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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 041 07 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-05-02 20:45:14 Schumann
Fragment, Gesichtet, Horster 2003, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 41, Zeilen: 7-22, 26-40
Quelle: Horster 2003
Seite(n): 270, 271, Zeilen: 270: li. Sp. 52 u. re. Sp. 1 ff., 19 ff., 47 ff.; 271: li Sp. 1 ff., 13 ff. u. re. Sp. 3 f.
Habermas unterteilt jede Gesellschaft in zwei Sphären. Zum einen in die durch Kommunikation bestimmte Lebenswelt und zum anderen in die durch instrumentelle Rationalität bestimmte Welt der Systeme. Habermas hat sich neben Parsons auch intensiv mit der Systemtheorie von Luhmann auseinandergesetzt und versucht diese in seine Gesellschaftstheorie zu integrieren. Die Lebenswelt definiert er als Ergänzung zu den Systemen. Sie enthält die Vielschichtigkeit von Hintergrundüberzeugungen, zu denen sowohl die individuellen Fertigkeiten als auch die kulturellen Erbschaften gehören. In Anlehnung an Max Weber ist bei Habermas soziales Handeln mit einer Orientierung an Normen verbunden, wobei die handlungsorientierenden Normen kollektive Verhaltenserwartungen sind (vgl. Honneth 1999: 243). Er sieht Handeln als zunehmend institutionalisiert an und die daran geknüpften Erwartungen stellen einen wichtigen Ausschnitt kultureller Tradierungen dar. Dabei handelt es sich um einen Kontext von Symbolen, mit dem das umgangssprachlich artikulierbare Weltbild sozialer Gruppen festgelegt wird, die den möglichen Kommunikationsrahmen in einer solchen Gruppe herstellen. [„Die Lebenswelt bildet somit das Flussbett an intuitiv vertrautem Orientierungswissen, in dem der Strom der sozialen Kommunikationsprozesse sich ohne die Gefahr der Stockung fortbewegen kann“ (Honneth 1999:243).]

Damit wird deutlich, dass Habermas mit dem Begriff der Lebenswelt nicht nur das soziale Handeln schlechthin meint, sondern das kommunikative Handeln, das sprachliche Handeln. Um solche kommunikativen Handlungen bzw. soziale Interaktionen vollziehen zu können, müssen sich die Gesellschaftsmitglieder auf eine von ihnen geteilte Lebenswelt beziehen. Das heißt, dass kommunikative Handlungen auf den Kontext von Handlungsnormen und Werten, welche die Gesellschaft ausmachen, bezogen werden. Dieser Kontext ist bei Habermas die Lebenswelt. Ohne einen solchen normativen Hintergrund von soziokulturell eingeübten Lebensformen, Rollen und Routinen hätte die einzelne Handlung etwas unbestimmtes [sic]. Insofern besteht der lebensweltliche Hintergrund aus individuellen Fertigkeiten, dem intuitiven Wissen, bestimmte Situationen zu bewältigen und dem intuitiven Wissen, worauf man sich in einer Situation verlassen kann. Dieses entspringt aus den sozial eingelebten Praktiken und aus den einfach bekannten Hintergrundüberzeugungen. Das Wissen macht die Lebenswelt aus.


Honneth, Axel (1999) Jürgen Habermas. In: Kaesler, Dirk (Hg.) Klassiker der Soziologie 2. Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu., München, 230-251.

[Seite 270, li. Sp.]

[...] Jede moderne

[Seite 270, re. Sp.]

