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180 gesichtete, geschützte Fragmente: Plagiat

[1.] Mhg/Fragment 012 19 - Diskussion
Bearbeitet: 5. December 2016, 22:53 Schumann
Erstellt: 11. November 2016, 16:16 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 12, Zeilen: 19-25
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, Zeilen: 4 ff.
Politiker beklagen sich über die Auflösung sozialstaatlicher Grundsätze, wie dem [sic] nicht Funktionieren [sic] des Generationenvertrages usw. [sic] und in der wissenschaftlichen Diskussion um die Gesellschaft und ihre Sozialstruktur steht die Frage nach der sozialen Einbindung der Individuen im Vordergrund. Dabei wird vor allem die Auflösung traditioneller Einbindungen beklagt.

Ist die heutige Gesellschaft beziehungslos? Können Sozialformen ohne gemeinschaftliche Bindungen überhaupt bestehen? [Wie sieht das Zusammenleben der Individuen in einer „individualisierten Gesellschaft“ aus? Dies sind die zentralen Fragen dieses Buches.]

[...]: Politiker beklagen die Auflösung sozialstaatlicher Prinzipien, z.B. des Generationenvertrags, und fordern ein kommunitaristisches Programm. Die Kommunitarier selbst klagen den individualistisch orientierten Liberalismus als Wurzel der gesellschaftlichen Mißstände an und propagieren gemeinschaftliche Ideale. In der wissenschaftlichen Debatte um die soziale Struktur der Gesellschaft wird die Auflösung traditioneller Einbindungen des Menschen diskutiert.

Kann es eine beziehungslose Gesellschaft geben? Können Sozialformen ohne gemeinschaftsstiftende Bindungen existieren und gibt es Anzeichen einer solchen gesellschaftlichen Entwicklung.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle - die in der Arbeit nur einmal (S. 198) referenziert wird.

Bemerkenswerterweise handelt es sich hier neben den sonstigen inhaltlichen Parallelen auch um die Übernahme der ersten beiden der drei "zentralen Fragen" der Untersuchung.

Die Übernahme aus der Quelle setzt sich auf Seite 15 fort und schließt dort an den hier dokumentierten Quellentext an; siehe Fragment 015 11.

Der Versuch der Umformulierung bringt den ersten Satz an die Grenze der Verständlichkeit.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[2.] Mhg/Fragment 015 11 - Diskussion
Bearbeitet: 5. December 2016, 10:42 Schumann
Erstellt: 6. November 2016, 20:53 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 15, Zeilen: 11-29
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, Zeilen: 13 ff.
Mit der Individualisierung verbunden ist die Vorstellung, dass die solidarischen Vermittlungsleistungen der Gesellschaftsmitglieder brüchiger werden, dass Eigenvorteil und Rationalität in modernen Lebensformen im Vordergrund stehen. Parallel dazu werden aber traditionelle, gemeinschaftliche Lebensformen mehr denn je gewünscht und es kommt zu einer "Renaissance der Gemeinschaft" (Rehberg 1993).

Dies ist der Widerspruch des Lebens in der Moderne: Auf der einen Seite gibt es eine zunehmende Tendenz der Selbstverwirklichung und des Egoismus und auf der anderen Seite wünschen sich die Menschen Nähe und emotionale Verbundenheit. Die sozialen Beziehungen müssen diese Kluft überbrücken. Starke und enge Beziehungen schaffen in der individualisierten Gesellschaft solidarische Oasen, wie sie z.B. in Freundschaften zum Tragen kommen. Im Berufsleben sind die sozialen Beziehungen immer stärker mit der Berufsbiographie verbunden [sic] vor allem spielen die Kontakte beim Zugang zu neuen Arbeitsstellen oder bei Entscheidungen zur zukünftigen beruflichen Entwicklung eine große Rolle. Vor allem in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation erlangt der informelle Arbeitsmarkt eine immer größere Bedeutung, d.h., dass Kontakte und schwache Beziehungen für den beruflichen Ein- und Aufstieg immer wichtiger werden (vgl. Granovetter 1982).

Die Vermittlungsleistungen von Gesellschaftsmitgliedern, die im Gewand solidarischer Beziehungen auftreten, werden als brüchig empfunden, wofür Individualisierungstendenzen verantwortlich gemacht werden: Moderne Lebensformen - so scheint es - sind verstärkt durch Eigennutz und Rationalität gekennzeichnet. Die Ideale der Leistungsgesellschaft kommen zunehmend in Verruf und werden als krisenfördernd entlarvt. Parallel findet eine „Renaissance der Gemeinschaft“ statt (Rehberg 1993), scheinbar traditionelle Lebensformen sind wieder gewünscht (vgl. Stern 11/95: „Das Ende der wilden Jahre“; Focus 52/1994: „Sehnsucht nach Gefühl“; Focus 12/97: „Sehnsucht nach Werten“).

Dies scheint die Paradoxie des modernen Menschen zu sein: Einer zunehmenden Selbstverwirklichungssucht und narzißtischen Selbstthematisierung steht der Wunsch nach Nähe und Emotionalität gegenüber. Zwischenmenschliche Kontakte haben demzufolge einen Spagat zwischen wahrer Beziehung und der Ware Beziehung auszuhalten, wodurch sie anspruchsvoll und voraussetzungsreich sind wie nie zuvor. Enge Beziehungen, wie z.B. die Freundschaft, bilden in der individualisierten Gesellschaft kleine Inseln möglicher Solidarität, die Identität bis zur „Tyrannei der Intimität“ (Sennett 1986) vermitteln. [...]

Über diesen privaten Rahmen hinaus sind soziale Beziehungen immer häufiger mit beruflichen Biographien verflochten, besonders durch Kontakte, die Berufsentscheidungen anregen oder Stellenzugänge erst ermöglichen. Gerade der informelle Arbeitsmarkt wird in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation bedeutender, d.h. Kontakte und die »richtigen« Beziehungen werden für Aufstiege immer notwendiger.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Trotz eines hohen Umformulierungsaufwands (insbesonders mittels Wortersetzungen und Textumstellungen) bleiben die inhaltlichen wie textstrukturellen Parallelen erkennbar.

Rehberg (1993) wird hier das einzige Mal in der Arbeit genannt.

Die Quelle wird in der Arbeit einmal referenziert (S. 198).

Der erste Satz des letzten Absatzes wird in einem Beitrag der Verfasserin (Soziale Beziehungen. Die Entwicklung sozialer Netzwerke und die Bedeutung von Gemeinschaft in Deutschland, S. 37 ff.) in dem 2016 von der Bertelsmann-Stiftung herausgegeben Sammelband Der Kitt der Gesellschaft: Perspektiven auf den sozialen Zusammenhalt in Deutschland wiederverwertet (siehe [1]).

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[3.] Mhg/Fragment 015 29 - Diskussion
Bearbeitet: 21. April 2017, 20:32 Stratumlucidum
Erstellt: 2. December 2016, 08:01 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Hagenberg et al 2003, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 15, Zeilen: 29-40
Quelle: Hagenberg et al 2003
Seite(n): 4, Zeilen: 8 ff.
Angesichts offensichtlicher Überfüllung des Arbeitsmarktes bei gleichzeitigen Diskussionen um die Kompetenz der staatlichen Arbeitsplatzvermittlung sehen immer weniger Menschen in den formellen Strategien der Arbeitsplatzsuche, vor allem in der herkömmlichen Bewerbung auf Anzeigen, die beste Möglichkeit, sich über den Arbeitsmarkt zu informieren und eine neue Stelle zu finden. Vielmehr scheint es vor allem ein verstärktes informelles Engagement zu sein, welches die Chancen erhöht, ein neues Beschäftigungsverhältnis zu finden.

Die stärker eigenverantwortliche Haltung des oder der Einzelnen entspricht zudem sowohl der Idee vom „flexiblen Menschen“ (Richard Sennett 1988) als auch den Vorstellungen der Politik über zukünftige Formen des Wohlfahrtsstaates. Der „aktivierende Sozialstaat“ will seine Bürger zu größerer Selbstständig-[keit ermuntern und erreichen, dass sie nicht länger vom Sozialstaat bevormundet werden müssen.]

Angesichts offensichtlicher Überfüllung des Arbeitsmarktes bei gleichzeitigen Diskussionen um die Kompetenz der staatlichen Arbeitsplatzvermittlung sehen weniger Menschen in den formellen Strategien der Arbeitsplatzsuche, vor allem in der herkömmlichen Bewerbung auf Anzeigen, die beste Möglichkeit, sich über den Arbeitsmarkt zu informieren und eine neue Stelle zu finden. Vielmehr scheint es vor allem ein verstärktes informelles Engagement zu sein, welches Chancen auf ein neues Beschäftigungsverhältnis verspricht.

Die stärker eigenverantwortliche Haltung des oder der Einzelnen entspricht zudem sowohl der Idee vom flexiblen Menschen (Richard Sennett) als auch den Vorstellungen der Politik über zukünftige Formen des Wohlfahrtsstaates. Der aktivierende Sozialstaat will seine Bürger zu größerer Selbstständigkeit ermuntern und erreichen, dass sie nicht länger vom Sozialstaat bevormundet werden müssen.

Anmerkungen

Die Quelle ist eine in der gesamten Arbeit nirgends erwähnte Seminararbeit, die im Seminar der damaligen Habilitandin Hennig im Sommersemester 2003 vorgelegt wurde und in der Vergangenheit über deren Homepage zugänglich war.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[4.] Mhg/Fragment 016 02 - Diskussion
Bearbeitet: 5. December 2016, 14:51 Schumann
Erstellt: 2. December 2016, 08:05 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Hagenberg et al 2003, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 16, Zeilen: 1-5
Quelle: Hagenberg et al 2003
Seite(n): 4, Zeilen: 19 ff.
Dieses Bild vom Bürger korrespondiert gerade mit der Wunschvorstellung vom Menschen als lebenslang lernendes, geistig, sozial und räumlich mobiles Individuum, welches in den sozialwissenschaftlichen Debatten der letzten Jahre große Aufmerksamkeit erlangte. Dieses Bild vom Bürger korrespondiert gerade mit der Wunschvorstellung vom Menschen als lebenslang lernendes, geistig, sozial und räumlich mobiles Individuum, welches in den sozialwissenschaftlichen Debatten der letzten Jahre große Aufmerksamkeit erlangte.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[5.] Mhg/Fragment 016 06 - Diskussion
Bearbeitet: 2. January 2017, 19:24 SleepyHollow02
Erstellt: 12. November 2016, 21:25 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 16, Zeilen: 6-39
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 13, 14, 15, Zeilen: 13: 16 f.; 14: 14 ff.; 15: 6 ff.
Die Ideale der Leistungsgesellschaft verlieren zunehmend an Aussagekraft, denn jetzt sind es vor allem die Beziehungen, die für einen Großteil der Menschen das Überleben in der Leistungsgesellschaft sichern. In der hoch individualisierten Gesellschaft werden an die Mitglieder komplexe Leistungsanforderungen gestellt, die durch eine unüberschaubare Menge von Extraqualifikationen definiert werden und denen ein Großteil der Mitglieder kaum noch entspricht. Viele der Gesellschaftsmitglieder haben das Gefühl, dass ihre Fähigkeiten herabgesetzt und entwertet werden und sehnen sich nach sozialer Unterstützung (vgl. Sennett 1988).

Diese Seite der Vergesellschaftung führt bei verschiedenen Gesellschaftsgruppen zu einem Ruf nach scheinbar längst überholten Sozialformen. Die individuelle Sehnsucht nach gemeinschaftlicher Verbundenheit resultiert aus der Wahrnehmung einer verloren geglaubten Gemeinschaft, welche verbunden wird mit sozialer Nähe, Solidarität und Ganzheitlichkeit. Demgegenüber steht die moderne Gesellschaft mit ihrer Rationalität, menschlichen Kälte und Technisierung. Das Bedürfnis nach Gemeinschaft artikuliert sich in neuen Formen der Verbundenheit, wie z.B. Bürgerinitiativen, verstärkten Nachbarschaftsbeziehungen usw., die Unterstützungsleistungen und Nähe bereitstellen.

Das Prinzip der Rationalisierung wird in Krisenzeiten der Moderne in Frage gestellt und die „verklärte Gemeinschaft“ wird wieder aufgriffen.

Aber entsprechen diese neuen Formen der „gemeinschaftlichen Verbundenheit“ überhaupt dem traditionellen Modell der Gemeinschaft, wie es Ferdinand Tönnies beschrieben hat? Sind sie durch einen Wesenswillen [sic] gekennzeichnet, einer [sic] gemeinschaftlich ganzheitlich zustimmenden Bereitschaft des Einzelnen? Im Unterschied zur Gemeinschaft [sic] wie Tönnies (vgl. Tönnies [1887] 1991) sie meinte, entsteht die Suche nach Verbundenheit in der Moderne nicht aufgrund eines Kollektivismus, sondern aus ganz individuellen Motiven heraus. Dabei geht es vor allem um den eigenen Nutzen, den man sich aus der Verbundenheit erhofft. Dafür schließen sich die Individuen zu Interessen geleiteten Netzwerken zusammen, um so für jedes Netzwerkmitglied den maximalen Nutzen zu erzielen (vgl. Focus 27/1995). Diese Entwicklungen werden jedoch von dem Psychologen Horst-Eberhard Richter nicht als individuelle Selbstverwirklichung angesehen, sondern vielmehr als „oberflächlicher Egozentrismus“ (Richter 1995: 56).

[Seite 13]

Die Ideale der Leistungsgesellschaft kommen zunehmend in Verruf und werden als krisenfördernd entlarvt. [...]

[Seite 14]

Die »richtigen« Beziehungen sind für viele Menschen eine »Überlebensstrategie« in der Leistungsgesellschaft.

Diese zeigt sich nicht nur als eine hochindividualisierte Gesellschaft, in der die Ideologie vom Menschen als seines »Glückes Schmied« normative Geltung beansprucht, sondern stellt darüber hinaus komplexe Ansprüche an ihre Mitglieder, die durch eine undurchschaubare Menge extrafunktionaler Qualifikationen definiert sind. Diesem leistungsgesellschaftlichen Profil scheinen immer weniger Menschen zu entsprechen, fühlen sich doch immer mehr Mitglieder der Gesellschaft depriviert und verlangen nach sozialer Unterstützung.

Die Entdeckung von negativen Seiten der Vergesellschaftung bewirkte bei unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen eine Restauration scheinbar längst vergangener Sozialformen. [...]

Indem Gemeinschaft und die mit ihr verbundenen Aspekte der Nähe, Solidarität, Loyalität, Emotionalität und Ganzheit verloren geglaubt werden, kann Gesellschaft als kalt, rational und technizistisch abqualifiziert werden. Dadurch entsteht eine individuell empfundene Sehnsucht nach Verbundenheit, die in neuen Vergemeinschaftungen ihren Ausdruck findet. Diese neuen Bündnisse fungieren als partikularistische Korrektive der Leistungsgesellschaft und stellen Unterstützungsleistungen bereit. Sie können als Vereine aller Art auftreten: als (Geschäfts-) Freundschaften, Nachbarschaften und Bürgerinitiativen.

[...] Besonders auffällig ist das Wieder-Erstarken religiöser Gemeinschaften wie Sekten und okkulter Zirkel; diese sind geradezu signifikanter Ausdruck eines in Frage gestellten Rationalitätssystems. Anders formuliert: Auf Gemeinschaft wird in Krisenzeiten der Moderne als eine „verklärte Residualkategorie“ (Rehberg 1993) zurückgegriffen, die es zu schützen gilt.

[Seite 15]

Gerade beim Aufkommen der sogenannten neuen sozialen Bewegungen stellt sich die Frage, ob diese neuen Vergemeinschaftungsformen überhaupt dem traditionalen Modell der Gemeinschaftlichkeit folgen, nämlich ob sie, nach Ferdinand Tönnies, durch Wesenwillen - die gemeinschaftliche Ganzheit bejahende Bereitschaft des einzelnen -, kollektivistische Orientierung und emotionale Loyalität konstituiert sind. Denn die moderne Suche nach Verbundenheit entsteht aus zutiefst individuellen Motiven (psychische und soziale Vereinsamung, Nützlichkeit) und nicht aus kollektivistischer Tradierung. Die auf Solidarität ausgerichteten, frei gewählten Gruppenzugehörigkeiten haben vor allem den Zweck, den maximalen Nutzen für jedes einzelne Gruppenmitglied zu erzielen. Die Gruppenloyalität basiert auf den Einzelinteressen der Mitglieder, die sich netzwerkartig zu Interessengruppen verflechten, ein Prozeß, der mit „Cocooning und „Burrowing bereits schlagkräftige „labels“ gefunden hat (vgl. Focus 27/1995). [...] Der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter (1995, S. 56) diagnostiziert diese Entwicklung nicht „[...] im Sinne einer vertieften individuellen Selbstverwirklichung, sondern eines oberflächlichen Egozentrismus“.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle (die in der Arbeit einmal - auf Seite 198 - referenziert wird).

Trotz eines beträchtlichen Aufwands bei der Umformulierung (inkl. kleineren Umstellungen) des übernommenen Inhalts wird im Vergleich deutlich, welche Quelle hier als Schreibvorlage diente. Als eigene Zutat können lediglich die beiden unspezifisch genannten Literaturtitel Sennett und Tönnies gelten.

Die erkennbar mitübernommenenen Referenzen Focus 27/1995 und Richter 1995 werden in der Arbeit lediglich an dieser Stelle genannt. Focus 27/1995 hätte (wissenschaftlichen Zitiergepflogenheiten folgend) sowohl im Quellenverzeichnis als auch bei der Referenzierung im Text dem Verfasser Walter Dreher zugeschrieben werden müssen. Das ist auch in der Quelle vergessen worden.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[6.] Mhg/Fragment 017 28 - Diskussion
Bearbeitet: 6. December 2016, 12:00 Schumann
Erstellt: 12. November 2016, 22:02 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 17, Zeilen: 28-32, 37-40
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 15, 16, Zeilen: 15: 32 ff.; 16: 3 ff.
Keupp (1995) sieht in den veränderten sozialen Beziehungen eine Verbindung von individuellen und kollektiven Zielen. Nachbarschaften bilden lose und gleichzeitig persönliche Beziehungen. Freunde werden nach der Ähnlichkeit ihrer Interessen ausgewählt und traditionelle Zugehörigkeiten werden durch freiwillige Solidarbeziehungen abgelöst. [In der gelungenen Verbindung von Selbstverwirklichung und Altruismus und von Selbstverwirklichung als Altruismus sieht Keupp einen „neuen Typus von Solidarität“, eine „kommunitäre Individualität“ (Keupp 1995: 54), in der sich nicht „Werteverfall“, sondern „zukunftsfähige Lebensstile“ ankündigen (Keupp 2000: 11).]

Die klassische Diskussion um Gemeinschaft und Gesellschaft (Tönnies, Weber, Parsons) wurde in einer Bipolarität geführt, in der die Formen der Zusammengehörigkeit entweder dem einen Pol (Gemeinschaft) oder dem anderen Pol (Gesellschaft) zuordnet wurden. In der Moderne wird jedoch die traditionel-[le Verpflichtung gegenüber anderen Gesellschaftsmitgliedern negiert und der individuelle Wille bejaht.]

Keupp (1995) verbindet individuelle und kollektive Ziele, die er in veränderten sozialen Beziehungen sieht: Nachbarschaften bilden Beziehungen, die gleichzeitig lose und persönlich sind; Freunde werden nicht traditionell, sondern nach ähnlichen Interessen ausgewählt; traditionelle Zugehörigkeiten (z.B. zu einer Kirche) werden abgelöst durch individuelle, freiwillige Solidarbeziehungen (z.B. in einer Sekte oder einer Meditationsgruppe), wodurch ein „neuer Typus von Solidarität“ (S. 54) entsteht.

[Seite 16]

Während sich die klassische wissenschaftliche Debatte um Gemeinschaft und Gesellschaft (z.B. Tönnies, Weber, Parsons) auf »reine« Formen der Zusammengehörigkeit in der »Entweder-Oder-Ausschließung« bezieht, sind die Solidarbeziehungen in der (Post-) Moderne geradezu durch die Überwindung der traditionellen Loyalität und die Bejahung des individuellen Willens gekennzeichnet (z.B. die Wohngemeinschaft).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Der dritte Satz, der sich stärker von der Quelle löst und zusätzliche Verweise auf Keupp 1995 bzw. 2000 enthält, bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[7.] Mhg/Fragment 018 02 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 17:12 Schumann
Erstellt: 13. November 2016, 17:50 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 18, Zeilen: 2-6
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 16, Zeilen: 8 ff.
Das neue Gemeinschaftsbedürfnis sucht nach individuell nutzbaren Beziehungen. Die verlorene Gemeinschaft wird durch informelle multiple Netzwerke ersetzt, deren Aufbau nicht mehr traditionell erfolgt, sondern in Abhängigkeit vom Arbeits- und Dienstleistungsmarkt entworfen und verwirklicht wird. Das Gemeinschaftsbedürfnis richtet sich auf individuell nutzbare Gemeinschaften, d.h. [...]. An die Stelle der zerfallenden Familien und verlorenen Solidaritäten treten nun informelle, transitorische Netzwerke und multiple Gruppenzugehörigkeiten. Auch der Aufbau und die Konstituierung von Gruppen ist nicht mehr durch tradierte Rituale vorgegeben, sondern wird in Abhängigkeit vom Dienstleistungsmarkt geplant und organisiert.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite, siehe Fragment 017 28; die Übernahme schließt auch in der Quelle an das Ende jenes Fragments an.

Wie schon bei den vorangegangenen Fragmenten sprachlich stark umformuliert - und kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[8.] Mhg/Fragment 018 11 - Diskussion
Bearbeitet: 1. February 2017, 15:10 Schumann
Erstellt: 31. January 2017, 10:48 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Keupp 2002, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 18, Zeilen: 11-30
Quelle: Keupp 2002
Seite(n): 146, Zeilen: 4 ff., 19 ff.
Die Netzwerkgesellschaft führt aber auch zu einer qualitativen Veränderung in der menschlichen Erfahrung, die nicht von jedermann positiv erlebt wird (vgl. Castells 2003).

Richard Sennett betont im Rahmen seiner Kapitalismusanalyse (Sennett 1988), dass als Ergebnis der beruflichen Anforderung im globalisierten Wirtschaftssystem Strukturen abgebaut werden, die auf Dauer angelegt waren. Sie werden ersetzt durch „netzwerkartige Gliederungen“, die „weniger schwerfällig“ sind und die „sich einfacher auflösen und umorganisieren“ lassen “als starre Hierarchien“ (Sennett, 1988 : 27). „Beziehungen gewinnen an Bedeutung, deren Eigenschaften Mark Granovetter unter der Bezeichung „Die Stärke schwacher Bindungen“ (Granovetter 1982) beschrieben hat, „womit er zum einen meint, dass flüchtige Formen von Gemeinsamkeiten den Menschen nützlicher seien als langfristige Verbindungen, zum anderen, dass starke soziale Bindungen wie Loyalität ihre Bedeutung verloren hätten“ (Sennett: 1998:28). In Anlehnung an diese Analyse stellt Senett [sic] eine Reihe von kritischen Fragen: „Wie lassen sich langfristige Ziele in einer auf Kurzfristigkeit angelegten Gesellschaft anstreben? Wie sind dauerhafte soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten? Wie kann ein Mensch in einer Gesellschaft, die aus Episoden und Fragmenten besteht, seine Identität und Lebensgeschichte zu einer Erzählung bündeln?“ (Sennett 1988: 31). [„Die Entstehung der „Netzwerk-Gesellschaft“ steht also für eine höchst ambivalente Entwicklung. Sie umschreibt einerseits eine globalisierte Weltgesellschaft, die ungeheure Gestaltungsräume eröffnet, traditionelle Grenzziehungen überschreitet und ungeahnte ökonomische Potentiale schafft (Bill Gates als Prototyp). Andererseits ist es eine (noch?) unberechenbare Gesellschaft, die in ihrer „Raum-Zeit-Kompression“ bislang vertraute Identitätsformationen, Wissensbestände, Berufsbilder und Kulturtechniken in Frage stellt“ (Keupp 2002: 146).]


Castells, Manuel (2003) Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Opladen.
Granovetter, Mark (1982) The Strength of Weak Ties: A Network Theory Rivested [sic]. In: Marsden, Peter / Lin, Nan (Hg.) Social Structure and Network Analysis, Beverly Hills, 105-130.
Keupp, Heiner (2002) Soziale Netzwerke .Vermessung des Sozialen – alltägliche Ressourcen - Die Zukunftsgesellschaft. In: Beyrer, Klaus / Andritzky, Michael (Hg.) das netz. Sinn und Sinnlichkeit vernetzter Systeme, Heidelberg, 145-156.
Sennett, Richard (1988) Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin.

Für Castells bedeutet „die Netzwerkgesellschaft eine qualitative Veränderung in der menschlichen Erfahrung“.4 Diese Veränderung freilich wird von den Menschen nicht nur positiv erlebt.

Bezogen auf die beruflichen Anforderungen des globalisierten Wirtschaftssystems stellt Richard Sennett in seiner Analyse des „flexiblen Kapitalismus“ den Abbau von Strukturen heraus, die auf Langfristigkeit und Dauer angelegt sind. An ihre Stelle würden „netzwerkartige Gliederungen“ treten, die „weniger schwerfällig“ seien als „starre Hierarchien“. An Bedeutung würden jene Beziehungen gewinnen, die Granovetter treffend durch die „Stärke schwacher Bindungen“ charakterisiert habe. Gemeint sei damit zum einen, „dass flüchtige Formen von Gemeinsamkeit den Menschen nützlicher seien als langfristige Verbindungen, zum anderen, dass starke soziale Bindungen wie Loyalität ihre Bedeutung verloren hätten“. [...] Sennett knüpft an diese Analyse die besorgte Frage an: „Wie lassen sich langfristige Ziele in einer auf Kurzfristigkeit angelegten Gesellschaft anstreben? Wie sind dauerhafte soziale Beziehungen aufrechtzuerhalten? Wie kann ein Mensch in einer Gesellschaft, die aus Episoden und Fragmenten besteht, seine Identität und Lebensgeschichte bündeln?“5
Der Begriff der „Netzwerkgesellschaft“ steht für eine ambivalente Entwicklung. Er umschreibt einerseits eine globalisierte Weltgesellschaft, die ungeheure Gestaltungsräume eröffnet, traditionelle Grenzziehungen überschreitet und ungeahnte ökonomische Potenziale schafft (Bill Gates kann als Prototyp hierfür angesehen werden). Andererseits handelt es sich um eine (noch?) unberechenbare Gesellschaft, die in ihrer „Raum-Zeit-Kompression“ bislang vertraute Identitätsformationen, Wissensbestände, Berufsbilder und Kulturtechniken in Frage stellt.


4 Castells (wie Anm. 1).
[Seite 145:
1 Manuel Castells: Das Informationszeitalter. Bd. 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft. Leverkusen 2001; [...]]
5 Richard Sennett: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin 1998, S. 27ff. u. S. 31.

Anmerkungen

Die Quelle wird lediglich für das abschließende, von uns in eckige Klammern gesetzte und in der Zeilenzählung nicht berücksichtigte Keupp-Zitat genannt (das trotz Kennzeichnung als wörtliches Zitat nicht wörtlich übertragen wird). Es erschließt sich dem Rezipienten jedoch nicht, dass auch der vorhergehende Text leicht abgewandelt aus dieser entnommen wird.

Die Verf.in ergänzt lediglich einige Referenzen. Die Angabe "Sennett, Richard (1988) Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. Berlin." ist übrigens so nicht richtig, da dieser Titel 1998 erschienen ist; eine frühere deutsche Ausgabe existiert nicht. Insofern ist "Sennett: 1998:28" von der Jahreszahl her korrekt, passt aber nicht zur Angabe von Mhg. Die falsche Datierung "1988" findet sich auch auf den Seiten 14, 15, 16 und 132.

Sichter
(162.220.59.66), SleepyHollow02

[9.] Mhg/Fragment 019 09 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:19 Schumann
Erstellt: 19. December 2016, 18:39 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 19, Zeilen: 9-16
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 260, Zeilen: 2 ff., 7 ff.
Im zweiten Kapitel wird die Dichotomie von Gemeinschaft und Gesellschaft in den Gesellschaftheorien unter der Annahme kritisiert, dass das Begriffspaar „Gemeinschaft und Gesellschaft“ wie es von Tönnies entworfen wurde, nicht unter dem Gesichtspunkt einer linearen Entwicklung, sondern vielmehr unter dem der Komplexität ausgedeutet werden muss. Diese kritische Diskussion kommt zu dem Ergebnis, das einzig eine am „Netz“ orientierte Lesart der tönniesschen Begriffsdichotomie zu einem der Moderne eigenen Gesellschafts- und Gemeinschaftsverständnis fuhrt. Demzufolge kann einzig eine am Modell des «Netzes» orientierte Lesart des Tönniesschen Begriffspaares sowie der darauf bezogenen Parsonsschen Modellgrößen diese begrifflichen Rahmen in zu einem der Moderne eigenen dezentralisierten Weltverständnis hinführen. [...]

[...]

Heute, einhundert Jahre nach den ersten Tönniesschen Überlegungen, wissen wir, daß das Begriffspaar Gemeinschaft-Gesellschaft nicht unter dem Gesichtspunkt der linearen Entwicklung, sondern vielmehr unter dem der Komplexität ausgedeutet werden muß.

Anmerkungen

Eher kurz, aber nicht trivial.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[10.] Mhg/Fragment 019 28 - Diskussion
Bearbeitet: 29. January 2017, 20:39 Schumann
Erstellt: 11. December 2016, 08:14 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 19, Zeilen: 28-38
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 2, 3, Zeilen: 2: 12 ff.; 3: 12 ff.
Der vierte Abschnitt beschäftigt sich mit den formalen Begriffen und Methoden der Netzwerkanalyse, insbesondere der ego-zentrierten Netzwerkanalyse. Dazu wird die ego-zentrierte Netzwerkanalyse in das System der sechs verwendeten Formen der Netzwerkanalyse eingeordnet. Bei der Erhebung von egozentrierten Netzwerken mit Hilfe von Massenumfragen haben sich drei Instrumente durchgesetzt. Diese Instrumente und die dazugehörigen Strukturmaße zur Beschreibung ego-zentrierter Netzwerke werden in diesem Abschnitt vorgestellt.

Im fünften Abschnitt wird die netzwerkanalytisch reformulierte Frage nach den Auswirkungen der gesellschaftlichen Modernisierung in Verbindung gebracht mit den Netzwerkbeziehungen von Familien mit Kindern unter 18 Jahren in drei deutschen Großstädten, nämlich Hamburg, Stuttgart und Berlin.

Die formalen Begriffe und Methoden der Netzwerkanalyse und insbesondere der ego-zentrierten Netzwerkanalyse werden im zweiten Kapitel eingeführt. Hier erfolgt eine Verortung der ego-zentrierten Netzwerkanalyse innerhalb des Systems der sechs in der Netzwerkanalyse verwendeten Formen der Netzwerkanalyse. Es haben sich drei Instrumente für die Erhebung ego-zentrierter Netzwerke in Massenumfragen durchgesetzt. Diese Instrumente und Strukturmaße zur Beschreibung ego-zentrierter Netzwerke sollen systematisch vorgestellt werden.

[Seite 3]

Die Thesen zur Entwicklung familialer Lebensformen werden im fünften Kapitel mit der netzwerkanalytisch reformulierten Frage nach den Auswirkungen gesellschaftlicher Modernisierung auf die Struktur ego-zentrierter Netzwerke in Verbindung gebracht.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[11.] Mhg/Fragment 020 12 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 19:03 Schumann
Erstellt: 12. December 2016, 07:24 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 20, Zeilen: 12-19, 22-26
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 164, 165, Zeilen: 164: 20 ff.; 165: 1 f.
Ulrich Beck (1986) sieht in den achtziger Jahren in der Desintegration von Familien ein Ergebnis der Freisetzungsdimension der Modernisierung. Die Familien sind insofern die Modernisierungsverlierer, was sich in einem Verlust der sozialen Beziehungen ausdrückt. Obwohl keine explizite Aussage über den sozialen Status gemacht wird, betrifft dies besonders diejenigen, denen die sozialen Ressourcen, wie z.B. unterschiedliche Kapitalformen, eigene Attraktivität und Zeit fehlen, um dauerhafte soziale Beziehungen einzugehen und zu unterhalten. [...] Stimmen diese Analysen, so sollten die ego-zentrierten Netzwerke von Familien kaum bedeutsame Beziehungen aufweisen und die Unterstützungspotentiale ihrer Netzwerke wären inadäquat. Sie entsprächen der düsteren Version der verlorenen Gemeinschaft als individuell erfahrenem Verlust. Diese desintegrierten Individuen leben in solchen Lebensformen, die ein Ergebnis der Freisetzungsdimension (Beck) der Modernisierung sind. Die Desintegrierten sind insofern die Modernisierungsverlierer, was sich in dem Verlust ihrer soziale [sic] Einbindung ausdrückt. Auch wenn zunächst keine Aussage über den sozialen Status impliziert ist, so finden sich hier auch diejenigen wieder, denen die sozialen Ressourcen (die verschiedenen Kapitalformen, eigene Attraktivität, verfügbare Zeit) fehlen, um solche Beziehungen einzugehen und dauerhaft zu unterhalten, die die Netzwerke der Individuen in den anderen Gruppierungen aufweisen. [...] Diese Individuen weisen kaum bedeutsame Beziehungen auf und ihre egozentrierten Netzwerke sind klein und die Unterstützungspotentiale ihrer Netzwerke sind inadäquat. In der Gruppierung der Modernisierungsverlierer finden sich - etwas pointiert ausgedrückt - die von Durkheim skizzierten Formen sozialer Anomien als Lebensformen ohne

[Seite 165]

Netzwerkeinbindung wieder und sie entsprechen der düsteren Vision der verlorenen Gemeinschaft als individuell erfahrenem Verlust.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Aus "Vision" wird "Version".

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[12.] Mhg/Fragment 021 02 - Diskussion
Bearbeitet: 7. February 2017, 16:58 SleepyHollow02
Erstellt: 23. November 2016, 16:39 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Runia 2002, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 2-29
Quelle: Runia 2002
Seite(n): 6, 7, Zeilen: 6: 14 ff. - 7: 1 ff.
Individualisierungstendenzen sind nach Beck (1986) das wichtigstes Merkmal der gegenwärtigen Gesellschaft. Das moderne Individuum vereinsamt zunehmend und ist - wenn überhaupt - nur Teil unpersönlicher Gemeinschaften. Die verstärkte Individualisierung führe einerseits zur Herauslösung aus traditionellen und familialen Bindungen und andererseits zu einem Verlust an traditioneller Sicherheit. Die bisherigen Lebensläufe werden entstandardisiert, was zu einem erhöhten Risiko für den Einzelnen führt. Auch Münch (1992) kommt in seiner umfassenden Gesellschaftskritik zu dem Ergebnis, dass die traditionelle Gesellschaft samt ihrer Normen, Wertvorstellungen und Institutionen endgültig eliminiert werde. So ist nach Münch die neue „Kommunikationsgesellschaft“ durch eine viel größere Offenheit und Vielschichtigkeit gekennzeichnet: „Die Einbindung des Menschen in Klassenstrukturen, Kirchen, Verbände, Industrien, Berufe und Systeme weicht einer Vielfalt von sich gegenseitig durchdringenden, völlig freien Vereinigungen“ (Münch 1992: 15). Somit entsteht zum einen eine neue Dimension von Individualität, zum anderen bilden sich neue „Gemeinschaften“ in Form von selbst organisierten Gruppen heraus. Solche Beschreibungen der gegenwärtigen Gesellschaft sind durchaus mit dem von Tönnies festgestellten Übergang von der Gemeinschaft zur Gesellschaft vergleichbar, denn auch bei Tönnies werden traditionelle Beziehungsformen abgelöst durch einen Individualisierungsprozess, dem egoistischen Streben nach Selbstbestimmung und -verwirklichung.

Die zunehmende Individualisierung hat zur Folge, dass bisherige Biographien und Geschlechterrollen, Klassen- und Arbeitsverhältnisse entstandardisiert werden und die Unsicherheiten für die Individuen zunehmen. Doch die „Risikogesellschaft“ mit ihren fehlenden Identifikationsmöglichkeiten, die zu einer „verlorenen Gemeinschaft“ wird, befördert auch gleichzeitig die Suche nach funktionalen Alternativen, d.h. nach „neuen Gemeinschaften“ in Form von Selbsthilfegruppen, Vereinen, aber auch Sekten.

Beck stellt in seinem Werk „Risikogesellschaft“ (1986) Individualisierungstendenzen als wichtigstes Kennzeichen der gegenwärtigen Gesellschaft dar; das moderne Individuum sei vereinsamt und - wenn überhaupt - nur Bestandteil von unpersönlichen Gemeinschaften. Die verstärkte Individualisierung führe einerseits zur Herauslösung aus traditionellen Bindungen wie der Familie, andererseits zum Verlust traditioneller Sicherheiten. Bisherige Lebensläufe werden entstandardisiert; hierdurch entstehen für den Einzelnen größere Risiken.

Münch (1992) stellt in seiner umfassenden Gesellschaftskritik fest, dass die traditionelle Gesellschaft endgültig eliminiert werde und mit ihr zugleich traditionelle Normen, Wertvorstellungen und Institutionen. Die neue „Kommunikationsgesellschaft“ sei gekennzeichnet durch eine viel größere Offenheit und Vielschichtigkeit: „Die Einbindung des Menschen in Klassenstrukturen, Kirchen, Verbände, Industrien, Berufe und Systeme weicht einer Vielfalt von sich gegenseitig durchdringenden, völlig freien Vereinigungen.“ (Münch 1992: 15) Es entsteht so zum einen eine neue Dimension von Individualität,

[Seite 7]

zum anderen bilden sich neue Formen von „Gemeinschaft“, der Vereinigung in selbst organisierten Gruppen.

Beschreibungen der gegenwärtigen Gesellschaft sind daher durchaus vergleichbar mit dem von Tönnies konstatierten Übergang von Gemeinschaft zu Gesellschaft: Traditionelle Beziehungs-formen werden abgelöst durch einen Individualisierungsprozess, einem egoistischen Streben nach Selbstbestimmung und -verwirklichung. Diese zunehmende Individualisierung der Lebenswege und Pluralisierung von Lebensstilen hat zur Folge, dass soziale Beziehungen, die auf emotionaler Zugehörigkeit beruhen, nicht durch „gleichwertige“ neue Beziehungen ersetzt werden (Diewald 1991: 19 ff). Bisherige Biographien und Geschlechterrollen, Klassen- und Arbeitsverhältnisse werden entstandardisiert, die Unsicherheiten für das Individuum nehmen zu. Eine solche „Risikogesellschaft“ mit fehlenden Identifikationsmöglichkeiten durch den Verlust von „Gemeinschaft“ bewirkt eine Suche nach funktionalen Alternativen, nach „neuen Gemeinschaften“ in Form von Selbsthilfegruppen, Clubs, Sekten, Vereinen etc.

Anmerkungen

Die Verfasserin übernimmt die Beck- und Münch-Rezeption hier von Runia (2002), einer Quelle, die in ihrer Arbeit nirgends genannt ist.

Das Fragment ist erneut verwertet in [2] = PDF

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[13.] Mhg/Fragment 021 30 - Diskussion
Bearbeitet: 7. December 2016, 20:29 Schumann
Erstellt: 13. November 2016, 19:00 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 21, Zeilen: 30-37
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 24, Zeilen: 32 ff.
Jedoch jenseits aller Diskussionen um eine desintegrierte, gewandelte oder befreite Gemeinschaft (Wellman 1988) ist die soziale Einbindung der Menschen zu gewährleisten, was in der Konsequenz bedeutet, dass das alltägliche Gemeinschaftsleben individuell organisiert werden muss. Geht man von der Annahme aus, dass jede Form des Zusammenlebens ein Bedürfnis nach Verbundenheit impliziert und da der Individualismus aus der Gemeinschaft entsteht und die Gesellschaft hervorbringt und sie trägt (siehe Tönnies [1987] 1991: XXIII), ist es notwendig, die Gemeinschaftsformen in der Gegenwart zu betrachten. [Sind sie das Resultat von Modernisierungsprozessen und Vergesellschaftung oder bilden sie eher eine Gegenbewegung dazu?] Unabhängig von der Diskussion um eine verlorene oder eine befreite Gemeinschaft muß die soziale Einbindung gewährleistet werden, und das heißt, daß die alltägliche Vergemeinschaftung zunehmend zu einer individuell zu erbringenden Leistung wird. Ausgehend von der These, daß jede Form des Zusammenlebens Verbundenheit anstrebt und „(j)eder Individualismus auf Gemeinschaft (fußt) und in Gesellschaft (resultiert)“ (Tönnies 1979, S. XXIII), ist die Aufmerksamkeit auf die Gemeinschaftsformen in der Moderne zu richten. Sind diese Formen Gegenbewegungen zu Rationalisierungsprozessen und Vergesellschaftungen?
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die hier erkennbar als Schreibvorlage dient.

Die zwar ebenfalls an die Quelle anknüpfende aber freier formulierte Frage am Ende geht nicht mit in die Zeilenzählung ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[14.] Mhg/Fragment 022 01 - Diskussion
Bearbeitet: 6. December 2016, 20:36 Schumann
Erstellt: 13. November 2016, 23:03 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 1-4, 22-26
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 25, Zeilen: 12 ff., 27 ff.
Um diese Thematik über das Gegensatzpaar «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» aus der Sicht eines allgemeinen soziologischen Theorieverständnisses zu beleuchten, folgt an dieser Stelle ein diskursgeschichtlicher Abriss der wichtigsten Protagonisten um die Gemeinschaftsdebatte.

1.1 Rationalisierung und Gemeinschaft

[...]

Tönnies sieht im Willen die Voraussetzung für jegliche Handlung und macht ebenso wie Schopenhauer das menschliche Wollen zum Bindungsmotiv.

Der Wesenswille „involviert das Denken“ (Tönnies [ 1887] 1991: 73) in das Wollen der Gemeinschaft und erzeugt durch die Bejahung der gemeinschaftlichen Sozialform ein Band von Einigkeit und Eintracht.

Vorab ist ein dogmengeschichtlicher Abriß notwendig, um die Problematik vor einem allgemeinen soziologischen Theorieverständnis, dem Gegensatzpaar Gemeinschaft und Gesellschaft, zu beleuchten (vgl. Spurk 1990, S. 1). [...]

1.1 Die Rationalisierung gemeinschaftlicher Formen

[...] Das menschliche Wollen erhebt er nach Schopenhauer zum Bindungsmotiv, d.h. er analysiert nicht die Formen des Handelns, sondern den Willen als Voraussetzung jedweder Handlung und als prinzipielle Auffassung des sozialen Lebens.

Tönnies unterscheidet den Wesenwillen vom Kürwillen. Der Wesenwille bindet das Denken in das Wollen der Gemeinschaft ein, denn die Affirmation der gemeinschaftlichen Sozialform wird apriorisch entschieden und erzeugt ein emotionales Band der Eintracht und Einigkeit.

Anmerkungen

Trotz Ergänzung wörtlicher Tönnies-Zitate (in der Auslassung und im letzten Satz), Umformulierungen und Umstellungen zeigen sich die inhaltlichen Parallelen zur ungenannt bleibenden Schreibvorlage.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[15.] Mhg/Fragment 022 14 - Diskussion
Bearbeitet: 23. July 2017, 18:07 Stratumlucidum
Erstellt: 1. February 2017, 17:54 (Schumann)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 22, Zeilen: 14-21, 26-32
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 249, 250, Zeilen: 249: 9 ff., 23 f.; 250: 1 ff., 8 ff.
Dabei hat Tönnies den historisch-gesellschaftlichen Wandel als einen linearen Wandel beschrieben, der sich notwendigerweise und fortschreitend vom Pol der Gemeinschaft zum Pol der Gesellschaft vollzieht.

Seitdem diente das Begriffpaar «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» in den meisten Interpretationen als dualistisches Modell mit zwei sich gegenüberstehenden Normaltypen1 sozialer Beziehungen, in denen bzw. durch die sich Menschen assoziieren: der „Wesenwille“ (Eintracht) und der „Kürwille“ (Vertrag).

[...] Die Theorie der Gemeinschaft geht von

„der vollkommenen Einheit menschlicher Willen als einem ursprünglichen oder natürlichen Zustande aus, welcher trotz der empirischen Trennung und durch dieselbe hindurch sich erhalte, je nach der notwendigen und gegebenen Beschaffenheit der Verhältnisse zwischen verschieden bedingten Individuen mannigfach gestaltet“ (Tönnies [1887] 1991:7) aus.

1 s. Tönnies Vorrede zur sechsten und siebenten Auflage XLII

Tönnies hatte sie [Henry Maines Theorie] eingehend studiert und konnte unter dem Eindruck dieses Klimas einem linearen Paradigma vom historisch-gesellschaftlichen Wandel nicht widerstehen, demzufolge sich der Wandel notwendigerweise und fortschreitend von einem «Pol» (dem der Gemeinschaft) zu einem anderen «Pol» (dem der Gesellschaft) vollzieht. [...]

Von jenem Zeitpunkt an hat das Begriffspaar Gemeinschaft-Gesellschaft allgemein – d.h. in den meisten Interpretationen, die es dazu gegeben hat – als

[Seite 250]

dualistisches Modell gedient, innerhalb dessen sich zwei «Idealtypen» (die der Autor schließlich «Normaltypen» zu nennen bevorzugte) (3) sozialer Beziehungen gegenüberstehen, in denen und durch die sich Menschen zusammenschließen: der «Wesenwille» (Eintracht) oder der «Kürwille» (Vertrag) (4).

[...]

Die Theorie von der Gemeinschaft geht von der Voraussetzung «der vollkommenen Einheit menschlicher Willen als einem ursprünglichen oder natürlichen Zustande aus, welcher trotz der empirischen Trennung und durch dieselbe hindurch sich erhalte, je nach der notwendigen und gegebenen Beschaffenheit der Verhältnisse zwischen verschieden bedingten Individuen mannigfach gestaltet» (5).


(3) In der Vorrede zur sechsten und siebenten Auflage erklärt Tönnies, er bevorzuge den Begriff «Normaltypen», da der Begriff «Ideal zu dem Mißverständnis eines anderen Sinnes führt» (F. Tönnies, a.a.O., S. XLII).

(4) Vgl. W.J. Cahnman (ed.), A Research Note on Phenomenology and Symbolic Interactionism, in: ders. (ed.), Ferdinand Tönnies. A New Evaluation, Brill, Leiden 1973.

(5) F. Tönnies, a.a.O., S. 7.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

In der Auslassung befindet sich der zweite Teil einer Übernahme von Dederichs (1999), siehe Fragment 022 01.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[16.] Mhg/Fragment 023 03 - Diskussion
Bearbeitet: 8. December 2016, 13:43 Schumann
Erstellt: 13. November 2016, 23:21 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 3-9, 25-28
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 25, 26, Zeilen: 25: letzte Zeile; 26: 1 ff., 8 ff.
Die Gemeinschaft ist verbunden durch das Blut, den Ort und den Geist. Die soziale Ordnung wird durch die natürliche Arbeitsteilung (Alter, Geschlecht, Talent) geschaffen. Es handelt sich dabei um ein friedliches und vertrautes, uneingeschränktes Zusammenleben.

Die Gemeinschaft stellt für Tönnies eine historische Sozialform dar, deren Totalität sich die Mitglieder zunehmend entziehen, um andere Ziele zu verfolgen. [...]

[...]

[...] Mit dem Kürwillen wird das Denken endgültig von der Gesamtheit des Wollens getrennt. Der Verlust der Einheit wird durch kürwillentliche Verbindungen zu kompensieren versucht, was zu einer ideellen, künstlich konstruierten Einheit führt. Es ist das Substitut zur gemeinschaftlichen Einheit.

[Seite 25]

Die Gemeinschaft ist ein natürliches

[Seite 26]

Kollektiv, das durch die Dimensionen Blut, Ort und Geist konstituiert wird und natürliche Arbeitsteilungen (Alter, Geschlecht, Begabung) als Ordnung institutionalisiert (vgl. Flego 1993, S. 69). Sie ist charakterisiert durch das friedliche, vertraute und ausschließliche Zusammenleben. [...]

Tönnies versteht Gemeinschaft als historische Sozialform, aus deren Ganzheitlichkeit die Mitglieder sich zunehmend herauslösen, um eigene Ziele zu verfolgen.

Im Kürwillen wird die Trennung des Denkens von der Willensganzheit vollzogen, der Wille speist sich nun aus dem Denken der einzelnen Gesellschaftsmitglieder, also dem Einzelwillen, und nicht mehr aus der apriorischen Einheit. Als Kompensation des Verlustes der Einheit werden kürwillentliche, d.h. kalkulierbare, rationale Willensverbindungen eingegangen, wodurch die Ganzheit zu einer ideellen, künstlich konstruierten Einheit wird, die die gemeinschaftliche Einheit substituieren soll.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[17.] Mhg/Fragment 023 23 - Diskussion
Bearbeitet: 29. January 2017, 18:40 Schumann
Erstellt: 26. January 2017, 18:26 (Schumann)
Bickel 1999, Fragment, Gesichtet, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 23-25
Quelle: Bickel 1999
Seite(n): 117, Zeilen: 17-19
Die Gesellschaft beruht auf den zweckrationalen Willensakten der Subjekte, auf einem Zusammenwollen des eigenen Vorteils wegen. „Gesellschaft“ beruht auf den zweckrationalen Willensakten der Subjekte, auf einem Zusammenwollen des eigenen Vorteils wegen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Für eine Kategorisierung unter "keine Wertung" spräche die relative Kürze des Fragments, dagegen der wörtliche Charakter der Übernahme eines nicht trivialen Inhalts (zumal angesichts der Praxis der Verf.in, selbst kürzeste Übernahmen in ihrer Arbeit als wörtliche auszuweisen).

Auf Seite 25 oben zitiert die Verf.in Bickel bei einer ähnlich kurzen Übernahme korrekt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[18.] Mhg/Fragment 023 28 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:20 Schumann
Erstellt: 27. December 2016, 08:24 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 23, Zeilen: 28-31
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 250, Zeilen: 5-7
Die Gemeinschaft ist die charakteristische Verbindung des „wirklichen und organischen Lebens“, wohingegen die Gesellschaft die charakteristische Verbindung von „ideellen und mechanischen (sozialen) Gebilden“ darstellt. Die Gemeinschaft ist die charakteristische Verbindung des «wirklichen und organischen Lebens», wohingegen die Gesellschaft die charakteristische Verbindung von «ideellen und mechanischen (sozialen) Gebilden» darstellt.
Anmerkungen

Ein kurzes Fragment (das direkt an Fragment 023 03 - dort mit Quelle Dederichs (1999) - anschließt), gleichwohl ist die Tönnies-Rezeption der Verf.in identisch mit der Donatis.

(Sollten allerdings die Begriffe "Gesellschaft" und "Gemeinschaft" in der Lesart von Tönnies soziologisches Allgemeinwissen sein, wäre das Fragment eher unter "keine Wertung" einzuordnen.)

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[19.] Mhg/Fragment 024 05 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 17:16 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 13:52 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 24, Zeilen: 5-8, 10-11
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 26, Zeilen: 27 ff.
Mit dem Begriff der Gesellschaft konstruiert Tönnies ein Kollektiv auf der Basis der Dimensionen Handel, Tausch und Konventionen, die einer gewissen ökonomischen Arbeitsteilung entsprechen und durch die soziale Ungleichheiten erzeugt werden. Während Tönnies bei der Gemeinschaft noch von einem „ursprünglichen (einfachen, familienhaften) Kommunismus“ (Tönnies [ 1887] 1991: 219) spricht, ist die Gesellschaft egoistisch, da die Individuen nur noch für sich arbeiten und damit die Arbeit ihren naturgemäß gemeinschaftlichen Charakter verliert (siehe Tönnies [1887] 1991: 137ff). Die Gesellschaft ist ein konstruiertes Kollektiv, das durch die Dimensionen Tausch, Sozietät (=Konvention) und Handel konstituiert wird und eine ökonomisch bestimmte Arbeitsteilung sowie dementsprechende Ungleichheiten erzeugt. Während die Gemeinschaft urkommunistisch war6, ist die Gesellschaft egoistisch, in der die Mitglieder vor allem für sich arbeiten.

6 [...]

Anmerkungen

Der dritte Satz wird konkretisierend um ein kurzes wörtliches Tönnies-Zitat sowie am Ende um eine weitere Tönnies-Referenz ergänzt (und geht daher nur teilweise in die Zeilenzählung ein), ein Hinweis auf die als Schreibvorlage dienende "Leitquelle" fehlt freilich.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[20.] Mhg/Fragment 024 18 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 17:19 Schumann
Erstellt: 16. December 2016, 08:09 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Hansen 2002, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 24, Zeilen: 18-37
Quelle: Hansen 2002
Seite(n): online, Zeilen: -
Freie Entscheidungen und freie Handlungen sind nach Tönnies jedoch immer rational nachvollziehbar. Sie entspringen der Notwendigkeit menschlichen Handelns. Menschliches Handeln unterliegt nicht nur Naturgesetzen, sondern auch Gesetzen, die menschlich verursacht sind. Sie schaffen somit in der Gesellschaft soziale Tatsachen und sind daher wie die Naturgesetze messbar. Jedoch ist alles, was nicht in die bejahenden positiven Beziehungen der Menschen eingeht, z. B. die destruktiven oder irrationalen Verhaltensweisen, auch nicht messbar. Als etwas Negatives können sie lediglich in der Abweichung vom Normalen festgestellt werden.

Tönnies vertritt damit einen sozialpsychologischen Voluntarismus. Es gibt einen Willen, [sic] im Denken und ein Denken, das einen Willen enthält. Das mit dem Willen verbundene Denken liefert die Impulse zur Vergesellschaftung der Individuen. Es entspringt innerlich und nicht äußerlich gesteuerten Ursachen. Mit dem Denken gestaltete sich in zunehmender Weise das Handeln der Menschen. Für Tönnies ist das Denken oder auch die Vernunft ein dynamisches Element. Es begünstigt die geistige Entwicklung des einzelnen Menschen, aber auch jede Kulturentwicklung. Mit dem Denken verliert der Mensch die Unschuld des Paradieses. Einen Weg zurück gibt es nicht, da die Einheit von Emotion und Überlegung aufgegeben wird. Durch die Macht des Denkens über das Handeln vollendet sich die Entfremdung des Menschen von sich selbst.

Der Faktor des Denkens, der Vernunft also, gestaltet als dynamisches Element in zunehmender Weise das Handeln der Menschen. Es fördert sowohl die geistige Entwicklung des einzelnen Menschen wie auch jede Kulturentwicklung. Mit dem Denken verliert der Mensch die paradiesische Unschuld. Es gibt keinen Weg zurück, die Einheit von Emotion und Überlegung wird aufgegeben. Die Macht des Denkens über das Handeln vollendet sich in der Entfremdung des Menschen von sich selbst. [...]

[...]

