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Multikulturalismus und Integration als Grundrechtsproblem

von Dr. Monique Radtke

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Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Mra/Fragment 128 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-19 18:22:33 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Mayer 1994, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 128, Zeilen: 13-27, 29-40
Quelle: Mayer 1994
Seite(n): 120, 121, 122, Zeilen: 120: 24 ff: 121: 1 ff.; 122: 7 ff.
Jeder Mensch hat zunächst einmal, sofern er nicht Flüchtling oder auf eine andere Art und Weise entwurzelt ist, eine Bindung zu einer Gemeinschaft. Als soziales Wesen ist der Mensch zunächst auf die ihn bergende Familie als Gemeinschaft angewiesen und verwiesen. Die Nation ist die größtmögliche Gesellschaft, der der Mensch identitär angehören kann. Die kulturelle Reproduktion der Vernünftigkeit von Identität und Bindungen gelingt dort nicht, wo Vereinzelung und Atomisierung soziale Bezüge zerstört haben. In menschlichen Gesellschaften und eben auch in Nationen ist die Bindung auch für den Einzelnen neu erwerbbar, d.h. der Zugang zur Gemeinschaft ist nicht nur durch Geburt fixiert, sondern über eine neue nationale Sozialisation und Akkulturation auch herstellbar. Diesen Fragen der Einwanderung und Einbürgerung sehen sich sehr viele der hoch entwickelten Nationen ausgesetzt, weil sie ihren demographischen Bestand aus sich heraus nicht mehr gewährleisten können bzw. der Regenerations- oder Reproduktionsaufgabe nicht nachkommen können. Einwanderungen bedeuten, dass individuell neue Identitäten angenommen werden, wie auch, dass bestehende Identitäten ganzer Gemeinschaften allmählich verändert werden.534 Dazu bedürfte es einer gesellschaftlichen Basis, die es aber bis jetzt in Mitteleuropa (noch) nicht gibt. Die Europäische Verfassung ist allerdings eine solide Basis, die eine solche Einheit stiften könnte.535

Nationale Gemeinschaften sind nicht nur Naturgemeinschaften im Sinne eines Prozesses organischer Sukzession; sie sind aber noch weniger kulturelle Erfindungen oder mythisch bedingte Imaginationen. Vielmehr ist das spezifische in diesem Zusammenhang, dass Nationen soziale, kulturelle Vergemeinschaftungen sind, die Identität stiften, die bisher nicht auf Dauer durch größere politische Gemeinschaften ersetzt wurden. Zivilisationen und Regionen stiften auch Identität, aber sie sind keine Nationen ersetzenden, politischen Einheiten. Die nationale Gesellschaft bedarf der Verantwortung und Sorge um die Zukunft als kulturellem Verhaltensmuster. Oder umgekehrt, das Luxurierenlassen des Individuums, seine kulturelle Entbindung kann, auch als Topos der deutschen Kulturkritik bekannt, gemeinschaftszerstörend wirken. Die libertäre Freiheit disharmoniert mit der politischen Freiheit, die die Gleichheit der Pflichten, der Verantwortungen und der Sorge um die Zukunft ebenso verlangt, wie sie erst eigentlich die private Freiheit gewährleistet.536 Einreise- und Zuwanderungsbeschränkungen [wiederum haben den Zweck, Freiheit und Wohlfahrt sowie Politik und Kultur einer Gruppe von Menschen zu bewahren, die sich einander und einem gemeinsamen Leben verpflichtet fühlen.]


534 Siehe auch zum „Volk als Tatsache“, Schefold, Bewahrung der Demokratie, Berlin 2012, S. 102ff.

535 Vgl. bereits obige Ausführungen.

536 Mayer, in: Estel/Mayer, Das Prinzip Nation in modernen Gesellschaften, Opladen 1994, S. 115.

Jeder Mensch hat, sofern er nicht Flüchtling oder sonstwie entwurzelt ist, eine Bindung zu einer Gemeinschaft. Als soziales Wesen ist der Mensch zunächst auf die ihn bergende Familie als Gemeinschaft angewiesen und verwiesen. Es sei die These wiederholt, daß die Nation die größtmögliche Gemeinschaft ist, der der Mensch identitär angehören kann. Die kulturelle Reproduktion der Vernünftigkeit von Identität und Bindungen gelingt dort nicht, wo Vereinzelung und Atomisierung soziale Bezüge zerstört haben. [...] In menschlichen Gesellschaften - und eben auch bei Nationen - ist Bindung auch für einzelne neu erwerbbar, d.h. der Zugang zur Gemeinschaft ist nicht nur durch Geburt fixiert, sondern über eine neue nationale Sozialisation und Akkulturation auch herstellbar. Diesen Fragen der Einwanderung und Einbürgerung sehen sich sehr viele der hoch entwickelten Nationen ausgesetzt, weil sie ihren demographischen Bestand aus sich heraus nicht mehr gewährleisten können bzw. der Regenerations- oder Reproduktionsaufgabe - sozusagen aus eigenen Beständen - nicht nachkommen wollen. [...] Einwanderungen bedeuten, daß individuell neue Identitäten angenommen werden wie auch, daß bestehende Identitäten ganzer Gemeinschaften allmählich verändert wer-

[Seite 121]

en. Dazu bedürfte es eines gesellschaftlichen Konsenses, den es aber nicht gibt, jedenfalls nicht in Mitteleuropa.

Treten wir nochmals in einen Diskurs ein über die nationalen Gemeinschaften. Sie sind nicht nur Naturgemeinschaften im Sinne eines Prozesses organischer Sukzession; sie sind aber noch weniger kulturelle Erfindungen oder mythisch bedingte Imaginationen. Vielmehr ist das spezifische in diesem Zusammenhang, daß Nationen soziale, kulturelle Vergemeinschaftungen sind, die Identität stiften, die bisher nicht auf Dauer durch größere politische Gemeinschaften ersetzt wurden. Zivilisationen und Religionen stiften auch Identität, aber sie sind keine nationsersetzende politische Einheiten.

Die nationale Gesellschaft bedarf der Verantwortung und Sorge um die Zukunft als kulturellem Verhaltensmuster. Oder umgekehrt, das Luxurierenlassen des Individuums, seine kulturelle Entbindung können auch, als Topos der deutschen Kulturkritik bekannt, gemeinschaftszerstörend wirken. Die libertäre Freiheit disharmoniert mit der politischen Freiheit, die die Gleichheit der Pflichten, der Verantwortungen und der Sorge um die Zukunft ebenso verlangt, wie sie erst eigentlich die private Freiheit gewährleistet.

[Seite 122]

Und auch in der liberalen Perspektive Walzers gilt: „Einreise- und Zuwanderungsbeschränkungen haben den Zweck, Freiheit und Wohlfahrt sowie Politik und Kultur einer Gruppe von Menschen zu bewahren, die sich einander und einem gemeinsamen Leben verpflichtet fühlen.“

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 536 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme gehen daraus nicht hervor. Was bei Mayer noch ein Zitat aus Walzer ist, ist bei Mra bereits ein eigener Gedanke.

Der Satz vor Fn. 535 geht nicht in die Zeilenzählung ein.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


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