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Quelle:Cmg/Roxin 2007

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Claus Roxin
Titel    Zur strafrechtlichen Beurteilung der Sterbehilfe
Sammlung    Handbuch des Medizinstrafrechts
Herausgeber    Claus Roxin, Ulrich Schroth
Ort    Stuttgart, München, Hannover, Berlin, Weimar, Dresden
Verlag    Richard Boorberg Verlag
Jahr    2007
Seiten    313-356
Umfang    44 Seiten
Anmerkung    3., völlig neu bearbeitete Auflage; Im Literaturverzeichnis ist fälschlicherweise 2002 als Erscheinungsjahr angegeben.
ISBN    978-3-415-03861-5

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    ja
Fragmente    7


Fragmente der Quelle:
[1.] Cmg/Fragment 029 19 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-04-10 00:01:12 Sotho Tal Ker
Cmg, Fragment, KeineWertung, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 029, Zeilen: 19-30
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 0, Zeilen: 0
3. Exkurs: Technischer Behandlungsabbruch

Ferner stellt sich die Frage, ob auch der technische Behandlungsabbruch im Kontext der passiven Sterbehilfe zulässig ist. Hiervon sind die Fälle erfasst, in denen lebenserhaltende Maschinen wie etwa Respiratoren abgeschaltet werden. Im klassischen Fall wird auf Wunsch des Patienten das Beatmungsgerät abgestellt. Strittig ist in diesem Zusammenhang, ob nicht statt eines bloßen Unterlassens, das die passive Sterbehilfe kennzeichnet, ein aktives Tun gegeben ist. Auch hier wird dem natürlichen Krankheitsgeschehen und dem Sterben freier Lauf gelassen. Mit dem Abstellen des lebenserhaltenden Apparates ist ein Abbruch einer rettenden Kausalität gegeben. Denn der Knopfdruck ist generell als Tun zu werten, dennoch liegt aber grundsätzlich keine Tötung auf Verlangen vor. Von einer sozialen Betrachtung ausgehend, ist dies jedoch eher als Einstellen der begonnenen Behandlung und somit als ein Unterlassen weiterer Tätigkeit zu werten. Vorherrschend wird in diesem Meinungsstreit vertreten, dass ein Arzt durch das Abschalten eines Gerätes bei einem Patienten mit infauster Prognose (eine Heilung erscheint nicht möglich und es ist mit dem Ableben zu rechnen) straflos [30] handelt. Dies soll unabhängig von der rechtlichen Einordnung gelten. Denn relevant sei allein, ob ein Tun als Behandlungseinstellung eingeordnet werden kann. Zuzustimmen ist insoweit auch der Lehre von Eser, der davon spricht, dass zweifellos „dort, wo ein medikamentös-therapeutischer Behandlungsabbruch zulässig wäre, auch der technische Behandlungsabbruch zulässig sein muss.“100