Freie Entscheidungen und freie Handlungen lassen sich Tönnies zufolge jedoch immer rational nachvollziehen. Sie entspringen der Notwendigkeit menschlichen Handelns, wenn diese sich auch letzten Ursachen und oft jeder Erklärung entziehen. Menschliches Handeln unterliegt nicht nur Naturgesetzen, sondern auch Gesetzen, die menschlich verursacht sind. Sie schaffen in der Gesellschaft somit soziale Tatsachen und sind daher wie die Naturgesetze meßbar. Nicht meßbar ist lediglich alles, was nicht in die bejahenden positiven Beziehungen der Menschen eingeht z. B. die destruktiven oder irrationalen Verhaltensweisen. Als Negatives können sie lediglich in der Abweichung vom Normalen festgestellt werden.

Tönnies vertritt somit einen sozialpsychologischen Voluntarismus, den zwei anderen Denkern aus dem nordfriesischen Raum mit ihm teilen: Friedrich Paulsen und Julius Bahnsen. Es gibt ein Wille [sic], in dem Denken [sic] und ein Denken, in dem Wille enthalten ist. Das mit dem Willen verbundene Denken gibt die Anstöße zur Vergesellschaftung der Menschen bis hin zur Staatsgründung.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die nirgends in der Arbeit erwähnt ist.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[21.] Mhg/Fragment 025 05 - Diskussion
Bearbeitet: 9. December 2016, 22:38 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 14:08 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 5-12
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 28, Zeilen: 22 ff.
Bei Max Weber ist die Rationalität untrennbar mit Handlungsfreiheiten verbunden, da sich die Individuen von ihrer Ursprünglichkeit befreien und zu Persönlichkeiten mit spezifischen Mustern der Lebensführung werden, die imstande sind rational zu handeln.

Weber verbindet die Kategorien Vergemeinschaftung (Gemeinschaft) und Vergesellschaftung (Gesellschaft) mit vier Typen sozialen Handelns. Das affektuelle2 und traditionale3 Handeln sind Formen der Gemeinschaft und wertrationales4 und zweckrationales5 Handeln sind der Gesellschaft zu zuordnen.


[2 Affektuelles Handeln liegt dann vor, wenn aktuelle Emotionen oder Affekte das Handeln bestimmen

3 Traditional ist ein Handeln bestimmt, wenn der jeweilige Akteur ein bestimmtes Verhalten aus reiner Gewohnheit vollzieht

4 Wertrationales Handeln ist, wenn sich jemand in einer bestimmten Art und Weise verhält, weil er an den ethischen, ästhetischen, religiösen oder wie immer sonst zu deutenden - unbedingten Eigenwert eines bestimmten Sichverhaltens rein als solchen” (Weber 1984: 44) glaubt und es ihm allein um dessen Realisierung durch sein Handeln geht.

5 Zweckrational ist das Handeln, wenn ein Akteur sein Tun auf einen bestimmten Zweck bzw. ein Handlungsziel insofern ausrichtet, als er rational die geeigneten Mittel unter Berücksichtigung alternativer möglicher Mittel auswählt und einsetzt.]

Rationalität ist bei einem Zeitgenossen Tönnies’, Max Weber, untrennbar mit Handlungsfreiheiten verknüpft, indem erst durch die Lösung von der Natürlichkeit eine Persönlichkeit mit eigenem Stil und einer spezifischen Lebensführung entstehen und rational handeln kann (vgl. Weber 1973, S. 132, 226). Weber bezieht die Kategorien Gemeinschaft (Vergemeinschaftung) und Gesellschaft (Vergesellschaftung) auf vier Typen sozialen Handelns, argumentiert also handlungstheoretisch. Affektuelles und traditionales Handeln verkörpern die Vergemeinschaftung, wertrationales und zweckrationales Handeln ist der Stoff, aus dem Vergesellschaftung gemacht ist.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Die Fußnoten dürften wörtliche Zitate von Max Weber sein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[22.] Mhg/Fragment 025 27 - Diskussion
Bearbeitet: 25. January 2017, 00:04 Schumann
Erstellt: 22. January 2017, 17:42 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, KomplettPlagiat, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 25, Zeilen: 27-28
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 125, Zeilen: 25 ff.
Im Gegensatz zu Tönnies sieht Weber zwischen den Prozessen der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung keine dichotomen Beziehungen. Im Gegensatz zu Tönnies (vgl. Kap. VI, S 57 ff.) sieht Weber zwischen den Prozessen der Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung keine dichotomen Beziehungen.
Anmerkungen

Fortsetzung auf der nächsten Seite.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumannn

[23.] Mhg/Fragment 026 01 - Diskussion
Bearbeitet: 25. January 2017, 00:06 Schumann
Erstellt: 22. January 2017, 17:48 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 1-15, 101-115
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 125, 126, Zeilen: 125: 25 ff.; 126: 1 ff.
[Er be-]trachtet sie wertfrei und stellt in diesem Sinne die fließenden Grenzen zwischen den beiden Typen von Beziehungsstrukturen fest.6

Die große Mehrzahl sozialer Beziehungen aber hat teils den Charakter der Vergemeinschaftung, teils den der Vergesellschaftung.

„Jede noch so zweckrationale und nüchtern geschaffene und abgezweckte soziale Beziehung (Kundschaft z.B.) kann Gefühlswerte stiften, welche über den gewillkürten Zweck hinausgreifen. Jede über ein aktuelles Zweckvereinshandeln hinausgehende und nicht von vornherein auf sachliche Einzelleistungen begrenzte Vergesellschaftung - wie etwa die Vergesellschaftung im gleichen Heeresverband [...] - neigt in freilich höchst verschiedenen Grade irgendwie dazu. Ebenso kann umgekehrt eine soziale Beziehung, deren normaler Sinn Vergemeinschaftung ist, von allen oder einigen Beteiligten ganz oder teilweise zweckrational orientiert werden. Wie weit z.B. ein Familienverband von den Beteiligten als ,Gemeinschaft’ gefühlt oder als Vergesellschaftung’ ausgenutzt wird, ist sehr verschieden” (Weber 1964: 29).

6 „ 'Vergemeinschaftung’ soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns [,..]auf subjektiv gefühlter (affektueller oder traditioneller) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht. .Vergesellschaftung’; soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (wert- oder zweckrational) motivierten Interessenausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht.[...].

Die Terminologie erinnert an die von F. Tönnies... vorgenommene Unterscheidung. Doch hat T. für seine Zwecke dieser Unterscheidung alsbald einen wesentlich spezifischeren Inhalt gegeben, als hier für unsere Zwecke nützlich wäre. Die reinsten Typen der Vergesellschaftung sind a) der streng zweckrationale, frei praktizierte Tausch auf dem Markt... b) der reine freipaktierte Zweckverein, eine nach Absicht und Mitteln rein auf Verfolgung sachlicher [...] Interessen der Mitglieder abgestellte Vereinbarung kontinuierlichen Handelns[...].

Vergemeinschaftung kann auf jeder Art von affektueller oder emotionaler oder aber traditionaler Grundlage beruhen: eine pneumatische Brüdergemeinde, eine erotische Beziehung, ein Pietätsverhätlnis [sic], eine ,nationale’ Gemeinschaft, eine kameradschaftlich zusammenhaltende Truppe. Den Typus gibt am bequemsten die Familiengemeinschaft ab” (Weber 1964:29).

Er betrachtet sie wertfrei und stellt in diesem Sinne die fließenden Grenzen zwischen diesen beiden Typen von Beziehungsstrukturen fest:

’Vergemeinschaftung’ soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns . . . auf subjektiv gefühlter (affektueller oder traditioneller) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht.

»Vergesellschaftung’; soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (wert- oder zweckrational) motiviertem Interessenausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht . . .

Die Terminologie erinnert an die von F. Tönnies . . . vorgenommene Unterscheidung. Doch hat T. für seine Zwecke dieser Unterscheidung alsbald einen wesentlich spezifischeren Inhalt gegeben, als hier für unsere Zwecke nützlich wäre. Die reinsten Typen der Vergesellschaftung sind a) der streng zweckrationale, frei paktierte Tausch auf dem Markt . . . b) der reine, frei paktierte Zweckverein, eine nach Absicht und Mitteln rein auf Verfolgung sachlicher . . . Interessen der Mitglieder abgestellte Vereinbarung kontinuierlichen Handelns . . .

Vergesellschaftung kann auf jeder Art von affektueller oder emotionaler oder aber traditionaler Grundlage beruhen: eine pneumatische Brüdergemeinde, eine erotische Beziehung, ein Pietätsverhältnis, eine „nationale“ Gemeinschaft, eine kameradschaftlich zusammenhaltende Truppe. Den Typus gibt am bequemsten die Familiengemeinschaft ab. Die große Mehrzahl sozialer Beziehungen aber hat teils den Charakter der Vergemeinschaftung, teils den der Vergesellschaftung. Jede noch so zweckrationale und nüchtern geschaffene und abgezweckte soziale Beziehung (Kundschaft z. B.) kann Gefühlswerte stiften, welche über den gewillkürten Zweck hinausgreifen. Jede über ein aktuelles Zweckvereinshandeln hinausgehende und nicht von vornherein auf sachliche Einzelleistungen begrenzte Vergesellschaftung - wie etwa die Vergesellschaftung im gleichen Heeresverband, in der gleichen Schulklasse, im gleichen Kontor, der gleichen Werkstatt - neigt, in freilich höchst verschiedenem Grade, irgendwie dazu. Ebenso

[Seite 126]

kann umgekehrt eine soziale Beziehung, deren normaler Sinn Vergemeinschaftung ist, von allen oder einigen Beteiligten ganz oder teilweise zweckrational orientiert werden. Wie weit z. B. ein Familienverband von den Beteiligten als „Gemeinschaft“ gefühlt oder als ,Vergesellschaftung’ ausgenutzt wird, ist sehr verschieden« (WG, S. 29).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die wörtlichen Zitate (einschließlich der Fußnote) sind - mit einer (leicht kürzenden) Ausnahme - identisch zugeschnitten und werden daher bei der Zeilenzählung mitberücksichtigt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumannn

[24.] Mhg/Fragment 026 16 - Diskussion
Bearbeitet: 25. January 2017, 00:17 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 14:19 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 26, Zeilen: 16-24
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 30, Zeilen: 15-22
Weber kennzeichnet mit den gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Komponenten den Weg der Entwicklungsschritte in eine rationale Gesellschaft, die für ihn ebenso wie für Tönnies die Endstufe gesellschaftlicher Entwicklung darstellt. Letztendlich bleibt er jedoch einer Dichotomisierung des vergemeinschafteten und vergesellschafteten Handelns durch die Zuweisung der Idealtypen zu den Sozialformen verhaftet. So verweist der Idealtypus des zweckrationalen Handelns auf eine Ausdifferenzierung unterschiedlicher Sphären zwischen den Polen Gemeinschaft und Gesellschaft, aber er kann nicht die unterschiedlichen Ausprägungen der Rationalität der Subsysteme erklären. Auch wenn Weber Koinzidenzen und Konvergenzen gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Komponenten einräumt, markiert er an ihnen letztlich Entwicklungsschritte auf dem Weg in die rationale Gesellschaft und die Dichotomie vergemeinschafteten und vergesellschafteten Handelns bleibt durch die Zuordnung der Idealtypen zu den Sozialformen bestehen. Die Dominanz des zweckrationalen Idealtypus verweist die ausdifferenzierten Sphären in eine Skala mit den Polen Gemeinschaft und Gesellschaft, die aber nicht in der Lage ist, die unterschiedlich ausgebildeten Rationalitätsniveaus der Subsysteme zu erklären.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[25.] Mhg/Fragment 028 24 - Diskussion
Bearbeitet: 2. February 2017, 20:46 Schumann
Erstellt: 2. February 2017, 19:29 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 28, Zeilen: 24-40
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 146, 147, Zeilen: 146: 28 ff.; 147: 1 f.
Bereits in den Analysen von Emile Durkheim wird die funktionale Bedeutung des auf „moralische Obligationen“ ausgerichteten „gewohnheitsmäßigen“ Handelns hervorgehoben und auf die Rolle der Tradition in ihrer Einbindung in das Kollektivbewusstsein für den Systemerhalt hingewiesen (vgl. Parsons 1951: 9).

Ein dritter Kritikpunkt von Parsons an Weber bezieht sich auf die Emotionalität, die bei Weber zu „Irrationalität“ tendiert und aufgrund der fehlenden Sinnhaftigkeit nicht weiter berücksichtigt wird. Parsons ist jedoch der Meinung, dass die Untersuchung der Emotionalität wichtige Aufschlüsse gibt über das menschliche Handeln im Bezugssystem der Interaktionen. Das affektuelle Handeln steht in einem Kontext zur normativ geprägten Situation, denn die sozial gesteuerten Werte führen zu einer Verdrängung bestimmter Triebe. Dabei steht das Individuum im Spannungsfeld zwischen seinen Trieben, Wünschen und Zielen (Interessen), den physikalischen Konditionen seiner Umwelt sowie den normativen Erwartungen des Kultursystems. Die durch den Sozialisierungsprozess angeschobene Anpassungsleistung kann auch zu einer Belastung der Emotionalität führen, so dass Parsons zu der Auffassung gelangt, dass emotionale [Handlungen in einen Zusammenhang mit sozialen Erscheinungen gestellt werden müssen (vgl. Parsons 1951).]

b) [...] In seinen Analysen habe Durkheim die funktionale Bedeutung des auf "moralische Obligationen" gerichteten, "gewohnheitsmäßigen" Handelns herausgestellt und damit auf die systemerhaltende Rolle der Traditionen in ihrer Verankerung im Kollektivbewußtsein hingewiesen. [...]

c) Emotionalität sei nach Weber eigentlich eine Residualkategorie (vgl. Pareto), die im Weberschen Schema zur »Irrationalität« tendiert und wegen ihrer mangelnden »Sinnhaftigkeit« nicht näher berücksichtigt wird. Parsons hingegen meint, daß die Erforschung der Emotionalität für das Verständnis menschlichen Handelns im Bezugssystem der Interaktionen auch für die Soziologie von besonderer Bedeutung ist. Das affektuelle Handeln steht auch in einem besonderen Zusammenhang mit der normativ geprägten Situation, da doch die sozial gesteuerten Werte zur Verdrängung bestimmter Triebe zwingen, wobei das Individuum im Spannungsfeld zwischen seinen Trieben, Wünschen und Interessen (= Zielen) und den physikalischen Bedingungen seiner Umwelt - aber auch zwischen seinen Zielen und den normativen Erwartungen des Kultursystems seine »Probleme« lösen muß. Dieser durch den Sozialisierungsproze eingeleitete Anpassungsvorgang verläuft nicht ohne Belastung der Sphäre der

[Seite 147]

Emotionalität. Emotionale Handlungen müssen folglich im Zusammenhang mit sozialen Erscheinungen betrachtet werden.

Anmerkungen

Die Quelle ist auf der oberen Hälfte der Seite für die dortigen Inhalte mehrfach (wenngleich unspezifisch) genannt - dass sich aber auch unten entgegen der Verweise auf Parsons tatsächlich die Übernahme aus Kiss fortsetzt, bleibt unausgewiesen und somit dem Rezipienten verborgen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[26.] Mhg/Fragment 029 12 - Diskussion
Bearbeitet: 2. February 2017, 21:48 Schumann
Erstellt: 2. February 2017, 19:58 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 29, Zeilen: 12-19
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 149, Zeilen: letzter Absatz
Für die strukturfunktionalistische Sicht ist kennzeichnend, dass Handeln stets situationsspezifisch betrachtet werden muss, da es durch die vorstrukturierten Bedingungen in der physikalisch-dinglichen, sozialen und kulturellen Umwelt determiniert wird. Dabei bezieht sich der funktionale Aspekt der Situationsanalyse auf die individuellen und kollektiven Aktivitäten, die darauf abzielen, bestimmte Bedingungen zu verändern. Eine solche Situationsveränderung funktioniert nur unter der Voraussetzung, dass zwischen den strukturellen und funktionalen Elementen eine kontinuierliche Anpassung erfolgt. Als Überleitung zum nächsten Abschnitt können wir also zusammenfassend festhalten, daß das soziale Handeln aus strukturfunktionalistischer Sicht stets situationsgebunden betrachtet werden muß, indem es durch Bedingungen determiniert wird, die von der dinglich-physikalischen, sozialen und kulturellen Umwelt vorstrukturiert sind. Der funktionale Aspekt der Situationsanalyse bezieht sich auf individuelle und kollektive Aktivitäten, deren Tendenz auf eränderung bestimmter Bedingungen abzielt. Die Veränderung der Situation (»evolution«) kann nur unter der Voraussetzung eines kontinuierlichen Anpassungsvorgangs zwischen strukturellen und funktionalen Elementen erfolgen.
Anmerkungen

Die Quelle ist im Absatz darüber für die dortigen Inhalte genannt - dass sich die Übernahme aus Kiss aber auch im folgenden Absatz fortsetzt, bleibt unausgewiesen und somit dem Rezipienten verborgen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[27.] Mhg/Fragment 030 27 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 19:08 Schumann
Erstellt: 12. December 2016, 20:10 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 30, Zeilen: 32-38
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 148, Zeilen: 23 ff.
Unter dem Aspekt der situationsbedingten Kraft des Normativen, erlangt die Rationalität eine zentrale Bedeutung, denn die Zweck-Mittel-Relation wird als situationsbedingter Faktor angesehen, welcher nicht nur Einfluss auf die Wahl der Mittel hat, sondern auch auf die Zielsetzung des Handelnden Einfluss ausübt. Solche Zwecke werden nicht nur individuell gesetzt, sondern auch normativ kontrolliert, d.h., dass die individuelle Auswahl zwischen Mitteln und Zwecken sowohl von den funktionalen als auch struktu[rellen Elementen des Systems abhängen.] Unter dem Gesichtspunkt der situational bedingten faktischen Kraft des Normativen erlangt die Rationalität zentrale Bedeutung: Die Zweck-Mittel-Relation wird als eine Variante situationsbedingter Faktoren gesehen, die nicht nur einen Einfluß auf die Mittelwahl, sondern auch auf die Zielgebung des Handelnden selbst ausübt. Zwecke werden nicht nur individuell gesetzt, sondern auch normativ kontrolliert, d. h. daß die individuelle Selektion zwischen Zwecken und Mitteln sowohl von den strukturellen als auch von den funktionalen Elementen des Systems abhängig ist.
Anmerkungen

Hier kein Hinweis auf die Quelle (die zuletzt am Ende des vorangehenden Kapitels genannt war und auf der Folgeseite erst weiter unten erwähnt wird).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[28.] Mhg/Fragment 031 01 - Diskussion
Bearbeitet: 2. February 2017, 20:42 Schumann
Erstellt: 12. December 2016, 20:24 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 31, Zeilen: 1-37
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 148, 155, 156, 157, Zeilen: 148: 30 ff.; 155: letzte vier Zeilen; 156: 1 ff.; 157: 1 ff.
Der Bezugsrahmen einer jeden Handlung wird durch drei Elemente bestimmt (Parsons 1962: 60, 71 ff).
a) «appreciative mode of value-orientation» - bietet Wahlmöglichkeiten bzw. Modalitäten der Nutzungschancen für die angestrebten bzw. erwünschten Ziele.
b) «cognitive mode of value-orientation» - bietet Wahlalternativen für die Richtigkeit bzw. Gültigkeit kognitiver Urteile an.
c) «moral mode of value-orientation» - zeigt bestimmte Konsequenzen des Handelns im Verhältnis zu anderen auf.

Eine Möglichkeit von Alternativorientierungen wird zwar „offen“ gehalten, aber durch die Vorgabe von wertbezogenen Wahlstandards zugleich eingeschränkt. Diese Arten der Wertorientierung haben einen eingeengteren und verbindlicheren Charakter als die von Selbstinteresse geleitete Art und Weise der motivationalen Orientierung. Die in den Wertorientierungen aufscheinenden verbindlichen Verhaltensmuster bringen den Anspruch der zentralen Kulturwerte zur Geltung, indem mit Hilfe der Mechanismen des sozialen Systems die Kulturwerte tradiert, vom Handelnden erlernt und als vorgegebene Maßstäbe der Orientierung angenommen werden. Damit wird der Einfluss der Kulturwerte für die Handelnden spürbar, da diese nicht nur Determinanten für Sozialsysteme sind, sondern auch für die individuellen Handlungen. Somit betrachtet Parsons einerseits den Einfluss sozialer Handlungen auf das System der Kulturwerte und andererseits die Rückwirkung der Handlungen auf das Wertesystem (vgl. Kiss 1977: 156ff). Die Mechanismen des Sozialsystems stehen in einem ständigen Prozess von Wechselwirkungen mit dem Persönlichkeitssystem, wobei die spezifischen Auswahlkriterien den Spielraum festlegen, in dem die Auswahlprozesse stattfinden. Als Alternativen für eine geordnete und ordnende Auswahl stehen sogenannte Alternativmuster - „Pattern variables“ - als möglichen Bezugspunkte von Einstellungen innerhalb des Systems zur Verfügung. Damit wird die dynamische Perspektive der strukturell festgelegten Bezugspunkte kultureller Werte in Bezug auf die funktionalen Anforderungen der Integrationsund Differenzierungsprozesse aufgezeigt. Die „Pattern variables“ bieten fünf dichotom strukturierte Wahlalternativen an (Parsons 1962: 77ff.):

1. Affektivität vs. affektive Neutralität
2. Selbstorientierung vs. Kollektivorientierung
3. Partikularismus vs. Universalismus
4. Zuschreibung vs. Leistungsorientierung
5. diffuses vs. spezifisches Verhalten
Der Bezugsrahmen in dem sich jede Handlung abspielt, kann theoretisch, in seiner höchsten Abstraktheit als Relationsfeld von drei Elementen gesehen werden:

[...]

[Seite 155]

Entsprechend diesen drei Brennpunkten der motivationalen Orientierung bietet die Gesellschaft drei »Standards« sozialer Verhaltensregeln an, die »dem Handelnden helfen önnen, seine Wahl zu treffen« (Toward a General Theory, S. 60, 71).

[Seite 156]

a) Die »appreciative mode auf [sic] value-orientation« bietet Wahlalternativen, bzw. Modalitäten hinsichtlich der Nutzungschancen der für wünschenswert gehaltenen Ziele. [...]

b) Die »cognitive mode of value-orientation« bietet Wahlalternativen hinsichtlich der Richtigkeit und Gültigkeit kognitiver Urteile. [...]

c) Die »moral mode of value-orientation« zeigt bestimmte Konsequenzen des Handelns im Verhältnis zu anderen auf. [...]

Die Möglichkeit von Alternativlösungen wird zwar »offen« gehalten, aber durch die Vorgabe wertbezogener Wahl-Standards (»selective-standards«) gleichzeitig eingeengt. [...]

[...]

Die eben behandelten Wertorientierungsarten haben schon eingeengteren und verbindlicheren Charakter als die vom Selbstinteresse geleitete Art und Weise der motivationalen Orientierung; [...] Die für die Wertorientierung verbindlichen Verhaltensmuster bringen den Anspruch zentraler Kulturwerte zur Geltung, indem sie durch die Mechanismen des sozialen Systems dafür sorgen, daß Kulturwerte tradiert, vom Handelnden erlernt und von ihm als vorgegebene Richtschnur der Orientierung akzeptiert werden: [...]

[Seite 157]

Die durch Verhaltensmuster vermittelten Orientierungen an zentralen Kulturwerten machen die Wirksamkeit des Einflusses von Kulturwerten für den Handelnden »spürbar«: Sie sind nicht nur Determinanten für Sozialsysteme, sondern auch für individuelle Handlungen. Parsons will betonen, daß er zwar einerseits das System der Kulturwerte als eine Art Gravitationsfeld sozialer Handlungen betrachtet, andererseits aber auch den Rückwirkungen der Handlungen auf das Wertsystem eine wichtige Bedeutung beimißt. Der »Mechanismus des Sozialsystems« steht nämlich in einem kontinuierlichen Wechselwirkungsprozeß mit dem Persönlichkeitssystem, wobei die »spezifischen Auswahlkriterien« jenen Spielraum sichern, in dem Auswahlprozesse stattfinden.

Die Alternativen zur geordneten und ordnenden Auswahl werden von Alternativmustern (»pattern variables«), als möglichen Bezugspunkten von Einstellungen innerhalb des System, gesteuert. Dadurch sollen die Determinanten strukturell festgelegter Bezugspunkte kultureller Werte auch in ihrer dynamischen Perspektive, im Zusammenhang mit den funktionalen Erfordernissen der Integrations- und Differenzierungsprozesse aufgezeigt werden. »Pattern variables« bieten dem Handelnden fünf dichotomisch strukturierte Wahlalternativen an (vgl. Toward a General Theory, S. 77 ff.):

1. Affektivität - affektive Neutralität (1 a)

2. Selbstorientierung - Kollektivorientierung (2 a)

3. Universalismus - Partikularismus (3 a)

4. Zuweisung (»ascription«) - Leistungsorientierung (4 a)

5. diffuses - spezifisches Verhalten (5 a)

Anmerkungen

Die eigentliche Quelle ist einmal in der Mitte für eine Aussage genannt; dass nahezu der gesamte Seiteninhalt daraus übernommen wurde, bleibt Rezipienten mangels Kennzeichnung verborgen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[29.] Mhg/Fragment 032 15 - Diskussion
Bearbeitet: 18. December 2016, 16:53 Schumann
Erstellt: 14. December 2016, 18:40 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 15-27, 31-32
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 160, 161, Zeilen: 160: 33 ff.; 161: 1 ff.
Die Orientierungstypen Affektivität, Diffusität, Partikularität, Kollektivorientierung und Handlung nach Zuschreibung scheinen die Handlungsstrukturen, die Tönnies mit dem Begriff der Gemeinschaft beschrieben hat, zu erfassen. Ebenso kann man in den Orientierungstypen affektive Neutralität, Selbstorientierung, Universalismus, Leistungsorientierung und spezifischem Verhalten in Anlehnung an Tönnies die gesellschaftlichen Beziehungen verstehen, die bei ihm durch „sachliche Verbindungen“ zwischen einzelnen Personen charakterisiert sind (vgl. Münch 1999: 37). Der dichotome Charakter in diesen variablen Orientierungsmustern findet sich also auch bei Parsons wieder. Jedoch unterscheidet sich sein Modell der „Pattern variables“ von der gemeinschafts-gesellschafts- Dichotomie [sic] bei Tönnies, vor allem durch die Interpenetration8, indem er versucht, die Aspekte der Wechselwirkung und Interdependenz trotz einer tendenziellen Polarisierung nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. [...] Nach Parsons gibt es keine Entwicklung von Gemeinschaft zu Gesellschaft, sondern nur konstituierende Aspekte dieser Typen unter dem Einfluss [der wachsenden Differenzierung, d.h. andere vielschichtige Verteilungen und Verknüpfungen der Dichotomie von Gemeinschaft und Gesellschaft.] Die Orientierungstypen Emotionalität, diffuses Verhalten, Partikularität, Kollektivorientierung und Handlung nach »zugeschriebenen Eigenschaften«, scheinen jene Handlungsstrukturen zu erfassen, die Tönnies mit der Kategorie Vergemeinschaftung zu beschreiben versuchte (S. 57 ff). Ebenso können wir in Anlehnung an Tönnies in den Orientierungstypen der emotionalen Neutralität, des spezifischen Verhaltens, des Universalismus, der Selbstorientierung und der Orientierung nach Leistung - im Unterschied zu gemeinschaftlichen - gesellschaftliche Beziehungen verstehen, die durch »sachlihe Verbindungen« unter bestimmten Personen zu charakterisieren sind. Den dichotomen Charakter sieht auch Parsons in diesen variablen Orientierungsmustern: Er weiß, daß Familien- oder Freundschaftsbeziehungen einen eher emotionalen, Berufs-

[Seite 161]

oder Geschäftsbeziehungen eher einen sachbezogenen Aspekt aufweisen. Sein Modell der »pattern variables« unterscheidet sich von der Dichotomisierung gemeinschaftlicher und gesellschaftlicher Beziehungen von Tönnies vor allem dadurch, daß er (in Anlehnung an Weber) die gegenseitige Durchdringung dieser Mischformen (»penetration«) in den Griff zu bekommen versucht und folglich die Aspekte der Wechselwirkung und Interdependenz - trotz tendenzieller Polarisierung — nicht aus dem Auge verliert. Nach Parsons gibt es also keine Entwicklung von Gemeinschaft zu Gesellschaft, sondern nur konstituierende Aspekte dieser Typen unter den Bedingungen wachsender Differenzierung, d. h. andere, vielschichtige Verteilungen und Kombinationen der Gemeinschaft-Gesellschaft-Dichotomie.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Die Auslassung enthält zwei Sätze, für den ersten siehe Fragment 032 27.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[30.] Mhg/Fragment 032 27 - Diskussion
Bearbeitet: 24. January 2017, 23:18 Schumann
Erstellt: 23. November 2016, 20:13 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 32, Zeilen: 27-29, 106-107
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 34, Zeilen: 5 ff.
Durch die Interpenetration werden Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns verbunden und neue Ordnungen geschaffen.

8 [ [...] Somit ist das Rollenspiel als Teil des Sozial- und Persönlichkeitssystems anzusehen,] jedoch dominiert keins der beiden Teilsysteme über das andere, sondern es kommt zu einer Überschneidung der Teilsysteme.

Das Ausmaß der Interpenetration wird erschließbar durch die Vermittlungsleistungen zwischen den Sphären, das bedeutet erstens: Interpenetration verbindet Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns. Zweitens: Durch Interpenetrationsprozesse entstehen neue Ordnungen und drittens: Die Interpenetration zweier unterschiedlicher (bis gegensätzlicher) Sphären bedeutet nicht die Dominanz einer Sphäre über die andere, sondern eine Überschneidung mit dem Ergebnis eines Amalgams unterschiedlicher inhaltlicher Standpunkte.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

(Auch in den Weiten des Internets findet sich für eine Suchanfrage zu der markanten Wortgruppe "Differenzierung und Integration der Subsysteme des Handelns" lediglich die Dissertation von Dederichs als einziger Treffer: [3].)

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[31.] Mhg/Fragment 033 07 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:21 Schumann
Erstellt: 1. February 2017, 19:09 (Schumann)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 33, Zeilen: 7-15
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 251, 252, Zeilen: 251: 13 ff.; 252: 8 ff.
Gemeinschaft und Gesellschaft wurden innerhalb der gesellschaftlichen Betrachtungsweise als zwei entgegengesetzte und gleichzeitig zwei miteinander verknüpfte Begriffe (siehe Tönnies, 1991: 158) diskutiert.

Es bleibt die Frage zu klären, wie dann eine lineare Entwicklung von einem Pol zum anderen vonstatten gehen kann? [sic] Parsons hat versucht, eine Antwort darauf zu finden. Seiner Theorie zufolge bezieht sich Gemeinschaft auf den Sinn und Gesellschaft auf funktionale Tauschwerte und es kann keine lineare Ersetzung des Pols der Gemeinschaft durch den Pol der Gesellschaft geben, da damit unterschiedliche soziale Imperative impliziert werden (vgl. Parsons 1967).


Tönnies, Ferdinand (1991) Gemeinschaft und Gesellschaft. Darmstadt.

Parsons, Talcott (1967) Sociological Theory and Modern Society. London.

Zudem bleibt von Tönnies über Durkheim bis hin zu Parsons ein grundlegendes Dilemma ungelöst: Wenn Gemeinschaft und Gesellschaft entgegengesetzte, aber auch (wie Tönnies selbst meinte) (10) miteinander verknüpfte Begriffe innerhalb einer organischen Betrachtungsweise der Gesellschaft darstellen, wie ist dann eine lineare Bewegung von dem einen Pol zum anderen möglich?

[Seite 252]

Der systematischste Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarietät [sic] nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren gibt und auch nicht geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen (13).


(10) Vgl. F. TöNNIES, a.a.O., S. 158.

(13) Vgl. T. PARSONS, Sociological Theory and Modern Society, The Free Press, London 1967.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[32.] Mhg/Fragment 034 25 - Diskussion
Bearbeitet: 15. March 2017, 14:16 Schumann
Erstellt: 12. March 2017, 11:19 (167.114.118.4)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
167.114.118.4
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 34, Zeilen: 25-35
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 322, 323, Zeilen: 322: 19 ff., 105 ff.; 323: 14 ff.
Hier setzt die Kritik von Luhmann an. Luhmann meint, dass aus dem Gesichtspunkt der Überbewertung des Einflusses struktureller Komponenten auf das soziale Geschehen keine befriedigende Antwort auf den tatsächlichen bzw. zeitlich zu erfassenden Verlauf zwischenmenschlicher Handlungsabläufe gegeben werden könne (vgl. Kiss 1977: 322). Er führt dieses Problem auf die Erfahrung zurück, da es neben den strukturell vorgegebenen Normen des Verhaltens auch alternative Handlungsmöglichkeiten gäbe, die nicht aus den im kulturellen System verankerten normativen Wertstrukturen erklärbar sind. So schreibt Luhmann in seinem Aufsatz „Normen in soziologischer Perspektive“:
„Die Geltung von Normen beruht auf der Unmöglichkeit, dies in jedem Zeitpunkt für jede Erwartung jedermanns faktisch zu tun“ (Luhmann 1969: 33).

Kiss, Gabor (1977) Einführung in die soziologischen Theorien II. Opladen.

Luhmann, Niklas (1969) Normen in soziologischer Perspektive. In: Soziale Welt, Nr. 20, 28-48.

[Seite 322]

An dieser Stelle meinen wir die Kritik Luhmanns sinnvoll ansetzen zu können. Luhmann meint, daß aus dem Blickwinkel des strukturellen Primats, d. h. der Überbewertung des Einflusses struktureller Komponenten, auf das soziale Geschehen keine befriedigende Antwort auf den tatsächlichen, präziser: auch zeitlich zu erfassenden Verlauf zwischenmenschlicher Handlungsabläufe gegeben werden kann1. Die problemauslösende Frage scheint auf die Erfahrung zurückführbar zu sein, daß Organisationen trotz der weitgehenden Nichtbefolgung formaler Normen nicht nur nicht, sondern sogar noch »besser« funktionieren können2.

[Seite 323]

Dieser auf dem Erleben beruhende Erfahrungs- und Entdeckungsbefund – der übrigens in der hier vorstrukturierten Reihenfolge auch methodologisch den Erkenntnisweg vom Alltagswissen zum soziologischen Wissen vorzeichnen soll – deckt zuerst auf, daß es neben den strukturell vorgegebenen Normen des Verhaltens auch alternative Handlungsmöglichkeiten gibt, die nicht so »starr« – wie im Strukturfunktionalismus4 – von den im kulturellen System verankerten normativen (Wert-)Strukturen her erklärbar sind.


1 [...]
2 So z. B. schreibt er in seinem Aufsatz „Normen in soziologischer Perspektive“ (in: Soziale Welt, 20, 1969, 1. S. 28–48): „Die Geltung von Normen beruht auf der Unmöglichkeit, dies in jedem Zeitpunkt für jede Erwartung jedermanns faktisch zu tun“ (S. 33).

4 [...]

Anmerkungen

Die Verf.in verweist lediglich zum Vergleich auf die Quelle. Tatsächlich übernimmt sie jedoch ihre Ausführungen zum Teil wörtlich aus dieser – die längsten zusammenhängenden Wortgruppen betragen (das Luhmann-Zitat nicht mitgezählt) 11 und 16 Wörter.

Dessen von der Verf.in verändert übernommene Quellenangabe ist interpretationsfähig; der Luhmann-Aufsatz ist in Heft 1 des 20. Jahrgangs der Zeitschrift erschienen.

Sichter
(167.114.118.4) Schumann

[33.] Mhg/Fragment 036 17 - Diskussion
Bearbeitet: 14. March 2017, 23:54 Schumann
Erstellt: 14. December 2016, 18:56 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 36, Zeilen: 17-40
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 328, 329, 330, Zeilen: 328: 30 ff.; 329: 38 ff.; 330: 5 ff.
Die hypothetische Annahme muss sich an Erfahrungstatsachen verifizieren. Das heißt, wenn Ego sein Verhalten an der Erwartung von Alter (hypothetisch) orientiert, so muss nicht notwendigerweise eine Übereinstimmung zwischen Egos und Alters Erwartungen vorhanden sein. Handlungsprozesse sind nur als wechselseitiges selektives Erleben und Handeln vorstellbar, denn jeder selektiert auf seine Weise. Die dadurch entstehenden Wechselwirkungen beziehen sich zum einen darauf, dass das Verhalten des einen zur Ursache des Verhaltens des anderen wird und dass zum anderen selektive Erwartungen auf selektierte Erwartungen treffen. Es handelt sich dabei um eine doppelte Kontingenz. Jeder Handelnde ist gleichzeitig eine mit anderen Personen handelnde (ausgerichtet auf die Erwartung des Anderen) und Objekt seiner Orientierungen (ausgerichtet auf die eigenen Erwartungen). Beide Seiten werden als gleichzeitige selektive Prozesse betrachtet und mehr oder weniger kontrolliert. Das Grundproblem der Systembildung besteht nun darin, wie die zweifach gekoppelte Selektivität zu koordinieren und stabilisieren ist (vgl. Luhmann 1974: 92ff).

Die umweltbedingte Reduktion von Systemen unterteilt sich in die Differenz von Umwelt und System, die Abgrenzung zur Umwelt und in die Generalisierung von Verhaltenserwartungen.

Luhmann schreibt der Umwelt stets einen höheren Komplexitätsgrad zu als jedem anderen System. Nach dieser Grundannahme können Systeme nur in ihrer Relation zur Umwelt identifiziert, begriffen und gesteuert werden. Ihre Bestandserhaltung hängt von der Art und Weise ab, wie die Organisationen die Komplexität der Umwelt absorbieren. Demnach müssen Systeme Anpassungen [an die Erfordernisse der Umwelt leisten, um die Systemzwecke an die Veränderungen der Umwelt anzupassen und zu versuchen, die Bezugspunkte für die Orientierung der internen Zweckmotivation durch funktionale Äquivalente auszugleichen (vgl. Stichweh 1999: 209f).]

Die hypothetische Annahme muß sich an Erfahrungstatsachen verifizieren. Wenn folglich Ego sein Verhalten an der Erwartung von Alter (– hypothetisch –) ausrichtet, so muß es nicht (notwendigerweise) zur Übereinkunft kommen, d. h. zur Übereinstimmung der Erwartungen (Egos) von Erwartungen (Alters). Handlungsprozesse sind nur als wechselseitig selektives Erleben und Handeln vorstellbar: Jeder selektiert auf seine Weise. Dadurch entstehen Wechselwirkungen nicht nur in dem Sinne, daß das Verhalten des einen zur Ursache für das Verhalten eines anderen wird (und umgekehrt), sondern daß auch selektive Erwartungen auf selektierte Erwartungen stoßen müssen. Es handelt sich hierbei um eine doppelte Kontingenz, bei deren Struktur nicht die Faktizität, sondern die Selektivität des Faktischen zum Tragen kommt: [...]

[Seite 329]

Jeder Handelnde ist gleichzeitig beides; mit anderen handelnde Person (= ausgerichtet auf die Erwartungen »Alters«) und Objekt seiner Orientierung (= ausgerichtet auf eigene Erwartungen). Auf beiden Seiten werden also (gleichzeitig) selektive Prozesse ins Auge gefaßt und »recht oder schlecht kontrolliert«. Das Grundproblem der Systembildung besteht nun darin, in welchem Sinne eine solche »zweifach gekoppelte Selektivität« zu koordinieren und zu stabilisieren ist.

[Seite 330]

ad b) Umweltbedingte Reorganisierung von Systemen kann gesehen werden

(1) in der Differenz von Umwelt und System

(2) in der Abgrenzung zur Umwelt und

(3) in der Generalisierung von Verhaltenserwartungen.

(1) [...] Luhmann vertritt die letztere Position, indem er der Umwelt stets einen wesentlich höheren Komplexitätsgrad als jedem anderen System zuschreibt. Diese Grundannahme [...] zieht Konsequenzen nach sich: Systeme können nur »in Relation zu ihrer Umwelt identifiziert, begriffen und gesteuert werden«, wobei ihre »Bestandserhaltung« von der Art und Weise der »Absorption von Umweltkomplexität« (durch Organisationen) abhängt. Systeme müssen folglich auf jene Weise Anpassungsleistungen an die Umwelterfordernisse erbringen, daß sie die Systemzwecke den Umweltänderungen anpassen und die Orientierungsbezugspunkte interner Zweckmotivationen durch funktionale Äquivalente – d. h. mindestens gleichwertige Ersatzleistungen für aufgegebene Zwecke (vgl. Zweckbegriff, S. 162 ff.) – auszugleichen versuchen.

Anmerkungen

Die Quelle ist unmittelbar zuvor genannt (für einen Satz zu Luhmanns Kontingenzverständnis) - dass auch der darauf folgende Text ebenfalls daraus entnommen wurde, bleibt Rezipienten jedoch mangels Kennzeichnung verborgen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[34.] Mhg/Fragment 037 05 - Diskussion
Bearbeitet: 18. December 2016, 17:42 Schumann
Erstellt: 14. December 2016, 19:08 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 37, Zeilen: 5-32
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 331, 332, 333, Zeilen: 331: letzte sechs Zeilen; 332: 1 ff.; 333: 1 ff.
Die Abgrenzung zur Umwelt erfolgt nach Sinngrenzen, d.h. dass beim Zusammentreffen mehrerer Partner zwangsläufig Systeme gebildet werden müssen, die aufgrund spezifischer Selektionskriterien eine Abgrenzungsform von ihrer Umwelt vornehmen müssen (vgl. Stichweh 1999: 210). Bereits durch die Aufnahme von Kontakten wurden Beziehungszusammenhänge gestiftet, die eine wechselseitige Bestimmung des Möglichen (ihrer Handlungen) voraussetzten (=abgestimmte Selektivität und Reduktionsweisen). Die durch diese Selektionsleistungen entstandenen Sinngrenzen sind das Ergebnis einer Abgrenzung von der Umwelt. Die Entstehung von Sozialsystemen impliziert nicht notwendigerweise deren Erhaltung. Dazu sind Organisationsleistungen erforderlich, welche die systeminterne Orientierung auf die Umwelt bei gleichzeitiger Verarbeitung der Umwelteinflüsse (Reduktionsleistung) mit den systemexternen Bezugspunkten der Orientierung (Umwelt-Erwartungen) und deren angemessene Einarbeitung in das System (Anpassungsleistungen) verbinden (vgl. Luhmann 1974 :26f).

Die Stabilisierung der normativen und kognitiven Erwartungen ist die wichtigste Funktion der organisatorisch garantierten Einhaltung von gegenseitig erwartbaren Verhaltensweisen. Luhmann betont, dass die Chancen zur Gene- ralisierbarkeit von Verhaltenserwartungen umso mehr gegeben sind, je intensiver die Wechselwirkungsprozesse zwischen System und Umwelt werden. So ist der Informationsaustausch nicht nur die Voraussetzung für eine sinnhafte Selektionsleistung, sondern ermöglicht auch die Abstimmung gegenseitiger Erwartungen in einem weiteren sozialen Raum. Dadurch wird die Systemrationalität komplexer und die Beziehungen zur Umwelt enger, was wiederum zu effizienteren Selektions- und Organisationsleistungen führt (vgl. Luhmann 1974: 20).

Luhmann hat um die „Einheit in der Mannigfaltigkeit“ sinnvoll zu erfassen, eine nach Systemebenen differenzierte auf gesellschaftliche Entwicklungsformationen bezogene Analyse sozialer Systemtypen vorgenommen.

Den Grundgedanken der Abgrenzungs- oder: Limitationsproblematik könnte man folglich dahingehend zusammenfassen (vgl. oben: a [3: Kontingenzen]), daß beim Zusammentreffen mehrerer Partner zwangsläufig Systeme gebildet Werden, die aufgrund ganz spezifischer Selektionskriterien eine Abgrenzungs-Strategie von ihrer Umwelt vornehmen müssen: Schon die Aufnahme von Kontakt »stiftet« Beziehungszusammenhänge, die als Selektionsleistungen in

[Seite 332]

dem Sinne zu verstehen sind, daß sie eine »Interdependenz ihrer Möglichkeitsräume« die »wechselseitige Bestimmung des Möglichen« (ihrer Handlungen) voraussetzt (= »abgestimmte Selektivität« und »Reduktionsweisen«). Die auf der Grundlage dieser Selektionsleistungen entstandenen Sinngrenzen - die sich in der »Sozialsystemgeschichte« instituieren - können nur durch Abgrenzbarkeit von der Umwelt entstehen. Aus der Entstehung von Sozialsystemen folgt nicht notwendigerweise auch deren Erhaltung: Die Aufrechterhaltung der doppelkontingenten Selektivitätsleistungen in der Relation: System/Umwelt (- nach dem Ego-Alter-Schema -) setzt Organisationsleistungen voraus, die

a) systeminterne Orientierungen auf die Umwelt bei gleichzeitiger sinnhaft bestimmter Verarbeitung von Umwelteinflüssen (Reduktionspotential) mit

b) systemexternen Bezugspunkten der Orientierung (Umwelt-Erwartungen) und deren adäquate Einarbeitung in das System (Anpassungsleistungen) zu verbinden verstehen.

[...]

[...] Die wichtigste Funktion organisatorisch garantierter Einhaltungen von bestimmten gegenseitig erwartbaren Verhaltensweisen besteht in der normativen und kognitiven Stabilisierung von Erwartungen: [...]

[...]

Luhmann will damit betonen, daß die Chancen zur Generalisierbarkeit von Verhaltenserwartungen - die an sich z. B. in Form von Rechtsetzung schon ein Merkmal der »Evolutionsträchtigkeit« beweist - um so mehr gegeben sind, je »intensiver« die Wechselwirkungsprozesse zwischen System und Umwelt werden: Informationsaustausch ist die Voraussetzung nicht nur für sinnhafte Selektionsleistungen, sondern auch für Möglichkeiten der Abstimmung gegen" seitiger Erwartungen in einem - über die engeren Systemgrenzen hinaus-

[Seite 333]

gehenden - weiteren »sozialen Raum«. Dadurch wird zwar die Systemrealität komplexer (und konfliktträchtiger), aber auch die Beziehungen zur Umwelt enger, die wiederum effizientere Selektions- und Organisationsleistungen - sowohl nach »innen« als auch im Gesellschaftssystem - ermöglichen können. [...]

[...]

Um einerseits gegen den marxistischen Einfluß einer theoretischen Total-Vergesellschaftung alles Sozialen in der Soziologie anzutreten, andererseits jedoch die »Einheit in der Mannigfaltigkeit« (Luhmann) sinnvoll erfassen zu können, empfiehlt sich zuerst eine systemdifferentielle (A) - nach Systemebenen differenzierte - und dann eine evolutionäre (B) - auf gesellschaftliche Entwicklungsformationen bezogene - Analyse von sozialen Systemtypen vorzunehmen2.


2 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle (zuletzt in der Mitte der Vorseite und als nächstes Mitte der Folgeseite genannt).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[35.] Mhg/Fragment 039 15 - Diskussion
Bearbeitet: 3. February 2017, 17:18 Schumann
Erstellt: 2. February 2017, 22:05 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Kiss 1975, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 15-19
Quelle: Kiss 1975
Seite(n): 338, Zeilen: 32 ff.
Die Funktion der Gesellschaft als System besteht in der Konstitution von Sinn, indem „jeder Sinngehalt auf mögliche Auffassungen und Anschlussselektionen fremden Erlebens und Handelns verweist“ und damit eine geordnete Umwelt aller übrigen Sozialsysteme gewährleistet, d.h. auch für die Interaktions- und Organisationssysteme. — Gesellschaft als System hat ihre Funktion in der Konstitution von Sinn, »nämlich dadurch, daß jeder Sinngehalt auf mögliche Auffassungen und Anschlußselektionen fremden Erlebens und Handelns verweist« und garantiert dadurch eine geordnete Umwelt aller übrigen Sozialsysteme - also auch für Interaktions- und Organisationssysteme —;
Anmerkungen

Unmittelbar davor wird "(vgl. Luhmann 1975:13)" referenziert, woraus auch das in diesem Fragment enthaltene Zitat stammen dürfte (nicht überprüft).

Die Synopse zeigt jedoch - auch in Verbindung mit dem umgebenden Text - , welcher ungenannt bleibenden eigentlichen Quelle die Luhmann-Rezeption hier entnommen wurde.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[36.] Mhg/Fragment 039 26 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:22 Schumann
Erstellt: 19. December 2016, 16:22 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 39, Zeilen: 26-31
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 21 ff.
Luhmann wendet sich mit seiner funktional-strukturellen Systemtheorie weitestgehend von der Parsonsschen Theorie ab, indem er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von Gemeinschaft und Gesellschaft zuspitzt auf die maximale Ausdifferenzierung der Gesellschaft als System. Dazu werden von ihm alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und der gesamte begriffliche Rahmen neu formuliert (vgl. Luhmann 1974). 9

9 Luhmann geht davon aus: In "[... ]der heutigen Zeit ist die Gesellschaft Weltgesellschaft"(vgl. Luhmann 1975: 11).

Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert (15).

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Wiederholt sich auf den Seiten 45 und 49; vgl. Fragment 045 04 und Fragment 049 22.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[37.] Mhg/Fragment 040 02 - Diskussion
Bearbeitet: 3. December 2016, 22:19 WiseWoman
Erstellt: 11. November 2016, 20:19 (Schumann)
Ammann 2003, BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 40, Zeilen: 2-21
Quelle: Ammann 2003
Seite(n): Online-Quelle, Zeilen: -
[1.1.4 System und Lebenswelt bei Jürgen Habermas]

„Parsons Bedeutung für Habermas liegt in der Paradigmenkonkurrenz zwischen Handlungs- und Systemtheorie" (Ammann 2004: 4).

Parsons bleibt jedoch dem individualistischen Ansatz einer an der Teleologie des Handelns ausgerichteten Theorie verhaftet (Habermas 1981 II: 320).

"Da die regulierende Kraft der kulturellen Werte die Kontingenz der Entscheidungen nicht berührt, steht jede Interaktion zwischen zwei Aktoren, die eine Beziehung eingehen, unter der Bedingung ‘doppelter Kontingenz’" (Habermas 1981 II: 320, nach Parsons 1951: 10 und 36).

Damit werden Ordnungsleistungen funktional notwendig. Möglicherweise glaubt Parsons,

"den Voluntarismus dadurch retten zu können, dass er Entscheidungsfreiheit als kontingente Wahlfreiheit, in der Sprache des deutschen Idealismus: als Willkür konzipiert" (Habermas 1981 II: 321).

Diese Auffassung korreliert mit dem Begriff eines "immer schon intersubjektiv geteilten kulturellen Wertesystems“ (Habermas 1981 II: 321). Wie aber kann Parsons dieses „monadisch“ (Habermas 1981 II: 320) angelegte Handlungskonzept mit dem intersubjektiven Ordnungskonzept von Dürkheim verknüpfen? Es fehlt "ein Mechanismus, der den Aufbau von Handlungssystemen aus Handlungseinheiten erklären könnte" (Habermas 1981 II: 321). Dies kann nur das kommunikative Handeln leisten.

Parsons Bedeutung für Habermas liegt in der Paradigmenkonkurrenz zwischen Handlungs- und Systemtheorie. [...]

[...]

Fehlender Begriff kommunikativen Handelns

Parsons bleibt doch empiristischen Traditionen verhaftet, dem individualistischen Ansatz einer an der Teleologie des Handelns ausgerichteten Theorie, d.h. ausgehend vom monadisch angesetztem Aktor (Habermas 1995, Bd. II, S. 320). "Da die regulierende Kraft der kulturellen Werte die Kontingenz der Entscheidungen nicht berührt, steht jede Interaktion zwischen zwei Aktoren, die eine Beziehung eingehen, unter der Bedingung ‘doppelter Kontingenz’" (Habermas 1995, Bd. II, S. 320, nach Parsons 1951, S. 10 / S. 36). Dieses Faktum macht Ordnungsleistungen funktional notwendig. Vielleicht glaubt Parsons, "den Voluntarismus dadurch retten zu können, dass er Entscheidungsfreiheit als kontingente Wahlfreiheit, in der Sprache des deutschen Idealismus: als Willkür konzipiert (Habermas 1995, Bd. II, S. 321). Diese Auffassung kontrastiert mit dem Begriff eines "immer schon intersubjektiv geteilten kulturellen Wertesystems. Konstruktionsproblem: Wie soll Parsons das monadisch angelegte Handlungskonzept mit einem Durkheim entlehnten intersubjektiven Ordnungskonzept verknüpfen? Es fehlt "ein Mechanismus, der den Aufbau von Handlungssystemen aus Handlungseinheiten erklären könnte". Dies kann nur das kommunikative Handeln leisten.

Anmerkungen

Zwar wird die eigentliche Quelle zu Beginn - für ein wörtliches Zitat - genannt, dass aber ebenso der folgende Inhalt daraus übernommen wird, bleibt dem Rezipienten verborgen.

Da erkennbar auch die wörtlichen Zitate daraus mitübernommen werden, muss hierbei von Blindzitaten ausgegangen werden und gehen diese in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[38.] Mhg/Fragment 041 07 - Diskussion
Bearbeitet: 2. May 2017, 20:45 Schumann
Erstellt: 2. May 2017, 18:02 (23.95.97.29)
Fragment, Gesichtet, Horster 2003, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 41, Zeilen: 7-22, 26-40
Quelle: Horster 2003
Seite(n): 270, 271, Zeilen: 270: li. Sp. 52 u. re. Sp. 1 ff., 19 ff., 47 ff.; 271: li Sp. 1 ff., 13 ff. u. re. Sp. 3 f.
Habermas unterteilt jede Gesellschaft in zwei Sphären. Zum einen in die durch Kommunikation bestimmte Lebenswelt und zum anderen in die durch instrumentelle Rationalität bestimmte Welt der Systeme. Habermas hat sich neben Parsons auch intensiv mit der Systemtheorie von Luhmann auseinandergesetzt und versucht diese in seine Gesellschaftstheorie zu integrieren. Die Lebenswelt definiert er als Ergänzung zu den Systemen. Sie enthält die Vielschichtigkeit von Hintergrundüberzeugungen, zu denen sowohl die individuellen Fertigkeiten als auch die kulturellen Erbschaften gehören. In Anlehnung an Max Weber ist bei Habermas soziales Handeln mit einer Orientierung an Normen verbunden, wobei die handlungsorientierenden Normen kollektive Verhaltenserwartungen sind (vgl. Honneth 1999: 243). Er sieht Handeln als zunehmend institutionalisiert an und die daran geknüpften Erwartungen stellen einen wichtigen Ausschnitt kultureller Tradierungen dar. Dabei handelt es sich um einen Kontext von Symbolen, mit dem das umgangssprachlich artikulierbare Weltbild sozialer Gruppen festgelegt wird, die den möglichen Kommunikationsrahmen in einer solchen Gruppe herstellen. [„Die Lebenswelt bildet somit das Flussbett an intuitiv vertrautem Orientierungswissen, in dem der Strom der sozialen Kommunikationsprozesse sich ohne die Gefahr der Stockung fortbewegen kann“ (Honneth 1999:243).]

