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Quelle:Fwp/Gerhardt Hubatsch 1950

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Angaben zur Quelle [Bearbeiten]

Autor     Martin Gerhardt, Walther Hubatsch
Titel    Deutschland und Skandinavien im Wandel der Jahrhunderte
Ort    Bonn
Verlag    Röhrscheid
Jahr    1950

Literaturverz.   

ja
Fußnoten    nein
Fragmente    15


Fragmente der Quelle:
[1.] Analyse:Fwp/Fragment 220 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:32:25 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 220, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 324, Zeilen: S. 324; S. 325; S. 326
[Der Wiener Kongreß hatte den äußeren politischen Rahmen geschaffen, von dem auch die deutsch-skandinavischen Beziehungen nicht aus-]genommen waren. Zur Bekräftigung dieses europäischen Systems und als Sicherung gegen die gefürchteten Ideen der französischen Revolution war der Fürstenbund der »Heiligen Allianz« geschlossen worden, dem die deutschen ebenso wie die skandinavischen Staaten beitraten. Ein lebendiges politisches Verhältnis konnte aus diesen reaktionären Bestrebungen sicher nicht erwachsen. Statt eines größeren europäischen Zusammenschlusses waren die Einzelstaaten auf sich selbst angewiesen und entwickelten im Zeichen des steigenden Nationalismus ein Selbstbewußtsein, das die Verantwortung für größere Gemeinschaften nicht zu kennen schien. Gleichwohl war es innerhalb der Vielfalt der politischen Ideen noch keineswegs ausgemacht, welche die Oberhand gewinnen sollte. In Deutschland vollends überschnitten sich mannigfache Staatsanschauungen, die neben und bisweilen auch gegeneinander standen, oft jedoch auch unlöslich ineinander verstrickt waren.

In allen Fällen spielte der Nationalstaatsgedanke eine bedeutende Rolle. Drei Hauptströmungen lassen sich unterscheiden: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland, ausgetragen zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich mit dem Ziel eines deutschen Nationalstaates unter Führung einer dieser beiden Mächte. Für die Gestaltung der Beziehungen zu Skandinavien konnte der Ausgang dieses deutschen Dualismus nicht ohne Bedeutung bleiben 19. Von weitreichender ideologischer Wirksamkeit erwies sich hingegen der Ruf nach deutscher Einheit, die im wesentlichen föderalistisch-demokratisch gestaltet, den mitteleuropäischen Raum umfassen sollte.

Diese Einigungsbewegung wurde besonders gefördert und geprägt durch die Aufnahme konstitutionellen Gedankengutes aus der französischen Revolution. Auch in ihr herrschte die Nationalstaatsidee vor, während die dritte Richtung, auf der Einigungsbewegung aufbauend, die mitteleuropäische nationalstaatliche Grundlage verließ zugunsten einer größeren Gemeinsamkeit »großgermanischer« oder »pangermanischer« Prägung. Die letztere Strömung, die auf die Gestaltung der deutsch-skandinavischen Beziehungen den stärksten Einfluß hätte ausüben müssen, zumal sie auch in Skandinavien vertreten wurde, ist in der praktischen Politik indessen von geringer Bedeutung geblieben. Der Nationalstaatsgedanke im neunzehnten Jahrhundert war für die Beziehungen beider Staatsgruppen entscheidend. Damit gewinnt die Frage nach der inneren Struktur der deutschen Einigungsbewegung auch für Skandinavien ein besonderes Interesse.

Die Idee der deutschen Einigungsbewegung sah in der politischen Realität des mittelalterlichen deutschen Kaisertums ihre Ausgangsbasis. Nachdem die frühe deutsche Romantik die Aufklärung überwunden hatte, kam es mit der Wiederentdeckung des Mittelalters zur Renaissance der deutschen Reichsidee. Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus [der Idee in die Wirklichkeit zu transponieren, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.]


[S. 251]

19 Vgl.: Heinr. v. Treitschke, Deutsche Geschichte im 19. Jh., Freiburg 1947

Der Wiener Kongreß hatte den äußeren politischen Rahmen geschaffen, in dem sich auch die deutsch-skandinavischen Beziehungen abspielen mußten. Zur Bekräftigung dieses europäischen Systems und als Sicherung gegen die gefürchteten Ideen der französischen Revolution war der Fürstenbund der „Heiligen

[S. 325]

Allianz“ geschlossen worden, dem die deutschen ebenso wie die skandinavischen Staaten beitraten. Ein lebendiges politisches Verhältnis konnte aus diesen reaktionären Bestrebungen nicht erwachsen. Der größere europäische Zusammenschluß blieb aus, statt dessen wurden die Einzelstaaten auf sich selbst angewiesen und wuchsen im Zeichen des steigenden Nationalismus in ein Selbstbewußtsein, das mehr und mehr egozentrisch bestimmt wurde und die Verantwortung für größere Gemeinsamkeiten nicht zu kennen schien. Gleichwohl war es innerhalb der Vielfalt der auf den Plan getretenen politischen Ideen noch keineswegs klar, welche zum Siege bestimmt sein mochte. In Deutschland vollends überschnitten sich mannigfache Staatsanschauungen, die neben-, bisweilen auch gegeneinander standen, oft aber sich unlöslich ineinander verstrickt hatten. In allen Fällen spielte der Nationalstaatsgedanke eine bedeutende Rolle. Drei Hauptströmungen lassen sich unterscheiden: Der Kampf um die Vorherrschaft in Deutschland, ausgetragen zwischen den beiden Großmächten Preußen und Österreich mit dem Ziel eines deutschen Nationalstaates unter Führung einer dieser beiden Mächte. Für die Gestaltung der Beziehungen zu Skandinavien konnte der Ausgang dieses deutschen Dualismus nicht von nebensächlicher Bedeutung bleiben. Von weitreichender ideologischer Wirksamkeit hingegen erwies sich der Ruf nach deutscher Einheit, die, im wesentlichen föderalistisch-demokratisch gestaltet, den mitteleuropäischen Raum umfassen sollte. Diese Einigungsbewegung erhielt ihre besondere Stoßkraft und zeitgemäße Prägung durch die Aufnahme von konstitutionellem Gedankengut aus den französischen Revolutionen von 1789 und 1830. Auch in ihr herrschte die Nationalstaatsidee vor, während die dritte Richtung, auf der Einigungsbewegung aufbauend, die mitteleuropäische nationalstaatliche Grundlage verließ zugunsten einer größeren Gemeinsamkeit „großgermanischer“ oder „pangermanischer“ Prägung. Diese letztere Strömung, die auf die Gestaltung der deutsch-skandinavischen Beziehungen den stärksten Einfluß hätte ausüben müssen, zumal sie auch in Skandinavien vertreten wurde, ist in der praktischen Politik jedoch von geringster Bedeutung geblieben. Der Nationalstaatsgedanke hat sich im neunzehnten Jahrhundert für die Beziehungen beider Staatengruppen als entscheidend erwiesen. Damit gewinnt die Frage nach der inneren Struktur der deutschen Einigungsbewegung für Skandinavien ein besonderes Interesse, wobei

[S. 326]

es hier außer Betracht bleiben muß, aus welchen Staatsanschauungen liberaler oder konservativer Prägung die deutsche Reichsgründung schließlich zu verwirklichen versucht wurde.

Die Grundlagen der deutschen Einigungsbewegung waren nicht nur rein geistiger Art. Sie knüpften an die politische Realität des mittelalterlichen deutschen Kaisertums an. Nachdem die frühe deutsche Romantik durch die überheblich gewordene Aufklärung hindurchgestoßen war und das Mittelalter wiederentdeckt hatte, lag vor ihren Augen das Bild der alten deutschen Reichsherrlichkeit. Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus der Idee in die Wirklichkeit zu überführen, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

Anmerkungen
Sichter

[2.] Analyse:Fwp/Fragment 221 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:32:42 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 221, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 326, Zeilen: S. 326; S. 327
[Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus] der Idee in die Wirklichkeit zu transponieren, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

Doch die Kraft der mittelalterlichen Reichsidee war geschwunden und hatte einem selbstgenügsamen Sichbescheiden Platz gemacht, das nicht als nationale Tragik, sondern eher als gottgewollt und naturgegeben angesehen wurde. Aus der Weltgeltung des Kaisertums war Deutschland in die abseitige Stellung der Selbstbeschränkung, des Abwartens und allenfalls der kritischen Distanz zurückgedrängt. Der ferne Abglanz der Kaiserherrlichkeit lebte noch im Volksbewußtsein weiter. Die Erinnerung an die alte Größe blieb und mit ihr die Sehnsucht nach einem neuen Reich der Deutschen. Sie lebte weiter in den verborgenen Strömungen des Volkstums, die nunmehr die Bewegung der deutschen Romantik neu erschloß. »Es ist wenig Freude dabei, das Vaterland, das einst das heilige Reich hieß, politisch zu betrachten«, schrieb Ernst Moritz Arndt 1803, »ein Volk, das hundert Herren hat, kann nie glücklich sein, weil ihm das Bewußtsein der Stärke, der Liebe zu einer großen Gesamtheit, die Aufopferung für die Gesamtheit fehlt.«

Wenn das Reich vor 1806 nur noch ein Schattendasein geführt hatte, so hat seine Auflösung doch die Zeitgenossen tief beeindruckt. Mit der Erkenntnis des eigenen nationalen Niederganges und des Unheils des Territorialismus keimte aus den Zusammenbrüchen der napoleonischen Kriege die Hoffnung auf Wiederherstellung der Einheit, die nicht nur eine kulturelle nationale Gesinnung bedeuten sollte, sondern »innerhalb seiner eigentlichen Naturgrenzen das Reich der Deutschen als politisches Machtgebilde« wieder aufzurichten gedachte 20.

»Vom Kaiser und vom Reich« sprach nicht nur der Dichter der Befreiungskriege Max von Schenckendorff [sic], die Erziehung zur Nation forderte nicht nur Fichte. Die Befreiung von 1813 war eine Volksbewegung, die zur Reichsbildung geradezu drängte. Gegen die Enttäuschung der Epoche Metternichs, gegen die Unterdrückung in den alten Formen des Absolutismus und gegen die Sanktionierung eines zersplitterten Reichskörpers lehnten sich starke Kräfte auf. Zum Träger der Einigungsbewegung aber wurde das Bürgertum aller deutschen Stämme, vornehmlich deren Bildungsschicht. Auf dem Wartburgfest 1817 trat am Jahrestag der Schlacht bei Leipzig die Rolle der studentischen Jugend deutlich zutage. Kam die Gründung des deutschen Zollvereins den notwendigsten wirtschaftlichen Erfordernissen entgegen, so gab doch erst die europäische Bewegung von 1848 den Anstoß zur deutschen Revolution. Sie war im Grunde nichts anderes als ein Ausbruch der seit 1813 zurückgestauten Kräfte und wurde nunmehr im außenpolitischen Bereich zum Kampf der deutschen Patrioten für das nationale Selbstbestimmungsrecht.

Diese Bewegung erfuhr indessen noch einen anderen Antrieb, der nahezu in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt [hat: den Volkstumsgedanken.]


[S. 251]

20 Vgl.: E. M. Arndt, Germanien und Europa (1803), neu hrsg. Berlin 1941

Diese aus der Vergangenheit in die Gegenwart, aus der Idee in die Wirklichkeit zu überführen, war das Ziel des romantischen Nationalismus in Deutschland.

