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Mra/104

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Multikulturalismus und Integration als Grundrechtsproblem

von Dr. Monique Radtke

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Mra/Fragment 104 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-06-01 23:55:04 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Tibi 1994

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 104, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Tibi 1994
Seite(n): 84 f., 108 f., 140, 143, Zeilen: 84: 6 ff.; 85: 1 ff.; 108: 33 ff.; 109: 1 ff.; 140: 18 ff.; 143: 14 ff.
[Zwischen modernen und vormodernen (den Islam als vormoderne Kultur zu bezeichnen, re-]sultiert daraus, dass dieser weder vom Menschen als Individuum noch vom damit korrespondierenden Prinzip der Rationalität einen Begriff hat) Kulturen liegen Welten. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Moderne und Vormoderne besteht darin, dass die kulturelle Moderne die geistigen Grundlagen für die Bestimmung des Menschen als Individuum entfaltet hat, während vormoderne Kulturen den Menschen stets als Teil eines Kollektivs einordnen. Sicherlich geht es dabei nicht allein um geistige Prozesse, denn ohne die materielle Entwicklung der industriellen Gesellschaft nach der Auflösung der traditionellen Gemeinwesen in Europa hätte diese angesprochene Individuation nicht stattgefunden. Unter Individuation versteht man hierbei die Befreiung des Menschen vom Kollektiv und seine Bestimmung als Individuum in der gelebten Realität. Sie ist also nicht nur eine Idee, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung insgesamt. Allerdings kann ein Hinweis auf die Entstehung der modernen industriellen Gesellschaft bzw. die Zweiteilung von Zivilgesellschaft und staatlicher Autorität im Kontext der Marktökonomie allein nicht erklären, wie die Europäer erstmals in der Geschichte der Menschheit im Rahmen der kulturellen Moderne die Idee des Menschen als Individuum entfaltet haben. Auch in vielen zeitgenössischen asiatischen und afrikanischen Gesellschaften sind im Rahmen der Globalisierung der Marktökonomie strukturelle Bedingungen entstanden, die zur Auflösung oder zumindest zur Erschütterung traditioneller, d.h. vormoderner Gemeinwesen beigetragen haben. Dennoch fehlt dort die kulturelle Bestimmung des Menschen als ein freies Individuum, eben weil die kulturellen Grundlagen hierfür nicht vorhanden sind. In einem sozialen Gebilde, in dem sich ein Markt entwickelt, zivile Gesellschaft und staatliche Autorität zweigeteilt sind, verkehren Menschen miteinander als Individuen. Hierbei besteht ein Bedarf danach, den Menschen als Individuum vor möglicher staatlicher Willkür zu schützen. Eben dies ist der sozialhistorische Hintergrund für die Entstehung der modernen Menschenrechte. In vormodernen Gesellschaften hingegen genießt der Mensch, der in seiner Existenz noch kein Individuum im Sinne der kulturellen Moderne ist, den Schutz und die Sicherheit seines Kollektivs. Es gibt keine soziale und regionale Mobilität und somit auch nicht die damit einhergehenden Unsicherheiten. Das Weltbild ist geschlossen und kennt weder Vermutung noch Zweifel als Kriterien für den Erwerb von Wissen, denn die Einbettung in das Kollektiv bietet den nötigen Schutz. Erst durch die Auflösung traditioneller Gemeinwesen und die Freisetzung des Menschen von seinem Kollektiv wird er in einer Gesellschaft mit einem freien Markt auf sich selbst gestellt und damit den Unsicherheiten des Lebens ausgesetzt.

Auch Muslime gehen von der Zugehörigkeit des Menschen zum Kollektiv aus. Es handelt sich dabei um ein Kollektiv, welches durch die Verbreitung des Islam beansprucht, sich auf die gesamte Menschheit zu erweitern. Menschen als Gläubige, nicht als Bürger, haben gegenüber diesem Kollektiv Pflichten, nicht aber individuelle Berechtigungen. Dagegen begreifen Europäer die Reformation, die Aufklärung und die Französische Revolution als historische Prozesse, die den Menschen als Individuum hervorgebracht haben. So ist der Unterschied zwischen Individuation und Kollektivvorstellungen eine schwer überbrückbare Positionsdifferenz normativ-kultureller Art. Menschenrechte im Islam zu etablieren erfordert daher zunächst ein Konzept, das eine Entwicklung initiiert, die wegführt vom Konzept der Pflichten gegenüber der Gemeinschaft. Um dies zu erreichen, bedarf es einer Auflösung des Kollektivs im Rahmen einer tiefgreifenden religiös-kulturellen Reform, die eine historische Neu[interpretation des Korans einschließen müsste.464]