100 Roxin, S. 325; Everschor, S. 35 ff.; Schmaltz, S. 27 ff., Eser, in: Schönke/Schröder, Vor § 211 Rn. 32.

3. Der technische Behandlungsabbruch als Unterlassen

Man wird also die dem verantwortlichen Willen des Patienten entsprechende passive Euthanasie in jedem Falle zulassen müssen. Ein Fall dieser Art, und damit komme ich zu einem weiteren vieldiskutierten Problem, liegt auch dann vor, wenn das auf eine Unterlassung weiterer Behandlung gerichtete Verhalten mit einem aktiven Tun verknüpft ist. Der klassische Fall ist der, daß ein Beatmungsgerät auf den Wunsch des Patienten abgeschaltet wird. Der Druck auf den Schaltknopf ist ein Tun. Trotzdem handelt es sich dabei nicht um eine grundsätzlich als Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) strafbare aktive Euthanasie. Denn nach seiner sozialen Bedeutung stellt sich der Vorgang als eine Einstellung der Behandlung und damit als ein Unterlassen weiterer Tätigkeit dar. Die Grenze zwischen strafbarer aktiver und strafloser passiver Euthanasie ist also nicht naturalistisch nach der Vornahme oder Nichtvornahme von Körperbewegungen zu ziehen. Vielmehr kommt es normativ darauf an, ob ein Tun als Behandlungseinstellung zu deuten ist. Dann liegt im juristischen Sinn ein Unterlassen vor, das, wenn es auf dem Willen des Patienten beruht, straflos ist. Die Meinung, die den sog. technischen Behandlungsabbruch als Unterlassen beurteilt, ist heute herrschend (26). Aber auch die Autoren, die darin ein Begehungsverhalten sehen, kommen durchweg zum Ergebnis der Straflosigkeit, indem sie mit verschiedenen Begründungen annehmen, daß ein solches Verhalten dem Schutzzweck der Tötungstatbestände nicht unterfalle (27). Mit Recht sagt Eser (28), es könne jedenfalls im Ergebnis kein Zweifel sein, «daß dort, wo ein medikamentös-therapeutischer Behandlungsabbruch zulässig wäre, auch der technische Behandlungsabbruch zulässig sein muß». In der Sache besteht also weitgehend Einigkeit.


Anmerkungen

Die Fußnote am Absatzende ist unklar. Erst bei Lektüre der Quelle wird klar, daß Gedankengang und teils Formulierung eines ganzen Absatzes übernommen sind - und nicht nur das am Ende stehende wörtliche Zitat von Eser belegt wird.

Sichter

[2.] Cmg/Fragment 099 22 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-14 19:37:53 WiseWoman
BauernOpfer, Cmg, Fragment, Gesichtet, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 099, Zeilen: 22-30
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 351, Zeilen: 14-27
VI. Zwischenergebnis

Die Forderung nach Sterbebegleitung lässt sich gegen ethische oder religiös motivierte Kritik auch mit guten Gründen verteidigen. Deutlich wird dies, wenn man die Zulässigkeit der passiven Sterbehilfe und die Straflosigkeit der Beihilfe zum Suizid in die Betrachtung mit einbezieht: Der Sterbewille eines schwer Leidenden ist zu respektieren, so dass ein frei gewählter Tod eigentlich nicht gegen zentrale ethische Grundsätze verstoßen kann. Dies weiter gedacht, kann auch selbst ein lediglich ethisch problematisches Verhalten keine Strafbarkeit begründen, solange die Autonomie des Betroffenen gewahrt bleibt. Insoweit erscheint es nicht möglich, einen Verstoß gegen [S. 100 die Menschenwürde zu erkennen, wenn ein Sterbewilliger in dem Wunsch, unerträglichem Leiden ein Ende zu setzen, den Tod wünscht.]

3. Stellungnahme

[...] Sie lassen sich daher gegen ethische oder religiös motivierte Kritik mit guten Gründen verteidigen. Denn da man, wie schon die Zulässigkeit der passiven Euthanasie und die Straflosigkeit der Beihilfe zum Suizid zeigen, den Sterbewillen eines schwer Leidenden respektieren muss oder darf, kann ein frei gewählter Tod gegen keine zentralen ethischen Grundsätze verstoßen. Außerdem könnte die ethische Problematik eines Verhaltens auch keine Strafe begründen, solange die Autonomie des Betroffenen gewahrt bleibt. Auch von einem Verstoß gegen die Menschenwürde kann nicht die Rede sein. Es wäre zynisch zu behaupten, dass der Sterbewillige durch den Wunsch, sein unerträgliches Leiden zu beenden, seine Menschenwürde preisgebe.

Anmerkungen

Flächige Übernahme einer Passage, die in der Fußnote zwar angegeben, aber inhaltlich sehr ähnlich wiedergegeben wird und sich auf S. 100 (siehe Fragment) noch fortsetzt. Zwar gibt es dort eine Fußnote mit Verweis auf Roxin, diese erweckt aber den Eindruck, durch sie würde nur das wörtliche Zitat auf S. 100 abgedeckt. Tatsächlich ist der Wortlaut Roxins in der ganzen Passage mehr als deutlich zu erkennen. Allein das "f." hinter der Seitenangabe könnte als Indiz gedeutet werden, dass hier mehr übernommen worden ist als das Zitat.