Damit wird deutlich, dass Habermas mit dem Begriff der Lebenswelt nicht nur das soziale Handeln schlechthin meint, sondern das kommunikative Handeln, das sprachliche Handeln. Um solche kommunikativen Handlungen bzw. soziale Interaktionen vollziehen zu können, müssen sich die Gesellschaftsmitglieder auf eine von ihnen geteilte Lebenswelt beziehen. Das heißt, dass kommunikative Handlungen auf den Kontext von Handlungsnormen und Werten, welche die Gesellschaft ausmachen, bezogen werden. Dieser Kontext ist bei Habermas die Lebenswelt. Ohne einen solchen normativen Hintergrund von soziokulturell eingeübten Lebensformen, Rollen und Routinen hätte die einzelne Handlung etwas unbestimmtes [sic]. Insofern besteht der lebensweltliche Hintergrund aus individuellen Fertigkeiten, dem intuitiven Wissen, bestimmte Situationen zu bewältigen und dem intuitiven Wissen, worauf man sich in einer Situation verlassen kann. Dieses entspringt aus den sozial eingelebten Praktiken und aus den einfach bekannten Hintergrundüberzeugungen. Das Wissen macht die Lebenswelt aus.


Honneth, Axel (1999) Jürgen Habermas. In: Kaesler, Dirk (Hg.) Klassiker der Soziologie 2. Von Talcott Parsons bis Pierre Bourdieu., München, 230-251.

[Seite 270, li. Sp.]

[...] Jede moderne

[Seite 270, re. Sp.]

Gesellschaft hat zwei Sphären. Auf der einen Seite steht eine durch Kommunikation bestimmte Lebenswelt, auf der anderen die durch instrumentelle Rationalität bestimmte Welt der Systeme, die ein Eigenleben entwickelt und die Menschen beherrscht. Hier finden wir erste Übernahmen aus den Analysen der Luhmannschen Systemtheorie, die H. nach einer intensiven Auseinandersetzung mit Luhmann, [sic] in seine Gesellschaftstheorie zu integrieren suchte. Die Lebenswelt ist in H.’ Gesellschaftstheorie ein Komplement zu den Systemen. [...] Sie enthält eine umfassende Komplexität von Hintergrundüberzeugungen, zu denen nicht nur die individuellen Fertigkeiten, sondern auch die kulturellen Erbschaften gehörten. »Soziales Handeln«, führt H. in Anlehnung an Max Weber fort, »ist eine Befolgung von Normen. Handlungsbestimmende Normen sind kollektive Verhaltenserwartungen. Diese Erwartungen sind ein für das institutionalisierte Handeln relevanter Ausschnitt der kulturellen Überlieferung. Diese ist ein Zusammenhang von Symbolen, der das umgangssprachlich artikulierbare Weltbild einer sozialen Gruppe und damit den Rahmen für mögliche Kommunikationen in dieser Gruppe festlegt.« Und hier schon wird eine für die H.sche Theoriebildung wichtige Vorentscheidung getroffen, daß der Bezugsrahmen für die Entfaltung des Begriffs der Lebenswelt nicht das soziale Handeln schlechthin sei, sondern das kommunikative Handeln, das sprachliche Handeln also. [...]

[...] Die Menschen vollziehen kommunikative Handlungen bzw. soziale Interaktionen. Damit diese möglich sind und nicht mißlingen, müssen sich die Gesellschaftsmitglieder auf eine von ihnen geteilte Lebenswelt beziehen. Und gleichviel, ob die kommunikativen Handlungen eine explizit

[Seite 271, li. Sp.]

sprachliche Form annehmen oder nicht, sind sie auf einen Kontext von Handlungsnormen und Werten bezogen, die die Gesellschaft ausmachen. Diesen Kontext nennt H. Lebenswelt. Ohne diesen normativen Hintergrund von Routinen, Rollen, soziokulturell eingeübten Lebensformen oder kurz: den Konventionen, die alle in Sprache »konserviert« sind, bliebe die einzelne Handlung unbestimmt. [...] »Der lebensweltliche Hintergrund besteht aus individuellen Fertigkeiten, dem intuitiven Wissen, wie man mit einer Situation fertig wird, und aus sozial eingelebten Praktiken, dem intuitiven Wissen, worauf man sich in einer Situation verlassen kann, nicht weniger als aus den trivialerweise gewußten Hintergrundüberzeugungen.«

[Seite 271, re. Sp.]

[...] Dieses Wissen macht das aus, was H. Lebenswelt nennt.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Arbeit an keiner Stelle genannt ist.

Bei Honneth (1999) finden sich diese Parallelen zum hier untersuchten Text nicht; dessen in eckige Klammern gesetztes Zitat wird nur zur Darstellung des Kontexts wiedergegeben und geht nicht in die Zeilenzählung mit ein.

In der Quelle Horster (1999), die auf der Folgeseite angeführt wird, wird Habermas auf S. 48 mit dem Aufsatz "Was heißt Universalpragmatik?" (1976) u.a. wie folgt zitiert:

"Kommunikative Handlungen sind, gleichviel ob sie eine explizit sprachliche Form annehmen oder nicht, auf einen Kontext von Handlungsnormen und Werten bezogen. Ohne den normativen Hintergrund von Routinen, Rollen, soziokulturell eingeübten Lebensformen, kurz: Konventionen, bliebe die einzelne Handlung unbestimmt."

Ein Vergleich mit Horster (2003) ergibt jedoch, dass die später erschienene Publikation die wahrscheinlichere Quelle ist, da in dem Zitat nicht davon die Rede ist, dass der Kontext von Handlungsnormen und Werten die Gesellschaft ausmacht und Habermas diesen als "Lebenswelt" bezeichnet.

Bei der Übernahme werden auch Inhalte als eigene Rezeptionsleistungen präsentiert, die in der Quelle als Habermas-Zitate ausgewiesen sind.

An das Fragment schließt sich unmittelbar auf der Folgeseite ein (achtzeiliges) wörtliches Habermas-Zitat an, das sich in gleicher Abgrenzung auch in der Quelle (S. 271, re. Sp., Z. 4 ff.) findet.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[39.] Mhg/Fragment 042 23 - Diskussion
Bearbeitet: 9. April 2017, 13:45 Schumann
Erstellt: 9. April 2017, 12:57 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Kneer 1996, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 42, Zeilen: 23-39
Quelle: Kneer 1996
Seite(n): 139, Zeilen: 6 ff.
Im Verlaufe der gesellschaftlichen Entwicklung werden die systemintegrativen Mechanismen immer stärker durch sozialintegrative Mechanismen abgelöst. Es kommt zu einer Ausdifferenzierung von System und Lebenswelt. Dabei unterliegen System und Lebenswelt selbst internen Differenzierungen. „System und Lebenswelt differenzieren sich, indem die Komplexität des einen und die Rationalität des anderen wächst, nicht nur jeweils als System und als Lebenswelt – beide differenzieren sich auch gleichzeitig voneinander“(Habermas 1981 II:230). Die gesellschaftliche Entwicklung bringt einen lebensweltlichen Rationalitätszuwachs und einen Anstieg der Systemkomplexität mit sich. Die Rationalisierung der Lebenswelt führt zu einer Freisetzung des im kommunikativen Handeln angelegten Vernunftpotentials, welches mit einer systematischen Veränderung von Weltbildstrukturen oder mit den Worten von Habermas einem „[...] intern nachkonstruierbaren Wissenszuwachs“ (Habermas 1981 I: 103) verbunden ist. Damit schließt sich Habermas an Webers These von der „Entzauberung der Welt“ an, indem er einen Zerfall der einheits- und sinnstiftenden Weltbilder sieht und eine sich daran anschließende Ausdifferenzierung von eigengesetzlichen Wertebereichen. Während in einfachen Stammesgesellschaften die Formen der Sozial- und Systemintegration noch eng miteinander verschränkt sind, lösen sich im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung die systemintegrativen Mechanismen in immer stärkerem Maße von den sozialintegrativen Mechanismen ab. Habermas beschreibt den Prozeß der sozialen Evolution als Differenzierungsvorgang: Im Verlauf der soziokulturellen Entwicklung kommt es zu einer Ausdifferenzierung von System und Lebenswelt. Habermas betont, daß dabei System und Lebenswelt selbst internen Differenzierungen unterliegen - insofern entspricht der evolutionäre Prozeß der fortschreitenden Ablösung von System und Lebenswelt einem Differenzierungsvorgang zweiter Ordnung: "System und Lebenswelt differenzieren sich, indem die Komplexität des einen und die Rationalität des anderen wächst, nicht nur jeweils als System und als Lebenswelt - beide differenzieren sich gleichzeitig auch voneinander." (Habermas 1981, II: 230)

Im Verlauf der gesellschaftlichen Entwicklung kommt es zu einem lebensweltlichen Rationalitätszuwachs und einem Anstieg der Systemkomplexität. Den Vorgang der Rationalisierung der Lebenswelt beschreibt Habermas als Entbindung und sukzessive Freisetzung des im kommunikativen Handeln angelegten Vernunftpotentials. Diese These hat er mit Hilfe eines Vergleichs zwischen dem mythischen und dem modernen Weltverständnis zu belegen versucht. Der Vergleich endet mit der Behauptung einer systematischen Veränderung von Weltbildstrukturen, den Habermas kurzerhand als einen "intern nachkonstruierbaren Wissenszuwachs" (Habermas 1981, I: 103) begreift. Mit dieser Auffassung gewinnt die Theorie des kommunikativen Handelns unmittelbar Anschluß an Webers These des kulturellen Entzauberungsprozesses. Ähnlich wie Weber sieht Habermas die gesellschaftliche Entwicklung durch den Zerfall einheits- und sinnstiftender Weltbilder und die anschließende Ausdifferenzierung eigengesetzlicher Wertsphären charakterisiert:3


3 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die (in der Arbeit nirgends genannte) Quelle, der die Habermas-Rezeption hier entnommen ist.

Da auch die wörtlichen Habermas-Zitate hinsichtlich textlicher Abgrenzung und Position identisch zur Quelle finden und insofern der Verdacht auf ein ungeprüftes Blindzitat begründet erscheint, gehen sie in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[40.] Mhg/Fragment 043 01 - Diskussion
Bearbeitet: 12. April 2017, 21:14 Schumann
Erstellt: 12. April 2017, 19:12 (23.95.97.29)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Preglau 2001, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 1-2
Quelle: Preglau 2001
Seite(n): 257, Zeilen: 9 ff.
[Wissenschaft, Recht, Moral und Kunst ü-]berwinden die ihnen durch die theologischen und metaphysischen Denkmuster auferlegten Denk-, Handlungs- und Darstellungsverbote und werden autonom. [Unter „Rationalisierung der Lebenswelt“ versteht Habermas in Anschluß an M. Weber zunächst den kulturellen Prozeß der „Entzauberung der Welt“. Dieser umfaßt die kognitiv-instrumentelle ebenso wie die moralisch-praktische und ästhetisch-praktische Dimension:] Wissenschaft, Recht und Moral sowie Kunst überwinden die ihnen von den theologischen oder metaphysischen Weltbildern auferlegten Denk-, Handlungs- und Darstellungsverbote und werden autonom.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Der Begriff „Entzauberung der Welt“, der auf der Vorseite in Fragment 042 23 – das der Quelle Kneer (1996) zugeschrieben wird und der dort auf S. 139 so nicht vorkommt – verwandt wird, könnte aus Preglau (2001) entlehnt worden sein.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[41.] Mhg/Fragment 043 03 - Diskussion
Bearbeitet: 11. April 2017, 14:42 Schumann
Erstellt: 10. April 2017, 22:07 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Treibel 2000, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 3-14
Quelle: Treibel 2000
Seite(n): 169, 172, Zeilen: 169: 1 ff.; 172: 18 ff., 28 ff.
Zwar entkoppeln sich System und Lebenswelt, aber die Macht der Systeme ist immer noch so groß, dass die Bereiche der Lebenswelt davon beeinträchtigt werden. Auch das Privatleben wird immer mehr von rationalistischen marktkonformen Erwägungen und Kalkülen bestimmt. Dadurch wird das Alltagsbewusstsein fragmentiert und es findet eine kulturelle Verarmung statt. Im Laufe der Entwicklung schlagen einseitige Rationalisierungen der Alltagskommunikation auf die Lebenswelt zurück und zweckrationale Handlungsorientierungen verselbständigen sich. Die kommunikativen, verständigungsorientierten Potentiale der Lebenswelt drängen immer mehr in den Hintergrund, so dass die kommunikative Kompetenz der Individuen verkümmert und eine „pathologische Verformung von kommunikativen Infrastrukturen der Lebenswelt“ bzw. Verdinglichung (Habermas, 1981 II:549) stattfindet.

Habermas, Jürgen (1981) Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd.2. Zur Kritik der funktionalistsichen [sic] Vernunft. Frankfurt/Main.

[Seite 169]

Zwar entkoppeln sich System und Lebenswelt, aber die Macht der Systeme ist immer noch so groß‚ daß die Bereiche der Lebenswelt davon beeinträchtigt werden. Auch das Privatleben wird immer mehr von rationalistischen, marktkonformen Erwägungen und Kalkülen bestimmt. Das Alltagsbewußtsein wird fragmentiert, eine kulturelle Verarmung findet statt – eine Diagnose, die in ähnlicher Form auch schon Theodor W. Adorno und vor allem Herbert Marcuse abgegeben hatten (siehe Bd. 2, Lektion XII.5).

[Seite 172]

Im weiteren Modernisierungs- und Kapitalisierungsprozeß schlagen einseitige Rationalisierungen der Alltagskommunikation auf die bis dahin ‚positiv rationalisierte‘ Lebenswelt zurück: zweckrationale Handlungsorientierungen verselbständigen sich.

[...]

Die kommunikativen, verständigungsorientierten Potentiale der Lebenswelt werden immer mehr zurückgedrängt; die kommunikative Kompetenz der Individuen verkümmert, es findet eine Verdinglichung statt. Unter Verdinglichung versteht Habermas die „pathologische Verformung von kommunikativen Infrastrukturen der Lebenswelt“ (Habermas, 1981b: 549); sie ist eine Folge einseitiger Rationalisierung.


Jürgen Habermas: [...]
—  Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd. 2: Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft. Frankfurt/M. 1981 (1981b))

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der Arbeit nirgends erwähnt wird.

Der erste Fehler im Obertitel – Habermas’ Werk heißt bekanntlich Theorie des kommunikativen Handelns – wird von der Verf.in anscheinend aus Treibel (2000) in ihr Literaturverzeichnis übernommen.

Sichter
(Schumann), 23.95.97.29

[42.] Mhg/Fragment 043 27 - Diskussion
Bearbeitet: 2. April 2017, 13:09 Schumann
Erstellt: 31. March 2017, 18:20 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Horster 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 27-36
Quelle: Horster 1999
Seite(n): 82, (84), Zeilen: 82: 11 ff.; (84: 15 ff.)
[ [...] (vgl. Horster 1999: 83ff).] Steuerungsmedien sind im Luhmannschen Sinne autopoietische Systeme. Habermas versucht so die Systemtheorie in seine Gesellschaftstheorie, die vom kommunikativen Handeln ausgeht, zu integrieren. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesellschaft mit steigender Komplexität - in einem historisch nachvollziehbaren Entkopplungsprozess - Systeme zur eigenen Entlastung aus sich entlässt, die sich dann verselbständigen und in die Lebenswelt zurückwirken. Er bezeichnet diesen Prozess als „Kolonialisierung der Lebenswelt“, in dessen Ergebnis sich eine neu durchsetzende „Gewaltenteilung zwischen Markt, administrativer Macht und öffentlicher Kommunikation“ (Habermas 1990: 165) formiert. [Verdinglichung und kulturelle Verarmung, die Fragmentierung traditionaler Wissensbestände und Lebenswelten sind nach Habermas die Indikatoren einer Kolonialisierung der Lebenswelt (vgl. Horster 1999: 84ff).]

Habermas, Jürgen (1990) Die nachholende Revolution. Frankfurt/Main.

Horster, Detlef (1999) Jürgen Habermas. Zur [sic] Einführung. Hamburg.

[Seite 82]

Sie [die Steuerungsmedien] regulieren sich ganz im Luhmannschen Sinne selbst. Habermas will auf diese Weise die Systemtheorie in seine vom kommunikativen Handeln ausgehende Gesellschaftstheorie integrieren und sieht als Ergebnis eine Gesellschaft, die bei steigender Komplexität in einem historisch zu verfolgenden Entkoppelungsprozeß zu ihrer eigenen Entlastung Systeme aus sich entläßt, die sich verselbständigen und – wie in der anschließenden Schlußbetrachtung gezeigt wird – in die Lebenswelt zurückwirken. Das nennt er, wie schon gesagt, »Kolonialisierung der Lebenswelt«. Zur Konsequenz hat diese Formation eine real sich durchsetzende neue »Gewaltenteilung zwischen Markt, administrativer Macht und öffentlicher Kommunikation« (DNR 165).

[ [Seite 84]

Dieses zweite Phänomen, die kulturelle Verarmung, tritt neben das schon erwähnte, die Verdinglichung, die durch das Eindringen von administrativer und ökonomischer Rationalität in immer mehr Handlungsbereiche erzeugt wird.]


DNR     Die nachholende Revolution, Frankfurt/M. 1990.

Anmerkungen

Vor Beginn des Fragments ist zwar die Quelle genannt, doch ist nicht erkennbar, dass sich die Übernahme auch danach fortsetzt, wobei auch ein Habermas-Zitat mitübernommen wird.

Habermas (1990) wird – abgesehen vom Literaturverzeichnis – in der vorliegenden Arbeit lediglich an dieser Stelle erwähnt.

Der direkt über dem Fragment befindliche, hier undokumentiert bleibende Text folgt ab Beginn des Absatzes zwar inhaltlich völlig und teilweise wörtlich der Quelle, auf die lediglich zum Vergleich (und mit falscher Seitenangabe "83ff" statt korrekt "81 f.") verwiesen wird, so dass es nichts zu vergleichen gibt, geht aber konservativerweise nicht mit in die Zeilenzählung ein – ebensowenig wie der letzte Satz.

Sichter
(Schumann), 23.95.97.29

[43.] Mhg/Fragment 043 39 - Diskussion
Bearbeitet: 8. December 2016, 13:47 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 17:26 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 43, Zeilen: 39-40
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 35, Zeilen: 12 ff.
Mit dem dualen Konzept der Integrationsdimensionen bei Habermas, [sic] ist auch eine indirekte Kritik an Parsons verbunden. Da Parsons die Handlungssys-[teme als entscheidende kulturelle Träger ansieht, ist er gezwungen, beim Umbau seiner Handlungstheorie zur Systemtheorie die Integrationsleistungen zu funktionalisieren, denn die Gemeinschaft ist immer noch das integrative Subsystem.] Eine duale Konzeption der Integrationsdimensionen, wie Habermas sie vorbringt, enthält indirekt eine Kritik an Parsons. Dieser ist beim Umbau seiner Handlungstheorie zu einer Systemtheorie (vgl. Staubmann 1995 a/b), die Handlungssysteme als die maßgeblichen kulturellen Träger begreift, vor das Problem gestellt, die Integrationsleistungen zu funktionalisieren. Die Gemeinschaft wird nämlich nach wie vor als das integrative Subsystem angesehen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Fortsetzung auf der folgenden Seite.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[44.] Mhg/Fragment 044 01 - Diskussion
Bearbeitet: 8. December 2016, 13:56 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 17:58 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 44, Zeilen: 1-3, (9-13), 14-15, 21-28, 31-32, (35), (S. 45: 1-3)
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 35, Zeilen: 13 ff.
[Da Parsons die Handlungssys-]teme als entscheidende kulturelle Träger ansieht, ist er gezwungen, beim Umbau seiner Handlungstheorie zur Systemtheorie die Integrationsleistungen zu funktionalisieren, denn die Gemeinschaft ist immer noch das integrative Subsystem.
„Die Funktion, die der «sozialen Gemeinschaft» als einem von vier Teilsystemen (neben Ökonomie, Politik und kultureller´Reproduktion/Sozialisation) zugeordnet wird, gewinnt nun nämlich den abstrakten Sinn von «Integration» im Sinne der Sicherung des Zusammenhalts eines Systems, das in seinem Bestand durch überkomplexe Umwelten bedroht ist und unter diesem Druck die permanente Gefahr, in seine einzelnen Komponenten auseinander zufallen, bannen muss. Dabei geht stillschweigend jene Idee in Führung, die Parsons früher mit dem Ausdruck «funktionaler [sic] Integration» verbunden hatte. Die funktionalen Imperative, auf die die «soziale Gemeinschaft» jetzt spezialisiert ist, können immer noch auf dem Wege des normativen Konsens erfüllt werden; [...]“ (Habermas 1981 II: 362).

Aus dem Blickwinkel des Systems ist für die Systemintegration einer Reduktion der über Konsens hergestellten Integration notwendig.

[... Habermas-Zitat ...]

Das heißt, das die gemeinschaftlichen Elemente wie Normen, Sprache und Intersubjektivität den Austauschmechanismen des Systems entsprechen müssen, „und so die Unterscheidung zwischen Sozial- und Systemintegration endgültig einzieht [sic]“ (Habermas 1981 II; 384).

Aus der Umstellung der Handlungs- auf die Systemtheorie ergibt sich für Habermas noch ein weiteres Problem, nämlich bei den „Pattern variables“ von Parsons, die dieser in Anlehnung an Tönnies Kategorien von Gemeinschaft und Gesellschaft weiterentwickelt hat.

[... Habermas-Zitat ...]

Die Pattern-variables [sic] wurden als Präferenzmuster eingeführt, mit deren Hilfe die kulturellen Werte in Handeln umgesetzt werden.

„Nun geht es nicht mehr um die kulturelle Determinierung von Handlungsorientierungen, sondern darum, wie Aktorenentscheidungen unvermittelt aus Systembildungsprozessen hervorgehen. Wenn die pattern-variables [sic] weiterhin mitgeführt wer-[den sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, dass Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können.“ (Habermas 1981 II: 367)]
Dieser [Parsons] ist beim Umbau seiner Handlungstheorie zu einer Systemtheorie (vgl. Staubmann 1995 a/b), die Handlungssysteme als die maßgeblichen kulturellen Träger begreift, vor das Problem gestellt, die Integrationsleistungen zu funktionalisieren. Die Gemeinschaft wird nämlich nach wie vor als das integrative Subsystem angesehen. „Dabei geht stillschweigend jene Idee in Führung, die Parsons früher mit dem Ausdruck »funktionale Integration« verbunden hatte. Die funktionalen Imperative, auf die die »soziale Gemeinschaft« jetzt spezialisiert ist, können immer noch auf dem Wege des normativen Konsens erfüllt werden; [...]“ (Habermas 1982b, S. 362; Hervorh. i.O.). Die Systemperspektive verlangt aber die Reduktion auf die systemische Integration, d.h. die gemeinschaftlichen Elemente wie Werte, Normen, Sprache, Intersubjektivität müssen letztlich den systemischen Austauschmechanismen entsprechen, „und so die Unterscheidung zwischen Sozial- und Systemintegration endgültig einziehen“ (ebd., S. 384; Hervorh. i.O.). [...]

Als weiteres Problem bei der Umstellung einer Handlungs- auf eine Systemtheorie erweisen sich die von Parsons als Weiterentwicklung der Tönniesschen Kategorien Gemeinschaft und Gesellschaft konzipierten »pattern variables«. Diese verweisen auf die „assoziativ-symbolische Bedeutung“ (Staubmann 1995a, S. 44) von Handlungen, die als einzelne nur in einem größeren Bedeutungszusammenhang verstehbar sind.

Die »pattern variables« müssen systemtheoretisch uminterpretiert werden, da sie ja als selektierte Entscheidungspräferenzen aufgrund der symbolischen Einbindung kulturelle Werte in Handeln umsetzen. Dazu schreibt Habermas: „Wenn die pattern variables weiterhin mitgeführt werden sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, daß Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können“ (1982b, S. 367).

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Kein Hinweis auf die Quelle. Darin vorgefundene wörtliche Habermas-Zitate werden teils übernommen, teils übernommen und "ausgebaut" [diese Blockzitate gehen nicht mit in die Zeilenzählung ein]; zwei weitere werden ergänzt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[45.] Mhg/Fragment 045 04 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:23 Schumann
Erstellt: 19. December 2016, 18:30 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 45, Zeilen: 4-7
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 21 ff.
Habermas bestimmt auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von dieser Position aus den Parsonsschen Systemansatz kritisiert. [...]: Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert (15).

(14) Vgl. J. HABERMAS, Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde., Suhrkamp, Frankfurt/M. 1981.

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Kurz, aber nicht trivial: Ungekennzeichnete Übernahme der Habermas-Rezeption Donatis.

Das Fragment befindet sich oben in einer kleinen "Lücke" von Fragment 045 08 (dort Quelle Dederichs (1999)).

Es stellt hier eine Wiederholung dar von Seite 39 (vgl. Mhg/Fragment 039 26); eine weitere Wiederholung findet sich auf Seite 49 (vgl. Fragment 049 22).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[46.] Mhg/Fragment 045 08 - Diskussion
Bearbeitet: 18. December 2016, 19:11 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 19:05 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 45, Zeilen: (1-3) 8-21, 27-35
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): (35), 36, Zeilen: (35: 37-41); 36: 3 ff.
.
[ [Wenn die pattern-variables weiterhin mitgeführt wer-]den sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, dass Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können.“ (Habermas 1981 II: 367)]

[...]

In der Lebenswelt, die eine begriffliche Ähnlichkeit zur Gemeinschaft darstellt, wird verständigungsorientiert gehandelt. Dabei führt jegliche systemische Ausdifferenzierung in der Lebenswelt zu einem Zuwachs der Rationalität der Lebensweltstrukturen. Auch bei Habermas verlieren die lebensweltlichen Integrationsmuster mit zunehmender gesellschaftlicher Differenzierung an Bedeutung und man gewinnt den Eindruck, dass gesellschaftliche Einrichtungen mit systemischer Struktur ausschließlich zweckrational und emotionslos sind. Nur ein Bruch mit der Rationalitätslogik durch eine erneute Stärkung der kommunikativen Vernunft und einer kommunikativen Rationalität fuhrt zu einer Überwindung der Kolonialisierung der Lebenswelt, so Habermas. In der Theorie der rationalen Kommunikation sieht Habermas die Möglichkeit, mit Hilfe eines rationalen Diskurses zu einer Konsensbildung zu gelangen, deren „Kriterium die Gültigkeit nicht nur kognitiver Aussagen, sondern auch von ästhetischen Urteilen und moralischen Normen“ (Münch 1992 : 316) ist.

[... Zitat Honneth 1999 ...]

Jedoch bleibt es bei einem dualen Modell von Lebenswelt und System bei Habermas, da ein Penetrieren lebensweltlicher Gesichtspunkte in systemische Bereiche faktisch ausgeschlossen wird. Habermas ist sich jedoch bewusst, dass jedes Gesellschaftsmitglied „[...] auf das Entgegenkommen eines konsonenten Hintergrunds von rechtlich nicht erzwingbaren Motiven und Gesinnungen eines am Gemeinwohl orientierten Bürgers“ (Habermas 1992: 641) angewiesen ist. Für die Lösung des Problems zwischen Kolonialisierungsprozessen und Lebensweltpathologien skizziert er ein rationales Diskursmodell (vgl. Habermas 1992).

[Seite 35]

[Dazu schreibt Habermas: „Wenn die pattern variables weiterhin mitgeführt werden sollen, sind sie allenfalls als Linsen brauchbar, durch die das Licht der Systemprobleme derart prismatisch gebrochen wird, daß Handlungen im Abglanz der Systemdynamik aufscheinen können“ (1982b, S. 367).]

[Seite 36]

Die Lebenswelt ist als begriffliche Analogie zu Gemeinschaft eingeführt, in der verständigungsorientiert gehandelt wird, danach wirkt jede systemische Differenzierung in der Lebenswelt als „Rationalitätszuwachs von Lebensweltstrukturen“ (Puch 1988, S. 59). Auch Habermas nimmt einen Verlust von lebensweltlichen Integrationsmustern an und fördert den Eindruck, gesellschaftliche Einrichtungen mit systemischer Strukturierung seien ausschließlich kalt, zweckrational und emotionslos. Eine Lösung bzw. Überwindung der Kolonialisierung sieht Habermas einzig im Bruch mit der Rationalitätslogik durch den rationalen Diskurs selbst. Der „herrschaftsfreie Diskurs“ ermöglicht eine konsensuell-moralische Ordnung, die vorrangig den Kriterien der kognitiven Aussagegültigkeit, der ästhetischen Urteilskraft und der moralischen Normenrichtigkeit unterliegt (vgl. Münch 1992, S. 315ff). Von verschiedenen wissenschaftlichen Seiten ist die Konsensherstellung problematisiert und kritisiert worden (vgl. ebd.).

1.1.4 Gesellschaftstheorie und ihr Verhältnis zur Dichotomisierung von Gemeinschaft und Gesellschaft

Habermas' duales Modell von System und Lebenswelt entgeht zwar der Weberschen Einseitigkeit, aber ein Eindringen von lebensweltlichen Aspekten in systemische Bereiche wird ausgeschlossen, auch wird der ästhetisch-expressiven Kategorie nur eine lebensweltliche Dimension zugeordnet. Habermas weiß um die Angewiesenheit jedes Gesellschaftsmitglieds „[...] auf das Entgegenkommen eines konsonenten Hintergrunds von rechtlich nicht erzwingbaren Motiven und Gesinnungen eines am Gemeinwohl orientierten Bürgers“ (Habermas 1992, S. 641), eine Lösung des Dilemmas zwischen Kolonialisierungsprozessen und Lebensweltpathologien skizziert er an einem rationalen Diskursmodell.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

An diesem Fragment dürfte sich die Arbeitsweise der Verf.in bzw. die verschiedenen feststellbaren Formen bei der Auswertung zumindest dieser Quelle 'idealtypisch' illustrieren lassen:

  • Die eigentliche Quelle bleibt ungenannt.
  • Der übernommene Inhalt wird sprachlich oft sehr stark umformuliert (und manchmal noch weiter "ausgebaut").
  • Die Übernahme folgt grundsätzlich der Seitenfolge der Quelle.
  • Wörtliche Zitate werden entweder unverändert mitübernommen (Blindzitat bzw. Zitatplagiat) oder eingesehen und noch erweitert; teilweise werden weitere wörtliche Zitate hinzugefügt.

An diesem Fragment noch speziell auffällig:

  • Aneignung einer mitübernommenen Kurzzitataussage, für die in der Quelle noch Puch (1988) als Quelle referenziert worden war.
  • Münch (1992) wird nach dem Hinweis in der Quelle ("S. 315 ff.") nachgeschlagen und die referierten Aussagen Münchs durch ein Münch-Direktzitat ersetzt.
Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[47.] Mhg/Fragment 046 06 - Diskussion
Bearbeitet: 18. December 2016, 19:15 Schumann
Erstellt: 15. November 2016, 20:14 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 46, Zeilen: 6-29
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 48, Zeilen: 3 ff.
Gemeinschaft und Gesellschaft liegen unterschiedliche Merkmale zugrunde. So stellen Gemeinschaften eine historische Sozialform mit einer sozialintegrativen Funktion differenzierter Lebenswelten dar, während Gesellschaften durch funktionale Differenzierungsprozesse geprägt sind. Die unterschiedlichen Sozialformen, die den Begriffen zugrunde liegen, haben auch die Grundlage der sozialen Beziehungen zwischen den Individuen verändert. So hängen die Vermittlungsleistungen aufgrund der funktionalen Differenzierungsprozesse stärker von den Handlungsoptionen, die von den neu entstanden Subsystemen vorgegeben werden, ab. Je nach der Handlungssituation sind die Gründe für soziales Handeln bei Weber zweckrational, wertrational, affektuell oder traditional und liefern damit die Begründung dafür, ob eine soziale Beziehung eher gemeinschaftlichen oder gesellschaftlichen Charakter hat. Weber weist jedoch auch auf mögliche Überschneidungen hin.

Die Webersche Handlungstheorie wurde von Parsons um einige strukturell unabhängige Handlungsbestandteile angereichert. Dazu gehören Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen. Ziele stellen bei Parsons den entscheidenden Unterschied zwischen gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Bindungen dar. Während der Zielbegriff bei gesellschaftlichen Bindungen relativ klar für Parsons ist, erscheint er in Bezug auf die gemeinschaftlichen Bindungen eher diffus. Zur Verfolgung gesellschaftlicher Ziele wird zweckrational gehandelt, d.h. die Ziele haben einen spezifischen Zweck und werden durch diesen begrenzt. Dabei orientieren sich die Individuen bei der Verfolgung ihrer individuellen Ziele an den zur Verfügung stehenden Mitteln. Bei den gemeinschaftlichen Zielen liegt keine eindeutige Handlungsstruktur vor.

Gemeinschaften und Gesellschaften sind durch unterscheidbare Merkmale kategorisierbar. Während Gesellschaften den Charakter teleologisch-evolutionärer Systeme aufweisen, gelten Gemeinschaften als historische Sozialformen, die als ausdifferenzierte Lebenswelten sozialintegrative Funktionen erfüllen. Gemeinschaft und Gesellschaft werden als unterschiedliche Sozialformen begriffen, deren Wandel auch eine veränderte Beziehungsgrundlage zwischen Menschen geschaffen hat. Werden soziale Beziehungen als Vermittlungsformen zwischen Menschen definiert, muß die Vermittlungsleistung durch die funktionalen Differenzierungsprozesse, nämlich die Entstehung spezifischer Sphären, stärker von entsprechenden subsystemischen Handlungsvorgaben abhängen. Die Handlungsvorgaben hängen mit den situativen Bestandteilen zusammen, die Bestimmungsgründe sozialen Handelns sind dementsprechend zweckrational, wertrational, affektuell oder traditional - sie folgen einer instrumenteilen oder einer evaluativen Handlungsorientierung und begründen die soziale Beziehung als gemeinschaftliche oder/und gesellschaftliche, wobei bereits Weber Überschneidungen einräumte.

Parsons erweitert die voluntaristische Handlungstheorie, indem er strukturell unabhängige Handlungskomponenten einführt: Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen; so kann wert- und zweckrationales Handeln normativ integriert werden (vgl. Staubmann 1995a, S. 36). Bezüglich der gemeinschaftlichen und der gesellschaftlichen Beziehungen sieht Parsons den entscheidenden Unterschied im Zielbegriff: Gesellschaftliche Ziele sind durch einen spezifischen Zweck charakterisiert und begrenzt, der Handelnde orientiert sich also in der Verfolgung individueller Ziele an den verfügbaren Mitteln, was zweckrationales Handeln bedeutet. Gemeinschaftliche Ziele sind diffuser, da keine eindeutige Handlungsstruktur durch Ziele, Mittel, Bedingungen und Normen vorliegt.

Anmerkungen

Sprachliche Umformulierungen und Umstellungen bei gleichbleibendem Inhalt - und kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[48.] Mhg/Fragment 047 07 - Diskussion
Bearbeitet: 17. March 2017, 23:17 Schumann
Erstellt: 17. March 2017, 21:43 (23.95.97.29)
Donko 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 47, Zeilen: 7-37, 101-103
Quelle: Donko 1999
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: –
Luhmann verbannt in seiner Theoriekonstruktion die Individuen in den Randbezirk der Systeme. Der Hauptschlüssel für die Systemtheorie schlechthin liegt im binären Schema der theoriekonstitutiven Unterscheidung von System und Umwelt. Diese Differenz hat bei Luhmann paradigmatischen Charakter und unterläuft so andere erkenntnisleitende Gegensätze in der Soziologie, wie das von Gemeinschaft und Gesellschaft. Bei der Luhmannschen Systemtheorie geht die Ausdifferenzierung von unpersönlichen und individualisierten, persönlichen Beziehungen in der funktional aufgelösten Gesellschaft ineinander über. In der funktional differenzierten Gesellschaft intensiviert sich das Maß der unpersönlichen Beziehungen zwischen Menschen in einem bisher nicht gekannten Umfang. In jedem „psychischen System“10 ist ein grundsätzlich offener Zugang zu allen Funktionskreisen der Gesellschaft vorhanden, so dass Beobachtungen mit einer immensen Steigerung der System-Umwelt-Referenzen auskommen müssen. Personen sind deshalb veranlasst, immer wieder zwischen unterschiedlichen sozialen Systemen ihrer Umwelt zu wechseln. Damit wird gleichzeitig ein Moment der Ungebundenheit und der Entwurzelung in die soziale (Selbst-)Wahrnehmung eingeführt. Jedenfalls muss, so Luhmann, "die Person [...] als sozial ortlos vorausgesetzt werden" (Luhmann 1996: 16). Eine solche Ortlosigkeit drückt sich nicht nur in der Ausdifferenzierung der funktionalen, unpersönlichen Beziehungen aus, sondern in der gleichzeitigen Intensivierung und Verdichtung von persönlichen Beziehungen. Im Zusammenhang damit setzt eine Schärfung der Selbst- und Weltbezüge auf den Menschen als Individuum ein.

Mit der Freisetzung des Individuums aus den festen Bezügen einer differenzierten Gesellschaftsordnung wird eine definitorische Leerstelle in der Selbstwahrnehmung von Individuen entblößt, die diese auf sich selbst verwiesen ausfüllen müssen (vgl. Luhmann 1996: 17). Wenn in der Gesellschaftsordnung keine Erklärung mehr dafür zu finden ist, was ein Individuum ist und an welchen Platz es gehört, so obliegt es dem Individuum selbst, sich und seine Welt mit Definitionen und Legitimationen zu versehen.

Die Individualisierung der Welt- und Wirklichkeitsbezüge ist das Resultat einer Ausdehnung der nicht-individuellen Bezüge in der funktional differenzier-[ten Gesellschaft.]


10 Im Sprachgebrauch der Systemtheorie wird das Bewusstsein unter dem Begriff „psychisches System“ subsumiert. Damit ist gemeint, dass das menschliche Bewusstsein ein System ist, dessen Elemente die einzelnen Gedanken sind.


Luhmann, Niklas (1996) Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Franfurt/Main [sic].

Auch wenn diese Untersuchungen ein anderes Bild vermitteln könnten, so richtet sich das Hauptaugenmerk der Systemtheorie keinesfalls auf Individuen, sondern sie gehören eher zum Randbezirk der sozialen Systeme, deren theoretische Explikation Luhmanns Projekt die größte Aufmerksamkeit widmet.

[...]

Der Hauptschlüssel schlechthin für die Systemtheorie ist im eigentlichen Sinne eher ein Zugangscode mit binärem Schema: es handelt sich um die theoriekonstitutive Unterscheidung von System und Umwelt. Diese Differenz nimmt bei Luhmann einen paradigmatischen Ort ein und unterläuft so andere, erkenntnisleitende Oppositionen in den Sozialwissenschaften (wie z.B. jene von Individuum versus Kollektiv, Gemeinschaft und Gesellschaft, Macht versus Ohnmacht, Handlung versus Institution etc.).

[...]

Halten wir nochmal fest: die Ausdifferenzierung von unpersönlichen und individualisierten, persönlichen Beziehungen gehen in der funktional aufgelösten Gesellschaft Hand in Hand.

[...]

In der funktional differenzierten Gesellschaft intensiviert sich das Maß der unpersönlichen Beziehungen zwischen Menschen in einem vorher nicht gekanntem Umfang. Jedem psy- chischen [sic] System ist grundsätzlich der Zugang zu allen Funktionskreisen der Gesellschaft offen, so daß Beobachtungen mit einer immensen Steigerung der System-Umwelt-Referenzen auskommen müssen. Personen sind deshalb veranlasst, zwischen unterschiedlichen sozialen Systemen ihrer Umwelt zu rochieren, womit gleichzeitig ein Moment der Ungebundenheit und der Entwurzelung in die soziale (Selbst-) Wahrnehmung [sic] eingeführt wird. Jedenfalls muß, so Luhmann, "die Person...als sozial ortlos vorausgesetzt werden."30

Diese Ortlosigkeit drückt sich nicht nur in der Ausdifferenzierung der funktionalen, unper-önlichen [sic] Beziehungen aus. Die Kehrseite dieser Entwicklung verheißt nämlich gleichzeitig eine Intensivierung und Verdichtung persönlicher Beziehungen. Im Zusammenhang damit setzt eine Focussierung [sic] der Selbst- und Weltbezüge auf den Menschen als Individuum ein.

Die Freisetzung des Individuum aus den fixen Bezügen einer (z.B. stratifikatorisch differenz- ierten [sic]) Gesellschaftsordnung entblößt eine definitorische Leerstelle in der Selbstwahr-nehmung [sic] von Individuen und sie sind auf sich selbst verwiesen, sie zu füllen.31

Wenn in der Gesellschaftsordnung nicht mehr der Schlüssel zur Erklärung dafür zu finden ist, was ein Individuum ist und an welchen Platz jedes einzelne hingehört, so obliegt es dem Individuum selbst, sich und seine Welt mit Definitionen und Legitimationen etc. zu versehen.

[...]

Zur Individualisierung der Welt- und Wirklichkeitsbezüge konnte es nämlich nur kommen, weil in der funktional differenzierten Gesellschaft eine Ausdehnung der nicht-individuellen Bezüge stattfand.

[...]

Am Beispiel des menschlichen Bewußtseins kann dies näher erläutert werden: im Sprach- gebrauch [sic] der Systemtheorie wird das Bewußtsein unter dem Begriff "psychisches System" subsummiert [sic]. Damit ist gesagt, daß auch das Bewußtsein ein System ist, dessen Elemente die einzelnen Gedanken sind.


[28 Niklas Luhmann, Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität, Ffm.1996, S.22]

30 Niklas Luhmann, Liebe als Passion, a.a.O., S.16

31 vgl.: ebd., S.17

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle (eine an der Universität Freiburg/Brsg. eingereichte und im GRIN-Verlag veröffentlichte studentische Seminararbeit), die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Luhmann (1996) wird – abgesehen vom Literaturverzeichnis – in der gesamten Habilitationsschrift lediglich auf dieser Seite erwähnt.

Fortsetzung in Fragment 048 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[49.] Mhg/Fragment 048 01 - Diskussion
Bearbeitet: 17. March 2017, 23:19 Schumann
Erstellt: 17. March 2017, 22:07 (23.95.97.29)
Donko 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 48, Zeilen: 1-10
Quelle: Donko 1999
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: –
Diese Ausdehnung des Sozialen ruft das Bestreben nach einer Gegenbewegung hervor, in der man sich von der Sozialwelt absetzt. Die Individualisierung von psychischen Systemen ist Ausdruck dieser Gegenbewegung.

Damit stellt Luhmann das Vorher/Nachher-Verhältnis auf den Kopf: Denn während in den konventionellen Wahrnehmungen eher die Vorstellung gepflegt wird, dass erst durch die Individualisierung eine moderne Gesellschaftsordnung samt ihren Errungenschaften wie Demokratie, Freiheit usw. entstehen konnte, geht die Systemtheorie davon aus, dass erst die Ausdifferenzierung der sozialen Systeme (die auf eine neu auftretende Komplexität reagieren) die psychischen Systeme in den Stand versetzt, ihre Individualisierung zu betreiben.

Erst diese Ausdehnung des Sozialen evozierte das Bestreben nach einer Gegenbewegung, in der man sich von der Sozialwelt absetzt. Die Individualisierung von psychischen Systemen ist Ausdruck dieser Gegenbewegung.

Luhmann stellt auf diese Weise das Vorher/Nachher-Verhältnis auf den Kopf: während in konventionellen Wahrnehmungen wohl eher die Vorstellung gepflegt wird, daß die Projekte der Individualisierung erst eine moderne Gesellschaftsordnung, samt ihren Errungenschaften, wie Demokratie, Freiheit etc. ermöglichten, geht die Systemtheorie davon aus, daß erst die Ausdifferenzierung sozialer Systeme (die auf neu aufgetretene Komplexiät [sic] reagieren) , die psychischen Systeme in den Stand setzt, ihre Individualisierung zu betreiben.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 047 07.

Kein Hinweis auf die Quelle (eine an der Universität Freiburg/Brsg. eingereichte und im GRIN-Verlag veröffentlichte studentische Seminararbeit), die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[50.] Mhg/Fragment 048 12 - Diskussion
Bearbeitet: 18. March 2017, 13:24 Schumann
Erstellt: 16. November 2016, 13:07 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 48, Zeilen: 12-19, 24-35
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 48, 49, Zeilen: 48: 29 ff.; 49: 23 ff.
Diese [Habermas' Zielorientierung] wird unterschiedlichen Sphären der Gesellschaft zugeordnet. Das erfolgsorientierte Handeln den rationalen Systemen und die Verständigungsorientierung der privaten Lebenswelt. Systeme, wie z.B. Unternehmen, sind durch erfolgsorientiertes Handeln ihrer Mitglieder charakterisiert, wohingegen Lebenswelten, wie z.B. die Familie, eher verständigungsorientiert Handeln [sic]. Damit sind soziale Beziehungen prinzipiell an systemische oder lebensweltliche Handlungsorientierungen gebunden, welche die Vorstellungen über konkrete Beziehungen erzeugen.

[...]

Habermas antizipiert die Gedanken der Meadschen Sozialpsychologie und der Sprechakttheorie von Wittgenstein, um damit die Theorie des kommunikativen Handelns zu begründen und die Webersche auf Zweckrationalität ausgerichtete Handlungstheorie zu erweitern (vgl. Habermas 1981 II: 11-68).

Mit dem geschichtlichen Überblick über das allgemeine soziologische Theorieverständnis der unterschiedlichen Positionen zum Begriffspaar „Gemeinschaft und Gesellschaft“ sollten die Einflüsse gesellschaftlicher Veränderungen auf die Entstehung und Entwicklung sozialer Beziehungen als einem Komplex - bestehend aus Sozialformen, Beziehungstypen und Handlungsbedingungen - verdeutlicht werden. Daraus ergibt sich jedoch die Frage, inwieweit diese gesellschaftstheoretisch binären Kategorisierungen tatsächlich zutreffend sind. Habermas führt dazu an:

[„Die Soziologie entsteht als Theorie der bürgerlichen Gesellschaft; ihr fällt die Aufgabe zu, den Verlauf und die anomischen Erscheinungsformen vorbürgerlicher Gesellschaft zu erklären. Diese, aus der objektiven gesellschaftlichen Situation sich [ergebende Problemstellung bildet den Bezugspunkt, unter dem die Soziologie auch ihre Grundprobleme bearbeitet. Auf metatheoretischer Ebene wählt sie Grundbegriffe, die auf den Rationalitätszuwachs moderner Lebenswelten zugeschnitten sind. Die klassischen Denker der Soziologie versuchen ohne Ausnahme ihre Handlungstheorie so anzulegen, dass deren Kategorien die wichtigsten Aspekte des Übergangs von >Gemeinschaft< zu >Gesellschaft< treffen. [...]“ (Habermas 1981 I: 21-22).]]

Habermas, Jürgen (1981) Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd.1. Handlungsrationalität und gesellschaftliche Rationalisierung. Frankfurt/Main.

Habermas, Jürgen (1981) Theorie kommunikativen [sic] Handelns. Bd.2. Zur Kritik der funktionalistsichen [sic] Vernunft. Frankfurt/Main.

[Seite 48]

Habermas formuliert die den instrumentellen und evaluativen Sphären entsprechenden Handlungsziele als Erfolgs- und Verständigungsorientierung und kontrastiert diese durch die Einteilung in rationale Systeme und private Lebenswelten. Habermas’ Annahmen entstammen seiner Rezeption der Meadschen Gedanken und der Wittgensteinschen Sprachphilosophie und begründen letztlich kommunikatives Handeln bzw. erweitern die Webersche, auf Zweckrationalität zugeschnittene Handlungstheorie (vgl. Habermas 1982b, S. 11-68).

Systeme, wie beispielsweise eine Firma, sind dann durch erfolgsorientiertes Handeln der Mitglieder gekennzeichnet; Lebenswelten, z.B. die Familie, zeichnen sich eher durch verständigungsorientiertes Verhalten aus. Beziehungen, sowohl als soziale Vermittlung generell als auch als konkrete Beziehung, sind an die (sub)-systemischen [sic] oder lebensweltlichen Handlungsorientierungen gekoppelt, die Vorstellungen über konkrete Beziehungen erzeugen.

[Seite 49]

Eine Betrachtung der Auswirkung der beschriebenen gesellschaftlichen Veränderungen auf den Auf- und Ausbau sozialer Beziehungen sollte den Zusammenhang zwischen Sozialformen, Handlungsbedingungen und Beziehungstypen erhellen. Im Vordergrund muß aber die Frage stehen, ob die gesellschaftstheoretischen Kategorien zulässige und empirisch überprüfbare Dichotomien benennen. Habermas konzediert für die Soziologie:

"Die klassischen Denker der Soziologie versuchen fast ohne Ausnahme ihre Handlungstheorie so anzulegen, daß deren Kategorien die wichtigsten Aspekte des Übergangs von >Gemeinschaft< zu >Gesellschaft< treffen" (1982a, S. 22).

[Habermas, Jürgen (1992): Faktizität und Geltung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.]

ders. (1982a/b): Theorie des kommunikativen Handelns. Bd. 1+2. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, der die Habermas-Rezeption entnommen ist.

Das auf S. 49 übergehende Habermas-Zitat unten, das (in erweiterter Form) ebenfalls übernommen wurde, bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[51.] Mhg/Fragment 049 22 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:24 Schumann
Erstellt: 19. December 2016, 15:38 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 49, Zeilen: (15-21), 22-29
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 252, Zeilen: 8 ff.
.
[„Der systemischste [sic] Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarität nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen“ (Donati 1988: 252).]

In den Neuinterpretationen der soziologischen Theorie ist bisher offen geblieben, ob sie sich und in welchem Maße dieser Interpretation von Parsons anschließen. So zeigt die Debatte von Habermas und Luhmann, dass Habermas die Mixtur von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von diesem Standpunkt aus den Systemansatz von Parsons kritisiert, während Luhmann sich radikal von der Parsonschen [sic] Theorie abwendet und die Gesellschaft zum umfassenden Sozialsystem macht.

Der systematischste Versuch ist sicherlich derjenige von T. Parsons gewesen, der den einfachen Evolutionismus von Tönnies und Durkheim mittels einer Theorie abgeschwächt hat, derzufolge die Gemeinschaft (oder mechanische Solidarität im Sinne Durkheims) sich auf Letztwerte (des Sinns) bezieht, während die Gesellschaft (oder organische Solidarietät [sic] nach Durkheim) sich auf (funktionale) Tauschwerte bezieht und es keine lineare Ersetzung der ersteren durch die letzteren gibt und auch nicht geben kann, da sie unterschiedlichen sozialen Imperativen entsprechen (13).

Seit Parsons ist sich die soziologische Theorie im Unklaren darüber geblieben, ob, bis zu welchem Grad und auf welche Art und Weise sie sich dieser Neuinterpretation anschließen solle. Die jüngte [sic] Auseinandersetzung zwischen J. Habermas und N. Luhmann ist vielleicht das bekannteste Beispiel einer anhaltenden Debatte: Während Habermas auf seine Art die Mischung von gemeinschaftlichen und gesellschaftlichen Elementen neu bestimmt und verteidigt, indem er der Gemeinschaft eine gewisse Priorität einräumt und von hier aus das Parsonssche System kritisiert (14), wendet sich Luhmann insofern in radikaler Weise von der Parsonsschen Theorie ab, als er das umgekehrt proportionale Wachstumsverhältnis von «Gemeinschaft» und «Gesellschaft» zugunsten der maximalen Entwicklung der letzteren (als «System») auf die Spitze treibt und zu diesem Zweck alle dazugehörigen soziologischen Kategorien und den gesamten begrifflichen Rahmen neu formuliert {15).


(13} Vgl. T. PARSONS, Sociological Theory and Modern Society, The Free Press, London 1967.

(14} Vgl. J. HABERMAS, Theorie des kommunikativen Handelns, 2 Bde., Suhrkamp, Frankfurt/ M. 1981.

(15) Vgl. N. LUHMANN, Soziologische Aufklärung, Westdeutscher Verlag, Opladen 1970.

Anmerkungen

Das (beinahe) wörtliche Zitat zählt bei der Zeilenzählung nicht mit.

Die Übernahme setzt sich im Anschluß ungekennzeichnet fort. Aus "Mischung" wird "Mixtur".

Die Passage stellt eine Wiederholung dar und findet sich bereits auf den Seiten 39 und 45; vgl. Fragment 039 26 und Fragment 045 04.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[52.] Mhg/Fragment 050 08 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:24 Schumann
Erstellt: 1. February 2017, 20:28 (Schumann)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 50, Zeilen: 8-34
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 254, 255, Zeilen: 254: 17 ff.; 255: 3 ff.
Tönnies bringt damit zum Ausdruck, dass egal wie weit sich die Gesellschaft auch weiterentwickelt, sie doch die Gemeinschaft nicht zerstören kann, denn sie würde damit ihre eigene Lebensgrundlage vernichten. „Eine Gesellschaft des Lebens widerspricht sich selber“ (Tönnies [ 1887] 1991 :3). [...]

Ohne eine lebendige organische Grundlage gerät die gesellschaftliche Konstruktion in die Gefahr pathologisch zu werden oder gar zu zerfallen. Tönnies verwendet hierfür den Begriff der Lebensfähigkeit:

„Leben ist fortwährende Arbeit der Assimilierung solcher Energien und fortwährender Kampf gegen widerstehende, Überwindung oder Anpassung, Ausscheidung innerer, Verdrängung äußerer Widrigkeiten. Lebend bewährt und beweist der Organismus seine Lebens-Fähigkeit, d.i. die zweckmäßige (richtige, gute) Beschaffenheit, Einrichtung, Ordnung seiner Kräfte oder Teile“ (Tönnies [1887] 1991: 148).

Der Begriff des natürlichen Rechts ist demnach ein Ausdruck für die Realität der Interpretation solcher Formen des Zusammenlebens, in denen es aufgrund normaler Kommunikation besteht, weder ungewöhnlich noch pathologisch ist und sowohl die Gemeinschaft als auch die Gesellschaft umfasst.

„Wenn nun die gegenwärtige Theorie den Begriff des natürlichen Rechtes in einem zwiefachen Sinne festhalten will, so ist darin die Behauptung enthalten, dass Recht sowohl als gemeinsamer Wesenwille, wie als gemeinsamer Kürwille verstanden werden kann“ (Tönnies [1887] 1991: 185).
Die einfachste Erklärung ist daher die folgende: Wie weit sich die Gesellschaft auch in ihrer ganzen «Künstlichkeit» fortzuentwickeln vermag - [...] -, so kann sie doch die Gemeinschaft nicht auslöschen, weil sie damit ihre eigene Lebensgrundlage selbst beseitigen würde: [...] (20). Kurz: das Leben selbst bringt Gemeinschaft mit sich: Eine «Gesellschaft des Lebens», so behauptet Tönnies, «widerspricht sich selber» (21). [...]

[Seite 255]

Auf der Ebene der gesellschaftlichen - d.h. künstlichen und rationalen - Konstruktion ist alles möglich, doch dieses «alles» bedarf einer lebendigen organischen Grundlage, ohne die die gesellschaftliche Konstruktion jeden Augenblick in Gefahr geraten kann, pathologisch zu werden und/oder zu zerfallen.

In diesem Zusammenhang findet der Begriff der Lebensfähigkeit Anwendung: «Leben ist fortwährende Arbeit der Assimilierung solcher Energien (der jedem Organismus innewohnenden Energien, das « Ziel» oder die Einheit des Lebens, im Sinne Tönnies', Anm. d. Verf.) und fortwährender Kampf gegen widerstehende, Überwindung oder Anpassung, Ausscheidung innerer, Verdrängung äußerer Widrigkeiten. Lebend bewährt und beweist der Organismus seine Lebensfähigkeit, d.i. die zweckmäßige (richtige, gute) Beschaffenheit, Einrichtung, Ordnung seiner Kräfte oder Teile» (24).

