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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 137 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-04 13:01:31 Schumann
Barth 1998, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 137, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Barth 1998
Seite(n): 5, 6, Zeilen: 5: 30 ff.; 6: 1 ff.
Beck (1986) betont, dass die "Ausdifferenzierung von Individuallagen" einhergeht
„mit Tendenzen der Institutionalisierung und Standardisierung von Lebenslagen. Die freigesetzten Individuen werden arbeitsmarktabhängig und damit bildungsabhängig, konsumabhängig, abhängig von sozialrechtlichen Regelungen und Versorgungen, von Verkehrsplanungen, Konsumangeboten, Möglichkeiten und Moden in der medizinischen, psychologischen und pädagogischen Beratung und Betreuung" (Beck 1986,8.119).

Er sieht einen "Abgrund", der sich dann auftue, wenn die zentrale Sicherung der individualisierten Lebenslage, nämlich der Arbeitsplatz, verloren gehe, da sich dann "die Herauslösung aus traditionellen Versorgungsbezügen (Familie, Nachbarschaft), das Abschneiden von ergänzenden Existenzsicherungsquellen ganz allgemein (z.B. Nebenerwerbslandwirtschaft)" (Beck 1983: 45) als besonders problematisch bemerkbar mache. Primärbeziehungen werden immer mehr durch sekundäre Beziehungen ersetzt.

"Direkte Kontakte von Mensch zu Mensch seien ersetzt worden durch sekundäre, die früher existierende Gemeinschaft sei zerfallen in isolierte Beziehungsdyaden; die noch verbleibenden Netzwerke seien 'locker geknüpft' und vielfach funktional begrenzt" (Mayr-Kleffel 1991: 137).

Die Individuen stehen nun vor der Notwendigkeit, sich eigene Netzwerke aufzubauen, da eine Mitgliedschaft in vorgegebenen Gemeinschaften zunehmend unwahrscheinlicher wird. Damit wird soziale Integration zu einer individuell zu erbringenden Leistung. Jedoch stellt sich dabei die Frage, ob alle Individuen gleichermaßen in der Lage sind, die ihren Bedürfnissen entsprechenden sozialen Netzwerke aufzubauen.

„Denn wenn die Ausbildung und Aufrechterhaltung der individuellen Netzwerke zu einer - mehr als vorher - individuell zu erbringenden Leistung wird, kann daraus geschlossen werden, dass es dabei nicht nur Gewinner-, sondern auch Verlierergruppen gibt, die mangels eigener sozialer Attraktivitat Gefahr laufen, aus dem Netz wechselseitiger Unterstutzungsbeziehungen herauszufallen. Offensichtlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen dazu in der Lage, sich mittels eigener Geschicklichkeit und Attraktivität adäquate soziale Netzwerke aufzubauen. Nicht alle verfügen im selben Ausmaß über die eigenständige, aktive, kompetente und gestaltungsfähige Persönlichkeit, die der Modellvorstellung des modernen Menschen entspricht" (Diewald 1991:31).
BECK (1986) betont einen anderen Aspekt, daß nämlich die "Ausdifferenzierung von Individuallagen ... nicht mit gelungener Emanzipation gleichgesetzt werden" dürfe: "Sie geht vielmehr einher mit Tendenzen der Institutionalisierung und Standardisierung von Lebenslagen. Die freigesetzten Individuen werden arbeitsmarktabhängig und damit bildungsabhängig, konsumabhängig, abhängig von sozialrechtlichen Regelungen und Versorgungen, von Verkehrsplanungen, Konsumangeboten, Möglichkeiten und Moden in der medizinischen, psychologischen und pädagogischen Beratung und Betreuung."38 In einer früheren Arbeit (1983) spricht er von einem "Abgrund", der sich dann auftue, wenn die zentrale Sicherung der individualisierten Lebenslage, nämlich der Erwerbsarbeitsplatz verlorengehe, da sich dann "die Herauslösung aus traditionellen Versorgungsbezügen (Familie,

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Nachbarschaft), das Abschneiden von ergänzenden Existenzsicherungsquellen ganz allgemein (z.B. Nebenerwerbslandwirtschaft)"39 besonders problematisch bemerkbar mache.

[...]

[...] "Direkte Kontakte von Mensch zu Mensch seien ersetzt worden durch sekundäre, die früher existierende Gemeinschaft sei zerfallen in isolierte Beziehungsdyaden; die noch verbleibenden Netzwerke seien 'locker geknüpft' und vielfach funktional begrenzt."43 Es entstehe für die Individuen die Notwendigkeit, ihre Netzwerke selber aufzubauen, da eine Mitgliedschaft in vorgegebenen Gemeinschaften zunehmend unwahrscheinlicher sei. Soziale Integration werde damit zu einer individuell zu erbringenden Leistung.

[...]

[...] An dieser Stelle manifestiert sich für die Vertreter der "Verlust-These" eine neue soziale Ungleichheit: Sie stellen die (rhetorische) Frage, ob alle Individuen gleichermaßen in der Lage sind, die zur Reproduktion ihres Sozialkapitals erforderliche Beziehungsarbeit zu leisten oder auch, ob alle genügend soziale Attraktivität besitzen, um den Gesetzen des reziproken Austauschs zu genügen und geben auch gleich die Antwort: "Offensichtlich sind nicht alle Menschen gleichermaßen dazu in der Lage, sich mittels eigener Geschicklichkeit und Attraktivität adäquate soziale Netzwerke aufzubauen. Nicht alle verfügen im selben Ausmaß über die eigenständige, aktive, kompetente und gestaltungsfähige Persönlichkeit, die der Modellvorstellung des modernen Menschen entspricht."46


38BECK 1986, S.119

43MAYR-KLEFFEL 1991, S. 137.

46DIEWALD 1991, S. 31.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle (die in der Arbeit an keiner Stelle genannt ist).

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein. (Diewald (1991) ist immerhin eingesehen und das Zitat erweitert worden.)

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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