Sichter
SleepyHollow02

[3.] Cmg/Fragment 100 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-14 19:39:08 WiseWoman
Cmg, Fragment, Gesichtet, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 100, Zeilen: 01-13
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 351, 352, Zeilen: 27-35; 01-02
[Insoweit erscheint es nicht möglich, einen Verstoß gegen] die Menschenwürde zu erkennen, wenn ein Sterbewilliger in dem Wunsch, unerträglichem Leiden ein Ende zu setzen, den Tod wünscht. Er würde dann selbst seine Menschenwürde preisgeben – dies kann jedoch keinen Strafgrund rechtfertigen. Selbst einem Beihilfe leistenden Arzt kann in dieser Hinsicht keine Verletzung der Menschenwürde vorgeworfen werden, da es schon daran fehlt, dass er niemanden für fremde Zwecke instrumentalisiert. In diesem Zusammenhang deshalb allein auf religiöse bzw. theologische Argumente abzustellen, überzeugt nicht, zumal auch auf diesen in der heutigen Zeit nicht allein eine Strafbarkeit gründen kann. Selbst wenn man allein auf diese Motive abstellt, ist es schwer vorstellbar, dass Gott einem kranken Menschen unerträgliche Qualen zumuten will – so auch Schreiber: „Gott kann ich mir nicht anders vorstellen, als dass er dafür Verständnis haben wird, wenn ich ihm das mir gegebene Leben in hoffnungsloser Leidenssituation vorzeitig zurückgebe, mich zu ihm flüchte, wenn meine Krankheit unerträglich wird.“329

329 Roxin, S. 351 f.

[...]Zudem würde ein Verstoß gegen die eigene Menschenwürde noch keinen Bestrafungsgrund (auch nicht für Außenstehende) abgeben. Auch dem Arzt könnte man keinen Menschenwürdeverstoß vorwerfen. Denn er instrumentalisiert niemanden für fremde Zwecke. Auch theologische Argumente haben in diesem Zusammenhang keinen Raum. Abgesehen davon, dass sie in einem laizistischen Staat ohnehin zur Strafbegründung untauglich sind, kann man nicht annehmen, dass Gott einem kranken Menschen unerträgliche Qualen zumuten will. Mit Recht sagt Schreiber:97 „Gott kann ich mir nicht anders vorstellen, als dass er dafür Verständnis haben wird, wenn ich ihm das mir gegebene Leben in hoffnungsloser Leidenssituation vorzeitig zurückgebe, mich zu ihm flüchte, wenn meine Krankheit unerträglich wird."

97 Schreiber, in: FS für Rudolphi, S. 543, 550.

Anmerkungen

Fortsetzung von S. 99: Flächige Übernahme einer Passage, die in der Fußnote zwar angegeben, aber inhaltlich sehr ähnlich wiedergegeben wird. Die Fußnote erweckt den Eindruck, durch sie würde nur das wörtliche Zitat abgedeckt. Tatsächlich ist der Wortlaut Roxins in der Arbeit mehr als deutlich zu erkennen. Allein das "f." hinter der Seitenangabe könnte als Indiz gedeutet werden, dass hier mehr übernommen worden ist als das Zitat. Zudem wird Schreiber hier nicht aus der Urquelle zitiert, sondern über den Verweis auf Roxin.

