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Mm/Fragment 217 10-45

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
Graf Isolan, Drhchc
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 217, Zeilen: 10-45
Quelle: Mewes 1986
Seite(n): 77-78, Zeilen: S.77,3-32.34.101-103 - S.78,1-3.6-11
Beim Versuch, den Idealismus der politischen Kultur, also die politischen Einstellungen und ökonomisch-sozialen Verhaltensweisen wie gemeinsame Glaubensvorstellungen in den USA darzustellen, muß freilich zunächst auf die grundsätzlichen Kontraste dieser Kultur verwiesen werden.[FN 236] Bemerkenswert ist das Nebeneinander des dynamischen, von stetem Wandel gekennzeichneten modernen Amerika einerseits und von Elementen einer konservativen, von religiös-fundamentalistischer Tradition geprägten politischen Kultur andererseits; der Gegensatz zwischen der sozialen und ethnischen Heterogenität der amerikanischen Gesellschaft und der Homogenität der Lebensweise der für die politische, ökonomische und soziale Kultur maßgeblichen „middle dass" und „mainstream politics". Tatsächlich ist die amerikanische Mittelschicht Hauptträger des politischen Idealismus und Realismus der amerikanischen Kultur und des politischen Establishment. In ihren politischen Verhaltensweisen vermischen sich problemlos Gegensätze zwischen hoher Mobilität und kultureller Kontinuität, zwischen Fortschrittsoptimismus und altmodisch anmutenden religiös-moralischen und patriotischen Tugenden. Und obgleich die Homogenität der Mittelschicht den Pluralismus der Gesellschaft und die regionalen Eigenarten ethnischer Gruppierungen nicht aufhebt, passen sich soziale Aufsteiger fast aller gesellschaftlichen Gruppen den Normen der „middle dass" an. Die gesellschaftliche und ideologische Dominanz der Mittelschicht schließt also keineswegs die Vielfalt von „ethnic politics" und regional bedingten Unterschieden aus; gleichzeitig ist aber auch die Mittelschicht Garant der ideal-politischen Grundwertekontinuität inmitten eines kontinuierlichen ökonomischen und sozialen Wandels.[FN 237]

Weithin gelten für die Mittelschicht die idealistischen amerikanischen Grundwerte als Selbstverständlichkeit. An erster Stelle im Wertekatalog stehen „liberty" und „freedom", d.h. das unbestreitbare Recht, das eigene, private Leben ungestört und nach eigenem Willen führen, und die eigene politische und religiöse Meinung frei äußern zu können. Ferner zählt zu den Überzeugungen des einzelnen, daß sich mit etwas Anstrengung und mit einer guten Ausbildung wirkliche Chancen zum persönlichen Erfolg und zum sozialen und wirtschaftlichen Aufstieg bieten. So sieht sich die „middle dass" als Trägerin und Bewahrerin der optimistischen, ungebrochenen amerikanischen Tradition des Idealismus und Individualismus. Auch empfindet das „middle class"-Denken keinen grundsätzlichen Widerspruch in dosierten staatlichen Eingriffen im wirtschaftlichen Bereich, solange sie Chancen und Handlungsspielraum des einzelnen zu vergrößern versprechen,[...][FN 238]

[FN 236: Vgl. Lloyd A. Free/Hadley Cantril: The Political Beliefs of Americans: A Study of Public Opinion, New York 1968; Donald J. Devine: The Political Culture of the United States, Boston 1972.]

[FN 237: Vgl. David M. Potter: People of Plenty, Chicago 1954; Richard Suzman: Social Changes in America and the Modernization of Personality, in: Gordon DiRenzo (ed.): We The People, Westport, Conn., 1977; Alex Inkeles: Continuity and Change in the American National Character, in: S. M. Lipset (ed.): The Third Century, America as a Post-Industrial Society, Chicago, London 1979/1980, S. 389-416; S. P. Huntington: American Politics, a.a.O., S. 6, 20, 26-27, 230.]

[FN 238: Vgl. H. Mewes: Einführung in das politische System der USA, Heidelberg 1986, S. 78, 81.]

Beim Versuch, die politische Kultur, also die politisch-sozialen Einstellungen und Verhaltensweisen sowie gemeinsame Glaubensvorstellungen in den USA zusammenfassend darzustellen, muß zunächst auf grundsätzliche Kontraste dieser Kultur verwiesen werden[FN 20]. Als erstes fällt der Gegensatz zwischen der bekannten Stereotype des dynamischen, von stetem Wandel gekennzeichneten modernen Amerikas einerseits und Elementen einer konservativen, von religiös-patriotischer Tradition geprägten politischen Kultur andererseits ins Auge. Bemerkenswert ist auch der Gegensatz zwischen der sozialen und ethnischen Heterogenität der amerikanischen Gesellschaft und der Homogenität der Lebensweise der für die politische Kultur maßgeblichen „middle-class".

Die amerikanische Mittelschicht ist in der Tat Hauptträger der politischen Kultur und des politischen Establishment. In ihren politischen Verhaltensweisen vermischen sich die Gegensätze zwischen hoher Mobilität und kultureller Kontinuität, zwischen Fortschrittsoptimismus und altmodisch scheinenden religiösen und patriotischen Traditionen. Und obwohl die Homogenität der Mittelschicht den Pluralismus der Gesellschaft und den regionalen Eigensinn zahlreicher ethnischer Gruppierungen nicht aufhebt, passen sich soziale Aufsteiger fast aller gesellschaftlichen Gruppen den gängigen Normen der „middle-dass" an. Die gesellschaftliche Dominanz der Mittelschicht schließt also keineswegs die Vielfalt von „ethnic politics" und regional-bedingten Unterschieden aus, sie ändert aber nichts an der Tatsache, daß diese Mittelschicht Garant der Grundwertekontinuität inmitten eines kontinuierlichen sozialen und wirtschaftlichen Wandels bleibt.

Für die Mittelschicht gelten die traditionellen amerikanischen Grundwerte als Selbstverständlichkeit. An oberster Stelle im Wertekatalog steht die Freiheit, das heißt das unbestreitbare Recht, das eigene, private Leben ungestört und nach eigenem Willen zu führen. [...] Was zählt, ist die Überzeugung des einzelnen, daß sich mit etwas Anstrengung und mit einer guten Ausbildung echte Chancen zum persönlichen Erfolg und zum sozialen Aufstieg bieten. [...]

So sieht sich die „middle dass" als Bewahrerin der großen, ungebrochenen amerikanischen Tradition des Individualismus. Dieses Credo sieht andererseits keinen grundsätzlichen Widerspruch in staatlichen Interventionen im wirtschaftlichen Bereich. Solche staatlichen Eingriffe werden sogar als wünschenswert anerkannt, solange sie Chancen und Handlungsspielraum des einzelnen zu vergrößern scheinen.

[FN 20: Donald J. Devine: The Political Culture of the United States, Boston, 1972; Samuel P. Huntington: American Politics, The Promise of Disharmony, Cambridge, 1981.]

Anmerkungen

Mm übernimmt anderthalb Seiten Originaltext fast unverändert, gibt dazu sechs Originalwerke an (von denen zwei schon Mewes als Quelle dienten) und verweist mit einem dürren "Vgl." in der letzten Fußnote des Abschnitts auf die eigentliche Quelle "ihrer" Ausführungen.

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