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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 094 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-01 19:50:30 Schumann
Fragment, Gesichtet, Mhg, Neuberger 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 1-3, 6-8
Quelle: Neuberger 1995
Seite(n): 291, 301, Zeilen: 291: 12 ff.; 301: 10 ff.
[Mit dem Begriff der rekursiven Handlung] wird zum Ausdruck gebracht, dass sie in ihrem Vollzug - ohne dass dies die Akteure bewusst intendieren - jene Bedingungen reproduzieren, die sie ermöglichen.

[Ein soziales System ist eine „[...] Ordnung sozialer Beziehungen über Raum und Zeit hinweg, sofern diese als reproduzierte Praktiken aufgefasst werden“ (Giddens 1988, S. 432).] Damit sind Systeme raum-zeitlich (re-)produzierte Handlungszusammenhänge, die keine Strukturen sind, sondern Strukturen haben.


Giddens, Anthony (1988) Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt/New York.

[Seite 301]

Wenn Handlungen rekursiv genannt werden, dann ist damit zum Ausdruck gebracht, daß sie in ihrem Vollzug - ohne daß das die Akteure bewußt intendieren - jene Bedingungen reproduzieren, die sie ermöglichen.

[Seite 291]

"[...] Soziale Systeme, die Interaktionssysteme sind, sind keine Strukturen, obgleich sie notwendigerweise Strukturen haben. [...]" (GIDDENS 1977, S. 118).

In diesem Zitat ist auch GIDDENS' Unterscheidung zwischen 'Struktur' und 'System' angedeutet: Ein System ist "die Ordnung sozialer Beziehungen über Raum und Zeit hinweg, sofern diese als reproduzierte Praktiken aufgefaßt werden" (GIDDENS 1992, S. 432). Systeme sind raum-zeitlich (re-)produzierte Handlungszusammenhänge, Strukturen sind Zusammenhänge von Regeln und Ressourcen.


GIDDENS‚ Anthony (1977): Functionalism: Après la Lutte. In: GIDDENS, A.: Studies in Social and Political Theory. London (Hutchinson), 96-129. [Appendix: 'Notes on the theory of structuration' (130-135)].

GIDDENS, Anthony (1984/1992): The Constitution of Society. Outline of the Theory of Structuration. Cambridge (Polity Press). Deutsch (1992): Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt (Campus)

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 093 15.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Wenn man die marginalen Änderungen im kopierten Text im ersten Satz außer Acht lässt, übernimmt die Verf.in dort 21 Wörter am Stück.

Bis auf das Zitat finden sich deren Aussagen bei Giddens (1988) so nicht (der in eckige Klammern gesetzte Satz geht in die Zeilenzählung nicht mit ein). Giddens (1977) erwähnt sie ebenfalls an keiner Stelle.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[2.] Mhg/Fragment 094 11 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2017-03-20 23:52:48 Schumann
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Walgenbach 2002

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 11-25, 29-38
Quelle: Walgenbach 2002
Seite(n): 369, 370, 371, 372, 373, 374, Zeilen: 369: 1, 19 ff., 27 ff., 38 ff.; 370: 1 ff., 23, 43 ff.; 371: 32 ff., 40 ff.; 372: 16, 32 ff.; 373: 45 ff.; 374: 21 ff.
3.3.5.1 Kritik an der Theorie der Strukturierung

Giddens [sic] Begriffsstrategie in Rahmen seiner Theorie der Strukturierung ermöglicht es, aus verschiedenen Richtungen Kritik zu üben. So zitiert er verschiedene Quellen, was eine gewisse Heterogenität schafft. Dies impliziert zwar keine Inkonsistenz der Theorie, schafft aber dennoch Skepsis.

Ein bedeutenderer Kritikpunkt ist die fehlende klare Linie in der Argumentation der Theorie. Die Argumente folgen eher konzentrischen Kreisen rund um den Begriff der Dualität als einem roten Faden. Die Folge der Wiederholungen schafft eher Verwirrung als eine Klärung der Begriffe, was dazu führt, dass die Definitionen des rationalen Handelns einerseits, die Reflexionsmächtigkeit andererseits nicht unumstritten sind.