Sichter
SleepyHollow02

[4.] Cmg/Fragment 111 02 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2015-03-23 09:46:50 SleepyHollow02
BauernOpfer, Cmg, Fragment, Gesichtet, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel sysop

Typus
BauernOpfer
Bearbeiter
SleepyHollow02
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 111, Zeilen: 2-14
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 320, Zeilen: 4-21
Die Beurteilung der Sterbehilfe gehört zu den schwierigsten Problemen des Strafrechts. Dies beruht zunächst darauf, dass es keine ausdrücklich sie behandelnde Regelung gibt. Denn die Mord- und Totschlagsparagraphen sind nicht auf die Sterbehilfe zugeschnitten, oder erfassen wie die Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) nur einen Ausschnitt der Problematik, wobei viele Fragen offen gelassen werden. Dazu kommt aber, dass grundlegende, existenzielle Probleme, die bei dieser Entscheidung relevant werden, generell nicht durch abstrakte Normen geregelt werden können. Da der Sterbevorgang einmalig und individuell ist, kann das Recht dem nicht durch eine notwendigerweise allgemein gehaltene Regelung gerecht werden. Dadurch dass die Thematik der Sterbehilfe sowohl Mediziner, Philosophen, Juristen und Theologen berührt, erscheint eine gemeinsame Ansicht nicht leicht zu gewinnen. Zwar darf nicht übersehen werden, dass dadurch die Debatte bereichert wird, eine Einigung aber durch zum Teil gegenläufige Ideologien verkompliziert wird.361

361 Roxin, S. 320.

Die Beurteilung der Sterbehilfe gehört zu den schwierigsten Problemen des Strafrechts. Das hat drei Gründe. Erstens fehlt eine sie ausdrücklich behandelnde gesetzliche Regelung. Die Mord- und Totschlagsparagraphen unseres StGB sind ersichtlich nicht auf die Sterbehilfe zugeschnitten, oder sie erfassen, wie die Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB), nur einen Ausschnitt der Problematik in einer Weise, die viele Fragen offen lässt. Zweitens sind die existenziellen Probleme, um die es bei der Entscheidung über Leben und Tod geht, rechtlich überhaupt kaum durch abstrakte Normen zu regeln; denn das Recht lebt von typisierbaren Alltagssituationen und kann der individuellen Einmaligkeit des Sterbevorganges durch seine notwendig verallgemeinernde Begrifflichkeit nicht immer gerecht werden. Drittens wird eine Einigung über das Erlaubte und Verbotene auch dadurch erschwert, daß die Sterbehilfe keine Domäne der Strafrechtler ist. In diesem Bereich beanspruchen - mit Recht Mediziner 2, Philosophen 3, Theologen und Literaten 4 ein Mitspracherecht, dessen Ausübung zwar einerseits die Debatte bereichert, eine Einigung über die strafrechtliche Beurteilung aber durch viele außerrechtliche und im weiteren Bereich der Publizistik auch widerstreitende ideologische und weltanschauliche Prämissen kompliziert.

2 Vgl. etwa die Fn. 1 genannten "Grundsätze der Bundesärztekammer".

3 Vgl. etwa Hoerster, Sterbehilfe im säkularen Staat.

4 Dazu Jens/Küng, Menschenwürdig sterben.

Anmerkungen

Teils wörtliche Übernahme; die Fußnote am Ende des Absatzes benennt die Quelle, läßt aber Umfang und Wortlautnähe nicht erkennen.

Sichter
TaBi

[5.] Cmg/Fragment 112 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-09-14 19:36:35 WiseWoman
Cmg, Fragment, Gesichtet, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 112, Zeilen: 03; 12-29
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 342 - 343, Zeilen: 01; 12-17; 25-27; 04-16
Kapitel 1: Abgrenzung zwischen Suizidteilnahme und Tötung auf Verlangen

[...] In diesem Kontext werden oft Zweifel daran laut, ob die Abgrenzung sinnvoll und praktisch durchführbar ist. Dies ist grundsätzlich zu bejahen, auch wenn Grenzfälle Schwierigkeiten bereiten können. Ausgehend von der Annahme, dass dem Gesetzgeber die Autonomie des suizidalen Aktes gegen mögliche Fremdbestimmung nur gesichert erscheint, wenn der Sterbewillige den Selbstmord höchstpersönlich begeht, ist dies wohl sachlich richtig.364

