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Mm/Fragment 127 16-43

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan, 129.217.132.38
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 127, Zeilen: 16-43
Quelle: Angermann 1979
Seite(n): 79-80, Zeilen: S.79,23 - S.80,37
Allerdings war den New Left-Historikern ohnehin nicht lange Ruhm beschert. Zunächst litten sie an einer Art Verfolgungswahn, daß das akademische historische Establishment ihre Forschungsarbeit einfach abblocken würde.[FN 276] Doch ihr Mißerfolg war wohl eher darauf zurückzuführen, daß die New-Left-Bewegung seit 1969 und erst recht seit dem Ende des Vietnamkrieges Einheit und Stoßkraft verlor; zum anderen trat gleichzeitig eine Ernüchterung bei den amerikanischen Geschichtswissenschaftlern zutage, die nun wieder größeres Gewicht auf methodisch sorgfältige Ausarbeitung von Forschungsergebnissen statt auf ideologisch motivierte Studien legten.[FN 277] Von daher erwies sich William Appleman Williams 1976 erschienenes Buch „American Confronts A Revolutionary World, 1776-1976" nicht nur als linker Anachronismus, sondern regelrecht als geschichtsphilosophische Groteske. In seiner Analyse erklärte Williams nämlich die Verfassung von 1787 als regressiv, als das Ende jeglicher strukturellen Veränderungsmöglichkeit in dem neuen Staatswesen:

„It established the foundation of a superstate, a political giant that had the power to override any single state (or culture). It did so by making population the bedrock of power: a majority could impose its will upon any minority."[FN 278]

Das in der Unabhängigkeitserklärung niedergelegte Prinzip der Selbstbestimmung sei aufgegeben und die Erhaltung des Status quo zum Wegweiser gemacht worden. Gleichzeitig hätte das Founding-Fathers-Establishment einen Kurs ständiger Expansion eingeschlagen, um die inneren Spannungen des neuen fortschrittsfeindlichen Systems in außenpolitische Aktivitäten abzuleiten. Amerika wäre also entgegen seinen anfangs formulierten Idealen zu einer konterrevolutionären Macht avanciert und hätte seine eigene Weltanschauung auch den Nachbarn, ja der ganzen Welt aufzuzwingen versucht. Freilich, ist man mit dem politisch-rechtlichen Machtgefüge der Union bis hin zum Bürgerkrieg auch nur annähernd vertraut, so kann man solche Thesen nur als „Phantasmagorie" bezeichnen.[FN 279]

[FN 276: Hierzu besonders die wehleidige Studie von Jesse Lemisch: On Active Service in War and Peace: Politics and Ideology in the American Historical Profession, Toronto 1975.]

[FN 277: Vgl. E. Angermann, op. cit., S. 79 f.]

[FN 278: W. A. Williams: America Confronts a Revolutionary World, 1776-1976, New York 1976, S. 17.]

[FN 279: Vgl. E. Angermann, op. cit., S. 80.]

Seither ist es wissenschaftlich um Lemisch ebenso still geworden wie um Lynd.[FN 142] Der Grund kann schlechterdings nicht in dem gesehen werden, was viele Neu Left-Historiker in einer Art Verfolgungswahn immer wieder als ihre Furcht zum Ausdruck gebracht hahen, daß nämlich das akademische Establishment ihre Arbeit einfach abblocken würde. Das Gegenteil war vielfach der Fall. Der Mißerfolg ist also wohl zum einen darauf zuruckzuführen, daß die ganze New Left-Bewegung seit 1969 und vollends seit dem Ende des Vietnamkrieges Einheit und Stoßkraft verloren hat, zum anderen auf die gleichzeitige Ernüchterung in der amerikanischen Geschichtswissenschaft, die nun wieder größeres Gewicht auf methodische Solidität und sorgfältige Ausarbeitung von Forschungsergebnissen als auf kühne, aber mehr ideologisch motivierte als wissenschaftlich fundierte Entwürfe zu legen begann.<br />

Ein neues Buch des Altmeisters der New Left History, William Appleman Williams, wurde daher gewissermaßen durch die innere Entwicklung der amerikanischen Geschichtswissenschaft überholt und zu einer geschichtsphilosophischen Groteske gemacht.[FN 143] In seinen Augen bedeutete nämlich die Verfassung von 1787 das Ende jeder strukturellen Veränderungsmöghchkeit in dem neuen Staatswesen: „It estahlished the foundation of a superstate [sic!], a political giant that had the power to override any Single state (or culture). It did so by making population the bedrock of power: a majority could impose its will upon any minority." Damit habe man das in der Unahhängigkeitserklärung niedergelegte Prinzip der Selbstbestimmung aufgegeben, durch Festschreibung der jeweiligen Gegenwart - das heißt, Verdrängung von Vergangenheit und Zukunft - die Erhaltung des Status quo zur Richtschnur gemacht und zugleich einen Kurs ständiger Expansion eingeschlagen, um die inneren Spannungen des neuen Systems in außenpolitische Aktivität abzuleiten. Entgegen dem Gesetz, nach dem es angetreten, sei also Amerika von Anfang an zur konterrevolutionären Macht par excellence geworden und habe sein eigenes Konzept auch den Nachbarn, ja der ganzen Welt aufzuzwingen versucht. Kennt man den Zustand des Machtgefüges der Union bis hin zum Bürgerkrieg auch nur rudimentär, so kann man einer solchen Phantasmagorie nur mit fassungslosem Staunen gegenüberstehen - ganz abgesehen davon, daß ja wohl kein in normalen Kategorien denkender Mensch in der sogenannten States' Rights-Bewegung, die doch in der Regel nur der Zementierung regionaler oder lokaler Herrschaftsstrukturen diente, einen Ausdruck echter demokratischer Selbstbestimmung sehen wird.

[FN 142: Von beiden sind siether m.W. keine größeren Beiträge zur historischen Forschung mehr erschienen, auch nicht das 1968 angekündigte Buch von Jesse Lemisch: Jack Tar vs. John Bull. Merchant seamen in the politics of Revolutionary Mareica; dafür hat er seinen Bewunderern eine ebenfalls auf das Jahr 1969 zurückgehende Anklage gegen die Zunft geschenkt, die Selbstmitleid und Verfolgungswahn in peinlicher Weise zur Schau stellt, vgl. Jesse Lemisch: On active service in war und peace. Politics und ideology in the American historical profession (Toronto 1975).]

[FN 143: Vgl. William Appleman Williams: America Confronts a Revolutionary World, 1776-1976, (New York 1976), das im Text folgende Zitat S. 17.]

Anmerkungen

Beschrieben in Amerikastudien Bd. 36 (1991) S. 548-549.<br />In zwei gegenüber der Vorlage ergänzten Fußnoten wird mit "Vgl." auf Angermann verwiesen. In welcher Form von dort übernommen wird (teils wörtlich, teils Paraphrase, aber stets ohne substanzielle Bearbeitung) wird verschleiert.

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