Doch die Geltung des Reiches war zerbrochen und mit ihr auch das Geltungsbedürfnis der Deutschen; ein selbstgenügsames Sichbescheiden faßte den Zustand der Ohnmacht nicht als nationale Tragik auf, sondern als gottgewollt und naturgegeben. Aus der Weltgeltung des Kaisertums war Deutschland in die abseitige Stellung der Selbstbeschränkung, des Abwartens und der Kritik zurückgedrängt. Der ferne Abglanz der Kaiserherrlichkeit lebte noch im Volksbewußtsein weiter. Die Erinnerung an die alte Größe blieb und mit ihr die Sehnsucht nach einem neuen Reich der Deutschen. Sie lebte weiter in den verborgenen Strömungen des Volkstums, die nunmehr die Bewegung der deutschen Romantik neu erschloß. „Es ist wenig Freude dabei, das Vaterland, das einst das heilige Reich hieß, politisch zu betrachten“, schrieb Ernst Moritz Arndt 1803; „ein Volk, das hundert Herren hat, kann nie glücklich sein, weil ihm das Bewußtsein der Stärke, die Liebe zu einer großen Gesamtheit, der Aufopferung für die Gesamtheit fehlen.“ Wenn das Reich vor 1806 auch nur ein Schattendasein führte: seine Auflösung hat doch die Zeitgenossen tief beeindruckt. Mit der Erkenntnis der eigenen nationalen Schande und des Unheils des Territorialismus keimte aus den Zusammenbrüchen der napoleonischen Kriege die Hoffnung auf Wiederherstellung der Einheit, die nicht nur eine kulturelle nationale Gesinnung bedeuten sollte, sondern „innerhalb seiner: eigentlichen Naturgrenzen,“158) „das Reich der Deutschen als politisches Machtgebilde“ wieder aufzurichten gedachte. „Vom

[S. 327]

Kaiser und vom Reich“ predigte nicht nur der Dichter der Befreiungskriege Max von Schenkendorf; die Erziehung zur Nation forderte nicht nur Fichte. Die Befreiung von 1813 war eine Volksbewegung, die zur Reichsbildung geradezu drängte. Gegen die Enttäuschung der Metternichepoche, gegen die Unterdrückung in den alten Formen des Absolutismus und gegen die Sanktionierung eines zersplitterten Reichskörpers lehnten sich starke Kräfte auf. Zum Träger der Einigungsbewegung aber wurde das Bürgertum aller deutschen Stämme, vornehmlich deren Bildungsschicht. Auf dem Wartburgfest 1817 trat am Jahrestage der Schlacht bei Leipzig die führende Rolle der studentischen Jugend deutlich zutage. Kam die Gründung des deutschen Zollvereins 1833 wenigstens den notwendigsten wirtschaftlichen Forderungen entgegen, so gab doch erst die europäische Bewegung von 1848 den Anstoß auch zur deutschen Revolution. Sie war im Grunde nichts anderes als ein Ausbruch der seit 1813 zurückgestauten Kräfte und wurde nunmehr im außenpolitischen Bereich zum Kampf der deutschen Patrioten für das nationale Selbstbestimmungsrecht. Diese Bewegung aber hatte noch einen anderen Antrieb, der in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt hat: den Volkstumsgedanken.


158) Als solche werden genannt: Alpen — Kanalküste — Eider — Ostsee — die neu-ostpreußische Grenze nach der dritten Teilung Polens.

Anmerkungen
Sichter

[3.] Analyse:Fwp/Fragment 222 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:33:07 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 222, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 327, Zeilen: S. 327; S. 328; S. 330
Diese Bewegung erfuhr indessen noch einen anderen Antrieb, der nahezu in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt [hat: den Volkstumsgedanken.] Die romantische Idee der Volksseele, die vornehmlich ihren Ausdruck in der Sprache dieser Zeit findet, war schon von Herder und in völkischen Gedanken gegenüber der Freiheits- und Gleichheitsidee der französischen Revolution vorgeformt. Bei Herder tritt weiterhin jenes Element auf, das in der nachfolgenden romantischen Bewegung immer mehr und deutlicher entwickelt wurde: das Bewußtsein von einer »germanisch-nordischen Gemeinsamkeit«. Das betrifft nicht nur die Poesie, sondern es gilt auch für ganz konkrete Aufgaben im politischen Bereich. Nach Herder ist es die geschichtliche Aufgabe Preußens, daß es »vereint mit Österreich (dessen natürlicher Verbündeter und Bundesgenosse Brandenburg ist) ein Teil der Mittelmacht werden sollte, die das feste Land aller deutschen Völker wie auch die nordischen Völkerreiche vor Unterdrückung fremder Nationen und Sprachen mitbeschützen helfe ... Der Zwist, der sie trennte, ist fast erloschen, und bald ist die Zeit zu hoffen, da zum gemeinsamen Wohle Europas, zur Aufrechterhaltung der deutschen und von Deutschen abstammenden Völker ein dringendes Interesse beide innig verbindet.« Eine solche tiefere Gemeinsamkeit sieht Ernst Moritz Arndt in der Vergangenheit begründet, in der Zeit, »als die Germanen, deren echteste Söhne wir und die Schweden und Dänen noch sind, die Erde mit ihren Taten erschütterten«. Die deutsche Romantik entdeckte nicht nur das eigene Volkstum, sie bildete sich darüber hinaus aus instinktivem Gefühl ein nordisches Ideal. Im Bewußtsein einer gemeinsamen Wurzel wird die Einbeziehung des Nordens in diesen Gedankenkreis vorbereitet.

Neben die »Reichssehnsucht« tritt so die »Nordsehnsucht« als ein politisches Gefühlsmoment jener Zeit. Der nordische Gedanke wird bei Herder angebahnt, von A. W. von Schlegel politisch aufgegriffen und von den Gebrüdern Grimm sprachwissenschaftlich bestätigt und unterbaut; sein größter Verfechter aber wurde Ernst Moritz Arndt (1769—1860). Bei ihm zeigt sich Reichssehnsucht und Nordsehnsucht in gleicher Weise. Auf Rügen, im damaligen Schwedisch-Pommern aufgewachsen, hat sich dieser Vorkämpfer der deutschen Einheitsbewegung zugleich auch zeit seines Lebens um eine Annäherung von Deutschland und Schweden bemüht.

In Skandinavien hielt man weniger den straffen Nationalstaat als vielmehr eine Union der drei skandinavischen Länder für das geeignete Mittel, den politischen Krisen der Zeit zu steuern. Neben die italienische und die deutsche trat die skandinavische Einheitsbewegung, und wenn auch Norwegen nur am Rande beteiligt blieb, so hat die Bewegung doch den ganzen Raum der nordischen Länder umfaßt und durch das ideelle und zeitweise auch politische Gewicht erheblich auf die deutsche Entwicklung eingewirkt 21.

Der Gedanke einer engen Zusammenfassung der nordeuropäischen Staaten ist keine vereinzelte oder ursprünglich neue Erscheinung. Im Zusammenhang gesehen ist er geschichtlich immer wieder wirksam geworden;


[S. 251]

21 Vgl.: J. Clausen, Skandinavismen historisk fremstillet, Kopenhagen 1900; ferner: O. D. Detlefsen, Die nordische Einheitsbewegung, ihre politische Entwicklung und ihre staats- und völkerrechtlichen Auswirkungen, Diss. Rostock 1941

Diese Bewegung aber hatte noch einen anderen Antrieb, der in gleicher Weise wie die Reichsidee die Einigungsbewegung bestimmt hat: den Volkstumsgedanken. Die romantische Idee der Volksseele, die ihren Ausdruck in der Sprache findet, ist schon von Herder vorgeformt. Bei ihm findet sich ebenfalls die Betonung der nationalen und völkischen Gedanken gegenüber der Freiheits- und Gleichheitsidee der französischen Revolution. Bei Herder tritt weiterhin jenes Element auf, das in der nachfolgenden romantischen Bewegung immer kräftiger und deutlicher entwickelt wurde: das Bewußtsein von einer „germanisch-nordischen Gemeinsamkeit“. Das gilt nicht nur von der Poesie, „welche Shakespeares Schriften und die nordische Edda und Skaldrer Gesänge bestimmen müssen“. Das gilt auch für ganz konkrete Aufgaben im politischen Bereich. Nach Herder ist es die geschichtliche Aufgabe Preußens, daß es „vereint mit Österreich (dessen natürlicher Bundesgenosse Brandenburg ist) ein Teil der Mittelmacht werden sollte, die das feste Land aller deutschen Völker sowohl als die nordischen Reiche vor Unterdrückungen fremder Nationen und Sprachen mitbeschützen helfe ... Der Zwist, der sie trennte, ist fast erloschen, und bald ist die Zeit zu hoffen, da zum gemeinsamen Wohl Europas, zur Aufrechterhaltung der deutschen und von Deutschen abstammenden Völker

[S. 328]

ein dringendes Interesse beide innig verbindet.“ Eine solche tiefere Gemeinsamkeit sieht Ernst Moritz Arndt in der Vergangenheit begründet, in der Zeit, „als die Germanen, deren echteste Söhne wir und die Schweden und Dänen noch sind, die Erde mit ihren Taten erschütterten.“ Die deutsche Romantik entdeckte nicht nur das eigene Volkstum, sie bildete darüber hinaus sich aus instinktivem Gefühl ein nordisches Ideal. Im Bewußtsein einer gemeinsamen Wurzel wird die Einbeziehung des Nordens in diesen Gedankenkreis vorbereitet.

Neben die „Reichssehnsucht“ tritt so die „Nordsehnsucht“ als ein politisches Gefühlsmoment jener Zeit. Der nordische Gedanke ist bei Herder geahnt, von A. W. v. Schlegel politisch aufgegriffen und von den Gebrüdern Grimm sprachwissenschaftlich bestätigt und unterbaut; sein größter Verfechter aber wurde Ernst Moritz Arndt (1769—1860).. Bei ihm zeigt sich Reichssehnsucht und Nordsehnsucht in gleicher Weise. Auf Rügen im damaligen Schwedisch-Pommern aufgewachsen, hat sich dieser Vorkämpfer der deutschen Einigungsbewegung zugleich auch Zeit seines Lebens um eine Annäherung von Deutschland und Schweden bemüht. [...]

[S. 330]

So hielt man in Skandinavien weniger den straffen Nationalstaat als vielmehr eine Union der drei skandinavischen Länder für das geeignete Mittel, durch die politischen Krisen der Zeit zu steuern. Neben die italienische und die deutsche trat die skandinavische Einigungsbewegung, und wenn auch Norwegen nur am Rande beteiligt blieb, so hat die Bewegung doch den ganzen Raum der nordischen Länder umfaßt und durch das ideelle und zeitweise auch politische Gewicht erheblich auf die deutsche Entwicklung eingewirkt.