Besonders schwierig aber gestaltet sich eine genaue Abgrenzung dann, wenn eigenhändige Tötungsakte des Suizidenten und eines Außenstehenden zeitlich aufeinander folgen, vgl. in diesem Zusammenhang den Scophedal-Fall365. Der BGH hat den handelnden Neffen wegen Tötung auf Verlangen verurteilt. Hierfür spricht, dass er das Leben des Suizidenten um mindestens eine Stunde verkürzt hat. Denn auch eine geringfügige Lebensverkürzung stellt nach den allgemeinen Regeln von Kausalität und Zurechnung eine Tötungshandlung dar. Roxin dagegen sieht in dieser Konstellation aufgrund einer Würdigung des Gesamtvorgangs lediglich eine straflose Beihilfe zum Suizid. Für diese Ansicht ist anzuführen, dass der Arzt selbst schon seinen Tod in einer für ihn irreversiblen Weise durchgeführt hat. Die nachfolgende Handlung des Täters dagegen förderte im Verhältnis hierzu den Geschehensablauf nur geringfügig und ist somit eher als Beihilfe zu werten. Diese Ansicht gewinnt zunehmend Anhänger.366


364 Roxin, S. 343.

365 BGH, NStZ 1987, S. 365.

366 Roxin, S. 343; Schroth, GA 2006, S. 567.

2. Die Abgrenzung von Suizidteilnahme und Tötung auf Verlangen

[...] Es wird oft bezweifelt, ob diese Abgrenzung sinnvoll und praktisch durchführbar sei. Das ist im Prinzip zu bejahen, auch wenn Grenzfälle, wie überall im Recht, Schwierigkeiten bereiten können70. Ihre sachliche Berechtigung findet sie in der Annahme, dass dem Gesetzgeber die Autonomie des suizidalen Aktes gegen mögliche Fremdbestimmung nur gesichert erscheint, wenn der Sterbewillige den Selbstmord höchstpersönlich begeht, [...] Ein Sonderproblem tritt auf, wenn eigenhändige Tötungsakte des Suizidenten und eines Außenstehenden zeitlich aufeinanderfolgen. Ein Beispiel dafür bietet der vom BGH entschiedene Scophedal-Fall.71[...] [S.343] Der BGH hat mit Zustimmung der h. M. den Neffen ohne weiteres wegen Tötung auf Verlangen bestraft. Dafür lässt sich geltend machen, dass er durch eine gezielte, aktive, durch keine weitere Tätigkeit des Arztes vermittelte Tötungshandlung dessen Leben um mindestens eine Stunde verkürzt hat und dass auch eine so geringfügige Lebensverkürzung nach den allgemeinen Regeln von Kausalität und Zurechnung schon eine Tötungshandlung ist. Mir scheint es aber näher zu liegen, bei Betrachtung des Gesamtvorganges nur eine straflose Beihilfe zum Suizid anzunehmen. Denn der Arzt hatte ja schon mit eigener Hand seinen Tod in einer für ihn nicht mehr reversiblen Weise ins Werk gesetzt, im Verhältnis zu der das Nachhelfen des Neffen nur als eine den Geschehensablauf geringfügig modifizierende Förderung und damit als Beihilfe erscheint. Immerhin gewinnt diese Minderheitsauffassung in zunehmendem Maße Anhänger72.


70 Eine Auseinandersetzung mit solchen schwierigen Grenzfällen findet sich bei Roxin, in: 140 Jahre Goltdammer’s Archiv für Strafrecht, 177, 183-186.

71 NStZ 1987, 365 mit Aufsatz Roxin, NStZ 1987, 345.

72 Hohmann/König, NStZ 1989, 304 ff. (mit eingehender Begründung); NK - Neumann , Rn. 92 vor §211; Schroth, GA 2006, 567, Fn. 87: „Sieht man den Schutzzweck des §216 StGB darin, dass vor übereilten Entscheidungen bzw. Willens mangeln geschützt werden soll, so erfordern diese Schutzzwecke keine Bestrafung.“

Anmerkungen

Übernahme von Überschrift und Struktur, sowie nicht hinreichend gekennzeichnete wörtliche Übernahmen von Roxins Passagen. Auch die Quellen sind mit übernommen. Durch die Wendung "Roxin dagegen sieht..." wird der Eindruck erweckt, dies sei eine kritische Auseinandersetzung mit dem Text von Roxin.