Gesellschaft hat zwei Sphären. Auf der einen Seite steht eine durch Kommunikation bestimmte Lebenswelt, auf der anderen die durch instrumentelle Rationalität bestimmte Welt der Systeme, die ein Eigenleben entwickelt und die Menschen beherrscht. Hier finden wir erste Übernahmen aus den Analysen der Luhmannschen Systemtheorie, die H. nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Luhmann, [sic] in seine Gesellschaftstheorie zu integrieren suchte. Die Lebenswelt ist in H.’ Gesellschaftstheorie ein Komplement zu den Systemen. [...] Sie enthält eine umfassende Komplexität von Hintergrundüberzeugungen, zu denen nicht nur die individuellen Fertigkeiten, sondern auch die kulturellen Erbschaften gehörten. »Soziales Handeln«, führt H. in Anlehnung an Max Weber fort, »ist eine Befolgung von Normen. Handlungsbestimmende Normen sind kollektive Verhaltenserwartungen. Diese Erwartungen sind ein für das institutionalisierte Handeln relevanter Ausschnitt der kulturellen Überlieferung. Diese ist ein Zusammenhang von Symbolen, der das umgangssprachlich artikulierbare Weltbild einer sozialen Gruppe und damit den Rahmen für mögliche Kommunikationen in dieser Gruppe festlegt.« Und hier schon wird eine für die H.sche Theoriebildung wichtige Vorentscheidung getroffen, daß der Bezugsrahmen für die Entfaltung des Begriffs der Lebenswelt nicht das soziale Handeln schlechthin sei, sondern das kommunikative Handeln, das sprachliche Handeln also. [...]

[...] Die Menschen vollziehen kommunikative Handlungen bzw. soziale Interaktionen. Damit diese möglich sind und nicht mißlingen, müssen sich die Gesellschaftsmitglieder auf eine von ihnen geteilte Lebenswelt beziehen. Und gleichviel, ob die kommunikativen Handlungen eine explizit

[Seite 271, li. Sp.]

sprachliche Form annehmen oder nicht, sind sie auf einen Kontext von Handlungsnormen und Werten bezogen, die die Gesellschaft ausmachen. Diesen Kontext nennt H. Lebenswelt. Ohne diesen normativen Hintergrund von Routinen, Rollen, soziokulturell eingeübten Lebensformen oder kurz: den Konventionen, die alle in Sprache »konserviert« sind, bliebe die einzelne Handlung unbestimmt. [...] »Der lebensweltliche Hintergrund besteht aus individuellen Fertigkeiten, dem intuitiven Wissen, wie man mit einer Situation fertig wird, und aus sozial eingelebten Praktiken, dem intuitiven Wissen, worauf man sich in einer Situation verlassen kann, nicht weniger als aus den trivialerweise gewußten Hintergrundüberzeugungen.«

[Seite 271, re. Sp.]

[...] Dieses Wissen macht das aus, was H. Lebenswelt nennt.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Arbeit an keiner Stelle genannt ist.

Bei Honneth (1999) finden sich diese Parallelen zum hier untersuchten Text nicht; dessen in eckige Klammern gesetztes Zitat wird nur zur Darstellung des Kontexts wiedergegeben und geht nicht in die Zeilenzählung mit ein.

In der Quelle Horster (1999), die auf der Folgeseite angeführt wird, wird Habermas auf S. 48 mit dem Aufsatz "Was heißt Universalpragmatik?" (1976) u.a. wie folgt zitiert:

"Kommunikative Handlungen sind, gleichviel ob sie eine explizit sprachliche Form annehmen oder nicht, auf einen Kontext von Handlungsnormen und Werten bezogen. Ohne den normativen Hintergrund von Routinen, Rollen, soziokulturell eingeübten Lebensformen, kurz: Konventionen, bliebe die einzelne Handlung unbestimmt."

Ein Vergleich mit Horster (2003) ergibt jedoch, dass die später erschienene Publikation die wahrscheinlichere Quelle ist, da in dem Zitat nicht davon die Rede ist, dass der Kontext von Handlungsnormen und Werten die Gesellschaft ausmacht und Habermas diesen als "Lebenswelt" bezeichnet.

Bei der Übernahme werden auch Inhalte als eigene Rezeptionsleistungen präsentiert, die in der Quelle als Habermas-Zitate ausgewiesen sind.

An das Fragment schließt sich unmittelbar auf der Folgeseite ein (achtzeiliges) wörtliches Habermas-Zitat an, das sich in gleicher Abgrenzung auch in der Quelle (S. 271, re. Sp., Z. 4 ff.) findet.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann


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