Das Naturrecht ist daher nichts anderes als der Ausdruck der Realität der so interpretierten Formen des Zusammenlebens, und zwar dort, wo es das Recht darauf darstellt, was aufgrund der normalen Kommunikation besteht, die weder außergewöhnlichen noch pathologischen Charakter besitzt und die Dimension der Gemeinschaft ebenso wie die der Gesellschaft umfaßt. Das Naturrecht kann so in der Tat «sowohl als gemeinsamer Wesenwille, wie als gemeinsamer Kürwille» (25) verstanden werden.


(20) Ebenda [Tönnies], S. 4.

(21) Ebenda, S. 3.

(24) Vgl. F. TÖNNIES, a.a.O; S. 148.

(25) Ebenda, S. 185.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, der die Tönnies-Rezeption entnommen ist.

Zumindest beim letzten Zitat schaut die Verf.in immerhin auch noch bei Tönnies nach und baut es für ihren Text weiter aus.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[53.] Mhg/Fragment 051 01 - Diskussion
Bearbeitet: 7. March 2017, 14:51 Schumann
Erstellt: 27. December 2016, 08:42 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 51, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 255, 256, Zeilen: 255: 22 ff.; 256: 1 ff.
Damit enthält das so von Tönnies verstandene Naturrecht einen Entwicklungsgedanken. Besonders für die Gemeinschaft, die als eine auf „gegenseitiggemeinsame, verbindende Gesinnung“ (Tönnies [1887] 1991: 17) beruhende Beziehung angesehen wird, gilt die folgende Feststellung von Tönnies:
„[...] alles, was in dem Sinne eines gemeinschaftlichen Verhältnisses gemäß, was in ihm und für es einen Sinn hat, das ist sein Recht; d. i. es wird als der eigentliche und wesentliche Wille der mehreren Verbundenen geachtet. Mithin: insoweit, als es ihrer wirklichen Natur und ihren Kräften entspricht, so ist dies ein natürliches Recht, als eine Ordnung des Zusammenlebens, die jedem Willen sein Gebiet oder seine Funktion zuweist, einen Inbegriff von Pflichten und Gerechtsamen“ (Tönnies [1887] 1991 :17).

Entwickeln sich jedoch neue soziale und Menschenrechte

„gilt die Bemerkung, dass das Künstliche, ja Gewaltsame in diesen Abstraktionen fortwährend in Erinnerung bleiben muss und der tiefe Zusammenhang, in welchem all diese gesellschaftlichen Mächte mit ihrer gemeinschaftlichen Basis, den ursprünglichen und natürlichen, den .historischen’ Gestaltungen des Zusammenlebens und Wollens verharren. Denn gleichwie der gesamte individuelle Kürwille nur ideell von den Impulsen des Lebens und Wesenwillens getrennt werden kann, und unter dem objektiven Aspekt vielmehr als ein Produkt des Gedächtnisses erscheint: so verhält es sich auch mit dem sozialen Kürwillen. Alle ihre Satzungen und Normen behalten eine gewisse Ähnlichkeit mit den Geboten der Religion, indem sie, wie diese, dem intellektuellen und mentalen Ausdrucke des Gesamtgeistes entspringen und weil die nunmehr vorausgesetzte Isolation und Selbständigkeit dieses Geistes vielleicht niemals als eine vollkommene und allgemeine in der Wirklichkeit angetroffen wird. So ist der Eid ursprüngliche Gewähr des Vertrages, und von Treue und Glauben löst sich nicht leicht die bindende Kraft’ der Verträge in der Bewusstheit der Menschen ab; wenn auch in Wirklichkeit dergleichen keineswegs erfordert wird, sondern eine einfache Reflexion auf das eigene Interesse genügt, um die Notwendigkeit, diese Grundbedingung des gesellschaftlichen Lebens zu erfüllen, dem vernünftigen Subjekt vorzustellen. Diesen Gesichtspunkt deutlich zu machen, ist nicht leicht, noch ihn zu verstehen. Aber in der Einsicht und Durchdringung seines Sinnes“ (Tönnies [1887] 1991 : 204)

liegt der Schlüssel für die Lösung eines der bedeutendsten Probleme des Werdens und Vergehens menschlicher Kultur.

„Denn ihr Dasein ist Veränderung; und als solche zugleich Entwicklung und Auflösung bestehender Gestalten. Alle Veränderung kann nur aus dem Übergang flüssiger Begriffe ineinander begriffen werden“ (Tönnies [1887] 1991: 204).
Mit anderen Worten: Tönnies zufolge läßt das so verstandene Naturrecht Entwicklung zu - im Gegensatz zu dem, was später bei Luhmanns Auseinandersetzung mit dem Naturrecht die positivistische Übersetzung des Lebensprinzips in eine biologische (autopoietische) Form sein sollte. Im besonderen gilt für die Gemeinschaft, die als normale, auf der Eintracht (consensus) d.h. auf einer gemeinsamen, wechselseitigen, verbindungsfähigen Art des Fühlens gegründeten Beziehung aufgefaßt wird, die folgende soziologische Feststellung: «alles, was dem Sinne eines gemeinschaftlichen Verhältnisses gemäß, was in ihm und für es einen Sinn hat, das ist sein Recht; d.i. es wird als der eigentliche und wesentliche Wille der mehreren Verbundenen geachtet. Mithin, insoweit, als es ihrer wirklichen Natur ... entspricht, so ist dies ein natürliches Recht, als eine Ordnung des Zusammenlebens, die jedem Willen sein Gebiet oder seine Funktion zuweist, einen Inbegriff von Pflichten und Gerechtsamen» (26). Dort, wo sich neue soziale und Menschenrechte entwickeln, gilt allgemein «die Bemerkung, daß das Künstliche, ja Gewaltsame in diesen Abstraktionen fortwährend in Erinnerung bleiben muß und der tiefe Zusammenhang, in welchem alle diese gesellschaftlichen Mächte mit ihrer gemeinschaftlichen Basis, den ursprünglichen und natürlichen, den 'historischen' Gestaltungen des Zusammenlebens und -wollens, verharren.

[Seite 256]

Denn gleichwie der gesamte individuelle Kürwille nur ideell von den Impulsen des Lebens und Wesenwillens getrennt werden kann, ... so verhält es sich auch mit dem sozialen Kürwillen. Alle ihre Satzungen und Normen behalten eine gewisse Ähnlichkeit mit den Geboten der Religion, indem sie, wie diese, dem intellektuellen oder mentalen Ausdrucke des Gesamtgeistes entspringen und weil die nunmehr vorausgesetzte Isolation und Selbständigkeit dieses Geistes vielleicht niemals als eine vollkommene und allgemeine in der Wirklichkeit angetroffen wird. So ist der Eid ursprüngliche Gewähr des Vertrages, und von Treue und Glauben löst sich nicht leicht die 'bindende Kraft' der Verträge in der Bewußtheit der Menschen ab; wenn auch in Wirklichkeit dergleichen keineswegs erfordert wird, sondern eine einfache Reflexion auf das eigene Interesse genügt, um die Notwendigkeit, diese Grundbedingung des gesellschaftlichen Lebens zu erfüllen, dem vernünftigen Subjekte vorzustellen. - Weder diesen Gesichtspunkt deutlich zu machen, ist leicht, noch ihn zu verstehen. Aber in der Einsicht und Durchdringung seines Sinnes wird der Schlüssel entdeckt werden zur Lösung der bedeutendsten Probleme des Werdens und Vergehens menschlicher Kultur. Denn ihr Dasein ist Veränderung: und als solche zugleich Entwicklung und Auflösung bestehender Gestalten. Alle Veränderung kann nur aus dem Übergange flüssiger Begriffe ineinander begriffen werden» (27).


(26) Ebenda [Tönnies], S. 17.

(27) Ebenda, S. 204 (Hervorhbg. vom Autor).

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die Verf.in wählt zwar dieselben Tönnies-Zitate wie Donati (1989), belegt diese aber mit Fundstellen aus der Tönnies-Ausgabe 1991, wobei die Auslassungen Donatis ergänzt werden.

Der Vergleich insbesondere auch mit den moderierenden Passagen zwischen den Zitaten - zumal auch mit Blick auf die Parallelen auf der vorangehenden Seite, siehe Fragment 050 08 - veranschaulicht, dass Donatis hier ungenannt bleibende Arbeit als Schreibvorlage diente (sowie die Hinweise lieferte, wo genau bei Tönnies nachzusehen ist, um etwa zu Beginn noch ein kurzes wörtliches Tönnies-Zitat einfügen oder andere Zitate kürzen bzw. erweitern zu können.).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[54.] Mhg/Fragment 052 01 - Diskussion
Bearbeitet: 7. March 2017, 14:52 Schumann
Erstellt: 27. December 2016, 11:09 (SleepyHollow02)
Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 52, Zeilen: 1 ff. (kpl.)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 256, 257, Zeilen: 256: 23 ff.; 257: 1 ff.
Die Gemeinschaft als Beziehungsform wird von Tönnies als Grundbedingung aufgefasst, die das „vernünftige Individuum“ aus dem Willen der Rechtsvernunft heraus erfüllen muss, die jedoch mit den Regeln einer auf Entwicklung ausgerichteten Aufklärung nicht zu erfassen ist.

Die Gemeinschaft besteht nach Tönnies fort,

„weil die Urerinnerung an ein gemeinschaftliches Recht, das ,mit uns geboren ist’ schlummernd, wie das Weizenkorn in einer Mumie, jedoch der Entwicklung fähig, in der Volksseele sich erhalten hat“ (Tönnies [1887] 1991 : 184).

Später setzt er fort

„[...] da die gesamte Kultur in gesellschaftliche und staatliche Zivilisation umgeschlagen ist, so geht in dieser ihrer verwandelten Gestalt die Kultur selber zu Ende; es sei denn, dass ihre zerstreuten Keime lebendig bleiben, dass Wesen und Ideen der Gemeinschaft wiederum genährt werden und neue Kulturen innerhalb der untergehenden heimlich entfalten“ (Tönnies [1887]1991 : 215).

Das bedeutet, dass es stets da, wo Menschen zusammen sind, egal ob sie sich durch ihren Kürwillen voneinander unterscheiden oder vereint sind, gemeinschaftliche Elemente gibt, die aus einem wechselseitigen, gemeinsam verbindenden Gefühl resultieren.

Die gemeinsame Vernunft und Sprache als Erfordernis für die Entstehung von sozialen Beziehungen erlangt ihre dazugehörige Lebendigkeit aus dem gemeinsamen geistigen Erfassen und macht das gemeinschaftliche Element aus, welches eine dauerhafte und notwendige Folie für die reale Fähigkeit des Zusammenlebens im Verständnis eines sozialen Lebens darstellt.

2.2 Zur Bedeutung der sozialen Beziehung

Vor dem Hintergrund des eben gesagten [sic] ist es mein Ziel, die Tönniessche Theorie in Bezug auf die heutige Gesellschaft als wechselseitige Durchdringung von Gemeinschaft und Gesellschaft darzustellen. Damit möchte ich die Position von Habermas vertiefen, die mit der folgenden Forschungsrichtung deutlich wird.

„Die Beschränkung des Wachstums monetär-administrativer Komplexität ist keineswegs gleichbedeutend mit der Preisgabe moderner Lebensformen. In strukturell ausdifferenzierten Lebenswelten prägt sich ein Vernunftpotential aus, das nicht auf den Begriff der Steigerung von Systemkomplexität gebracht werden kann“ (Habermas 1981 1:10).
Die Beziehungsform der Gemeinschaft wird hier als «Grundbedingung» verstanden, die das «vernünftige Subjekt» um einer Rechtsvernünftigkeit willen erfüllen muß, die die Regeln einer evolutionistisch ausgerichteten Aufklärung nicht erfassen können, welche in unseren Tagen - wenn auch auf sehr unterschiedliche Art und Weise - von Habermas ebenso aufgegriffen wird wie von Luhmann.

In diesem Rahmen, so glaube ich, müssen wir die Sicht von Tönnies da neu interpretieren, wo er sich elem Fortbestand der Gemeinschaft folgendermaßen zuwendet: «die Urerinnerung an ein gemeinschaftliches Recht, das 'mit uns geboren ist', [hat sich] schlummernd, wie das Weizenkorn in einer Mumie, jedoch der Entwicklung fähig, in der Volksseele (...) erhalten» (28), und wo er später wieder ansetzt: «da die gesamte Kultur in gesellschaftliche und staatliche Zivilisation umgeschlagen ist, so geht in dieser ihrer verwandelten Gestalt die Kultur selber zu Ende; es sei denn, daß ihre zerstreuten Keime lebendig bleiben, daß Wesen und Ideen der Gemeinschaft wiederum genährt werden und neue Kultur innerhalb der untergehenden heimlich entfalten» (29).

Kurz: Dort, wo die Menschen (noch) zusammenstehen und nicht auseinander-

[Seite 257]

treiben oder sich gegenseitig bis zum Zustand der Pathologien bekämpfen, der zur Auflösung der sozialen Beziehungen führt, bleibt - mögen sie auch noch so sehr nach ihrem Kürwillen voneinander unterschieden oder miteinander vereint sein - stets ein gemeinschaftliches Element im wechselseitigen, gemeinsamen, assoziativen Empfinden bestehen.

Neue Anreize zur und neue Bedürfnisse nach sozialen Beziehungen erfordern notwendigerweise auch die Vernunft und die Sprache und können nur dadurch physiologische Lebendigkeit erlangen, daß sie eine Phase des «geistigen Zusammen-Erfassens» (30) durchlaufen. Dies macht das gemeinschaftliche Element aus, bildet eine dauerhafte und notwendige Wirklichkeitsschicht des als Fähigkeit zum Zusammen-Leben verstandenen sozialen Lebens.

3. Die Gesellschaft als (gemeinschaftliches und funktionales) «Netz»

3.1. Von den pattern variables zur sozialen Beziehung

Unter dem Blickwinkel des eben Gesagten möchte ich im folgenden eine neue Art und Weise der Interpretation sowohl der Tonniesschen Theorie wie der Existenzform der gegenwärtigen Gesellschaft als wechselseitige Durchdringung von Gemeinschaft und Gesellschaft darstellen. Damit stelle ich mir als Aufgabe, die Position von J. Habermas zu vertiefen, die anhand der folgenden Forschungsrichtung deutlich wird: «Die Beschränkung des Wachstums monetär-administrativer Komplexität ist keineswegs gleichbedeutend mit der Preisgabe moderner Lebensformen. In strukturell ausdifferenzierten Lebenswelten prägt sich ein Vernunftpotential aus, das nicht auf den Begriff der Steigerung von Systemkomplexität gebracht werden kann» (31).


(28) Ebenda [Tönnies], S. 184.

(29) Ebenda, S. 215.

(30) Ebenda, S. 17.

(31) Vgl. J. HABERMAS, a.a.O., Bd. I, Vorwort zur 1. Auflage, S. 10.

Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Interessant ist zu Beginn von Kap. 2.2 die Übernahme der ersten Person Singular (unter Hintanstellung des allgemeinen wissenschaftssprachlichen Ich-Verbots). Dass sich vor der Verfasserin 2005 schon Donati 1989 zur Aufgabe machte, die Position von Habermas 1981 zu vertiefen, erfährt der Leser nicht.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[55.] Mhg/Fragment 054 12 - Diskussion
Bearbeitet: 6. March 2017, 22:17 Schumann
Erstellt: 20. December 2016, 06:22 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Donati 1989, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 54, Zeilen: (8-12), 12-16, (18-20)
Quelle: Donati 1989
Seite(n): 261, Zeilen: 18 ff.
[Folgt man einem solchen Komplexitätsmodell, wird erkennbar, dass es sich nicht um eine Gesellschaft handelt, die auf zwei Ebenen existiert wie bei Habermas mit dem System und der Lebenswelt, sondern um ein „offenes System“ (Donati 1988: 260).] In einem Modell des Sozialen, welches das Modell der Komplexität einschließt [sic] wird deutlich, dass die Gemeinschaft nicht das Gegenteil der Gesellschaft (als öffentliche Sphäre mit dem dazugehörigen Staat und ihren Institutionen) ist, sondern dass sie ein Vermittlungsglied zwischen dem Privaten und dem Öffentlichen darstellt. [Auf diese Weise wird deutlich, dass es eine Notwendigkeit ist,
„das gemeinschaftliche Element als Tertium einer Vermittlung, welches dem wahrhaft relationalen Charakter des Sozialen innewohnt, für die soziologische Theorie zu erhalten“ (Donati 1988: 261).]
Innerhalb eines Modells des Sozialen, das diese Komplexität mit einschließt, würde erkennbar werden, daß die «Gemeinschaft» (das analytisch und doch realistisch verstandene gemeinschaftliche Element) nicht das Gegenteil einer als öffentliche Sphäre aufgefaßten (bürgerlichen) «Gesellschaft» mit dem dazugehörigen Staat und ihren Institutionen ist, wie Tonnies sie noch auffaßt, sondern es würde erkennbar werden, daß sie das Zwischenglied (der Vermittlung) zwischen dem privaten Pol und dem öffentlichen Pol (oder zwischen deren Entsprechungen - je nach der von den unterschiedlichen soziologischen Ansätzen verwandten besonderen Terminologie) bildet. Auf diese Weise würde auch nicht nur die Unmöglichkeit sichtbar, dualistische Theorien ins Leben zu rufen, denen der Realitätssinn abhanden kommt, sondern auch die Notwendigkeit, das gemeinschaftliche Element als Tertium einer Vermittlung, welches dem wahrhaft relationalen Charakter des Sozialen innewohnt, für die soziologische Theorie zu erhalten.
Anmerkungen

Die Quelle wird auf der Seite siebenmal referenziert; die Übernahme setzt sich jedoch auch in den Passagen ohne Beleg fort.

Die Habermas-Rezeption der Verfasserin ist identisch mit der Habermas-Rezeption Donatis.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[56.] Mhg/Fragment 055 23 - Diskussion
Bearbeitet: 20. December 2016, 06:49 SleepyHollow02
Erstellt: 16. November 2016, 20:03 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 55, Zeilen: 23-25.26-31
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 93, Zeilen: 1 ff.
Inzwischen existiert ein Typus von Gemeinschaft, der die gesellschaftlichen Elemente längst eingebunden hat und gemeinschaftliche Funktionen erfüllt. Donati bezeichnet sie als die „Wiederentdeckung informeller gesellschaftlicher Netze“ (Donati 1988: 265), deren Aufgabe darin besteht, gesellschaftserhaltende Aufgaben, wie den Aufbau und Erhalt von Identität und die Vermittlung von Werten zu erfüllen. Dabei verliert die Einteilung in Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen zunehmend an Aussagekraft und neue Modelle, wie die sozialen Netzwerke, bilden den Rahmen für die Beziehungen, die Individuen eingehen. Es existiert ein Gemeinschaftstypus, der gesellschaftliche Elemente längst implementiert hat und gemeinschaftliche Funktionen erfüllt: Sie lassen sich als „Re-Vergemeinschaftungen“ (Spurk 1990), „posttraditionale Gemeinschaft“ (Raulet 1993), „inszenierte Gemeinschaft“ (Puch 1988), „informelle Netze“ (Donati 1988), „destruktive Gemeinschaften“ (Sennett 1987) oder „Lebensstile“ (z.B. Bourdieu 1989) bezeichnen und erfüllen wichtige, gesellschaftserhaltende Aufgaben, vorrangig jene des Identitätsaufbaus und -erhalts sowie der Vermittlung von Werten. Die alten Klassifikationsmuster, in denen Vergemeinschaftungs- und Vergesellschaftungsformen bisher evident waren, haben an Aussagekraft verloren, neue Modelle wie das Konzept sozialer Netzwerke rahmen die Verbindungen, die Menschen eingehen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Einzige Eigenleistung: Aus den in der Quelle aufgezählten sechs Bezeichnungen für den Gemeinschaftstypus wählt die Verf.in die von Donati 1988, schlägt dann anscheinend in dieser Publikation nach, und fügt eine etwas andere beinahe wörtliche Donati-Formulierung mit Seitenangabe ein.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[57.] Mhg/Fragment 056 03 - Diskussion
Bearbeitet: 24. January 2017, 23:08 Schumann
Erstellt: 16. November 2016, 20:54 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 56, Zeilen: 3-15, (16-31), 32-39
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 97, Zeilen: 5 ff.
Soziale Beziehungen weisen heute ein hohes Spektrum an Vielfältigkeit und Multifunktionalität auf. Dennoch fuhren die Vergesellschaftungsprozesse nicht zu einer Vereinzelung der Individuen, denn sie knüpfen ihre Netze nach eigenen Wünschen und übernehmen die Verantwortung für den Erfolg der sozialen Beziehung. Diese neu entstehenden Gemeinschaften stabilisieren die Gesellschaft, indem sie als Wertvermittlungsinstanzen funktionieren. Eine solche Wert- und Normenvermittlung findet mit Hilfe von Interaktionen statt, welche mit einer Bemühung um Konsensherstellung verbunden sind. Individuum und Gesellschaft stehen sich dabei nicht in einem dualistischen Verhältnis von mangelnd integrierten Individuen und zugewiesenen Kollektiven gegenüber, sondern verkörpern unterschiedliche Niveaus von vergesellschafteter Gemeinschaft, die eine Einheit bilden. Auf diese Bipolarität weist bereits Simmel in seiner „Soziologie“ hin:
„Das Wesentliche aber und der Sinn des besonderen soziologischen Apriori, das sich hierin gründet, ist dies, dass das Innerhalb und das Außerhalb zwischen Individuum und Gesellschaft nicht zwei nebeneinander bestehende Bestimmungen und - obgleich sie sich gelegentlich auch so, und bis zur gegenseitigen Feindseligkeit entwickeln können - sondern dass sie die ganz einheitliche Position des sozial lebenden Menschen bezeichnen. Seine Existenz ist nicht nur, in Aufteilung ihrer Inhalte, partiell sozial und partiell individuell; sondern sie steht unter der fundamentalen, gestaltenden, nicht weiter reduzierbaren Kategorie einer Einheit, die wir nicht anders ausdrücken können als durch die Synthese oder die Gleichzeitigkeit der beiden logisch einander entgegengesetzten Bestimmungen der Gliedstellung und des Fürsichseins, des Produziert- und Befasstseins durch die Gesellschaft und des Lebens aus dem eignen Zentrum heraus und um des eignen Zentrums willen. Die Gesellschaft besteht nicht nur, wie sich vorher ergab, aus Wesen, die zum Teil nicht vergesellschaftet sind, sondern aus solchen, die sich einerseits als völlig soziale Existenzen, andrerseits, den gleichen Inhalt bewahrend, als völlig personale empfinden“ (Simmel 1908:28).

Dabei stellen die entstehenden Wertsysteme nicht nur Wertbezüge für die Familie, Nachbarschaft, Vereine usw. dar, sondern sie bilden auch die „sozio-kulturellen Überlieferungen“ für die nachfolgenden Generationen.

Dadurch, dass Individuen heute ihre sozialen Beziehungen nach eigenen Wünschen eingehen, spielt das interpersonale und systemische Vertrauen im Rahmen der modernen Vergemeinschaftung eine immer größere Rolle. Ein solches aktives Vertrauen ist aber auch mit einer Reziprozitätserwartung verknüpft.

Soziale Beziehungen sind vielfältiger und multifunktionaler geworden, sie decken das gesamte Kontinuum von traditionalen bis hin zu postmodernen Bindungen ab. Das Individuum ist durch die Vergesellschaftungsprozesse nicht der Vereinzelung ausgesetzt, sondern knüpft selbstbewußt neue Netze, ist aber für den Erfolg der Beziehung selbst verantwortlich. Die »neuen« Vergemeinschaftungen sind nicht nur Ausdruck eines individuell motivierten Identitätsbedürfnisses, sondern stabilisieren die Gesellschaft, indem sie als Vermittlungsinstanzen von Werten fungieren. Die Vermittlung von Normen gleicht aber nicht einer zentralistischen und systemischen Anleitung, sondern findet über Interaktion statt, wodurch Konsens oder Dissens hergestellt werden kann. Das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft ist keineswegs in der Bipolarität von anomischen Individuen und determinierendem Kollektiv verankert, sondern existiert in unterschiedlichen Niveaus vergesellschafteter Gemeinschaftlichkeit: konkreten Gemeinschaftsformen, die gemeinschaftliche und gesellschaftliche Elemente synthetisieren.64 Deren Wertsysteme bilden nicht nur die Bezugssysteme für Familien, Nachbarschaften, Freundschaften, Verbände, Vereine, Organisationen und Nationen, sondern sie sind auch das »sozio-kulturelle Gedächtnis« der nachwachsenden Generationen.

Ein sozialer Raum, der die komplexen Beziehungsformen rahmt, muß die Bedingungen schaffen, die den tendenziell fluktuierenden Beziehungen eine relative Stabilität geben, indem sie den Austausch konditional und normativ über die Teilsysteme des Handelns prägen. Hinzu kommt, daß die individualisierten Akteure potentielle Partner nach Persönlichkeitsmerkmalen auswählen, wodurch Beziehungen eine legitimierte Form erhalten. Vor allem das interpersonelle und eingeschränkt auch das systemische Vertrauen dient in den posttraditionalen Vergemeinschaftungen als Vorschuß, der eine Reziprozitätsgarantie beinhaltet. Wird ein Austausch neu situiert, kann Vertrauen auch eine Strategie sein, um einen anderen gefügig zu machen, vor allem in asymmetrischen Beziehungen.

„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muß wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996b, S. 319).

64 Bereits Simmel (1968, S. 28) weist in seiner „Soziologie“ auf diese Dualität hin: „Das Wesentliche aber [...] ist dies, daß das Innerhalb und Außerhalb zwischen Individuum und Gesellschaft nicht zwei nebeneinander stehende Bestimmungen sind, [...], sondern daß sie die ganz einheitliche Position des sozial lebenden Menschen bezeichnen“.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Das erkennbar ebenfalls übernommene Simmel-Zitat wird nachgeschlagen und stark ausgebaut; es bleibt hier konservativ bei der Zeilenzählung unberücksichtigt).

In der zweiten Fragmenthälfte ist der Grad an Umformulierung derart hoch, dass die Parallelen farblich nur noch bei einer Gegenüberstellung mit dem VroniPlag-Vergleichswerkzeug und Textlängeneinstellung 2 bzw. 1 sichtbar gemacht werden können.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[58.] Mhg/Fragment 057 16 - Diskussion
Bearbeitet: 19. December 2016, 19:43 Schumann
Erstellt: 16. November 2016, 22:16 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 57, Zeilen: (1-4) 16-26, 28-30
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): (97) 98, Zeilen: (97: letzte 4 Zeilen), 98: 1 ff.
.
„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muss wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996:319).
[... wörtliches Zitat Giddens 1996b, S. 320-321 ...]

Damit bilden Vertrauen und Reziprozität die zentralen Elemente moderner Beziehungen, die über den unmittelbaren emotionalen Austausch verfestigt werden und eine Intimität schaffen. Um als soziokulturelle Überlieferungen für die nachfolgenden Generationen zur Verfügung zu stehen müssen aber solche neuen Gemeinschaften durch spezifische Interessen begrenzt sein, die sich in spezifischen Mustern oder Codes ausdrücken, denn nur durch eine rituelle Wiederholung solcher Symbole sozialen Zusammenhalts erhalten sie eine traditionale „Form“ (Vgl. Giddens 1996a: 126). Mit Hilfe dieser gemeinschaftsspezifischen Muster entsteht ein nahezu intimes Wir-Gefühl, welches zu einer emotional gefestigten Beziehung führt, Verhaltensweisen reguliert und „Sinndeutungen“ erzeugt. [...] Durch die Verfestigung von Traditionen als „Medium für die Organisation kollektiven Gedächtnisses“ (Giddens 1996a: 125) wird schlussendlich eine soziale Identität erzeugt, welche die Gesellschaft stabilisiert.

[Seite 97]

„Aktives Vertrauen stellt sich nur mit erheblichem Aufwand ein und muß wachgehalten werden. Auf ihm beruhen heute die neuen Formen des gesellschaftlichen Zusammenhalts - seien es intime Bindungen oder globale Interaktionssysteme“ (Giddens 1996b, S. 319).

[Seite 98]

Vertrauen und Reziprozität sind die Eckpfeiler der modernen Beziehungen, die unmittelbar über einen emotionalen Austausch zementiert werden und Intimität erzeugen. Die »neuen« Gemeinschaftsformen müssen auch dahingehend die Option des unendlichen Bestehens beinhalten, gleichzeitig müssen sie durch spezifische Interessen (subsystemisch) begrenzt sein, indem sie spezifische Kodes entwickeln.65 [...] Gleichzeitig müssen die Symbole des sozialen Zusammenhalts durch rituelle Wiederholungen eine quasi-traditionale Form erhalten. [...]

[...] Der Ritus des betont Häßlichen [bei Punks] (der mit großem zeitlichen Aufwand betrieben wird, wie Soeffner (1986) nachweist) sowie die (gesellschaftskritische) Stilisierung von Armut entsprechen gruppenspezifischen Kodes, die ein nahezu intimes Wir-Gefühl entstehen lassen. Nur unter diesen Prämissen ist der schnelle Übergang von oberflächlicher Kumpanei zu emotional gefestigten Beziehungen zu begreifen.

Die konstituierte Tradition kann dann erst zum „Medium für die Organisation des kollektiven Gedächtnisses“ (Giddens 1996a, S. 125; Hervorh. i.O.) werden, letztlich soziale Identität und gesellschaftliche Stabilität gewährleisten. [...] Die Entstehung der »neuen« Vergemeinschaftungen ist abhängig vom Aufbau gruppenspezifischer Rituale und Tradierungen, die die Funktion der Regulierung von Verhaltensweisen und der Schaffung von Sinndeutungen innehaben.65


65 [...]

66 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Das Giddens-Zitat zu Beginn bleibt bei der Zeilenzählung unberücksichtigt, obwohl es sich in beiden Arbeiten in identischer Abgrenzung findet und in der Quelle am Ende von Seite 97 bzw. unmittelbar vor dem weiteren übernommenem Inhalt steht. [Man könnte es daher auch noch begründet mitberücksichtigen.]

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[59.] Mhg/Fragment 059 08 - Diskussion
Bearbeitet: 24. January 2017, 23:13 Schumann
Erstellt: 18. November 2016, 14:03 (Schumann)
Dederichs 1999, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 59, Zeilen: 8-20
Quelle: Dederichs 1999
Seite(n): 112, Zeilen: 6 ff.
Durch einen Netzwerkansatz werden soziale Beziehungen, die Mitglieder verschiedener Gruppen verbinden und damit Strukturen bilden, sichtbar. Wobei die Art der Beziehungen die Formalität der Strukturierung vorgibt, also handelt es sich um informelle oder formelle Beziehungen bzw. um primäre oder sekundäre Beziehungen. Netzwerke sind jedoch nicht identisch mit dem Gruppenkonzept, welches sich auf die Erfassung einer sozialen Umwelt, des primären Verkehrskreises, beschränkt. Soziale Netzwerke unterscheiden sich von der sozialen Gruppe durch die Berücksichtigung der innersystemischen Dynamik, die aufgrund der indirekten und direkten Beziehungen das Netz permanent erweitern, durch das Vorhandensein homogener und heterogener Beziehungen sowie die Fähigkeit, unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen. Die Abgrenzung der sozialen Netzwerke untereinander erfolgt durch die zeitliche, sachliche und räumliche Differenzierung der sozialen Umwelt. Das Netzmodell bietet sich an, da in Netzwerken Beziehungen faßbar werden, die Mitglieder einer bestimmten Gruppe verbinden und dadurch Strukturen bilden. Die Art der Beziehungen entscheidet über die Formalität der Strukturierung, d.h. Netzwerke ermöglichen neben den formalen auch alternative und informelle Begegnungen. [...]

[...] Das Netzwerk ist aber nicht als besondere Gruppenform zu verstehen (vgl. Donati 1988, S. 269f). Es unterscheidet sich von der Gruppe durch a) die innersystemische Dynamik aufgrund direkter und indirekter Beziehungen, die das Netz permanent erweitern können (als Patronagesystem), b) starke und schwache Beziehungen, also das Schwanken zwischen Homogenität (einer Gruppe) und Heterogenität (durch integrative Intergruppenbeziehungen) und c) die Fähigkeit der multiplexen Beziehungen, also multiple Interessen zu integrieren. [...]

Die Abgrenzung zu anderen Netzwerken erfolgt über die sinnvolle Differenz zur Umwelt, die zeitlich, sachlich und sozial dimensioniert werden kann.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die trotz starker Umformulierung im Vergleich noch erkennbar bleibt.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[60.] Mhg/Fragment 060 23 - Diskussion
Bearbeitet: 5. December 2016, 23:00 Schumann
Erstellt: 5. December 2016, 19:27 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 60, Zeilen: 23-28
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 2, Zeilen: 16 ff.
Soziale Netzwerke, als wesentlicher Teil unseres gesellschaftlichen Daseins, beziehen sich auf Interaktionen, die sowohl mit funktionalem Austausch als auch emotionalen Bindungen verbunden sind. Dabei umfassen solche sozialen Interaktionen alle Situationen, in denen Menschen miteinander verbunden sind. Insofern lässt sich die Gesellschaft als ein komplexes und vielschichtiges System von miteinander verbundenen Handlungsräumen definieren. Soziale Netzwerke sind ein immanenter Teil unserer gesellschaftlichen Existenz, beziehen sich auf Interaktionen funktionalen Austauschs ebenso wie auf emotionale Bindungen. Soziale Interaktionen umfassen hierbei alle Situationen, in denen Menschen miteinander verbunden sind, Gesellschaft läßt sich aus dieser Perspektive definieren als ein äußerst komplexes und vielschichtiges soziales System von miteinander verbundenen sozialen Handlungsräumen.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Mit diesem Absatz endet das Auftaktkapitel (3.1. Das soziale Netz, S. 58-60) des 3. Teils.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[61.] Mhg/Fragment 061 27 - Diskussion
Bearbeitet: 24. January 2017, 23:24 Schumann
Erstellt: 1. December 2016, 18:08 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 61, Zeilen: 27-35
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 36. 37, Zeilen: 36: 25 ff.; 37: 1
Die strukturfunktionale Anthropologie von Alfred Reginald Radcliffe-Brown (1940; 1957) bildet den Ausgangspunkt der britischen wie auch der amerikanischen anthropologischen Entwicklungslinie.

Alfred R. Radcliffe-Brown und Bronislaw Malinowski (1922) gelten als zwei der Begründer einer funktionalistischen Betrachtungsweise in der Soziologie, die von Parsons ausging. Die Sozialanthropologie unterscheidet sich von der sozialpsychologischen Entwicklungslinie insofern, dass ihr Ausgangspunkt die Funktionsweise von größeren Einheiten wie Gemeinden, formalen Organisationen, Dörfern oder Gesamtgesellschaften war.

2.2.1 Die britische Sozialanthropologie

Ausgangspunkt sowohl der britischen als auch der amerikanischen anthropologischen Entwicklungslinien ist die strukturfunktionale Anthropologie von Radcliffe—Brown (1881-1955). Zusammen mit Malinowski gilt er als einer der „Väter“ der funktionalistischen Betrachtungsweise in der Soziologie, die von Parsons fortgeführt wurde. Die beiden Entwicklungsstränge unterscheiden sich von der sozialpsychologischen Entwicklungslinie dadurch, daß sie weniger an kognitiven und sozialpsychologischen Prozessen in Kleingruppen interessiert waren, als vielmehr am Funktionieren von größeren Einheiten wie Gemeinden, formalen Organisationen, Dörfern oder Ge-

[Seite 37]

samtgesellschaften.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Die Umformulierung von "fortgeführt wurde" nach "ausging" ist sinnentstellend.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[62.] Mhg/Fragment 062 07 - Diskussion
Bearbeitet: 6. April 2017, 12:29 Schumann
Erstellt: 5. April 2017, 21:04 (23.95.97.29)
Fragment, Freeman 2004, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, ÜbersetzungsPlagiat

Typus
ÜbersetzungsPlagiat
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 62, Zeilen: 7-13
Quelle: Freeman 2004
Seite(n): 102, Zeilen: 23 ff.
Soziale Beziehungen waren zentral in seinem Denken. So sagte er z.B. „The relations between individuals in a social system are social relations“ (Radcliffe-Brown 1957: 44). Er verallgemeinerte diese Idee und sprach davon, dass soziale Beziehungen die Individuen in einer sozialen Struktur verbinden (vgl. Radcliffe-Brown 1957: 49). Und er deutet an, dass die menschliche Gesellschaft nur zu verstehen sei „by an investigation of human beings arranged in a certain order“(Radcliffe-Brown 1957: 49).

Radcliffe-Brown, Alfred R. (1957) A Natural Science of Society. Chicago.

Social relations were central in his thinking. He [Radcliffe-Brown] (1957, p.43) said, for example, ”The relations between individuals in a social system are social relations.” He (p. 44) generalized that idea and talked of social relations linking individual bees and ants into social structures. And he (p. 49) indicated that human society could be understood only, ”by an investigation of human beings arranged in a certain order.”

Radcliffe-Brown, Alfred Reginald. [...]
[...]
—— . 1957. A Natural Science of Society. Chicago: University of Chicago.

Anmerkungen

An dieser Stelle übernimmt die Verf.in eine Rezeption Radcliffe-Browns (1957) aus der Quelle, ohne dies kenntlich zu machen.

Freeman (2004) wird erst am Anfang des nächsten Absatzes erwähnt, nachdem zuvor noch Schenk (1984) zitiert wurde. Daher wäre auch eine Kategorisierung des Fragments als "Bauernopfer" möglich.

Radcliffe-Brown (1957) wird – abgesehen vom Literaturverzeichnis und einem pauschalen Verweis auf der Vorseite – lediglich hier genannt.

Der Vergleich mit einem Scan der 1957er-Ausgabe von A Natural Science of Society ergibt zudem, dass diese – im Gegensatz zu der Originalausgabe von 1948 – nicht an der University of Chicago, sondern bei The Free Press in Glencoe, Illinois (und The Falcon's Wing Press) erschienen ist.

Man beachte weiterhin, dass die ersten beiden Seitenangaben der Verf.in bzgl. Radcliffe-Brown (1957) von den in der Quelle gemachten abweichen; der Vergleich ergibt, dass diejenigen von Freeman (2004) korrekt sind und sie diese fehlerhaft übertragen hat.

Schließlich spricht Radcliffe-Brown auf S. 44 explizit von sozialen Beziehungen unter Tieren und führt Bienen und Ameisen als Beispiele an.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[63.] Mhg/Fragment 063 06 - Diskussion
Bearbeitet: 15. April 2017, 19:30 Schumann
Erstellt: 10. April 2017, 20:58 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Scott 1991

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 6-10
Quelle: Scott 1991
Seite(n): 29, Zeilen: 2 ff.
Barnes behauptet, dass „the whole of social life“ gesehen werden kann als „a set of points some of which are joined by lines“ und ein „total network of relations“ formt. (Barnes 1954: 43). „The informal sphere of interpersonal relations was to be seen as one part, a partial network, of this totale [sic] network“ (Barnes 1954: 43).

Barnes, John. [sic] A. (1954) Class an [sic] Committee in a Norwegian Island Parish. In: Human Relations, Nr. 7, 39-59 [sic].

Barnes claimed that ‘the whole of social life’ could be seen as ‘a set of points some of which are joined by lines’ to form a ‘total network’ of relations. The informal sphere of interpersonal relations was to be seen as one part, a ‘partial network’, of this total network (Barnes, 1954: 43).

Barnes, J.A. (1954) ‘Class and Committee in a Norwegian Island Parish’, Human Relations, 7.

Anmerkungen

Scott (1991) wird unmittelbar zuvor in einem eingerückten separaten Absatz wörtlich mit Bezug auf Barnes (1954) zitiert; andere als vorliegende Zitate aus der letzteren Publikation finden sich in der untersuchten Arbeit nicht.

Ein Abgleich dieser Zitate mit Barnes’ Aufsatz ergibt, dass
a) dort nirgends von einem „total network of relations“ die Rede ist und
b) sich der mit „The informal sphere [...] beginnende Satz dort nirgends findet; vielmehr stammt er aus Scott (1991), von dem ihn die Verf.in etwas fehlerhaft übertragen hat.

Deren Seitenangabe bzgl. Barnes (1954) ist ebenfalls nicht ganz zutreffend, da der Aufsatz nur S. 39-58 umfasst.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[64.] Mhg/Fragment 063 17 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 14:47 Schumann
Erstellt: 26. January 2017, 19:40 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 17-19, 28-32, 36-37
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 37, Zeilen: 26 ff.
Dazu befragte sie erstmals Ehepartner nach ihren persönlichen Beziehungen und schuf damit die ego-zentrierte Netzwerkanalyse (vgl. Wellman 1993:432).

[...]

John Barnes und Clyde Mitchell formulierten Ende der 60er Jahre den Netzwerkbegriff noch weiter aus und entwickelten unter Rekurs auf die Graphentheorie ein Instrument zur Beschreibung von Netzwerkstrukturen.

Barnes, Bott und Mitchell ging es im Wesentlichen um die Möglichkeit einer Erfassung der sogenannten „personal order“ (Mitchell 1969: 10).

[„The personal order is the pattern of personal links individuals have with a set of people and the links these people have in tum among themselves“ (Mitchell 1969: 10).]

Indirekte Beziehungen und Gesamtstrukturen spielten bei ihnen noch keine Rolle (vgl. Jansen 1999: 37).

Hierzu befragte sie die Ehepartner nach ihren persönlichen, deshalb ego-zentrierten, Netzwerken. Wellman (1993: 432) würdigt sie als deren Erfinderin:

[...]

Barnes (1972) und J. Clyde Mitchell (1969) formulierten in Arbeiten Ende der 60er und zu Beginn der 70er Jahre den Netzwerkbegriff weiter aus und entwickelten unter Nutzung der Graphentheorie ein Instrumentarium zur Beschreibung von Netzwerkstrukturen (vgl. Kapitel 4.2 und 5.1). [...]

[...]

Barnes, Bett und Mitchell ging es vor allem um die Erfassung der sogenannten „personal order“, der persönlichen, durch direkte Kontakte geprägten Lebenswelt von Individuen. Indirekte Beziehungen und Gesamtstrukturen fanden wenig Interesse.

Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird ganz am Ende genannt, doch zeigt der Vergleich, dass auch mehrere Sätze davor ebenfalls daraus stammen.

In der Auslassung befindet sich Fragment 063 19, dessen Inhalt aus Schenk (1984) übernommen wurde.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[65.] Mhg/Fragment 063 19 - Diskussion
Bearbeitet: 5. February 2017, 17:08 Schumann
Erstellt: 29. December 2016, 10:14 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 63, Zeilen: 19-26
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 6, 7, Zeilen: 6: letzte vier Zeilen; 7: 1 ff.
Innerhalb der Sozialanthropologie wurde das Netzwerkkonzept bei weiteren Fallstudien benutzt. Oft wurde sich nur auf „Subsets“ von Relationen in einer gegebenen Population bezogen, die an einer Person, einem Ego, verankert war. Gerade diese „egozentrierten Netzwerke“ sind es, die Randbedingungen und Ressourcen für individuelles politisches und soziales Handeln setzen. Die Netzwerke fokussieren aber nicht das Individuum in der Interaktion, sondern folgen der Interaktion, wie sie sich durch den gesamten sozialen Kontext zieht. Damit überschreitet das Konzept die „dyadische Interaktion“ (Schenk 1984:7). Außer den Arbeiten von BARNES und BOTT wurde das Netzwerkkonzept innerhalb der Sozialanthropologie in weiteren Fallstudien verwendet, die sich vor allem durch besondere Anschaulichkeit auszeichnen, dafür aber - was von Netzwerkana-

[Seite 7]

lytikern anderer Disziplinen bisweilen als einigermaßen verwirrend empfunden wird - meist eine "egozentrische Verzerrung" aufweisen, indem sie sich nur auf Subsets von Relationen in einer gegebenen Population beziehen, die an einer einzelnen Person (Ego) verankert werden. Da diese "ego-zentrierten Netzwerke" jedoch Randbedingungen und Ressourcen für individuelles politisches und soziales Handeln setzen, sind sie für Anthropologen von theoretisch besonderem Interesse.19) Im übrigen fokussieren diese Netze nicht das Individuum in Interaktion, sondern folgen der Interaktion, wie sie sich durch den ganzen sozialen Kontext zieht: [...] Das Konzept des sozialen Netzwerkes Ubergreift damit die "dyadische Interaktion", wie sie z.B. von THIBAUT und KELLEY im Rahmen der Austauschtheorie vorgestellt wird21), [...]


19) Eine vorschnelle Kritik an egozentrierten Netzwerkanalysen sei unangebracht, da mehrere substantive Resultate erzielt worden seien. Vgl. POSTER, B.L.: 1978/79, S. 250.

21) Vgl. THIBAUT, J.W., H.H. KELLEY: The Social Psychology of Groups. New York usw. 1959. Auf die Austauschtheorien, auch von HOMANS, BLAU etc., werden wir später noch eingehen (Kapitel II. 2.1.).

Anmerkungen

Der Quellennachweis scheint sich auf ein wörtliches Zitat von zwei Wörtern („dyadische Interaktion“) zu beziehen, erfasst aber tatsächlich den ganzen Absatz. Die Quellenangabe im letzten Satz steht dabei vor dem Punkt, signalisiert damit also, sich nur auf diesen letzten Satz, nicht aber auf den gesamten Absatz zu beziehen.

Interessanterweise wird die "dyadische Interaktion" von der Verf.in Schenk zugeschrieben, während Schenk sie Thibaut und Kelley zuschreibt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[66.] Mhg/Fragment 064 01 - Diskussion
Bearbeitet: 30. January 2017, 13:19 Schumann
Erstellt: 29. January 2017, 21:07 (Schumann)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: 1-3, 101-102
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 12, Zeilen: 17 ff.
Die Manchester-Schule entwickelte sich speziell durch die Reformulierung des Strukturbegriffs Siegfried Nadels und den Arbeiten von Clyde Mitchell weiter.

[...]14


14 Nadel konkretisiert in seiner "Theorie der sozialen Struktur" die Begriffe Beziehung, Rolle und Struktur. So bereitet er ihre spätere Formalisierung vor.

Eine weitere Entwicklung vollzog die Manchester-Schule mit der Reformulierung des Strukturbegriffs durch Siegfried Nadel und den Arbeiten Clyde Mitchells. Nadel konkretisiert in seiner "Theorie der sozialen Struktur" die Begriffe Beziehung, Rolle und Struktur, so daß er ihre spätere Formalisierung vorbereitet.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Der Inhalt von Fn. 14 bezieht sich auf Text im folgenden Absatz, der seinen kompletten Inhalt unausgewiesen von Jansen (1999) bezieht, siehe Fragment 064 04.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[67.] Mhg/Fragment 064 04 - Diskussion
Bearbeitet: 17. April 2017, 13:58 Schumann
Erstellt: 13. December 2016, 13:20 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: 4-11, 18-20, 103-106
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 37, 38, Zeilen: 37: 42; 38: 1 f., 10 ff., 13 ff., 18 ff.
Siegfried Nadel, der ebenfalls zum Manchester-Kreis gehörte, wendete sich wieder dem Gedanken Simmels über die Bedeutung der Form einer sozialen Beziehung im Gegensatz zum konkreten Inhalt zu. Er schlug den Weg einer Analyseformalisierung über Matrixalgebra vor. In seinem Buch „The Theory of Social Structure“14 (Nadel 1957) formulierte er die Begriffe der Beziehung, der Rolle, des Netzwerkes und der Sozialstruktur aus. Nadel differenzierte zwischen den konkreten Handlungen, in welchen sich eine Beziehung manifestieren kann, und der formalen Beziehung selbst.15

[Die Beziehung sah Nadel als das einheitsstiftende Prinzip, das es ermöglicht, einige Handlungen in einem bestimmten Zusammenhang zu sehen (vgl. Jansen 1999: 38).

„Solche Beziehungen sind nun nicht einmalig, sondern sie sind sich wiederholende und untereinander interdependente Formen, die von den Akteuren als Rollen aktiviert werden“ (Jansen 1999: 38).]

Nadel kam dementsprechend vom konkreten Verhalten zu einem Beziehungs- und Rollenbegriff. Außerdem begreift er den Strukturbegriff auf einem höheren Abstraktionsniveau.


[14 [...]]

15 Am Beispiel der Eltern-Kind-Beziehung zeigt er die oft verschiedenen, ambivalenten und situativen Verhaltensweisen. Im Gegensatz dazu erlebt der Beobachter die Beziehung als konstant, im Sinne des allgemeinen Charakters, der Ausdruck einer bestimmten Verbindung und Gegenseitigkeit ist.


Jansen, Dorothea (1999) Einführung in die Netzwerkanalyse. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Opladen.

Nadel, Siegfried F. (1957) The Theorry [sic] of Social Structure. London.

[Seite 37]

Insbesondere wurden die

[Seite 38]

theoretisch orientierten Arbeiten des Österreichers Siegfried Nadel, der ebenfalls zum Kreis der Manchester-Anthropologen gehörte, nicht weiterverfolgt. [...]

[...]

Nadel (1903-1956) kehrte demgegenüber zu den Ideen von Simmel über die Bedeutung der Form einer sozialen Beziehung im Gegensatz zum konkreten Inhalt zurück. [...] Auch schlug er schon den später von den Harvard-Strukturalisten beschrittenen Weg einer Formalisierung der Analyse über Matrixalgebra vor. [...]

Nadel (1957) lieferte in seinem Buch „The theory of social structure“ eine nicht normative strukturalistische Rollentheorie, in der er die Begriffe der Beziehung, der Rolle, des Netzwerks und der Sozialstruktur ausformulierte. Er differenzierte zwischen den vielen konkreten Handlungen, in denen sich eine Beziehung manifestieren kann, und der formalen Beziehung selbst. Dies erläuterte er am Beispiel der Eltern-Kind-Beziehung. Hierzu gehören sehr viele, situationsartig verschiedene, oft auch widersprüchliche konkrete Handlungen. Was der Beobachter als konstant und konsistent erlebt, ist nicht das konkrete Handeln selbst, sondern sein allgemeiner Charakter als Ausdruck einer bestimmten Verbindung und Gegenseitigkeit. Die Beziehung ist der Grund oder das einheitsstiftende Prinzip, das es erlaubt, eine Serie von Handlungen in einem Zusammenhang zu sehen. Solche Beziehungen sind nun nicht einmalig, sondern sie sind sich wiederholende und untereinander interdependente Formen, die von den Akteuren als Rollen aktiviert werden.

Nach dem Schritt von konkretem Verhalten zum Beziehungs- und Rollenbegriff setzte Nadel den Strukturbegriff auf einer noch höheren Abstraktionsebene an.


Nadel, Siegfried F., 1957: The theory of social structure. London: Cohen & West.

Anmerkungen

Die Quelle ist sowohl für ein sinngemäßes als auch für ein wörtliches Zitat genannt (beide Passagen werden hier mitdokumentiert, gehen aber nicht in die Zeilenzählung ein). Dass die Übernahme auch den vorhergehenden Absatz, den kurzen Absatz danach und Fn. 15 umfasst, bleibt indes unausgewiesen.

Der Inhalt von Fn. 14 ist aus der Quelle Diaz-Bone (1997) übernommen, siehe Fragment 064 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[68.] Mhg/Fragment 064 21 - Diskussion
Bearbeitet: 16. April 2017, 19:40 Schumann
Erstellt: 10. April 2017, 21:18 (23.95.97.29)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Scott 1991, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: 21-25
Quelle: Scott 1991
Seite(n): 30, Zeilen: 17 ff.
 
„Social Structure [sic] is an overall system, network or pattern of relations, which the analyst abstracts from the concretely observable action of individuals (Nadel 1957: 12).

Mit Netzwerk meint er „the interlocking of relationships whereby the interactions implicit in one determine those occurring in others“ (Nadel 1957: 16).


Nadel, Siegfried F. (1957) The Theorry [sic] of Social Structure. London.

Social structure, according to Nadel, is ‘an overall system, network or pattern’ of relations (1957: 12), which the analyst abstracts from the concretely observable actions of individuals. By ‘network’ he means ‘the interlocking of relationships whereby the interactions implicit in one determine those occurring in others’ (Nadel, 1957: 16).

Nadel, S.F. (1957) The Theory of Social Structure. London: Cohen and West.

Anmerkungen

Das erste Zitat findet sich im Wortlaut so nicht bei Nadel (1957), S. 12; vielmehr wurde der Satz etwas verändert und fehlerhaft aus Scott (1991) übertragen, der ungenannt bleibt (Nadel aber korrekt zitiert).

Auch die Auswahl des zweiten Zitats geht allem Anschein nach auf eine andere Quelle zurück; es lässt sich jedoch nicht klar entscheiden, ob diese nun Scott oder Diaz-Bone (1997) war (siehe hierzu Fragment 064 26). In dieser Dokumentation wird es aufgrund der etwas größeren Ähnlichkeit zum Wortlaut der Quelle und der etwas präziseren Seitenangabe der Quelle Scott zugeschrieben.

Nadel (1957) wird, auch wenn von diesem Autor in der untersuchten Arbeit noch andernorts die Rede ist, nur auf dieser Seite zitiert.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[69.] Mhg/Fragment 064 26 - Diskussion
Bearbeitet: 16. April 2017, 16:44 Schumann
Erstellt: 26. December 2016, 14:37 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 64, Zeilen: (24-25) 26-29
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 13 (14), Zeilen: 13: 11 ff. (14: 101-102)
[Mit Netzwerk meint er „the interlocking of relationships whereby the interactions implicit in one determine those occurring in others“ (Nadel 1957: 16).]

Beziehungen, so konstatierte Nadel, verbinden die Individuen derart, dass diese zu Akteuren werden, die Rollen aktivieren. Rollen sind im sozialen Gefüge sich wiederholende Formen, die in einem interdependenten Zusammenhang stehen.

Diese Beziehungen verbinden Individuen derart, daß diese zu Akteuren werden, die Rollen aktivieren. Rollen sind in einer Gesellschaft sich wiederholende Formen, die in einem interdependenten Zusammenhang stehen.


[ [Seite 14]


12 "By "network", on the other hand, I mean the interlocking of relationships whereby the interactions implicit in one determine those occurring in others. [...] (Nadel 1957:16f)]

Anmerkungen

Ein Hinweis auf die eigentliche Quelle, der hier die Nadel-Rezeption erkennbar entnommen wurde, findet sich erst auf der folgenden Seite für (zunächst) ein wörtliches Zitat. Alternativ wäre insofern für dieses Fragment auch die Kategorie "Bauernopfer" denkbar.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[70.] Mhg/Fragment 065 07 - Diskussion
Bearbeitet: 14. December 2016, 06:46 SleepyHollow02
Erstellt: 27. November 2016, 09:39 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 65, Zeilen: (1-6) 7-17
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 13, 14, 15, Zeilen: 13: 13 ff., 23 ff.; 14: 12 ff.; 15: 1 ff.
„Erst eine „systematische" Interdependenz von Beziehungen macht die Nadelsche Perspektive von sozialen Strukturen als einer höheren Ordnung aus. Die Tatsache, dass es eine die Gesellschaft als Ganzes durchziehende soziale [sic] Ordnung, einen „höheren" Plan gibt, die soziale Struktur (overall structure), äußert sich darin, dass es Regelmäßigkeiten in den Kombinationen von solchen Beziehungen (interlocking of relationships) gibt" (Diaz-Bone 1997:15).