Sichter
SleepyHollow02

[6.] Cmg/Fragment 130 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-08-08 19:21:55 Sotho Tal Ker
Cmg, Fragment, Gesichtet, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel sysop, Verschleierung

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 130, Zeilen: 13-33
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 344, 345, Zeilen: 05-28; 06-08
Beihilfe zum Suizid generell, bzw. unter Beizug eines Arztes, wird von den meisten Ärzten ebenso wie in den Grundsätzen der Bundesärztekammer abgelehnt. Ihrer Ansicht nach „widerspricht die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung dem ärztlichen Ethos und kann strafbar sein.“ Ähnlich äußerten sich Erzbischof Robert Zollitsch (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) und der Chef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber425 Auch im Nationalen Ethikrat bestehen „nach überwiegender Auffassung [...] grundlegende Bedenken gegen jede Form der organisierten Vermittlung von Suizidbeihilfe.“ Aber ob eine derartige ärztliche Verweigerung bei unheilbaren und unerträglichen Leidenszuständen richtig ist, hat schon die Bioethik-Kommission des Landes Rheinland-Pfalz in ihrem Bericht über Sterbehilfe und Sterbebegleitung mit Recht bezweifelt. Denn wenn der Sterbewillige in aussichtlosen Situationen keine ärztliche Hilfe erhalten kann, muss er versuchen, den Suizid (ohne medizinische Hilfe) selbst in die Wege zu leiten, was zu erhöhten Qualen und in vielen Fällen (Beispiel Sturz aus großer Höhe oder Versuch, sich vor Bahnen oder Kraftfahrzeuge zu werfen) auch zur Gefährdung Unbeteiligter führen kann. Zudem ist angesichts der internationalen Sterbehilfe-Diskussion zu bedenken, dass die unbeschränkte Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen, die in Deutschland ganz überwiegend befürwortet wird, auf die Dauer nur aufrechtzuerhalten sein wird, wenn auch standesrechtlich klargestellt wird, dass in ausweglosen Fällen die ärztliche Assistenz bei einer Selbsttötung zulässig ist. Auch der Deutsche Juristentag empfahl 2006, dass statt der ausnahmslosen standesrechtlichen Missbilligung des ärztlich [assistierten Suizids eine differenzierte Beurteilung stattfinden solle.]

425 http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/522659/kirchen-aerztekammerfordern-humanere-medizin.html?sh=225&h=-641406097 (28.11.2008).

Obwohl die Beihilfe zum Suizid generell und, wie der Fall Hackethal zeigt (oben E I), auch die Beihilfe von Seiten eines Arztes straflos ist, wird sie von den meisten Ärzten ebenso wie in den Grundsätzen der Bundesärztekammer73 abgelehnt. Danach „widerspricht die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung dem ärztlichen Ethos und kann strafbar sein“ (wobei der Hinweis auf die Möglichkeit einer Strafbarkeit sich nur auf die Fälle einer nicht verantwortlichen Selbsttötung beziehen kann; dazu oben E I 1). Auch im Nationalen Ethikrat74 bestehen „nach überwiegend vertretener Auffassung... grundlegende Bedenken gegen jede Form der organisierten Vermittlung von Suizidbeihilfe“. Ob eine solche ärztliche Verweigerung bei unheilbaren und unerträglichen Leidenszuständen allemal richtig ist, hat schon die Bioethik- Kommission des Landes Rheinland-Pfalz in ihrem Bericht über Sterbehilfe und Sterbebegleitung75 mit Recht bezweifelt. Denn wenn der Sterbewillige in aussichtslosen Situationen keine ärztliche Hilfe erhalten kann, muss er versuchen, den Suizid auf dilettantische Weise selbst in die Wege zu leiten, was zu erhöhten Qualen und in vielen Fällen (beim Sturz aus einem hoch gelegenen Fenster oder bei dem Versuch, sich vor Bahnen oder Kraftfahrzeuge zu werfen) auch zur Gefährdung Unbeteiligter führen kann. Auch ist angesichts der internationalen Entwicklung der Sterbehilfe-Diskussion (dazu S. 347ff.) zu bedenken, dass die unbeschränkte Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen, die in Deutschland ganz überwiegend befürwortet wird, auf die Dauer nur aufrechtzuerhalten sein wird, wenn auch standesrechtlich klargestellt wird, dass in ausweglosen Fällen die ärztliche Assistenz bei einer Selbsttötung zulässig ist. [...] [S. 345] Eine solche Regelung, [...] hat auch den Beifall des Deutschen Juristentages 200677 gefunden.