Der Gedanke einer engen Zusammenfassung der nordeuropäischen Staaten ist keine vereinzelte oder ursprünglich neue Erscheinung. Im Zusammenhang gesehen, ist er geschichtlich immer wieder wirksam geworden;

Anmerkungen
Sichter

[4.] Analyse:Fwp/Fragment 223 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:33:33 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 223, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 330, Zeilen: S. 330; S. 331; S. 333; S. 334
[Im Zu-]sammenhang gesehen ist er geschichtlich immer wieder wirksam geworden; doch hat die Kalmarer Union, die dänische Politik Gustavs III. und die lose Verbindung der »bewaffneten Neutralität« ganz andere Voraussetzungen und Grundlagen als die neue Bewegung, die ihren Ursprung erst im Zeitalter des erwachenden Nationalismus finden konnte und das aus der politischen Unmündigkeit strebende Volk erfaßte und trug. Innerhalb des nordischen Einigungsgedankens bezeichnet die Ideologie des »Skandinavismus« jenen Abschnitt, der das neunzehnte Jahrhundert hindurch für das Zusammenleben der skandinavischen Völker und deren Stellung innerhalb Europas bestimmend geworden ist und deren Nachwirkungen noch heute spürbar sind. Dabei ist der Begriff des »Skandinavismus« nicht so eindeutig umrissen, wie es den Anschein haben mag; in diesem mehr historisch ausgelegten Terminus spiegeln sich mehrere, zum Teil einander widersprechende Gedankenreihen, die jedoch zugleich das gesamte Material der Entstehung und Entwicklung dieser Bewegung enthalten. Ihre Entwicklung, deren Hauptphase sich in den Jahren 1830 bis 1864 abspielte, durchlief mehr als ein Generationszeitalter und deutete dadurch schon die Wandlungsfähigkeit an.

Die politische Tendenz des Skandinavismus war allerdings noch nicht deutlich geworden, da räumliche Bedingtheiten die Realisierung der Ideologien und die Staatsraison dem Tatendrang gewisser Literaten und Advokaten enge Grenzen setzte. Die fortschreitenden Einigungsbewegungen steckten sowohl in Deutschland wie in Skandinavien ihre außenpolitischen Ziele ab, doch mußten sie dem gemeinsamen politischen Objekt in Schleswig-Holstein Rechnung tragen, das immer noch in Personalunion mit Dänemark verbunden war, dessen erstarkendes Nationalbewußtsein durch Uwe Jens Lornsen, Dahlmann und Droysen gefördert, jedoch zu einer engen Bindung an das ersehnte größere Deutschland strebte; zum anderen erwies sich die Anziehungskraft eines deutschen Gesamtstaates in wirtschaftlicher Hinsicht stärker als die Gegebenheiten in Dänemark.

Die dänischen Skandinavisten sahen daher seine Bedrohung von Süden her; in der schleswig-holsteinischen Frage überwog die politische Überzeugung, daß Dänemark ohne die Herzogtümer nicht weiter bestehen könne. »Dänemark bis zur Eider« wurde zur Forderung der nationalliberalen Kreise in Dänemark, der sogenannten »Eiderdänen«. Da die Verwirklichung dieser Forderung die Trennung Schleswigs von Holstein bedeutet hätte, vertrat die dänisch-monarchische Richtung die »Gesamtstaatstheorie«, die Beibehaltung der beiden Herzogtümer unter gewissen Sonderrechten innerhalb der dänischen Gesamtmonarchie. Die schleswig-holsteinische Frage, die bis 1848 kein ernstes Problem gewesen war, wurde erst dadurch bedeutsam, daß die Möglichkeit eines flottenstarken deutschen Ostseestaates der Verwirklichung nahe schien. Daher wurde Dänemark bei dem Versuch, einen praktischen Skandinavismus durchzusetzen, der führende [Staat.]

Im Zusammenhang gesehen, ist er geschichtlich immer wieder wirksam geworden; doch hat die Kalmarer Union, die dänische Politik Gustafs III. und die lose Vereinigung der „bewaffneten Neutralität“ ganz andere Voraussetzungen und Grundlagen als die neue Bewegung, die ihren Ursprung erst im Zeitalter des erwachenden Nationalismus finden konnte und

[S. 331]

das aus der politischen Unmündigkeit strebende Volk erfaßte und trug. Innerhalb des nordischen Einigungsgedankens bezeichnet die Ideologie des „Skandinavismus“ jenen Abschnitt, der das neunzehnte Jahrhundert hindurch für das Zusammenleben der skandinavischen Völker und deren Stellung innerhalb Europas bestimmend geworden ist und deren Fernwirkungen noch heute vernehmbar sind. Dabei ist der Begriff „Skandinavismus“ nicht von so eindeutiger Natur, wie es den Anschein, haben mag; in diesem historischen Schlagwort spiegeln sich mehrere, zum Teil einander widersprechende Gedankenreihen, in ihm ist zugleich der ganze Weg der Entstehung und Reife dieser Bewegung enthalten. Ihre Entwicklung, deren Hauptphase sich in den Jahren 1830 bis 1864 abspielte, durchlief mehr als ein Generationszeitalter und deutet dadurch schon die Wandlungsfähigkeit an.

[S. 333]

Die politische Linie des Skandinavismus war noch nicht deutlich geworden, räumliche Bedingtheiten hemmten die Ideologien, und die Staatsraison setzte engere Schranken, als es dem überschäumenden Tatendrang gewisser Literaten und Advokaten lieb war. Die fortschreitenden Einigungsbewegungen steckten sowohl in Deutschland wie in Skandinavien ihre außenpolitische Ziele ab; sie mußten ein gemeinsames politisches Objekt in Schleswig-Holstein feststellen, das immer noch in Personalunion mit Dänemark verbunden war, dessen erstarkendes Nationalbewußtsein, durch Uwe Jens Lornsen, Dahlmann und Droysen gefördert, jedoch zu einer engen Bindung an das ersehnte größere Deutschland strebte. Auch erwies sich die Anziehungskraft eines deutschen Gesamtstaates in wirtschaftlicher Hinsicht größer als die Zustände in Dänemark. Die dänischen Skandinavisten sahen

[S. 334]

daher eine Bedrohung von Süden her; in der schleswig-holsteinischen Frage überwog der politische Gesichtspunkt, nämlich daß Dänemark ohne die Herzogtümer nicht weiter bestehen könne, den nationalen, völkischen und Rechtsstandpunkt. „Dänemark bis zur Eider“ wurde die Forderung der nationalliberalen Kreise in Dänemark, der „Eiderdänen“. Da das die Trennung Schleswigs von Holstein bedeutet hätte, vertrat die dänisch-monarchische Richtung die „Gesamtstaatstheorie“, die Beibehaltung der beiden Herzogtümer unter gewissen Sonderrechten innerhalb der dänischen Gesamtmonarchie. [...]

die schleswig-holsteinische Frage war bis 1848 in Schweden erst recht kein Problem und wurde erst dadurch bedeutsam, daß die Möglichkeit eines großen deutschen flottenstarken Ostseestaates der Verwirklichung nahe schien. Daher wurde Dänemark bei dem Versuche, einen praktischen Skandinavismus durchzusetzen, der führende Staat.

Anmerkungen
Sichter

[5.] Analyse:Fwp/Fragment 224 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:35:10 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 224, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 334, Zeilen: S. 334; S. 335; S. 336; S. 337
[Daher wurde Dänemark bei dem Versuch, einen praktischen Skandinavismus durchzusetzen, der führende] Staat. Hier wandelte sich die nordische Idee unter dem Einfluß nationalliberaler Bestrebungen in einen Chauvinismus, der in der Form einer »dänischen Lebensversicherung« die skandinavischen Brüdervölker in die Belange des dänischen Staates einzuspannen suchte 22.

Die deutschfeindliche Haltung des Skandinavismus war in seiner Anlage ursprünglich nicht gegeben. Daß im Norden Europas sich die skandinavischen Völker ebenso zu einem Staatenverband zusammenschließen würden wie im Süden die italienischen und in Mitteleuropa die deutschen Staaten, schien in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts nur eine Frage der Zeit zu sein; eine politische Verwirklichung des Skandinavismus war unmöglich ohne die Beteiligung einer Großmacht: als Grenznachbar im Osten stand Rußland, von der See her konnte England jederzeit auf das ausfuhrabhängige Norwegen Pressionen ausüben, und im Süden entstand als Nachbar Dänemarks und bedeutender Ostseeanrainer der deutsche Gesamtstaat. Diese Erkenntnis veranlaßte einflußreiche Persönlichkeiten aus allen skandinavischen Staaten, den Skandinavismus nur als Vorstufe zu einer größeren Einheit zu betrachten und über ihn hinaus die Erweiterung zu einem großgermanischen Zusammenschluß anzustellen. Dieses Bestreben war besonders ausgeprägt in Schweden, wo Lars Johan Hierta, der Begründer des liberalen »Aftonbladet«, sich nachdrücklich dafür einsetzte. Die vereinten Reiche Schweden und Norwegen, so führte er 1848 mehrfach aus, hätten keinen Anlaß, mit dem deutschen Volk Händel zu suchen, das für Schweden in gleichem Maße wie für das dänische Volk als ein wünschenswerter Verbündeter betrachtet werden sollte und vereint mit ihm im Hinblick auf einen möglichen Konflikt im Osten Widerstand leisten könne. Von Anfang an hätte der Skandinavismus den Fehler gemacht, deutschfeindlich zu sein. Es sei jedoch möglich, den Skandinavismus zu einem gemeingermanischen Zusammengehörigkeitsgefühl auszubauen. Daher solle Schweden — was die Zukunft angehe — alles tun, um die Trennung zwischen Nord- und Südgermanen nicht noch zu verbreitern. Für dieses Ziel sollte sich Schwedens Politik einsetzen 23.

Das Verhältnis von Deutschland und Skandinavien blieb von der großen europäischen Politik nicht unberührt. Die Einigungsbewegungen waren nicht einmal eine ausschließlich deutsche oder nordische Angelegenheit; auch im Süden drängte die Situation der italienischen Staaten zu einem großen Zusammenschluß. Wirtschaftliche und ideologische, politische und völkische Gesichtspunkte bestimmten diese unter liberalen Vorzeichen stehenden europäischen Strömungen. Dennoch waren es alles andere als »Modeerscheinungen«, die zu einer neuen Ordnung in Europa drängten. Hatte die deutsche Einigungsbewegung mit der italienischen lediglich Gemeinsamkeiten in der ähnlich gearteten politischen Lage, so traten rassische und völkische Parallelen bei der deutschen und nordischen Einigungs-[bewegung in den Vordergrund.]


[S. 251]

22 »Die aus Haß und Furcht, aus Selbsterhaltungstrieb und Selbstüberschätzung zusammengesetzte Gemütsverfassung war die Mutter der skandinavischen Idee in Dänemark«, Wilhelm Beseler in: Zur skandinavischen Frage und zur schleswig-holsteinischen Sache im Juli 1857, Braunschweig 1857

23 Vgl.: E. O. Löfgren, Sverig-Norge och den danska fragan 1848-1849, 1921; ferner: Wieselgren, Lars Johan Hiertz, Stockholm 1880

Daher wurde Dänemark bei dem Versuche, einen praktischen Skandinavismus durchzusetzen, der führende Staat. Hier wandelte sich die nordische Idee unter dem Einfluß nationalliberaler Bestrebungen in einen Chauvinismus, der in der Form einer „dänischen Lebensversicherung“ die skandinavischen Brudervölker in die Belange des dänischen Staates einzuspannen suchte. [...]

