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Quelle:Asc/Hülstrunk 2000

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Dirk Hülstrunk
Titel    Krankheit als Metapher I & II
Jahr    2000
Anmerkung    Radiomanuskript, Erstsendungen 7.6.2000, 21.6.2000
URL    http://web.archive.org/web/20090310195441/http://www.soundslikepoetry.de/krankheit.htm

Literaturverz.   

nein
Fußnoten    nein
Fragmente    5


Fragmente der Quelle:
[1.] Asc/Fragment 075 18 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 17:29:38 Graf Isolan
Asc, BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hülstrunk 2000, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 75, Zeilen: 18-26
Quelle: Hülstrunk 2000
Seite(n): 1 (Internet), Zeilen: 0
Der Begriff Krankheit lässt sich ohne sein Pendant Gesundheit nicht denken. Bei genauerer Überlegung stellt man fest, dass beide Begriffe wenig mit der Beschreibung eines objektiven Begriffs zu tun haben, da die gesellschaftlichen und individuellen Vorstellungen von dem, was beide Wörter implizieren, zu unterschiedlich sind.52 Dem einen erscheinen die „Gesunden“ als die wahren Kranken und umgekehrt.

Die Begriffe Krankheit und Gesundheit sind offenbar Bestandteil von Definitionen, mit denen eine Gesellschaft etwas als normal oder abnormal bezeichnet. Beide Begriffe gehören also in ein normatives Wertesystem und bilden ein Paar, ähnlich [wie positiv/negativ, gut/böse oder wahr/falsch.]


52 www.soundslikepoetry.de/krankheit.htm – 11.07.2008.

Der Begriff der Krankheit läßt sich ohne den Begriff der Gesundheit nicht denken. Bei genauerer Betrachtung ergibt sich, daß beide Begriffe wenig mit der Beschreibung eines objektiven Zustands zu tun haben. Zu unterschiedlich sind die gesellschaftlichen und individuellen Vorstellungen von dem was krank und was gesund ist. Dem einen erscheinen die "Gesunden" als die wahrhaft Kranken und umgekehrt. In einer irrsinnigen Welt, wer ist da "verrückt".

Die Begriffe Krankheit und Gesundheit sind offenbar Bestandteil von Definitionen mit denen eine Gesellschaft aber auch der Einzelne etwas als normal oder nicht normal bezeichnet. Die beiden Begriffe gehören damit in ein normatives Wertesystem und bilden ein Wertepaar analog zu: positiv/negativ, normal/unnormal, gut/böse, schön/ häßlich, wahr/falsch, natürlich/unnatürlich.

Anmerkungen

Quelle ist in Fn. genannt und über Umwege identifizierbar - Art und Umfang der Übernahmen jedoch nicht.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[2.] Asc/Fragment 076 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 20:57:05 Graf Isolan
Asc, BauernOpfer, Fragment, Gesichtet, Hülstrunk 2000, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 76, Zeilen: 1 ff. (komplett)
Quelle: Hülstrunk 2000
Seite(n): 1 (Internet), Zeilen: 0
[Beide Begriffe gehören also in ein normatives Wertesystem und bilden ein Paar, ähnlich] wie positiv/negativ, gut/böse oder wahr/falsch.

Die Benennung als gesund oder krank ist ein moralisch-ethisches Werturteil: Das Gesunde ist positiv, gut und wahr, wogegen das Kranke negativ, böse und falsch ist. Trotz der verschiedenen Definitionen des Begriffs Krankheit53 während der Jahrhunderte kann zusammenfassend festgestellt werden, dass Krankheit in erster Linie ein Begriff ist, um einen Zustand der Normabweichung zu bezeichnen. Dieser Zustand ist in der Regel negativ besetzt, aber vor allem bei Künstlern hat es auch immer wieder positive Identifikation mit der Normabweichung, dem Anderssein und eben auch dem Kranken gegeben.