Nadel stellte keinen metaphysischen Strukturbegriff auf, vielmehr ist er aus beobachtbarem Handeln abstrahiert, wie auch die Beziehungen aus konkreten Handlungen abstrahiert werden können. Die soziale Struktur ist das Beziehungssystem zwischen diesen Beziehungen. Im Gegensatz zu Parsons konnte Nadel so die Systemebene einer Gesellschaft beschreiben, auf der sich ihre Struktur abzeichnet, d.h. die Gesellschaft wird auf ihrer Makroebene als ein System aufeinander bezogener Normen modelliert. Nadel knüpfte hier an den von Durkheim geprägten Begriff der sozialen Struktur als einem sozialen Tatbestand an, nämlich als einem dem individuellen Bewusstsein unbewussten Sachverhalt, der sich aber auf das individuelle Handeln als Zwang auswirkt (vgl. Diaz-Bone 1997: 15).

Aber erst eine systematische Interdependenz von Beziehungen macht die Nadelsche Perspektive von sozialen Strukturen als einer höheren Ordnung aus. Die Tatsache, daß es eine die Gesellschaft als Ganzes durchziehende Ordnung, einen "höheren Plan" gibt, die soziale Struktur (overall structure), äußert sich darin, daß es Regelmäßigkeiten in den Kombinationen von solchen Beziehungen (interlocking of relationships) gibt.

[...]

Er ist prinzipiell aus beobachtbarem Handeln abstrahierbar, wie die Beziehungen aus konkreten Handlungen abstrahiert werden können. Mit Struktur ist bei Nadel nicht die einfache Tatsache gemeint, daß Beziehungen Individuen zueinander "in Beziehung setzen", die soziale Struktur ist vielmehr das Beziehungssystem zwischen diesen Beziehungen.

[Seite 14]

Im Gegensatz zum Strukturbegriff Talcott Parsons kann Nadel so die Systemebene einer Gesellschaft beschreiben, auf der ihre Struktur sich abzeichnet, ohne eine normative Integration als Modell wählen zu müssen, die Gesellschaft auf ihrer Makroebene als ein System aufeinander bezogener Normen modelliert13.

[...] Er knüpft damit

[Seite 15]

wieder an den Durkheimschen Begriff der sozialen Struktur als einem sozialen Tatbestand an, als einem dem individuellen Bewußtsein unbewußten Sachverhalt, der sich auf das individuelle Handeln als Zwang auswirkt (Durkheim 1961:105ff).


13 [...]

Anmerkungen

Das beinahe wörtliche Zitat am Anfang ist nicht in die Zeilenzählung einbezogen. Für die darauffolgenden Ausführungen findet sich zwar am Ende ein Hinweis auf die Quelle, doch bleibt der großteils wörtliche Charakter der Übernahme (es finden sich mehrere Gruppen von 9 zusammenhängenden Wörtern) ungekennzeichnet. Da die Quellenangabe zudem vor dem Punkt des letzten Satzes steht, signalisiert sie dem Rezipienten, sich auch nur auf diesen einen Satz zu beziehen.

Das wörtliche Zitat ist fehlerhaft übertragen (Einfügung von "soziale" sowie zu Beginn eines Wortes in Anführungszeichen); darüber hinaus ist die Seitenangabe dafür falsch.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[71.] Mhg/Fragment 065 18 - Diskussion
Bearbeitet: 8. April 2017, 14:07 Schumann
Erstellt: 7. April 2017, 18:58 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 65, Zeilen: 18-23
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 38, 39, Zeilen: 38: 36 ff.; 39: 9 ff.
Damit verstand Nadel unter sozialer Struktur nicht ein Beziehungsmuster zwischen den Akteuren, sondern eine systematische Ordnung und wechselseitige Abhängigkeit zwischen den verschiedenen Beziehungen. Netzwerke stellen miteinander verkettete Beziehungen dar, und aufgrund der Einbettung des Einzelnen in diese können nach Nadel auch indirekte Beziehungen einen Einfluss auf das Verhalten haben. [Seite 38]

Er [Nadel] versteht unter sozialer Struktur nicht das Beziehungsmuster zwischen den Akteuren, sondern die systematische Ordnung und Interdependenz zwischen den Beziehungen.

[Seite 39]

Unter Netzwerken versteht Nadel dabei noch spezifischer die Tatsache, daß Beziehungen miteinander verkettet sind, und daß diese Einbettung des einzelnen auch durch indirekte Beziehungen eine Auswirkung auf sein Verhalten haben wird.

Anmerkungen

Jansen (1999) wird nicht in diesem, sondern erst im nächsten Absatz genannt.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[72.] Mhg/Fragment 068 12 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 18:39 Schumann
Erstellt: 29. December 2016, 10:28 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 68, Zeilen: 12-14, 18-28
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 21, 22, 23, Zeilen: 21: 3 ff., 30 ff.; 22: 11 f.; 23: 13 ff.
Moreno begann seine „soziometrische Geometrie“ mit der Analyse der konkreten Stellung der einzelnen Individuen innerhalb einer Gruppe, um von da aus, die großen Gebilde und Konfigurationen zu betrachten (Schenk 1984: 21). [...] Sie [soziometrische Netzwerke] bilden die Grundlage für alle sozialen Vermittlungs- und Verbindungssysteme (vgl. Scott 1991: 9). Der soziometrische Ansatz trug wesentlich zur Entstehung des Netzwerkkonzeptes bei.

Während Moreno die soziale Struktur einer Gruppe durch Soziogramme und einfache quantitative Berechnungen „inspirierte“, ergaben sich aus der Graphentheorie tiefergreifendere Analysemethoden. Soziometrische Wahlen, die in einem Soziogramm zum Ausdruck kommen, lassen sich seit Elaine Forsyth und Leo Katz ( Forsyth & Katz 1946) in eine N x N Matrix eintragen (vgl. Freeman 2004: 20).

Weitere Indizes geben Auskunft über Eigenschaften der Gruppenstruktur und erlauben auch einen Vergleich einzelner Gruppen.

[Seite 21]

Der soziometrische Ansatz, den MORENO neben weiteren integralen Konzepten, wie Psychodrama, "role-playing" und Gruppentherapie, entwickelt hat, trug dennoch erheblich zur Entstehung des Netzwerkkonzeptes bei.

[...]

MORENO, der im übrigen [...], beginnt seine "soziometrische Geometrie" mit der Analyse der konkreten Stellung der einzelnen Individuen innerhalb einer Gruppe, um von hier ausgehend zu größeren Gebilden und Konfigurationen vorzustoßen.

[Seite 22]

Der besondere Charakter derartiger Netzwerke liegt darin, daß sie die Grundlage für alle sozialen Vermittlungs- und Verbindungssysteme darstellen; [...]

[Seite 23]

Während MORENO die soziale Struktur einer Gruppe anhand der Soziogramme und einfacher quantitativer Berechnungen "inspizierte", ergaben sich durch die Anwendung der bereits genannten Graphentheorie weitaus rigorosere Analysemethoden.64) Die soziometrischen Wahlen, die in den Soziogrammen zum Ausdruck kommen, lassen sich seit FORSYTH und KATZ65) in eine N x N Matrix überführen, die die Basis für diverse Operationen bildet, die Subgruppen innerhalb der untersuchten Gruppen hervortreten lassen, wie z.B. "Stars", "Isolierte", "Cliquen" usw. Diverse weitere Indizes geben darüber hinaus Aufschluß über Eigenschaften der Gruppenstruktur und erlauben auch einen Vergleich einzelner Gruppen66).


64) Vgl. zum folgenden als Überblick LINDZEY, G., D. BYRNE: Measurement of Social Choice and Interpersonal Attractiveness. In: LINDZEY, G., E. ARONSON (eds.): The Handbook of Social Psychology. 2.ed. Vol. II, Reading/Mass. 1968, S. 452-525, bes. S. 460-474.

65) Vgl. FORSYTH, E.; L. KATZ: A Matrix Approach to the Analysis of Sociometric Data. In: Sociometry. Vol. 9 (1946), S. 340-347.

66) Des weiteren bietet die Methode der Matrizenmultiplikation ein wichtiges Anwendungsfeld. Vgl. LUCE, R.D., A.D. PERRY: A Method of Matrix Analysis of Group Structure. In: Psychometrica. Vol. 14 (1949), S. 95-116; LUCE, R.D.: Connectivity and Generalized Cliques in Sociometric Group Structure. In: Psychometrica. Vol. 15 (1950), S. 169-190; FESTINGER, L.: The Analysis of Sociograms Using Matrix Algebra. In: Hunan Relations. Vol. 2 (1949), S. 153-158; außerdem HARARY, F., I.C. ROSS: A Procedure for Clique Detection Using the Group Matrix. In: Sociometry. Vol. 20 (1957), S. 205-215.

Anmerkungen

Kleinteilig. Bemerkenswert aber die Übernahme der Quellen. Forsyth und Katz sind in der Arbeit nur an dieser Stelle (unspezifisch, wie bei Schenk) zitiert. Freeman (2004) wird ergänzt.

Zu Beginn des Fragments bleibt trotz Quellennennung unklar, dass daraus eine zusammenhängende Wortgruppe (17 Wörter) übernommen wird.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[73.] Mhg/Fragment 068 29 - Diskussion
Bearbeitet: 16. April 2017, 16:29 Schumann
Erstellt: 4. December 2016, 20:42 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 68, Zeilen: 1-3, 29-34, 101-102
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 33, 34, Zeilen: 33: 25 ff.; 34: 15 ff.
Kurt Lewin gilt als der Begründer der Feldtheorie in den Sozialwissenschaften, da er davon ausgeht, dass menschliches Handeln in „Feldern“ stattfindet und von diesen geprägt ist.19

[...]

Ein Vertreter der wahrnehmungspsychologischen Tradition - Fritz Heider - interessierte sich für das Problem, wie Personen ihre Einstellungen zu anderen Personen bzw. Dingen in eine kognitive Balance bringen. Heider untersuchte die positiven oder negativen Beziehungen in einem „Triple“20. Im Zentrum der Analyse standen die Anordnungen von positiven und negativen Beziehungen in der Dreiergruppe und die Art ihrer kognitiven Balance (vgl. Scott 1991: 12).


19 Von Lewin stammt die Gleichung für die Erklärung von Verhalten, V = f(L), wobei L für Lebensraum steht, welcher die Person P und ihre Umwelt U umfasst.

[20 Ein Triple ist eine Dreiergruppe.]

[Seite 33]

Kurt Lewin (1890-1947) ist der Begründer der sogenannten Feldtheorie für die Sozialwissenschaften (Lewin 1936, 1951). [...] Menschliches Handeln findet danach in „Feldern“ statt und ist von ihnen mitgeprägt. Seine berühmte Gleichung für die Erklärung von Verhalten lautete: V=f(L), wobei L für Lebensraum steht, der die Person P und ihre Umwelt U umfaßt.

[Seite 34]

Ebenfalls in der wahrnehmungspsychologischen Tradition stand Fritz Heider (1946, 1958). Sein Interesse galt der Frage, wie Personen ihre Einstellungen zu anderen Personen und Dingen in eine kognitive Balance bringen. Untersucht wurden dabei die positiven oder negativen Beziehungen in einem Triple. Hierunter versteht man eine Dreiergruppe. Die zentrale Frage war, welche Anordnungen von positiven und negativen Beziehungen in der Dreiergruppe kognitiv balanciert sind.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Der Hinweis auf Scott (1991) fehlt in der Quelle. Allerdings ist Scott (1991) ein englischsprachiger Text.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[74.] Mhg/Fragment 069 05 - Diskussion
Bearbeitet: 28. January 2017, 20:06 Schumann
Erstellt: 1. December 2016, 17:28 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 69, Zeilen: 5-11, (12-14), 15-26
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 34, 35, 39, (36), Zeilen: 34: letzter Absatz; 35: 1 ff.; 39: 24 ff.; (36: 17 ff.)
Durch die Anwendung der mathematischen Graphentheorie auf das Balanceproblem durch Cartwright und Harary gelang der sozialpsychologischen Entwicklungslinie ihr entscheidender Durchbruch (vgl. Scott 1991: 12ff). Die Abbildung der Netzwerkstruktur mit Hilfe von Graphen und die Analyse graphentheoretischer Modelle gehört heute zum Standardrepertoire der Netzwerkanalyse. So konnte Harary nachweisen, dass
„falls ein mit Vorzeichen versehener Graph strukturell ausbalanciert ist, so ist es möglich, die Punkte bzw. die hiermit symbolisierten Akteure in zwei Gruppen zu zerlegen“( Jansen 1999: 34-35).

Eine eher makrosoziologisch angelegte Analyse betrieben die Forscher, die sich mit den „Contagion-Modellen“ (Scott 1991: 16) beschäftigten, welche aus der mathematischen Soziologie um Anatol Rapoport (1952, 1958) und James Coleman (Coleman et. al.1966) hervorgegangen sind. Ihnen ging es vorrangig um die Auswirkung der Struktur eines großen Netzwerkes auf die Ausbreitung von Informationen oder Krankheiten und auf die Diffusion von Neuerungen.

Die traditionelle Methode der Erstellung von Soziogrammen erwies sich für die Darstellung großer Netzwerke als unzureichend. Rapoport entwickelte statt dessen statistische Methoden für die Analyse großer Netzwerke (vgl. Scott 1991:16). Mit diesen Konkretisierungen wurde der Grundstein für die von Mark Granovetter (1973) eingefuhrte Unterscheidung zwischen den sogenannten „weak ties“ und den „strong ties“21, welche später noch näher erläutert werden, geschaffen.

3.2.4 Die amerikanische Gemeinde- und Industriesoziologie

Der Anthropologe Lloyd Warner und der Psychologe Elton Mayo übertrugen in den 30er Jahren Methoden der ethnografischen Feldforschung auf die Analysen von Gemeinden und Industriebetrieben.

Genau wie Radcliffe-Brown versuchten sie, die konkreten sozialen Strukturen in abgegrenzten Kontexten zu erfassen. Dabei stießen sie in ihren Forschun[gen auf die Bedeutung informeller Gruppenorganisation.]


[21 Weak ties, die schwachen Beziehungen, sind diejenigen, die neue Informationen und Ressourcen eröffnen und strong ties, die starken Beziehungen, konstituieren sich aus den engen Bekanntschaftsund Freundschaftsnetzwerken.( Vgl. Jansen, Dorothea 1999: 36.)]

Einen wesentlichen Durchbruch erlebte die sozialpsychologische Entwicklungslinie mit der Anwendung der mathematischen Graphentheorie auf das Balanceproblem durch Cartwright und Harary (1956; 1965). Die Abbildung von Netzwerkstrukturen in sogenannte Graphen (vgl. Kapitel 5.1) und die Analyse mit graphentheoretischen Modellen gehört heute zum Standardrepertoire der Netzwerkanalyse. Harary konnten nachweisen, was Heider erst vermutet hatte: Falls ein mit Vorzeichen versehener Graph strukturell ausba—

[Seite 35]

lanciert ist, so ist es möglich die Punkte bzw. die hiermit symbolisierten Akteure in zwei Gruppen zu zerlegen. Diese Gruppen sind intern jeweils nur positiv verbunden. [...]

[...]

Eine eher makrosziologische Fragestellung verfolgten die sogenannten „Contagion“-Forscher aus der mathematischen Soziologie um Rapoport (Rapoport/Horvath 1960; Foster et al. 1963) und Coleman (Coleman et al. 1966). Ihnen ging es nicht um strukturelle Balance in kleinen Gruppen, sondern darum, wie die Struktur eines großen Netzwerkes sich auf die Ausbreitung von Informationen oder Krankheiten und auf die Diffusion von Neuerungen auswirkte. [...] Die traditionelle Methode des Soziogramms erwies sich für die Analyse großer Netzwerke als untauglich. Statt dessen entwickelten Rapoport und Kollegen statistische Methoden für die Analyse großer Netzwerke.

[Seite 39]

2.2.2 Die amerikanische Gemeinde- und Industriesoziologie

Der in Harvard arbeitende Anthropologe Lloyd Warner und der Psychologe Elton Mayo übertragen in den 30er Jahren die Methoden der ethnographischen Feldforschung auf die Analyse von Gemeinden und Industriebetrieben. Sie versuchten im Sinne Radcliffe-Browns die konkreten sozialen Strukturen in diesen abgegrenzten Kontexten zu erfassen. Dabei stießen sie in einer Serie von industriesoziologischen Studien in den Hawthorn-Werken auf die Bedeutung informaler Gruppenorganisation.

[Seite 36]

[Mit dieser Analyse wurde der Grundstein gelegt für die von Granovetter (1973, 1974) eingeführte Unterscheidung zwischen den sogenannten weak ties, die neue Informationen und Ressourcen eröffnen und den strong ties, die im eigenen Bekanntschafts— und Freundschaftsnetz verbleiben.]

Anmerkungen

Die Nennung der Quelle in Fn. 21 hinter zwei wörtlich zitierten Begriffen sowie oben für ein gekennzeichnetes (bei der Zeilenzählung hier unberücksichtigtes) Blockzitat lässt nicht erkennen, dass fast die ganze Seite mit leichten Umformuliereungen übernommen worden ist.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[75.] Mhg/Fragment 070 01 - Diskussion
Bearbeitet: 17. April 2017, 13:56 Schumann
Erstellt: 1. December 2016, 17:44 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Jansen 1999, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 1-10
Quelle: Jansen 1999
Seite(n): 40, Zeilen: 2 ff.
Nachdem informale Beziehungen sich in formalen Organisationen als erklärungskräftig erwiesen hatten, wurde die Aussage auf der Ebene der lokalen Gemeinschaften überprüft. Neben den Untersuchungen von Familienbeziehungen wurden Cliquenbeziehungen, d.h. informelle persönliche Beziehungen zu Nichtverwandten in ihrer Funktion für die soziale Integration näher beleuchtet (vgl. Scott 1991: 17ff).

George Homans reanalysierte im Rahmen seiner „Theorie der sozialen Gruppe“ (1960) auch einen Datensatz aus einer anderen Gemeindestudie, da es ihm darum ging, Gruppenzugehörigkeiten anhand von Ereignisteilnahme zu erkennen.


Scott, John (1991) Socia [sic] Network Analysis. London.

Homans, George C. (1960) Theorie der sozialen Gruppe. Köln/Opladen.

Nachdem informale Beziehungen sich in formalen Organisationen als erklärungskräftig erwiesen hatten, wurde ihr Potential für die Integration von Menschen in lokale Gemeinschaften untersucht. Neben den in der Anthropologie immer untersuchten Familienbeziehungen wurden Cliquenbeziehungen, d.h. informelle persönliche Beziehungen zu Nichtverwandten in ihrer Funktion für die soziale Integration betrachtet. [...]

[...]

Homans (1960) reanalysierte in seiner Theorie der Gruppe auch einen Datensatz aus einer anderen Gemeindestudie, der Old City Studie (Davis et al. 1941). Dort sind die Bekanntschaftsnetze von 18 Frauen aus einer Kleinstadt des amerikanischen Südens beschrieben. Homans ging es darum, Gruppenzugehörigkeiten anhand der Ereignisteilnahme zu erkennen.


Homans, George Caspar, 1950: The human group. New York: Harcourt. In Deutsch: Theorie der sozialen Gruppe. Opladen: Westdeutscher Verlag 1960.

Davis, A., B.B. Gardner und MR. Gardner, 1941: Deep south. Chicago: University of Chicago Press.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle (die in diesem Kapitel 3.2.4 ungenannt bleibt).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumannn

[76.] Mhg/Fragment 070 13 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 21:28 Schumann
Erstellt: 6. February 2017, 19:07 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 70, Zeilen: 13-16
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 2, Zeilen: 12 ff.
Auch Peter Blau (Blau et. al. 1967) wies aus industriesoziologischer Sicht nach, dass die tatsächlichen Handlungen der Akteure in formalen Organisationen nicht immer exakt nach formalen Regeln ablaufen. Damit kritisiert er auch wesentlich die Bürokratietheorie von Max Weber. Ganz ähnlich weist in diesem Zusammenhang Peter M. BLAU aus der ganz anderen Sicht der Industriesoziologie in einer Kritik an der Bürokratietheorie von Max WEBER darauf hin, daß die tatsächlichen Handlungen der Personen in formalen Organisationen nicht immer exakt der formalen Richtschnur - den Regeln der offiziellen Struktur - folgen; [...]
Anmerkungen

Im Anschluss an das Fragment (und den Abschluss des Kapitels bildend) folgt ein gekennzeichnetes wörtliches Schenk-Zitat.

Dass Blau et al (1967) - in der Arbeit lediglich an dieser Stelle genannt - hier nicht eigenständig rezipiert, sondern der Hinweis darauf bzw. deren zusammengefasste Aussagen ebenfalls schon von Schenk übernommen werden, bleibt bei dieser Arbeitsweise im Dunklen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[77.] Mhg/Fragment 071 14 - Diskussion
Bearbeitet: 17. December 2016, 19:00 Schumann
Erstellt: 11. December 2016, 15:48 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 71, Zeilen: (9-13) 14-17
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 18, Zeilen: (1-5) 5 ff.
[Die White - Gruppe ergänzte damit die graphentheoretische Darstellungsweise um algebraische Verfahren zur Erfassung von Netzwerken. Eine Erfassung von größeren Netzwerken war mit graphentheoretischen Mitteln nicht mehr möglich, hier erwies sich gerade die Matrixalgebra als besonders nützlich (vgl. Diaz-Bone 1997: 17).]

Mitte der 70er Jahre gelang es der White-Gruppe, die von Nadel skizzierte Verbindung von strukturaler Soziologie und mathematischer [sic] Verfahren zur Ermittlung der sozialen Struktur aus den Beziehungsdaten zu entwickeln, indem sie das Prinzip der strukturellen Äquivalenz in einen Algorithmus umsetzte.

[Die Arbeiten der White-Gruppe ergänzen die graphentheoretische Darstellungsweise um algebraische Verfahren zur Erfassung von Netzwerken. Vor allem die Matrixalgebra erwies sich als nützlich für die Erfassung größerer Netzwerke.18 Diese waren mit soziometrischen Graphen nicht mehr übersichtlich darzustellen, so daß der Zweck, soziale Strukturen abzubilden, nicht mehr erfüllt werden konnte.] Mitte der 70er Jahre gelang es der Gruppe um White, die von Nadel skizzierte Verbindung von strukturaler Soziologie und mathematischen Verfahren zur Ermittlung der sozialen Struktur aus den Beziehungsdaten zu entwickeln, indem sie das Prinzip der strukturellen Äquivalenz in einen Algorithmus umsetzte (Lorrain / White 1971; White u. a. 1976; Boorman / White 1976).19

18 White hatte bereits Mitte der 60er Jahre Verwandtschaftssysteme untersucht. Siehe White (1963), White (1965) und White (1966). Paul Boyd hatte darüber hinaus in seiner Dissertation die Graphentheorie auf die Beschreibung von Verwandtschaftssystemen angewandt, siehe dafür Boyd (1969).

19 Für die Bewertung der Harvard-Gruppe um Harrison C. White für die Entwicklung Netzwerkanalyse siehe auch Wellman (1993), Wellman (1988), Berkowitz (1982), Berkowitz (1988), Scott (1991) und Schenk (1984).

Anmerkungen

Die Übernahme setzt sich auch nach der Quellenangabe fort, bleibt dann aber ungekennzeichnet.

Auch der - nicht als Plagiate eingeordnete - vorherige Absatz ist teils wörtlich (mit einer Gruppe aus 10 zusammenhängenden Wörtern) übernommen (der vgl.-Verweis in der Belegstelle daher eigentlich unpassend).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[78.] Mhg/Fragment 071 34 - Diskussion
Bearbeitet: 30. January 2017, 13:24 Schumann
Erstellt: 29. January 2017, 22:48 (Schumann)
BauernOpfer, Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 71, Zeilen: (31-33) 34-40
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 18, Zeilen: (9-10) 10 ff.
[Eine weitere "bahnbrechende methodische Entwicklung ist die der Blockmodellanalyse" (Diaz-Bone 1997: 18), die vor allem von Harrison White, Ronald Breiger, Scott Boormann und Francois Lorrain entwickelt wurde.]

Mit Hilfe der Blockmodellanalyse wird auf der Basis relationaler Daten, die zur Beschreibung des Netzwerkes auf der Mikroebene dienen, die Netzwerkstruktur auf der Makroebene berechnet, die aus Relationen zwischen Akteursgruppen besteht. Damit setzte sich die Harvard - Gruppe ganz klar von den bisher an der Soziometrie orientierten Gruppen ab.

Zwar hat die Soziometrie versucht, Cliquen aus Beziehungen zu identifizieren und die jeweilige Bedeutung hervorgehoben, trotzdem hatte diese Methode [wesentliche Defizite (vgl. White et. al. 1976: 736f.): 1)]

[Die bahnbrechende methodische Entwicklung ist die der Blockmodellanalyse.] Diese berechnet aus relationalen Daten, die das Netzwerk auf der Mikroebene beschreiben, die Netzwerkstrukturen auf der Makroebene, die aus den Relationen zwischen Akteurgruppen besteht. Mit dieser Entwicklung setzte sich die Harvard-Gruppe vor allem von den bisherigen Strömungen ab, die sich stark an der Soziometrie orientiert hatten. Die Soziometrie hat zwar in dem Ansatz, Cliquen aus Beziehungen zu identifizieren, die Bedeutung der Beziehungen hervorgehoben, sie enthält aber immer noch wichtige Defizite, die White u. a. zur Abgrenzung herangezogen haben (White u. a. 1976,736f): [...]
Anmerkungen

Die Quelle ist im Absatz davor - für ein kurzes wörtliches Zitat - genannt; dass die Übernahme aber auch danach (inkl. der Referenz White et al (1976)) weitergeht, bleibt unausgewiesen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[79.] Mhg/Fragment 072 01 - Diskussion
Bearbeitet: 2. January 2017, 19:40 SleepyHollow02
Erstellt: 11. December 2016, 16:12 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 72, Zeilen: 1-15, (16-18), 19-29 (30-34)
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 18 f., Zeilen: 18: 16 ff.; 19: 4 ff., 26 ff.
1) Werden Personen, die nicht in die Beziehungen eingebunden sind, nicht berücksichtigt. 2) Da in der Soziometrie strukturell äquivalente Personen untereinander verbunden sein müssen, auch wenn Personen, die in Cliquen eingebunden sind, als strukturell äquivalent interpretiert werden, ist die Verwendung des Konzeptes struktureller Äquivalenz nur sehr eingeschränkt. 3) Es wird nur der Beziehungstyp der Analyse zugrunde gelegt während die Beziehungen der Cliquen-Positionen oft vereinfacht als Distanzen in einem Soziogramm beschrieben werden und eben nicht als strukturelles Verhältnis. 4) In der Soziometrie werden nur sehr kleine und von ihrer Umwelt abgegrenzte Populationen untersucht. Blockmodelle können hingegen die Einbettung vom Elementen bzw. Individuen in ihre Umwelt berücksichtigen. 5) Während Moreno die Beziehungen zwischen Individuen mit Hilfe konkreter Soziogramme darstellte, führte die Entwicklung der Soziometrie immer mehr zur Berechnung von Indizes (vgl. Diaz-Bone 1997: 18). Ähnliche Entwicklungen fanden White et. al. (1976) in der Balancetheorie.
[„Als deutlich wurde, dass keine empirische Struktur wirklich .balanciert’ ist, wurde mehr und mehr auf die Berechnung der Abweichung von der Balance gesetzt, anstatt explizite Modelle der sozialen Struktur zu konstruieren. (Diaz-Bone 1997:18)]

In der Blockmodellanalyse können simultan mehrere Beziehungstypen zwischen Akteuren bzw. allgemeinen Netzwerkeinheiten, zu deren Gruppierung in Sets, den sogenannten Blöcken, verwendet werden. Diese Blöcke bilden sich aus strukturell äquivalenten Netzwerkeinheiten, d.h. solchen, die im Vergleich untereinander ähnliche Beziehungen zu allen anderen Einheiten im Netz haben. Das Ergebnis einer Blockmodellanalyse ist neben dieser Gruppierung die Ausgabe einer sogenannten Bildmatrix bzw. mehrer [sic] Matrizen, welche die Beziehungsstruktur zwischen den Blöcken hinsichtlich eines Beziehungstyps angibt. So liefert die Anwendung der Blockmodellanalyse Daten über die Beziehungsstrukturen auf der Makroebene, während die eingegebenen Beziehungsmatrizen Beziehungen zwischen Akteuren auf der Mikroebene enthalten.

Neben diesen Entwicklungen sowie der Herausarbeitung und Verwendung der nichtmetrischen Multidimensionalen Skalierung und der sogenannten „smallest space analysis“ durch Laumann (1973) ist die Harvard - Gruppe als direkter „Kristallisationskern“ für die Netzwerkanalyse als „social network analysis“ bedeutsam (Diaz-Bone 1997: 19).

(1) Personen, die nicht in Beziehungen eingebunden sind, werden nicht berücksichtigt. (2) Auch wenn Personen, die in Cliquen eingebunden sind, als strukturell äquivalente Akteure interpretiert werden, ist die Verwendung des Konzepts struktureller Äquivalenz eingeschränkt, da in der Soziometrie strukturell äquivalente Personen untereinander verbunden sein müssen. (3) Die Soziometrie legt ihrer Analyse lediglich einen Beziehungstyp zugrunde und die Beziehungen der Cliquen-Positionen werden oft vereinfacht als Distanzen in einem Soziogramm beschrieben und nicht als ein strukturelles Verhältnis. (4) Im Gegensatz zur Soziometrie, die sehr kleine und von ihrer Umwelt abgegrenzte Populationen untersucht, können Blockmodelle die Eingebettetheit von Populationen in ihre Umwelt berücksichtigen. (5) Entgegen Morenos ursprünglicher Intention, anhand konkreter Soziogramme die Beziehungen zwischen Individuen darzustellen, wurde mit dem Fortschreiten der Soziometrie zunehmend auf die Berechnung von Indizes gesetzt. Ein ähnlicher Trend ist für White u. a. in der Balancetheorie zu beobachten. Als deutlich wurde, daß keine empirische Struktur wirklich "balanciert" ist, wurde mehr und mehr auf die Berechnung der Abweichung von der Balance gesetzt, anstatt explizite Modelle der sozialen Struktur zu konstruieren.

[Seite 19]

[...]

Die Blockmodellanalyse verwendet simultan mehrere Beziehungstypen zwischen Akteuren (bzw. allgemeiner Netzwerkeinheiten), die zu deren Gruppierung in Sets (den sogenannten Blöcken) verwendet werden. Diese Blöcke bestehen aus strukturell äquivalenten Netzwerkeinheiten, d. h. solchen, die im Vergleich untereinander ähnliche Beziehungen zu allen anderen Einheiten im Netz haben. Ergebnis einer solchen Blockmodellanalyse ist neben der eigentlichen Gruppierung die Ausgabe einer sogenannten Bildmatrix (bzw. mehrerer Bildmatrizen), die die Beziehungsstruktur zwischen den Blöcken bezüglich eines Beziehungstyps angibt. Damit liefert die Anwendung der Blockmodellanalyse Beziehungsstrukturen auf der Makroebene, während die eingegebenen Beziehungsmatrizen Beziehungen zwischen Akteuren auf der Mikroebene beinhalten. [...]

Neben der Entwicklung der Blockmodellanalyse und der Fruchtbarmachung und Verwendung der nichtmetrischen Multidimensionalen Skalierung (und der sogenannten "smallest space analysis" durch Laumann)20 ist die Harvard-Gruppe als direkter Kristallisationskern für die Netzwerkanalyse als social network analysis bedeutsam.


20 []

Anmerkungen

Diaz-Bone wird dreimal auf der Seite zitiert, davon zweimal für wörtliche Zitate. Daraus mag eine inhaltliche Nähe hervorgehen, nicht aber die beinahe wörtliche Übernahme des gesamten Texts.

Sichter
(SleepyHollow02), WiseWoman

[80.] Mhg/Fragment 074 01 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 22:19 Schumann
Erstellt: 24. November 2016, 15:39 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Windeler 2001

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: (73: letzter Absatz), 74: 1-14
Quelle: Windeler 2001
Seite(n): 37, 38, Zeilen: 37: (23-29), 30 ff.; 38: 1 ff.
[ [Seite 73:] “Nevertheless there is no such thing as a theory of social networks; perhaps there will never be. The basic idea behind both the metaphorical and analytical uses of social networks - that the configurations [sic] of cross-cutting interpersonal bonds is in some unspecific way connected with the social institutions of their society - this remains a basic idea und [sic] nothing more" (Barnes 1972:2).]

Die soziale Netzwerkperspektive ist nicht vollständig theorielos, aber sie liefert nur eine sehr allgemeine Idee für die Untersuchung von Netzwerken bzw. sozialen Strukturen (vgl. Emirbayer & Goodwin 1994 : 1414).

Die Netzwerkperspektive sucht nach einer Theorie, die zum einen je nach dem Gegenstand der Untersuchung die „kreuzenden“ Verbindungen zwischen individuellen Akteuren, Organisationen und anderen Einheiten berücksichtigt und den Charakter der Beziehungsformen des Geflechts der Akteure für die Erklärung heranzieht. Zum anderen müssen die „kreuzenden“ Verbindungen die Netzwerke mit den Handlungsweisen der Personen derart miteinander verbinden, dass sie relativ unspezifisch Zusammenhängen, d.h. kein „Verhältnis der Determination vorliegt“ (Windeler 2001: 38). Diese Theorielücke wird in den Netzwerkstudien durch eine unverbundene Kombination von Ansätzen zu überbrücken versucht, (vgl. Burt 1982). Inwieweit diese Ansätze zu einer Netzwerktheorie führen können, wird im nächsten Schritt diskutiert.

[Die Netzwerkperspektive stellt (4.) eine Basisidee von Vernetzung bereit, aber keine Netzwerktheorie:

„Nevertheless there is no such thing as a theory of social networks; perhaps there will never be. The basic idea behind both the metaphorical and analytical uses of social networks – that the configuration of cross-cutting interpersonal bonds is in some unspecific way connected with the actions of these persons and with the social institutions of their society – this remains a basic idea and nothing more“ (Barnes, 1972, 2).]

Die Netzwerkperspektive auf Soziales ist zwar nicht vollständig theorielos, wie die Spezifität der relationalen Sichtweise belegt, sie liefert aber nur eine sehr allgemeine Idee für die Untersuchung von Netzwerken bzw. die sozialer Strukturen (s.a. Emirbayer/Goodwin, 1994, 1414). Wie Barnes im Zitat ausführt, verbleibt eine Theorielücke. Gesucht werden, anders formuliert, Konzepte und Theorien, die zwei Anforderungen genügen: Sie müssen erstens je nach untersuchtem Gegenstand die ‚kreuzenden‘ Bande zwischen Personen, Organisationen und anderen Einheiten aufnehmen und die Charakteristika des Beziehungssets, des

[Seite 38]

Geflechts der Akteure oder Einheiten bei der Erklärung berücksichtigen. Sie müssen zweitens die ‚kreuzenden‘ Bande, die Netzwerke, mit den Handlungsweisen der Personen – sowie im Fall interorganisationaler Netzwerke von Organisationen – sowie den sozialen Institutionen unter der Bedingung miteinander verbinden, daß sie in relativ unspezifischer Art kausal zusammenhängen, insbesondere also kein Verhältnis der Determination vorliegt. Die Theorielücke wird in Netzwerkstudien heute durch eine lose Föderation von Ansätzen (Burt, 1980a) vermeintlich oder tatsächlich überbrückt oder geschlossen. Ob sich unter diesen Ansätzen eine Netzwerktheorie verbirgt, wird zu diskutieren sein.

Anmerkungen

Klassisches Bauernopfer: Die eigentliche Quelle ist genannt, aber nur für ein kurzes wörtliches Zitat - dass aber auch der Diskurs davor und danach mitsamt Referenzen und dem (hier zur Veranschaulichung mitdokumentierten) Zitat auf der vorangehenden Seite daraus abgeschrieben wurde, bleibt dem Rezipienten verborgen. Auch hier zeigt sich ein großzügiger Umgang mit wörtlichen Zitaten: Die Auslassung im Zitat aus Barnes 1972 hätte gekennzeichnet werden müssen.

Bemerkenswert ist auch, dass bei Windeler keine Auflösung von "(Burt, 1980a)" erfolgt, die dadurch belegt werden sollende "lose Föderation von Ansätzen" von der Verf.in aber sinngemäß "Burt 1982" zugeschrieben wird.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[81.] Mhg/Fragment 074 16 - Diskussion
Bearbeitet: 9. February 2017, 14:44 Schumann
Erstellt: 9. February 2017, 13:11 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 74, Zeilen: 16-18, 22-36, 101-102
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 114, 115, 116, Zeilen: 114: 22 ff.; 115: 7 ff.; 116: 6 ff.
Die ersten Netzwerkstudien richteten den Focus für die Erklärung des Handelns von Akteuren vorrangig auf die Dichte der sozialen Beziehungen und die Multiplexität22. [Barnes kontrastiert beispielsweise „dichte und multiplexe Netzwerke als typisch für Stammesgesellschaften“ und „lose geknüpfte, uniplexe Beziehungsnetzwerke als charakteristisch für komplexe Industriegesellschaften“ (Schweizer 1996: 114).]

Eine derartige Netzwerkstruktur sagt aus, dass in einem multiplexen Netzwerk jeder den anderen kennt und durch viele Beziehungen mit den anderen verbunden ist, hingegen sich in uniplexen Netzen die Personen kaum untereinander kennen und die sozialen Beziehungen immer nur zwischen Paaren von Akteuren bestehen. Das bedeutet, dass in uniplexen Netzwerken die gemeinsame Freizeit, Verwandtschaft, Arbeit usw. immer nur von Teilen des Netzwerks gemeinsam erlebt wird (Akteurspärchen). In multiplexen Netzwerken herrscht eine gemeinsame intensive Interaktion vor, die Erreichbarkeit der Akteure untereinander ist relativ hoch und die soziale Kontrolle und eine damit verbundene Konformität des Verhaltens ist deutlich höher als in uniplexen Netzwerken. In uniplexen Netzwerken sind die sozialen Gebilde weniger sichtbar und die Kontrolle erfasst nur wenige Akteure und nur bestimmte Beziehungen (wie beispielsweise im Arbeitsleben), während z.B. die Freizeit davon unberührt bleiben kann. Diese idealtypische Kontrastierung versuchte zentrale Tendenzen sozialer Beziehungsmuster in bestimmten Gesellschaftstypen und ihre Handlungskonse-[quenzen festzustellen.]


22 Multiplexität meint das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen in Netzwerken


Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 114]

Die ersten ethnologischen Fallstudien, die den Begriff des sozialen Netzwerks verwendeten und ausgewählte Aspekte des sozialen Netzwerks zur Erklärung des Handelns von Akteuren heranzogen, richteten den Blick auf die Dichte sozialer Beziehungen und das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen (Multiplexität) in Netzwerken. So kontrastierte Barnes (1969: 75) dichte, multiplexe Netzwerke als typisch für Stammesgesellschaften einerseits und lose geknüpfte, uniplexe Beziehungsnetze als charakteristisch für komplexe Industriegesellschaften andererseits. [...]

[Seite 115]

[...] Diese unterschiedliche Netzstruktur bedeutet also, daß in einem dichten, multiplexen Netz jeder jeden kennt und über eine Vielzahl von Beziehungen verbunden ist, während in einem locker gefügten, uniplexen Netz sich nicht alle Beteiligten untereinander kennen und zwischen Paaren von Akteuren nur eine Art von Beziehung besteht (s. Abbildung 4.1). Gemeinsame Arbeit, Freizeit, Verwandtschaft, religiöse Verbundenheit usw. fallen hier auseinander, während sie im Fall eines dichten, multiplexen Netzes verwoben sind. In einem multiplexen, dichten Netz können sich die Akteure leichter erreichen, sie interagieren intensiv miteinander und als Konsequenz entsteht ein höherer Grad an sozialer Kontrolle und daraus folgender Konformität des Verhaltens. Im Gegensatz dazu bieten die schwach verknüpften und uniplexen Netzwerke in städtischen oder komplexen Gesellschaften den Akteuren Fluchtmöglichkeiten, weil diese sozialen Gebilde weniger transparent sind und die Kontrolle nur einige Akteure und bestimmte Beziehungen erfaßt (etwa im Arbeitsbereich), während andere Lebensbereiche (z.B. der Freizeitbereich) davon unberührt bleiben.

[Abbildung 4.1]

Diese Kontrastierung ist als idealtypisch zu verstehen [...]

[Seite 116]

[...] Bei dieser Kontrastierung geht es vielmehr um die Feststellung der Haupttendenzen sozialer Beziehungsmuster in bestimmten Typen von Gesellschaft und die Erkenntnis ihrer Handlungskonsequenzen.

Anmerkungen

Ein klassisches Bauernopfer: Die Quelle wird lediglich für eine kurze Aussage genannt, im folgenden Absatz jedoch unausgewiesen wesentlich mehr aus ihr übernommen (abgesehen davon, dass auch der erste Satz inkl. Fußnote übernommen ist).

Fortsetzung auf der nächsten Seite in Fragment 075 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[82.] Mhg/Fragment 075 01 - Diskussion
Bearbeitet: 23. March 2017, 14:55 Schumann
Erstellt: 9. February 2017, 14:52 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 1-16, 18-31
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 117, 118, Zeilen: 117: 1 ff., 26 ff., 33 ff.; 118: 1 ff.
Die Dichte und die Multiplexität der Netzwerke bildeten die strukturellen Rahmenbedingungen für die Erklärung unterschiedlichen Verhaltens der Akteure. So orientierte sich Elisabeth [sic] Bott ([1957] 1971) in ihrer Netzwerkstudie zur häuslichen Arbeitsteilung bei Londoner Ehepaaren an dieser Annahme vom Einfluss der Dichte auf das Handeln der Akteure. Dabei unterschied sie zwischen traditioneller Arbeitsteilung (Spezialisierung der Arbeitsaufgaben nach Geschlecht) und gemeinsamer Arbeitsteilung (gemeinsame Erledigung der Aufgaben durch beide Ehepartner). Während Schicht und Wohngebiet keine signifikante Erklärung für die Unterschiede lieferten, zeigten die Unterschiede in den persönlichen Netzwerken einen Effekt. Lebten die Ehepaare in eng verbundenen Netzwerken (Bott spricht hier von close-knit 1971:51), in denen die Ehepartner gemeinsame Freunde und Bekannte hatten, erledigten sie ihre Arbeitsaufgaben gemeinsam. Waren die Netzwerke der Ehepartner eher locker verbunden, d.h. jeder Partner hatte eigene Freunde oder Bekannte, dann herrschte auch eine geschlechtsspezifische Teilung der häuslichen Aufgaben vor.

[3.3.1 Die Stärke schwacher Beziehungen]

Während die ersten Netzwerkstudien ihren Blick auf die Dichte und das gleichzeitige Vorkommen mehrerer, inhaltlich verschiedener sozialer Beziehungen (Multiplexität) in sozialen Netzwerken richteten, und damit enge und multiplexe Beziehungen als besonders erklärungsrelevant hervorhoben, konzentrierten sich die nachfolgenden Theoretiker (Granovetter 1973,1974; Burt 1992) auf die sogenannten „schwachen“ bzw. fehlenden Beziehungen in Gesamtnetzwerken. Mit diesen Ansätzen sollte der Versuch unternommen werden, die Einbettung der Akteure in das soziale Netzwerke und die daraus entstehenden Chancen und Hindernisse für ihr Handeln zu erklären (vgl. Schweitzer [sic] 1996: 118). Mark Granovetter stellte fest, dass die Mitglieder in einem Teilnetzwerk, einer sogenannten „Clique“, untereinander - aufgrund der hohen Dichte und der Multiplexität - sehr intensive Kontakte haben, aber dass sie sich gleichzeitig durch diese starken Binnenbeziehungen von der Außenwelt abkapseln und somit schlecht in das Gesamtnetz eingebunden sind.


Bott, Elisabeth [sic] (1971) Family and Social Networks [sic]. Roles, Norms [sic] and External Relationships in Ordinary Urban Families. London.
Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Granovetter, Mark (1973) The strength of weak ties. In: American Journal of Sociology, Nr. 78, 1360 - 1380.
Granovetter, Mark (1974) Getting a Job. Cambridge.
Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 117, Z. 26 ff.]

In den Fallstudien von Kapferer und Bott und in Gluckmans Hypothese bilden die Dichte und Multiplexität der Netzwerke die strukturellen Rahmenbedingungen zur Erklärung des unterschiedlichen Verhaltens der Akteure (Bott, Gluckman) bzw. ihres unterschiedlichen Handlungserfolgs (Kapferer).

[Seite 117, Z. 1 ff.]

Auch E. Bott (1971 [1957], 1977 [1955]) in ihrer klassischen Netzwerkstudie der häuslichen Arbeitsteilung in ausgewählten Londoner Familien orientiert sich an der Hypothese vom Einfluß der Dichte des Netzwerks auf das Handeln der Akteure. Sie unterscheidet zwei Grundmuster der häuslichen Arbeitsteilung: einen geringen Grad der Aufteilung der Arbeiten und gemeinsame Erledigung der Aufgaben durch beide Ehepartner einerseits und eine große Spezialisierung der Aufgaben nach Geschlecht und getrennte Zuständigkeit der Eheleute für bestimmte Aufgaben andererseits. [...] Schicht und Wohngebiet erwiesen sich als keine schlüssigen Erklärungen dieses Unterschieds, während die Unterschiede der persönlichen Netzwerke einen Effekt ausübten. Wenn die Eheleute in einem dicht verbundenen Netzwerk leben (Bott 1971: 59, 1977: 256 spricht von „close-knit“ und „highly connected“ im Unterschied zu „loose-knit“ und „dispersed“), in dem also beide viele gemeinsame Freunde, Bekannte usf. aufweisen, dann erledigen sie auch die häuslichen Aufgaben gemeinsam. Ist das Netzwerk der Eheleute hingegen locker gefügt‚ was bedeutet, daß jeder eigene Freunde und Bekannte hat und wenige gemeinsam sind, dann herrscht auch Teilung der häuslichen Aufgaben vor.

[Seite 117, Z. 33 ff.]

Während die bisher vorgestellten Forscher zur Erklärung des Handelns der Akteure aus der Netzstruktur vor allem auf die Verdichtung von sozialen Beziehungen achteten und die besonders kohäsiven Teilbereiche in Netzwerken, die durch intensive, dichte und multiplexe Beziehungen gekennzeichnet sind, als erklärungsmächtig heraushoben, hat sich eine

[Seite 118]

nachfolgende Generation von Theoretikern (Granovetter 1977 [1973], 1982; Burt 1992) den schwachen Beziehungen und dem Fehlen von Beziehungen in Gesamtnetzwerken als Gründen für das Handeln der Akteure zugewandt. In diesen Erklärungsversuchen geht es um die Einbettung der Akteure in das Gesamtnetz und die daraus erwachsenen Chancen und Hindernisse für ihr Handeln. M. Granovetter (1977) erkannte, daß ein kohäsiver Teilbereich in einem Netz mit einem paradoxen Effekt verknüpft ist. Aufgrund der hohen Dichte und Multiplexität interagieren die Mitglieder einer solchen „Clique“ untereinander sehr intensiv — aber gleichzeitig kapseln sie sich durch diese starke Binnenbeziehungen von der Außenwelt ab und sind daher schlecht in das Gesamtnetz eingebunden, das im Extrem in miteinander unverbundene kohäsive Inseln zerfällt.


Bott, E.
 1971 [1957] Family and social network. 2. Aufl. London: Tavistock Publications.
 1977 [1955] Urban families: Conjugal roles and social networks. In: Leinhardt 1977 (Original in Human Relations 8, 345-83).
Burt, R.S.
 [...]
 1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.
Granovetter‚ M.
 1977 [1973] The strength of weak ties. In: Leinhardt 1977 (Original in American Journal of Sociology 78, 1360-80).
 1982 The strength of weak ties: A network theory revisited. In: Social structure and network analysis (Hg.) Marsden, P.V. und N. Lin. Beverly Hills: Sage.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 074 16.

Auf die eigentliche Quelle wird lediglich einmal zum Vergleich verwiesen.

Das ursprügliche Erscheinungsjahr von Family and social network: roles, norms, and external relationships in ordinary urban families von Elizabeth Bott findet sich bei der Verf.in zwar im Fließtext, aber nicht im Literaturverzeichnis. Für deren Begriff "close-knit" nennt sie für die 1971er-Ausgabe eine andere Seitenzahl als Schweizer.

An dieses Fragment schließt sich mit Fragment 075 31 unmittelbar eine aus Diaz-Bone (1997) – von dem auch die (bei der Dokumentation in eckige Klammern gesetzte) kursive Zwischenüberschrift 3.3.1 in Zeile 17 kopiert wurde – übernommene Granovetter-Rezeption an.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[83.] Mhg/Fragment 075 31 - Diskussion
Bearbeitet: 18. December 2016, 17:46 Schumann
Erstellt: 16. December 2016, 13:17 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 31-38
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 44, Zeilen: 1 ff.
In einer der ersten Studien (1974) zur beruflichen Mobilität stieß er auf die sogenannte „Stärke schwacher Beziehungen“. Starke Beziehungen sind - so Granoveter - mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden, zeigen einen hohen Grad an emotionaler Verbundenheit und gegenseitiger Nähe und sind durch Vertrauen und gegenseitge Hilfeleistungen gekennzeichnet (vgl. Granovetter 1973: 1361). Schwache Beziehungen weisen solche Eigenschaften an zeitlicher und emotionaler Intensität nicht auf. Solche schwachen Beziehungen entsprechen Gelegenheitskontakten zwischen [Bekannten, Nachbarn und Arbeitskollegen (vgl. Granovetter 1973: 1361).] 2.3.2 Die Stärke schwacher Beziehungen

Mark Granovetter (1973) hat die Bedeutung von sogenannten "schwachen Beziehungen" hervorgehoben, die Netzwerkkomponenten aus "starken Beziehungen" untereinander verbinden. Starke Beziehungen sind im Unterhalt mit einem hohem zeitlichen Aufwand verbunden, werden als emotional intensiv empfunden und sind weiter durch gegenseitige Nähe, Vertrauen und Hilfeleistungen gekennzeichnet.32 Schwache Beziehungen weisen diese Eigenschaften an zeitlicher und emotionaler Intensität nicht auf. Solchen schwachen Beziehungen entsprechen Gelegenheitskontakte zwischen Bekannten, Nachbarn oder Arbeitskollegen.


32 "Most intuitive notions of the "Strength" of an interpersonal tie should be satisfied by the following definition: the Strength of a tie is a (probably linear) combination of the amount of time, the emotional intensity, the intimacy (mutual confiding) and the reciprocal services which characterize the tie. Each of these is somewhat independent of the other, though the set is obviously highly intracorrelated.“ (Granovetter 1973: 1361)

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die Granovetter-Rezeption der Verfasserin ist sehr ähnlich derjenigen Diaz-Bones. Bemerkenswert ist dies auch wegen der Ähnlichkeit in der Übersetzung des englischsprachigen Texts Granovetter (1973).

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[84.] Mhg/Fragment 076 08 - Diskussion
Bearbeitet: 9. December 2016, 23:02 Schumann
Erstellt: 27. November 2016, 08:16 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 8-17
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 44, 45, Zeilen: 44: 13 ff.; 45: 1
Wird dieses Prinzip auf die Netzwerke übertragen und angenommen, dass solche verbotenen Triaden nicht auftreten, folgt die Wahrscheinlichkeit, dass Netzwerke aus Cliquen mit dicht verbundenen Akteuren bestehen, die keine starken Beziehungen zu Akteuren in anderen Cliquen aufweisen. Daraus folgt eine Tendenz zur Partitionierung von Netzwerken, die auf die Transitivität starker Beziehungen zurückzuführen ist. Eine solche Partitionierung von Netzwerken in Cliquen kann aber durch schwache Beziehungen strukturell aufgehoben werden, da diese Brücken zwischen den Cliquen bilden können. Damit gewinnen schwache Beziehungen eine entscheidende Bedeutung für die Integration des Netzwerkes, da sie Cliquen in das Netzwerk einbetten. Wird dieses Prinzip auf Netzwerke übertragen und angenommen, daß die dargestellte Triade nicht auftritt, folgt, daß es wahrscheinlich ist, daß Netzwerke aus Cliquen von dicht verbundenen Akteuren mit starken Beziehungen bestehen, die keine starken Beziehungen zu Akteuren in anderen Cliquen aufweisen. Die Folge ist die Tendenz zur Partitionierung von Netzwerken, die auf die Transitivität starker Beziehungen zurückzuführen ist. Die Partitionierung von Netzwerken in Cliquen kann aber durch schwache Beziehungen strukturell aufgehoben werden. Schwache Beziehungen können Brücken (bridges) zwischen den Cliquen bilden, womit schwache Beziehungen eine entscheidende Bedeutung für die Integration des Netz-

[Sete 45]

werks gewinnen, da sie Cliquen in das Netzwerk einbetten.

Anmerkungen

Diaz-Bones Rezeption von Granovetter wird ohne einen Hinweis fast wörtlich übernommen.

Direkt über dem Fragmenttext findet sich wie auch in der Quelle eine Abbildung zur "Verbotene[n] Triade nach Granovetter".

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[85.] Mhg/Fragment 076 17 - Diskussion
Bearbeitet: 13. February 2017, 16:32 Schumann
Erstellt: 13. February 2017, 16:11 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 17-23
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 120, Zeilen: 13 ff.
Damit schließt Granovetter jedoch nicht aus, dass starke Beziehungen eine wichtige Rolle im sozialen Leben spielen können (vgl. Granovetter 1973: 1366). Aber er kann durch eine Reihe von Beispielen verdeutlichen, dass starke Beziehungen ein Gesamtnetzwerk fragmentieren, während schwache Beziehungen Brücken zwischen ansonsten unverbundenen Teilen des Gesamtnetzwerkes bilden und sich dadurch die Erfolgschancen für das Handeln der Akteure erhöhen.

Granovetter, Mark (1973) The strength of weak ties. In: American Journal of Sociology, Nr. 78, 1360 - 1380.