[S. 335]

Diese deutschfeindliche Haltung des Skandinavismus war in seiner Anlage ursprünglich nicht gegeben und völlig überspannt. Daß im Norden Europas sich die skandinavischen Völker ebenso zu einer Staatenverbindung zusammenschließen würden wie im Süden die italienischen und in Mitteleuropa die deutschen Staaten, schien in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts nur eine Frage der Zeit zu sein; es war aber klar, daß eine politische Verwirklichung des Skandinavismus unmöglich sein würde ohne die Beteiligung einer Großmacht: als Grenznachbar im Osten stand Rußland, von der See her konnte England jederzeit auf das einfuhrabhängige Norwegen drücken, und im Süden, als Nachbar Dänemarks und bedeutender Ostseeanrainer, entstand der deutsche Gesamtstaat. Diese Erkenntnis veranlaßte Männer aus allen skandinavischen Staaten, den Skandinavismus nur als Vorstufe zu einer größeren Einheit zu betrachten und über ihn hinaus die Erweiterung zu einem großgermanischen Zusammenschluß zu fordern. Dieses Bestreben war besonders groß in Schweden, wo Lars Johan Hierta, der Begründer des liberalen „Aftonbladet“, sich dafür einsetzte. Die vereinten Reiche Schweden und Norwegen, so führte er 1848 mehrfach aus, hätten keinen Anlaß, mit dein deutschen Volke Händel zu suchen, das für Schweden in gleichem Maße wie das dänische Volk als ein wünschenswerter Verbündeter betrachtet werden sollte, und vereint mit ihm im Hinblick auf einen möglichen Konflikt im Osten Widerstand leisten könne. Von Anfang an hätte der Skandinavismus den

[S. 336]

Fehler gehabt, deutschfeindlich zu sein. Es sei jedoch möglich, den Skandinavismus zu einem gemeingermanischen Zusammengehörigkeitsgefühl auszubauen. Daher solle Schweden in Hinblick auf die Zukunft alles tun, um die Trennung zwischen Nord- und Südgermanen nicht noch zu verbreitern; für dieses Ziel sollte sich Schwedens Politik einsetzen. […]

[S. 337]

Das Verhältnis von Deutschland und Skandinavien blieb nicht unberührt von der europäischen großen Politik. Die Einigungsbewegungen waren nicht einmal eine ausschließlich deutsche oder nordische Angelegenheit; auch im Süden drängte der Zustand der italienischen Staaten zu einem großen Zusammenschluß. Wirtschaftliche und ideologische, politische und völkische Gesichtspunkte bestimmten diese unter liberalem Vorzeichen stehenden europäischen Strömungen.

Dennoch waren es alles andere als „Modeerscheinungen“, die zu einer neuen Ordnung in Europa drängten. Hatte die deutsche Einigungsbewegung mit der italienischen lediglich die Gemeinsamkeit einer ähnlich gearteten politischen Lage, so lagen die Parallelen der deutschen und der nordischen Einigungsbewegung auch noch im blutmäßigen und geistigen Bereich.

Anmerkungen

Aus "einfuhrabhängige" wird "ausfuhrabhängige"

Sichter

[6.] Analyse:Fwp/Fragment 225 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:36:06 WiseWoman
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Seite: 225, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 337, Zeilen: S. 337; S. 338; S. 339; S. 340
[Hatte die deutsche Einigungsbewegung mit der italienischen lediglich Gemeinsamkeiten in der ähnlich gearteten politischen Lage, so traten rassische und völkische Parallelen bei der deutschen und nordischen Einigungs-]bewegung in den Vordergrund.

Auf deutscher Seite begrüßte man den jungen Skandinavismus mit Sympathie, und auch die Skandinavisten sahen in dem Streben nach einer deutschen Einigung eine verwandte Bewegung. Weshalb sollte im Norden zwischen zwei Staaten das nicht möglich sein, was in 39 deutschen Territorialstaaten gefordert und erhofft wurde?

Die französische Julirevolution von 1830 brachte den Durchbruch des Bürgertums und wirkte auch in den anderen europäischen Ländern als Signal. Die europäischen Einigungsbewegungen wurden getragen von dem Bürgertum liberaler Prägung. Als die revolutionäre Bewegung im Frühjahr 1848 in Frankreich wieder auflebte, entstand sogleich in den deutschen Ländern die Forderung nach einem deutschen Parlament als Grundlage einer staatlichen Einigung und nach der seit mehr als einem Menschenalter ersehnten Neuordnung Deutschlands. Justus Möser und Johann Gottlieb Fichte hatten mit ihren Schriften und Reden der Entwicklung des deutschen Staatsgedankens bereits vorgearbeitet. Jetzt schien die Verwirklichung eines »deutschen Nationalstaates«, wie er 1848 bereits gefordert war, unmittelbar bevorzustehen. Die nationale Bewegung ergriff ganz Deutschland; sie wurde besonders stark entfacht in den Grenzländern und kam außenpolitisch dort zur Auswirkung, wo das Recht der nationalen Selbstbestimmung verweigert werden sollte.

Der Kampf zwischen den deutschen und dänischen Interessen, durch innere Notwendigkeit an sich nicht bedingt, verschärfte sich besonders im Grenzland. Das starke Nationalbewußtsein auf beiden Seiten äußerte sich vorab in Sprache und Nationalität 24.

Dazu kamen wirtschaftliche Gründe. Dänemark war seit der Napoleonzeit stark von Hamburg abhängig, und diese Bindung erwies sich nun als äußerst problematisch. Als Gegengewicht gegen Hamburgs Einfluß erstrebte man eine Handelspolitik, die einen lebhaften Warenaustausch mit den Nordländern vorsah.

Das aufstrebende dänische Bürgertum entwickelte unter der Leitung von Orla Lehmann einen tatkräftigen nationalen Liberalismus, während die konservative Richtung weiterhin die Beibehaltung eines dänischen Gesamtstaates unter Einschluß von Schleswig-Holstein forderte und die skandinavistischen Bestrebungen scharf ablehnte. Demgegenüber traten Männer wie Lehmann, Ploug und Monrad als Vertreter einer jungen Generation auf, die, aus den Kreisen des »Studenten-Skandinavismus« hervorgegangen, allmählich eine klare politische Richtung gewonnen hatten. War diese zunächst nur nordisch-skandinavisch bestimmt, so ließ doch der Schwur auf dem Reithaus 1845 keinen Zweifel mehr an der politischen Zielsetzung gegen Deutschland: Orla Lehmanns Vereidigung der skandinavischen Studenten wurde damit zu einer bedeutsamen politischen Handlung, die sich eindeutig gegen den entstehenden deutschen Nationalstaat richtete 25.


[S. 251]

24 Vgl.: Heinr. v. Sybel, Die Begründung des Deutschen Reiches, 7 Bde., München und Leipzig 1889-1894; ferner: Erich Marcks, Der Aufstieg des Reiches, 2 Bde., Stuttgart 1934

25 Vgl.: Christian Degen, Orla Lehmann und der nationale Gedanke, Diss. Tübingen 1937

S. 337

Hatte die deutsche Einigungsbewegung mit der italienischen lediglich die Gemeinsamkeit einer ähnlich gearteten politischen Lage, so lagen die Parallelen der deutschen und der nordischen Einigungsbewegung auch noch im blutmäßigen und geistigen Bereich.

Auf deutscher Seite begrüßte man den jungen Skandinavismus mit Sympathie, und auch die Skandinavisten sahen in dem Streben nach einer deutschen Einigung eine verwandte Bewegung. Weshalb sollte im Norden zwischen zwei Staaten das nicht möglich sein, was in 39 deutschen Territorialstaaten gefordert und erhofft wurde?

Die französische Julirevolution von 1830 brachte den Durchbruch des Bürgertums und wirkte als Signal auch in den anderen europäischen Ländern. Die europäischen Einigungsbewegungen, getragen von dem Bürgertum, standen damit unter liberalem Vorzeichen. Als eine weitere revolutionäre Welle im Frühjahr 1848 von Frankreich herüberzog, entstand sogleich in den deutschen Ländern die Forderung nach einem deutschen Parlament als Grundlage einer staatlichen Einigung. Seit mehr als einem Menschenalter war die Neuordnung Deutschlands ersehnt, Justus Möser und Johann Gottlieb Fichte hatten mit ihren Schriften und Reden den verborgenen deutschen Staats-

[S. 338]

gedanken bereits aufkeimen lassen. Jetzt schien die Verwirklichung eines „deutschen Nationalstaates“, wie er bereits 1814 gefordert war, unmittelbar bevorzustehen.

Die nationale Bewegung ergriff ganz Deutschland; sie wurde besonders stark entfacht in den Grenzländern und kam außenpolitisch dort zum Austrag, wo das Recht der nationalen Selbstbestimmung verweigert werden sollte. [...]

[S. 339]

Der Kampf zwischen deutsch und dänisch, durch innere Notwendigkeit an sich nicht bedingt, wuchs sich im Grenzland

[S. 340]

zu besonderer Schärfe aus. Ein starkes Nationalbewußtsein entstand auf beiden Seiten und rieb sich an der fremden Sprache und Nationalität. Dazu kamen wirtschaftliche Gründe. Dänemark war seit der Napoleonszeit von Hamburg stark abhängig geworden; diese wirtschaftliche Verpflichtung wurde als drückend empfunden und als Gegengewicht gegen Hamburgs Einfluß eine Handelspolitik erstrebt, die einen lebhaften Warenaustausch mit den Nordländern vorsah.

Das aufstrebende dänische Bürgertum entwickelte unter der Leitung von Orla Lehmann einen tatkräftigen nationalen Liberalismus, während die konservative Richtung weiterhin die Beibehaltung eines dänischen Gesamtstaates, also unter Einschluß von Schleswig-Holstein, forderte und die skandinavistischen Bestrebungen mit ziemlicher Schärfe ablehnte. Demgegenüber traten Lehmann, Ploug und Monrad als Vertreter einer jungen Generation auf, die, aus den Kreisen des „Studenten-Skandinavismus“ hervorgegangen, allmählich eine klare politische Richtung gewonnen hatten. War diese zunächst nur nordisch-skandinavistisch bestimmt, so ließ doch der Schwur auf dem Reithaus 1845 keinen Zweifel mehr an der politischen Zielsetzung gegen Deutschland: Orla Lehmanns Vereidigung der skandinavischen Studenten wurde damit zu einer bedeutsamen politischen Handlung, die sich eindeutig gegen den entstehenden deutschen Nationalstaat richtete.

Anmerkungen
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[7.] Analyse:Fwp/Fragment 226 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:36:15 WiseWoman
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Seite: 226, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 341, Zeilen: S. 341; S. 349; S. 350; S. 351
Nach den Vorgängen des März 1848 unterschied sich der europäische Gesichtspunkt von dem deutschen erheblich. Rußland, Österreich und England lehnten gleichermaßen die deutsche wie die skandinavische Einigungsbewegung ihrer revolutionären Tendenzen wegen ab; und in der dänischen Frage mußte die deutsche Revolution die bittere Enttäuschung erleben, daß ihr der Skandinavismus in Schleswig-Holstein als Feind gegenübertrat. Die Entscheidung war gefallen, als der dänische Sieg bei Bau am 9. April 1848, dessen Folgen für Schleswig-Holstein bei längerem Warten nicht mehr abzusehen gewesen wären, zu raschem Handeln zwang. Durch Bundesbeschluß vom 12. April 1848 wurde die provisorische Regierung anerkannt und die diplomatischen Beziehungen zwischen Dänemark und dem deutschen Bund abgebrochen. Mit der Durchführung der militärischen Maßnahmen des Bundes wurde Preußen beauftragt 26.

