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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 037 05 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-18 17:42:10 Schumann
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 37, Zeilen: 5-32
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 331, 332, 333, Zeilen: 331: letzte sechs Zeilen; 332: 1 ff.; 333: 1 ff.
Die Abgrenzung zur Umwelt erfolgt nach Sinngrenzen, d.h. dass beim Zusammentreffen mehrerer Partner zwangsläufig Systeme gebildet werden müssen, die aufgrund spezifischer Selektionskriterien eine Abgrenzungsform von ihrer Umwelt vornehmen müssen (vgl. Stichweh 1999: 210). Bereits durch die Aufnahme von Kontakten wurden Beziehungszusammenhänge gestiftet, die eine wechselseitige Bestimmung des Möglichen (ihrer Handlungen) voraussetzten (=abgestimmte Selektivität und Reduktionsweisen). Die durch diese Selektionsleistungen entstandenen Sinngrenzen sind das Ergebnis einer Abgrenzung von der Umwelt. Die Entstehung von Sozialsystemen impliziert nicht notwendigerweise deren Erhaltung. Dazu sind Organisationsleistungen erforderlich, welche die systeminterne Orientierung auf die Umwelt bei gleichzeitiger Verarbeitung der Umwelteinflüsse (Reduktionsleistung) mit den systemexternen Bezugspunkten der Orientierung (Umwelt-Erwartungen) und deren angemessene Einarbeitung in das System (Anpassungsleistungen) verbinden (vgl. Luhmann 1974 :26f).

Die Stabilisierung der normativen und kognitiven Erwartungen ist die wichtigste Funktion der organisatorisch garantierten Einhaltung von gegenseitig erwartbaren Verhaltensweisen. Luhmann betont, dass die Chancen zur Gene- ralisierbarkeit von Verhaltenserwartungen umso mehr gegeben sind, je intensiver die Wechselwirkungsprozesse zwischen System und Umwelt werden. So ist der Informationsaustausch nicht nur die Voraussetzung für eine sinnhafte Selektionsleistung, sondern ermöglicht auch die Abstimmung gegenseitiger Erwartungen in einem weiteren sozialen Raum. Dadurch wird die Systemrationalität komplexer und die Beziehungen zur Umwelt enger, was wiederum zu effizienteren Selektions- und Organisationsleistungen führt (vgl. Luhmann 1974: 20).

Luhmann hat um die „Einheit in der Mannigfaltigkeit“ sinnvoll zu erfassen, eine nach Systemebenen differenzierte auf gesellschaftliche Entwicklungsformationen bezogene Analyse sozialer Systemtypen vorgenommen.

Den Grundgedanken der Abgrenzungs- oder: Limitationsproblematik könnte man folglich dahingehend zusammenfassen (vgl. oben: a [3: Kontingenzen]), daß beim Zusammentreffen mehrerer Partner zwangsläufig Systeme gebildet Werden, die aufgrund ganz spezifischer Selektionskriterien eine Abgrenzungs-Strategie von ihrer Umwelt vornehmen müssen: Schon die Aufnahme von Kontakt »stiftet« Beziehungszusammenhänge, die als Selektionsleistungen in

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dem Sinne zu verstehen sind, daß sie eine »Interdependenz ihrer Möglichkeitsräume« die »wechselseitige Bestimmung des Möglichen« (ihrer Handlungen) voraussetzt (= »abgestimmte Selektivität« und »Reduktionsweisen«). Die auf der Grundlage dieser Selektionsleistungen entstandenen Sinngrenzen - die sich in der »Sozialsystemgeschichte« instituieren - können nur durch Abgrenzbarkeit von der Umwelt entstehen. Aus der Entstehung von Sozialsystemen folgt nicht notwendigerweise auch deren Erhaltung: Die Aufrechterhaltung der doppelkontingenten Selektivitätsleistungen in der Relation: System/Umwelt (- nach dem Ego-Alter-Schema -) setzt Organisationsleistungen voraus, die

a) systeminterne Orientierungen auf die Umwelt bei gleichzeitiger sinnhaft bestimmter Verarbeitung von Umwelteinflüssen (Reduktionspotential) mit

b) systemexternen Bezugspunkten der Orientierung (Umwelt-Erwartungen) und deren adäquate Einarbeitung in das System (Anpassungsleistungen) zu verbinden verstehen.

[...]

[...] Die wichtigste Funktion organisatorisch garantierter Einhaltungen von bestimmten gegenseitig erwartbaren Verhaltensweisen besteht in der normativen und kognitiven Stabilisierung von Erwartungen: [...]

[...]

Luhmann will damit betonen, daß die Chancen zur Generalisierbarkeit von Verhaltenserwartungen - die an sich z. B. in Form von Rechtsetzung schon ein Merkmal der »Evolutionsträchtigkeit« beweist - um so mehr gegeben sind, je »intensiver« die Wechselwirkungsprozesse zwischen System und Umwelt werden: Informationsaustausch ist die Voraussetzung nicht nur für sinnhafte Selektionsleistungen, sondern auch für Möglichkeiten der Abstimmung gegen" seitiger Erwartungen in einem - über die engeren Systemgrenzen hinaus-

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gehenden - weiteren »sozialen Raum«. Dadurch wird zwar die Systemrealität komplexer (und konfliktträchtiger), aber auch die Beziehungen zur Umwelt enger, die wiederum effizientere Selektions- und Organisationsleistungen - sowohl nach »innen« als auch im Gesellschaftssystem - ermöglichen können. [...]

[...]

Um einerseits gegen den marxistischen Einfluß einer theoretischen Total-Vergesellschaftung alles Sozialen in der Soziologie anzutreten, andererseits jedoch die »Einheit in der Mannigfaltigkeit« (Luhmann) sinnvoll erfassen zu können, empfiehlt sich zuerst eine systemdifferentielle (A) - nach Systemebenen differenzierte - und dann eine evolutionäre (B) - auf gesellschaftliche Entwicklungsformationen bezogene - Analyse von sozialen Systemtypen vorzunehmen2.


2 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle (zuletzt in der Mitte der Vorseite und als nächstes Mitte der Folgeseite genannt).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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