Fandom

VroniPlag Wiki

Mra/135

< Mra

31.381Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Diskussion0 Teilen

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Multikulturalismus und Integration als Grundrechtsproblem

von Dr. Monique Radtke

vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Statistik und Sichtungsnachweis dieser Seite findet sich am Artikelende
[1.] Mra/Fragment 135 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2016-05-19 18:44:02 Schumann
BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Lipp 1994, Mra, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 135, Zeilen: 13-38
Quelle: Lipp 1994
Seite(n): 97 f., Zeilen: 97: 24 ff.; 98: 1 ff.
Im Geflecht regionaler, nationaler und übernationaler Bezüge, wie es in Europa zu finden ist, zählt Multikulturalität heute zu den soziokulturellen Basiserfahrungen.553 Eingelagert in die Lebenswelt (ausländischer Arbeitnehmer, Minoritäten, Touristen, etc.) ist sie insoweit längst europäische Selbstverständlichkeit. Davon abgehoben kursiert Multikulturalität als abstrakte ideologische Formel, die auf Entgrenzungen aller Art abzielt. Sie vermischt die Idylle potentieller interethnischer Nachbarschaft mit dem Ernstfall weltweiter Migration, schleichender Unterschichtung und steigender sozialer Aggressivität. Dabei zeigt sich, wie vor allem das Beispiel der USA sichtbar macht, dass hinter der Idylle nicht Harmonie, sonder [sic] latente, ethnische Ressentiments oder gar die Potentiale zu einem umfassenden antiwestlichen Zivilisationskonflikt stecken. Jede nähere soziologische Analyse der Zusammenhänge wird jedoch darauf achten, monokausale Zuordnungen zu vermeiden.554 Sie wird vielmehr auf die Faktoren in Mehrebenenmodellen verknüpfen und zeigen, wie Nationen, Regionen, europäische Mechanismen wechselweise, vielschichtig und vernetzt ineinander greifen. Es ergibt sich, dass Nationalstaaten als oberstes politisches Ordnungsschema zwar ihr Monopol verlieren, als wichtige untergeordnete soziale Steuerungsinstanz, z.B. für die Pflege des kulturellen Erbes, aber erhalten bleiben. Multikulturalismus stellt demgegenüber, anders als es für Regionen gilt, weniger einen Ordnungsfaktor als einen Faktor von Irritationen dar. Sie ist „Umwelt“ gleichsam höheren Grades, erzeugt im System Turbulenzen und weist bestimmte, im Einzelnen zu ermittelnde, stabilitätskritische Grenzwerte auf. Die Entwicklungen, die im Gange sind, geben der Nation auf Dauer aber veränderten, in der Reichweite zurückgenommenen Stellenwert, und es wäre historisch wie politisch falsch, in diese Lage zurückzukehren und in Europa erneut auf die Ordnungslogik etwa der alten, politisch rechtlich ebenso exklusiven wie restriktiven, nationalstaatlichen Souveränität zurückzufallen. So sehr man inzwischen beobachten kann, dass die Idee des Nationalen heute selbst Intellektuelle bewegt, die bisher anational, wenn nicht antinational zu argumentieren pflegten, so sehr ist doch daran festzuhalten, dass die großen politischen Aufgaben der Gegenwart längst nicht mehr nur auf „Nation“ oder [„Wiederherstellung der Nation“ lauten können, sondern Europa heißen und die Schaffung einer die Nationalitäten übergreifenden, größeren „Europäischen Staatenordnung“ bedeuten.]

553 Vgl. Thym, ZAR 2006, 184 für Großbritannien; Papayannis, ZAR 2006, 399 für Griechenland.

554 Lipp, in: Estel/Mayer, Das Prinzip Nation in modernen Gesellschaften, Opladen 1994, S. 97.

Im Geflecht regionaler, nationaler und übernationaler Bezüge, wie es in Europa vorliegt, zählt „Multikulturalität“ heute zu den alltagspraktischen soziokulturellen Basiserfahrungen. Eingelagert in die Lebenswelt (ausländische Arbeitnehmer, Minoritäten, Touristen etc.), ist sie insoweit längst erprobte europäische Selbstverständlichkeit. Davon abgehoben

[Seite 98]

kursiert „Multikulturalismus“ als abstrakte ideologische Formel, die auf Entgrenzungen aller Art abzielt; sie vermischt die Idylle potentieller interethnischer Nachbarschaft mit dem Ernstfall weltweiter Migration, schleichender Unterschichtung und steigender sozialer Agressivität [sic]. Dabei zeigt sich, wie vor allem das Beispiel der USA sichtbar macht, daß hinter der Idylle nicht Harmonie, sondern latente, antiwestliche ethnische Ressentiments, besonders der Bevölkerungsanteile der Farbigen, ja die Potentiale zu einem umfassenden antiwestlichen Zivilisationskonflikt stecken.

Jede nähere soziologische Analyse der Zusammenhänge wird darauf achten, monokausale (monofinale) Zuordnungen zu vermeiden; sie wird vielmehr die Faktoren in Mehrebenenmodellen verknüpfen und zeigen, wie Nationen, Regionen, europäische Mechanismen wechselweise, vielschichtig und vernetzt ineinandergreifen. Es ergibt sich, daß Nationalstaaten als oberstes politisches Ordnungsschema zwar ihr Monopol verlieren, als wichtige untergeordnete soziale Steuerungsinstanz (z. B. für diverse sozioökonomische „Transfers“, für die Pflege des „kulturellen Erbes“, für Vorsorgen „ökologischer“ Art) aber erhalten bleiben. Multikulturalismus stellt demgegenüber - anders als es für Regionen gilt - weniger einen Ordnungsfaktor als einen Faktor von Irritationen dar; sie ist „Umwelt“ gleichsam höheren Grades, erzeugt im System Turbulenzen und weist bestimmte, im einzelnen zu ermittelnde, stabilitätskritische Grenzwerte auf.

[...] Deutschland ist in der Tat wiederhergestellt; die Entwicklungen, die im Gange sind, geben der Nation auf Dauer doch aber veränderten, in der Reichweite zurückgenommenen Stellenwert, und es wäre historisch wie politisch falsch, in dieser Lage umzukippen ins Restaurative und in Europa erneut auf die Ordnungslogik etwa der alten, politisch(rechtlich) ebenso exklusiven wie restriktiven, nationalstaatlichen Souveränitäten zurückzufallen. So sehr man inzwischen beobachten kann, daß die Idee des Nationalen heute selbst Intellektuelle bewegt, die bisher anational, wenn nicht antinational zu argumentieren pflegten - so daß Wendehalseffekte ganz besonderer Art auftreten -, so sehr ist doch daran festzuhalten, daß die großen politischen Aufgaben der Gegenwart längst nicht mehr nur auf „Nation“ - oder „Wiederherstellung der Nation“ - lauten können, sondern Europa heißen und die Schaffung einer die Nationalitäten übergreifenden, größeren „Europäischen Staatenordnung“ bedeuten.

Anmerkungen

Die Quelle ist in Fn. 554 genannt. Umfang und Wörtlichkeit der Übernahme gehen daraus nicht hervor.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann


vorherige Seite | zur Übersichtsseite | folgende Seite
Letzte Bearbeitung dieser Seite: durch Benutzer:Schumann, Zeitstempel: 20160519184524

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki