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Mra/Fragment 220 11

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Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 220, Zeilen: 11-26
Quelle: Luft 2007
Seite(n): 262 f., Zeilen: 262: r.Sp.: 3 ff.; 263: l.Sp. 1 ff.
Mit Beginn des Niederlassungsprozesses Anfang der 70er Jahre, in dem aus „Gastarbeitern“ „Wohnbevölkerung“ wurde, haben sich in zahlreichen Städten „ethnische Kolonien“ gebildet. Die Mechanismen, die dazu geführt haben, sind vielfältig. Im Ergebnis hat sich diese Segregation über die Jahrzehnte verfestigt. Wer es sich leisten konnte, verließ diese Stadtteile, das gilt auch für zugewanderte soziale Aufsteiger. Dieser selektive Wanderungsprozess wird verstärkt durch die Kettenmigration, die im Wesentlichen dazu beiträgt, dass sich die ethnischen Kolonien immer wieder neu auffüllen, nämlich durch den Nachzug von Ehepartnern. Rund 60 % der Ehen türkischer Staatsbürger in Deutschland werden nach Einschätzung von Fachleuten mit einem Partner aus der Türkei geschlossen.962 Waren zunächst lediglich soziale und demographische Segregation registriert worden, kam seit den 80er Jahren auch noch eine ethnische Komponente hinzu. Sie korreliert inzwischen mit den anderen Faktoren derart stark, dass ethnische Konzentration in Stadtvierteln heute gleichbedeutend ist mit Armut und Kinderreichtum. Im Laufe der Zeit ist der Zusammenhang dieser drei Dimensionen stärker geworden, d.h. die meisten Ausländer leben heute in Stadtteilen, in denen auch die meisten armen Inländer leben. Dort leben heute, zumindest in Städten, auch die meisten Familien und Kinder.963

962 Straßburger, Zeitschrift für Migration und Soziale Arbeit 2001, 34; Luft, Wege aus der Integrationskrise, Gräfelfing 2006.

963 Institut für Landes- und Stadtentwicklung und Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen, Sozialraumanalyse, Dortmund 2006.

Mit Beginn des Niederlassungsprozesses Anfang der 70er Jahre, in dem aus »Gastarbeitern« »Wohnbevölkerung« wurde, haben sich in zahlreichen Städten »ethnische Kolonien« gebildet. Die Mechanismen, die dazu geführt haben, sind vielfältig. Im Ergebnis hat sich diese Segregation über die Jahrzehnte verfestigt. Wer es sich leisten konnte, verließ diese Stadtteile, das gilt auch für zugewanderte soziale Aufsteiger. Dieser selektive Wanderungsprozess wird verstärkt durch die Kettenmigration, die wesentlich dazu beiträgt, dass sich die ethnischen Kolonien immer wieder neu auffüllen; dies insbesondere durch den Nachzug von Ehepartnern. Rund 60 % der Ehen türkischer Staatsbürger in Deutschland werden nach Einschätzung von Fachleuten mit einem Partner oder einer Partnerin aus der Türkei geschlossen.17 Waren zunächst lediglich soziale (arm/reich) und demografische Segregation (alt/jung, kinderlos/kinderreich) registriert worden, kam in den 80er Jahren eine ethnische Komponente hinzu. Sie

[Seite 263:]

korreliert inzwischen mit den beiden anderen Faktoren so stark, dass ethnische Konzentration in Stadtvierteln heute (von wenigen Ausnahmen abgesehen) gleichbedeutend ist mit Armut und Kinderreichtum. »Die ethnische Segregation war lange kein eigenständiger Faktor, sondern war Teil der Armutssegregation. Im Zeitverlauf ist der Zusammenhang dieser drei Dimensionen stärker geworden, d. h. die meisten ›Ausländer‹ leben heute in den Stadtteilen, in denen auch die meisten armen ›Inländer‹ leben. In diesen Stadtteilen wohnen heute (zumindest in den Städten) auch die meisten Familien und Kinder.«18


17 Straßburger Warum aus der Türkei? Zum Hintergrund transnationaler Ehen der zweiten Migrantengeneration. In: Zeitschrift für Migration und Soziale Arbeit (2001) H. 1, S. 34; vgl. Luft, Abschied von Multikulti. Wege aus der Integrationskrise, Gräfelfing 2006, S. 193 ff.

18 Institut für Landes- und Stadtentwicklung und Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen (ILS NRW) (Hrsg.): Sozialraumanalyse. Soziale, ethnische und demografische Segregation in den nordrhein-westfälischen Städten, Dortmund 2006, S. 7.

Anmerkungen

Die Referenzen werden mitübernommen; die eigentliche Quelle für den ganzen Abschnitt findet sich eher unscheinbar bei Fn. 962 an zweiter Stelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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