinderkrippen- und Kindergartenplätzen, zinslose Kredite für junge Eheleute, die "abgekindert" werden konnten, Geburtenbeihilfe in Höhe von 1000,- M für das erste Kind und Steigerung bei den folgenden, Babyjahr und bezahlte Freistellung bei Krankheit der Kinder usw. - zielten bewußt auf dieses Problem und hatte dann auch den gewollten Effekt: den Babyboom der siebziger Jahre. Damit einher ging eine offensive Propaganda der heilen sozialistischen Kleinfamilie, die den Müttern einen traditionellen Platz zuwies. Die Bilder von spielenden Vätern, zärtlichen Eltern, umsorgten Krippenkindern und lebensrettenden Ärzten inmitten einer Betonmodernität verheißen Wohlstand und Stabilität, den Sieg des sozialistischen way of life.

Doch das in den Illustrierten ausnahmslos festgeschriebene harmonisierende Bild von der vollständigen Vater-Mutter-Kind-Familie entsprach schon damals nicht der Realität, in der sich alternative Lebensformen immer mehr durchzusetzen begannen. Seit Anfang der siebziger Jahre wurde in Berlin jedes dritte Kind von einer unverheirateten Frau geboren. Ungewollt förderten die sozialpolitischen Maßnahmen ein Zusammenleben ohne Trauschein, u.a. weil sie die alleinerziehenden Mütter bei Krankheit der Kinder finanziell begünstigten, aber auch, weil sie sie bei der Vergabe von Wohnraum als Problemfälle akzeptierten.

[Seite 375]

In der Sphäre der Konsumtion und Lebensweise hatte sich die DDR-Gesellschaft längst an den imaginären Mustern der westlichen Welt orientiert. Der Besuch des Intershops - auch ohne Westgeld in den Taschen - war zu einer Art Sonntagsvergnügen avanciert. Auch die Delikat-und Exquisitläden, die Produktion von Farbfernsehern und Heimcomputern zählen wohl zu den Versuchen, die immer deutlicher spürbare Stagnation und individuelle Perspektivlosigkeit zu kompensieren.

Seit den siebziger Jahren stagnierte die Entwicklung im Reproduktionsbereich. Es wurde immer noch nach profanen Dingen des alltäglichen Bedarfs angestanden,

[Seite 376]

nach Kleinigkeiten herumgerannt; jede Reparatur wurde zu einer kleinen Katastrophe. Die Mängel in der Versorgung, im Gesundheitswesen, der Altenpflege, im Dienstleistungsbereich wurden notgedrungen durch die Mehrarbeit von Frauen und auch Männern kompensiert.

Anmerkungen

Statt zweier Zitate von Merkel und Text von Mhe handelt es sich hier durchgehend um zum Teil unverändert gebliebenen, zum Teil konsequent nur minimal bearbeiteten Text von Merkel (z.B. wird aus "Zusammenleben ohne Trauschein" im Original bei Mhe "Zusammenleben ohne Eheurkunde"). Art und Umfang der Übernahmen sind bis auf die expliziten Zitate nur unzureichend gekennzeichnet.

Sichter
(Graf Isolan) Schumann

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