464 Vgl. Tibi, Im Schatten Allahs, München 1994, S. 97 ff.

Zwischen modernen und vormodernen Kulturen liegen Welten. Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Moderne und Vormoderne besteht darin, daß die kulturelle Moderne die geistigen Grundlagen für die Bestimmung des Menschen als Individuum entfaltet hat, während vormoderne Kulturen den Menschen stets als Teil eines Kollektivs einordnen. Sicherlich geht es dabei nicht allein um geistige Prozesse; denn ohne die materielle Entwicklung der industriellen Gesellschaft nach der Auflösung der traditionellen Gemeinwesen in Europa hätte diese angesprochene Individuation nicht stattgefunden. Unter Individuation verstehe ich die Befreiung des Menschen vom Kollektiv und seine Bestimmung als Individuum in der gelebten Realität. Sie ist also nicht nur eine Idee, sondern eine gesellschaftliche Entwicklung.

In einem sozialen Gebilde, in dem sich ein Markt entwickelt, zivile Gesellschaft und staatliche Autorität zweigeteilt sind, verkehren Menschen miteinander als Individuen. Hierbei besteht ein Bedarf danach, den Menschen als Individuum vor möglicher staatlicher Willkür zu schützen. Das genau ist der sozialhistorische Hintergrund für die Entstehung der modernen Menschenrechte. In vormodernen Gesellschaften genießt der Mensch, der in seiner Existenz noch kein Individuum im Sinne der kulturellen Moderne ist, den Schutz und die Sicherheit seines Kollektivs; es gibt keine soziale und regionale Mobilität und somit auch nicht die damit einhergehenden Unsicherheiten. Das Weltbild ist geschlossen und kennt weder Vermutung noch Zweifel als Kriterien für den Erwerb von Wissen; die Einbettung in das Kollektiv bietet den benötigten Schutz. [...] Erst

[Seite 85]

durch die Auflösung traditioneller Gemeinwesen und die Freisetzung des Menschen von seinem Kollektiv wird er in einer Gesellschaft mit einem freien Markt - auf sich selbst gestellt - den Unsicherheiten des Lebens ausgesetzt.

[...]

So kann der Hinweis auf die Entstehung der modernen industriellen Gesellschaft bzw. auf die Zweiteilung von Zivilgesellschaft und staatlicher Autorität im Kontext der Marktökonomie allein nicht erklären, wie die Europäer erstmals in der Geschichte der Menschheit im Rahmen der kulturellen Moderne die Idee des Menschen als Individuum entfaltet haben.

Denn auch in vielen der zeitgenössischen asiatischen und afrikanischen Gesellschaften sind im Rahmen der Globalisierung der Marktökonomie strukturelle Bedingungen entstanden, die zur Auflösung oder zumindest zur Erschütterung traditioneller, d.h. vormoderner Gemeinwesen beigetragen haben. Dennoch fehlt dort noch die kulturelle Bestimmung des Menschen als ein freies Individuum, eben weil die kulturellen Grundlagen hierfür nicht vorhanden sind.

[Seite 108]

Menschenrechte als individuelle Rechte im Islam zu etablieren erfordert daher, zunächst ein Konzept von Rechten einzuführen und eine Entwicklung zu initiieren, die wegführt vom Konzept der Pflich-

[Seite 109]

ten gegenüber der Gemeinschaft. Um dies zu erreichen, bedarf es einer Auflösung des Kollektivs im Rahmen einer tiefgreifenden religiös-kulturellen Reform, die eine historisierende Neu-Interpretation des Koran einschließt.

[Seite 140]

Muslime gehen von der Zugehörigkeit des Menschen zum Kollektiv, zur Umma, d.h. der Weltgemeinde des Islam (Umma bedeutet wörtlich: »Gemeinschaft aller Muslime«) aus, wie ich in den Kapiteln 1 und 3 ausgeführt habe. Es handelt sich dabei um ein Kollektiv, welches durch die Verbreitung des Islam beansprucht, sich auf die gesamte Menschheit zu erweitern. Menschen als Gläubige, nicht als Bürger, haben gegenüber diesem Kollektiv Pflichten (Faraid), nicht aber individuelle Rechte als Berechtigungen. Dagegen begreifen Europäer, die Reformation, Aufklärung und die Große Französische Revolution als historische Prozesse vollzogen haben, den Menschen als ein Individuum: es hat einklagbare Rechte als Berechtigungen gegenüber Staat und Gesellschaft.

[Seite 143]

So ist der Unterschied zwischen auf Individuation basierenden Menschenrechten und islamischen Kollektivvorstellungen der Faraidt/Pflichtenlehre eine schwer überbrückbare Positionsdifferenz normativ-kultureller Art; dieser Unterschied bereitet dem friedlichen Umgang der westlichen mit der islamischen Zivilisation große Probleme.

Anmerkungen

Die (zudem eher ungenaue) Nennung der Quelle in Fn. 464 auf S. 105 oben dürfte nicht genügen, um die vollständig wörtliche Übernahme kenntlich zu machen.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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