73 BÄK-Grundsätze, NJW 1998, 3406.

74 Wie nationale Ethikrat, „Stellungnahme“ , S. 49.

75 http://www.justiz.rep.de

77Abteilung Strafrecht IV, 5, 1. Variante.

Anmerkungen

Roxin wird passagenweise - samt Zitaten - übernommen und nicht einmal in der Fußnote erwähnt.

Sichter
SleepyHollow02

[7.] Cmg/Fragment 131 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-04-15 08:17:30 SleepyHollow02
Cmg, Fragment, Gesichtet, KeineWertung, Roxin 2007, SMWFragment, Schutzlevel

Typus
KeineWertung
Bearbeiter
TaBi
Gesichtet
Yes.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 131, Zeilen: 01-08
Quelle: Roxin 2007
Seite(n): 345, Zeilen: 0
[S. 130 Auch der Deutsche Juristentag empfahl 2006, dass statt der ausnahmslosen standesrechtlichen Missbilligung des ärztlich] assistierten Suizids eine differenzierte Beurteilung stattfinden solle. Toleriert werden solle die Mitwirkung des Arztes an dem Suizid eines Patienten mit einem unerträglichen, unheilbaren und mit palliativmedizinischen Mitteln nicht ausreichend zu lindernden Leiden. Dies soll eine nicht nur strafrechtlich zulässige, sondern auch ethisch vertretbare Form der Sterbebegleitung sein. Durch ärztliche Dokumentationspflicht soll dies sichergestellt werden, wie das auch schon der AE-StB und die Empfehlung des Deutschen Juristentags 2006 für den Fall der möglicherweise lebensverkürzenden Leidenslinderung vorsehen.426

426 Roxin, S. 345.

Eine solche Regelung, die mit den nachstehend geschilderten Einschränkungen für die „organisierte“ Beihilfe zum Suizid Zustimmung verdient,76 hat auch den Beifall des Deutschen Juristentages 200677 gefunden. Dieser erklärt: „Die ausnahmslose standesrechtliche Missbilligung des ärztlich assistierten Suizids sollte einer differenzierten Beurteilung weichen, welche die Mitwirkung des Arztes an dem Suizid eines Patienten mit unerträglichem, unheilbarem und mit palliativmedizinischen Mitteln nicht ausreichend zu lindernden Leiden als eine nicht nur strafrechtlich zulässige, sondern auch ethisch vertretbare Form der Sterbebegleitung toleriert.” Freilich sollte eine ärztliche Dokumentationspflicht vorgesehen werden, wie sie der AE-StB und der Deutsche Juristentag 2006 für den Fall der möglicherweise lebensverkürzenden Leidenslinderung schon vorsehen.

76 Ebenso Schroth , GA 2006, 571.

77 Abteilung Strafrecht IV, 5, 1. Variante.

Anmerkungen

Es ist zwar eine Fußnote auf Roxin gesetzt, allerdings deckt diese nicht die parallelen Satzstrukturen und die ähnliche Formulierung. Das in indirekter Rede stehende Zitat des Juristentages findet sich - mit Primärquelle - bei Roxin.

Sichter
SleepyHollow02

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