Granovetters Argument schließt nicht aus, daß auch starke Beziehungen eine wichtige Rolle im sozialen Leben spielen können. Aber er kann mit einer Reihe von plausiblen Beispielen nachweisen, daß starke Beziehungen ein Gesamtnetz fragmentieren, während schwache Beziehungen Brücken zwischen ansonsten unverbundenen Teilen des Gesamtnetzes bilden und dadurch die Erfolgschancen des Handelns der Akteure erhöhen.
Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[86.] Mhg/Fragment 077 17 - Diskussion
Bearbeitet: 13. February 2017, 22:13 Schumann
Erstellt: 13. February 2017, 16:15 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 77, Zeilen: 17-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 121, 122, Zeilen: 121: 8 ff.; 122: 1 ff.
Ronald Burt greift 1992 Granovetters Argumente auf und erarbeitet eine neue Systematisierung. Seine Überlegungen setzten [sic] beim Wettbewerb von Unternehmen an, die mit Finanz- und Humankapital ausgestattet sind , Kompetenzen, welche die Unternehmensangehörigen erlangt haben, und die sich im wesentlichen in ihrem sozialen Kapital unterscheiden. Dabei umfasst das soziale Kapital vor allem die geschäftlichen Kontakte, aber auch alle übrigen sozialen Beziehungen, welche die Angehörigen der Unternehmen zur Außenwelt unterhalten und die ihnen ökonomische Vorteile bringen. Burt versucht nun herauszufinden, welche Bedingungen die Schöpfung und den Einsatz des sozialen Kapitals begünstigen. Bei seinen Überlegungen geht er davon aus, dass die „Players“ (Akteure) in ein soziales Netz eingebettet sind und dass dieses soziale Netz die eigentliche Ressource im Sinne des sozialen Kapitals darstellt (Burt 1992:13).

Das Ausmaß der sozialen Beziehungen als Ressource wird jedoch nicht allein aus den direkten (primären) Beziehungen bestimmt, sondern auch aus den indirekten (sekundären) Beziehungen, die unmittelbar von kontaktierenden Dritten ausgehen.

Die wichtigste Ressource, die den Geschäftserfolg bestimmt, ist die Information, d.h. der Zugang zur Information, die Schnelligkeit des Informationsflusses und die Vertrauenswürdigkeit (Referenz) der Information. Dafür sind große, weniger dichte sowie heterogene Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und [homogene Netzwerke, in denen dieselbe Information nur multipliziert wird, da kaum neue Informationen hinzukommen (vgl. Burt 1992: 17).]


Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.

[Seite 121]

In einer neuen theoretischen Arbeit greift R. Burt (1992) Granovetters Argumente auf und erarbeitet eine neue Systematisierung. Er entwickelt seine Überlegungen im Rahmen einer Theorie des Wettbewerbs von Unternehmen, die mit Finanzkapital und Humankapital (also Kompetenzen, die sich die Angehörigen eines Unternehmens erworben haben) ausgestattet sind und sich wesentlich im sozialen Kapital unterscheiden. Das soziale Kapital umfaßt vor allem die geschäftlichen Kontakte, aber auch alle übrigen sozialen Beziehungen, die die Angehörigen einer Firma zur Außenwelt unterhalten, und aus der sie ökonomische Vorteile gewinnen können. Burt versucht nun die Bedingungen zu ermitteln, die die Schöpfung und den Einsatz des sozialen Kapitals begünstigen, so daß ein Unternehmen, das ein gutes Produkt anbietet (wofür die finanzielle Ausstattung und das Humankapital entscheidend sind) im Wettbewerb günstig abschneidet und Kunden findet — was vom sozialen Kapital abhängt. [...] Hintergrund seiner Überlegungen ist zunächst einmal, daß die Akteure (von ihm „players“ genannt) in ein soziales Netz eingebettet sind und daß dieses Netz eine Ressource im Sinne sozialen Kapitals darstellt (Burt 1992: 13): [...] Für das Ausmaß der sozialen Beziehungen als Ressource sind nicht allein die direkten („primären“) Kontakte eines Akteurs entscheidend, sondern auch die indirekten („sekundären“) Beziehungen, die von unmittelbar kontaktierten Dritten ausgehen. [...] Die wichtigste Ressource, auf die es im Geschäftsleben ankommt, ist Information. Zugang zu Informationen (überhaupt zu wissen, welche Entscheidungen und Projekte anstehen), Schnelligkeit des In-

[Seite 122]

formationsflusses (früher davon zu erfahren als Konkurrenten) und Vertrauenswürdigkeit der Information (wie verläßlich ist die Informationsquelle?) bestimmen den Geschäftserfolg. Unter diesem Informationsaspekt sind große und dadurch automatisch weniger dichte sowie heterogene („diverse“) Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und dadurch homogene Netzwerke, weil in letzteren dieselbe Information lediglich multipliziert wird, ohne daß neue Information hinzutritt, wie das in großen und heterogenen Netzwerken der Fall sein wird (Burt 1992: 17): [...]


Burt, R.S.
[...]
1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle.

Die in beiden Texten referenzierte Quelle Burt (1992) ist ein englischsprachiger Text. Es fällt auf, dass die Übersetzung ins Deutsche teilweise wörtlich gleich ist.

Starke Parallelen gibt es auch mit Barth et al (2003), siehe Fragment 077 18. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass diese Quelle hier als Vorlage diente; da sich die Parallelen mit Schweizer aber auch auf der folgenden Seite sehr umfangreich fortsetzen, wird Schweizer als eigentliche Quelle angenommen.

Fortsetzung in Fragment 078 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[87.] Mhg/Fragment 078 01 - Diskussion
Bearbeitet: 13. February 2017, 18:13 Schumann
Erstellt: 13. February 2017, 16:32 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 78, Zeilen: 1-17, 23-31, 101-102
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 122, 123, 125, 126, Zeilen: 122: 3 ff.; 123: 24 ff.; 125: 37 ff., 126: 1 ff.
[Dafür sind große, weniger dichte sowie heterogene Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und] homogene Netzwerke, in denen dieselbe Information nur multipliziert wird, da kaum neue Informationen hinzukommen (vgl. Burt 1992: 17).

Entscheidend ist nicht nur die Menge der Beziehungen, die Akteure aufbauen, sondern auch die Unterschiedlichkeit der Beziehungen. Die Kontakte, vor allem die direkten Beziehungen sollten daher nicht-redundant sein. Den zentralen Begriff in Burts Theorie - die „strukturellen Löcher“ (structural holes) - definiert er als die Lücken in einem Gesamtnetz, die durch nicht-redundante Beziehungen geschlossen werden. Unter dem Aspekt der Informationsgewinnung sollten nach Burt die Akteure ihre Netzwerke so aufbauen, dass die Zahl der nicht-redundanten Kontakte möglichst hoch ist, um damit ganz unterschiedliche Bereiche des Gesamtnetzwerkes zu erreichen. Dadurch werden viele strukturelle Löcher überbrückt und unterschiedliche Informationsquellen erschlossen. Die nicht-redundanten Beziehungen sind identisch mit den Brückenbeziehungen von Granovetter. Im Gegensatz zu Granovetter kommt es für Burt aber nicht so sehr darauf an, ob eine Beziehung stark oder schwach ist, sondern ob sie nicht-redundant ist und damit ein strukturelles Loch überbrückt (vgl. Burt 1992: 25-30).

[...]

Im nächsten Schritt analysiert Burt, wie es von der Informationsbeschaffung zur Handlung kommt, d.h. der Kontrolle von Ereignissen durch die Akteure, die aufgrund der effizienten Netzwerke Informationsvorteile genießen und diese Gelegenheiten benutzen wollen. Dadurch, dass Akteure, die strukturelle Löcher überbrücken, unterschiedliche soziale Welten in Zusammenhang bringen, können sie oft die Rolle des „lachenden Dritten“24 einnehmen, denn durch ihre Positionen am Schnittpunkt sonst unverbundener sozialer Kreise können sie reichhaltige unternehmerische Gelegenheiten erkennen und zum Geschäftserfolg ummünzen.


24 Die Idee des „lachenden Dritten“ oder tertius gaudens entwickelt Burt in Anlehnung an die Überlegungen von G. Simmel (1908: 82 ff.).


Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Simmel, Georg (1908) Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung. Berlin.

[Seite 122]

Unter diesem Informationsaspekt sind große und dadurch automatisch weniger dichte sowie heterogene („diverse“) Netzwerke vorteilhafter als kleine, dichte und dadurch homogene Netzwerke, weil in letzteren dieselbe Information lediglich multipliziert wird, ohne daß neue Information hinzutritt, wie das in großen und heterogenen Netzwerken der Fall sein wird (Burt 1992: 17): [...]

Nicht die bloße Menge der Beziehungen, die ein Akteur aufbaut, ist also entscheidend, sondern zusätzlich die Unterschiedlichkeit der Beziehungen. Die (direkten) Kontakte sollten daher nicht-redundant sein. [...] Den für Burts Theorie zentralen Begriff des strukturellen Lochs („structural hole“) definiert er nun als die Lücke in einem Gesamtnetz, die durch nicht-redundante Beziehungen geschlossen wird (Burt 1992: 18): [...] Unter dem Gesichtspunkt der optimalen Informationsgewinnung sollten Akteure ihre Netzwerke so aufbauen, daß die Zahl der nicht-redundanten Kontakte möglichst hoch ist und dadurch ganz unterschiedliche Bereiche des Gesamtnetzwerks erreicht werden. Durch diese Strategie werden viele strukturelle Löcher überbrückt und ganz unterschiedliche Informationsquellen erschlossen.

[Seite 123]

An dieser Stelle schlägt Burt (S. 25-30) auch den Bogen zu Granovetters Theorie der schwachen Beziehungen. In Burts Sicht sind es nicht die schwachen Beziehungen an sich, die ein Gesamtnetz integrieren, sondern die Brückenbeziehungen [...] Es kommt daher nicht so sehr darauf an, ob eine Beziehung stark oder schwach ist, sondern ob sie nicht-redundant ist und damit ein strukturelles Loch überbrückt.

[Seite 125]

In einer weiteren Stufe seiner Theoriebildung analysiert Burt den Schritt von der Informationsbeschaffung zur Handlung, nämlich der Kontrolle von Ereignissen durch jene Akteure, die aufgrund effizienter Netzwerke Informationsvorteile genießen und diese Gelegenheiten nun nutzen wollen. Akteure, die strukturelle Löcher überbrücken, bringen unterschiedliche soziale Welten in Zusammenhang und können oft die Rolle des „lachenden Dritten“ (tertius gaudens) einnehmen, weil ihre Position am Schnittpunkt ansonsten unverbundener sozialer Kreise reiche unter-

[Seite 126]

nehmerische Gelegenheiten erkennen läßt, die sie in Geschäftserfolge ummünzen können. [...] Mit der Position des lachenden Dritten sind folglich Kontrollvorteile verbunden, weil solche Akteure zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln können, wie Burt (S. 30-34) im Anschluß an Überlegungen von G. Simmel (1958 [1908]: 82-94) über tertius gaudens und divide et impera ausführt.


Burt, R.S.
[...]
1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.
Simmel, G.
1958 [1908] Soziologie. 4. Aufl. Berlin: Duncker & Humblot.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 077 17.

Ein Hinweis auf S. 127 der eigentlichen Quelle erfolgt erst im folgenden Absatz auf S. 79, weshalb eine Kategorisierung als "Verschleierung" angemessen erscheint.

Parallelen gibt es für den von der Vorseite übergehenden ersten Absatz auch mit Barth et al (2003), siehe Fragment 078 01b. Es kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass diese Quelle hier als Vorlage diente; da sich die Parallelen mit Schweizer dann aber deutlich umfangreicher fortsetzen, wird Schweizer als eigentliche Quelle angenommen.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[88.] Mhg/Fragment 079 01 - Diskussion
Bearbeitet: 13. February 2017, 23:08 Schumann
Erstellt: 13. February 2017, 20:09 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 1-10, 19-20
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 127, 128, Zeilen: 127: 6 ff., 28 ff.; 128: 6 f.
Wären die primären Kontakte Bestandteil eines Clusters starker Beziehungen [sic] sind sie schlechter gegeneinander ausspielbar. Das bedeutet, dass die primären Kontakte des lachenden Dritten in strukturelle Löcher eingebettet, mit anderen Worten ersetzbar sein sollten, während er selbst von keinem strukturellen Loch [sic] sondern von starken Beziehungen umgeben sein müsste, damit er nicht selbst ersetzt werden kann. Damit wird die Widersprüchlichkeit deutlich, die dazu führt, dass im realen Leben die Netzwerke der meisten Akteure sowohl starke als auch schwache Beziehungen aufweisen. Beide Beziehungstypen besitzen einen gewissen Vorteil, den der andere Beziehungstyp nicht aufweist. [Die starken Beziehungen führen zur „Vertrauensbildung im intimen Kreis“, bilden also einen direkten Schutz, und die schwachen Beziehungen schaffen den Kontakt zur Außenwelt mit ihren Informationen, „die im intimen Kreis nicht bekannt sind“ (Schweizer 1996: 127).] [...] Mit dem Grad der strukturellen Autonomie eines Akteurs ist ein Anstieg seines sozialen Kapitals verbunden (vgl. Burt 1992:49).

Burt, Ronald (1992) Structural Holes: The Social Structure of Competition. Cambridge.
Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

[Seite 127]

Sind diese hingegen in ein Cluster starker Beziehungen eingewoben, dann können sie schlechter gegeneinander ausgespielt werden und ihrerseits Druck auf den Netzwerk-„Unternehmer“ ausüben. Die von dem lachenden Dritten zu beherrschenden Kontakte sollten daher in strukturelle Löcher eingebettet und damit ersetzbar sein, während er selbst von keinem strukturellen Loch, sondern von starken Beziehungen umgeben sein sollte, damit die Verhandlungspartner ihn nicht ihrerseits ersetzen können. [...] Diese Paradoxie macht vielleicht deutlich, warum im sozialen Leben beide Strategien vorkommen und die meisten Menschen ein aus starken und schwachen Beziehungen gemischtes soziales Umfeld aufweisen. Beide Beziehungstypen besitzen nämlich jeweils einen gewissen, von dem anderen Typ nicht geteilten Vorteil: [einerseits die Herausbildung starker sozialer Beziehungen zum unmittelbaren Schutz, zur Vertrauensbildung im intimen Kreis, und andererseits die Strategie zur Anbahnung schwacher Kontakte, um über die Außenwelt Informationen zu erhalten, die im intimen Kreis nicht bekannt sind.] [...]

[Seite 128]

Das soziale Kapital eines Akteurs steigt folglich mit dem Grad seiner strukturellen Autonomie (Burt 1992: 49): [...]


Burt, R.S.
 [...]
 1992 Structural holes: The social structure of competition. Cambridge, MA: Harvard U.P.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 078 33.

Die Verf.in nennt die Quelle, macht aber nicht deutlich, dass nicht nur der als Zitat kenntlich gemachte, sondern der gesamte Text sinngemäß aus dieser übernommen wurde.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz (dem weitere ähnlich strukturierte Sätze folgen) geht nicht in die Zeilenzählung mit ein.

An dieses Fragment schließt sich direkt im nächsten Absatz mit Fragment 079 21 eine Verschleierung aus derselben Quelle an.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[89.] Mhg/Fragment 079 21 - Diskussion
Bearbeitet: 13. February 2017, 23:12 Schumann
Erstellt: 13. February 2017, 20:16 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 21-31
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 129, 130, Zeilen: 129: 39 ff.; 130: 1 ff.
Granovetter und Burt verdeutlichen, dass die alleinige Betrachtung der starken sozialen Beziehungen für die strukturelle Erklärung des Handelns der Akteure mit Hilfe von Netzwerkeigenschaften nicht ausreicht. Granovetter zeigt, dass die schwachen Beziehungen für die Integration der Individuen in das Gesamtnetzwerk und ihre Handlungsoptionen wichtiger sind als die starken Beziehungen, in die sie zusätzlich eingebettet sind. Burt betrachtet vordergründig die nicht-redundanten Beziehungen, welche strukturelle Löcher überbrücken, und macht sie zum zentralen Gegenstand für die Erklärung der Informations- und Kontrollvorteile und die damit zusammenhängenden Handlungsvorteile für die lachenden Dritten, die sich an den Bruchstellen des Gesamtnetzwerkes befinden. [Seite 129]

Granovetter und Burt machen beide darauf aufmerksam, daß strukturelle Erklärungen des Handelns der Akteure mit Hilfe von Netzwerkeigenschaften zu kurz greifen, wenn sie nur die starken sozialen Beziehungen ins Auge fassen. Granovetter lenkt den Blick auf die

[Seite 130]

schwachen Beziehungen, die für die Integration der Akteure in das Gesamtnetz und ihre Handlungschancen wichtiger sind als die starken Beziehungen, in die sie zusätzlich eingebettet sind. Burt stellt die nicht-redundanten Beziehungen, die strukturelle Löcher überbrücken, ins Zentrum seiner Erklärung der Informations- und Kontrollvorteile und der dadurch begünstigten Handlungsmöglichkeiten, die die lachenden Dritten an diesen Bruchstellen des Gesamtnetzwerks genießen.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 079 01 in einem neuen Absatz.

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[90.] Mhg/Fragment 080 20 - Diskussion
Bearbeitet: 1. February 2017, 16:56 Schumann
Erstellt: 1. February 2017, 09:20 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 80, Zeilen: 20-38
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 130, Zeilen: 8 ff.
3.3.3 Identität und Kontrolle oder die Bedeutung von Kognitionen für die Muster sozialer Beziehungen

Durch die neuen Arbeiten von Harrison C. White (1992) wurde die rein strukturelle Perspektive der Netzwerktheorie, die sich vor allem für die Muster sozialer Beziehungen interessierte, durch die Einbeziehung der Kognitionen der Akteure erweitert. In seiner komplexen Theorie, erschienen in „Identity and Control“ (1992), findet White zwei miteinander in Zusammenhang stehende grundlegende Momente des sozialen Lebens: Identität und Kontrolle. Identität hat ihre Quelle und Basis in Chaos und Missgeschicken und wird durch Zufälligkeiten ausgelöst. Sie entsteht am Schnittpunkt bio-physischer und sozialer Gegebenheiten, um in das Chaos des Lebens mit Hilfe von sinnhaften Handlungen eine Ordnung zu bringen. „...Identity is any source of action not explicable from biophysical regularities, and to which observers can attribute meaning“ (White 1992: 6). Identität ist somit eine gewisse äußerlich wahrnehmbare Stabilität von Akteuren im Zeitablauf. Kontrolle dient zu Herstellung von Ordnung und zur Wahrung der Identität. „Control is both anticipation of and response to eruptions in environing process“ (White 1992: 9). Durch Eventualitäten und die Versuche anderer Identitäten, Kontrolle zu erlangen, entstehen immer wieder neue, die Identität störende oder auch stiftende Situationen. „Control efforts are responses by identities [to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added“ (White 1992: 10).]

Identität und Kontrolle als Grundmomente des sozialen Lebens

Die Verschiebung der Netzwerktheorie von einer rein strukturellen Perspektive, die sich nur für das Muster sozialer Beziehungen interessiert zu einer reicheren Sicht, die auch die Kognitionen der Akteure in die Betrachtung einbezieht, wird durch die neueren Arbeiten von Harrison White (1992, 1993, 1995) eingeleitet. Am Beispiel der komplexen Theorieskizzen, die er in seinem Buch „Identity and Control“ (1992) entwickelt, möchte ich diese theoretische Wende verdeutlichen. In dieser Arbeit macht White zwei miteinander verbundene Grundmomente des sozialen Lebens zum Gegenstand seiner Theoriebildung: Identität und Kontrolle. Identität entsteht am Schnittpunkt physisch/ biotischer und sozialer Gegebenheiten, wenn ein einzelnes Individuum oder eine Menge von Individuen versuchen, im Fluß des oftmals chaotisch ablaufenden Lebens mit sinnhaften Handlungen Ordnung herzustellen: „... identity is any source of action not explicable from biophysical regularities, and to which observers can attribute meaning.“ (S. 6). Identität bedeutet also eine gewisse von außen wahrnehmbare Stabilität eines Akteurs im Zeitablauf. Kontrolle ist der Versuch, Ordnung herzustellen und damit Identität zu bewahren: „Control is both anticipation of and response to eruptions in environing process.“ (S. 9). Da aber allein durch Zufälle und die Kontrollversuche anderer Identitäten immer wieder neue identitätsstörende und identitätsstiftende Situationen entstehen, läßt sich sagen (S. 10): „Control efforts are responses by identities to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added.“

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle. Auch die White-Zitate werden mitübernommen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[91.] Mhg/Fragment 081 01 - Diskussion
Bearbeitet: 10. February 2017, 14:32 Schumann
Erstellt: 10. February 2017, 12:25 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 81, Zeilen: 1-12, 22-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 130, 131, 132, Zeilen: 130: 31 ff.; 131: 1 ff., 28 ff.; 132: 1 ff.
[„Control efforts are responses by identities] to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added“ (White 1992: 10). Das soziale Leben wird charakterisiert als eine Mischung aus Normalität und improvisiertem erkennbarem Chaos (White 1992 :4).
„Students are correct when they perceive their social world both as improvisation in the midst of chaos, and as a set of smooth social stories shared with others. Social Science should seek principles of social process which account for chaos and normality together“ (White 1992: 4).

Durch die Handlungen vieler Individuen, die durch die Kontrolle von Ereignissen und anderen Akteuren ihre Identität erzeugen und bewahren wollen, entstehen zu einen gewählten Zeitpunkt bestimmte soziale Organisationen. Soziale Organisationen stellen den Rahmen für die Handlungen von sozialen Akteuren dar, sie können aber auch das Ergebnis sozialer Handlungen sein. [So schreibt White in seiner Begriffsübersicht:

„Social organizations, as distinguished from social structure, is the main object for theorizing. The two primitives of the theory are identities and control, the former being triggered, identities seek control and continue to seek it, first here and than there, while several other identities in contact with any given identity are doing the same. Social organizations is both means and bar to control. The concrete physical and biological settings in which actions occur are crucial. It is thus outcomes of contentions among identities which is what cumulates into social organizations.“ (White 1992: 16).]

Die formale Struktur der sozialen Organisationen vergleicht White mit Polymeren aus der Physik bzw. Chemie (White 1992: 342). So verschwimmen und mischen sich die „levels of social organizations, such as societies and organizations and families [...] into an inhomogeneous gel“ (White 1992: 12).

In einem weiteren Schritt (Kapitel 7 seines Buches) differenziert er die räumliche Ausbreitung und soziale Streuung von Identitätsmustern und unterscheidet dabei vier Formen der Identität:

I. Identität als grundlegendes Verhaltensmuster in einem sozialen Kontext. Dazu führt White das Beispiel eines Kindes an, dass [sic] neu auf dem Spielplatz ist und dort seinen sozialen Platz finden will: „For example, a new child on a playground has an overriding need to find some sort of stable social footing so that he or she can know to act in an otherwise chaotic world“ (White 1992:312).

II. Die zweite Form der Identität ist [sic] das Gesicht in einer sozialen Gruppe zu wahren. Die Form der Identität wird durch soziale Disziplinierung erreicht.


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

[Seite 130]

„Control efforts are responses by identities to endless stochastic contingencies, to which others’ control efforts should be added.“ Relative Normalität einerseits, [sic] und Improvisationen sowie Chaos andererseits sind beide charakteristisch für den Ablauf des sozialen Lebens (S. 4): „Students are correct when they perceive their social world both as improvisation in the midst of Chaos, and as a set of smooth

[Seite 131]

social stories shared with others. Social science should seek principles of social process which account for chaos and normality together.“

Das Ergebnis der Handlungen vieler Akteure, die durch Kontrolle von Ereignissen und anderer Akteure ihre Identität herstellen und bewahren wollen, ist eine bestimmte soziale Organisation (mit einer gewissen Struktur zu einem gewählten Zeitpunkt). Die Akteure sind von einer soziale Organisation umgeben, die folglich der [sic] Rahmen für ihre Handlungen darstellt, aber auch eben Ergebnis der Handlungen sein kann (vgl. zu diesem Zusammenhang die Überlegungen in Kapitel 2 und 3 im Anschluß an die Theorie des rationalen Handelns): „Social organization is both means and bar to control. The concrete physical and biological settings in which actions occur are crucial. It is thus the outcomes of contentions among identities which is what cumulates into social organization.“ (S. 16). Die durch das Handeln der Akteure erzeugten Muster sozialer Beziehungen, die „soziale Organisation“ in seiner Terminologie, vergleicht White (S. 12, 342-5) in ihrer formalen Struktur mit Polymerverbindungen aus der Chemie und Festkörperphysik. Entsprechend gilt, daß (S. 12) „... levels of social organization, such as cities and organizations and families ... mix and blur into an inhomogeneous gel.“ [...]

In weiteren Schritten seiner Theorieskizze hebt White vor allem auf die Ausbreitung und Zerstreuung (dispersion) von Identitätsmustern in räumlicher und sozialer Hinsicht ab und unterscheidet nach dem Grad ihres zunehmenden Umfangs vier verschiedene Identitätsformen (S. 312-4): (1) Identität als elementares Handlungsmuster in einem bestimmten sozialen Kontext, wie das für ein neues Kind auf dem Spielplatz typisch ist, das dort seinen physischen und sozialen Platz finden möchte: „For example‚ a new child on a playground has an overriding need to find

[Seite 132]

some sort of stable social footing so that he or she can know how to act in an otherwise chaotic world.“ (S. 312). (2) Identität als Gesichthaben und Gesichtbewahren in einer sozialen Gruppe, deren Handlungsmuster durch soziale Disziplinierung erlernt wird [...]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 080 20.

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

Bei der Übernahme der wörtlichen White-Zitate kommt es zu mehreren Übertragungsfehlern, dadurch wird etwa "cities" zu "societies".

Da die Verf.in das in der Quelle angeführte White-Zitat von S. 16 erweitert, geht es nicht in die Zeilenzählung mit ein.

Fortsetzung in Fragment 082 05.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[92.] Mhg/Fragment 082 05 - Diskussion
Bearbeitet: 11. February 2017, 22:46 Schumann
Erstellt: 10. February 2017, 12:34 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 82, Zeilen: 5-6, 14-21, 101-106, 108-112
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 132, Zeilen: 6 ff.
III. Dadurch, dass ein Akteur verschiedenen sozialen Kontexten angehört, kann er Fehler machen und es können Spannungen entstehen. [Dabei entsteht die dritte Identität, die auf den ersten zwei Identitäten aufbaut, und die White als die typische menschliche Wahrnehmung ansieht.25 White sieht diese Form der Identität als vordringlich an, denn durch die Konfrontation mit Problemen und Widersprüchen der sozialen Welt wird der Selbsterkennungsprozess gefordert. Bereits Kinder treffen auf solche Widersprüche im sozialen Leben, da auch sie in unterschiedlichen Kontexten agieren und dabei Fehler und Irrtümer begehen.] So unterscheiden sich beispielsweise die Handlungsmuster zwischen dem Spielplatz und dem Elternhaus.26

IV. Die vierte Form der Identität ist die erzählte Biographie oder Lebensgeschichte, die in einer sozialen Organisation verbreitet wird. Die biographischen Erzählungen, die innerhalb einer Gemeinschaft erzeugt und verbreitet werden, fuhren zu einer Abgrenzung der Mitglieder der Gemeinschaft nach Außen und zur Herausbildung von Gemeinsamkeiten bei den Gemeinschaftsmitgliedern27


25 “There is an additional, a third, and distinctively human sense of identity, which builds upon the first two. This identity front [sic] frictions and errors across different social settings and disciplines. This third sense of identity arises from the central fact of human social organizations [sic]: Whenever and wherever social organization has been observed, each human is more [sic] than one continuing discipline, [10 Wörter fehlen] in each of several distinct realms, such as family and village, and job and secret society, so that actions and thence selves crosscut these realms. [Human lives are not lived in a single pack or band but rather are mixed in with different bands in different realms”] (White 1992: 313).
26 “The child on the playground above may pick up a new way of wearing (or tearing) its clothes as being the proper thing (an aspect of the second meaning of identity). But then the child finds, upon arriving home, that peer-proper is not family-proper. Such contradictions - all the screwups, mistakes, errors, and social noise - in life are just what brings about identity in this third sense, achieved even as a child” (White 1992: 314).
27
[„One can speak of a fourth layer identity, a sense which is close to what is usually meant by identity in ordinary talk. This identity has more-or-less coherent accounts, as biography. This is identity after the fact as presented in accounts which may become woven into some unique narrative story. More commonly, however, such accounts are built from and stored in sets of stories and story lines. These sets are standard, and are held in common within some [Zeile 17 von Seite 314 fehlt] their incidence provides a way to map boundaries within social worlds. These sets of stories are the stuff of daily socializing, they are used in daily reconstructions by interpretation of selves and a [sic] social organization” (White 1992: 314).]


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

(3) Identität, die durch Spannungen und Fehler aufgrund der Zugehörigkeit eines Akteurs zu verschiedenen sozialen Kontexten entsteht und ein typisch menschliches Produkt darstellt (S. 313):
There is an additional‚ a third, and distinctively human sense of identity, which builds upon the first two. This is identity from frictions and errors across different social settings and disciplines. This third sense of identity arises from the central fact of human social organization: Whenever and wherever social organization has been observed, each human is in more than one continuing discipline, more than one social molecule. That is, each human participates‚ in each of several distinct realms, such as family and village, and job and secret society, so that actions and thence selves crosscut these realms.“

Diese „Widersprüche“ des sozialen Lebens treffen bereits Kinder, wenn die auf dem Spielplatz oder in der Schule erlernten Handlungsmuster (einschließlich der Sprache) nicht den Gepflogenheiten im Elternhaus entsprechen und dieser Unterschied Identität stiftet (S. 314):

„The child on the playground above may pick up a new way of wearing (or tearing) its clothes as being the proper thing (an aspect of the second meaning of identity). But then the child finds, upon arriving home, that peer-proper is not family-proper. Such contradictions — all the screwups, mistakes, errors, and social noise — in life are just what brings about identity in this third sense, achieved even as a child.“

(4) Die letzte von White unterschiedene Bedeutung von Identität entspricht einer Lebensgeschichte, die in einer oder mehreren Erzählungen („stories“) in einer sozialen Gemeinschaft verbreitet wird. Innerhalb der Gemeinschaft erzeugen diese biographischen Erzählungen Gemeinsamkeiten und nach außen, zu den nicht der Gemeinschaft Angehörigen, die die Geschichten nicht kennen, werden gleichzeitig Grenzen gezogen (S. 314): „Indeed their [der Geschichten] incidence provides a way to map boundaries within social worlds. These sets of stories are the stuff of daily socializing, they are used in daily reconstruction [sic] of [sic] interpretations [sic] of selves and [of] social organization.“

Anmerkungen

Fortsetzung der von Schweizer übernommenen White-Rezeption aus Fragment 081 01.

Die eigentliche Quelle, aus der mit Variationen übernommen wird, wird nicht genannt.

Das von der Verf.in in Fn. 25 wiedergegebene White-Zitat entspricht nicht dem engl. Original; der letzte Satz dieses Zitats, den sie selbstständig ergänzt, geht ebenso wie die anderen in eckige Klammern gesetzten Sätze nicht in die Zeilenzählung mit ein.

(Der letzte Satz des Zitats in Fn. 27 geht nicht in sie mit ein, weil es – wenn auch fehlerhaft – wesentlich erweitert wurde.)

Fortsetzung in Fragment 083 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[93.] Mhg/Fragment 083 01 - Diskussion
Bearbeitet: 9. February 2017, 21:56 Schumann
Erstellt: 9. February 2017, 20:49 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 83, Zeilen: 1-3, 10-12
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, Zeilen: 1 ff.
White sieht die Sinnvorstellungen der Akteure als gleichberechtigt neben den sozialen Strukturen an. So schreibt er auf Seite 17 seines Werkes zum Zusammenhalt von sozialen Beziehungen und den sinnstiftenden Erzählungen:
[„Ties are held together to constitute a network through the vehicle of stories, singly and in story-sets“ (White 1992: 17) und später erweitert er
„As such reports accumulate, with invocations of other ties, they fall into patterns perceived as stories. A tie becomes constituted with story which defines a social time by its narrative of ties. A social network is a network of meanings[...]“ (White 1992: 67).]

Multiple soziale Netzwerke, die mehrere soziale Beziehungen verknüpfen und dadurch meist auch mehrere soziale Kontexte, sind wichtig für die Strukturierung und Ausübung sozialer Kontrolle.


White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

Soziale Netzwerke — vor allem multiple Netzwerke, die mehrere soziale Beziehungen vereinen und dadurch ggf. mehrere soziale Kontexte verknüpfen — spielen eine wichtige Rolle bei der Strukturierung und Ausübung sozialer Kontrolle und werden von White eingehend in seinen Fallschilderungen berücksichtigt. Es dürfte jedoch deutlich geworden sein, daß White neben den sozialen Strukturen gleichberechtigt kulturelle Bedeutungen, d.h. die Sinnvorstellungen der Akteure und Beobachter in Betracht zieht. So schreibt er z.B. zum engen Zusammenhalt von sozialen Beziehungen (ties), die sich zu Netzwerken fügen, und den sinnstiftenden Erzählungen (S. 17): „Ties are held together to constitute a network through the vehicle of stories ...“ (Hervorhebungen im Original). (S. 67): „A social network is a network of meanings...“.
Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird nicht genannt.

In der Zeilenzählung unberücksichtigt bleiben die beiden in eckige Klammern gesetzten White-Zitate, da die Verf.in sie anscheinend selbstständig erweitert.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[94.] Mhg/Fragment 083 12 - Diskussion
Bearbeitet: 27. April 2017, 14:00 Stratumlucidum
Erstellt: 27. April 2017, 08:43 (Stratumlucidum)
Fragment, Gesichtet, Hasse Krücken 2001, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Stratumlucidum
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 83, Zeilen: 12-26
Quelle: Hasse Krücken 2001
Seite(n): 1 (Internetquelle), Zeilen: –
Harrison C. White betont insbesondere, dass Netzwerke eine fluide Strukturform aufweisen. Demnach sind Zugehörigkeit und Position im Netzwerk gleichartiger Akteure und Einrichtungen nicht eindeutig und dauerhaft geregelt, sondern im Fluss. Darüber hinaus sind grundsätzlich multiple Vernetzungen anzunehmen. Solche Mehrfachvernetzungen bedeuten aber auch verschiedene Referenzpunkte, die zusammen gesehen die Maßgabe entscheiden, nach welchen Orientierungen und Selbstverständnissen die Trends und Vorgaben einzelner Netzwerke abgearbeitet werden. Somit bestimmen die multiplen Vernetzungen über die Art und Weise der Integration in die einzelnen Netzwerke. Sie erlauben es, gegenüber spezifischen Trends und Vorgaben auf Distanz zu gehen und sind daher geeignet, die Identität von Organisationen oder anderen Einrichtungen gegen die drohende Vereinnahmung durch einzelne Netzwerke zu behaupten. Die Mehrfachvernetzungen sind zudem auch der Grund dafür, dass keine eindeutig voneinander abgrenzbaren Netzwerke zu identifizieren sind.

White, Harrison C. (1992) Identity and Control. A Structral [sic] Theory of Social Aktion [sic]. Princeton.

So betont insbesondere Harrison C. White (1992), daß Netzwerke eine vergleichsweise fluide Strukturform darstellen. Zugehörigkeit und Position im Netzwerk gleichartiger Akteure und Einrichtungen sind demnach nicht eindeutig und dauerhaft geregelt, sondern im Fluß. [...] Darüber hinaus sind grundsätzlich Mehrfachvernetzungen anzunehmen. [...] Solche Mehrfachvernetzungen bedeuten verschiedene Referenzpunkte, die zusammen betrachtet darüber entscheiden, nach Maßgabe welcher Orientierungen und Selbstverständnisse die Trends und Vorgaben einzelner Netzwerke abgearbeitet werden. Mehrfachvernetzungen bestimmen somit über die Art und Weise der Integration in einzelne Netzwerke; sie erlauben es, gegenüber spezifischen Trends und Vorgaben auf Distanz zu gehen und sind deshalb geeignet, die Identität von Organisationen oder anderen Einrichtungen gegen die drohende Vereinnahmung durch einzelne Netzwerke zu behaupten (White 1992).

Aufgrund von Mehrfachvernetzungen sind zudem keine eindeutig voneinander abgrenzbaren Netzwerke zu identifizieren.


White, H.C. (1992): Identity and Control. A Structural Theory of Social Action. Princeton: Princeton University Press.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Sichter
(Stratumlucidum) Schumann

[95.] Mhg/Fragment 084 12 - Diskussion
Bearbeitet: 15. February 2017, 13:15 Schumann
Erstellt: 14. February 2017, 13:14 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 84, Zeilen: 12-16, 101
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, Zeilen: 5 ff., 17 ff.
Es sollte deutlich geworden sein, dass White soziale Strukturen und kulturelle Bedeutungen28 gleichberechtigt nebeneinander stellt. Der Inhalt der sozialen Beziehungen ist in der kulturellen Bedeutung bestimmter Sprachgemeinden verwurzelt. Diese gilt es nach White zu erfassen und deren Zusammenhang mit den Muster [sic] soziale [sic] Ordnung zu analysieren (vgl. Schweizer 1996: 133).

28 Damit sind die Sinnvorstellungen von Akteuren und Beobachtern gemeint


Schweizer, Thomas (1996) Muster sozialer Ordnung. Netzwerkanalyse als Fundament der Sozialethnologie. Berlin.

Es dürfte jedoch deutlich geworden sein, daß White neben den sozialen Strukturen gleichberechtigt kulturelle Bedeutungen, d.h. die Sinnvorstellungen der Akteure und Beobachter [sic] in Betracht zieht. [...] Der Inhalt der sozialen Beziehungen ist dann eine in einer bestimmten Sprachgemeinschaft verwurzelte kulturelle Bedeutung, die es zunächst zu erfassen gilt und deren Zusammenhang mit sozialen Organisationsmustern sodann zu analysieren ist.
Anmerkungen

Die Verf.in verweist lediglich zum Vergleich auf die Quelle, übernimmt deren Ausführungen aber mehr oder weniger wörtlich.

Aus Sprachgemeinschaften werden Sprachgemeinden.

Sichter
(162.220.59.66), SleepyHollow02

[96.] Mhg/Fragment 084 30 - Diskussion
Bearbeitet: 15. February 2017, 17:59 Schumann
Erstellt: 14. February 2017, 13:19 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 84, Zeilen: 30-37
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 133, 134, Zeilen: 133: 30 ff.; 134: 1
Die Überlegungen von White wurden hier dargelegt, weil sie den Hintergrund für die nachfolgenden Theorieversuche von Mustafa Emirbayer und Jeff Goodwin bilden, deren Überlegungen sich stärker auf die Netzwerkanalyse beziehen als bei Harrison White.

Die Theorie von Harrison White ist viel mehr [sic] ein groß angelegter Entwurf einer Netzwerktheorie [sic] der sehr abstrakt ist und oft eine eigene Sprache enthält. Trotz der vielen Beispielen [sic] aus der Ökonomie, Geschichtswissenschaft, Ethnologie und Soziologie fällt es nicht leicht, diese komplexe Theorie in einfacher [Form zusammenzufassen.]

[Seite 133]

In diesem Kapitel habe ich Whites Überlegungen als Hintergrund für die nachfolgenden Theorieversuche von Emirbayer und Goodwin (1994) vorgestellt, die enger als Whites großangelegter Entwurf auf die Netzwerkanalyse bezogen sind. Whites Theorie ist insgesamt sehr abstrakt; sie enthält ein eigenes Vokabular und wird an einer Vielzahl traditioneller und gegenwartsbezogener Fälle aus der Geschichtswissenschaft, Ethnologie, Soziologie und Ökonomie veranschaulicht. Sie sprengt den Rahmen dieses einführenden Theoriekapitels, denn ich sehe mich nicht in der Lage‚ Whites komplexen Entwurf auf eine einfache Weise zusammenzu-

[Seite 134]

fassen.


Emirbayer, M. und J. Goodwin
 1994 Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle. Die Reihenfolge der Wissensgebiete wird umgestellt, immerhin.

Fortsetzung in Fragment 085 01.

Sichter
(162.220.59.66), SleepyHollow02

[97.] Mhg/Fragment 085 01 - Diskussion
Bearbeitet: 14. February 2017, 15:17 Schumann
Erstellt: 14. February 2017, 13:22 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 85, Zeilen: 1-10, 15-21, 101-110
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 134, 135, Zeilen: 134: 1 ff., 17 ff., 23 ff., 28 ff.; 135: 1 ff.
Sie stellt eher einen theoretischen Orientierungsrahmen für untersuchungswerte Aspekte der Netzwerkperspektive dar, da meist nur einzelne soziale Phänomene charakterisiert und nur vereinzelt auch Hypothesen entwickelt werden.

3.3.4 Kognitionen, Handlungsspielräume und Netzwerkstruktur

Wie bereits erwähnt [sic] setzen Mustafa Emirbayer und Jeff Goodwin auf der Theorie von Harrison White auf und versuchen, die Beziehung zwischen sozialem Netzwerk, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in geschichtlichen Abläufen zu erklären. Dazu werden die gängigsten Netzwerkansätze rekonstruiert und differenziert kritisiert29. [...]

Diese Kritik der Netzwerkforschung an der strukturellen Perspektive bezieht sich zunächst auf den bloßen Einsatz von Kategorien oder Variablen zur Erklärung sozialen Handelns. Emirbayer und Goodwin entwerfen dafür einen Gegenbegriff, nämlich den des „anticategorical imperative“ (Emirbayer & Goodwin 1994: 1414). Ihrer Meinung nach sollten für die Erklärung sozialen Verhaltens die tatsächlichen Muster sozialer Beziehungen analysiert werden und nicht mit den Einstellungen und Kategorien begonnen werden.


29 „Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry – in all three of its versions – offers a more powerful way of describing social interaction than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors, it has yet to provide a fully adequate explanatory model of [sic] the actual formation, reproduction, and transformation of social networks themselves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another; it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation – including the normative commitments of actors – and thereby fails to show exactly how it is that international [sic], creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.” (Emirbayer & Goodwin 1994: 1413).


Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture [sic] and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 134]

Es drängt sich die Vermutung auf, daß White in diesem Buch lediglich einen Orientierungsrahmen vorstellt, der Hinweise auf untersuchenswerte Aspekte des Gegenstandsbereichs, aber keine echten Zusammenhangsbehauptungen enthält. In den einzelnen Kapiteln, die bestimmte soziale Phänomene charakterisieren, werden jedoch Hypothesen entwickelt. [...]

Netzstruktur, Kognitionen und Handlungsfreiheit

In einem weitausgreifenden theoretischen Essay bemühen sich M. Emirbayer und J. Goodwin (1994) darum, das Verhältnis zwischen sozialen Netzwerken, kulturellen Bedeutungssystemen und dem Handlungsspielraum der Akteure in historischen Abläufen zu klären. [...] Ihre Absicht ist, die impliziten Erklärungsansätze in der Netzwerkforschung zu rekonstruieren. [...] Ihre Analyse mündet in eine differenzierte Kritik bestimmter Varianten der Netzwerkforschung. Diese interne Kritik kommt in dem folgenden Zitat gut zum Ausdruck (Emirbayer und Goodwin 1994: 1413):

„Our argument is that while this new mode of structuralist inquiry [die Netzwerkanalyse] ... offers a more powerful way of describing social interation [sic] than do other structural perspectives that focus solely on the categorical attributes of individual and collective actors‚ it has yet to provide a fully adequate explanatory model for the actual formation, reproduction, and transformation of social networks them-

[Seite 135]

selves. Network analysis all too often denies in practice the crucial notion that social structure, culture, and human agency presuppose one another, it either neglects or inadequately conceptualizes the crucial dimension of subjective meaning and motivation — including the normative commitments of actors — and thereby fails to show exactly how it is that intentional‚ creative human action serves in part to constitute those very social networks that so powerfully constrain actors in turn.“

In dem Zitat ist zunächst die kritische Haltung der Netzwerkforschung zu kategorialen, d.h. variablenbezogenen Erklärungen des sozialen Handelns enthalten [...]. Dieser „anticategorical imperative“ (S. 1414) schlägt vor, daß man zur Erklärung des Verhaltens von Akteuren nicht bei Einstellungen und sozialen Kategorien wie Stand, Schicht, Lokalität beginnen soll, sondern statt dessen das tatsächliche Muster sozialer Beziehungen untersucht, in das die Akteure eingebettet sind und das deren Handeln prägt.


Emirbayer, M. und J. Goodwin
 1994 Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 084 30.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der auch die Zwischenüberschrift 3.3.4 leicht variiert übernommen wird.

Das längere Zitat von Emirbayer und Goodwin wird nur unwesentlich ergänzt (bzw. korrigiert, wobei neue Fehler mit eingebaut werden) und geht daher in die Zeilenzählung mit ein.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[98.] Mhg/Fragment 086 03 - Diskussion
Bearbeitet: 23. March 2017, 21:27 Schumann
Erstellt: 21. December 2016, 11:55 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 86, Zeilen: 3-21, 29-36
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 135, 136, 137, Zeilen: 135: 18 ff., 39 f.; 136: 1 ff.; 137: 4 ff.
Deshalb konzentriert sich die Netzwerkanalyse vorrangig auf die “constraining and enabling dimensions of pattern [sic] relationships among social actors within a system” (Emirbayer & Goodwin 1994: 1418).

So ist die Netzwerkanalyse in der Lage, wie es auch Elizabeth Bott in ihrer Studie gezeigt hat, die tiefer liegenden Beziehungsmuster, die das Handeln der Akteure beeinflussen, aufzuzeigen, und nicht durch Kategorien wie soziale Schicht oder Nachbarschaft die Arbeitsteilung in der Familie zu erklären.

Zunächst unterscheiden Emirbayer und Goodwin in Anlehnung an die Netzwerkliteratur (Burt 1982) zwei differenzierte Betrachtungsweisen. Die relationale Analyse und die positionale Analyse. Der relationale Ansatz betrachtet die direkte oder indirekte Verbundenheit der Akteure in einem Netzwerk.

„This approach explains certain behaviors or processes through the fact of social connectivity itself - as well as through the density, strength, symmetry, range, and so on, of the ties that bind. From this perspective, very strong, dense, and relatively isolated social networks facilitate the development of uniform “subcultures” and of strong collective identities [...]” (Emirbayer&Goodwin 1994: 1419).

Der Positionsansatz konzentriert sich bei seiner Betrachtung auf die Muster von vorhandenen und fehlenden Beziehungen in einem sozialen Netzwerk. Hier ist die strukturelle Äquivalenz der Akteure wichtig.

[...]

[Die [sic] positionale und der relationale Ansatz kommen in drei verschiedenen Erklärungsansätzen der Netzwerkforschung vor, die Emirbayer und Goodwin aus den Schriften und Fallstudien gegenwärtiger Netzwerkstudien rekonstruieren.]

„The first of these implicit models, that of structuralist determinism, neglects altogether the potential causal role of actors' beliefs, values, and normative commitments-or [sic], more generally, of the significance of cultural and political discourses in history. It neglects as well those historical configurations of action that shape and transform pregiven social structures in the first place. A second and more satisfactory-but [sic] still deeply problematic-approach [sic] is that of structuralist instrumentalism. Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and in-[strumental forms.[...]” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1425 Hervorhebungen im Original).]

Bott, Elisabeth [sic] (1971) Family and Social Networks [sic]. Roles, Norms and External Relationships in Ordinary Urban Families. London.

Burt, Ronald (1982) Toward a structural theory of action: Network models of a scoial [sic] structure, perceptions and action. New York.

Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 135]

Die im ersten Abschnitt dieses Kapitels besprochene Fallstudie von E. Bott (1957) begründet diesen Punkt, weil Bott darin nachweist, daß die Struktur des sozialen Netzwerks und nicht die sozialen Kategorien der sozialen Schicht oder bestimmter Nachbarschaften die häusliche Arbeitsteilung in den von ihr untersuchten Familien erklären. Die Netzwerkanalyse konzentriert sich folglich auf die „constraining and enabling dimensions of patterned relationships among social actors within a system“ (Emirbayer und Goodwin 1994: 1418, Hervorhebung im Original). [...] Auch meine Fallanalysen im Kapitel 3 versuchen, über die lokalen Kategorien der Herkunftsgebiete der !Kung und der javanischen Weiler hinaus die tieferen Beziehungsmuster aufzudecken, die das Handeln der Akteure prägen. [...]

Im ersten Schritt ihrer Untersuchung unterscheiden die beiden Autoren, im Anschluß an die übliche Differenzierung in der Netzwerklite-

[Seite 136]

ratur, zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen von Netzwerken: einen relationalen und einen positionalen Ansatz (vgl. auch Kapitel 5). Der relationale Ansatz, der im ersten Abschnitt dieses Kapitels vorgestellt wurde, hebt ab auf die Verbundenheit der Akteure in einem Netzwerk und die aus enger Interaktion entstehende soziale Kohäsion (Emirbayer und Goodwin 1994: 1419):

„This approach explains certain behaviors or processes through the fact of social connectivity itself — as well as through the density, strength, symmetry, range, and so on, of the ties that bind. From this perspective, very strong, dense, and relatively isolated social networks facilitate the development of uniform ‘subcultures’ and of strong collective identities...“

Im Gegensatz dazu blickt der Positionsansatz [...] auf das Muster der vorhandenen und fehlenden sozialen Beziehungen in einem sozialen Netzwerk. [...] Nicht die Kohäsion, sondern die strukturelle Äquivalenz der Akteure, nämlich deren gleichartige Lage im Gesamtnetz, ist für den Positionsansatz entscheidend. [...]

[Seite 137]

Emirbayer und Goodwin (1994: 1425-6) charakterisieren diese drei Erklärungsweisen wie folgt:

„The first of these implicit models, that of structuralist determinism, neglects altogether the potential causal role of actors’ beliefs, values, and normative commitments — or, more generally, of the significance of cultural and political discourses in history. It neglects as well those historical configuration [sic] of action that shape and transform pregiven social structure [sic] in the first place. A second and more satisfactory — but still deeply problematic — approach is that of structuralist instrumentalism. Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and instrumental forms. [...]“ (Hervorhebung im Original)

Bott, E.

1971 [1957]   Family and social network. 2. Aufl. London. Tavistock Publictions

Emirbayer, M. und J. Goodwin

1994   Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, der die Rezeption von Emirbayer & Goodwin (1994) inkl. der Zitatauswahl erkennbar entnommen ist.

Die beiden Korrekturen im unteren, auf die nächste Seite übergehenden Emirbayer & Goodwin-Zitat deuten darauf hin, dass dort immerhin auch noch einmal nachgeschlagen wurde; trotzdem übernimmt die Verf.in lediglich in einem Fall den Hinweis auf die "Hervorhebung im Original" von Schweizer (1996) und macht in zwei Fällen die Kursivierungen selbst nicht kenntlich.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz auf der linken Seite geht nicht in die Zeilenzählung mit ein, auch wenn man ihn lediglich als Ausschmückung der kürzeren Aussage in der Quelle auffassen könnte.

Fortsetzung auf der nächsten Seite in Fragment 087 01.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[99.] Mhg/Fragment 087 01 - Diskussion
Bearbeitet: 23. March 2017, 21:39 Schumann
Erstellt: 23. December 2016, 08:42 (SleepyHollow02)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 87, Zeilen: 1-6, 9-33, 101-106
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 136, 137, 138, Zeilen: 136: 39; 137: 1 ff., 13 ff.; 138: 1 ff.
 
[Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and in-]strumental forms. And finally, the most sophisticated network perspective on social change, which we term structuralist constructionism, thematizes provocatively certain historical processes of identity conversion and "robust action." It is the most successful of all of these approaches in adequately conceptualizing human agency and the potentially transformative impact of cultural idioms and normative commitments on social action. [...]” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1425 Hervorhebungen im Original).

Im ersten Ansatz [sic] dem “Structuralist Determinism“ [sic] wird versucht, das Handeln der Akteure ausschließlich aus der Netzstruktur heraus zu erklären. Gegen diesen Ansatz spricht nach Emirbayer und Goodwin, dass der Wandel der Netzstruktur nicht erklärt werden kann und dass die historische Abfolge in einer Reihe unverbundener statischer Konfigurationen oder relationaler „Schnappschüsse“ von Netzwerkmustern abgebildet wird30. Der zweite Einwand wendet sich gegen die Überbewertung der objektiven strukturellen Rahmenbedingungen (Dimensionen) sozialer Beziehungen gegenüber den subjektiven Motivationen (Dimensionen) der Akteure und ihren kulturellen Inhalten und Auffassungen. Emirbayer und Goodwin sind der Auffassung, dass die Netzwerkstruktur sowohl aus objektiven als auch aus subjektiven Dimensionen besteht und dass es auf das Erkennen und Verstehen der Wechselwirkung beider Momente ankommt (vgl. Emirbayer & Goodwin 1994: 1427).

Der zweite Ansatz „Structuralist Instrumentalism“ [sic] betrachtet zwar auch die Kognitionen der Akteure, allerdings nur verkürzt als instrumentelles Verhalten unter einer Rational-Choice Perspektive [sic]. Die Schwäche dieses Ansatzes sehen Emirbayer und Goodwin in dem historisch viel zu eingeschränkten Rationalitätsbegriff, der die Motivation der Handelnden auf die Nutzenmaximierung reduziert und die „normative commitments“ (Emirbayer and [sic] Goodwin 1994: 1430) vernachlässigt. Damit werden die historischen Rahmenbedingungen als stabil vorausgesetzt und in der Theorie nicht erklärt.

Die dritte Position [sic] der „Structuralist Constructionism“ [sic] betrachtet neben den sozialen und kognitiven Strukturen auch die historische Situation der Akteure.


30 "[...]the study provides little systematic explanation as to precisely why these changes occurred from one historical period to the next, settling instead for a succession of static „map configurations“ or relational „snapshots“ of network patterns. The individual and social actions that led from one structural configuration of reform activity to the next are left unanalyzed, as are the developments in social structure and cultural and political discourse that underlay and motivated them” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1426-1427 Hervorhebungen im Original).


Emirbayer, Mustafa/Godwin [sic], Jeff (1994) Network Analysis, Culture and the Problem of Agency. In: American Journal of Sociology, Nr. 99, 1411-1454.

[Seite 136]

Die dritte Position

[Seite 137]

schließlich beachtet stärker als die anderen auch die besondere historische Situation, in der sich die Akteure befinden‚ und die von ihnen im Handeln hervorgebrachten sozialen sowie kognitiven Strukturen. Emirbayer und Goodwin (1994; 1425-6) charakterisieren diese drei Erklärungsweisen wie folgt:

[...] Studies within this perspective accept the prominent role of social actors in history, but ultimately conceptualize their activity in narrowly utility-maximizing and instrumental forms. And finally, the most sophisticated network perspective on social change, which we term structuralist constructionism, thematizes provocatively certain historical processes of identity conversion and ‘robust action.’ It is the most successful of all [sic] these approaches in adequately conceptualizing human agency and the potentially transformative impact of cultural idioms and normative commitments on social action.“ (Hervorhebung im Original)

Gegen (1) den strukturellen Determinismus (der z.B. von Wellman 1988 vertreten wird) spricht nach Ansicht von Emirbayer und Goodwin einmal‚ daß er den Wandel der Netzstruktur nicht erklären kann, sondern die historischen Abläufe lediglich in eine Folge statischer Strukturanalysen, nämlicher unverbundener struktureller Schnappschüsse, zerlegt.35 Im Zusammenhang mit einer von ihnen besprochenen Fallstudie kritisieren sie (S. 1426-7):

„The study provides little systematic explanation as to precisely why these changes occured [sic] from one historical period to the next, settling instead for a succession of static ‛map configurations’ or relational

[Seite 138]

‛snapshots’ of network patterns. The individual and social actions that led from one structural configuration of ... activity to the next are left unanalyzed, as are the developments in social structure and cultural and political discourse that underlay and motivated them.“ (Hervorhebung im Original)

Der zweite Einwand gegen den strukturellen Determinismus ist die Tatsache, daß er die „objektiven“ strukturellen Rahmenbedingungen gegenüber den „subjektiven“ Motivationen der Akteure überbewertet und die Netzstruktur verdinglicht, während diese in Wirklichkeit sowohl aus sozialen als auch kognitiven Momenten besteht und es darauf ankommt, die Wechselwirkung dieser beiden Momente zu verstehen (S. 1428).