Eine relativ moderne Einstellung, die durch die Theorien von Freud Bestärkung findet, beruht auf der Vorstellung, dass nicht die Normabweichung krank macht, sondern umgekehrt die gesellschaftlichen Normen selbst Krankheitsauslöser sein können. Dem gegenüber steht die Sicht der Gesellschaft, dass fast immer die Künstler der frühen Moderne (u.a. die Kubisten, die Expressionisten) als krank bezeichnet wurden. Es ist aber auffällig, dass sich diese Künstler mit dem Kranken, dem Abweichenden und dem Normverstoß auseinandersetzten und versuchten, das Kranke/Normabweichende umzuwerten und als etwas Positives zu definieren, so z.B. als Sprache des Körpers, als Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen und als kreativen Impuls. Hinzu kommt der Aspekt, dass fast alle Künstler und Schriftsteller Erfahrungen des Außenseitertums, der Ausgrenzung und des Normverstoßes machen mussten.

Seit Ende des 19. Jahrhunderts und fast durchgehend im 20. Jahrhundert wurde eine Ästhetik der Normabweichung und des Nichtschönen propagiert und dabei ein intensives Interesse an den Schattenseiten des menschlichen Daseins, seinem Nichtmehrfunktionieren, seinem pathologischen Bestandteil gezeigt. Beginnend bei Rimbaud über die frühe Avantgarde-Bewegung wie Futurismus, Surrealismus bis [zur Beat-Literatur (hier vor allem Ginsberg und Burroughs) und der Wiener Gruppe um H.C. Artmann in den 1950er Jahren setzte sich das Interesse in den 1960er Jahren während des Wiener Aktionismus, in den 1970er Jahren während der Neuen Innerlichkeit bis hin zu den 1990er Jahren mit ihren Undergroundbewegungen fort.54]


53 Für die Christen galt Krankheit als Strafe Gottes für moralisches Fehlverhalten, dessen Heilung nur durch Glauben möglich war. Das Mittelalter wird vom Auftreten der Seuchen beherrscht, die als Ursache für den sozialen und moralischen Verfall der Gesellschaft galten. In der Zeit der Aufklärung wird nicht mehr Gott für Krankheiten verantwortlich gemacht, sondern das Individuum. Die Romantik betrachtet das Irrationale, Emotionale und Dunkle in der Krankheit.

54 . [sic!]

Die Benennung von etwas als gesund oder krank ist zugleich ein moralisches/ethisches Werturteil.

Das Gesunde ist auch positiv, normal, gut, wahr, schön, natürlich.

[...]

Krankheit ist also in erster Linie ein Begriff, um einen Zustand der Normabweichung zu bezeichnen. Dieser Zustand ist in der Regel negativ definiert, aber gerade unter Künstlern und Schriftstellern hat es auch immer wieder eine positive Identifikation mit der Normabweichung, dem Anderssein und eben auch dem Kranken gegeben.

[...]

Eine andere, relativ moderne Einstellung, sieht Thomas Anz in Georg Büchners "Lenz" formuliert. Nämlich die Vorstellung, daß nicht (nur) die Normabweichung krank macht, sondern umgekehrt, die gesellschaftlichen Normen selbst Krankheitsauslöser sein können. [...]

[...] Wie sehr teilweise versucht wurde das Kranke/ Normabweichende umzuwerten und als etwas Positives zu definieren: als Anlaß für Erkenntnisprozesse, als Sprache des Körpers, als Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen und auch als kreativen Impuls. Die Ästhetik unseres Jahrhunderts ist über weite Strecken eine Ästhetik der Normabweichung und des Nicht-Schönen.

Dazu kommt, daß fast alle Künstler und Schriftsteller Erfahrungen des Außenseitertums, der Ausgrenzung, des Normverstoßes machen mußten.

[...]

Nicht zuletzt die sogenannte Moderne hat seit etwa Mitte/Ende des 19JH und fast durchgehend durch das 20JH eine Ästhetik der Normabweichung und des Nichtschönen propagiert und dabei ein intensives Interesse für die Schattenseiten des Menschen, sein nicht-mehr-funktionieren, seine pathologische Komponente gezeigt. Beginnend bei Rimbaud und Baudelaire über die frühen Avantgardebewegungen wie Futurismus, Dada, Surrealismus bis zur Beat-Literatur (hier vor allem Ginsberg und Bourroughs) und der Wiener Gruppe um H.C. Artmann und Gerhard Rühm in den 50er Jahren und weiter durch Fluxus und Happening, Wiener Aktionismus in den 60er Jahren bis hin zur Neuen Innerlichkeit der 70er Jahre und sogar bis hinein in die Undergroundbewegungen der Literatur der 90er Jahre wie Social Beat [...]

[...]

Auch die frühen Christen interpretierten Krankheiten als Strafe Gottes für moralisches Fehlverhalten. [...]

Das Mittelalter wird beherrscht von schrecklichen Seuchen wie der Pest.

Anmerkungen

Auf der vorherigen Seite ein Hinweis auf die Quelle in der Fußnote.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[3.] Asc/Fragment 077 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 23:44:22 Graf Isolan
Asc, Fragment, Gesichtet, Hülstrunk 2000, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 77, Zeilen: 1-14
Quelle: Hülstrunk 2000
Seite(n): 1 (Internet), Zeilen: 0
[Beginnend bei Rimbaud über die frühe Avantgarde-Bewegung wie Futurismus, Surrealismus bis] zur Beat-Literatur (hier vor allem Ginsberg und Burroughs) und der Wiener Gruppe um H.C. Artmann in den 1950er Jahren setzte sich das Interesse in den 1960er Jahren während des Wiener Aktionismus, in den 1970er Jahren während der Neuen Innerlichkeit bis hin zu den 1990er Jahren mit ihren Undergroundbewegungen fort.54 Unterbrochen wurde diese Entwicklung durch die nationalsozialistische Kunstideologie mit ihrer Vergötterung des vermeintlich Gesunden.

Künstler haben immer wieder versucht, die Begriffe Krankheit und Gesundheit umzuwerten. Ein gängiges Klischee ist, dass Leiden einem Menschen Tiefe gebe, dass man am Leiden wachse, dass Krankheit insbesondere Sensibilisierung und Vergeistigung fördere, dass Krankheit interessanter sei als Gesundheit.

Krankheit wird dabei als Sinnbild für die kranke Gesellschaft genommen: Der kranke Körper des Leidenden entspricht dem kranken Körper der Gesellschaft. Eine wichtige deutschsprachige Habilitationsschrift zu dem Thema Literatur und Krankheit bietet Thomas Anz.55


54 . [sic!]

55 Anz, Thomas, Gesund und Krank. Medizin, Moral und Ästhetik. Stuttgart: Metzler, 1989.

Beginnend bei Rimbaud und Baudelaire über die frühen Avantgardebewegungen wie Futurismus, Dada, Surrealismus bis zur Beat-Literatur (hier vor allem Ginsberg und Bourroughs) und der Wiener Gruppe um H.C. Artmann und Gerhard Rühm in den 50er Jahren und weiter durch Fluxus und Happening, Wiener Aktionismus in den 60er Jahren bis hin zur Neuen Innerlichkeit der 70er Jahre und sogar bis hinein in die Undergroundbewegungen der Literatur der 90er Jahre wie Social Beat, unterbrochen nur von jenen fatalen Jahren nationalsozialistischer Kunstideologie mit ihrer Vergötterung des vermeintlich Gesunden.

Künstler und Schriftsteller haben immer wieder versucht die Begriffe Krankheit und Gesundheit umzuwerten. Ein gängiges Künstlerklischee ist, daß Leiden einem Menschen Tiefe gebe, daß man am Leiden wachse, daß Krankheit insbesondere die Sensibilisierung und Vergeistigung fördere, daß Krankheit interessanter sei als Gesundheit, daß im Grunde genommen die Kranken die eigentlich Gesunden seien und die sich gesund nennenden die eigentlich Kranken.

Krankheit wird dabei zumeist als Sinnbild für eine kranke Gesellschaft genommen. Der kranke Körper des einzelnen Leidenden entspricht dem kranken Körper der Gesellschaft.

[...]