Es entsteht der Eindruck, dass Giddens [sic] Theorie objektivistisch verzerrt ist. Die Menschen haben Wissen über ihre Handlungen, aber das Wissen über Struktur bleibt weitestgehend „im Dunkeln“. Sie haben zwar Gründe für das Handeln, können diese jedoch nicht äußern. [Durch die unerkannten Handlungsbedingungen und die unerkannten Handlungsfolgen reproduzieren sie in ihren Praktiken fortwährend die Struktur, sind dabei aber den strukturellen Zwängen unterworfen (vgl. Sewell 1992).]

Giddens verwehrt sich gegen diesen Vorwurf. Er meint, dass sowohl der Begriff der Regeln wie auch der Ressourcen interpretationsfahig ist, sozialer Wandel wird durchaus möglich. Er will, dass seine Theorie „nur“ als konzeptioneller Rahmen verstanden wird, um die Begriffe Struktur und Handlung zu vereinen. Die Füllung dieser Begriffe mit Inhalten sieht er nicht als seine Aufgabe an. Hier sind die einzelnen Fachgebiete der Sozialwissenschaften gefordert. Den Hang zum Objektivismus kann Giddens nicht wirklich erfolgreich zurückweisen. Die Intentionalität des Handelns, in der Theorie der subjektivistischen Ansätze von zentraler Bedeutung, wird bei Giddens verkürzt: Intentionalität wird vom Handeln abgekoppelt.


Sewell, William H. (1992) A Theory of Structure: Duality, Agency and Transformation. In: American Journal of Sociology, Nr. 98, 1-29.

[Seite 369, Z. 1]

11.4. Kritische Würdigung

[Seite 369, Z. 19 ff.]

Die Widersprüchlichkeit liegt nämlich vor allem in der Giddensschen Begriffsstrategie begründet, die es ermöglicht, aus solch unterschiedlichen, widersprüchlich wirkenden Richtungen Kritik zu üben.

[Seite 369, Z. 27 ff.]

Giddens zitiert eigentlich alles, was Rang und Namen hat. [...] Daß ein solches Vorgehen zuerst einmal Skepsis hervorruft, erscheint verständlich. [...] Von der Heterogenität der benutzten Quellen läßt sich nun einmal nicht zwingend auf Inkonsistenz der Argumente schließen.

[Seite 369, Z. 38 ff.]

Wesentlich bedeutender ist ein Kritikpunkt, der anfänglich eher trivial wirkt, der aber - wie zu zeigen sein wird - tieferliegende Ursachen und weitreichende Konsequenzen hat: [...] Obwohl er eigentlich immer vom gleichen redet - nämlich der Dualität von Struktur, die lediglich in immer neuen Bezügen diskutiert wird - fehlt eine klare Linie, eine schrittweise Darlegung der Theorie. Statt dessen ist seine Argumentation konzen-

[Seite 370, Z. 1 ff.]

trisch, d.h., um die Idee der Dualität von Struktur angeordnet, ohne daß die einzelnen Argumente aufeinander aufzubauen scheinen. Die Folge sind häufige Wiederholungen, die jedoch nicht dazu führen, daß das Gelesene sich nach dem ersten Lesen besonders einprägt, sondern zum Ergebnis haben, daß eher Verwirrung entsteht. [...] Die Verwirrung ist - wie gesagt - nicht zuletzt Folge der Uneindeutigkeiten in der Giddensschen Begrifflichkeit.

[Seite 370, Z. 23]

Ein Fall, der für Verwirrung sorgt, ist die Definition der Rationalisierung des Handelns.

[Seite 370, Z. 43 ff.]

Ein anderer Fall, der für Verwirrung sorgt, betrifft die von Giddens immer wieder prononcierte Reflexionsmächtigkeit der Individuen, die ja in der Theorie der Strukturierung von zentraler Bedeutung ist.

