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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 085 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-02-14 15:17:25 Schumann
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 85, Zeilen: 1-10, 15-21, 101-110
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 134, 135, Zeilen: 134: 1 ff., 17 ff., 23 ff., 28 ff.; 135: 1 ff.
Sie stellt eher einen theoretischen Orientierungsrahmen für untersuchungswerte Aspekte der Netzwerkperspektive dar, da meist nur einzelne soziale Phänomene charakterisiert und nur vereinzelt auch Hypothesen entwickelt werden.

3.3.4 Kognitionen, Handlungsspielräume und Netzwerkstruktur

Wie bereits erwähnt [sic] setzen Mustafa Emirbayer und Jeff Goodwin auf der Theorie von Harrison White auf und versuchen, die Beziehung zwischen sozialem Netzwerk, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in geschichtlichen Abläufen zu erklären. Dazu werden die gängigsten Netzwerkansätze rekonstruiert und differenziert kritisiert29. [...]

Diese Kritik der Netzwerkforschung an der strukturellen Perspektive bezieht sich zunächst auf den bloßen Einsatz von Kategorien oder Variablen zur Erklärung sozialen Handelns. Emirbayer und Goodwin entwerfen dafür einen Gegenbegriff, nämlich den des „anticategorical imperative“ (Emirbayer & Goodwin 1994: 1414). Ihrer Meinung nach sollten für die Erklärung sozialen Verhaltens die tatsächlichen Muster sozialer Beziehungen analysiert werden und nicht mit den Einstellungen und Kategorien begonnen werden.


29 „Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry – in all three of its versions – offers a more powerful way of describing social interaction than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors, it has yet to provide a fully adequate explanatory model of [sic] the actual formation, reproduction, and transformation of social networks themselves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another; it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation – including the normative commitments of actors – and thereby fails to show exactly how it is that international [sic], creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.” (Emirbayer & Goodwin 1994: 1413).


Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture [sic] and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 134]

Es drängt sich die Vermutung auf, daß White in diesem Buch lediglich einen Orientierungsrahmen vorstellt, der Hinweise auf untersuchenswerte Aspekte des Gegenstandsbereichs, aber keine echten Zusammenhangsbehauptungen enthält. In den einzelnen Kapiteln, die bestimmte soziale Phänomene charakterisieren, werden jedoch Hypothesen entwickelt. [...]

Netzstruktur, Kognitionen und Handlungsfreiheit

In einem weitausgreifenden theoretischen Essay bemühen sich M. Emirbayer und J. Goodwin (1994) darum, das Verhältnis zwischen sozialen Netzwerken, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in historischen Abläufen zu klären. [...] Ihre Absicht ist, die impliziten Erklärungsansätze in der Netzwerkforschung zu rekonstruieren. [...] Ihre Analyse mündet in eine differenzierte Kritik bestimmter Varianten der Netzwerkforschung. Diese interne Kritik kommt in dem folgenden Zitat gut zum Ausdruck (Emirbayer und Goodwin 1994: 1413):

„Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry [die Netzwerkanalyse] ... offers a more powerful way of describing social interation [sic] than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors‚ it has yet to provide a fully adequate explanatory model for the actual formation, reproduction, and transformation of social networks them-

[Seite 135]

selves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another, it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation — including the normative commitments of actors — and thereby fails to show exactly how it is that intentional‚ creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.“

In dem Zitat ist zunächst die kritische Haltung der Netzwerkforschung zu kategorialen, d.h. variablenbezogenen Erklärungen des sozialen Handelns enthalten [...]. Dieser „anticategorical imperative“ (S. 1414) schlägt vor, daß man zur Erklärung des Verhaltens von Akteuren nicht bei Einstellungen und sozialen Kategorien wie Stand, Schicht, Lokalität beginnen soll, sondern statt dessen das tatsächliche Muster sozialer Beziehungen untersucht, in das die Akteure eingebettet sind und das deren Handeln prägt.


Emirbayer, M. und J. Goodwin
 1994 Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 084 30.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der auch die Zwischenüberschrift 3.3.4 leicht variiert übernommen wird.

Das längere Zitat von Emirbayer und Goodwin wird nur unwesentlich ergänzt (bzw. korrigiert, wobei neue Fehler mit eingebaut werden) und geht daher in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20170214152004

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