Die Schwäche (2) des strukturellen Instrumentalismus ist nach Ansicht von Emirbayer und Goodwin (1994: 1428-30) der eingeschränkte, historisch viel zu allgemeine Rationalitätsbegriff. Er berücksichtigt zwar situationslogisch die Ziele und das Wissen der Akteure im Sinne der Theorie des rationalen Handelns, vernachlässigt ihrer Auffassung nach jedoch die „normative commitments“ der Akteure (S. 1430) und setzt damit die historischen Rahmenbedingungen als stabil voraus [sic] ohne diese in der Theorie erklären zu können.


35 [...]


Emirbayer, M. und J. Goodwin

1994   Network analysis, culture, and the problem of agency. American Journal of Sociology 99, 1411-54.

Wellman, B.

1988   Structural analysis: From method and metaphor to theory and substance. In: Wellman und Berkowitz 1988.
Anmerkungen

Fortsetzung von der Vorseite, siehe Fragment 086 03.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, aus der die Rezeption von Emirbayer & Goodwin (1994) inkl. der Zitatauswahl übernommen wurde.

Die Ergänzung von zwei – in der Dokumentation nicht wiedergegebenen – Sätzen im ersten Zitat sowie jeweils eines bei Schweizer (1996) fehlenden Wortes in beiden Zitaten zeigt immerhin, dass auch noch einmal bei Emirbayer & Goodwin nachgeschlagen wurde; trotzdem übernimmt die Verf.in lediglich die Hinweise auf die "Hervorhebung[en] im Original", macht die Kursivierungen selbst aber nicht kenntlich.

Diverse Textumstellungen der Verf.in erschweren die visuelle Nachvollziehbarkeit der Parallelen, dennoch wurde darauf verzichtet, die Textstruktur des Quellentextes aufzulösen und die von den drei Seiten übernommenen Inhalte passagenweise adäquat der Struktur des untersuchten Textes zuzuordnen.

Die eigentliche Quelle Schweizer (1996) wird erst wieder auf Seite 88 unten für ein kurzes wörtliches Zitat genannt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[100.] Mhg/Fragment 088 01 - Diskussion
Bearbeitet: 23. March 2017, 21:52 Schumann
Erstellt: 23. December 2016, 10:12 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Schweizer 1996

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 88, Zeilen: 1-28(29-35)
Quelle: Schweizer 1996
Seite(n): 139, 140, Zeilen: 139: 10ff., 23 ff.; 140: 1 ff.
Allerdings gibt es auch hier wieder zwischen den historischen Bedingungen und den Kognitionen ein kausales Ungleichgewicht gegenüber der Netzstruktur.

Emirbayer und Goodwin fassen ihre Einwände gegen die drei Erklärungsansätze der Netzwerktheorie wie folgt zusammen:

„While each of these three models does represent a more nuanced understanding of the complex interrelationships among networks, culture, and agency than the one preceding, none completely succeeds by itself in addressing all of the difficult issues at hand. The model of structuralist determinism, for one, features a succession of network "snapshots" of social structure, while neglecting altogether the potential causal significance of symbolic and discursive formations and offering few insights into the concrete historical mechanisms leading from one such network configuration to another. Structuralist instrumentalism, by contrast, clearly acknowledges the explanatory significance of social action, but, on the other hand, conceptualizes the determinants of such action in excessively narrow terms, often relying on unwarranted assumptions about the overriding importance to historical actors of money, Status, and power. And finally, structuralist constructionism affirms the possibility that actors' goals and aspirations might well be complex, multivalent, and historically determined; it inquires, for example, into such intricate processes as identity conversion, structural channeling of learning, and flexible opportunism. And yet not even this model, at east [sic] as it has been elaborated by network analysts to date, fully recognizes the (potentially) autonomous causal significance of cultural or political discourses in shaping the complex event sequences that it examines’" (Emirbayer und Goodwin 1994: 1436 Hervorhebungen im Original).

Im letzten Teil ihres Aufsatzes entwickeln Emirbayer und Goodwin ihre eigene Grundidee, nämlich, dass den vorhandenen kulturellen Bedeutungen dasselbe kausale Gleichgewicht einzuräumen ist wie der Netzstruktur. Damit soll verdeutlicht werden, dass die Einbettung der Denk- und Gefühlswelt historischer Akteure ebenso wie die Netzstruktur Handlungen einschränken können.

[„We propose that these cultural formations are significant because they both constrain and enable historical actors, in much the same way as do network structures themselves” (Emirbayer und Goodwin 1994: 1440).

Das bedeutet, dass für eine hinreichende Erklärung sozialen Handelns, [sic] sowohl die Struktur der Netzwerke als auch die Struktur der “kulturellen Bedeutungssysteme in bestimmten historischen Situationen“ (Schweizer 1996: 140) analysiert werden muss.]

Doch auch hier erhalten die historischen Rahmenbedingungen und die Kognitionen noch nicht das gleiche kausale Gewicht wie die Netzstruktur. [...] Ihre Einwände an den drei Erklärungsansätzen der Netzwerktheorie fassen Emirbayer und Goodwin (1994: 1436) folgendermaßen zusammen:
„While each of these three models does represent a more nuanced understanding of the complex interrelationships among networks, culture, and agency than the one preceding, none completely succeeds by itself in addressing all of the difficult issues at hand. The model of structuralist determinism‚ for one, features a succession of network ‘snapshots’ of social structure, while neglecting altogether the potential causal significance of symbolic and discursive formations and offering few insights into the concrete historical mechanisms leading from one such network configuration to another. Structuralist instrumentalism, by contrast, clearly acknowledges the explanatory significance of social action, but, on the other hand, conceptualizes the determinants of such action in excessively narrow terms, often relying on unwarranted assumptions about the overriding importance to historical actors of money, status, and power. And finally, structuralist constructionism affirms the possibility that actors' goals and aspirations might well be complex, multivalent, and

[Seite 140]

historically determined; it inquires, for example, into such intricate processes as identity conversion, structural channeling of learning, and flexible opportunism. And yet not even this model, at least as it has been elaborated by network analysts to date, fully recognizes the (potentially) autonomous causal significance of cultural or political discourses in shaping the complex event sequences that it examines.“ (Hervorhebungen im Original)

Die dann folgende Hauptidee von Emirbayer und Goodwin besteht darin, daß sie den in einer Gemeinschaft — einem sozialen Netzwerk — vorhandenen kulturellen Bedeutungen ein gleiches kausales Gewicht wie der Netzstruktur einräumen. Eine bestimmte Denk— und Gefühlswelt, in der die historische Akteure eingebettet sind, schränkt ihre Handlungen ein, ermöglicht aber ebenso wie eine bestimmte Netzstruktur bestimmte Handlungen (S. 1440). Folglich kommt es in einer adäquaten Erklärung sozialen Handelns darauf an, sowohl die Struktur der sozialen Netzwerke als auch die Struktur der kulturellen Bedeutungssysteme in bestimmten historischen Situationen zu analysieren.

Anmerkungen

Die Quelle ist am Ende - für ein kurzes wörtliches Zitat - genannt. Der Umfang der Übernahme wird daraus nicht ersichtlich.

Trotz des Vermerks "Hervorhebungen im Original" am Ende des mitübernommenen langen Zitats finden sich im Text der Verf.in keinerlei Hervorhebungen.

Das (anscheinend eigenständig gefundene) zweite Zitat sowie der letzte Satz bleiben bei der Zeilenzählung unberücksichtigt.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[101.] Mhg/Fragment 089 01 - Diskussion
Bearbeitet: 8. February 2017, 13:31 Schumann
Erstellt: 7. February 2017, 20:34 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Windeler 2001

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 89, Zeilen: 1-5, 15-18
Quelle: Windeler 2001
Seite(n): 117, 122, Zeilen: 117: 14 ff.; 122: 23 ff.
[Die strukturelle Netzwerkanalyse kann die erste Forderung von Barnes (1954)] weitestgehend erfüllen, indem sie die sich „kreuzenden Verbindungen“ zwischen den Akteuren in ihren Strukturen auf vielfältige Art und Weise erfasst. Jedoch die zweite Forderung von Barnes, die Vermittlung zwischen der Regelmäßigkeit der Beziehungsmuster und den Handlungsweisen der Akteure, wird nur unzureichend erklärt.

[...]

In Bezug auf die Vermittlung von Handlung und Struktur wird in den bisherigen Ansätzen ein doppelter Reduktionismus bei der Anwendung des Strukturbegriffs offensichtlich. Zum einen wird die Sozialstruktur mit Beziehungsstruktur gleichgesetzt [und zum anderen wird die Sozialstruktur als Regelmäßigkeit der Beziehungsmuster zwischen konkreten Einheiten angesehen (vgl. Trenzzini 1998: 537).]

[Seite 117]

Lediglich die erste Anforderung von Barnes (1972, 2) an Netzwerktheorien ist weitgehend erfüllt (siehe nochmals die einleitenden Bestimmungen im Kapitel I). Die strukturelle Netzwerkanalyse kann die sich ,kreuzenden‘ Bande zwischen Personen, Organisationen und anderen Einheiten in ihren Strukturen (im Sinne von Regelmäßigkeiten) auf vielfältige Art und Weise erfassen. Die Vermittlung der Regelmäßigkeit der Beziehungsmuster mit den Handlungsweisen der Personen, Organisationen und mit sozialen Institutionen - und damit die zweite Barnessche Anforderung an Netzwerktheorien - wird dagegen nur höchst unzureichend erfaßt.

[Seite 122]

Ins Auge fällt ferner ein doppelter Reduktionismus bei der Verwendung des Strukturbegriffs. Sozialstruktur wird (1.) mit Beziehungsstruktur gleichgesetzt. [...] (Trezzini, 1998, 538)

Anmerkungen

Weiter unten auf der Seite wird auf S. 123 der Quelle verwiesen, daher Einordnung als Bauernopfer.

Die holprige Formulierung des zweiten Satzes geht auf den Versuch leichter sprachlicher Variation zurück.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[102.] Mhg/Fragment 090 22 - Diskussion
Bearbeitet: 1. March 2017, 18:53 Schumann
Erstellt: 1. March 2017, 15:34 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Neuberger 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 90, Zeilen: 22-24
Quelle: Neuberger 1995
Seite(n): 305, Zeilen: 2 ff.
Seine Überlegungen münden im Konzept der Dualität, in welchem sich Handlung und Struktur nicht als Gegensätze gegenüberstehen, sondern zwei Momente desselben Ganzen sind. Die Figur der 'Dualität der Struktur' ist oben (siehe die Skizze auf S. 291) schon veranschaulicht worden. Es geht um die These, daß sich Handlung und Struktur nicht als Gegensätze gegenüberstehen, sondern zwei Momente desselben Ganzen sind.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der untersuchten Arbeit an keiner Stelle erwähnt wird.

Unmittelbar zuvor und danach führt die Verf.in Giddens (1988) mit jeweils einem längeren wörtlichen Zitat an; bei diesem findet sich die kurze, aber nichttriviale Aussage so nicht.

Der hier aus einem Kapitel über "Die Strukturationstheorie von Anthony GIDDENS" identisch übernommene Text ist 14 Wörter lang.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[103.] Mhg/Fragment 090 31 - Diskussion
Bearbeitet: 16. March 2017, 21:01 Schumann
Erstellt: 16. March 2017, 14:33 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Giddens 1988, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 90, Zeilen: 31-36
Quelle: Giddens 1988
Seite(n): 52, 53, Zeilen: 52: 29 ff.; 53: 5 ff., 11 ff.
Die sozialwissenschaftliche Forschung beschäftigt sich also weder allein mit der Erfahrung gesellschaftlicher Akteure noch mit der Existenz gesellschaftlicher Totalität, sondern mit den sozialen Praktiken.

Von den Handelnden wird angenommen, dass sie mit den in ihren Handlungen ausgedrückten Lebensformen vertraut sind. Kontinuität von Praktiken und deren Reflexivität setzen sich gegenseitig voraus.

[Seite 52]

Das zentrale Forschungsfeld der Sozialwissenschaften besteht — der Theorie der Strukturierung zufolge — weder in der Erfahrung des individuellen Akteurs noch in der Existenz irgendeiner gesellschaftlichen Totalität, sondern in den über Zeit und Raum geregelten gesellschaftlichen Praktiken.

[Seite 53]

In der Theorie der Strukturierung wird insoweit ein hermeneutischer Ausgangspunkt eingenommen, als anerkannt wird, daß die Beschreibung menschlicher Handlungen eine Vertrautheit mit den in solchen Handlungen ausgedrückten Lebensformen verlangt.

[...] Die Kontinuität von Praktiken setzt Reflexivität voraus, aber Reflexivität ist umgekehrt nur aufgrund der Kontinuität von Praktiken möglich, wodurch eben diese über Raum und Zeit hinweg als identische reproduziert werden.

Anmerkungen

Giddens (1988) wird unmittelbar zuvor zweimal mit längeren wörtlichen Zitaten angeführt. Für die vorliegenden Ausführungen gibt die Verf.in jedoch trotz wörtlicher Nähe keine Quelle an.

Fortsetzung in Fragment 091 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[104.] Mhg/Fragment 091 01 - Diskussion
Bearbeitet: 16. March 2017, 21:07 Schumann
Erstellt: 8. March 2017, 12:27 (162.220.59.66)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Giddens 1988, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 91, Zeilen: 1-14
Quelle: Giddens 1988
Seite(n): 53, 54, 55, Zeilen: 53: 14 ff.; 54: 2 ff.; 55: 1 ff.
[Reflexivität bedeutet] nicht nur Selbstbewusstsein, sondern deutet auch auf die Möglichkeit der Einflussnahme der Individuen durch Handlungen auf den Fluss gesellschaftlichen Lebens hin. Rationalisierung wird weniger als ein Prozess verstanden, sondern mehr als routinemäßiger Charakterzug der Handlung sowie der Kompetenz der Akteure, theoretische Gründe für ihr Handeln zu entwickeln. Sie bildet die Basis für die wechselseitige Beurteilung der generalisierten Kompetenz der Akteure. Die Gründe, die die Akteure allerdings diskursiv für ihr Tun anbieten, können von ihren eigentlichen Gründen divergieren. Die Frage nach den Intentionen des Handelns wird besonders bei abweichenden Verhaltensweisen wichtig. Die Handlungen als solche werden nur durch ein „diskursives“ Element der Aufmerksamkeit auf die durée durchlebter Erfahrung konstituiert. Die Reflexivität des Handelns schließt die Kontrolle sozialer und physischer Aspekte des Bezugsrahmens ein. Das gemeinsame Wissen ist den Akteuren allerdings nicht direkt zugänglich. [Seite 53]

Deshalb sollte man »Reflexivität« nicht bloß als »Selbstbewußtsein« verstehen; vielmehr ist damit der Umstand gemeint, daß die Handelnden auf den fortlaufenden Prozeß des gesellschaftlichen Lebens steuernden Einfluß nehmen.

[Seite 54, Z. 10 ff.]

Die Rationalisierung von Handeln, die sich auf die »Intentionalität« als Prozeß bezieht, ist wie die beiden anderen Dimensionen ein routinemäßiger Charakterzug menschlichen Verhaltens und wird von den Akteuren in stillschweigender Weise geleistet.

[Seite 54, Z. 19 ff.]

Die Rationalisierung des Handelns in den verschiedensten Interaktionszusammenhängen bildet die grundlegende Basis für die wechselseitige Beurteilung ihrer generalisierten »Kompetenz« seitens der Akteure.

[Seite 54, Z. 28 ff.]

Ein wenn auch relativ oberflächlicher Aspekt dieses Phänomens kann in der alltäglichen Beobachtung gefunden werden, daß die Gründe, die Akteure diskursiv für ihr Tun anbieten, von der Rationalisierung des Handelns divergieren können, wie sie wirklich im Verhaltensstrom dieser Akteure eingelagert ist.

[Seite 54, Z. 22 ff.]

Freilich sollte klar sein, daß der Tendenz einiger Philosophen, Gründe mit »normativen Verpflichtungen« gleichzusetzen, widerstanden werden muß: solche Verpflichtungen umfassen lediglich einen Teil der Rationalisierung des Handelns. Wird dies nicht erkannt, begreift man auch nicht, daß Normen als »wirkliche« Grenzen des gesellschaftlichen Lebens fungieren, denen gegenüber eine Reihe von instrumentellen Verhaltensweisen möglich sind.

[Seite 54, Z. 2 ff.]

»Handeln« setzt sich nicht aus einzelnen diskreten, voneinander klar geschiedenen »Handlungen« zusammen: »Handlungen« als solche werden nur durch ein diskursives Moment der Aufmerksamkeit auf die durée durchlebter Erfahrung konstituiert.

[Seite 55, Z. 29 ff.]

Die reflexive Steuerung des Handelns seitens des Akteurs ist ein integraler Charakterzug des Alltagshandelns und richtet sich nicht nur auf das eigene Verhalten des Akteurs, sondern auch auf das anderer Akteure. Das bedeutet, daß Akteure nicht nur kontinuierlich den Fluß ihrer Aktivitäten steuern und dasselbe von anderen Akteuren erwarten; sie kontrollieren routinemäßig ebenso die sozialen und physischen Aspekte des Kontextes, in dem sie sich bewegen.

[Seite 54, Z. 39]

Die große Masse des »Wissenvorrates« (Schütz) bzw. dessen, was ich lieber

[Seite 55, Z. 1 f.]

das in Begegnungen inkorporierte gemeinsame Wissen nenne, ist dem Bewußtsein der Akteure nicht direkt zugänglich.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 090 31.

An die Ausführungen der Verf.in schließt sich eine ausgewiesene, von ihr "Stratifikationsmodell des Handelns" betitelte Abbildung aus Giddens (1988), S. 56, an. Trotz wörtlicher Nähe nennt sie diesen für Erstere jedoch nicht als Quelle.

Der gerafft übernommene Inhalt wurde stark umformuliert. Noch deutlicher treten die inhaltlichen und strukturellen Parallelen visuell hervor, wenn beide Texte mit dem VroniPlag-Vergleichswerkzeug bei Einstellung einer minimalen Fundstellenlänge 2 verglichen werden. Da es dann aber auch zur Mitanzeige einiger irreführender Fehlparallelen käme, wurde für die Synopse die Länge 3 gewählt.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[105.] Mhg/Fragment 091 15 - Diskussion
Bearbeitet: 1. March 2017, 19:14 Schumann
Erstellt: 1. March 2017, 18:26 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Windeler 2001

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 91, Zeilen: 15-21
Quelle: Windeler 2001
Seite(n): 179, Zeilen: 1 ff.
Im Kern des Stratifikationsmodells des Handelns wird betont, dass die handelnden Akteure in einem reflexiven Kontakt mit dem Geschehen, den Gründen und Motiven des Handelns stehen. Die Randzonen verweisen darauf, dass es jedoch eine Reihe von Dingen gibt, die sich dem reflexiven Zugriff der Akteure entziehen und die ihnen als unerkannte Bedingungen und unbeabsichtigte Handlungsfolgen wieder begegnen, und damit nicht vom Handeln losgelöst sind. Der ‚innere Kern‘ des ,Schichtenmodell des Handelnden‘ verweist auf den reflexiven Kontakt der Handelnden mit dem Geschehen, den Gründen und mit Motivationen des Handelns. Die ‚Ränder‘ zeigen an: Vieles entzieht sich dem reflexiven Zugriff der Akteure, tritt ihnen jedoch als unerkannte Bedingung und unintendierte Konsequenz wieder entgegen, löst sich also nicht ganz vom Handeln ab (Abb. III-4).75

75 [...]

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[106.] Mhg/Fragment 092 21 - Diskussion
Bearbeitet: 16. March 2017, 21:16 Schumann
Erstellt: 16. March 2017, 13:34 (23.95.97.29)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Walgenbach 2002

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 92, Zeilen: 21-32
Quelle: Walgenbach 2002
Seite(n): 358, 359, Zeilen: 358: 27 ff.; 359: 1 f., 8 ff., 26 ff.
Also Akteure handeln reflexiv und intentional und sie verfügen über ein Wissen um Struktur, das es ihnen ermöglicht, sich innerhalb der Routinen und Praktiken des Lebens zurechtzufinden. Bei Routinen und Praktiken handelt es sich nach Giddens um ein praktisches Wissen, das meist nur in Form von „tacit knowledge“ vorliegt - nicht bewusst und als Bestandteil akzeptiert. Insofern geht praktisches Bewusstsein nur in Ausnahmefallen in diskursives [sic] Bewusstheit über, welches [sic] den Akteur in die Lage versetzt, Strukturen zu benennen. Das Wissen um die Inhalte und Gründe des eigenen Handelns (reflexive Steuerung) ist jedoch ein Grundmerkmal des Handelns. Handeln ist bei Giddens also vor allem reflexives Handeln. Dabei bezieht sich die reflexive Steuerung nicht nur auf die Fähigkeit der Akteure, ihre Motive zu benennen, sondern auch auf die routinemäßige Einbeziehung des Umfeldes in die Interaktion. [Seite 358]

Handelnde (soziale Akteure) sind gemäß der Theorie der Strukturierung mit Reflexionsmächtigkeit und Intentionalität ausgestattete menschliche Wesen. [...] Dieses Wissen, das die sozialen Akteure haben, ist ein "Wissen um Struktur", das jedoch nur "dunkel" ist. Es ist seinem Wesen nach praktisch: Es gründet in dem Vermögen, sich innerhalb der Routinen, den kontinuierlichen Praktiken des Lebens zurechtzufinden (Giddens 1984b: 4).

Mit den Konzepten des (handlungs)praktischen Wissens bzw. der (handlungs)praktischen Bewußtheit, die zentral für die Grundlegung der Theorie der Strukturierung sind, meint Giddens, daß die sozialen Akteure die Struktur des jeweiligen Kontextes, in dem sie in Interaktion treten, nicht oder zumindest nicht vollständig zu benennen vermögen. Struktur ist den Akteuren zwar im Geiste, d.h. in Form von Erinnerungsspuren ("memory traces")‚ gegenwärtig, allerdings meist nur in stillschweigender ("tacit"), dunkler, nichtbewußter oder implizit akzeptierter Form.

[Seite 359, Z. 1 f.]

Handlungspraktische Bewußtheit kann jedoch in diskursive Bewußtheit übergehen. Das heißt, daß der Akteur dann die Struktur zu benennen vermag.

[Seite 359, Z. 8 ff.]

Nach Giddens ist die reflexive Steuerung des Handelns jedoch ein generelles Kennzeichen des Alltagshandelns. Die Akteure haben - gemäß der Theorie der Strukturierung - ein Verständnis oder Wissen um die Inhalte und Gründe des eigenen Handelns.

[Seite 359, Z. 26 ff.]

Handeln vollzieht sich nach Giddens als ein kontinuierlicher Strom reflexiven Handelns. [...] In alltäglichen Interaktionszusammenhängen meint reflexive Handlungssteuerung insofern auch den routinemäßigen Einbezug des Umfeldes der Interaktion. Die reflexive Steuerung des Handelns richtet sich nicht nur auf das eigene Verhalten, sondern auch das anderer.


Giddens, A. 1984b: The Constitution of Society. Cambridge

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[107.] Mhg/Fragment 093 01 - Diskussion
Bearbeitet: 16. March 2017, 21:29 Schumann
Erstellt: 16. March 2017, 13:41 (23.95.97.29)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Walgenbach 2002

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 93, Zeilen: 1-6
Quelle: Walgenbach 2002
Seite(n): 361, 362, Zeilen: 361: 21 ff., 45 ff.; 362: 1 ff.
[Struktur ist bei Giddens kein stabiler Zustand, sondern] ein Prozess der Produktion und Reproduktion. Weiter wird sie als Regel, die als handlungspraktisches Wissen, welches den subjektiven Akteur beeinflusst, und als Ressource, welche das Handlungsvermögen der Akteure begründet, verstanden. Es werden zwei Arten von Ressourcen unterschieden: allokative Ressourcen (Herrschaft über Objekte) und autorative Ressourcen (Möglichkeit der Umgestaltung, Herrschaft über Akteure). [Seite 361, Z. 21 ff.]

Diese Betrachtungsweise findet ihren Niederschlag in dem für diese Theorie zentralen Neologismus Strukturierung, der andeuten soll, daß Struktur als ein Prozeß der Produktion und Reproduktion betrachtet werden muß und nicht als stabiler Zustand (Sewell 1992: 4). [...] Regeln treten dabei in der spezifischen Weise des (handlungs)praktischen Wissens in die Subjektivität der Akteure ein, während die Ressourcen das Handlungsvermögen der Akteure begründen.

[Seite 361, Z. 45 ff.]

Giddens unterscheidet zwei Arten von Ressourcen: Allokative Ressourcen beziehen sich auf Fähigkeiten oder - genauer gesagt - auf Formen des Vermögens zur Umgestaltung, die Herrschaft über Objekte, Güter oder materielle Phänomene generieren.

[Seite 362]

Autoritative Ressourcen beziehen sich auf Formen des Vermögens zur Umgestaltung, die Herrschaft über Personen oder Akteure ermöglichen (Giddens 1984b: 33; Cohen 1990: 43).


Cohen, I.J. 1990: Structuration theory and social order: Five issues in brief. In: Clark, J./Modgil‚ C./Modgil, S. (Hrsg.): Anthony Giddens - Consensus and Controversy. London: 33-45

Giddens, A. 1984b: The Constitution of Society. Cambridge

Sewell, W.H. Jr. 1992: A theory of structure: Duality, agency, and transformation. In: AJS 85: 1-29

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist.

Die Erläuterung der beiden Ressourcenarten wird von der Verf.in stark verkürzt übernommen.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[108.] Mhg/Fragment 093 15 - Diskussion
Bearbeitet: 1. March 2017, 19:27 Schumann
Erstellt: 1. March 2017, 15:37 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Neuberger 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 93, Zeilen: 15-17, 19-25
Quelle: Neuberger 1995
Seite(n): 291, 300, Zeilen: 291: 10 ff.; 300: 11 ff., 20 ff.
Unter dem Begriff der Strukturation versteht Giddens die Art und Weise, wie durch die Akteure ein soziales System in Anwendung allgemeiner Regeln und Ressourcen in sozialen Interaktionen produziert und reproduziert wird. [...] Die Struktur ist also im Handeln der Akteure internalisiert und hat eine virtuelle Existenz, die nur im konkreten Handeln zur Wirklichkeit wird. Die Strukturen beschränken nicht nur die Akteure in ihrem Handeln, sondern sie sind ebenso Grundlage ihres Handelns. Die Strukturen binden Raum und Zeit und überwinden dadurch die Flüchtigkeit und Beliebigkeit von Handlungen/Interaktionen. Diese werden dadurch auf Dauer gestellt und universalisiert. [Seite 291]
"[...] Die Strukturierung eines sozialen Systems zu untersuchen, heißt die Art zu untersuchen, durch die dieses System, in Anwendung allgemeiner Regeln und Ressourcen, in sozialen Interaktionen produziert und reproduziert wird. [...]" (GIDDENS 1977, S. 118).

[Seite 300]

GIDDENS bemüht sich zu zeigen, daß die Struktur in das Handeln der Subjekte eingeschrieben ist, daß sie eine virtuelle Existenz hat und nur wirklich wird im konkreten Handeln (und in Erinnerungsspuren). [...]

GIDDENS hält immer wieder fest, daß Strukturen (für ihn: Regeln und Ressourcen) die Akteure nicht nur zwingen, sondern sie als Handelnde erst ermöglichen bzw. ihr Handeln ermöglichen.

Das Entscheidende an Strukturen ist - abstrakt gesprochen -, daß sie Raum und Zeit binden. Die Flüchtigkeit und Beliebigkeit von Handlungen/Interaktionen wird durch sie überwunden; Handlungen werden auf Dauer gestellt ('chronifiziert', also verzeitlicht) und universalisiert: [...]


GIDDENS‚ Anthony (1977): Functionalism: Après la Lutte. In: GIDDENS, A.: Studies in Social and Political Theory. London (Hutchinson), 96-129. [Appendix: 'Notes on the theory of structuration' (130-135)].

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die nirgends genannt wird.

Giddens (1977) wird ebenfalls an keiner Stelle erwähnt.

Fortsetzung in Fragment 094 01.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[109.] Mhg/Fragment 094 01 - Diskussion
Bearbeitet: 1. March 2017, 19:50 Schumann
Erstellt: 1. March 2017, 15:46 (162.220.59.66)
Fragment, Gesichtet, Mhg, Neuberger 1995, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
162.220.59.66
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 1-3, 6-8
Quelle: Neuberger 1995
Seite(n): 291, 301, Zeilen: 291: 12 ff.; 301: 10 ff.
[Mit dem Begriff der rekursiven Handlung] wird zum Ausdruck gebracht, dass sie in ihrem Vollzug - ohne dass dies die Akteure bewusst intendieren - jene Bedingungen reproduzieren, die sie ermöglichen.

[Ein soziales System ist eine „[...] Ordnung sozialer Beziehungen über Raum und Zeit hinweg, sofern diese als reproduzierte Praktiken aufgefasst werden“ (Giddens 1988, S. 432).] Damit sind Systeme raum-zeitlich (re-)produzierte Handlungszusammenhänge, die keine Strukturen sind, sondern Strukturen haben.


Giddens, Anthony (1988) Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt/New York.

[Seite 301]

Wenn Handlungen rekursiv genannt werden, dann ist damit zum Ausdruck gebracht, daß sie in ihrem Vollzug - ohne daß das die Akteure bewußt intendieren - jene Bedingungen reproduzieren, die sie ermöglichen.

[Seite 291]

"[...] Soziale Systeme, die Interaktionssysteme sind, sind keine Strukturen, obgleich sie notwendigerweise Strukturen haben. [...]" (GIDDENS 1977, S. 118).

In diesem Zitat ist auch GIDDENS' Unterscheidung zwischen 'Struktur' und 'System' angedeutet: Ein System ist "die Ordnung sozialer Beziehungen über Raum und Zeit hinweg, sofern diese als reproduzierte Praktiken aufgefaßt werden" (GIDDENS 1992, S. 432). Systeme sind raum-zeitlich (re-)produzierte Handlungszusammenhänge, Strukturen sind Zusammenhänge von Regeln und Ressourcen.


GIDDENS‚ Anthony (1977): Functionalism: Après la Lutte. In: GIDDENS, A.: Studies in Social and Political Theory. London (Hutchinson), 96-129. [Appendix: 'Notes on the theory of structuration' (130-135)].

GIDDENS, Anthony (1984/1992): The Constitution of Society. Outline of the Theory of Structuration. Cambridge (Polity Press). Deutsch (1992): Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt (Campus)

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 093 15.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der untersuchten Arbeit nirgends genannt wird.

Wenn man die marginalen Änderungen im kopierten Text im ersten Satz außer Acht lässt, übernimmt die Verf.in dort 21 Wörter am Stück.

Bis auf das Zitat finden sich deren Aussagen bei Giddens (1988) so nicht (der in eckige Klammern gesetzte Satz geht in die Zeilenzählung nicht mit ein). Giddens (1977) erwähnt sie ebenfalls an keiner Stelle.

Sichter
(162.220.59.66) Schumann

[110.] Mhg/Fragment 094 11 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 23:52 Schumann
Erstellt: 13. March 2017, 15:11 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Walgenbach 2002

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 94, Zeilen: 11-25, 29-38
Quelle: Walgenbach 2002
Seite(n): 369, 370, 371, 372, 373, 374, Zeilen: 369: 1, 19 ff., 27 ff., 38 ff.; 370: 1 ff., 23, 43 ff.; 371: 32 ff., 40 ff.; 372: 16, 32 ff.; 373: 45 ff.; 374: 21 ff.
3.3.5.1 Kritik an der Theorie der Strukturierung

Giddens [sic] Begriffsstrategie in Rahmen seiner Theorie der Strukturierung ermöglicht es, aus verschiedenen Richtungen Kritik zu üben. So zitiert er verschiedene Quellen, was eine gewisse Heterogenität schafft. Dies impliziert zwar keine Inkonsistenz der Theorie, schafft aber dennoch Skepsis.

Ein bedeutenderer Kritikpunkt ist die fehlende klare Linie in der Argumentation der Theorie. Die Argumente folgen eher konzentrischen Kreisen rund um den Begriff der Dualität als einem roten Faden. Die Folge der Wiederholungen schafft eher Verwirrung als eine Klärung der Begriffe, was dazu führt, dass die Definitionen des rationalen Handelns einerseits, die Reflexionsmächtigkeit andererseits nicht unumstritten sind.

Es entsteht der Eindruck, dass Giddens [sic] Theorie objektivistisch verzerrt ist. Die Menschen haben Wissen über ihre Handlungen, aber das Wissen über Struktur bleibt weitestgehend „im Dunkeln“. Sie haben zwar Gründe für das Handeln, können diese jedoch nicht äußern. [Durch die unerkannten Handlungsbedingungen und die unerkannten Handlungsfolgen reproduzieren sie in ihren Praktiken fortwährend die Struktur, sind dabei aber den strukturellen Zwängen unterworfen (vgl. Sewell 1992).]

Giddens verwehrt sich gegen diesen Vorwurf. Er meint, dass sowohl der Begriff der Regeln wie auch der Ressourcen interpretationsfahig ist, sozialer Wandel wird durchaus möglich. Er will, dass seine Theorie „nur“ als konzeptioneller Rahmen verstanden wird, um die Begriffe Struktur und Handlung zu vereinen. Die Füllung dieser Begriffe mit Inhalten sieht er nicht als seine Aufgabe an. Hier sind die einzelnen Fachgebiete der Sozialwissenschaften gefordert. Den Hang zum Objektivismus kann Giddens nicht wirklich erfolgreich zurückweisen. Die Intentionalität des Handelns, in der Theorie der subjektivistischen Ansätze von zentraler Bedeutung, wird bei Giddens verkürzt: Intentionalität wird vom Handeln abgekoppelt.


Sewell, William H. (1992) A Theory of Structure: Duality, Agency and Transformation. In: American Journal of Sociology, Nr. 98, 1-29.

[Seite 369, Z. 1]

11.4. Kritische Würdigung

[Seite 369, Z. 19 ff.]

Die Widersprüchlichkeit liegt nämlich vor allem in der Giddensschen Begriffsstrategie begründet, die es ermöglicht, aus solch unterschiedlichen, widersprüchlich wirkenden Richtungen Kritik zu üben.

[Seite 369, Z. 27 ff.]

Giddens zitiert eigentlich alles, was Rang und Namen hat. [...] Daß ein solches Vorgehen zuerst einmal Skepsis hervorruft, erscheint verständlich. [...] Von der Heterogenität der benutzten Quellen läßt sich nun einmal nicht zwingend auf Inkonsistenz der Argumente schließen.

[Seite 369, Z. 38 ff.]

Wesentlich bedeutender ist ein Kritikpunkt, der anfänglich eher trivial wirkt, der aber - wie zu zeigen sein wird - tieferliegende Ursachen und weitreichende Konsequenzen hat: [...] Obwohl er eigentlich immer vom gleichen redet - nämlich der Dualität von Struktur, die lediglich in immer neuen Bezügen diskutiert wird - fehlt eine klare Linie, eine schrittweise Darlegung der Theorie. Statt dessen ist seine Argumentation konzen-

[Seite 370, Z. 1 ff.]

trisch, d.h., um die Idee der Dualität von Struktur angeordnet, ohne daß die einzelnen Argumente aufeinander aufzubauen scheinen. Die Folge sind häufige Wiederholungen, die jedoch nicht dazu führen, daß das Gelesene sich nach dem ersten Lesen besonders einprägt, sondern zum Ergebnis haben, daß eher Verwirrung entsteht. [...] Die Verwirrung ist - wie gesagt - nicht zuletzt Folge der Uneindeutigkeiten in der Giddensschen Begrifflichkeit.

[Seite 370, Z. 23]

Ein Fall, der für Verwirrung sorgt, ist die Definition der Rationalisierung des Handelns.

[Seite 370, Z. 43 ff.]

Ein anderer Fall, der für Verwirrung sorgt, betrifft die von Giddens immer wieder prononcierte Reflexionsmächtigkeit der Individuen, die ja in der Theorie der Strukturierung von zentraler Bedeutung ist.

[Seite 371, Z. 32 ff.]

Sehr schnell entsteht dann der Eindruck, daß die Argumentationen in der Theorie der Strukturierung "objektivistisch" verzerrt sind. Die Akteure verfügen zwar über (handlungs) praktisches Wissen, ihr Wissen über Struktur verbleibt jedoch sehr "dunkel"; sie haben zwar Gründe für ihr Handeln, können diese jedoch nicht äußern; und durch die unerkannten Handlungsbedingungen und nichtbeabsichtigten Handlungsfolgen reproduzieren sie fortwährend in ihren Praktiken die Struktur, auf die sie sich beziehen. Sie sind also letztlich durch die Kontextualität des Handelns strukturellen Zwängen unterworfen.

[Seite 371, Z. 40 ff.]

Gegen diesen Vorwurf verwahrt sich Giddens (1984b: 173f.). [...] Giddens verweist aber zugleich auch darauf, daß Regeln interpretationsfähig und somit grundsätzlich für verschiedene Verhaltensweisen offen sind. Auch Ressourcen betrachtet Giddens als in unterschiedlicher Weise einsatzfähig.

[Seite 372, Z. 16]

Giddens leugnet also nicht die Möglichkeit der Generierung sozialen Wandels.

[Seite 372, Z. 32 ff.]

Die Füllung jedoch will Giddens nicht selber leisten. Er sieht seine Leistung und seinen Beitrag vielmehr in der Entwicklung eines grundlegenden Konzeptes "to be used in a selective way in thinking about research questions or interpreting findings" (Giddens 1991: 213). Von daher sollte die Theorie der Strukturierung auch "nur" als ein solcher konzeptueller Rahmen betrachtet werden, der darauf abzielt, die Defizite objektivistischer und subjektivistischer Theorieprogramme zu überwinden. Die Verknüpfungspunkte zwischen der Theorie der Strukturierung und empirischer Forschung liegen dann in der inhaltlichen Füllung der Kernbegriffe Handeln und Struktur (Giddens 1984b: XXIXf.). Es ist also Aufgabe der einzelnen sozialwissenschaftlichen Disziplinen - hier also der Organisationsforschung -‚ die inhaltliche Konkretisierung der abstrakten Konzepte wie Regeln und Ressourcen vorzunehmen bzw. die Entwicklung von Theorien mittlerer Reichweite auf Basis der Theorie der Strukturierung voranzutreiben.

[Seite 374]

Die behauptete Leistung der Konstruktion einer Vermittlung von Handlung und Struktur gelingt Giddens nicht wirklich, da er es in der konkreten Begriffsarbeit nicht schafft, die Vorteile des sozialwissenschaftlichen Handlungskonzeptes in seinen eigenen Ansatz zu integrieren. Insbesondere die inhaltliche Fassung des (handlungs)praktischen Wissens erscheint mit vielen objektivistischen Konnotationen beladen.

[Seite 373]

Die Intentionalität des Handelns, die in den subjektivistischen Ansätzen von zentraler Bedeutung ist, wird vollkommen verkürzt - Intentionalität wird vom Handeln abgekoppelt, übrig bleibt die Handlungsmächtigkeit, Ereignisse auszulösen.


Giddens, A. 1984b: The Constitution of Society. Cambridge

Giddens, A. 1991: Structuration theory: Past, present and future. In: Bryant, C.G.A./Jary, D. (Hrsg.): Giddens' Theory of Structuration - A Critical Appreciation. London: 201-221

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz weist deutliche Parallelen zur Quelle auf, wird jedoch konservativ nicht als Plagiat gewertet, da sich bei Sewell (1992) auf S. 4 entspr. Ausführungen finden, die man in diesem Sinne interpretieren und deshalb zumindest den unspezifischen Verweis als Eigenleistung der Verf.in ansehen könnte.

Fortsetzung in Fragment 095 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[111.] Mhg/Fragment 095 01 - Diskussion
Bearbeitet: 17. March 2017, 13:42 Schumann
Erstellt: 13. March 2017, 15:30 (Schumann)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Walgenbach 2002

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Schumann, 23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 95, Zeilen: 1-4, 5-8
Quelle: Walgenbach 2002
Seite(n): 374, 375, Zeilen: 374: 2 ff., 6 ff., 21 ff.; 375: 16 f., 32 ff.
[Damit machen die Akteure zwar ihre Ge-]schichte selbst, aber diese Geschichte verläuft unintendiert, letztlich zufällig und von wirklicher Gestaltbarkeit kann keine Rede sein. Giddens schafft es nicht in seiner Begriffsarbeit, die von ihm beabsichtigte Brücke zwischen Handlung und Struktur zu schlagen. [Kritiker (vgl. Sewell 1992, Haines 1988) meinen, Giddens habe den Methodendualismus nicht vollends in den Griff bekommen.] Was bleibt ist die Erkenntnis, dass die Theorie der Strukturierung auf jeden Fall eine Bereicherung darstellt, da sie die Spannung zwischen der subjektivistischen und der objektivistischen Sicht auflöst.

Sewell, William H. (1992) A Theory of Structure: Duality, Agency and Transformation. In: American Journal of Sociology, Nr. 98, 1-29.

Haines, Valerie A. (1988) Social network analysis, structuration theory and the holism-individualism debate. In: Social Networks, Nr. 10, 157-182.

[Seite 374, Z. 2 ff., 6 ff.]

Menschen machen zwar ihre Geschichte, aber die Geschichte der Menschen verläuft unintendiert, nicht nach ihren Entwürfen, letztlich zufällig. [...]

Es mag sein, daß Giddens' Theorie der Strukturierung die Wirklichkeit richtig abbildet. Wenn sie es aber tut, dann entpuppt sich die Idee einer wirklichen Gestaltbarkeit von sozialen Systemen, seien es Gesellschaften, seien es Organisationen, als Illusion.

[Seite 374, Z. 21 ff.]

Die behauptete Leistung der Konstruktion einer Vermittlung von Handlung und Struktur gelingt Giddens nicht wirklich, da er es in der konkreten Begriffsarbeit nicht schafft, die Vorteile des sozialwissenschaftlichen Handlungskonzeptes in seinen eigenen Ansatz zu integrieren.

[Seite 375, Z. 16 f.]

Giddens ist es noch nicht wirklich gelungen, das Problem des Methodendualismus in den Griff zu bekommen.

[Seite 375, Z. 32 ff.]

Die "zentrale Figur", nämlich das Konzept der Dualität von Struktur, erscheint [...] von nicht unerheblicher Bedeutung für die Organisationstheorie, weil sich hier in der Tat eine Möglichkeit der Überwindung des Dualismus zwischen objektivistischen und subjektivistischen Theorieprogrammen andeutet. Die Theorie der Strukturierung enthält eine interessante und vielversprechende Idee für einen möglichen Ausweg aus den Dilemmata, in denen sich die Sozialwissenschaften befinden. Das heißt, sie hat einen, wenn auch noch nicht ausgereiften, konzeptuellen Rahmen und methodische Verfahrensweisen zu bieten, mit dem sich die genannten Spannungen harmonisch auflösen lassen könnten.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 094 11.

Kein Hinweis auf die eigentliche Quelle, die in der Arbeit nirgends genannt ist.

Der in eckige Klammern gesetzte Satz weist deutliche Parallelen zur Quelle auf, wird jedoch konservativ nicht als Plagiat gewertet, da sich bei Haines (1988) und Sewell (1992) zwar keine entspr. Aussage findet, man deren Kritik an Giddens aber möglicherweise in diesem Sinne interpretieren und deshalb die beiden unspezifischen Verweise als Eigenleistung der Verf.in ansehen könnte.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[112.] Mhg/Fragment 099 06 - Diskussion
Bearbeitet: 22. July 2017, 15:19 Stratumlucidum
Erstellt: 10. March 2017, 20:59 (37.187.147.158)
Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung, Windeler 1998

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
37.187.147.158
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 99, Zeilen: 6-40
Quelle: Windeler 1998
Seite(n): 23, 24, 25, Zeilen: 23: 25 ff.; 24: 2 ff., 15 ff., 30 f., 38 f.; 25: 1 ff., 8 ff., 18 ff.
Fassen wir den strukturationstheoretischen Netzwerkansatz zusammen, so sind Unternehmungsnetzwerke soziale Systeme, in denen das Netzwerk nur aus den sozialen Interaktionen und sozialen Beziehungen, d.h. den Geschäftsaktivitäten und Resultaten der sozialen Praktiken der Netzwerkunternehmungen besteht.

Die sozialen Interaktionen und sozialen Beziehungen von Unternehmungen und die in den Geschäftspraktiken erzielten Resultate, die einem Unternehmungsnetzwerk zugerechnet werden, sind nicht voneinander isoliert, sondern sie sind koordiniert und bilden das Unternehmungsnetzwerk. Die Koordination sozialer Beziehungen und sozialer Interaktionen ist immer nur bis zu einem gewissen Grad aktiv und reflexiv, d.h., dass sie nicht unter vollständiger Kontrolle der Akteure steht. Die Geschäftsbeziehungen und -interaktionen zwischen einzelnen Unternehmungen in den Unternehmungsnetzwerken sind in die Geschäftspraktiken eingebettet. Damit wird herausgestellt, dass sich die Unternehmungen in ihrem gemeinsamen Handeln und ihrer Interaktion im Unternehmungsnetzwerk vorrangig an den im Unternehmensnetzwerk vorherrschenden Praktiken orientieren. Das heißt, dass sich die Akteure in ihren Äußerungen, die sich auf das Unternehmungsnetzwerk beziehen, an den Sichtweisen, Bezeichnungen und Bedeutungszuweisungen, die in den Geschäftspraktiken gepflegt werden, und an der Art und Weise der Legitimation und Sanktionierung orientieren.

Die Systemregulation oder auch Netzwerkgovernance löst sich nicht von den sozialen Praktiken, die das Unternehmungsnetzwerk konstituieren, ab. Die Produktion und Reproduktion der Netzwerkgovernances sind im Prozess der Konstitution von Unternehmungsnetzwerken sowohl mit den Interaktionen von Akteuren im Unternehmungsnetzwerk als auch mit ihren institutionellen Praktiken verbunden. Dabei ist das Handeln der Akteure weder durch Strukturen noch durch Netzwerkgovernances oder Marktstrukturen bestimmt, denn Unternehmungen haben im Rahmen der Netzwerkstrukturen die Möglichkeit [sic] anders zu handeln, und ihre Handlungsoptionen sind, [sic] für das Geschehen im Unternehmungsnetzwerk relevant. Für die Einflussnahme auf das Netzwerkgeschehen ist jedoch auch wichtig, dass die Akteure immer ein praktisches Wissen und Verständnis von ihrem Umfeldgeschehen und ihren Interessen haben, so dass sie in der Lage sind [sic] ihre Interessen in das Geschehen einzubringen. Das gilt auch, wenn vieles nicht ihre Aufmerksamkeit erweckt, unintendierte Handlungsfolgen [hervorgerufen werden und große Teile des Netzwerkgeschehens nicht ihrer Kontrolle unterliegen.]

[Seite 23]

[...] In strukturationstheoretischer Sicht ist diese Aussage als abkürzende Redeweise zu verstehen. Denn: Da Unternehmungsnetzwerke soziale Systeme sind, zählen nur die sozialen Interaktionen und sozialen Beziehungen, nur die Geschäftsaktivitäten und die Resultate der sozialen Praktiken der Netzwerkunternehmungen zum Netzwerk, die der Koordination des Netzwerks unterworfen sind und dem Unternehmungsnetzwerk zugerechnet werden – und nicht die Netzwerkunternehmungen selbst.

[Seite 24]

Auch in strukturationstheoretischer Sicht gilt zunächst: Die einem Unternehmungsnetzwerk zugerechneten und zuzurechnenden sozialen Interaktionen und sozialen Beziehungen von Unternehmungen und die in den Geschäftspraktiken erzielten Resultate stehen nicht isoliert nebeneinander. Sie sind koordiniert. Ist das nicht der Fall, kann man nicht von einem Unternehmungsnetzwerk sprechen. Im Gegensatz zu den angesprochenen Theoriepositionen erfolgt die Koordination sozialer Beziehungen und sozialer Interaktionen in strukturationstheoretischer Sicht immer (nur) zu einem gewissen Grad aktiv und reflexiv, d.h. sie ist weder etwas, was sich nur ‘hinter dem Rücken der Akteure’ ereignet, noch etwas, was unter vollständiger Kontrolle der Akteure steht. [...]

Ein weiterer, gegenüber den genannten Sichtweisen markanter Unterschied liegt darin, daß in strukturationstheoretischer Perspektive Geschäftsbeziehungen und Geschäftsinteraktionen zwischen einzelnen Unternehmungen in Unternehmungsnetzwerken als in Geschäftspraktiken eingebettet betrachtet werden. Betont wird damit, daß Unternehmungen in dem, was sie gemeinsam im Unternehmungsnetzwerk unternehmen und wie sie (dabei) miteinander interagieren, sich vorrangig an dem orientieren, wie im Unternehmungsnetzwerk gehandelt wird. Zum Ausdruck kommt das im folgenden: Kompetente Akteure orientieren sich einerseits in ihren auf das Unternehmungsnetzwerk bezogenen Äußerungen an den in Geschäftspraktiken gebrauchten Sichtweisen, Bezeichnungen und Bedeutungszuweisungen, den Arten und Weisen der Legitimation und Sanktionierung; [...]

Die ‘Netzwerkgovernances’ lösen sich – entsprechend – nicht von den das Unternehmungsnetzwerk konstituierenden sozialen Praktiken ab. [...] Die Produktion und Reproduktion der Netzwerkgovernances sind in strukturationstheoretischer

[Seite 25]

Sicht in den Prozessen der Konstitution von Unternehmungsnetzwerken zudem gleichzeitig mit den Interaktionen von Akteuren insbesondere im Unternehmungsnetzwerk und mit institutionelleren Praktiken verbunden. [...]

Ein weiterer genereller Aspekt der alternativen strukturationstheoretischen Sichtweise ist: Das Handeln von Akteuren ist in strukturationstheoretischer Sicht nicht durch Strukturen, durch Netzwerkgovernances oder Marktstrukturen, determiniert. Unternehmungen haben, so die theoretisch begründete Annahme, z.B. im Rahmen der Netzwerkstrukturen immer Möglichkeiten, anders zu handeln, und ihre Möglichkeiten zu handeln, [sic] sind für das relevant, was im Unternehmungsnetzwerk geschieht. [...] Insofern ist auch von Bedeutung, daß Akteure als ‘knowledgeable agents’ immer, wenn auch oft nur ein praktisches Wissen und Verständnis von dem Geschehen (um sie herum) und von ihren Interessen haben, und daß sie in der Lage sind, dieses anzuwenden und ihre Interessen in bestimmter Weise kompetent in das Geschehen einzubringen. Das gilt, auch wenn sich vieles ihrer Aufmerksamkeit entzieht, unintendierte Konsequenzen zeitigt und ein Großteil des Geschehens außerhalb ihrer Kontrolle ist.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle, die in der gesamten untersuchten Arbeit an keiner Stelle erwähnt wird.

Unmittelbar zuvor wird die Dissertation Windelers (2001) wörtlich zitiert; dort finden sich dessen hier wiedergegebene Ausführungen nicht.

Sichter
(37.187.147.158) Schumann

[113.] Mhg/Fragment 100 03 - Diskussion
Bearbeitet: 8. February 2017, 13:24 Schumann
Erstellt: 7. February 2017, 21:14 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Windeler 2001

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 100, Zeilen: 3-10
Quelle: Windeler 2001
Seite(n): 326, Zeilen: 23 ff.
Der strukturationstheoretische Ansatz, insbesondere das Konzept der Dualität, ist bedeutsam für die Entwicklung einer strukturationstheoretisch basierten Netzwerktheorie, da hier ein Mechanismus benannt wird, mit dessen Hilfe die Akteure ihre situativen Interaktionen in Sozialsysteme einbetten und die Sozialsysteme durch die situativen Interaktionen immer wieder neu (re)produzieren. Die Interaktionen, Modalitäten und Strukturen werden aus drei analytisch getrennten Dimensionen des Sozialen gebildet: Signifikation, Legitimation und Herrschaft. Bedeutsam ist das Konzept der Dualität von Struktur im Rahmen der Strukturationstheorie, da es den Mechanismus benennt, über den kompetente Akteure ihre situativen Interaktionen in Sozialsysteme einbetten und Sozialsysteme über situative Interaktionen von Moment zu Moment (re-)produzieren. Als Theorem faßt es grundlegende Einsichten der Strukturationstheorie zusammen.

Interaktionen, Modalitäten und Strukturen bilden sich (entsprechend der Ausführungen im Abschnitt III-5) auf drei nur analytisch trennbaren Dimensionen des Sozialen aus: Signifikation, Domination und Legitimation.

Anmerkungen

Die Quelle findet sich weiter unten - nach der Abb. 5 (mit Referenz Giddens (1988)) - für ein wörtliches Zitat angegeben; dass der zweite Absatz der Seite seinen Inhalt auch bereits von Windeler bezieht, bleibt mangels Kennzeichnung im Dunklen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[114.] Mhg/Fragment 104 13 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 13:40 Schumann
Erstellt: 2. December 2016, 20:02 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 104, Zeilen: 13-34
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 6, 7, Zeilen: 6: letzte Zeile; 7: 1 ff., 20 ff.
Bei Mark Granovetter findet sich der Begriff der „Embeddedness“ (vgl. Granovetter 1985), mit dem die Einbindung des Individuums in die komplexe Struktur gesellschaftlicher Institutionalisierung beschrieben wird. Diese setzt an bei der Integration des Individuums in seine unmittelbare interpersonale Kontaktumwelt. Die interpersonale Kontaktumwelt besteht aus persönlichen, affektiven und eher strikt funktionalen Kontakten. Nimmt man die Definition sozialer Beziehungen von Max Weber, nämlich
“soziales Handeln [...] kann orientiert werden am vergangenen, gegenwärtigen oder künftig erwarteten Verhalten anderer [...]. Soziale Beziehung soll ein seinem Sinngehalt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer heißen“ (Weber 1964 :16, 19),

dann impliziert diese Definition eine Vorwegnahme im Denken und Handeln von Personen, da das Verhalten eventueller Interaktionspartner in Abhängigkeit von einem sinngebenden, die Interaktion bestimmenden Interesse berücksichtigt wird.

Auch bei Luhmann findet sich dieses Verständnis von sozialen Beziehungen, indem er darauf verweist, dass nicht die sozialen Beziehungen und sozialen Rollen das letzte analytische Glied sind, sondern die den sozialen Beziehungen zugrundeliegenden Handlungen und kognitiven Auswahlprozesse (vgl. Luhmann 1970).

Die folgende Abbildung veranschaulicht die kognitiv-antizipativen Elemente eines sozialen Netzwerks.

