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Mhe/Fragment 054 01

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 54, Zeilen: 1-9, 15-23
Quelle: Bertram 1981
Seite(n): 36, 38, Zeilen: 36: 12 ff., 30 ff.; 38: 17 ff., 29 ff.
[Den von Kohn nachgewiesenen Zusammenhang von Schichtzugehörigkeit und Werten führt er darauf zurück, daß die Kinder in den oberen Schichten in der Regel eine bessere Ausbildung erhalten und sie dadurch Berufspositionen, mit einem hohen Maß an] Arbeitskomplexität und wenig Routine sowie geringer Kontrolle erlangen. Ausbildung und Berufsposition verstärken somit die in der häuslichen Erziehung entwickelte Fähigkeit zur Selbststeuerung und Autonomie. In den unteren Schichten erhalten Kinder dementsprechend eine allgemein schlechtere Ausbildung, erlangen dann Berufe mit einem geringen Maß an Autonomie und geringeren Handlungsspielräumen und die in der Erziehung angelegte Tendenz zur Konformität mit Autoritäten wird verstärkt.

So erklärt er auch den Autoritarismus der unteren Schichten als Folge mangelnder schulischer Ausbildung und eingeschränkter bzw. fehlender beruflicher Autonomie. Dieses Modell ist nun wesentlich vereinfacht in bezug auf sein Ausgangsmodell.

[...]

Das komplexe Ausgangsmodell der Sozialstruktur wird nun auf soziale Schichtung reduziert. Er [Kohn] begründet die Reduzierung damit, daß die Schichtzugehörigkeit die größte Bedeutung für die Einstellungen hat und daß der von Kohn nachgewiesene Einfluß auch weitgehend unabhängig von den anderen sozialstrukturellen Faktoren ist. Zu diesem Ergebnis kommt er durch einen Vergleich der Korrelationen der sozialstrukturellen Dimension mit den elterlichen Wertvorstellungen unter Kontrolle der Schichtzugehörigkeit. Obwohl die durch Schicht kontrollierte Korrelation mit den sozialstrukturellen Variabeln auf dem 1%-Niveau signifikant ist, werden die Variabeln nicht mehr in die weitere Analyse mit einbezogen (siehe Kohn 1977, S.71).

[Seite 36]

Den hier nachgewiesenen Zusammenhang von Schichtzugehörigkeit und Werten führt Kohn (1977:132) auf einen kumulativen Effekt der Ausbildung und der beruflichen Erfahrung zurück, so daß am Ende die bekannte Zirkelthese wie bei Rolff oder Hurrelmann (1975) steht:

Weil Kinder und Jugendliche der oberen Schicht im allgemeinen eine bessere Ausbildung erhalten, erreichen sie auch Berufspositionen, die bei einem hohen Maß an Arbeitskomplexitat geringer Routine und geringer Kontrolle unterliegen. Ausbildung und Berufsposition verstärken die bereits in der Erziehung im Elternhaus entwickelte Tendenz zur Autonomie oder Selbststeuerung. Weil Kinder und Jugendliche der unteren Schicht im allgemeinen eine schlechtere Ausbildung erhalten, ihr Beruf ihnen wenig Handlungsspielräume eröffnet, wird die bereits in der familiären Sozialisation angelegte Tendenz zur Konformität mit Autoritäten verstärkt.

Damit glaubt Kohn gleichzeitig auch den „working class-Autoritarismus“ (1977:202) erklärt zu haben. Für ihn ist dieser Autoritarismus [...] Ausdruck konformistischer Werte und Orientierungen als Folge der mangelnden schulischen Ausbildung und fehlenden beruflichen Autonomie. Das von Kohn für gültig gehaltene Kausalmodell ist nun wesentlich einfacher als sein Ausgangsmodell.

[Seite 38]

Prüft man die Strategie, mit der Kohn sein zunächst sehr komplexes Modell der Sozialstruktur mit den Dimensionen Region, Religion, „Rasse” und Wohnort auf ein eindimensionales Modell sozialer Schichten (class) reduziert, zeigt sich, daß die Reduktion aus dem Vergleich der Korrelationen der sozialstrukturellen Dimensionen mit den elterlichen Werten bei Partialisierung der Schichtungsvariablen erfolgt.

[...] Ohne Zweifel zeigt diese Analyse, daß die Schichtzugehörigkeit die größte Bedeutung für die Einstellungen hat und daß der hier nachgewiesene Einfluß auch weitgehend unabhängig von den demographischen Variablen ist. In der nun folgenden Analyse werden die demographischen Faktoren aber gar nicht mehr berücksichtigt, obwohl die nachgewiesene partialisierte Korrelation auf dem 1%-Niveau signifikant ist. Allein der Nachweis, daß die Schichtzugehörigkeit auch unabhängig von den anderen Faktoren Varianz erklären kann und erklärungskräftiger ist als die anderen Variablen, genügt Kohn, um diese anderen Variablen nicht mehr zu diskutieren.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 053 13.

Der Vergleich zeigt, dass der Text zwar einerseits stärker umformuliert wurde, als Textvorlage aber erkennbar Bertram diente, der freilich erst im anschließenden Absatz und dort für ein ausgewiesenes wörtliches Zitat als Quelle genannt wird.

Dass die Verf. auf den Seiten 53 und 54 Kohns Modell nicht eigenständig referiert, sondern ihre Ausführungen dazu wesentlich aus Bertrams Kohn-Rezeption kompiliert, wird nicht deutlich.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

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