Die militärische Auseinandersetzung wurde durch einen Waffenstillstand zunächst beigelegt, an dessen Zustandekommen die Großmächte, insbesondere England und Rußland, maßgeblich beteiligt waren; wieder wurde die Regelung einer deutschen Frage durch fremde Mächte wahrgenommen, wobei die schwedische Unterstützung der dänischen Politik zwar eine geringere Rolle spielte. Daß jedoch eine solche Politik Schwedens anstelle seiner jahrhundertelangen Feindschaft zu Dänemark möglich war, ist ein unmittelbares Ergebnis des Skandinavismus, der sich nun auch außenpolitisch als wirksam erwiesen, ja in seiner Außenwirkung 1848 seinen Höhepunkt erreicht hatte: Der skandinavische Vorstoß hat außenpolitische Bestrebungen der deutschen Einheitsbewegung von 1848 vernichtet und durch die damit heraufbeschworenen Folgen der deutschen Nationalversammlung selbst einen gefährlichen Stoß versetzt27.

Vermutlich im Vertrauen auf aktive schwedisch-norwegische Unterstützung kündigte Dänemark im Frühjahr 1849 den Waffenstillstand. Das zeigt deutlich, wie sehr das Ansehen der deutschen Nationalbewegung gesunken war. Deutschlands Aufspaltung zwischen Monarchie und Republik, konservativer und liberaler Gesinnung, seine Kleinstaaterei gegenüber den beiden deutschen Großmächten erlaubte Dänemark, für sich ohne weiteres den Grundsatz der Parität mit Deutschland vertreten zu können. Die aktive schwedische Unterstützung blieb freilich aus. Nach den Wirren und der bald geschwundenen Begeisterung des Revolutionsjahres war die schwedische Öffentlichkeit wesentlich ruhiger geworden. Unter dem Druck Österreichs und des wiederhergestellten Deutschen Bundes wurde dann am 2. Juli 1850 der Friede zwischen Preußen und Dänemark geschlossen. Der Skandinavismus hatte sein politisches Ziel erreicht. Die nordische Einigungsbewegung erschien damit zunächst abgeschlossen, und die Erregung der nationalen Kräfte klang langsam wieder ab.

Anders war es in Deutschland. Hier hatte die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. jene große Enttäuschung hervorgeru-[fen, die nach einem anderen Weg der deutschen Einheit suchen ließ. ]


[S. 251]

26 Vgl.: Christian Degen, a. a. O .; ferner: W. Heyn, Der deutsche Krieg gegen Dänemark 1848, Diss. Hamburg 1923

27 Vgl.: Die erste deutsche Nationalversammlung und ihr Werk, ausgewählte Reden, eingel. von P. Wentzke, Düsseldorf und München 1922

Aber nach den Vorgängen des März 1848 sollte sich der europäische Gesichtspunkt von dem deutschen erheblich unterscheiden: Rußland, Österreich und England lehnten gleichermaßen die deutsche wie die skandinavische, Einigungsbewegung ihrer revolutionären Tendenzen wegen ab. Und in der dänischen Frage mußte die deutsche Revolution die bittere Enttäuschung erleben, daß der als verwandt begrüßte Skandinavismus in Schleswig-Holstein als Feind gegenübertrat. Die Entscheidung war gefallen, wenn man es auch gerne anders hätte haben wollen: der dänische Sieg bei Bau am 9. April 1848, dessen Folgen für Schleswig-Holstein bei längerem Warten nicht mehr abzusehen gewesen wären, zwang zu raschem Handeln. Durch Bundesbeschluß vom 12. April wurde die provisorische schleswig-holsteinische Regierung anerkannt und die diplomatischen Beziehungen zwischen Dänemark und dem deutschen Bund abgebrochen. Mit der Durchführung der militärischen Maßnahmen des Bundes wurde Preußen beauftragt. [...]

[S. 349]

Zwar waren an dem Zustandekommen des Waffenstillstandes die Großmächte, insbesondere England und Rußland, maßgebend beteiligt; wieder wurde die Regelung einer deutschen Frage durch fremde Mächte vorgenommen. Schwedens Hilfe hat im Verhältnis dazu eine geringere Rolle gespielt. Daß aber überhaupt diese Richtung der schwedischen Politik an Stelle einer jahrhundertelangen Feindschaft gegenüber Dänemark eingeschlagen wurde, ist ein unmittelbares Ergebnis des Skandinavismus. Darum war es gefährlich, die schwedische Vermittlung anzurufen. Der Skandinavismus hatte sich auch außenpolitisch als wirksam erwiesen, ja er hatte in seiner Außenwirkung 1848 seinen Höhepunkt erreicht: Der skandinavistische Vorstoß hat außenpolitische Bestrebungen der deutschen Einigungsbewegung von 1848 vernichtet und durch die damit heraufbeschworenen Folgen der deutschen Nationalversammlung selbst einen gefährlichen Stoß versetzt. [...]

Vermutlich im Vertrauen auf aktive schwedisch-norwegische Hilfe kündigte Dänemark im Frühjahr 1849 den Waffenstillstand. Das zeigt deutlich, wie sehr das Ansehen der deutlichen Nationalbewegung gesunken war. Deutschland war in seiner

[S. 350]

Aufspaltung zwischen Monarchie und Republik, konservativer und liberaler Gesinnung, Kleinstaatsbelangen gegenüber den beiden deutschen Großmächten und durch den deutschen Dualismus so ohnmächtig, daß Dänemark für sich ohne weiteres den Grundsatz der Parität mit Deutschland annehmen zu können glaubte. [...] Mit seiner Rechnung auf Schweden hatte Dänemark sich jedoch getäuscht; nach den Wirren und der bald verrauchten Begeisterung des Revolutionsjahres war die schwedische Öffentlichkeit bedeutend ruhiger geworden. [...]

[S. 351]

Unter dem Druck Österreichs und des wiederhergestellten Deutschen Bundes wurde am 2. Juli 1850 der Friede zwischen Preußen und Dänemark geschlossen. Der Skandinavismus hatte sein politisches Ziel erreicht. Die nordische Einigungsbewegung erschien damit zunächst abgeschlossen, und die Erregung der nationalen Kräfte klang langsam wieder ab.

Anders war es in Deutschland. Hier hatte die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. jene große Enttäuschung hervorgerufen, die nach einem anderen Wege der deutschen Einheit suchen ließ.

Anmerkungen
Sichter

[8.] Analyse:Fwp/Fragment 227 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-15 15:26:18 Klgn
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Seite: 227, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 351, Zeilen: S. 351; S. 352
[Hier hatte die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. jene große Enttäuschung hervorgeru-]fen, die nach einem anderen Weg der deutschen Einheit suchen ließ. Anders als in Skandinavien war hier der Reichsgedanke mit seiner großen geschichtlichen Tradition verwurzelt; es schien nunmehr klar, daß Preußen die Führung in die Hände nehmen mußte. Insofern trugen die Ereignisse des Jahres 1848 dazu bei, auf politischem wie auf militärischem Gebiet eine gewisse Klärung der nunmehr notwendigen Schritte herbeizuführen: aber die Zeit des Experimentierens war noch nicht vorüber. Die erfolgversprechenden Ansätze des Erfurter Parlaments von 1850, das von den preußischen Bestrebungen zur Union mit den mitteldeutschen Staaten mancherlei erwarten ließ, mußten noch im selben Jahre in Olmütz unter vereinigtem russisch-österreichischem Druck fallengelassen werden. Damit wurde nicht nur der preußische Führungsanspruch in Deutschland zugunsten Österreichs noch einmal zurückgestellt, sondern auch Schleswig-Holstein den Dänen überlassen. Die schleswigsche Frage wurde schließlich durch europäische Mächte entschieden, die nur mittelbar an den Ostseezugängen interessiert waren. In London Unterzeichneten 1852 die fünf Großmächte und die beiden skandinavischen Staaten die neue Thronfolgeordnung für Dänemark, die einen deutschen Verzicht einschloß. Unter dem Druck der Großmächte wurden so die Probleme zwar überdeckt, jedoch nicht gelöst.

In der Auseinandersetzung der deutschen und der skandinavischen Einheitsbewegungen hatten letztere zunächst den Sieg davongetragen; der Kampf um Schleswig-Holstein hatte allerdings in Deutschland starke Kräfte geweckt, nicht zuletzt durch die Beteiligung fast aller deutschen Volksstämme an der Verteidigung der Nordmark: Neben Preußen aus allen Provinzen haben Hannoveraner, Sachsen, Bayern und Österreicher gefochten. Freilich kämpften auch Deutsche auf der Gegenseite. Zudem hatte Deutschland erstmals wieder seit dem Großen Kurfürsten den Schritt auf die See gewagt: die deutsche Reichsflotte, die preußische und die schleswig-holsteinische Marine hatten einen nicht unbedeutenden Anteil an diesem Feldzug.

So wurde durch die Kämpfe um Schleswig-Holstein die deutsche Einigungsbewegung letztlich gestärkt. Sie erweckte die Hoffnung, daß sich dann auch das Verhältnis Deutschlands zu Skandinavien ändern würde, auf dem jetzt so dunkle Schatten lagerten: »Wir Deutsche machen ... auch in Skandinavien die beschämende Erfahrung, einen wie traurigen Eindruck unsere innere und auswärtige Politik seit dem Jahre 1848, besonders die Behandlung der schleswig-holsteinischen Sache auf Freund und Feind gemacht hat«, mußte Wilhelm Beseler, der Leiter der provisorischen schleswig-holsteinischen Landesregierung, feststellen. »Die Verstimmung ruht allenthalben auf demselben Grunde und wird erst dann verschwinden, wenn wir an Phrasen und Reden ärmer und an Taten reicher geworden sein werden ... von uns allein wird es abhängen, die alte [Achtung vollständig wiederherzustellen, die man uns früher in Skandinavien bereitwillig zollte 28.«]


[S. 251]

28 Vgl.: W. Beseler, a. a. O.

Hier hatte die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. jene große Enttäuschung hervorgerufen, die nach einem anderen Wege der deutschen Einheit suchen ließ. Anders als in Skandinavien war hier der Reichsgedanke verwurzelt; hier hatte er seine große geschichtliche Tradition. Es schien nunmehr klar, daß Preußen die Führung in die Hände nehmen mußte. Insofern trugen die Ereignisse des Jahres 1848 dazu bei, auf politischem wie auf militärischem Gebiet eine gewisse Klärung der nunmehr notwendigen Schritte herbeizuführen. Aber die Zeit des Experimentierens war noch nicht vorüber. Die erfolgversprechenden Ansätze des Erfurter Parlamentes von 1850, das von den preußischen Bestrebungen zur Union mit den mitteldeutschen Staaten mancherlei erwarten ließ, mußten noch im selben Jahre in Olmütz unter vereinigtem russisch-österreichischen Druck fallengelassen werden. Damit wurde nicht nur der preußische Führungsanspruch in Deutschland zugunsten Österreichs noch einmal zurückgestellt, sondern auch Schleswig-Holstein den Dänen überlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten schleswig-holsteinische Truppen in wechselvollen Kämpfen noch versucht, dem dänischen Vordringen Einhalt zu gebieten. Die schleswigsche Frage wurde schließlich durch europäische Mächte entschieden, die nur mittelbar an den Ostseezugängen interessiert waren. In London unterzeichneten 1852 die fünf Großmächte und die beiden skandinavischen Staaten die neue Thronfolgeordnung für Dänemark, die einen deutschen Verzicht in sich schloß. Unter dem Druck der Großmächte wurden so die Probleme überdeckt, jedoch nicht gelöst.