Eine der ergiebigsten deutschsprachigen Studien zu dem Thema Literatur und Krankheit ist die 1989 erschienene Schrift "Gesund und Krank. Medizin, Moral und Ästhetik" des heute in Marburg lehrenden Literaturprofessors Thomas Anz, die wir aus diesem Grunde ein wenig vorstellen wollen.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf Art und Umfang der Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[4.] Asc/Fragment 079 15 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 17:39:53 Graf Isolan
Asc, Fragment, Gesichtet, Hülstrunk 2000, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 79, Zeilen: 15-29
Quelle: Hülstrunk 2000
Seite(n): 1 (Internet), Zeilen: 0
Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit der Neuen Innerlichkeit und dem

Psychoboom der 1970er Jahre. Das ästhetische Interesse an Krankheiten bezieht sich vor allem auf psychische und psychosomatische Krankheiten (Krebs, Depression), die als rätselhaft angesehen werden.

Krebs wurde als böse, hässliche Krankheit wahrgenommen, die verunstaltet, unnatürlich, wuchernd, erdrückend, ungeistig und unsinnlich ist. Er wird als Ausdruck unterdrückter Aggression gesehen, der die Vitalität, den Appetit und die Begierde tötet. Der Krebstod ist schmerzhaft, unästhetisch und elend. Krebs wird als eine gängige Metapher für eine korrupte und verdorbene Gesellschaft, Normabweichler und Oppositionelle gebraucht. In der Gesellschaft sehen sich – laut Sontag – Krebskranke als „loser“, als willensschwache Menschen.

Während Krebs von innen böse wuchert, sind Allergien das Fremde, der Feind, der von außen eindringt, eine unfassbare Krankheit, die alle Menschen unabhängig von Erbgut und Veranlagung treffen kann. Auch gesellschaftlich gesehen ist das Kranke häufig das Fremde, das Unverstandene. Daher werden Krankheitsur[sachen möglichst weit weggeschoben:]

Die Entwicklung steht in Zusammenhang mit der sog. Neuen Innerlichkeit und dem Psychoboom der 70er. Das ästhetische Interesse an Krankheiten bezieht sich vor allem auf psychische und psychosomatische Krankheiten (v.a. Schizophrenie, Depression, Krebs) als rätselhafte, kaum heilbare Krankheiten.

[...]

Krebs gilt als böse, häßliche Krankheit, aggressiv. verunstaltend verzerrt, unnatürlich, wuchernd, ausbreitend, erstickend, erdrückend, ungeistig, unsinnlich. (undurchschaubarer Körper) Ausdruck unterdrückter Aggressionen, tötet Vitalität, Appetit, Begierde. Der Krebstod ist zumeist schmerzhaft, unästhetisch, elend. Krebs ist eine gängige Metapher für eine korrupte, verdorbene Gesellschaft, aber auch für Normabweichler, Oppositionelle, die Stadt als sich ausbreitendes Krebstgeschwulst. Diktaturen gebrauchen die Krebsmetapher gerne.

[...]

Während Krebs von Innen böse wuchert, ist Aids das Fremde, der Feind der von Außen eindringt, eine Art Invasion von Aliens in den Körper. Auch gesellschaftlich gesehen, ist das Kranke häufig auch das Fremde, das Unverstandene. Daher werden Krankheitsursachen auch möglichst weit weg geschoben.

Anmerkungen

Kein Hinweis auf die Quelle.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

[5.] Asc/Fragment 080 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-21 17:15:22 Graf Isolan
Asc, Fragment, Gesichtet, Hülstrunk 2000, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 80, Zeilen: 1-4
Quelle: Hülstrunk 2000
Seite(n): 1 (Internet), Zeilen: 0
[Daher werden Krankheitsur-]sachen möglichst weit weggeschoben: Besonders bedrohliche Krankheiten nehmen angeblich immer ihren Ausgang in Afrika, Asien oder Amerika (eingeschleppt). Tatsächlich haben die Europäer mehr Krankheiten in die von ihnen kolonialisierten Länder getragen als umgekehrt. Besonders bedrohliche und gefährliche Krankheiten nehmen angeblich immer ihren Ausgang in Asien, Afrika, Amerika (eingeschleppt) Tatsächlich haben die Europäer mehr Krankheiten in die von ihnen kolonialisierten Länder eingeschleppt als umgekehrt.
Anmerkungen

Kein Hinweis auf eine Übernahme.

Sichter
(SleepyHollow02) Schumann

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