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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 134 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-04 14:10:51 Schumann
Barth 1998, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 134, Zeilen: 3-34
Quelle: Barth 1998
Seite(n): 2, 3, Zeilen: 2: 3 ff.; 3: 1 ff.
Daraus resultiert eine "formale Trennung zwischen dem Haushalt und dem Betrieb" sowie eine "funktionale Arbeitsteilung zwischen der Familie und der Schule", die sich direkt „in segmentierte soziale Rollen des Individuums" übersetzen lassen, „das damit aufhört, primär Mitglied eines und desselben Kollektivs zu sein" (Mayer/Müller 1994 : 273).

Mit der Einführung der wohlfahrtsstaatlichen Sicherungssysteme und der Etablierung eines Lebensstandards, "der den Entfaltungsspielraum des einzelnen vergrößert und zugleich die Notwendigkeit der Solidargemeinschaft aus der existentiellen Not heraus abgebaut hat" (Keupp 1987a: 37), setzte ein Individualisierungsschub ein, dessen Spezifikum der Massencharakter und seine Weitläufigkeit ist. (vgl. Beck-Gernsheim 1994b: 139).

"In Verbindung mit einem Anstieg erwerbsarbeitsfreier Lebenszeit" wachsen „zeitliche und materielle Freiheitsspielräume, die zur Ausgestaltung eigenständiger Lebensstile genutzt werden können. Je mehr individuelle Bedürfnisse realisiert werden können, desto stärker werden Individuen aus klassenkulturellen Milieus herausgelöst" (Böllert 1995: 29).

Mit der Modernisierung verbunden ist eine Zunahme flexiblerer Arbeitszeiten (vgl. Rerrich 1994: 204), welche die Aufrechterhaltung bestehender Beziehungen erschweren und häufig auch die Abläufe in der Familie nachhaltig beeinflussen. Hinzu kommen die gestiegenen Mobilitätsanforderungen. Um auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft erfolgreich zu sein, wird oftmals eine Bereitschaft zur Mobilität erwartet (vgl. Beck 1983: 46). Jedoch können solche häufigen Ortswechsel zu einem Verlust von Beziehungen führen.

"Der permanente Wechsel von Bezugspersonen, Instabilität und Diskontinuität werden so zu einer Normalerfahrung [...] Freundschaften und Beziehungen, ja selbst die Eltern - Kind - Beziehungen werden riskanter bzw. optionsreicher und lassen eine Strategie der sozialen Risikominimierung (hinsichtlich der Ungewissheit der eigenen späteren Enttäuschung und des eigenen 'Schadens'), eine 'gebremste' Form der Selbstinvestition und der Vertrauensinvestition in Partnerschaften und Freundschaften als ratsam erscheinen ('man könnte sich ja wieder trennen')" (Rauschenbach 1994:105).
Die daraus unter anderem resultierende "formale Trennung zwischen dem Haushalt und dem Betrieb und die funktionale Arbeitsteilung zwischen der Familie und der Schule lassen sich direkt übersetzen in segmentierte soziale Rollen des Individuums, das damit aufhört, primär Mitglied eines und desselben Kollektivs zu sein."7

[...]

Erst mit der Etablierung einer umfassenden wohlfahrtsstaatlichen Absicherung und eines Lebensstandards, "der den Entfaltungsspielraum des einzelnen vergrößert und zugleich die Notwendigkeit der Solidargemeinschaft aus der existentiellen Not heraus abgebaut hat"9, setzte aber ein Individualisierungsschub ein, dessen Besonderheit nach BECK-GERNSHEIM (1994b) in seinem Massencharakter und seiner Weitläufigkeit liegt.10

[...]

Die Tatsache einer (noch) kontinuierlichen Steigerung des materiellen Lebensstandards begünstigt Individualisierung auch insofern, als "in Verbindung mit einem Anstieg erwerbsarbeitsfreier Lebenszeit zeitliche und materielle Freiheitsspielräume wachsen, die zur Ausgestaltung eigenständiger Lebensstile genutzt werden können. Je mehr individuelle Bedürfnisse realisiert werden können, desto stärker werden Individuen aus klassenkulturellen Milieus herausgelöst."12 Von Einfluß auf den Individualisierungsprozeß sind auch die zunehmend flexibleren Arbeitszeiten13, die ein Aufrechterhalten bestehender Beziehungen erschweren und häufig auch familiale Abläufe nachhaltig beeinflussen und damit zu Destabilisierung beitragen können sowie desweiteren die neuen Kommunikationsmedien mit ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.14

Ein weiterer Motor der Individualisierung ist die gestiegene Mobilitätsanforderung. Auf dem Arbeitsmarkt dauerhaft erfolgreich zu sein, verlangt oftmals die Bereitschaft zur Mobilität.15 Häufige Ortswechsel jedoch gehen einher mit einem Verlust von Beziehungen. Persönliche Bindungen können deshalb von vornherein als befristet erlebt werden: "Der permanente Wechsel von Bezugspersonen, Instabilität und Diskontinuität werden so zu einer Normalerfahrung... Freundschaften und Beziehungen, ja selbst die Eltern - Kind - Beziehungen werden riskanter bzw. optionenreicher und lassen eine Strategie der sozialen Risikominimierung (hinsichtlich der Ungewißheit der eigenen späteren

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Enttäuschung und des eigenen 'Schadens'), eine 'gebremste' Form der Selbstinvestition und der Vertrauensinvestition in Partnerschaften und Freundschaften als ratsam erscheinen ('man könnte sich ja wieder trennen')."16


7MAYER/MÜLLER 1994, S.273.

9KEUPP 1987a, S.37.

10Vgl. BECK-GERNSHEIM 1994b, S. 139.

12BÖLLERT 1995, S. 29.

13Vgl. RERRICH 1994, S. 204.

14Vgl. BECK 1983, S. 68.

15Vgl. BECK 1983, S. 46.

16 RAUSCHENBACH 1994, S.105.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle (die in der Arbeit an keiner Stelle genannt ist).

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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