In der Auseinandersetzung der deutschen und der skandinavischen Einigungsbewegungen hatte letztere zunächst den Sieg davongetragen. Aber der Kampf um Schleswig-Holstein hatte in Deutschland starke Kräfte geweckt, nicht zuletzt durch die Beteiligung fast aller deutschen Volksstämme an der Verteidigung der Nordmark: Neben Preußen aus allen Provinzen haben Hannoveraner, Sachsen, Bayern und Österreicher gefochten,

[S. 352]

Deutsche allerdings auch auf der Gegenseite. Zudem hatte Deutschland erstmals wieder seit dem Großen Kurfürsten den Schritt auf die See gewagt; die deutsche Reichsflotte, die preußische und die schleswig-holsteinische Marine hatten ruhmvollen Anteil an diesem Feldzug.

So wurde durch die Kämpfe um Schleswig-Holstein ein Eckpfeiler der deutschen Einigungsbewegung errichtet; über das Parlament der Paulskirche hinaus wuchs sie weiter fort. Sie erweckte die Hoffnung, daß sich dann auch das Verhältnis von Deutschland zu Skandinavien ändern würde, auf dem jetzt so dunkle Schatten lagerten: „Wir Deutsche machen ... auch in Skandinavien die beschämende Erfahrung, einen wie traurigen Eindruck unsere innere und auswärtige Politik seit dem Jahre 1848, besonders die Behandlung der schleswig-holsteinischen Sache auf Freund und Feind gemacht hat“, mußte Wilhelm Beseler, der Leiter der provisorischen schleswig-holsteinischen Landesregierung, feststellen. „Diese Verstimmung ruht allenthalben auf demselben Grunde und wird erst dann verschwinden, wenn wir an Phrasen und Reden ärmer und an Taten reicher geworden sein werden ... von uns allein wird es abhängen, die alte Achtung vollständig wiederherzustellen, die man uns früher in Skandinavien bereitwillig zollte.“

Anmerkungen
Sichter

[9.] Analyse:Fwp/Fragment 228 03 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:37:09 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

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Seite: 228, Zeilen: 3-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 363, Zeilen: S. 363: 30-; S. 364: 1-
Bismarck ist ursprünglich kein Gegner der nordischen Einheitsbewegung gewesen. Der Skandinavismus war jedoch nicht imstande, in der schleswig-holsteinischen Frage eine auch für Deutschland annehmbare Lösung vorzuschlagen. Die Einstellung der nordischen Staaten gegen Preußen hatte zudem ihren Grund in der Befürchtung, daß die »heilige Allianz« kurz vor ihrer Wiedererneuerung stehe, was man damals in Europa allgemein glaubte. Ein Zusammenschluß der drei reaktionären Ostmächte schien dem bürgerlichen Liberalismus eine tödliche Gefahr. »Dieselben Feinde, die sich gegen Polen verbündet haben und dadurch die Freiheit der anderen Nationen bedrohen, folglich auch die der skandinavischen, haben sich nunmehr gegen diese selbst gewendet«, heißt es in einer dänischen Flugschrift. Das ist die Situation von 1864: Unter diesen Vorzeichen einer doppelseitigen Empfindlichkeit glaubte Skandinavien sich gegen den Süden wehren zu müssen; aber das Bewußtsein einer nordischen Solidarität war bei den breiten Massen der skandinavischen Völker ebenso wenig vorhanden wie das Bewußtsein einer gesamtgermanischen Zusammengehörigkeit. In Norwegen vollends war der Skandinavismus auf eine zahlenmäßig verschwindend geringe Akademiker- und Bürgerschicht begrenzt. Die Bauernschaft betrachtete die Unionspläne mit Skepsis. Die Mehrzahl des Volkes seien Anti-Skandinavisten, so stellte der Führer der norwegischen Bauern fest. Man dürfe keinen Krieg führen, der das Land nichts angehe, zumal die Gerechtigkeit der dänischen Sache durchaus zweifelhaft sei. Die allgemeine Stimmung in Schweden-Norwegen stand dem in ihren Augen langweilig gewordenen Streit um Schleswig-Holstein gleichgültig gegenüber. Dänemark hatte daher einsehen müssen, daß Preußen sich nicht der nationalen Forderung der deutschen Einigungsbewegung und damit Gesamtdeutschlands in der schleswigschen Frage entziehen konnte.

Der praktische Skandinavismus war auf Illusionen aufgebaut. Der Leichtsinn der persönlichen Politik Karls XV. hatte die dänische Hartnäckigkeit nur noch versteift. Die politische Unterstützung der skandinavischen Bewegung durch eine Großmacht fehlte. Der Anschluß nach Osten war unmöglich und die Orientierung zum Süden stieß auf Ablehnung. Der Westen schließlich hatte sich versagt. Der deutsch-dänische Krieg endete mit dem Frieden von Wien am 30. Oktober 1864. König Christian IX. entsagte allen Ansprüchen auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Die Anrechte darauf gingen auf den Kaiser von Österreich und den König von Preußen gemeinschaftlich über. Das weitere Schicksal der Herzogtümer fand keine Regelung und konnte nur als vorläufig angesehen werden. Wieder tauchte der Plan auf, mit dem Augustenburger eine neue deutsche Dynastie in Schleswig-Holstein einzusetzen, diesmal auch mit Unterstützung der Öster-[reichischen Regierung.]

Bismarck ist ursprünglich kein Gegner der nordischen Einigungsbestrebungen gewesen. Der Skandinavismus war jedoch nicht imstande, in der schleswig-holsteinischen Frage einen auch für Deutschland annehmbaren Standpunkt einzunehmen. Die Einstellung der nordischen Staaten gegen Preußen hatte zudem ihren Grund in der Befürchtung, daß die „Heilige Allianz“ kurz vor ihrer Wiedererneuerung stehe, wie man damals in Europa allgemein glaubte. Ein Zusammenschluß der drei reaktionären Ostmächte schien dem bürgerlichen Liberalismus eine tödliche Gefahr. „Dieselben Feinde, die sich gegen Polen verbündet haben und dadurch die Freiheit der anderen Nationen bedrohen, folglich auch die der skandinavischen, haben sich nunmehr gegen diese selbst gewendet“, heißt es in einer däni-

[S. 364]

schen Flugschrift. Das ist die Situation von 1864: Unter diesen Vorzeichen einer doppelseitigen Empfindlichkeit glaubte Skandinavien sich gegen den Süden wehren zu müssen. Aber das Bewußtsein einer nordischen Solidarität war bei den breiten Massen der skandinavischen Völker ebensowenig vorhanden wie das Bewußtsein einer gesamtgermanischen Zusammengehörigkeit. In Norwegen vollends war der Skandinavismus auf eine zahlenmäßig verschwindend geringe Akademiker- und Bürgerschicht begrenzt. Die Bauernschaft betrachtete die Unionspläne mit Zurückhaltung und Skepsis. Die Mehrzahl des Volkes seien Anti-Skandinavisten, so stellte der Führer der norwegischen Bauern fest. Man dürfe keinen Krieg führen, der das Land nichts angehe, zumal die Gerechtigkeit der dänischen Sache durchaus zweifelhaft sei. Die allgemeine Stimmung in Schweden-Norwegen stand dem in ihren Augen langweilig gewordenen Streit um Schleswig-Holstein gleichgültig gegenüber. Dänemark hatte daher einsehen müssen, daß Preußen sich nicht der nationalen Forderung der deutschen Einigungsbewegung und damit Gesamtdeutschlands in der schleswigschen Frage entziehen konnte.

Der praktische Skandinavismus war auf Illusionen aufgebaut. Der Leichtsinn der persönlichen Politik Karls XV. hatte die dänische Hartnäckigkeit nur noch versteift. Die politische Unterstützung der skandinavistischen Bewegung durch eine Großmacht fehlte. Der Anschluß nach Osten war unmöglich und wurde nach Süden zu abgelehnt. Der Westen schließlich hatte sich versagt.

Der deutsch-dänische Krieg endete mit dem Frieden von Wien am 30. Oktober 1864. König Christian IX. entsagte allen Ansprüchen auf die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Die Anrechte darauf wurden dem Kaiser von Österreich und dem König von Preußen gemeinschaftlich übertragen. Das weitere Schicksal der Herzogtümer fand keine Regelung und konnte nur als vorläufig bestimmt angesehen werden. Wieder tauchte der Plan auf, mit dem Augustenburger eine neue deutsche Dynastie in Schleswig-Holstein einzusetzen, diesmal trat auch die österreichische Regierung eifrig dafür ein.

Anmerkungen
Sichter

[10.] Analyse:Fwp/Fragment 229 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 16:37:19 WiseWoman
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

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Seite: 229, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 364, Zeilen: S. 364; S. 365; S. 366
[Wieder tauchte der Plan auf, mit dem Augustenburger eine neue deutsche Dynastie in Schleswig-Holstein einzusetzen, diesmal auch mit Unterstützung der öster-]reichischen Regierung. Der Konflikt zwischen den beiden Großmächten schien unvermeidlich, wurde jedoch noch einmal durch den Vertrag von Gastein (14. August 1865) aufgeschoben. Die Verwaltung von Schleswig wurde Preußen zugestanden, während Holstein in österreichische Verwaltung genommen wurde. Das Herzogtum Lauenburg fiel gegen eine Entschädigung von zweieinhalb Millionen dänischer Taler ganz an Preußen.

Auch dieser Vertrag regelte die Zustände der Elbherzogtümer nur provisorisch. Als der Bruch mit Österreich aus innerdeutschen Gründen im Jahre 1866 schließlich erfolgte, trat auch die schleswig-holsteinische Frage wieder in den Vordergrund. Österreich hat in dem Prager Frieden vom 30. August 1866 ausdrücklich auf seine Rechte an Schleswig-Holstein zugunsten Preußens Verzicht leisten müssen. Allerdings wurde — mehr eine Geste an Napoleons III. Forderung nach Selbstbestimmung der Nationen als ein Zugeständnis an Dänemark — in den Artikel V des Prager Friedens ein Zusatz aufgenommen, daß Schleswig an Preußen fallen solle »mit der Maßgabe, daß die Bevölkerung der nördlichen Distrikte von Schleswig, wenn sie durch freie Abstimmung den Wunsch zu erkennen geben, mit Dänemark vereinigt zu werden, an Dänemark abgetreten werden sollen 29«. So schien durch ein für beide Teile annehmbares Prinzip der Konfliktstoff zwischen Nord und Süd aus der Welt geschafft zu sein, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zweimal Deutsche und Dänen gegeneinander geführt hatte, nachdem eine jahrhundertelange Beruhigung in ihren beiderseitigen Beziehungen eingetreten war. Das übrige Skandinavien hatte sich aber bereits während des Krieges von 1864 zurückgehalten. In dem Zusammenprall der deutschen Einigungsbewegung mit dem Skandinavismus hat letzterer das Feld räumen müssen. Die skandinavistische Bewegung hatte damit ihre politische Kraft eingebüßt. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes von 1867, jenes Küstenstaates von Memel bis Emden, begann in den deutsch-skandinavischen Beziehungen ein neuer Abschnitt 30.