[Seite 371, Z. 32 ff.]

Sehr schnell entsteht dann der Eindruck, daß die Argumentationen in der Theorie der Strukturierung "objektivistisch" verzerrt sind. Die Akteure verfügen zwar über (handlungs) praktisches Wissen, ihr Wissen über Struktur verbleibt jedoch sehr "dunkel"; sie haben zwar Gründe für ihr Handeln, können diese jedoch nicht äußern; und durch die unerkannten Handlungsbedingungen und nichtbeabsichtigten Handlungsfolgen reproduzieren sie fortwährend in ihren Praktiken die Struktur, auf die sie sich beziehen. Sie sind also letztlich durch die Kontextualität des Handelns strukturellen Zwängen unterworfen.

[Seite 371, Z. 40 ff.]

Gegen diesen Vorwurf verwahrt sich Giddens (1984b: 173f.). [...] Giddens verweist aber zugleich auch darauf, daß Regeln interpretationsfähig und somit grundsätzlich für verschiedene Verhaltensweisen offen sind. Auch Ressourcen betrachtet Giddens als in unterschiedlicher Weise einsatzfähig.

[Seite 372, Z. 16]

Giddens leugnet also nicht die Möglichkeit der Generierung sozialen Wandels.

[Seite 372, Z. 32 ff.]

Die Füllung jedoch will Giddens nicht selber leisten. Er sieht seine Leistung und seinen Beitrag vielmehr in der Entwicklung eines grundlegenden Konzeptes "to be used in a selective way in thinking about research questions or interpreting findings" (Giddens 1991: 213). Von daher sollte die Theorie der Strukturierung auch "nur" als ein solcher konzeptueller Rahmen betrachtet werden, der darauf abzielt, die Defizite objektivistischer und subjektivistischer Theorieprogramme zu überwinden. Die Verknüpfungspunkte zwischen der Theorie der Strukturierung und empirischer Forschung liegen dann in der inhaltlichen Füllung der Kernbegriffe Handeln und Struktur (Giddens 1984b: XXIXf.). Es ist also Aufgabe der einzelnen sozialwissenschaftlichen Disziplinen - hier also der Organisationsforschung -‚ die inhaltliche Konkretisierung der abstrakten Konzepte wie Regeln und Ressourcen vorzunehmen bzw. die Entwicklung von Theorien mittlerer Reichweite auf Basis der Theorie der Strukturierung voranzutreiben.

[Seite 374]

Die behauptete Leistung der Konstruktion einer Vermittlung von Handlung und Struktur gelingt Giddens nicht wirklich, da er es in der konkreten Begriffsarbeit nicht schafft, die Vorteile des sozialwissenschaftlichen Handlungskonzeptes in seinen eigenen Ansatz zu integrieren. Insbesondere die inhaltliche Fassung des (handlungs)praktischen Wissens erscheint mit vielen objektivistischen Konnotationen beladen.

[Seite 373]

Die Intentionalität des Handelns, die in den subjektivistischen Ansätzen von zentraler Bedeutung ist, wird vollkommen verkürzt - Intentionalität wird vom Handeln abgekoppelt, übrig bleibt die Handlungsmächtigkeit, Ereignisse auszulösen.


Giddens, A. 1984b: The Constitution of Society. Cambridge

Giddens, A. 1991: Structuration theory: Past, present and future. In: Bryant, C.G.A./Jary, D. (Hrsg.): Giddens' Theory of Structuration - A Critical Appreciation. London: 201-221

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz weist deutliche Parallelen zur Quelle auf, wird jedoch konservativ nicht als Plagiat gewertet, da sich bei Sewell (1992) auf S. 4 entspr. Ausführungen finden, die man in diesem Sinne interpretieren und deshalb zumindest den unspezifischen Verweis als Eigenleistung der Verf.in ansehen könnte.

Fortsetzung in Fragment 095 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20170320235648

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