Mark Granovetter hat hierfür dem [sic] Begriff „embeddedness“ geprägt, der diese Einbindung des

[Seite 7]

Individuums in die komplexe Struktur gesellschaftlicher Institutionalisierung und gesellschaftlicher Organisation beschreibt. Ausgangspunkt dieser gesellschaftlichen Einbindung ist die Integration des Individuums in seine unmittelbare interpersonale Kontaktumwelt, bestehend aus sehr persönlichen, affektiven und eher „schwachen“, strikt funktionalen Kontakten.

[...]

2.2.2) Zur Definition sozialer Beziehungen

"Soziales Handeln (...) kann orientiert werden am vergangenen, gegenwärtigen oder künftig erwarteten Verhalten anderer (...) Soziale Beziehung soll ein seinem Sinngehalt nach aufeinander gegenseitig eingestelltes und dadurch orientiertes Sichverhalten mehrerer heißen." (Weber 1980:11,13; erstmals 1922).

Diese Definition des Begriffes der sozialen Beziehung durch Max Weber hat ihre Gültigkeit nicht verloren. Sie beinhaltet eine antizipative Komponente im Denken und Handeln einer Person zur Berücksichtigung des Verhaltens eventueller Interaktionspartner in Abhängigkeit von einem sinngebenden, die Interaktion bestimmenden Interesse.

Diese Definition sozialer Beziehungen geht über das in der Netzwerkliteratur vorherrschende deskriptive Beschreiben von bestehenden Verbindungen hinaus, weil sie die Frage der inhaltlichen Ausgestaltung und der Intensität der Beziehung ebenfalls beinhaltet. Niklas Luhmann greift dieses Verständnis von sozialen Beziehungen auf, wenn er die Aussage trifft, daß nicht soziale Beziehungen und soziale Rollen das letzte analytische Glied darstellen, sondern die diese sozialen Beziehungen konstituierenden Handlungen und kognitiven Auswahlprozesse (Luhmann 1971a, 1971b, 1975:5-19, 1989:291-293). Abbildung 2 veranschaulicht diese kognitiv-antizipativen Komponenten eines sozialen Netzwerks.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Erst die dem Text nachfolgende Abbildung 6 auf der nächsten Seite wird der Quelle zugeschrieben; daher Kategorisierung als Bauernopfer. (Alternativ wäre auch eine Einordnung als Verschleierung möglich.)

Da erkennbar auch das wörtliche Weber-Zitat aus der Quelle übernommen wurde, geht es in die Zeilenzählung mit ein.

Fortsetzung auf der Folgeseite, siehe 105 01.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[115.] Mhg/Fragment 105 01 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 13:54 Schumann
Erstellt: 19. March 2017, 22:14 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 105, Zeilen: 1-18
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 7, 8, Zeilen: 7: 36; 8: 1 ff., 11 ff.
Mit der Trennung von Handeln und Kognition wird die Annahme verbunden, dass die beteiligten Individuen in einer Wechselbeziehung stehen. Dabei bedingt die Perzeption der Handlung eines Interaktionspartners die zu erwartende Reaktion und das Ziel dieser Handlung. Diese Erwartungen stellen die Grundlage für die Handlung des Empfängers dar. Insofern haben die sozialen Beziehungen prozessualen Interaktionscharakter.

Die kognitive Dimension sozial orientierten Handelns erfasst die Erwartungswerte und zielgerichteten Gründe für die Aufnahme bzw. den Erhalt sozialer Beziehungen. In den Prozess der Entscheidungsbildung gehen dann sowohl die kognitiven Elemente als auch die antizipierten Rektionen der Interaktionspartner ein und führen zu sozialen Handlungen.

Durch diese erwartbaren Reaktionen der Interaktionspartner haben die sozialen Beziehungen nicht nur prozessualen Interaktionscharakter, sondern sie stellen auch Austauschbeziehungen dar. Dabei werden sowohl materielle wie immaterielle Werte ausgetauscht, denen unterschiedliche Motive, Effekte und Abhängigkeiten zugrunde liegen.

So sind Abhängigkeiten in sozialen Beziehungen vor allem in Umwelten mit institutionellem Charakter, wie z.B. in Unternehmen, aber auch in Familien [zu finden.]

[Seite 7]

Die Unterscheidung von Handeln6 und Kognitionen basiert

[Seite 8]

auf der Annahme, daß sich zwischen den beteiligten Individuen eine Wechselbeziehung einstellt. Die Wahrnehmung einer Handlung eines Interaktonspartners bedingt Erwartungen über Reaktionen und über das Ziel der wahrgenommenen Handlung. Diese Erwartungen bilden wiederum die Grundlage für die Handlung des Empfängers. Soziale Beziehungen erscheinen demgemäß als prozessuale Interaktionen. [...]

[...]

Auf der kognitiven, latenten Ebene sozialorientierten Handels finden sich Erwartungswerte und zielgerichtete Gründe für die Aufnahme bzw. die Unterhaltung sozialer Beziehungen. Diese führen über Prozeße [sic] der Entscheidungsbildung, in die auch antizipierte Reaktionen der Interaktionspartner eingehen, zu sozialen Handlungen.

Soziale Beziehungen sind im Hinblick auf diese erwarteten Reaktionen des Interaktions-partners [sic] stets auch Austauschbeziehungen. Zum Tausch kommen hierbei sowohl materielle wie immaterielle Werte, die jedoch auf Abhängigkeiten, Effizienzmotiven oder Synenergie-effekten [sic] beruhen können. Abhängigkeiten finden sich bei sozialen Beziehungen in institutionalisierten Formen (Familie, Unternehmen).


6 [...]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 104 13.

Unmittelbar zuvor ist eine ausgewiesene Abbildung von S. 9 der Quelle reproduziert. Darauf, dass auch die folgenden Ausführungen aus dieser stammen, findet sich bei der Verf.in jedoch kein Hinweis.

Fortsetzung in Fragment 106 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[116.] Mhg/Fragment 106 01 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 14:08 Schumann
Erstellt: 19. March 2017, 22:32 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 106, Zeilen: 1-19
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 8, Zeilen: 19 ff., 35 ff.
Orientiert sich ein fester organisatorischen [sic] Verbund mehrer [sic] Personen auf die Verwirklichung bestimmter Ziele, so sind die sozialen Beziehungen eher auf Effizienzmotive gegründet, umfassen die sozialen Beziehungen eher die affektiven Glückserlebnisse oder Ereignisse, die durch die Mitwirkung anderer Personen entstehen, wie z.B. bei der Sexualität, dann beruhen diese auf Synergieeffekten. Solche Austauschprozesse erfolgen in einem bestimmten Zeitrahmen. Während in punktuellen sporadischen Beziehungen die Austauschleistung der Interaktionspartner in der Regel sofort erbracht wird, kann es bei Beziehungen, die längerfristig angelegt sind, auch zu zeitweiligen Asymmetrien kommen.

Da mit den sozialen Netzwerken in der Regel mehr als zwei Personen erfasst werden, sind die möglichen Formen und Inhalte der jeweiligen Beziehung zwischen den Personen unterschiedlich. Damit gründet sich der Sinngehalt der sozialen Beziehungen in mehreren gleichzeitig vorhandenen Tauschressourcen und das soziale Netzwerk ist ein Geflecht von mehrfachen Interaktionen, die sowohl sporadisch als auch institutionalisiert sein können.

Die Kriterien für die Bestimmung sozialer Beziehungen finden sich somit einerseits in einer sinnorientierten Wechselseitigkeit und andererseits in der Regelmäßigkeit und Intensität.

Effizienzgründe beziehen sich auf Zielverwirklichungen, die einen festen organisatorischen Zusammenschluß mehrerer Personen bedingen, und Synenergieeffekte dienen uns zur Beschreibung der umfassenden affektiven Glückserlebnisse und Ereignisse, die der Mitwirkung anderer Personen bedürfen (Sexualität, Team"geist", Solidaritätsmetapher usw.). Die Abwicklung der Tauschprozeße [sic] ist zeitabhängig. Bei punktuellen, sporadischen Kontakten erfolgt der Tauschprozeß sofort mit Erbringung der Leistung durch den Interaktionspartner, bei längerfristigen Beziehungen sind zwischenzeitliche asymmetrische Beziehungsstrukturen möglich.

Soziale Netzwerke erfassen im Gegensatz zur Dyade zumindest die sozialen Beziehungen von drei Personen unter verschiedenen potentiellen Formen und Inhalten der jeweiligen Verbindungen. Dies bedeutet, daß die Sinnhaftigkeit einer sozialen Beziehung in mehreren gleichzeitig verfügbaren Tauschressourcen begründet ist. Soziale Netzwerke sind demgemäß ein Beziehungsgefüge mehrfacher Interaktionen, die sowohl institutionalisiert als auch punktuell-sporadisch verankert sein können. [...]

Als Bestimmungskriterien sozialer Beziehungen lassen sich demnach eine sinnorientierte Wechselseitigkeit sowie eine Zeitvariable hinsichtlich der Regelmäßigkeit und der emotionalen Intensität gewinnen.

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 105 01.

Am Anfang des im Anschluss beginnenden Unterkapitels 4.1.1 ist eine ausgewiesene Tabelle von S. 10 der Quelle reproduziert. Dass auch die vorliegenden Ausführungen aus dieser stammen, ist für den Rezipienten nicht erkennbar.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[117.] Mhg/Fragment 107 08 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 15:52 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 08:38 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 107, Zeilen: 8-12
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 10, 11, Zeilen: 10: 25 f.; 11: 1, 3 ff.
[Ist das Individuum jedoch fest in institutionelle Substrukturen eingebettet, gestaltet sich die soziale Beziehung eher passiv (vgl. Schenk 1984: 162).] Die Inhalte und oftmals auch die Form der Interaktion scheinen vordefiniert, so dass hier eher eine einseitige Rückwirkung erfolgt und der Begriff der sozialen Beziehung nicht zutrifft, da die Erwartungen des Individuums als Interaktionspartner nicht berücksichtigt werden. [Seite 10]

Es ist bezüglich der Gestaltung der Verbindungen eher passiv, Inhalte und mitunter auch Form der Interaktion sind

[Seite 11]

fixiert, so daß von einer einseitigen Rückwirkung gesprochen werden kann. [...] Da die Erwartungen des Individuums als Interaktionspartner weitgehend unberücksichtigt bleiben, kann im Sinne der Weberschen Definition nicht von einer sozialen Beziehung gesprochen werden.

Anmerkungen

Bei Schenk (1984) findet sich die keineswegs triviale Aussage des zweiten Satzes, der unreferenziert bleibt, nicht.

Der zweite Teil des in eckige Klammern gesetzten ersten Satzes, der nicht in die Zeilenzählung mit eingeht, weist ebenfalls Parallelen zur Quelle auf.

Da am Ende der Vorseite und im ersten Satz des folgenden Abschnitts Pfenning erwähnt wird, Wertung als "Bauernopfer".

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[118.] Mhg/Fragment 108 11 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 14:45 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 09:25 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 108, Zeilen: 11-20
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 21, Zeilen: 16 ff., 23 ff.
Da soziale Beziehungen durch einen prozessualen Charakter gekennzeichnet sind, wird damit impliziert, dass die bereits vorhandenen Beziehungsinhalte einer Beziehung [sic] in Dependenz von Intensität, Regelmäßigkeit und Stabilität dieser Beziehung durch zusätzliche Inhalte ergänzt werden.

Durch die prozessuale Interaktion, die den sozialen Beziehungen zugrunde liegt, kommt es zu möglichen Asymmetrien in der Interaktion und dem unmittelbaren Nutzen der Beziehungen sowie zu sozialen Tauschprozessen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Dazu ist Vertrauen in die Stabilität der Beziehung und in die Bereitschaft der Interaktionspartner, einen Ausgleich zu einem späteren Zeitpunkt zu leisten oder gänzlich darauf zu verzichten, notwendig.

Der prozessuale Charakter sozialer Beziehungen impliziert, daß vorhergehende Beziehungsinhalte in Abhängigkeit von der Intensität, Regelmäßigkeit und Stabilität dieser Beziehung durch weitere, zusätzliche Inhalte ergänzt werden. [...]

[...]

Die prozessuale Kompomente sozialer Beziehungen impliziert eine mögliche Asymmetrie der Interaktionen, des Nutzenflusses und der sozialen Tauschprozesse zu verschiedenen Zeitpunkten. Notwendig hierzu ist eine kognitive Komponente: Das Vertrauen in die Stabilität der Beziehung und in die Bereitschaft von Alter, einen Ausgleich zu einem späteren Zeitpunkt zu lesiten [sic] oder gänzlich darauf zu verzichten.

Anmerkungen

Unmittelbar zuvor verweist die Verf.in auf die Quelle. Dass auch die vorliegenden beiden Absätze sinngemäß aus dieser stammen, macht sie jedoch nicht kenntlich.

Die längsten zusammenhängend übernommenen Wortgruppen betragen 7, 10 und – wenn man den Fehler "lesiten" in der Quelle unberücksichtigt lässt – 13 Wörter.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[119.] Mhg/Fragment 109 26 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 14:51 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 12:01 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 109, Zeilen: 26-31
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 66, Zeilen: 9 ff.
So spiegelt der an der Tönniesschen Typologie von Gemeinschaft und Gesellschaft orientierte Gegensatz von „primären“ und „sekundären“ Beziehungen nicht das heutige Spektrum möglicher sozialer Beziehungen in der Gemeinschaft wider, da durch die Entwicklungen in der Kommunikationstechnologie sowie die erhöhte räumliche Mobilität die Aufnahme und Ausgestaltung unterschiedlicher sozialer Beziehungen wesentlich erleichtert wird. Der an den von TÖNNIES markierten gesellschaftlichen Entwicklungslinien - von der "Gemeinschaft" zur "Gesellschaft" - festgemachte Gegensatz von z.B. "primären" und "sekundären" Beziehungen trägt diesem Spektrum möglicher sozialer Beziehungen in der "community" nicht mehr vollständig Rechnung, da unter anderem durch die Entwicklungen der Kommunikationstechnik, die Erweiterung der sozialen und räumlichen Mobilität und das vergrößerte Freizeitbudget des einzelnen Aufbau und Erhaltung mannigfaltiger, diversifizierter sozialer Beziehungen erleichtert werden.155)

155) Vgl. hierzu und zum folgenden KATZ, F.E.: 1966, S. 200 f., sowie zur genannten Dichotomie TÖNNIES, F.: Gemeinschaft und Gesellschaft. Darmstadt 1970 (ursprünglich 1887).

Anmerkungen

Im vorigen und folgenden Absatz verweist die Verf.in auf die Quelle. Dass auch dieser separate Absatz sinngemäß aus Schenk (1984) entnommen wurde, macht sie jedoch nicht kenntlich.

Sichter
(23.95.97.29), SleepyHollow02

[120.] Mhg/Fragment 110 01 - Diskussion
Bearbeitet: 20. March 2017, 14:58 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 12:14 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 110, Zeilen: 1-13
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 67, 68, Zeilen: 67: 2 ff., 30 f.; 68: 1 ff.
[Auf der anderen Seite bilden aber bestehende gesellschaftliche, soziokulturelle und] schichtspezifische Bedingungen gewisse Hindernisse für die Ausweitung sozialer Netzwerke, so dass sich die in soziale Beziehungen involvierten Personen in dieser Hinsicht häufig ähneln (Schenk 1984: 67).

Aber nicht nur die Personen, sondern auch die Relationen zwischen den einzelnen Knoten können durch eine unterschiedliche Anzahl von Inhalten bestimmt sein. In Abhängigkeit davon, ob mehrere verschiedene Inhalte in einer Beziehung ausgetauscht werden oder nur ein bestimmter Inhaltstyp in der Beziehung existiert, wird zwischen multiplexen und uniplexen Beziehungen unterschieden. Gerade in Bezug auf die Gemeinschafts- und Gesellschaftsdebatte wurden soziale Beziehungen und Netzwerke mit dem speziellen Blick auf die Multiplexität untersucht und davon ausgegangen, dass sich die Multiplexität beim Übergang von der Gemeinschaft zur Gesellschaft in den individuellen Netzwerken verringert.


Schenk, Michael (1984) Soziale Netzwerke und Kommunikation. Tübingen.

[Seite 67]

Auf der anderen Seite bilden aber bestehende gesellschaftliche soziokulturelle und schichtenspezifische Bedingungen gewisse Hindernisse für die Ausweitung sozialer Netzwerke, so daß sich die in soziale Beziehungen involvierten Personen in dieser Hinsicht häufig ähneln.157)

Ebenso wie eine Person in disperse Netzwerke einbezogen ist, so können auch die Relationen zwischen den einzelnen Netzwerkeinheiten bzw. Personen ("Dyaden") von einer unterschiedlichen Anzahl von Inhalten, die innerhalb der Relationen ausgetauscht werden, getragen werden. Je nachdem, ob mehrere, voneinander verschiedene Inhalte innerhalb einer sozialen Beziehung ausgetauscht werden oder nur ein ganz bestimmter Typ von Inhalt, spricht man von multiplexen ("multi-stranded") oder uniplexen ("single-stranded") Relationen.158) [...] Seither wurden des öfteren die Auswirkungen der Modernisierung und Urbanisierung auf die so-

[Seite 68]

zialen Beziehungen und Netzwerke untersucht; in der Regel wird davon ausgegangen, daß beim Übergang von der 'Gemeinschaft' zur 'Gesellschaft' die Multiplexität der individuellen Netzwerke abnimmt.160)


157) KATZ, F.E. spricht insgesamt von "actual networks", "potential networks" und "proximate networks" (1966, S. 203).

158) Vgl. MITCHELL, J.C.: 1969, S. 22. Anschauliche Beispiele für die Bedeutung multiplexer Relationen bieten KAPFERER, B.: 1969, und WHEELDON, P.D.: The Operation of Voluntary Associations. In: MITCHELL, J.C. (ed.): 1969, S. 128-180, bes. S. 161-172.

[...]

160) Vgl. ausführlicher Kapitel III. 4.

Anmerkungen

Bzgl. des kurzen, aber nicht trivialen ersten Satzes wird die Quelle zwar genannt, doch bleibt die Wörtlichkeit der Übernahme ungekennzeichnet.

Die Quelle des darunter folgenden separaten Absatzes bleibt unerwähnt.

Sichter
(23.95.97.29), SleepyHollow02

[121.] Mhg/Fragment 111 09 - Diskussion
Bearbeitet: 21. March 2017, 00:07 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 19:44 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 111, Zeilen: 9-16
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 80, Zeilen: 1 ff.
Sowohl im relationalen wie auch im positionalen Ansatz kann die Aggregation der Untersuchungseinheiten entweder eine einzelne Person (Aktor), mehrere Personen bzw. Subgruppen bilden, oder das gesamte soziale Netzwerk bzw. soziale System bildet die Ebene der Analyse.

Auf der Akteursebene des relationalen Ansatzes werden egozentrierte bzw. personale Netzwerke einer Person in Bezug auf die Dichte, Ausdehnung (Zone) und/oder Multiplexität des Netzwerkes untersucht. Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen betrachtet. Dabei ist von besonderem Interesse, inwieweit [bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Beziehungen zueinander aufweisen und dabei Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, bilden.]

Sowohl im relationalen wie auch im positionalen Ansatz können der Aggregation von Untersuchungseinheiten zufolge 1. eine einzelne Person (Aktor, Ego), 2. mehrere Personen, die Subgruppen formieren, und 3. das gesamte soziale Netzwerk bzw. System die Ebene der Analyse bilden.

Innerhalb des relationalen Ansatzes handelt es sich im ersten Fall der Verankerung ("anchorage") an einer bestimmten Person um die hauptsächlich in der Sozialanthropologie bzw. in der Urbanisierungs- und Modernisierungsforschung thematisierten (1) ego-zentrierten bzw. personalen Netzwerke, die auf ihre Dichte, Ausdehnung (Zone) und/oder Multiplexität untersucht werden. Auf der zweiten Ebene mehrerer Personen (Aktoren) stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Verbindungen zueinander aufweisen und sich als (2) Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, entpuppen.

Anmerkungen

Die Quelle wird erst in der Mitte von S. 112 für ein eingerücktes wörtliches Zitat genannt.

Fortsetzung in Fragment 112 01.

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[122.] Mhg/Fragment 112 01 - Diskussion
Bearbeitet: 21. March 2017, 00:24 Schumann
Erstellt: 20. March 2017, 19:51 (23.95.97.29)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schenk 1984, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
23.95.97.29
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 1-18, 25-29
Quelle: Schenk 1984
Seite(n): 80, 81, 82, Zeilen: 80: 12 ff.; 81: 1 ff., 28 ff.; 82: 1 ff.
[Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen betrachtet. Dabei ist von besonderem Interesse, inwieweit] bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Beziehungen zueinander aufweisen und dabei Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, bilden. Die dritte Ebene bildet das gesamte Netzwerk bzw. System. Hier wird vor allem die Struktur des Gesamtnetzwerkes, insbesondere die Dichte und Zentralität sowie das Vorhandensein und die Verbundenheit von Cliquen untersucht.

Auch beim positionalen Ansatz steht zunächst die einzelne Person als Netzwerkeinheit im Vordergrund. Jedoch wird hier ihre Position innerhalb eines definierten Netzwerkes bzw. Systems unter dem Aspekt der Zentralität oder des Prestiges untersucht. Im Vergleich zum relationalen Ansatz, in dem eine Person in ego-zentrierten Netzwerken verankert ist, stellt die einzelne Person beim positionalen Ansatz nur ein Element von vielen innerhalb des gesamten Systems dar. Jedoch ist sie dann von besonderem Interesse, wenn sie eine zentrale oder strukturell anderweitig bedeutsame Position im gesamten Netzwerk einnimmt.

Auf der zweiten Ebene werden mehrere Personen/Akteure nach strukturell-äquivalenten Positionen gruppiert. Kennzeichnen dichte und "nach innen" orientierte Beziehungen die Cliquen und Cluster im relationalen Ansatz, so stehen im positionalen Ansatz die "Außenbeziehungen" im Fokus der Analyse.

[„Mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz verbindet man eine Zerlegung eines Netzwerkes in Subgruppen, so dass jedes Subset Personen enthält, die dasselbe Muster sozialer Beziehungen zu anderen Personen des Netzwerkes, nicht aber notwendigerweise auch untereinander, aufweisen; es geht also darum, inwieweit eine Menge bzw. ein Set von Personen zu anderen Personen des Netzwerkes ähnliche soziale Beziehungen unterhält“ (Schenk 1984: 81).]

Auf der dritten Ebene des positionalen Ansatzes werden verschiedene Typen sozialer Relationen betrachtet. Daher liegt der Schwerpunkt hier auf den multiplexen Netzwerken. Hinzu kommt noch das Prinzip der strukturellen Äquivalenz, durch die das Ineinandergreifen sozialer Rollen entscheidend präzisiert werden kann.

[„Auf der Basis mehrerer (multiplexer) Netzwerke können mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz die zwischen sozialen Positionen bestehenden Rollensets auf Überlappungen hin untersucht werden, so dass in analytischer Hinsicht eine grundlegende Strukturkomponente sozialer Systeme offengelegt wird“ (Schenk 1984: 81).]

Schenk, Michael (1984) Soziale Netzwerke und Kommunikation. Tübingen.

[Seite 80]

Auf der zweiten Ebene mehrerer Personen (Aktoren) stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Sets von Personen besonders dichte und kohäsive Verbindungen zueinander aufweisen und sich als (2) Netzwerksubgruppen, d.h. Cliquen und Cluster, entpuppen. Schließlich kann auch das (3) gesamte Netzwerk bzw. System auf seine Struktur, insbesondere seine Dichte (Integration) und Zentralität sowie auf den Bestand und die Verbundenheit von Cliquen untersucht werden. [...]

Wenden wir uns nun dem positionalen Ansatz zu, so richtet er sich in der einfachsten Variante zunächst auf die einzelne Netzwerkeinheit (Person), deren Position sich innerhalb eines definierten Netzwerkes bzw. Systems nach der Zentralität (z.B. BAVELAS-Index) oder nach dem Prestige (soziometrische Stars in der Soziometrie) bestimmen läßt. Im Vergleich zu den an einer Person verankerten ego-zentrierten Netzwerken stellt die einzelne Person hier schwer-

[Seite 81]

punktmäßig nur ein Element von vielen innerhalb des gesamten Systems dar. Sie ist aber dann von besonderem Interesse, wenn sie eine (1) zentrale oder strukturell sonstwie bedeutsame Position im gesamten Netzwerk innehat.

Auf der Ebene mehrerer Personen/Aktoren findet die Cliquen- und Clusterbildung des relationalen Ansatzes im positionalen einen Widerpart, indem die Aktoren hier nach (2) strukturell-äquivalenten Positionen gruppiert werden. Während die Cliquen und Cluster im relationalen Ansatz durch dichte und "nach innen" orientierte Verbindungen gekennzeichnet sind, überwiegt im positionalen Ansatz der "Außenaspekt". Mit dem Konzept der strukturellen Äquivalenz verbindet man eine Zerlegung eines Netzwerkes in Subgruppen, so daß jedes Subset Personen enthält, die dasselbe Muster sozialer Beziehungen zu anderen Personen des Netzwerkes, nicht aber notwendigerweise auch untereinander, aufweisen;188) es geht also darum, inwieweit eine Menge bzw. ein Set von Personen zu anderen Personen des Netzwerkes ähnliche soziale Beziehungen unterhält. [...]

Die Idee der "strukturellen Äquivalenz" läßt sich schließlich auch auf der (3) Systemebene fruchtbar machen, indem verschiedene Typen sozialer Relationen Eingang in die Analyse finden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf multiplen (multiplexen) Netzwerken, die bekanntlich mit dem herkömmlichen graphentheoretischen Instrumentarium nicht gleichzeitig analysiert werden können. Die multiplen Netzwerke ermögli-

[Seite 82]

Anschluß [sic] an eine Theorie sozialer Strukturen, sondern auch deren Operationalisierung, kann doch das Ineinandergreifen ("interlocking") sozialer Rollen bzw. deren Interrelation - wie es in multiplen Netzwerken deutlich wird - durch das Konzept der strukturellen Äquivalenz entscheidend präzisiert werden.


[Seite 81:] 1) [sic] [...]

Anmerkungen

Fortsetzung von Fragment 111 09.

Eine Quelle wird lediglich für die beiden in eckige Klammern gesetzten wörtlichen Zitate genannt, die nicht in die Zeilenzählung mit eingehen und hier nur zur Verdeutlichung des Zusammenhangs wiedergegeben werden.

Am Rande bemerkt: Das zweite wörtliche Zitat findet sich in Schenk (1984) an keiner Stelle.

(Der Umbruch von S. 81 auf 82 in der Quelle ist nicht stimmig; Fn. 188 fehlt zudem bzw. findet sich fälschlich als Fn. 1 angegeben.)

Sichter
(23.95.97.29) Schumann

[123.] Mhg/Fragment 113 02 - Diskussion
Bearbeitet: 4. February 2017, 18:03 Schumann
Erstellt: 4. February 2017, 16:04 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 113, Zeilen: 2-10, (10-12), 19-22
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 25, Zeilen: 4 ff.
Mit Hilfe der Sechs-Felder-Tafel wurde weiter oben eine Typologie sozialer Netzwerke vorgestellt. Dabei sind vor allem die partiellen Gesamtnetzwerke und die ego-zentrierten Netzwerke empirisch von Bedeutung. Es wurde deutlich gemacht, dass beide Konzepte sowohl inhaltlich als auch analytisch zu trennen sind. Bei den partiellen Gesamtnetzwerken werden kleine, einzeln abgrenzbare Gruppen untersucht. Dabei steht die Soziometrie der Gruppe im Blickfeld der Untersuchung sowie die gemeinsamen Interessenverbindungen in Kombination mit der sozialen Position der Mitglieder des Netzwerkes sowie der Macht und Hierarchie der Rolleninhaber. „Partiale Gesamtnetzwerke lassen sich als raum- und interessenorientierte soziale Einheiten bezeichnen“ (Pfennig 1995: 25). Ego-zentrierte Netzwerke sind hingegen „individual-orientiert“. (Pfennig 1995: 25), d.h. hier wird nur ein Akteur betrachtet: „Ego” und die Akteure (Alter), mit denen Ego Beziehungen unterhält. [...] Ego-zentrierte Netzwerke untersuchen die Muster sozialer Beziehungen von einzelnen Individuen. Dabei werden nicht nur die primären Beziehungen in die Analyse einbezogen, sondern auch die sekundären und über dritte vermittelten Verbindungen, [und der Multiplexität von Beziehungen wird eine große Aufmerksamkeit zu teil.] In [sic] zweiten Kapitel wurde eine Typologie sozialer Netzwerke dargestellt. Von den theoretisch ableitbaren Netzwerktypen sind lediglich der Typ partialer Gesamtnetzwerke und der Typ egozentrierter Netzwerke empirisch belangvoll. Es wurde aufgezeigt, daß diese Konzepte inhaltlich und analytisch zu trennen sind. Partiale Gesamtnetzwerke beziehen sich auf einzelne, kleine, abgrenzbare Fallgruppen. Im Vordergrund steht die Untersuchung der gemeinsamen Interessenaggregation‚ die Soziometrik der Gruppe im Verbund mit der sozialen Positionierung einzelner Mitglieder‚ die soziale Macht und Hierarchie hinsichtlich der Gruppenrollen sowie der Kommunikationsstil. Es wird jeweils auf den gemeinsamen Kontext der gemeinsamen Interessenwahrnehmung abgestellt. Über partiale Gesamtnetzwerke sind eine Vielzahl empirischer Studien und komplexe Auswertungsverfahren verfügbar. Partiale Gesamtnetzwerke lassen sich als raum- und interessenorientierte soziale Einheiten bezeichnen.

Egozentierte Netzwerke sind individual-orientiert. Sie erlauben die Untersuchung der Muster sozialer Beziehungen einzelner Individuen, die Einbeziehung primärer, sekundärer und drittvermittelter ("schwacher") Relationen.

Anmerkungen

Die Quelle wird zweimal - für zwei kurze wörtliche Zitate (die bei der Zeilenzählung unberücksichtigt bleiben) - genannt; dass aber auch die Aussagen davor und einige danach daraus entnommen sind, bleibt dem Rezipienten mangels Kennzeichnung verborgen.

Man erkennt am Beginn des Fragments auch gut die (öfter feststellbare) Praxis der Verf.in, eine eigenständige Vorgehensweise bzw. Strukturierung zu beanspruchen, obwohl auch in dieser Hinsicht dann lediglich die Struktur anderer Quellen kopiert wird und Inhalte dann mehr oder weniger stark angepasst daraus übernommen werden.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[124.] Mhg/Fragment 114 02 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 14:27 Schumann
Erstellt: 4. February 2017, 18:33 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 114, Zeilen: 2-8, (9-12, 19-20), 21-23, (30-31), 32-34
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 42, 46, 47, Zeilen: 42: 4 f., 10 ff.; 46: 23 ff., 33 ff.; 47: 1 ff.
Die Erhebung von Personen eines Netzwerks über soziale Interaktionen ist stets mit einer Auswahlfrage verknüpft. In vielen Studien wurden ego-zentrierte Netzwerke mit Hilfe von nur einem Stimulus erhoben. Hinter einer solchen Vorgehensweise steht die theoretische Prämisse, dass es einen zentralen Stimulus gibt, der verschiedene Interaktionen multiplex zusammenfasst, oder man nimmt Abstriche bei der Vollständigkeit der Erhebung von relationalen Beziehungen in Kauf.

[„Die Entscheidung für die pragmatische Vorgehensweise oder für die wissenschaftstheoretische Variante zur Erfassung ego-zentrierter Netzwerke obliegt dem Anwender und hängt mit der Gewichtung des Netzwerkkonzeptes im Forschungskontext der jeweiligen Studie zusammen” (Pfennig 1995: 42).]

[...]

[Die Generatoren lassen sich unterscheiden in „interpersonale Namensgeneratoren“ und „kontextorientierte Globalgeneratoren“ (vgl. Pfennig 1995: 46).]

Die interpersonalen Namensgeneratoren wiederum lassen sich in kontextbezogene Namensgeneratoren und stimulusbezogene Namensgeneratoren differenzieren.

[4.4.1 Namensgeneratoren und Namensinterpretatoren

4.4.1.1 Kontextbezogene Namensgeneratoren

Soziale Kontexte umfassen die Interaktionsräume von Ego und seinen Netzwerkpartnem. Dazu gehören die enge und weitere Familie, der Freundeskreis, Nachbarn, Arbeitskollegen, Vereinsmitglieder und der weitere Bekanntenkreis. Dabei werden einzelne Personen aus diesen sozialen Kontexten erfasst. „Entscheidend für die Güte derartiger Operationalisierungen ist die Anzahl der abgefragten sozialen Kontexte“ (Pfennig 1995: 47).]

Der Vorteil dieser Erhebungsmethode liegt in der Berücksichtigung mehrerer sozialer Kontakträume und erfasst mit dem Ziel der Vollständigkeit am ehesten die „soziale Umwelt“ der Befragten.

[Seite 42:]

Die Erhebung von Netzpersonen über soziale Interaktionen ist stets mit einer Auswahlfrage verbunden. [...]

Egozentrierte Netzwerke wurden in vielen Studien nur mittels eines einzigen Stimulus erhoben. Diese Vorgehensweise bedingt als theoretische Prämisse, daß ein zentraler Stimulus existiert, der multiplex verschiedene Interaktionen bündelt, oder erfordert von vornherein Abstriche an den Anforderungen zur Vollständigkeit der Auswahl zentraler relationaler Beziehungen. Die Entscheidung für die pragmatische Vorgehensweise oder für die wissenschaftstheoretische Variante zur Erfassung egozentrierter Netzwerke obliegt dem Anwender und hängt mit der Gewichtung des Netzwerkkonzeptes im Forschungskontext der jeweiligen Studie zusammen.

[Seite 46:]

Die Ausführungen zu diesem Abschnitt lassen sich in einer schematischen Skizzierung von zwei grundsätzlich verschiedenen Operationalisierungsweisen zusammenfassen: den interpersonalen Namensgeneratoren und den kontextorientierten Globalgeneratoren. Interpersonale Namensgeneratoren lassen sich wiederum in kontextbezogene und stimulusbezogene Namensgeneratoren unterscheiden.

[...]

4.2.1) Kontextbezogene Namensgeneratoren

Unter soziale Kontexte werden begrifflich Kommunikationsräume subsumiert, in denen die befragten Zielpersonen mit Netzpersonen kommunizieren und andersweitig interagieren können. Hierunter fallen vornehmlich die Familie, der engere und weitere Freundeskreis, die Nachbarschaft, die Arbeitskollegen (sofern die Zielperson berufstätig ist), Vereinskollegen und der weitere Bekanntenkreis. Erfaßt werden einzelne Personen aus diesen sozialen Kontexten (z.B. die drei

[Seite 47]

besten Freunde). Entscheidend für die Güte derartiger Operationalisierungen ist die Anzahl der abgefragten sozialen Kontexte. [...] Der analytische Vorteil liegt in der Berücksichtigung mehrerer sozialer Kontakträume und damit in einer Vollständigkeit anstrebenden Operationalisierung des Begriffes der sozialen Umwelt.

Anmerkungen

Das Fragment zeigt eine Mischung aus gekennzeichneten und ungekennzeichneten Übernahmen aus Pfenning (1996) - dass der Inhalt nahezu der ganzen Seite daraus stammt (zwischendurch wird auch noch einmal Diaz-Bone (1997) referenziert), mag man aufgrund mehrerer Quellenangaben (aber stets nur für wörtliche Zitate, die bei der Zeilenzählung unberücksichtigt bleiben) zwar vermuten.

Doch bleibt dabei unausgewiesen, dass auch der Inhalt des längeren einleitenden Absatzes wie ebenso die kürzeren (aber nicht trivialen) Ausführungen am Ende zum analytischen Vorteil durch kontextbezogene Namensgeneratoren aus dieser Quelle übernommen wurden.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[125.] Mhg/Fragment 115 08 - Diskussion
Bearbeitet: 6. February 2017, 14:30 Schumann
Erstellt: 4. February 2017, 20:11 (Schumann)
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mhg, Pfenning 1996, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Schumann
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 115, Zeilen: 8-16, (17-19), 20-29, (29-31), 31-33
Quelle: Pfenning 1996
Seite(n): 47, 48, Zeilen: 47: 15 ff.; 48: 1 ff.
4.4.1.2 Stimulusbezogene Namensgeneratoren

Anders als bei den kontextbezogenen Namensgeneratoren werden bei den stimulusbezogenen Namensgeneratoren bestimmte soziale Interaktionen vorgegeben, z.B. gemeinsame Freizeitaktivitäten, das Bereden von wichtigen Dingen, Hilfeleistungen usw.. Damit werden Defizite und begriffliche Unklarheiten bei der Benutzung sozialer Kontexte vermieden. Hier liegt das größte methodische Problem in der Festlegung der Stimulusvorgaben. Damit im Zusammenhang muss die Frage nach der Zentralität sozialer Interaktionen beantwortet werden sowie die Fragen

„nach der Vollständigkeit der Erfassung der Netzpersonen, der Entsprechung der Stimulusvorgaben nach der Interaktionstypologie von sozialer Vernetzung, sozialem Netz und sozialem Netzwerk" (Pfennig 1995: 47).

Vor allem bei den schwachen Beziehungen ist es schwierig diese zu erfassen, da sie meist nur situationsbezogene und punktuelle, oftmals nur einmalige Kontakte darstellen. Um solche Kontakte abzufragen, braucht man eine lange Liste sehr spezifischer Interaktionen.

4.4.1.3 Globalgeneratoren

Bei dieser Erhebungsmethode werden alle mit der Nennung von einzelnen Netzwerkpersonen entstehenden Probleme vermieden, da man sich hier auf die Erfassung sozialer Kontexte konzentriert. Im Gegensatz zu den kontextbezogenen Namensgeneratoren wird hier jedoch nicht innerhalb der vorgegebenen Kontexte nach Einzelpersonen gefragt, sondern „global bzw. generalisiert nach der Struktur der Gesamtheit der betreffenden sozialen Beziehungen“ (Pfennig 1995: 47). So eine Abfrage könnte beispielsweise so aussehen, dass Ego gefragt wird, ob die Mehrzahl seiner Freunde meistens die gleiche Meinung hat wie er, ob sich die meisten Freunde untereinander kennen usw..

4.2.2) Stimulusbezogene Namensgeneratoren

Im Gegensatz zur Vorgabe von sozialen Kontexten werden bei diesen Typ von Namensgeneratoren bestimmte soziale Interaktionen vorgegeben, z.B. über Hilfeleistungen, Gespräche über vertraute Dinge, gesellige Aktivitäten oder gemeinsame Hobbys. Dadurch werden die begrifflichen Unsicherheiten und Defizite bei der Verwendung sozialer Kontexte vermieden. [...]

Das größte methodische Problem ist die Festlegung der Stimulusvorgaben. Dies entspricht der Frage zur Bestimmung der Zentralität verschiedener sozialer Interaktionen. Damit assoziiert sind Fragen nach der Vollständigkeit der Erfassung der Netzpersonen, der Entsprechung der Stimulusvorgaben nach der Interaktionstypologie von sozialer Vernetzung, sozialem Netz und sozialem Netzwerk. Dies gilt insbesondere für die Dimension der sozialen Vernetzung, zu der die drittvermittelten, "schwachen" sozialen Beziehungen zählen. Diese sind zumeist situationsbezogen und stellen punktuelle, oftmals einmalige Kontakte dar Das Abfragen solch punktueller‚ situativer Stimulusvorgaben würde eine lange Liste sehr spezifischer Interaktionen bedingen, um diese drittvermittelten sozialen Beziehungen aufzuspüren.

4.3) Globalgeneratoren

Dieses Erhebungsverfahren vermeidet alle mit der Nennung einzelner Netzpersonen verbundenen Probleme und konzentriert sich auf die Erfassung sozialer Kontexte. Die Unterscheidung zu kontextorientierten interpersonalen Namensgeneratoren besteht darin, daß innerhalb der Vorgegebenen sozialen Kontexte nicht nach Einzelpersonen gefragt wird, sondern global bzw. generalisiert nach der Struktur der Gesamtheit der betreffenden sozialen Beziehungen.

Der Begriff der Struktur der Gesamtheit der betreffenden sozialen Beziehungen definiert sich als bilanzierende

[Seite 48]

Abfrage nach der vorherrschenden Ausgestaltung aller einbezogenen sozialen Relationen. Konkrete Beispiele sind die Abfrage, ob die Mehrzahl der Freunde oft der gleichen Meinung der Befragungperson ist, ob sich die meisten Freunde untereinander kennen und verstehen usw.

Anmerkungen

Zwar ist - für zwei wörtliche Zitate (die bei der Zeilenzählung unberücksichtigt bleiben) - die Quelle genannt; dass aber auch der weitere Inhalt ebenfalls daraus übernommen wurde, bleibt Rezipienten mangels Kennzeichnung verborgen.

Sichter
(Schumann), SleepyHollow02

[126.] Mhg/Fragment 116 09 - Diskussion
Bearbeitet: 10. December 2016, 23:00 Schumann
Erstellt: 27. November 2016, 12:20 (SleepyHollow02)
BauernOpfer, Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 116, Zeilen: 9-35
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 52, 53, Zeilen: 52: letzte zwei Zeilen; 53: 3 ff.
Nachdem das ego-zentrierte Netzwerk erhoben wurde, werden weitere Informationen zu den von "Ego" genannten Personen, den "Alteri", ermittelt.

„Die Fragen, die diese Informationen erheben, sind die Namensinterpretatoren" (Diaz-Bone 1997: 53). Beides zusammen - Netzwerkgeneratoren und Netzwerkinterpretatoren - wird als Netzwerk-Instrument bezeichnet. Die meist beachteten und angewendeten Instrumente sind das Burt-Instrument, das Fischer-Instrument und das Wellmann-Instrument.

4.4.2 Das Burt-Instrument

Das Burt-Instrument wurde 1985 in einer nationalen Zufallsstichprobe in den USA, dem General Social Survey (GSS), verwendet (n = 1534). Burt hat für den GSS von 1985 einen Namensgenerator (Ql) und 14 Namensinterpretatoren (Q2 bis Q15) vorgeschlagen. Die Formulierung von Ql lautet:

"Ql. From time to time, most people discuss important personal matters with other people. Looking back the last six month - that would be back to last august - who are the people with whom you discuss an important personal matter?" (Burt 1984: 331, Herv. i. Orig.).

Hinsichtlich der Anzahl der Personen, die Ego nannte, gab es keine Beschränkung. Im weiteren werden aber nur für die ersten fünf genannten Personen die Namensinterpretatoren angewandt. Diese Beschränkung begründet Burt mit dem Zeitaufwand im Interview für die Erhebung der Beziehungen zwischen den Personen, da mit der Anzahl der Netzwerkpersonen die Anzahl der Beziehungen nichtlinear ansteigt (Burt 1984: 314f).

Frage Q2 erfasst, ob Ego sich mit den Alteri eng vertraut fühlt und mit wem Ego sich besonders eng vertraut fühlt. Q3 fragt, ob die Alteri, wenn sie sich auf der Straße begegneten, füreinander Fremde wären und Q4 fragt, ob die Alteri sich untereinander als eng vertraut ansehen. Mit den nachfolgenden Namensinterpretatoren werden weitere Informationen zu den Alteri in Bezug [auf Geschlecht (Q5), Alter (Q12), Religion (Q13), Parteipräferenz (Q14), ethnische Zugehörigkeit (Q6), Bildung (Q7) und Einkommen (Q15) erhoben.]

Im Anschluß an die Erhebung des Personenbestandes des egozentrierten Netzwerks erfolgt die Erhebung (1) weiterer Informationen zu den von ego ge-

[Seite 53]

nannten Personen - den sogenannten alteri — und (2) von Informationen, die die ego-alter- Beziehung und - wenn das ego-zentrierte Netzwerk vollständig erhoben werden soll - die alter-alter-Beziehungen weiter spezifizieren. Die Fragen, die diese Informationen erheben, sind die Namensinterpretatoren. Die in Massenumfragen kombinierten Generatoren und Interpretatoren werden als "Instrument" bezeichnet. Die Instrumente, die - manchmal auch in leicht abgewandelter Form — die häufigste Anwendung und größte Beachtung erfahren haben, sind das Burt-Instrument, das Fischer-Instrument und das Wellman-Instrument, welche sich in ihrer Konzeption voneinander unterscheiden (Hoffmeyer-Zlotnik 1987; Bernard u. a. 1987; Marsden 1990; Campbell/Lee 1991; Schenk 1995).

2.5.2 Das Burt-Instrument

Das Burt-Instrument ist in — einer leicht gekürzten Version - 1985 in einer nationalen Zufallsstichprobe in den USA, dem General Social Survey (GSS) verwendet worden (n = 1534). Burt hat für den GSS von 1985 insgesamt 15 Netzwerkfragen (Q1 bis Q15) vorgeschlagen, davon einen Namensgenerator (Q1) und 14 Namensinterpretatoren (Q2 bis Q15). Die Fragestellung von Q1 lautet:

"Q1. From time to time, most people discuss important personal matters with other people. Looking back the last six month - that would be back to last august — who are the people with whom you discuss an important personal matter?" (Burt 1984:331, Herv. i. Orig.)

Auf diese Frage hin kann ego so viele Personen nennen, wie ego möchte. Es werden aber im weiteren nur für die ersten fünf genannten Personen die Namensinterpretatoren angewandt. Burt begründet die Beschränkung auf fünf Personen mit dem Zeitaufwand im Interview für die Erhebung der Beziehungen zwischen ihnen, da mit der Anzahl der Netzwerkpersonen die Anzahl der Beziehungen nichtlinear ansteigt (Burt 1984:314f). Mit der Frage Q2 wird ego befragt, ob er/sie sich zu den alteri eng vertraut fühlt und mit wem ego sich besonders eng vertraut fühlt, mit den Fragen Q3 und Q4 wird ego über die Beziehungen zwischen den alteri befragt. Q3 fragt, ob die alteri füreinander Fremde wären, wenn sie sich auf der Straße begegneten. Q4 fragt, ob die alteri sich untereinander als eng vertraut ansehen. Mit den Fragen Q1 bis Q4 kann das Netzwerk aufgrund der formalen Daten bereits abgebildet werden. Die nachfolgenden Namensinterpretatoren erheben weitere Informationen zu den alteri in Bezug auf Geschlecht (Q5), Alter (Q12), Religion (Q13), Parteipräferenz (Q14), ethnische Zugehörigkeit (Q6), Bildung (Q7) und Einkommen (Q15).

Anmerkungen

Die eigentliche Quelle wird gegen Ende des Kap. 4.4.1.3 genannt, jedoch nur für ein kurzes wörtliches Zitat.

Dass der größte Teil des Seiteninhalts ebenfalls daraus übernommen wurde, bleibt ungekennzeichnet. Bei der Übernahme werden aus der Quelle auch zwei Referenzen und ein Zitat von Burt (1984) übernommen.

Gegen eine Deutung des Inhalts als methodisches Standardwissen spricht, dass der Quellenverfasser seinerseits Burt und weitere Publikationen referenziert, seine Ausführungen also selbst für belegpflichtig hält.

Der Hinweis "Herv.i.Orig." findet sich in der gesamten Arbeit nur an dieser einen Stelle (bei Diaz-Bone allerdings oft), obwohl auch anderweit Hervorhebungen in Zitaten sichtbar sind, etwa beim zweiten Habermas-Zitat auf S. 40.

Fortsetzung auf der folgenden Seite.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[127.] Mhg/Fragment 117 01 - Diskussion
Bearbeitet: 10. December 2016, 09:14 SleepyHollow02
Erstellt: 4. December 2016, 19:47 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes
Untersuchte Arbeit:
Seite: 117, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Diaz-Bone 1997
Seite(n): 53, 54, 55, Zeilen: 53: 28 ff.; 54: 4 ff.; 55: 1 ff.
[Mit den nachfolgenden Namensinterpretatoren werden weitere Informationen zu den Alteri in Bezug] auf Geschlecht (Q5), Alter (Q12), Religion (Q13), Parteipräferenz (Q14), ethnische Zugehörigkeit (Q6), Bildung (Q7) und Einkommen (Q15) erhoben. Weitere Interpretatoren spezifizieren die erhobenen Beziehungen nach der Dauer der Beziehung (Q9), der Kontakthäufigkeit (Q8), der Rolle, die Alter für Ego einnimmt (Ql0), und besprochenen Themen (Q 11).

4.4.3 Das Fischer-Instrument

Das Fischer-Instrument ist unter Leitung von Claude Fischer für die Northern California Community Study (NCCS) konzipiert worden (Fischer 1982). Es wurde 1977/1978 in einer nach Gemeindegrößen geschichteten Stichprobe in Kalifornien eingesetzt (n = 1050). Das Fischer-Instrument verwendet zehn situations- bzw. stimulusbezogene Fragestellungen zu kommunikativer Interaktion, praktischer Hilfestellung und geselligen Aktivitäten.35

Die Beziehungen zwischen den Alteri werden für bis zu fünf Alteri erhoben. Dabei werden die Generatoren (1), (4), (5), (7), (8), (9) (siehe Fußnote) für die Erstellung einer Liste dieser Alteri verwendet. Es werden jeweils die zuerst genannten Personen, die durch diese Generatoren erfragt wurden, aufgelistet. Personen aus dem Haushalt des Befragten und bereits aufgelistete Personen werden übersprungen (Fischer 1982, S.332). Dann wird Ego gefragt, ob sich die aufgelisteten Personen untereinander gut kennen. Mit diesem Interpretator werden die Alter-Alter-Beziehungen im Fischer-Instrument erfasst. Zum Ende des Interviews wird vom Interviewer eine zweite und umfangreichere Liste aller Personen angefertigt, die der Befragte insgesamt im Verlauf des Interviews auf alle zehn Generatoren hin genannt hat. Der Befragte wird dann gefragt, ob die [Liste vollständig ist, oder ob eine für ihn wichtige Person fehlt.]


35 Die Namensgeneratoren erfassen Personen, 1.die der Befragte bitten würde, das Haus zu beaufsichtigen, wenn der Befragte verreiste,

2. mit denen der Befragte über seine Arbeit spricht,

3. die dem Befragten in den letzten drei Monaten bei Arbeiten im oder am Haus geholfen haben,

4. mit denen der Befragte in den letzten drei Monaten gegessen hat, ausgegangen ist oder die er besucht hat (bzw. von denen er besucht worden ist),

5. mit denen der Befragte gelegentlich über gemeinsame Freizeitaktivitäten und Hobbys spricht,

6. mit denen der unverheiratete Befragte liiert ist,

7. mit denen der Befragte persönliche Dinge bespricht,

8. deren Ratschlag für den Befragten bei wichtigen Entscheidungen bedeutend ist,

9. von denen der Befragte im Bedarfsfall Geld leihen würde (wenn er keinen Kredit aufnimmt oder auf Erspartes zurückgreift),

10. die als erwachsene Personen im Haushalt des Befragten leben (Fischer 1982:315ff; McCallister / Fischer 1978:137).

Die nachfolgenden Namensinterpretatoren erheben weitere Informationen zu den alteri in Bezug auf Geschlecht (Q5), Alter (Q12), Religion (Q13), Parteipräferenz (Q14), ethnische Zugehörigkeit (Q6), Bildung (Q7) und Einkommen (Q15). Dazu kommen dann Interpretatoren, die die erhobenen Beziehungen weiter spezifizieren, wie Dauer der Beziehung (Q9), Kontakthäufigkeit (Q8), Rolle, die alter für ego einnimmt (Q10), und besprochene Themen (Qll).

[Seite 54]

2.5.3 Das Fischer-Instrument

Das Fischer-Instrument ist von Fischer und Mitarbeitern für die Northern California Community Study konzipiert (NCCS) werden (Appendix in Fischer 1982). Es wurde 1977/1978 in einer nach Gemeindegrößen geschichteten Stichprobe in Kalifornien eingesetzt (n = 1050). Das Fischer-Instrument verwendet zehn Namensgeneratoren, die im Unterschied zum Burt-Instrument ein breit gestreutes Spektrum von Beziehungen abfragen. Die Namensgeneratoren fragen nach Personen,

(1) die der Befragte bitten würde, das Haus zu beaufsichtigen, wenn der Befragte verreiste,

(2) mit denen der Befragte über seine Arbeit spricht,

[Seite 55]

(3) die dem Befragten in den letzten drei Monaten bei Arbeiten im oder am Haus geholfen haben,

(4) mit denen der Befragte in den letzten drei Monaten gegessen hat, ausgegangen ist oder die er besucht hat (bzw. von denen er besucht worden ist),

(5) mit denen der Befragte gelegentlich über gemeinsame Freizeitaktivitäten und Hobbys spricht,

(6) mit denen der unverheiratete Befragte liiert ist,

(7) mit denen der Befragte persönliche Dinge bespricht,

(8) deren Ratschlag für den Befragten bei wichtigen Entscheidungen bedeutend sind,

(9) von denen der Befragte im Bedarfsfall Geld leihen würde (wenn er keinen Kredit aufnimmt oder entspart),

(10) die als erwachsene Personen im Haushalt des Befragten leben

(Fischer 1982:315ff; McCallister / Fischer 1978:137).

Die Beziehungen zwischen den alteri werden für bis zu fünf alteri erhoben. Dabei werden von den oben angeführten Generatoren bis zu sechs für die Erstellung einer Liste dieser alteri verwendet. Es werden jeweils die zuerst genannten Personen, die durch die Generatoren (l), (4), (5), (7), (8), (9) erfragt wurden, aufgelistet. Personen, die aus dem Haushalt des Befragten stammen, und bereits aufgelistete Personen werden übersprungen (Fischer l982:332). Dann wird ego gefragt, ob die aufgelisteten Personen sich untereinander gut kennen. Dies ist der einzige Interpretator für die alter-alter-Beziehungen‚ den das Fischer-Instrument beinhaltet. Zum Ende des Interviews wird vom Interviewer eine zweite und umfangreichere Liste aller Personen angefertigt, die der Befragte insgesamt im Verlauf des Interviews auf alle zehn Generatoren hin genannt hat. Der Befragte wird dann gefragt, ob die Liste vollständig ist oder ob eine für ihn wichtige Person fehlt.

Anmerkungen

Es stellt sich hier die Frage, ob es sich um methodisches Allgemeinwissen handelt. Einseits erscheint dies angesichts des eher technischen/beschreibenden Charakters naheliegend, dagegen sprechen andererseits jedoch die Referenzen Fischer (1982) und McCallister/Fischer (1978) in der Quelle, die die Verf.in daraus mit übernimmt. (McCallister/Fischer (1978) findet sich in der gesamten Arbeit lediglich an dieser Stelle erwähnt.)
Der letzte Verweis auf Diaz-Bone findet sich auf S. 116 oben für ein kurzes wörtliches Zitat.

Ferner hat Diaz-Bone die Fragen des Fischer-Instruments (wie sie etwa bei Jansen (1999), S. 77 wiedergegeben sind) leicht umformuliert. Im Fragment wird diese umformulierte Version übernommen.

Auf den Seiten 119-130 stützt sich die Verfasserin im Wesentlichen auf Diaz-Bone und Jansen; allerdings sind die Quellen dort korrekt ausgewiesen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[128.] Mhg/Fragment 118 01 - Diskussion
Bearbeitet: 11. December 2016, 00:26 Schumann
Erstellt: 4. December 2016, 20:12 (SleepyHollow02)
Diaz-Bone 1997, Fragment, Gesichtet, Mhg, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02