Der Skandinavismus hatte versucht, einen politisch geschlossenen Block der drei nordischen Länder herzustellen, der im europäischen Kräftespiel einen nicht unbedeutenden Faktor dargestellt hätte. Dieses Ziel ist nicht erreicht worden. Der Vorgang der deutschen Reichsgründung schuf vielmehr völlig veränderte Grundlagen für die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Norden. Der Traum einer festgefügten skandinavischen Union, die neben einem losen, von Dualismus zerspaltenen und geschwächten deutschen Staatenbund gleichberechtigt erscheinen konnte, war dahin. Sobald die skandinavische Idee in die staatliche Realität umgesetzt werden sollte, erwies sie sich als nahezu wirkungslos. Die Einigung war im politischen Bereich nicht Ausdruck der Stärke, sondern der Furcht vor fremder Bedrohung. Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen [Linie kommen.]


[S. 251 f.]

29 Bismarcks Haltung in dieser Angelegenheit bleibt bis heute schwer durchschaubar. [...]

30 Vgl.: F. Hähnsen, a .a .O.; ferner: Platzhoff, Rheindorf, Tiedje, a. a. O.

Wieder tauchte der Plan auf, mit dem Augustenburger eine neue deutsche Dynastie in Schleswig-Holstein einzusetzen, diesmal trat auch die österreichische Regierung eifrig dafür ein. Der Konflikt zwischen den beiden Großmächten schien unvermeidlich, wurde jedoch noch einmal durch den Vertrag von Gastein (14. August 1865) umgangen. Die Verwaltung von Schleswig wurde Preußen zugestanden, während Holstein in österreichische Verwaltung genommen wurde. Das Herzogtum

[S. 365]

Lauenburg fiel gegen eine Entschädigung von 2½ Millionen dänischer Taler ganz an Preußen. Auch dieser Vertrag regelte die Zustände der Elbherzogtümer nur provisorisch. Als der Bruch mit Österreich aus innerdeutschen Gründen im Jahre 1866 schließlich doch erfolgt war, trat bei der Beilegung des Konfliktes auch die schleswig-holsteinische Frage erneut auf. Österreich hat in dem Prager Frieden vom 30. August 1866 ausdrücklich auf seine Rechte an Schleswig-Holstein zugunsten Preußens Verzicht leisten müssen. Allerdings wurde — mehr eine Geste an Napoleons III. Forderung nach Selbstbestimmung der Nationen als ein Zugeständnis an Dänemark — in den Artikel V des Prager Friedens der Zusatz aufgenommen, daß Schleswig an Preußen fallen solle „mit der Maßgabe, daß die Bevölkerungen der nördlichen Distrikte von Schleswig, wenn sie durch freie Abstimmung den Wunsch zu erkennen geben, mit Dänemark vereinigt zu werden, an Dänemark abgetreten werden sollen“. So schien durch ein für beide Teile annehmbares Prinzip der Konfliktsstoff zwischen Nord und Süd aus der Welt geschafft zu, sein, der um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zweimal Deutsche und Dänen gegeneinandergeführt hatte, nachdem eine jahrhundertelange Beruhigung in ihren beiderseitigen Beziehungen eingetreten war. Das übrige Skandinavien aber hatte sich bereits während des Krieges von 1864 zurückgehalten. In dem Zusammenprall der deutschen Einigungsbewegung mit dem Skandinavismus hat letzterer das Feld räumen müssen. Die skandinavistische Bewegung hatte damit ihre politische Kraft eingebüßt. Mit der Begründung des Norddeutschen Bundes von 1867, jenes Küstenstaates von Memel bis Emden, trat in den deutsch-skandinavischen Beziehungen ein neuer Abschnitt ein.

[...]

Der Skandinavismus hatte versucht, einen politisch geschlossenen Block der drei nordischen Länder herzustellen, der im europäischen Kräftespiel einen nicht unbedeutenden Faktor dargestellt hätte. Dieses Ziel ist nicht erreicht worden. Der Vorgang der deutschen Reichsgründung schuf vielmehr völlig

[S. 366]

veränderte Grundlagen für die Beziehungen zwischen Deutschland und dem Norden. Der Traum einer festgefügten skandinavischen Union, die neben einem losen, von Dualismus zerspaltenen und geschwächten deutschen Staatenbunde gleichberechtigt erscheinen konnte, war dahin. Sobald die skandinavistische Ideologie in die staatliche Realität umgesetzt werden sollte, zerflatterte sie ohne nachhaltige Wirkung. Die Einigung war im politischen Bereich nicht Ausdruck der Stärke, sondern der Furcht vor fremder Bedrohung. Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen Linie kommen.

Anmerkungen

Umfangreiche Endnote 29, S. 251 f. (hier nur Ausschnitt) wurde auch plagiiert, siehe Gerhardt Hubatsch 1950‎, S. 368 f. (dort nicht als Fußnote, sondern im Text).

Sichter

[11.] Analyse:Fwp/Fragment 230 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-13 18:53:42 Klgn
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
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Bearbeiter
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 230, Zeilen: 1-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 366, Zeilen: S. 366; S. 367; S. 370
[Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen] Linie kommen. Deutschland aber hatte die Einigung vollzogen. Dem machtvollen deutschen Kaiserreich gegenüber sanken die nordischen Staaten zur Bedeutungslosigkeit herab und verzichteten auf jeden Versuch, die europäische Politik mitbestimmen zu dürfen. Die Machtmittel der skandinavischen Einzelstaaten waren unzureichend, ihre Bevölkerung gering und ihre wirtschaftlichen Mittel dem steilen Aufstieg der Industrieländer Mittel- und Westeuropas nicht mehr gewachsen.

Dies sind einige Gründe dafür, daß die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles im Jahre 1871 in den Regierungskreisen Dänemarks und Schwedens auf heftige Ablehnung gestoßen ist. Zwar hatte das dänische Königshaus mehrfach einen Ausgleich angestrebt. So hielten im Jahre 1867 einflußreiche dänische Kreise einen Eintritt Dänemarks in den Norddeutschen Bund für möglich und wurden nur durch das Dazwischentreten Frankreichs an offiziellen Verhandlungen gehindert. Im Februar 1871 wurde dänischerseits der Vorschlag gemacht, Flensburg bei Preußen zu belassen, Alsen dagegen an Dänemark zurückzugeben und Düppel und Sonderburg zu deutschen Enklavefestungen im dänischen Gebiet zu machen. Daneben jedoch bestanden die preußenfeindlichen Bestrebungen fort.

Bei Kriegsausbruch im Jahre 1870 hatten sich große Teile der Bevölkerung Dänemarks und Schwedens auf die französische Seite geschlagen. Ein Aufflackern von Feindseligkeiten wurde in Dänemark schon durch russischen Druck von vornherein verhindert. — Im Jahre der Reichsgründung hatte Georg Brandes (1842—1927), eine in der äußeren Gestalt wie in seiner sprühenden Geistigkeit glänzende Erscheinung, in Kopenhagen mit Vorlesungen über die »Hauptströmungen in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts« begonnen, die ebenso epochemachend wirkten wie Steffens Vorlesungen von 1813, allerdings mit gegenteiliger Wirkung zu Steffens Absicht: Abwendung von der überlebten Romantik, Absage an Grundvigs Volkstumsgedanken und eine Herausführung Dänemarks aus nationalstaatlicher Enge in die weiten Zusammenhänge aufgeklärten Denkens. Die Anknüpfung an Voltaire, die kosmopolitische Dichtung, der Fortschrittsgedanke — sie begannen von hier ab Dänemark in den kulturellen Zusammenhang Westeuropas einzufügen. Die geistige Brücke zwischen Kopenhagen und Paris war geschlagen.

Überhaupt läßt sich nicht verkennen, daß vor allem in Literatenkreisen die geistige Gemeinschaft zwischen den skandinavischen Völkern gepflegt wurde. Bemerkenswerterweise trugen sie ein doppeltes Kennzeichen: sie richteten sich gegen Deutschland, blieben aber politisch ohne jede Wirkung. Es war die alte Richtung Grundvigs, deren Anhänger weiterhin gegen Deutschland literarisch zu Felde zogen. Gegen sie wandte sich mit aller Schärfe der norwegische Dichter Bjørnstjerne Bjørnson, der auch in Dänemark und Deutschland größte Wirksamkeit entfaltet hatte:

Die Dänen sahen diese von Süden, die Schweden und Norweger von Osten her. So konnte es zu keiner gemeinsamen politischen Linie kommen. Deutschland aber hatte die Einigung vollzogen. Dem machtvollen deutschen Kaiserreich gegenüber sanken die nordischen Staaten zur Bedeutungslosigkeit herab und verzichteten auf jeden Versuch, die europäische Politik mitbestimmen zu dürfen. Die Machtmittel der skandinavischen Einzelstaaten waren unzureichend, ihre Bevölkerung gering und ihre wirtschaftlichen Mittel den jetzt in steilem Aufstieg befindlichen industriearbeitenden Ländern Mittel- und Westeuropas nicht mehr gewachsen. [...]

Dieses sind einige Gründe dafür gewesen, daß die Errichtung des Deutschen Kaiserreiches in Versailles im Jahre 1871 in den Regierungskreisen Dänemarks und Schwedens auf heftige Ablehnung gestoßen ist. Zwar hatte das dänische Königshaus mehrfach einen Ausgleich angestrebt; so hielten im Jahre 1867 einflußreiche dänische Kreise einen Eintritt Dänemarks in den Norddeutschen Bund für möglich und wurden nur durch

[S. 367]

das Dazwischentreten Frankreichs an offiziellen Verhandlungen verhindert. Im Februar 1871 wurde dänischerseits der Vorschlag gemacht, Flensburg bei Preußen zu belassen, Alsen dagegen an Dänemark zurückzugeben und Düppel und Sonderburg zu deutschen Enklavefestungen im dänischen Gebiet zu machen. Daneben aber bestanden die preußenfeindlichen Bestrebungen fort. Der Kriegsausbruch im Jahre 1870 hatte in Nachwirkung skandinavistischer Strömungen große Teile der Bevölkerung in Dänemark und Schweden im französischen Lager gesehen. [...] Ein Aufflackern von feindlichen Ausbrüchen wurde in Dänemark schon durch russischen Druck von vornherein verhindert. [...]

Im Jahre der Reichsgründung hatte Georg Brandes (1842—1927), eine in der äußeren Gestalt wie in seiner sprühenden Geistigkeit gleich glänzende Erscheinung, in Kopenhagen mit seinen Vorlesungen über die „Hauptströmungen in der Literatur des neunzehnten Jahrhunderts“ begonnen, die genau so epochemachend wirkten wie Steffens Vorlesungen von 1803. In ihrer Wirkung bedeuteten sie das Gegenteil von Steffens Absicht: eine Abwendung von der überlebten Romantik, eine Absage an Grundtvigs Volkstumsgedanken, eine Herausführung Dänemarks aus nationalstaatlicher Enge in die weiten Zusammenhänge aufgeklärten Denkens. Die Anknüpfung an Voltaire, die kosmopolitische Dichtung, der Fortschrittsgedanke — sie begannen von hier ab Dänemark in den kulturellen Zusammenhang Westeuropas einzufügen. Die geistige Brücke zwischen Kopenhagen und Paris war geschlagen. [...]

