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Individuen und ihre sozialen Beziehungen

von Prof. Dr. Marina Hennig

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[1.] Mhg/Fragment 139 04 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-12-04 13:11:41 Schumann
Barth 1998, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 139, Zeilen: 4-22, 30-34
Quelle: Barth 1998
Seite(n): 7, Zeilen: 15 ff.
Keupp hält den Vertretern der Verlustthese entgegen, dass sie bei all ihrem Klagen:
"übersehen, dass viele dieser Netzwerkmuster, aus der Not geboren, in ihrem Charakter defensiv waren und zugleich einen hohen Grad sozialer Kontrolle ausgeübt haben" (Keupp 1987a: 23).

Vielmehr ermöglichen die Individualisierungsprozesse den Individuen eine freie Wahl ihrer Sozialkontakte. Vor allem sei der Zwang, das soziale Netzwerk in engen territorialen Grenzen zu verorten, entfallen (vgl. Mayr-Kleffel 1991: 138). Es gäbe einen allgemeinen Zuwachs an persönlicher Autonomie. "Ich kann mir meine eigene soziale Szene aufbauen, deren Zustandekommen von Kriterien der Entscheidungsfreiheit, Freiwilligkeit und Interessenhomogenität bestimmt ist. Einen gesellschaftlichen Zwangszusammenhang verlassen zu können, ist eine Chance, ebenso, sich ein eigenes Netzwerk aufbauen zu können" (Keupp 1994b: 338).

Der These von Dahrendorf, dass mit einem Anstieg der Optionen gleichzeitig eine Abnahme der Ligaturen verbunden sei, welche die Gefahr anomischer Zustände erhöhe, stimmen die Anhänger der Liberalisierungsthese im Kern zu, verweisen jedoch darauf, dass eine solche Beliebigkeit sozialer Beziehungen auch weiterhin von Ligaturen verschiedener Art begrenzt wird.

[...]

"Nicht nur Einkommen und Vermögen, sondern auch materielle Hilfen sowie Dienstleistungen, die innerhalb eines Haushalts und im Verbund mit anderen Haushalten produziert und ausgetauscht werden, sind für den Lebensstandard von einiger Bedeutung. ... So sind informelle Netzwerke heute zwar weniger notwendig zur Vermeidung existentieller Not, aber sie haben doch weiterhin die Funktion, relative [Armut zu vermeiden, Notlagen zu überbrücken und generell effektiver zu wirtschaften." (Diewald 1991: 38).]
Den Vertretern der Verlustthese wird entgegengehalten, jene Muster zu überhöhen, deren Verlust man beklage: "Dabei wird übersehen, daß viele dieser Netzwerkmuster, aus der Not geboren, in ihrem Charakter defensiv waren und zugleich einen hohen Grad sozialer Kontrolle ausgeübt haben".49 [...]

[...] Insbesondere sei der Zwang entfallen, das soziale Netzwerk in engen territorialen Grenzen zu verorten.51 Es entstehe allgemein ein deutlicher Zugewinn an persönlicher Autonomie, außerdem sei es naheliegend, daß frei gewählte Sozialbeziehungen von besserer emotionaler Qualität seien: "Ich kann mir meine eigene soziale Szene aufbauen, deren Zustandekommen von Kriterien der Entscheidungsfreiheit, Freiwilligkeit und Interessenhomogenität bestimmt sind [sic]. Einen gesellschaftlichen Zwangszusammenhang verlassen zu können, ist eine Chance, ebenso, sich ein eigenes Netzwerk aufbauen zu können."52

Der DAHRENDORFschen These, mit der Beliebigkeit der Optionen sei bei gleichzeitiger Abnahme der Ligaturen die Gefahr anomischer Zustände verbunden, stimmen die Verfechter der Liberalisierungsthese im Kern zu, verweisen aber darauf, daß diese vermeintliche Beliebigkeit sozialer Beziehungen auch weiterhin von Ligaturen verschiedener Art begrenzt seien: DIEWALD (1991) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß es z.B. durchaus auch heute noch wirtschaftliche Abhängigkeiten gebe: "Nicht nur Einkommen und Vermögen, sondern auch materielle Hilfen sowie Dienstleistungen, die innerhalb eines Haushalts und im Verbund mit anderen Haushalten produziert und ausgetauscht werden, sind für den Lebensstandard von einiger Bedeutung. ... So sind informelle Netzwerke heute zwar weniger notwendig zur Vermeidung existentieller Not, aber sie haben doch weiterhin die Funktion, relative Armut zu vermeiden, Notlagen zu überbrücken und generell effektiver zu wirtschaften."53


49KEUPP 1987a, S. 23.

51Vgl. MAYR-KLEFFEL 1991, S. 138.

52KEUPP 1994b, S. 338.

53DIEWALD 1991, S. 38.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle (die in der Arbeit an keiner Stelle genannt ist).

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate aus der Quelle übernommen wurden, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Das grammatikalisch falsche "sind" hat Barth von Keupp wörtlich übernommen (ohne Kennzeichnung); bei der Verf.in wird es (ohne Kennzeichnung) zu "ist" korrigiert.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20161204131423

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