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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 036 17 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-14 23:54:39 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 17-40
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 328, 329, 330, Zeilen: 328: 30 ff.; 329: 38 ff.; 330: 5 ff.
Die hypothetische Annahme muss sich an Erfahrungstatsachen verifizieren. Das heißt, wenn Ego sein Verhalten an der Erwartung von Alter (hypothetisch) orientiert, so muss nicht notwendigerweise eine Übereinstimmung zwischen Egos und Alters Erwartungen vorhanden sein. Handlungsprozesse sind nur als wechselseitiges selektives Erleben und Handeln vorstellbar, denn jeder selektiert auf seine Weise. Die dadurch entstehenden Wechselwirkungen beziehen sich zum einen darauf, dass das Verhalten des einen zur Ursache des Verhaltens des anderen wird und dass zum anderen selektive Erwartungen auf selektierte Erwartungen treffen. Es handelt sich dabei um eine doppelte Kontingenz. Jeder Handelnde ist gleichzeitig eine mit anderen Personen handelnde (ausgerichtet auf die Erwartung des Anderen) und Objekt seiner Orientierungen (ausgerichtet auf die eigenen Erwartungen). Beide Seiten werden als gleichzeitige selektive Prozesse betrachtet und mehr oder weniger kontrolliert. Das Grundproblem der Systembildung besteht nun darin, wie die zweifach gekoppelte Selektivität zu koordinieren und stabilisieren ist (vgl. Luhmann 1974: 92ff).

Die umweltbedingte Reduktion von Systemen unterteilt sich in die Differenz von Umwelt und System, die Abgrenzung zur Umwelt und in die Generalisierung von Verhaltenserwartungen.

Luhmann schreibt der Umwelt stets einen höheren Komplexitätsgrad zu als jedem anderen System. Nach dieser Grundannahme können Systeme nur in ihrer Relation zur Umwelt identifiziert, begriffen und gesteuert werden. Ihre Bestandserhaltung hängt von der Art und Weise ab, wie die Organisationen die Komplexität der Umwelt absorbieren. Demnach müssen Systeme Anpassungen [an die Erfordernisse der Umwelt leisten, um die Systemzwecke an die Veränderungen der Umwelt anzupassen und zu versuchen, die Bezugspunkte für die Orientierung der internen Zweckmotivation durch funktionale Äquivalente auszugleichen (vgl. Stichweh 1999: 209f).]

Die hypothetische Annahme muß sich an Erfahrungstatsachen verifizieren. Wenn folglich Ego sein Verhalten an der Erwartung von Alter (– hypothetisch –) ausrichtet, so muß es nicht (notwendigerweise) zur Übereinkunft kommen, d. h. zur Übereinstimmung der Erwartungen (Egos) von Erwartungen (Alters). Handlungsprozesse sind nur als wechselseitig selektives Erleben und Handeln vorstellbar: Jeder selektiert auf seine Weise. Dadurch entstehen Wechselwirkungen nicht nur in dem Sinne, daß das Verhalten des einen zur Ursache für das Verhalten eines anderen wird (und umgekehrt), sondern daß auch selektive Erwartungen auf selektierte Erwartungen stoßen müssen. Es handelt sich hierbei um eine doppelte Kontingenz, bei deren Struktur nicht die Faktizität, sondern die Selektivität des Faktischen zum Tragen kommt: [...]

[Seite 329]

Jeder Handelnde ist gleichzeitig beides; mit anderen handelnde Person (= ausgerichtet auf die Erwartungen »Alters«) und Objekt seiner Orientierung (= ausgerichtet auf eigene Erwartungen). Auf beiden Seiten werden also (gleichzeitig) selektive Prozesse ins Auge gefaßt und »recht oder schlecht kontrolliert«. Das Grundproblem der Systembildung besteht nun darin, in welchem Sinne eine solche »zweifach gekoppelte Selektivität« zu koordinieren und zu stabilisieren ist.

[Seite 330]

ad b) Umweltbedingte Reorganisierung von Systemen kann gesehen werden

(1) in der Differenz von Umwelt und System

(2) in der Abgrenzung zur Umwelt und

(3) in der Generalisierung von Verhaltenserwartungen.

(1) [...] Luhmann vertritt die letztere Position, indem er der Umwelt stets einen wesentlich höheren Komplexitätsgrad als jedem anderen System zuschreibt. Diese Grundannahme [...] zieht Konsequenzen nach sich: Systeme können nur »in Relation zu ihrer Umwelt identifiziert, begriffen und gesteuert werden«, wobei ihre »Bestandserhaltung« von der Art und Weise der »Absorption von Umweltkomplexität« (durch Organisationen) abhängt. Systeme müssen folglich auf jene Weise Anpassungsleistungen an die Umwelterfordernisse erbringen, daß sie die Systemzwecke den Umweltänderungen anpassen und die Orientierungsbezugspunkte interner Zweckmotivationen durch funktionale Äquivalente – d. h. mindestens gleichwertige Ersatzleistungen für aufgegebene Zwecke (vgl. Zweckbegriff, S. 162 ff.) – auszugleichen versuchen.

Anmerkungen

Die Quelle ist unmittelbar zuvor genannt (für einen Satz zu Luhmanns Kontingenzverständnis) - dass auch der darauf folgende Text ebenfalls daraus entnommen wurde, bleibt Rezipienten jedoch mangels Kennzeichnung verborgen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20170202212246

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