[S. 370]

Es ist nicht zu verkennen, daß in gewissen Literatenkreisen die geistige Gemeinschaft zwischen den skandinavischen Völkern weiter gepflegt wurde. Bemerkenswerterweise trugen sie jedoch ein doppeltes Kennzeichen: Sie richteten sich gegen Deutschland, und sie blieben politisch ohne jede Wirkung. Es war die alte Richtung Grundtvigs, die weiterhin gegen Deutschland literarisch im Felde stand. Gegen sie wandte sich mit aller Schärfe der norwegische Dichter Bjørnstierne Bjørnson, der auch in Dänemark und Deutschland größere Wirksamkeit entfaltet hatte:

Anmerkungen
Sichter

[12.] Analyse:Fwp/Fragment 231 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-13 20:40:20 Klgn
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 231, Zeilen: 1-26
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 370, Zeilen: S. 370: 14-; S. 371: 1-2
»Ihr habt bisher Haß gegen Deutschland genährt und gehofft, andere, Frankreich oder Rußland, würden euch das dänische Schleswig, welches Deutschland euch versagt, wieder verschaffen. Das geht nun nicht länger so; ihr müßt jetzt alle romantischen [sic] und slawischen Hinneigungen fallen lassen und euch unvorbehalten an den neuen Einheitsstaat anschließen, den Preußens gewaltige Macht geschaffen hat ... deshalb ist es das allerbeste, daß ihr Dänen eure Signale ändern müßt, und dann kann es geschehen, daß auch den Deutschen die Augen dafür aufgehen, daß ihr ein gewisses Recht an Schleswig habt und daß man zurückgibt, was euch zukommt 31

Wenn diese Erklärung auch einen Sturm der Entrüstung besonders in den dänischen Zeitungen erregte, so war sie doch ein Kennzeichen dafür, daß das deutsch-skandinavische Verhältnis auch auf eine andere Grundlage gestellt werden konnte. Neue Bindungen schienen sich von dieser Seite her anzuknüpfen.

Im politischen Bereich hingegen blieb das deutsch-skandinavische Verhältnis durch die mächtige Gestalt Bismarcks überschattet. Die skandinavischen Länder waren in sein europäisches Friedens-Sicherungssystem fest eingespannt. Der Wechsel der deutschen Monarchen im Drei-Kaiser-Jahr (1888) hat an der einmal eingeschlagenen Linie der Reichspolitik, die Schweden gegenüber ein freundschaftliches Verhältnis anstrebte, jedoch Dänemarks Revisionsforderungen zurückwies, keine Änderung vollzogen. Erst Bismarcks Sturz (1890) und der auf die See gerichtete Kurs des jungen Kaisers Wilhelm II. stellte die Frage nach den Beziehungen Deutschlands zu den skandinavischen Ländern im Zeichen des weltumspannenden Imperialismus.


[S. 252]

31 Vgl.: Meldung des deutschen Gesandten in Kopenhagen v. Heydebrand und der Lasa an das Ausw. Amt v. 18.10.1872 (Hähnsen II. a. a. O.); Bjørnsons »Signal«-Artikel in: Gegenwart, Bd. II 1872

„Ihr habt bisher Haß gegen Deutschland genährt und gehofft, andere, Frankreich oder Rußland würden Euch das dänische Schleswig, welches Deutschland Euch versagt, wieder verschaffen. Das geht nun nicht länger so; Ihr müßt jetzt alle romanischen und slawischen Hinneigungen fallen lassen und Euch unvorbehalten an den neuen Einheitsstaat anschließen, den Preußens gewaltige Macht geschaffen hat ... deshalb ist es das allerbeste, daß Ihr Dänen Eure Signale ändern müßt, und dann kann es geschehen, daß auch den Deutschen die Augen dafür aufgehen, daß Ihr ein gewisses Recht an Schleswig habt und daß man zurückgibt, was Euch zukommt.“ Wenn diese Erklärung auch einen Sturm der Entrüstung besonders in den dänischen Blättern erregte, so war sie doch ein Kennzeichen dafür, daß das deutsch-skandinavische Verhältnis auch auf eine andere Grundlage gestellt werden konnte. Neue Bindungen schienen sich von dieser Seite her anzuknüpfen.

Im politischen Bereich hingegen blieb das deutsch-skandinavische Verhältnis durch die mächtige Gestalt Bismarcks überschattet. Die skandinavischen Länder waren in sein europäisches Friedenssicherungssystem fest eingespannt. Der Wechsel der deutschen Monarchen im Dreikaiserjahr (1888) hat an der einmal eingeschlagenen Linie der Reichspolitik, die Schweden gegenüber ein freundschaftliches Verhältnis anstrebte, jedoch Dänemarks Revisionsforderungen undiskutiert zurückwies, keine Änderungen vollzogen. Erst Bismarcks Sturz (1890) und der neue, auf die See gerichtete Kurs des jungen Kaisers Wilhelm II. stellte die Frage nach den Beziehungen von

[S. 371]

Deutschland zu den skandinavischen Ländern im Zeichen eines weltumspannenden Imperialismus noch einmal neu.

Anmerkungen
Sichter

[13.] Analyse:Fwp/Fragment 233 13 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-13 13:49:06 Klgn
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, SMWFragment, Schutzlevel, Verschleierung, ZuSichten

Typus
Verschleierung
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 233, Zeilen: 13-
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 406, Zeilen: S. 406: 29-; S. 407: 1-10
Gewiß hat der Weltkrieg eine Wand zwischen Deutschland und Skandinavien aufgerichtet. Die neutralen skandinavischen Staaten entfremdeten sich der deutschen Lebensfrage mehr und mehr; der historisch bedingte Charakter der deutschen Nation und der skandinavischen Völker erhielt durch verschiedenartige Schicksale eine voneinander abweichende Prägung ... So entstanden in der geistigen und politischen Entwicklung des Nordens und Südens durch einen andersartigen Geschichtsverlauf Unterschiede in der nationalen und ideellen Ausprägung der Volkscharaktere, die ihre tiefen Wirkungen auch auf das gegenseitige Verhältnis der deutschen und skandinavischen Völker ausübten.

Aber die Gemeinsamkeiten Deutschlands und Skandinaviens liegen in einer durch viele Jahrhunderte aufs engste verflochtenen geschichtlichen Entwicklung. Die zahlreichen Anregungen, die Deutschland vom Norden empfangen durfte, berechtigen zu einem Vergleich der zahlenmäßig kleinen, jedoch hochentwickelten Volksgruppe der Skandinavier mit dem großen Stammesverwandten im Süden. In der Folge der historischen Epochen überwiegen die Gemeinsamkeiten des Schicksals die Spannungen und Reibungen, und so dürfen die Deutschen die Entwicklung im Norden ebenso mit Interesse betrachten wie die Skandinavier in der Reichsgeschichte ein Stück auch ihres Schicksals erblicken können 33.


[S. 252]

33 Vgl.: Walter Hubatsch, Unruhe des Nordens, Studien zur deutsch-skandinavischen Geschichte, Göttingen, Berlin, Frankfurt 1956; ders.: Im Bannkreis der Ostsee, Grundriß einer Geschichte der Ostseeländer in ihren gegenseitigen Beziehungen, Marburg 1948

Gewiß hat der Weltkrieg auch eine Scheidewand zwischen Deutschland und Skandinavien aufgerichtet. Die neutralen skandinavischen Staaten entfremdeten sich der deutschen Lebensfrage mehr und mehr; der historisch bedingte Charakter der deutschen Nation und der skandinavischen Völker erhielt durch verschiedenartige Schicksale eine voneinander abweichende Prägung. So entstanden in der geistigen und politischen Entwicklung des Nordens und Südens durch einen andersartigen Geschichtsverlauf Unterschiede in der nationalen und ideellen Ausprägung der Volkscharaktere, die ihre tiefen Wirkungen auch auf das gegenseitige Verhältnis der deutschen und skandinavischen Völker ausüben sollten.

Aber die Gemeinsamkeiten Deutschlands und Skandinaviens liegen in einer durch viele Jahrhunderte aufs engste verfloch-

[S. 407]

tenen geschichtlichen Entwicklung. Die zahlreichen Anregungen, die Deutschland vom Norden empfangen durfte, berechtigen zu einem Vergleich der zahlenmäßig kleinen, aber hochentwickelten Volksgruppe der Skandinavier mit dem großen Stammesverwandten im Süden. In der Folge der historischen Epochen überwiegen die Gemeinsamkeiten der Schicksale die Spannungen und Reibungen, und so dürfen die Deutschen die Entwicklung im Norden ebenso mit Interesse betrachten, wie die Skandinavier in der Reichsgeschichte ein Stück auch ihres Schicksals erblicken können.

Anmerkungen
Sichter

[14.] Analyse:Fwp/Fragment 251 51 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 09:13:48 Klgn
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, KomplettPlagiat, SMWFragment, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
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Untersuchte Arbeit:
Seite: 251, Zeilen: rechte Spalte: Z. 51 -
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 368, Zeilen: S. 368, 369
29 Bismarcks Haltung in dieser Angelegenheit bleibt bis heute schwer durchschaubar. Es sind nicht allein strategische Erwägungen, um dem geplanten Nordostsee-Kanal ein ausreichendes Schutzterrain nach Norden zu verschaffen, bestimmend gewesen. Man wird vielleicht annehmen, daß Bismarck in dem großen Kräftespiel der [europäischen Mächte den Norden bereits als bedeutungslos ansah, daß er glaubte, sich über seine besonderen Belange hinwegsetzen zu können.] Seine Haltung in

[S. 369]

dieser Angelegenheit bleibt bis heute schwer durchschaubar. Es sind nicht allein strategische Erwägungen, um dem geplanten Nordostseekanal ein ausreichendes Schutzterrain nach Norden zu verschaffen, bestimmend gewesen. Man wird vielleicht annehmen, daß Bismarck in dem großen Kräftespiel der europäischen Mächte den Norden bereits als bedeutungslos ansah, daß er glaubte, sich über seine besonderen Belange hinwegsetzen zu können.

Anmerkungen

Wird auf S. 252 fortgesetzt.

Sichter

[15.] Analyse:Fwp/Fragment 252 01 - Diskussion
Zuletzt bearbeitet: 2013-06-16 09:12:20 Klgn
Fragment, Fwp, Gerhardt Hubatsch 1950, KomplettPlagiat, SMWFragment, Schutzlevel, ZuSichten

Typus
KomplettPlagiat
Bearbeiter
Klgn
Gesichtet
No.png
Untersuchte Arbeit:
Seite: 252, Zeilen: 1-13
Quelle: Gerhardt Hubatsch 1950‎
Seite(n): 369, Zeilen: 4-13
[Man wird vielleicht annehmen, daß Bismarck in dem großen Kräftespiel der] europäischen Mächte den Norden bereits als bedeutungslos ansah, daß er glaubte, sich über seine besonderen Belange hinwegsetzen zu können. Vielleicht spielte auch die Befürchtung eine Rolle, daß mit der nordschleswigschen Abstimmung ein Präzedenzfall für Volkstumsfragen in Lothringen und Posen geschaffen werden könne, dessen Rückwirkungen sich dann erst recht auf die Donaumonarchie erstrecken müßten; aber auch das erklärt nicht alles. Man wird vielleicht annehmen, daß Bismarck in dem großen Kräftespiel der europäischen Mächte den Norden bereits als bedeutungslos ansah, daß er glaubte, sich über seine besonderen Belange hinwegsetzen zu können. Vielleicht spielte auch die Befürchtung eine Rolle, daß mit der nordschleswigschen Abstimmung ein Präzedenzfall für Volkstumsfragen in Lothringen und Posen geschaffen werden könne, dessen Rückwirkungen sich dann erst recht auf die Donaumonarchie erstrecken müßten. Aber auch das erklärt nicht alles.
Anmerkungen
Sichter

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